Lebensmittelkennzeichnung

Vom Farbstoff über Konservierungsstoffe bis hin zu Geschmacksverstärkern hat das Rätselraten über Inhaltsstoffe bei Bestellungen von in Lebensmitteln im Internet künftig ein Ende: Seit dem 13. Dezember müssen verpackte Lebensmittel in den Ländern der Europäischen Union (EU) besser gekennzeichnet werden. Dies gilt für die Waren in Läden, aber auch für Lebensmittelprodukte, die übers Internet EU-weit feilgeboten werden: Die Pflichthinweise im Internetshop müssen vor einer verbindlichen Bestellung – also bereits bei der Warenpräsentation – deutlich sichtbar sein. Auch alle anderen von der EU vorgeschriebenen Informationen sind stets gut lesbar zu platzieren. „Einzige Ausnahme ist das Mindesthaltbarkeitsdatum, das auch künftig beim Internetkauf fehlen darf“, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Verbraucher müssen sich jedoch beim Einkaufen und Bestellen in virtuellen Lebensmittelläden zum Teil noch gedulden. Die neuen Vorschriften werden schrittweise umgesetzt: Für Fleisch tritt eine neue Herkunftskennzeichnung erst April nächsten Jahres in Kraft. Andere Regeln bei der Nähwertkennzeichnung gelten erst in zwei Jahren. Die Verbraucherzentrale NRW skizziert die wichtigsten Deklarationspflichten für Lebensmittel im Online-Handel:

Exakte Produktbezeichnung: Die Ära bloßer Fantasienamen ist passé. Künftig muss ein Lebensmittel mit seiner verkehrsüblichen Bezeichnung und nicht mit einem werbewirksam kreierten Namen im Internet genannt werden. Kunden erfahren dann, dass sich hinter einem „Erdbeertraum“ ein Milchmischgetränk aus Magermilch mit Erdbeergeschmack verbirgt oder dass es sich bei einer „NRW-Torte“ um eine Sahne-Mandel-Biskuittorte mit Landesemblem handelt.

Zutatenliste und Zusatzstoffe: Künftig ist bei verarbeiteten Lebensmitteln auch ein Zutatenverzeichnis Pflicht, das über die Zusammensetzung des Produkts informiert. Hierbei müssen die verwendeten Zutaten klar benannt werden. Statt der ungenauen Bezeichnung „mit Farbstoff“ muss ein solcher Zusatz exakt mit „E 100“ oder „Kurkumin“ gekennzeichnet werden. Auch Warnhinweise bei der Verwendung von Azofarbstoffen, erhöhten Koffeingehalten oder Süßungsmitteln, die bei übermäßigem Verzehr abführend wirken können, dürfen künftig nicht fehlen.

Allergene und Nano-Material: Auch die 14 Stoffe, die am häufigsten allergische Reaktionen hervorrufen können, müssen künftig bei verpackten Lebensmitteln in der Zutatenliste besonders – also farblich, fett oder kursiv – hervorgehoben werden. Wie über Allergene in loser Ware genau informiert werden muss, ist derzeit noch offen und wird von den einzelnen Mitgliedstaaten im Detail geregelt. Zutaten, die in Form von technisch hergestellten Nanomaterialien verwendet werden, müssen mit dem Zusatz „Nano“ verbindlich gekennzeichnet sein.

Kalorien- und Nähwertangaben: Hersteller bleibt noch bis Mitte Dezember 2016 Zeit, um Kaloriengehalt und die sechs Nährstoffe: Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz zur besseren Orientierung der Kunden verbindlich in einer übersichtlichen Tabelle anzugeben – und zwar immer auf 100 Gramm oder 100 Milliliter bezogen. Händler, die diese Angaben freiwillig liefern, müssen allerdings dann schon ab Januar die genannten Nährwerte angeben und somit etwa den Salzgehalt statt wie bisher die Natriummenge nennen. Dies erspart Verbrauchern künftig umständliches Umrechnen.

Alkoholische Getränke und Energy-Drinks: Der Alkoholgehalt bei Bier, Wein oder Mixgetränken muss ab 1,2 Volumenprozent auf der Verpackung beziehungsweise bei dem Produkt im Internet angegeben werden. Zur Orientierung: Bier hat ungefähr einen Alkoholgehalt von fünf Prozent, Wein etwa 12 Prozent und Spirituosen um 40 Prozent. Zudem sind bei Energy-Drinks die Warnhinweise zum erhöhten Koffeingehalt sowie der Hinweis, dass die Powergetränke nicht für Kinder, schwangere und stillende Frauen geeignet sind, künftig ebenfalls Pflicht.

Ausnahme Mindesthaltbarkeitsdatum: Einziger Unterschied zum stationären Handel ist, dass die Angabe des Mindesthaltbarkeits- und des Verbrauchsdatums beim Onlinehandel nicht vorgeschrieben sind. Hilfreich ist jedoch, wenn der Online-Händler freiwillig kundtut, wie lange seine Lebensmittel bei Anlieferung mindestens haltbar ist. Verbraucher sollten stets vorsichtig sein, wenn diese Informationen bei empfindlicher Ware fehlen.

Worauf Verbraucher beim Online-Kauf von Lebensmittel achten sollten, zeigt eine interaktive Grafik der Verbraucherzentrale NRW im Internet unter www.vz-nrw.de/lebensmittelshop.

Wissen, was auf der Verpackung steht

Viele Verbraucher blicken in dem Informationsdschungel auf Lebensmittelverpackungen nicht mehr durch. Dabei gibt es klare Regeln: Sieben Angaben müssen grundsätzlich auf jeder Fertigpackung stehen und in Zukunft werden es noch mehr. So müssen von 2016 an alle Produkte Nährwertangaben tragen. Das heißt, die Hersteller müssen auf den Verpackungen unter anderem angeben, wie viele Kalorien, Zucker und Fett das Lebensmittel enthält. Für gesundheitsbezogene Aussagen wie „Ballaststoffe fördern die Verdauung“ gibt es ebenfalls klare Vorschriften.

Diese und viele weitere wichtige Informationen enthält die neue aid-Kompaktinfo „Lebensmittelkennzeichnung kurz und knapp“. Hier führt der Karikaturist Nik Ebert mit zehn bunten Karikaturen durch die Welt der Lebensmittelkennzeichnung – kurz, knapp und humorvoll und das alles auf nur 16 Seiten. Das Medium eignet sich für einen entspannten Einstieg in ein kompliziertes Thema und damit gleichermaßen für Verbraucher, Lernende oder Multiplikatoren.
www.aid.de

aid-Kompaktinfo „Lebensmittelkennzeichnung – kurz und knapp“
16 Seiten, Bestell-Nr. 61-343, Zum kostenlosen Download unter www.aid-medienshop.de oder direkt unter: http://www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=343

Pro und Contra Ampelkennzeichnung

Pro und Contra Ampelkennzeichnung

Diskussion festgefahren

Die Folgen von Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten werden über kurz oder lang dazu führen, dass die Lebenserwartung wieder sinkt, stellte Professor Berthold Koletzko, Universität München, auf dem Symposium „Verbraucherschutz und Lebensmittelkennzeichnung“ fest. Dem bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz war es gelungen, Referenten aus Industrie, Wissenschaft und Verbraucherorganisationen zur kontroversen Kennzeichnungsdebatte nach München zu holen.

Koletzko ist zuversichtlich, dass positive Änderungen der Ernährungsgewohnheiten möglich sind. So verzeichnete beispielsweise Finnland im Jahr 1973 die höchste Sterblichkeit an Herzkreislaufkrankheiten weltweit. Seitdem ist viel passiert im Land der Fjorde und Schären, vor allem in Sachen Fettverzehr. Bei konstantem Milchkonsum ging der Verzehr von Milchfett innerhalb von 50 Jahren von 18 Kilo auf zwei Kilo pro Kopf zurück. Die Verwendung von Pflanzenöl hingegen hat zugenommen. Ein führender Kekshersteller beispielsweise spart 80 Tonnen gesättigte Fette im Jahr ein, berichtete der Ernährungsmediziner. Bei der Lebensmittelkennzeichnung setzen die Finnen auf ein rotes Herz, das besonders gesunde Produkte auslobt. Der Erfolg der Maßnahmen war durchschlagend: Die Sterblichkeit an Herzkreislauferkrankungen ging seit 1969 um 80 Prozent zurück.

Koletzko berichtete auch von dem schwedischen Kennzeichnungsmodell. Die schwedische Ernährungsbehörde NFA hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Wirtschaft Bewertungskriterien für das grüne Schlüsselloch erarbeitet. Es prangt auf besonders gesunden Lebensmitteln, die weniger Zucker, Salz und Fett, aber mehr Ballaststoffe enthalten als vergleichbare Produkte. „Einfache Symbole wirken“, so Koletzko. Die Ampelkennzeichnung, wie sie derzeit in Großbritannien aber auch in Deutschland diskutiert wird, überzeugt den Mediziner weniger: „Was mache ich bei zweimal grün und zweimal rot?“, fragte er.

Von einer interessensübergreifenden Diskussion nach Art der Schweden ist Deutschland aber noch weit entfernt. Ob von Coca Cola, Frosta oder Foodwatch, alle Referenten waren sich sicher, das beste Kennzeichnungsmodell zu vertreten. Die Argumente sind mehr oder weniger seit einem Jahr dieselben, mit dem Unterschied, dass jede Seite nun wissenschaftliche Studien zu ihren Gunsten auslegt. Die Gewinner der Debatte finden sich unter anderem auf Unternehmensseite. Die Einführung einer umfassenden Nährwertkennzeichnung in McDonald’s Restaurants hat dem Unternehmen nicht geschadet; im Gegenteil es ist weiter gewachsen. Auch die Einführung der Nährwertampel bei einigen Produkten des Tiefkühlherstellers Frosta wurde von den Kunden sehr positiv kommentiert und führte bei einem Produkt kurzfristig zu einem zweistelligen Umsatzwachstum. Nährwertkennzeichnung eignet sich also offensichtlich auch als Marketinginstrument.

aid, Gesa Maschkowski

Foodwatch begrüßt Vorstoß der SPD zur Nährwert-Ampel

foodwatch begrüßt Vorstoß der SPD zur Nährwert-Ampel – Öffnungsklausel muss Weg für verbraucherfreundliche Lebensmittelkennzeichnung ebnen

Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch begrüßt die Ankündigung des Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz, eine Öffnungsklausel gegen das geplante Verbot der Ampelkennzeichnung zu unterstützen. „Es ist gut, dass es die SPD nicht bei wohlfeilen Worten zur Ampelkennzeichnung in Deutschland belassen will, sondern dort die Initiative ergreift, wo es Not tut – in Europa“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.

Alle Parteien, die sich in ihren Programmen zur Bundestagswahl für die Nährwert-Ampel ausgesprochen haben, seien aufgefordert, den Lippenbekenntnissen zur Ampelkennzeichnung Taten folgen zu lassen. „Damit verbraucherfreundliche Kennzeichnung eine Chance haben, muss das von der EU-Kommission geplante Verbot der Nährwert-Ampel endgültig vom Tisch“, so Bode weiter. „Wer es ernst meint mit der Ampel, muss sich für eine Öffnungsklausel einsetzen, die die verbindliche Einführung der Kennzeichnung in Rot, Gelb und Grün zumindest auf einzelstaatlicher Ebene zulässt.“

Lebensmittelkennzeichnung

Projekt Lebensmittel-Label

EIN Lebensmittel-Label für die Schweiz – Bestandesaufnahme abgeschlossen.
Die Lebensmittelkennzeichnung ist eine wichtige Orientierungshilfe für Konsumentinnen und
Konsumenten. Die WHO hat bereits 2003 erklärt, dass genaue, standardisierte und verständliche
Informationen über den Inhalt von Lebensmitteln nötig sind, um eine gesündere
Wahl zu treffen. Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat dafür im Rahmen des Nationalen
Programms Ernährung und Bewegung NPEB der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung
den Auftrag erteilt, die Grundlagen zur Einführung eines einheitlichen und einfach verständlichen
Lebensmittel-Labels zu erarbeiten.

Schweizerische Gesellschaft für Ernährung, SGE

Österreich braucht ehrliche Lebensmittelkennzeichnung

Österreich braucht ehrliche Lebensmittelkennzeichnung statt Konsumententäuschung

Imitate, Kunstprodukte und billige Ersatzstoffe gefährden die
Glaubhaftigkeit von Lebensmitteln

„Der Konsument kauft heute oft Produkte, die
künstlich hergestellt werden. Es kann nicht sein, dass der Konsument
glaubt, ein Naturprodukt zu kaufen und durch die Kennzeichnung in die
Irre geführt wird. Österreich braucht rasch eine ehrliche und
transparente Lebensmittelkennzeichnung“, fordert ÖVP-Abg. Hermann
Gahr.

Die Lebensmittelvielfalt bringe mit sich, dass heute Lebens- und
Nahrungsmittel oft nicht unterscheidbar sind. Dazu gebe es viel zu
viele Marken, die die Konsumenten verunsichern. Die
Lebensmittelindustrie nütze alle Spielräume in der Kennzeichnung, um
mit geschicktem Marketing möglichst viel zu verkaufen. Auf der
Strecke bleibe in der Frage Lebensmittel die Landwirtschaft, so Gahr
weiter.

„Gerade Lebensmittelimitate wie Kunstkäse oder Sojamilch sind
Konsumententäuschung. Man glaubt, ein gesundes, natürliches Produkt
zu essen und in Wirklichkeit handelt es sich um einen Produktmix“, so
Gahr, Mitglied des parlamentarischen Landwirtschaftsausschusses.

Ein weiteres Problem im Kampf um Lebensmittelpreise seien die
weltweit unterschiedlichen Qualitätsmerkmale und Kriterien. „Es ist
heute schier unmöglich für unsere Konsumenten, sich in der
Lebensmittelkennzeichnung zurecht zu finden. Österreich, das für
seine qualitativ hochwertigen Produkte bekannt ist, muss rasch
handeln“, betonte Gahr. Es sei begrüßenswert, dass über die
Parteigrenzen hinweg betreffend der eindeutigen Kennzeichnung von
Imitaten oder Analogen in der Käsezubereitung Einigkeit herrsche.
„Die Forderung lautet: echte und ehrliche Kennzeichnung unter Angabe
der Grundstoffe. Wo Milch drauf steht, muss Milch drinnen sein. Wo
Käse drauf steht, darf nicht Palmöl oder Sojaöl mit Pulver vermixt
als Käse deklariert werden.“

„Faktum ist, dass unsere Konsumenten derzeit ob der Vielfalt bei
Lebensmitteln aber auch der Bewerbung von Produkten in die Irre
geführt und getäuscht werden. Wir brauchen klare
Beurteilungsrichtlinien im österreichischen Lebensmittelbuch, damit
drin ist, was drauf steht“, so Gahr abschließend.

Lebensmittelkennzeichnung

AK verlangt eine bessere Lebensmittelkennzeichnung

Wesentliche Informationen auch bei offener Ware für KonsumentInnen wichtig

Herkunft, Zutaten, allergene Stoffe, Nährwerte – all das bleibt beim Verkauf von offener Ware für die KonsumentInnen im Dunklen. Die aktuelle Diskussion um die Verwendung von Käse-Imitaten in Lebensmitteln zeigt, wie wichtig eine klare Kennzeichnung auch bei offener Ware und in der Gastronomie ist. Daher fordert die AK Verbesserungen in der österreichischen Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung.

Er sieht aus wie Käse, ist aber kein Käse, sondern eine Mischung aus Milcheiweiß und pflanzlichen Fetten; Geflügelwurst, die aber auch Fleisch anderer Tierarten enthält; Backwaren, die Reste an Nüssen enthalten, was für Allergiker problematisch sein kann; welche und wie viel von den Zutaten in einer Wurst oder einem Aufstrich enthalten sind. „All das ist derzeit für KonsumentInnen nicht erkennbar, wenn sie Produkte offen einkaufen oder im Restaurant essen“, sagt AK Konsumentenschützer Heinz Schöffl. Auch die für die Lebensmittelauswahl so wichtige Information über die Nährwerte findet sich hier nicht. Bei verpackten Lebensmitteln sind Informationen über Informationen über Zutaten und Allergene grundsätzlich verpflichtend gekennzeichnet. „Es ist aber nicht einzusehen, warum den Verbrauchern bei loser Ware oder im Restaurant all diese Informationen immer noch vorenthalten werden“, sagt Schöffl. Die AK appelliert hier auch an die Wirtschaft im Interesse der KonsumentInnen gegenüber einer erweiterten Kennzeichnungsverpflichtung offener zu sein.

Die EU-Richtlinie über die Etikettierung von Lebensmitteln sieht grundsätzlich vor, dass auch bei offen verkauften Produkten über die verpflichtenden Kennzeichnungselemente informiert wird. Aber die Art und Weise der Regelung wird dabei den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen. Die AK verlangt, dass in Österreich die Zutaten, Allergene und Nährwerte auch bei loser Ware verpflichtend angegeben werden müssen – hier gibt es einen dringenden Nachholbedarf. Auch in der Gastronomie soll über Zutaten und Allergene, aber auch über die Herkunft zum Beispiel bei Fleisch informiert werden müssen. „Außerdem muss verstärkt kontrolliert werden“, sagt Schöffl, „dazu ist es notwendig, dass die amtliche Lebensmitteluntersuchung, die Agentur für Ernährungssicherheit AGES, ausreichende Mittel dafür zur Verfügung gestellt bekommt. Auch bei einem knappen Budget muss der Finanzminister dafür sorgen, dass entsprechende Mittel im Interesse der Konsumentensicherheit bereitgestellt werden“, so Schöffl.

Bessere Lebensmittelkennzeichnung für Allergiker

Bessere Lebensmittelkennzeichnung für Allergiker
Neue Pflicht zur Kennzeichnung von „Weichtieren“ und „Lupinen“ auf Lebensmitteln

Ab dem 23. Dezember 2008 müssen auf allen vorverpackten Lebensmitteln zwei Hauptallergene zusätzlich gekennzeichnet werden: Enthält ein Lebensmittel in unverarbeiteter oder in verarbeiteter Form „Weichtiere“ oder „Lupine“ muss dies auf der Verpackung gekennzeichnet sein: im Produktnamen, in der Zutatenliste oder durch einen gesonderten Hinweis. Künftig müssen auch geringste Gehalte gekennzeichnet werden, da es grundsätzlich keine Schwellenwerte gibt.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sagte: „Mit der neuen Kennzeichnungspflicht verbessern wir den Schutz der betroffenen Allergiker erheblich. Damit erhöht sich auch ihre Lebensqualität, da sie beim Einkauf sicherer entscheiden können.“

Lupinenmehl und Weichtiere wie Schnecken, Austern, Muscheln und hieraus hergestellte Weichtierzeugnisse sind so genannte „potente“ Allergene. Für bestimmte Allergiker reichen bereits geringe Mengen aus, um allergische Symptome oder lebensmittelallergische Reaktionen auszulösen, die lebensbedrohlich sein können.

Der Verzehr von Weichtieren, speziell Tintenfisch und Muscheln, ist in Deutschland nicht selten und auch Lupine findet sich als Mehl, Eiweißkonzentrat, Kleie oder Ballaststoffkonzentrat in einer Reihe von Lebensmitteln, z.B. in glutenfreien Backprodukten.

Nach der rechtlich vorgeschriebenen Allergenkennzeichnung für vorverpackte Lebensmittel sind Lebensmittelzutaten und Stoffe, die am häufigsten Allergien und bestimmte Unverträglichkeiten auslösen, auf dem Etikett anzugeben. Bisher umfasste die Liste zwölf Hauptallergene. Sie gilt in allen europäischen Mitgliedstaaten.

Nähere Informationen zu diesem und anderen Themen rund um Allergien finden sich im Internetportal www.aktionsplan-allergien.de. Die Internetseite ist Teil des Nationalen Aktionsplans gegen Allergien des Bundesverbraucherschutzministeriums, in dessen Rahmen inzwischen viele Einzelprojekte auf den Weg gebracht wurden, um den Alltag von Allergikern in Deutschland zu erleichtern.

Rechte der Verbraucher wesentlich gestärkt

Bundesminister Horst Seehofer stellt Verbraucherpolitischen Bericht vor

„Die Bundesregierung hat die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher in dieser Legislaturperiode wesentlich gestärkt und mehr Transparenz geschaffen“, sagte Bundesverbraucherminister Horst Seehofer bei der Vorstellung des Verbraucherpolitischen Berichts. Der Bericht, der heute vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, gibt einen Überblick über die verbraucherpolitischen Ergebnisse und bedeutende verbraucherpolitische Maßnahmen der 16. Legislaturperiode.

„Dort, wo die Gesundheit der Menschen gefährdet ist oder Verbraucher illegalen Praktiken ausgesetzt sind, müssen Gesetze und Regelungen eingreifen“, sagte Bundesminister Seehofer. „Wir wollen aber nicht unnötig Bürokratie erzeugen und Lebensstile vorschreiben. Oft reichen auch mehr Information und Transparenz aus.“

Große Fortschritte wurden vor allem im Bereich der Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelkennzeichnung erreicht. Dazu gehört die grundlegenden Neustrukturierung des nationalen Lebensmittel-, Fleisch- und Geflügelfleischhygienerechts. Mit Umsetzung des Maßnahmenpakets der Bundesregierung zur Modernisierung der Lebensmittelüberwachung wurden die Lebensmittelüberwachung verbessert und Kontroll- und Überwachungslücken geschlossen.

Zum Schutz ihrer wirtschaftlichen Interessen wurde die Position der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber der Anbieterseite in wichtigen Lebensbereichen gestärkt. Beispiele sind das Versicherungsvertragsgesetz, die Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung sowie die Verbraucherkreditrichtlinie. „Wir arbeiten derzeit an neuen Regelungen, um die Menschen vor untergeschobenen Verträgen oder unzulässiger Telefonwerbung zu schützen“, sagte Bundesverbraucherminister Seehofer.

Neue Maßstäbe für mehr Transparenz setzt ferner das Verbraucherinformationsgesetz (VIG), das am 1. Mai 2008 in Kraft tritt. Darüber hinaus unterstützte die Bundesregierung die Informationsarbeit der Verbraucherorganisationen mit institutioneller wie auch projektbezogener Förderung.

Der Verbraucherpolitische Bericht greift auch die Themen Ernährung und Gesundes Leben auf. Der Schutz vor Passivrauchen ist von der Bundesregierung mit dem Bundesnichtraucherschutzgesetz effektiv vorangebracht worden. Die Länder haben mitgezogen: ab dem 1. Juli 2008 gelten in allen Bundesländern vergleichbare Regelungen für öffentliche Einrichtungen sowie für Gaststätten. Weitere Schwerpunkte sind der Aktionsplan Ernährung und Bewegung, der Aktionsplan gegen Allergien sowie Forschungsergebnisse zum Ernährungsverhalten.

Der Verbraucherpolitische Bericht ist abrufbar unter: www.bmelv.de

EU hat Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung vorgestellt

Klarere Etiketten für Lebensmittel? – AK ist skeptisch

Die EU will die Lebensmittelkennzeichnung neu fassen und hat Ende Jänner einen Verordnungsentwurf vorgestellt. Die AK hat den Entwurf unter die Lupe genommen: Auf den ersten Blick gut, auf den zweiten Blick doch nicht so rosarot. Die neue EU Verordnung bringt zwar mehr Klarheit und setzt AK Forderungen um: alle geltenden Kennzeichnungselemente bleiben bestehen, Mindestschriftgröße kommt, verbindliche Nährwertkennzeichnung. Kritisiert wird von der AK allerdings, dass verbindliche Herkunftsangaben und eine konsumentenfreundliche Ampelkennzeichnung der Nährwerte fehlen. Ein besonderer Dorn im Auge ist der AK, dass die Kommission die vorgeschlagenen Bestimmungen der Kennzeichnung mittels Ermächtigung leicht ändern kann.

Mit der Lupe zum Einkauf? Lebensmitteletiketten mit klitzekleinen Schriftgrößen und mangelhaftem Farbkontrast sind nicht lesbar. Das zeigten AK Tests. „Die Lebensmittelkennzeichnung am Etikett stellt für Konsumenten wichtige Informationen für die Kaufentscheidung dar“, sagt AK Konsumentenschützer Heinz Schöffl. Die AK hat immer gefordert, dass Lebensmittel deutlich sichtbar und gut lesbar gekennzeichnet werden müssen.

Die EU Kommission hat den Entwurf zur Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung Ende Jänner vorgestellt. „Einige unserer Forderungen würden damit umgesetzt“, sagt Schöffl. So sollen alle derzeit bereits vorgeschriebenen Kennzeichnungselemente bleiben, etwa Name und Anschrift der Firma, Erzeuger, Verpacker oder Verkäufer, Sachbezeichnung, Zutatenliste, Mindesthaltbarkeitsdatum. Für die Etiketten wird eine Mindestschriftgröße von drei Millimeter festgelegt, und auch der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund muss gut sein. Außerdem soll die Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite der Produkte für die Lebensmittelverbindlich sein.

Die AK beanstandet aber, dass eine Kennzeichnung der Herkunft oder des Ursprunges der Produkte mit der neuen Verordnung weiterhin nicht zwingend eingeführt wird. Die Kennzeichnung von Zusatzstoffen beschränkt sich weiterhin nur auf jene Stoffe, die im Endprodukt eine Wirkung aufweisen. Bei der Kennzeichnung von offen abgegebenen Waren wird nur für allergene Zutaten und den Zusatzstoff Schwefeldioxid ein verpflichtender Hinweis vorgeschrieben, weitere Informationen sind wieder nicht zwingend. Auch die von der AK geforderte leicht verständliche Ampelkennzeichnung der Nährstoffgehalte kommt nicht – also ob wenig (grün), mittel (gelb) oder viel (rot) zB Fett, Zucker oder Salz in einem Produkt drinnen ist. Besonders skeptisch sieht die AK, dass die EU Kommission jederzeit durch eine Durchführungsverordnung die Bestimmungen der Kennzeichnung abändern kann. „Das ist unakzeptabel. Die Gefahr ist hoch, dass die Lebensmittelkennzeichnung nachträglich zum Nachteil der Konsumenten verwässert wird“, kritisiert Schöffl.