Italien ist Spitzenreiter

Übergewicht bei Kindern in Europa

In Italien sind Kinder ab einem Alter von drei Jahren
deutlich häufiger übergewichtig als in Deutschland und anderen
europäischen Ländern. Das ist ein Resultat der europäischen
IDEFICS-Studie zur Identifizierung und Prävention gesundheitlicher
Auswirkungen von Ernährung und Lebensstil bei Kindern. In Deutschland
waren das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und
Epidemiologie (BIPS) und die Universität Bremen beteiligt.

Knapp 7.700 Kinder wurden von der Geburt bis zum Alter von elf Jahren
begleitet. Sie stammten aus sieben europäischen Ländern:
Deutschland, Italien, Belgien, Schweden, Spanien, Ungarn und Zypern.
Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich der Körpermassenindex
(BMI) der jungen Probanden im Laufe der Kindheit verändert und welche
Faktoren Einfluss auf das Körpergewicht haben. Beispiele waren der
BMI der Mutter, Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, der
Bildungsstatus der Eltern und die Stilldauer. Der BMI gibt das
Verhältnis des Gewichts (in kg) zur Körpergröße (in Meter zum
Quadrat) an. Bei Kindern und Jugendlichen verändert sich der normale
Körperfettanteil ständig, je nach Alter und Geschlecht. Anhand von
Normwertkurven lässt sich ablesen, wie das Gewicht einzuordnen ist.
Wenn der BMI den Wert 25 überschreitet, spricht man von Übergewicht.
Dieser feste Wert ist zwar umstritten, gibt aber eine Tendenz wider.
Ab einem BMI von größer 30 spricht man von Fettleibigkeit.

Ab einem Lebensalter von drei Jahren gab es von Land zu Land große
Unterschiede im Anteil der übergewichtigen und fettleibigen Kinder.
In Italien lag er bei einem Spitzenwert von 50 Prozent, gefolgt von
Zypern (29,8 %) und Spanien (25,6 %). In Ungarn hatten 19 Prozent und
in Deutschland knapp 18 Prozent der Kinder ein zu hohes
Körpergewicht. In Schweden (12,3 %) und Belgien (9,7 %) waren die
Werte am niedrigsten. Im Alter von elf Jahren hatte der mittlere BMI
italienischer Kinder bei den Jungen einen Wert von 22,3 und bei
Mädchen von 22,0 erreicht. In den anderen Ländern bewegte er sich
zwischen 18,4 und 20,3 bei Jungen und 18,2 bis 20,3 bei Mädchen.

Der wichtigste Einflussfaktor war der BMI der Mutter – vor allem in
Italien, stellten die Wissenschaftler fest. Die italienischen Mütter
und Väter brachten im europäischen Vergleich auch durchschnittlich
die meisten Pfunde auf die Waage. Zudem zeigte sich, dass das
Geburtsgewicht des Kindes mit der Gewichtszunahme der Mutter in der
Schwangerschaft in Zusammenhang stand.

Insgesamt konnten frühkindliche Faktoren aber nur einen kleinen Teil
der Unterschiede im Körpergewicht erklären. Vermutlich spielen neben
genetischen Aspekten Änderungen in der körperlichen Aktivität und
im Ernährungsverhalten eine Rolle, die sich je nach Land
unterscheiden.

Heike Kreutz, www.aid.de

www.bips-institut.de
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.13/journal.pone.0149268

Kein Alkohol in der Schwangerschaft

Etwa 14 % der Schwangeren in Deutschland konsumieren gelegentlich
Alkohol, exzessiv Alkohol trinken zwischen 1,2 % und 3,5 %. Damit können
schwangere Frauen ihr ungeborenes Kind dauerhaft schädigen. Die
betroffenen Kinder leiden oft lebenslang unter geistigen und körperlichen
Entwicklungsstörungen. Auch können Fehlbildungen im Gesicht auftreten,
Hirnfunktion und Verhalten beeinträchtigt, Nerven geschädigt sowie
Intelligenz und Wachstum vermindert sein. Diese vielfältigen Störungen
werden unter dem Begriff fetales Alkoholsyndrom zusammengefasst. 0,02 %
bis 0,8 % der Neugeborenen in Europa weisen Schädigungen durch
Alkoholkonsum auf. Somit zählt das fetale Alkoholsyndrom zu den
häufigsten angeborenen Krankheiten. Da die Symptome beim Neugeborenen
nicht immer leicht zu erkennen sind, ist mit einer hohen Dunkelziffer zu
rechnen. „Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist eine der wenigen
vollständig vermeidbaren Ursachen für schwere Entwicklungsstörungen beim
Kind“, sagt Antje Gahl, Pressesprecherin der DGE.

Egal, ob Bier, Wein, Sekt oder ähnliches – Schwangere sollten sich
bewusst sein, dass alkoholische Getränke das ungeborene Kind in jedem
Stadium der Entwicklung schädigen können. Eine Schwellendosis für den
Alkoholkonsum, ab der keine Schädigung des Kindes eintritt, lässt sich
aus den vorhandenen Daten nicht ableiten. Auch in der Stillzeit sind
alkoholische Getränke tabu.

www.dge.de/presse/pm/null-promille-fuer-das-ungeborene-kind/

Wie viel Energie braucht der Mensch?

DGE veröffentlicht neue Referenzwerte für die Energiezufuhr

Wie viele Kalorien bzw. Energie der Körper verbraucht, variiert von
Mensch zu Mensch und auch bei ein und demselben Menschen von Zeit zu Zeit
sehr. Die Referenzwerte für die Energiezufuhr sind daher Richtwerte, die
als Orientierung dienen und nicht unbedingt auf den Einzelnen zutreffen.

Ihre überarbeitete Ableitung erfolgte auf Basis von Berechnungsformeln und
aktuellen Referenzmaßen für Körpergewicht und -größe in Deutschland.
Für Erwachsene wird ein mittlerer Body Mass Index (BMI) von 22 zugrunde
gelegt, das entspricht einer täglichen Energiezufuhr von 2 300 kcal für
Männer und 1 800 kcal für Frauen im Alter von 25-50 Jahren bei geringer
körperlicher Aktivität. Verändert haben sich unter anderem die
Richtwerte für Schwangere.

In der Schwangerschaft brauchen Frauen zusätzlich Energie – jedoch nicht
von Anfang an. Schwangere müssen also nicht für Zwei essen. Ab dem 4.
Monat ist der Richtwert für die Energiezufuhr um 250 kcal pro Tag
erhöht. Das entspricht z. B. 1 Scheibe Vollkornbrot mit Margarine und
Käse. Ab dem 7. Monat erhöht sich der Richtwert um 500 kcal pro Tag.
Viele Schwangere sollten ihre Energiezufuhr trotzdem nur geringfügig bzw.
gar nicht erhöhen. Denn die Richtwerte für die zusätzliche Energiezufuhr
gelten nur für Schwangere mit Normalgewicht vor der Schwangerschaft, mit
einer wünschenswerten Gewichtsentwicklung (Körpergewichtszunahme von
12 kg bis zum Ende der Schwangerschaft) sowie mit unverminderter
körperlicher Aktivität. Bei übergewichtigen Frauen oder Frauen mit
eingeschränkter körperlicher Aktivität ist der Mehrbedarf an Energie
während der Schwangerschaft geringer. Bei ihnen muss die zusätzliche
Energiezufuhr individuell angepasst werden.

Diese und weitere praxisbezogene Fragen und Antworten zur Energiezufuhr hat
die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) in einem FAQ-Papier
zusammengefasst, das im Internet unter
http://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs zu finden ist.

Die wissenschaftliche Ausarbeitung zu den aktuellen Referenzwerten für die
Energiezufuhr ist in der 2. Auflage der „Referenzwerte für die
Nährstoffzufuhr“ veröffentlicht. Sie enthält auch die aktualisierten
Referenzwerte für die Zufuhr der Vitamine Thiamin, Riboflavin, Niacin,
Vitamin C und des Mineralstoffs Selen. Die neue Publikation ist als
Ringordner unter der Artikel-Nr. 120012 (ISBN 978-3-88749-242-7) für 35,00
EUR zzgl. Versandkosten beim DGE-MedienService,
http://www.dge-medienservice.de Tel.: 0228 9092626, Fax: 0228 9092610,
E-Mail: mailtoinfo@dge-medienservice.de, erhältlich.

Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Mütterliche Ernährung beeinflusst körperliche Leistungsfähigkeit der
Nachkommen

Wie Forscher des Deutschen Instituts für
Ernährungsforschung (DIfE) erstmals zeigen, kann die mütterliche
Ernährungsweise die körperliche Leistungsfähigkeit des Nachwuchses
beeinflussen – zumindest bei Mäusen. Im Vergleich zu Tieren, deren
Mütter eine fettarme Diät während der Trag- und Stillzeit einhielten,
waren Nachkommen von Müttern, die fettreiches Futter bekamen, trotz
Lauftrainings weniger leistungsfähig. Ebenso sprach ihre Muskulatur
nicht gut auf das Training an. Die Studie weist darauf hin, dass bei
langanhaltender Aktivität die Muskeln dieser Tiere nur unzureichend mit
Energie versorgt sind. Die Leistungsschwäche könnte mit fortschreitendem
Alter das Risiko für Übergewicht erhöhen.

Isabel Walter und Susanne Klaus vom DIfE veröffentlichten ihre
Ergebnisse in der Fachzeitschrift Journal of Nutritional Science (I.
Walter und S. Klaus, 2014, DOI:10.1017/jns.2014.55).

Nach Angaben der World Health Organisation hat sich die Zahl der
krankhaft übergewichtigen Menschen seit 1980 weltweit verdoppelt, wobei
verschiedene Faktoren das Entstehen von Übergewicht begünstigen. Zu
diesen zählen eine gewisse erbliche Veranlagung, die Ernährung und nicht
zuletzt auch die körperliche Aktivität. Verschiedene wissenschaftliche
Studien weisen dabei darauf hin, dass die mütterliche Ernährung während
der Schwangerschaft und Stillzeit die Nachkommen beeinflussen und diese
im ungünstigen Fall im Erwachsenenalter für Übergewicht und
Typ-2-Diabetes empfänglicher machen kann. Zudem ist bekannt, dass die
fetale Entwicklungsphase für die Ausprägung der Muskulatur entscheidend
ist, da nach der Geburt die Zahl der Muskelfasern nicht mehr zunimmt.
Bislang gibt es kaum Studien, welche die Effekte der mütterlichen
Ernährung auf die Muskulatur der Nachkommen hinsichtlich deren
Trainierbarkeit sowie Leistungsfähigkeit untersucht haben. Daher gingen
die Wissenschaftler des DIfE diesen Effekten am Mausmodell unter
kontrollierten Bedingungen nach.

Insgesamt untersuchten die Forscher 20 Nachkommen von Müttern, die
während der Trag- und Stillzeit fettarmes Futter* bekommen hatten,
sowie eine Gruppe von 21 Tieren, die von Müttern stammten, die eine
fettreiche Diät erhalten hatten. Nachdem die Tiere entwöhnt waren,
erhielten alle jungen Mäuse fettarmes Futter. Jeweils einer Hälfte der
beiden Mausgruppen stand zusätzlich ein Laufrad zur Verfügung, das die
Tiere nach Belieben nutzen konnten.

Die Nachkommen aller Gruppen waren in etwa gleich schwer, fraßen gleich
viel und verfügten über gleiche Mengen an Körperfett und Muskelmasse.
Allerdings stellten die Wissenschaftler Unterschiede zwischen den beiden
Gruppen fest, die für 28 Tage das freiwillige Laufradtraining absolviert
hatten. So waren nach dem mehrwöchigen Training die Nachkommen der
fettreich ernährten Mütter bei einem Ausdauertest nur etwa halb so
leistungsfähig wie die Nachkommen der fettarm ernährten. Ihre
Leistungsschwäche scheint mit Störungen des Fett- und
Zuckerstoffwechsels einher zu gehen, da im Vergleich zur anderen
Mausgruppe verschiedene Gene anders reguliert waren, die für die Fett-
und Zuckeraufnahme in die Zellen eine Rolle spielen.

„Mit unserer Untersuchung zeigen wir zum ersten Mal, dass der
mütterliche Verzehr einer sehr fettreichen Kost während der
Schwangerschaft und Stillzeit die muskuläre Leistungsfähigkeit und
Trainierbarkeit der Nachkommen beeinflusst – selbst dann, wenn die
Mütter nicht übergewichtig sind“, sagt Susanne Klaus, die am DIfE
die Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels leitet. Zukünftig
will Klaus die zu Grunde liegenden molekularen Mechanismen weiter
untersuchen, wobei sie nicht ausschließt, dass auch epigenetische
Veränderungen** der Gene eine Rolle spielen können. Um Rückschlüsse
auf den Menschen zu ziehen, sei es sicher noch viel zu früh, dennoch
lohne es sich, diesen ersten Hinweisen nachzugehen, um die Zusammenhänge
zwischen Ernährung und pränataler*** Prägung besser zu verstehen, so
Klaus.

Hintergrundinformation:
* Pro 100 Gramm enthielt das fettarme Futter etwa 4,3 Gramm Fett (dies
entspricht ca. 10 Prozent des Energieanteils der Nahrung). Pro 100 Gramm
enthielt das fettreiche Futter etwa 21 Gramm Fett (dies entspricht ca.
30 Prozent des Energieanteils der Nahrung). Das verwendete Fett setzt
sich zusammen aus einem Anteil Sonnenblumenöl (70 Prozent), einem Teil
Kokosnussöl (18 Prozent) und einem Teil Leinsamenöl (12 Prozent).

** Die Epigenetik ist ein relativ junges Forschungsgebiet. Sie
untersucht veränderte Gen-Funktionen, die nicht auf eine Änderung der
DNA-Sequenz zurückzuführen sind. Studien der letzten Zeit weisen
verstärkt darauf hin, dass auch die Ernährung als Umweltfaktor den
Aktivitätszustand von Genen nachhaltig beeinflussen kann, z. B. durch
chemische Veränderung (Methylierung) der DNA-Bausteine.

*** pränatal: vor der Geburt

Richtig essen in der Schwangerschaft

Über Ernährung in der Schwangerschaft gibt es unzählige Informationen. Ob im Internet, in Zeitschriften, in Blogs oder im Fernsehen. Auch Tipps von Oma, Freunden und Bekannten spielen eine große Rolle; manches Mal auch ungefragt. Jeder weiß offenbar alles und kennt die absolute Wahrheit. Sachliche und wissenschaftlich fundierte Informationen sind deswegen mehr als wünschenswert.

Tatsache ist: Die Ernährung während der Schwangerschaft unterscheidet sich nur geringfügig von den allgemeinen Empfehlungen. Normalgewicht für die Mutter, ausreichend Bewegung und ein ausgewogenes Essen und Trinken beider Partner entsprechend der aid-Ernährungspyramide schaffen die idealen Voraussetzungen für einen guten Schwangerschaftsverlauf und einen gesunden Start ins Leben.

Der Vitamin- und Mineralstoffbedarf steigt jedoch in der Schwangerschaft zum Teil deutlich an. Durch die höhere Nahrungsaufnahme und Anpassungsprozesse (zum Beispiel eine erhöhte Aufnahme und verminderte Ausscheidung) im Körper der Schwangeren kann der erhöhte Bedarf bei den meisten essenziellen Nährstoffen gedeckt werden. Eine ausreichende Versorgung mit Folsäure und Jod kann über die normale Ernährung aber nicht erreicht werden. Ob die Versorgung mit Eisen ausreichend ist, muss individuell ärztlich untersucht werden.

Ausreichend Bewegung in der Schwangerschaft wirkt sich positiv auf Mutter und Kind aus. Werdende Mütter können Sportarten, die kein erhöhtes Sturz- oder Verletzungsrisiko mit sich bringen, auch weiterhin ausüben. Übergewichtigen Frauen kann es dabei helfen, die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft im Rahmen zu halten. Viele Schwangere neigen dazu, den Energiebedarf zu überschätzen und essen häufig mehr als notwendig ist.
www.aid.de

Weitere Informationen finden Sie im aid-Heft „Das beste Essen in der Schwangerschaft“, Bestell-Nr. 61-1605, Preis: 2,50 Euro, www.aid-medienshop.de oder direkt unter:
www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1605

Ernährung in der Schwangerschaft

Neue Empfehlungen zum Schutz vor Listeriose und Toxoplasmose

Schwangeren wird empfohlen, sich besonders gut vor Lebensmittelinfektionen zu schützen, denn bestimmte Erkrankungen können ihrem ungeborenen Kind schaden. „Werdende Mütter sollten vorsichtshalber auf rohes Fleisch und Rohwürste, weiche Käsesorten und geräucherte Fischereierzeugnisse wie Räucherlachs verzichten“, erklärt Dr. Heidi Wichmann-Schauer vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Der Grund: In diesen Lebensmitteln können Toxoplasmen vorkommen bzw. finden sich hier vergleichsweise häufiger krankmachende Listerien. Das heißt aber nicht, dass diese Krankheitserreger in jedem Produkt vorhanden sind.
„Außerdem empfehlen wir Schwangeren, Salate am besten selbst frisch zuzubereiten und keine vorgefertigten Schnittsalate zu essen. Denn Listerien können beim Zerkleinern der Zutaten in diese Salate gelangen und sich während der mehrtägigen Lagerung auch bei Kühlschranktemperaturen weiter vermehren“, ergänzt Wichmann-Schauer.

Diese neuen Empfehlungen zum Schutz vor Listeriose und Toxoplasmose finden sich im Internet unter www.was-wir-essen.de in der Rubrik „Spezielle Ernährungsinfos“ für Schwangere. Der aid infodienst hat diese Empfehlungen in enger Zusammenarbeit mit dem BfR, dem Robert Koch-Institut (RKI) und dem Netzwerk „Gesund ins Leben“ erarbeitet.

Toxoplasmose wird durch Parasiten hervorgerufen, Listeriose durch bestimmte Bakterienstämme, so genannte Listeria monocytogenes. Toxoplasmoseerreger kommen vor allem in rohem Fleisch vor, können über Verunreinigungen durch Katzenkot aber auch auf bodennah gewachsenes Gemüse, Salate und Obst gelangen. Listerien können in vielen rohen und verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen und sich während der Lagerung weiter vermehren. Erhitzen für zwei Minuten auf mindestens 70 °C tötet beide Krankheitserreger ab.

Das RKI registriert in Deutschland pro Jahr insgesamt etwa 50 Fälle mit Komplikationen durch Toxoplasmose und Listeriose in der Schwangerschaft, was bei jährlich rund 700.000 Geburten sehr selten ist. Da die Folgen für das Kind jedoch schwerwiegend sein können und bereits wenige Krankheitskeime für eine Infektion ausreichen, sollten Schwangere auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln achten und bestimmte Lebensmittel vorsorglich meiden. Interessierte finden in den neugefassten Empfehlungen leicht verständliche Informationen zu einzelnen Lebensmittelgruppen sowie zum hygienischen Umgang mit Lebensmitteln. Fragen zu den neuen Empfehlungen beantworten aid-Experten online im Forum „Ernährung in der Schwangerschaft“ auf was-wir-essen.de.
Dr. Maike Groeneveld, www.aid.de

Vegetarische Ernährung

Der erhöhte Nährstoffbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit lässt sich mit einer abwechslungsreichen und vollwertigen ovo-lacto-vegetarischen Ernährung gut decken, denn pflanzliche Lebensmittel haben eine hohe Nährstoffdichte, das heißt: viele Nährstoffe bei relativ wenig Energie. Trotzdem gibt es besonders in der Schwangerschaft kritische Nährstoffe, für die teilweise Nahrungsergänzungsmittel empfohlen werden.

Bedingt durch den Verzicht auf Fleisch sollten Vegetarierinnen auf ihre Eisenversorgung achten, denn Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird weniger gut verwertet als tierisches Eisen. Vegetarier können aber viel dafür tun, dass die Aufnahme von pflanzlichem Eisen erleichtert wird. Der hohe Eisengehalt in Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten zum Beispiel wird durch Einweichen, Keimung und Fermentierung besser ausgenutzt. Vitamin C, das gleichzeitig aufgenommen wird, hilft ebenfalls. Müsli mit Obst ist also eine gute Kombination. Zusätzliche Eisensupplemente sind nur dann notwendig, wenn vom Arzt ein Mangel festgestellt wurde.
Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren, die in der Mischkost vor allem durch Fisch aufgenommen werden, können Vegetarier durch pflanzliche Öle, wie Lein-, Walnuss- und Rapsöl bekommen. In Schwangerschaft und Stillzeit können auch Nahrungsergänzungsmittel notwendig sein, um den Bedarf sicherzustellen. Dagegen kann der Mehrbedarf von Folat und Jod kaum über die Ernährung gedeckt werden. Das gilt sowohl für die vegetarische Ernährung als auch für die Mischkost. Schon wenn der Kinderwunsch besteht, spätestens aber in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft, sollte deshalb Folat durch entsprechende Präparate ergänzt werden. Neben der Verwendung von jodhaltigem Salz werden Schwangeren und Stillenden auch Jodsupplemente empfohlen. Für Vitamin D ist die Eigenproduktion in der Haut durch Sonnenlicht besonders wichtig. Vegetarier sollten daher besonders darauf achten, dass sie sich täglich mindestens 15 Minuten im Freien aufhalten.

Auch für Babys ist es besonders wichtig, dass sie optimal mit allen Nährstoffen versorgt sind. Wer sich entscheidet, sein Kind von Anfang an – also nach dem Stillen – vegetarisch zu ernähren, sollte in den Anfangsbreien Vollkorngetreide verwenden. Auch bei Kindern ist eine gleichzeitige Fütterung von Vitamin C-reichen Lebensmitteln sinnvoll, um das pflanzliche Eisen besser auszunutzen. Dafür wird den Breien Saft oder Obstpüree beigemischt. Für die Versorgung mit Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren sind pflanzliche Öle, wie etwa Raps- und Sonnenblumenöl, für Kinder geeignet. Ansonsten gilt für die vegetarische Kinderernährung das gleiche wie für die nicht vegetarische. Als Nährstoffsupplemente sind Vitamin K, Vitamin D und Fluorid empfohlen.

Weitere Empfehlungen zur Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für die Ernährung des Kindes im ersten Lebensjahr finden Sie unter www.gesundinsleben.de

Nora Moltrecht, www.aid.de

SGE-Fachbuch "Mutter und Kind"

Das Buch richtet sich an Eltern und werdende Eltern und beinhaltet konkrete und praktische Informationen zur Ernährung während der Schwangerschaft, der Stillzeit und des ersten Lebensjahres.

Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie in den ersten Lebensmonaten des Kindes
wirft die Ernährung zahlreiche Fragen auf. Was soll ich essen, um meinen Nahrungsbedarf
und den meines werdenden Babys zu decken? Muss ich während der Stillzeit bestimmte
Lebensmittel vermeiden? Wann sollte ich mit Beikost beginnen und mit welchem Lebensmittel?
Die neue, vollständig überarbeitete Auflage des Ratgebers «Mutter und Kind» der
Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE beantwortet alle diese Fragen konkret und
praxisnah.

Die Ernährung während der Schwangerschaft, der Stillzeit und der ersten Lebensmonate
beeinflusst stark die Entwicklung des Fötus und des Neugeborenen. Aber auch darüber hinaus
wirkt sie sich auf den Stoffwechsel und die Gesundheit des Kindes während der Kindheit und
sogar im Erwachsenenalter aus.

Die Geburt eines Kindes ist für die Eltern eine motivierende Gelegenheit,
gesundheitsfördernde Ernährungs- und Lebensgewohnheiten anzunehmen. Das Buch
«Mutter und Kind» bietet grundlegende Informationen über die spezifischen Bedürfnisse der
schwangeren und stillenden Frau und zeigt auf, wie bestimmte Risiken in dieser Zeit vermieden
werden können. Es erläutert die Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung für Mutter /Eltern
und stellt anschaulich dar, wie das Kind im ersten Lebensjahr am besten ernährt wird. Mit
praktischen Ratschlägen, Anregungen für Menus und Mengenempfehlungen ist «Mutter und
Kind» ein praktischer Leitfaden für zukünftige und junge Eltern. Alle Empfehlungen basieren auf
denen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE, des Bundesamtes für Gesundheit
BAG und der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie SGP.

Der Ratgeber «Mutter und Kind» kostet CHF 24.90 (CHF 19.90 für SGE-Mitglieder) und kann
im SGE-Shop www.sge-ssn.ch/shop, per E-Mail shop@sge-ssn.ch, oder per Telefon unter
+41 58 268 14 14 oder per Fax unter +41 58 268 14 15 bestellt werden.

Genießen ist auch Schwangeren erlaubt

Schwangere haben andere Ernährungsbedürfnisse

Gerade in der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine bedarfsgerechte Ernährungsweise besonders wichtig. Die Ernährungsbedürfnisse von schwangeren Frauen sind nur durch eine gezielte Ernährungsumstellung und Nahrungsergänzung sicherzustellen, macht der erste Vorsitzende des Deutschen Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik e.V. (DKGD) Sven-David Müller deutlich. Bei Ernährungsmangel-Zuständen, unter denen praktisch alle Schwangeren leiden, kann es zu Blutarmut (Eisenmangel-Anämie) kommen, betont Müller. Aber neben der richtigen Ernährungsweise spielen auch Bewegung und Entspannung eine wichtige Rolle. Schwangere Frauen profitieren über die Geburt hinaus von einer schwangerschaftsadäquaten Ernährungsweise, denn Osteoporose kann vermieden werden. Viele Schwangere leiden unter Verstopfung, und auch das muss nicht sein. Der jetzt vorliegende Ernährungsratgeber „Schwangerschaft“ bietet viele Tipps und Rezepte, die Frauen sicher durch Schwangerschaft und Stillzeit begleiten. Während früher die Regel „Schwangere müssen für zwei essen“ galt, ist heute klar, dass für schwangere und stillende Frauen „Klasse statt Masse!“ als Leitgedanke der Ernährungsweise gilt. Denn eine hochwertige und ausgewogene Ernährung fördert die optimale Entwicklung des Kindes und das eigene Wohlbefinden.

Richtig essen und trinken in der Schwangerschaft

Die Autoren erläutern, wie Schwangere sich und ihr Baby bestmöglich mit Nährstoffen versorgen und um welche Lebensmittel sie lieber einen Bogen machen sollten. Die richtige Ernährungsweise in der Schwangerschaft liefert mehr Proteine, Jod, Fluorid, Eisen, Kalzium, Kupfer und Folsäure als normalerweise. Eine Unterversorgung mit Jod kann zu geistig behinderten Kindern führen und eine mangelhafte Folsäurezufuhr zur Fehlgeburt oder dem offenen Rücken. Eine Eisenmangel-Anämie erfordert nicht nur eine zusätzliche Eisengabe, sondern auch Kupfer-Aufnahme. Dieses Spurenelement ist notwendig, um Eisen in die Roten Blutköperchen einzubauen. Das übersehen Frauenärzte häufig, und daher bleibt es trotz Eisen-Gabe bei Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und anderen Folgen bei Mutter und Kind. Durch die hormonelle Umstellung und Veränderung der Lage von Organen im Bauchraum leiden viele Schwangere unter Verstopfung, betont Müller.

Ernährungstipps für Schwangere und Stillende

Viele nützliche Tipps, Musterpläne und Spezialtabellen unterstützen die Ernährungsumstellung für Schwangere und Stillende und helfen, den Schwangerschaftsbeschwerden bestens vorbereitet zu begegnen und die Stillzeit gut zu meistern. Darüber hinaus hält der Band 45 optimal auf die Bedürfnisse von Schwangeren und Stillenden abgestimmte Rezepte bereit – angereichert mit allen wichtigen Nährwerten sowie Kalzium-, Eisen, Folsäure- und Jodangaben. Das Buch klärt auf, warum Katzen für schwangere Frauen genauso gefährlich sind wie Rohmilchkäse und geräucherter Fisch.

Aus dem Inhalt :
1. Nähr- und Wirkstoffe – so wichtig wie nie
2. Die optimale Gewichtszunahme
3. Was tun gegen Schwangerschaftsübelkeit & Co?
4. Kritische Lebensmittel für Schwangerschaft und Stillzeit
5. 45 leckere Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen

Sven-David Müller und Christiane Weißenberger sind ausgewiesene Diätexperten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeiten Sven-David Müller und Christiane Weißenberger als Buchautoren. Diätassistent und Bestseller-Autor Sven-David Müller ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und hat Nutritive Medizin studiert (Master of Science in Applied Nutritional Medicine). Er erhielt das Bundesverdienstkreuz für seine besonderen Verdienste um die Volksgesundheit, insbesondere im Bereich Ernährungsaufklärung. Christiane Weißenberger arbeitet als Diät- und Diabetesassistentin in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis in Würzburg. Gemeinsam haben sie bereits mehr als 20 Ernährungsratgeber veröffentlicht. Christiane Weißenberger ist Mutter von zwei Kindern und gibt im Ernährungsratgeber „Schwangerschaft“ auch ihre besten Tipps und Rezepte preis. Das Deutsche Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein in Köln, der sich die Förderung der Prävention zur Aufgabe gestellt hat. Dabei ist dem Verein die ganzheitliche Gesundheitsförderung mit einem interdisziplinären Ansatz besonders wichtig.

Sven-David Müller, Christiane Weißenberger
Ernährungsratgeber Schwangerschaft
2010. 120 Seiten, 67 Farbfotos
15,5 x 21,0 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-89993-582-0 Bestellink
€ 14,95

Mittel zur Nahrungsergänzung sind mit Vorsicht zu genießen

Vitamine aus dem Plastikröhrchen – Deutsche geben jährlich etwa 1,3 Milliarden Euro für die Präparate aus – Einnahme birgt gesundheitliche Risiken

1,3 Milliarden Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Vitamine, Mineralstoffe oder Enzyme zur Nahrungsergänzung aus. Von Magnesium, Zink über Vitamin A bis E gibt es mittlerweile sämtliche Nährstoffe abgepackt zu kaufen. Sie versprechen gesteigertes Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit sowie den Schutz vor Erkrankungen. Allerdings ist die tatsächliche Wirksamkeit in der Regel gering. „Pillen, Kapseln und Säfte ersetzen keineswegs eine ausgewogene Ernährung“, warnt Frank Grunwald, Gesundheitsexperte beim Deutschen Ring. „Wer die Produkte zu hoch dosiert oder falsch anwendet, setzt sogar seine Gesundheit aufs Spiel.“

Laut Stiftung Warentest kann beispielsweise eine erhöhte Aufnahme von Vitamin C-Präparaten Herz und Kreislauf schädigen. Außerdem entwickeln Menschen, die ergänzende Selen-Produkte zu sich nehmen, häufiger Diabetes. Einige Mittel sollten zudem beispielsweise während der Schwangerschaft gemieden werden. Nehmen schwangere Frauen zu viel Vitamin A, besteht das Risiko einer Missbildung des Kindes. Aber auch bei Krankheiten oder der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten, bestehen bei einigen Produkten Risiken.

Nebenwirkungen häufig unbekannt

Trotz der gesundheitlichen Gefahren halten viele Deutsche die Nahrungsergänzungsmittel für unbedenklich. Sie informieren sich deshalb selten über die Präparate. Ein Grund dafür ist, dass die Mittel in Supermärkten oder Drogerien frei erhältlich sind, denn laut Gesetz handelt es sich bei den Pillen, Säften und Kapseln nicht um Arzneimittel. Dementsprechend stehen Hersteller auch nicht in der Pflicht, Konsumenten auf mögliche Nebenwirkungen hinzuweisen.

Viele Menschen wissen deshalb nicht, dass es überhaupt Begleiterscheinungen gibt. Dabei können beispielsweise Omega-3-Fettsäuren – also Fischöl – Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Erbrechen hervorrufen. Mögliche Nebenwirkungen von Jod sind Akne oder Fieber. „Verbraucher sollten deshalb Qualität, Wirksamkeit und Begleiterscheinungen der Produkte vor dem Kauf unbedingt kritisch hinterfragen“, rät Grundwald vom Deutschen Ring. „Im Zweifel ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Er kennt sich nicht nur mit derartigen Produkten aus, sondern hat zusätzlich die persönliche Krankengeschichte immer im Blick“, so der Experte.

Der Griff zu Pillen und Fläschchen ist im Normalfall gar nicht notwendig. Für gesunde Personen mit einer ausgewogenen Ernährung sind Mittel zur Nahrungsergänzung überflüssig. Denn über die täglichen Mahlzeiten bekommt der Körper alle benötigten Nährstoffe. Selbst Schwankungen kann er ausgleichen, wenn der Mangel an Vitaminen und Mineralien nicht zum Dauerzustand wird.

Nahrungsergänzung bei bestimmten Gruppen jedoch sinnvoll

In bestimmten Fällen ist die Einnahme der Präparate allerdings durchaus sinnvoll, wie etwa bei Schwangeren. So ist während der Schwangerschaft zwar bei vielen Produkten Vorsicht geboten, andere Ergänzungsmittel sind wiederum besonders ratsam. Frauen benötigen beispielsweise vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft viel Folsäure. Täglich sollten sie 400 Mikrogramm zu sich nehmen. Tun sie das nicht, steigt die Gefahr von Fehl- und Frühgeburten.

Darüber hinaus lässt sich eine sehr einseitige Ernährung mit Ergänzungsmitteln ausgleichen. Wer es etwa aufgrund eines extrem stressigen Arbeitsalltags nicht schafft, ausreichend Nährstoffe zu sich zu nehmen, für den ist die kontrollierte Einnahme bestimmter Produkte möglicherweise sinnvoll. „Falsch wäre es jedoch, die Präparate als Freibrief für ein schlechtes Essverhalten zu betrachten“, warnt Grunwald vom Deutschen Ring. „Die Mittel sind – wenn überhaupt – nur zur Ergänzung gedacht und nicht, um den Tagesbedarf sämtlicher Vitamine und Mineralstoffen abzudecken.“

Mehr Informationen unter www.DeutscherRing.de/RingGesundheitsWelt