Jakobsmuschel

Jetzt darf die Jakobsmuschel gefangen werden. Ihr Muskelfleisch ist eine Delikatesse

Von Nina Esser

Die Saison hat gerade begonnen, sie ist in Port-en-Bessin mit dem Jakobsmuschelfest eingeläutet worden und dauert bis Mitte Mai. Vor Monsieur Robin steht ein Korb mit ineinander gestapelten Jakobsmuscheln. Sie bestehen aus einer gewölbten unteren und einer flachen oberen Schale mit sich zu einer Seite hin verjüngenden Lamellen. Wie ein Fächer, Sonnenstrahlen gleich, sind sie aufgespannt. Im Mittelalter benutzten Pilger die gewölbte Muschel als Trinkschale. Mit ihr wiesen sie auch ihre Pilgerschaft nach. Bis heute ist sie Erkennungszeichen der Pilger und weist die Jakobswege nach Santiago de Compostela aus.

Kochkurs beim Meister

Didier Robin ist weniger für das Geistige zuständig. Er ist Chefkoch im Hotel La Chenevière im normannischen Port-en-Bessin und gibt auch Kochkurse für die Gäste. Robin nimmt eine Jakobsmuschel, trennt mit einem Messer den weißen Muskel, der beide Teile zusammen hält, vom flachen Muschelteil ab, hebt ihn hoch und gibt den Blick frei auf die lebende Muschel, die vollständig im gewölbten Teil liegt.

Kochschule mit Didier Robin

Die Hobbyköche, die von Didier Robin lernen wollen, sehen jetzt den dicken, weißen Muskelstrang, la noix – die Nuss. Dann erblicken sie la barbe, den Bart mit den sechzig blauen Augen, le coreil, den roten Rogen, und eine schwarze Tasche, la poche noire. Mit den vielen winzigen Augen erkennt die Jakobsmuschel, die zur Familie der Kammmuscheln gehört, ihre Feinde. Muss sie vor ihnen fliehen, schwimmt sie schnell meterweit durchs Wasser. Wenn sie ihre ungleichen Klappen schnell schließt, erzeugt sie einen Rückstoß.

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www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/vermischtes/610649.html

Feuerfalle Nottreppenhaus

Die Sicherheit der Gäste ist das oberste Gebot in jedem Hotel. Doch manchmal kann es zum Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen Sicherheitsaspekten kommen: zum Beispiel dem Brandschutz und der Diebstahlsicherung. Das Problem betrifft die Nottreppenhäuser, die die Gäste im Falle eines Unglücks zur Flucht benutzen sollen. Diese sind in der Regel mit Türen gesichert, die man nur von innen öffnen kann. Befindet man sich also einmal im Treppenhaus, kann man nicht mehr zurück. Der Grund ist, dass kein Unbefugter das Hotel auf diesem Weg betreten soll. Doch was passiert, wenn sich im Falle eines Feuers der Rauch bereits im Treppenhaus ausgebreitet hat und den Gästen den Weg nach unten versperrt? Dann sind sie hilflos gefangen. Auf diese oft unterschätze Problematik weist jetzt aus aktuellem Anlass der Fachverband für Qualität in Hotels, Krankenhäusern und Altenheimen (FQH) hin.

Ulrich Jander vom FQH: „Erst vor wenigen Wochen erlitt ein Feuerwehrmann bei einem Brand in einem Fünf-Sterne-Hotel eine Rauchvergiftung, weil er im Nottreppenhaus gefangen war. Der Mann hatte allerdings Glück im Unglück, denn er konnte über Funk seine Kameraden informieren, die ihn dann verletzt aber lebend aus seinem verrauchten „Gefängnis“ befreit haben.“ Laut Jander sind solche Ereignisse keine Einzelfälle. Ein anderer tragischer Zwischenfall ereignete sich vor einiger Zeit in einem anderen Hotel: Dort wollte ein älterer Herr, der unter Platzangst litt und nicht Aufzug fahren wollte, über das Fluchttreppenhaus das Hotel verlassen. Doch er verlor in dem vierzigstöckigen Gebäude die Orientierung und erlitt einen tödlichen Herzinfarkt. Man fand ihn später kurz vor dem Notausgang zum Dach dessen Tür alarmgesichert war.

Jander räumt zwar ein, dass die geschilderten Katastrophen Extremfälle seien, doch aus Erfahrung weiß er, oft muss es erst zur Katastrophe kommen, ehe die Verantwortlichen aufwachen. Daher rät der FQH allen Hoteliers, ihre Fluchttreppenhäuser einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Oberstes Gebot laut Sicherheitsexperten Ulrich Jander: Die Türen zu den Nottreppenhäusern müssen Türklinken auf beiden Seiten haben. Nur dann kann jeder ohne Probleme von der Etage in das Nottreppenhaus kommen und auch wieder zurück. Des weiteren rät er zu so genannten Blindzylindern in den Schlössern. Diese verhindern, dass im Brandfall Rauch durch die Schlösser kommen kann. Weiterer wichtiger Hinweis: Die Fluchtwege können häufig auch gleichzeitig so genannte Angriffswege der Feuerwehr sein. Dadurch kann es bei einer möglichen Räumung zu Gegenverkehr kommen: die Gäste flüchten und die Feuerwehr kommt zum Löschen. Für diese Situation müssen auf beiden Seiten der Treppe Handläufe gemäß Gaststättenbauverordnung vorhanden sein, so Jander. Außerdem rät der Sicherheitsexperte regelmäßig Brandschutzübungen durchzuführen, denn viele Schwachstellen würden nach seiner Erfahrung erst im Rahmen einer solchen Übung entdeckt.

Mehr Informationen unter: www.bundesfachverband.org

Greenpeace enttarnt Piratenfischer vor Gran Canaria

Auf einem
Kühlschiff vor Gran Canaria, das mit Piratenfischern
zusammenarbeitet, protestieren Greenpeace-Aktivisten seit gestern
abend gegen illegale Fischerei. Die „Binar 4“ liegt im Hafen von Las
Palmas auf Reede und will Fisch entladen. Vier Umweltschützer,
darunter ein Aktivist aus Hamburg, kletterten auf die Masten des
Schiffes, wo sie die ganze Nacht ausharrten. Sie wollen den Protest
so lange fortsetzen, bis die spanischen Behörden die illegale Fracht
beschlagnahmen. Die Aktivisten vom Greenpeace-Schiff „Esperanza“
schrieben auf die Bordwand der „Binar 4“ zudem die Warnung
„Gestohlener Fisch!“. Die Behörden Guineas hatten bestätigt, dass die
„Binar 4“ gegen das Gesetz verstoßen hat.

„Piratenfischern und ihren Helfern muss das Handwerk gelegt
werden, wenn wir die Meere und ihre Artenvielfalt retten wollen“,
fordert Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace. „Wir werden sicher
stellen, dass es zu keinen weiteren Verstößen kommt, bevor die
Behörden in Las Palmas den gestohlenen Fisch beschlagnahmt haben.“

Während der vergangenen drei Wochen hat Greenpeace mit dem
Aktionsschiff „Esperanza“ vor der Westafrikanischen Küste zusammen
mit Vertretern der Behörden Guineas Fischtrawler überwacht. Von den
über 100 überprüften Schiffen sind vermutlich mehr als die Hälfte in
illegale Praktiken verwickelt. Auch die „Binar 4“ zählt dazu.
Unerlaubt hat sie Fisch auf Hoher See übernommen, der zuvor in den
Gewässern Guineas gefangen worden war. Die „Esperanza“ verfolgte das
Schiff daraufhin bis nach Las Palmas, wo die Ladung gelöscht und auf
den europäischen Markt gebracht werden sollte.

Insgesamt hat die „Binar 4“ etwa 11.000 Kisten mit Fisch an Bord.
Die Behörden in Las Palmas verweigern bislang die Erlaubnis zum
Anlanden der illegalen Fracht. „Es ist ermutigend, dass die Behörden
von Guinea und Spanien gegen das Schiff vorgehen. Dies ist
hoffentlich der Beginn wirksamer Kontrollen von Piratenfischern, die
in Las Palmas ihren Fang verkaufen wollen“, sagt Maack. Las Palmas
ist der Hauptumschlagplatz für Fisch, der illegal vor Westafrika
gefangen wird.

Die Patrouillenfahrt der „Esperanza“ vor der Küste Westafrikas ist
Teil der „SOS-Weltmeer“-Tour von Greenpeace. Über ein Jahr lang ist
das größte Aktionsschiff der Umweltschützer rund um die Welt
unterwegs. Während der Tour deckt die Esperanza Umweltverbrechen auf
und dokumentiert die Schönheit der Ozeane. Zuletzt war das Schiff in
der Antarktis aktiv und rettete Wale vor japanischen Harpunen.