Reinheitsgebot für Bier soll Weltkulturerbe werden

Das „Reinheitsgebot für Bier“ soll Weltkulturerbe werden. Einen entsprechenden Antrag richten die deutschen Brauer an die Kultusministerkonferenz und die UNESCO. Das Reinheitsgebot wurde vor fast 500 Jahren im bayerischen Ingolstadt von den Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. im Rahmen einer Landesordnung erlassen. Galt es zunächst nur für das Herzogtum Bayern, wurde es nach seiner Verkündung am 23. April 1516 von mehr und mehr Ländern übernommen und ist seit 1906 geltendes Recht in ganz Deutschland. Das Reinheitsgebot schreibt vor, dass zur Bierherstellung nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden dürfen. Es steht für die Bewahrung einer althergebrachten Handwerkstechnik und gilt zugleich als älteste, heute noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. Im Jahre 1516 war der Verbraucherschutz ein wichtiger Aspekt: Das Reinheitsgebot sollte Bier-Konsumenten vor der Verwendung billiger und zum Teil gesundheitsgefährdender Zutaten schützen und sicherstellen, dass nur hochwertige Rohstoffe verarbeitet werden. In Deutschland hat sich daraus über Jahrhunderte eine weltweit beachtete Braukunst entwickelt: Aus nur vier natürlichen Zutaten entsteht in über 1.300 deutschen Brauereien Tag für Tag eine weltweit einzigartige Vielfalt von über 40 verschiedenen Sorten und rund 5.000 einzelnen Biermarken.

Dr. Hans-Georg Eils, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, und Friedrich Düll, Präsident des Bayerischen Brauerbundes: „Wenn Deutschland bis heute unangefochten als Biernation gilt, dann ist dies dem Reinheitsgebot zu verdanken. Es garantiert Reinheit, Qualität und Bekömmlichkeit der nach dieser Vorgabe hergestellten Biere. Über Jahrhunderte wurde diese traditionelle Handwerkstechnik fortentwickelt und von Generation zu Generation weitergegeben. Ungeachtet ihrer jahrhundertealten Tradition steht die Bierbereitung nach dem Reinheitsgebot bis heute für größtmögliche Transparenz bei der Produktion von Lebensmitteln und für ein Höchstmaß an Gesundheits- und Verbraucherschutz. Das Reinheitsgebot garantiert einen Grad an Lebensmittelsicherheit, um den viele andere Bereiche der Nahrungsmittelwirtschaft die deutschen Brauer beneiden. Die Aufnahme des fast 500 Jahre alten Reinheitsgebotes für Bier als traditionelle Handwerkstechnik in das Verzeichnis des Weltkulturerbes wäre für die deutschen Brauer und Mälzer Würdigung und Ansporn zugleich.“

Das UNESCO-Abkommen zum Erhalt des Immateriellen Kulturerbes ist bereits 2006 in Kraft getreten, wurde jedoch von Deutschland erst in diesem Jahr ratifiziert. Nun wird schrittweise ein Verzeichnis des hierzulande gepflegten Immateriellen Kulturerbes erstellt. Derzeit läuft die erste Bewerbungsphase: Bis Ende November 2013 konnten Gruppen, Gemeinschaften oder Einzelpersonen Bewerbungen bei den 16 Bundesländern einbringen. Jede Bewerbung erfordert zwei unabhängige Gutachten von Sachverständigen. Für die deutschen Brauer hat der Bayerische Brauerbund vergangene Woche beim zuständigen Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst beantragt, das Reinheitsgebot für Bier in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufzunehmen. Entsprechende Fachgutachten von Prof. Dr. Franz Meußdoerffer von der Universität Bayreuth sowie von Prof. Dr. Thomas Becker und Dr. Martin Zarnkow vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München liegen der Bewerbung als Empfehlungsschreiben bei.
Nach der ersten Ausschreibungsrunde in Deutschland wird jedes Bundesland eine Vorauswahl für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis treffen und bis zu zwei Vorschläge an die Kultusministerkonferenz (KMK) übermitteln. Die KMK erstellt gemäß der Regularien eine maximal 34 Bewerbungen umfassende Vorschlagsliste und leitet diese an das unabhängige Experten-Komitee für das Immaterielle Kulturerbe bei der deutschen UNESCO-Kommission weiter. Dieses prüft und bewertet sämtliche Bewerbungen und macht Vorschläge zur Aufnahme in das nationale Verzeichnis sowie zur Weiterleitung an die UNESCO mit Sitz in Paris. Die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch die KMK zu bestätigen. Der Evaluierungsprozess der UNESCO dauert insgesamt rund zwei Jahre, sodass das Reinheitsgebot für Bier 2016, im Jahr seines 500-jährigen Bestehens, in die internationale Kulturerbeliste aufgenommen werden könnte.

www.unesco.de/immaterielles-kulturerbe.html

Karpfen im Trend

Auf rund 4.000 Hektar Teichfläche in Brandenburg wird in diesem Jahr mit einer Produktion von fast tausend Tonnen Speisekarpfen gerechnet. Dabei sind die Karpfen nicht nur im Handel erhältlich, sondern auch viele Fischereibetriebe mit einer Direktvermarktung haben den beliebten Fisch für die Festtage und den Jahreswechsel im Angebot. Auch der Kauf des Festtagskarpfens gehört in vielen Familien bereits zum Brauchtum – in der Region gekauft und vom Fischer küchenfertig ausgenommen, dazu die erforderlichen Gewürze und vielleicht noch ein Spaziergang um die winterlichen Teiche …

Der Weihnachtskarpfen hat in Mitteleuropa eine sehr lange Tradition. Karpfen gehört zum Heiligabend, an den Weihnachtsfeiertagen oder zu Silvester neben Gänsebraten und Kartoffelsalat mit Würstchen zu den klassischen Festtagsgerichten. Der Brauch an diesen Tagen Fisch zu essen, hat seinen Ursprung in der christlichen Lehre, als die Adventszeit als eine strenge Fastenzeit galt. Der Verzehr von Fleisch war untersagt, Fisch galt als „fleischlos“. Der 24. Dezember als Höhepunkt des Weihnachtsfests wurde deshalb mit einer besonderen Fastenspeise, dem Weihnachtskarpfen gefeiert.

Dabei erzielte der Karpfen bereits im 16. Jahrhundert hohe Preise. Bekannt ist, dass damals sogar das Vierfache des Preises von Rindfleisch erzielt wurde.

Der hohe Bedarf an Fisch in den christlichen Fastenzeiten hat zu einer wachsenden Anzahl von künstlich angelegten Fischteichen geführt, die auch heute noch bewirtschaftet werden. Karpfen ist, ob gebraten, blau oder mit Füllung gebacken, als Weihnachtsgericht nicht mehr wegzudenken.

Im Laufe der Zeit und regional verschieden sind weitere Bräuche um den Karpfen hinzu gekommen. Wer bei Festtagskarpfen eine Schuppe findet und diese im Portmonee aufhebt, der wird im nächsten Jahr immer genug Kleingeld haben. Neben den verschiedenen Bräuchen um Glück und Geldsegen gebührt dem Karpfen auch ein hoher Stellenwert als gesundes Lebensmittel.

Der Karpfen ist leicht verdaulich und liegt mit Sicherheit weniger schwer im Magen als eine üppige Weihnachtsgans. Er liefert gut verwertbares Eiweiß und unterstützt mit seinen Omega-3-Fettsäuren die Blutgefäße. Fettarm zubereitet bietet der Karpfen einen gesunden Genuss.

Brandenburg nimmt innerhalb Deutschlands in der Karpfenproduktion nach Bayern und Sachsen den dritten Platz ein. Einer Speisekarpfenproduktion in allen Bundesländern von rund 10.000 Tonnen jährlich steht ein Import von rund 1.500 Tonnen gegenüber. Ziel der Teichwirte ist es, vor allem über die bessere Verfügbarkeit von Satzfischen, den jährlichen Bedarf von 12.000 Tonnen Speisekarpfen in Deutschland abzusichern.

Eine Übersicht über die Brandenburger Fischer und Teichwirte hält der Landesfischereiverband auf seiner Internetseite bereit:
www.lfv-brandenburg.de

Julia Bertram

Julia Bertram aus Dernau an der Ahr ist die 64. Deutsche Weinkönigin! Um 22.19 Uhr verkündete die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI), Monika Reule, das Ergebnis: Zum fünften Mal seit 1949 kommt eine Deutsche Weinkönigin aus dem kleinen Weinanbaugebiet an der Ahr. Julia Bertram ist 22 Jahre alt und studierte Winzerin.

„Es ist grandios, ich habe ganz wackelige Beine“, sagte Julia gleich nach ihrer Wahl. Sie freue sich nun riesig auf das Jahr und darauf, „meine Leidenschaft für deutschen Wein zu teilen.“ Ihr Ziel sei es, „viele neue Freunde für den deutschen Wein zu gewinnen“, gerade auch im Ausland. Dafür wird Julia nun auf rund 200 Terminen im In-und Ausland unterwegs sein. Unterstützung erhält sie dabei von den beiden neuen Deutschen Weinprinzessinnen: Anna Hochdörffer aus der Pfalz und Natalie Henninger aus Baden.

Zuvor hatte Julia Bertram in der live vom Südwest-Fernsehen übertragenen Wahlgala mit fundiertem Weinwissen, aber auch mit Charme und gelungenem Auftreten geglänzt. Sechs Kandidatinnen hatten sich vor einer Woche bei der Vorentscheidung für die Gala an diesem Wochenende qualifiziert. Alle sechs jungen Damen hatten ein Jahr zuvor eines der dreizehn deutschen Weinanbaugebiete als Gebietsweinkönigin vertreten.

In der Wahlgala galt es nun zu beweisen, dass neben fundiertem Weinwissen auch Auftritt und Ausdruck stimmen. Und da stimmte bei Julia einfach alles: Ob es galt, aus Wortsalat richtige Begriffe zu raten, flüssig ihre Heimat vorzustellen oder das richtige Kleid für die Festspiele in Bayreuth auszuwählen – Julia bewies Charme, Stil und Humor. Mit einem beeindruckenden Text – „Das Tagesgeschenk“ von Marc Levy – über die Bedeutung der Zeit imponierte Julia dann am Ende der Sendung. “ Für mich ist besonders wichtig, den Tag zu nutzen“, sagte sie. Ganz wichtig sei doch, „dass man jede einzelne Sekunde genießt, die kleinen Sekunden, das Lächeln des Nachbarn, ein Glas Wein.“

Gekonnt absolvierte Julia zusammen mit ihren beiden künftigen Weinprinzessinnen auch die schwierige Aufgabe, drei Rotweine allein am Geruch zu erkennen. Julia, Anna und Natalie ordneten Dornfelder, Spätburgunder und Lemberger richtig zu – und für die 70-köpfige Jury empfahlen sich die drei so als neues Majestätentrio. „Wir haben uns super ergänzt“, sagte Julia denn auch nach der Show.

Das Weinwissen bringt die 22-Jährige auch aus der Familie mit: Ihre Mutter und ihre Tante führen gemeinsam das väterliche Weingut Ernst Sebastian in Dernau. Julia hat gerade ihren Bachelor in Oenologie an der renommierten Weinbau-Hochschule in Geisenheim erfolgreich abgeschlossen. Im Oktober wollte sie eigentlich einen Master-Studiengang in Internationaler Weinwirtschaft beginnen, ebenfalls in Geisenheim. „Das muss jetzt warten“, verriet Julia nach der Wahl: Im kommenden Jahr wird sie sich ganz auf ihr Jahr als Deutsche Weinkönigin konzentrieren.

Hier die gut gepflegte Homepage vom Familienweingut: www.weingut-ernst-sebastian.de/

Gourmet Report gratuliert der neuen Königin!

Die Geschichte des Club de Cantineros

Die Geschichte des „Club de Cantineros“: Jörg Meyer bloggt über die Entstehung der legendären kubanischen Bartendervereinigung und dessen Verbindung zu Bacardi

Mit einem neuen Blog lassen Jörg Meyer und Bacardi die Geschichte der kubanischen Bartendervereinigung „Club de Cantineros“ wieder aufleben. Unter www.clubdecantineros.de sind Bartender und Interessierte dazu eingeladen, mit auf eine Reise in die kubanische Barkultur der 20er, 30er und 40er Jahre zu kommen.

Die 20er Jahre in Amerika, die Zeit der Prohibition, waren schwere Jahre für Bartender (sp.: cantinero). Einige wechselten ihren Beruf komplett, andere mixten „illegal“ weiter und einige brachen nach Europa auf, um den Cocktailtrend der Roaring Twenties nach London, Berlin oder Paris zu tragen.
Viele professionelle Bartender traten die Reise aber auch nach Havana/Kuba an, das zu dieser Zeit zum Hotspot der internationalen Barkultur avancierte. Aus dieser Bewegung heraus gründete sich am 28. Mai 1924 der heute kaum noch bekannte —Club de Cantineros. Zehn Barkeeper gründeten das Komitee, zu dessen wichtigsten Förderern von Beginn an die ‚Companía Ron Bacardi S.A.‘ gehörte. Gemeinsam mit dem Club setzte sich Bacardi kontinuierlich für die Besserstellung und die Weiterentwicklung der kubanischen Bartender ein.

Etwas mehr als 25 Jahre galt die stolze Barkeepervereinigung als die Bohème der weltbesten Bartender. Zahlreiche weltberühmte Drinks,wie der Bacardi Daiquiri, wurden in den Mixbechern der Cantineros kreiert. Viele berühmte Persönlichkeiten wurden vom dortigen Rumfieber und den vielseitigen Kreationen ergriffen. In enger Zusammenarbeit mit Bacardi legt der Hamburger Cantinero Jörg Meyer (Le Lion) nun in einem Blog die Geschichte des Club de Cantineros neu auf und setzt sie in Bezug auf die Blütezeit der kubanischen Barkultur in den 30er, 40er und 50er Jahren. Drinkrezepte und Bilder aus der damaligen Zeit runden den Blog thematisch ab.

www.clubdecantineros.de

Interview mit Grant Achatz

Grant Achatz war ein gefeierter Starkoch, sein Restaurant galt als eines der besten der Welt. Dann diagnostizierten die Ärzte bei ihm Zungenkrebs. Die Geschichte eines Gastronomen, der seinen Geschmackssinn verlor – aber nie die Hoffnung

Frage: Ein Jahr nach der Eröffnung feierten Kritiker das Alinea als bestes Restaurant Amerikas. Kurz darauf erhielten Sie die Diagnose Zungenkrebs, letztes Stadium. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Lesen Sie das interessante, komplette Interview bei der Financial Times Deutschland:
www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:starkoch-grant-achatz-sternekoch-ohne-geschmackssinn/60033722.html

FINE Das Weinmagazin

Die neue Ausgabe FINE Das Weinmagazin erscheint am 22.03.2011 im Handel.

Jahrzehntelang funkelten in der Krone des deutschen Weins nur die weißen Juwelen, während die roten, von deren Glanz überstrahlt, mehr oder weniger ein Schattendasein führten. Doch der Spätburgunder von der Ahr ist der Fackelträger unter den deutschen Rotweinen und zeigt, wohin der Weg führt. Bereits 1867 wies eine Klassifikationskarte im Rheingau den Pfad zu den besten Lagen für rote und weiße Juwelen. Nun wurde die Karte in den Tiefen der Hessischen Landesbibliothek wiederentdeckt. Diese Themen und mehr im neuen FINE Das Weinmagazin.

Rotwein, der etwas galt, hatte aus Frankreich zu kommen, idealerweise aus Burgund. Dieses Bild, an dem auch die Medien fleißig mitgemalt hatten, stimmt schon lange nicht mehr. Denn in Deutschland, genauer: im kleinen Tal der Ahr, schlummerte ein Schatz, den es nur zu heben galt. Dort findet der Spätburgunder ein kühleres Klima vor, und das Gestein im Weinberg ist dunkler. Dieser verwitterte Schiefer begünstigt die Wärmespeicherung, weshalb in den nach Süden ausgerichteten Steillagen der Spätburgunder spezifische Qualitäten ausbildet. Dies zu prüfen, versammelte FINE Das Weinmagazin im November des vergangenen Jahres eine kleine Schar von Weinexperten zu einer sensationellen Spätburgunder-Probe.

Lange galt die Mosel-Saar-Weinbaukarte von 1869 als die älteste Klassifikationskarte der Welt. Doch nun wurde, aus den Tiefen des Archivs in der Hessischen Landesbibliothek ein Schatz von hoher kulturhistorischer Bedeutung ans Tageslicht geholt. Die älteste jemals gedruckte Lagenklassifikationskarte der Welt zeigt den Rheingau und seine Lagen I. und II. Klasse. Daniel Deckers hat die Geschichte ihrer Entdeckung und Bedeutung für FINE Das Weinmagazin aufgeschrieben. Die Leser dürfen sich zudem auf seine weingeschichtlichen Betrachtungen zum legendären Scharzhofberg und ein vinophiles Gespräch mit Karl Graf von und zu Eltz freuen.

„Weinberge sind so langweilig wie Kartoffelfelder“, an dieses Zitat von Jancis Robinson (die in unserer Reihe Frauen im Wein von Ellen Alpsten portraitiert wird) muss Stuart Pigott bei seinem Besuch im Pomerol denken. Nicht nur ist dieses Stück Land bemerkenswert flach – was die Einheimischen hier einen Hügel nennen, ist eine sanft ansteigende Erhebung von wenigen Metern –, man sieht auch keinerlei Berge in der Ferne. Und doch wächst neben dem Friedhof der Kirche St. Jean de Pomerol ein Rotwein, der nicht nur großartig schmeckt, sondern auch bemerkenswert eigenständig ist; ein Unikat, das der gegenwärtigen Mode standardisierter Luxusweine in Bordeaux trotzt: Wir stehen in den Wein-“Bergen“ von Château L‘Eglise-Clinet.

Weitere Themen in FINE Das Weinmagazin 01/11:

Wein und Champagner aus Schiffswracks gehören zum Seltensten und Teuersten, was Weinfreunde verkosten können. Wie wertvoll sind sie? Wie schmecken sie heute?
Das große Dutzend: Château de Beaucastel. Weine aus der Appellation Châteauneuf-du-Pape gehörten in den siebziger Jahren zum Standard-Angebot gehobener Restaurants. Mittlerweile ist die Region trotz feinster Weine ein wenig aus dem Blickwinkel geraten – zu Unrecht, wie die Verkostung zeigte.
Armin Diel besuchte die bedeutendsten Weingüter im Herzen Burgunds und probierte den Jahrgang 2009. Fortsetzung der Reportage aus FINE 04/11.
Wein & Speisen: Jürgen Dollase im Landhaus Bacher. Der Gastrokritiker besucht die Chefköche Lisl Wagner-Bacher und Thomas Dorfer sowie Sommelier Klaus Wagner in der Wachau.
„Ich habe nichts gegen eine wilde Komponente“: Michael Graf Adelmann und seine Württemberger Weine. Ein Besuch auf Burg Schaubeck.
Gerstensaft für Gourmets: Edle Biere – Konkurrenten feiner Weine? Die Braufactum-Kollektion gibt dem Gerstensaft eine Chance am feinen Tisch.

Unter folgendem Link finden Sie FINE Das Weinmagazin als blätterbares Buch: http://issuu.com/finemag/docs/fine_111
Weitere Informationen zu FINE Das Weinmagazin finden Sie unter: www.fine-magazines.de.
Weitere Informationen zum Tre Torri Verlag und zum Programm finden Sie unter: www.tretorri.de.

Titel: FINE Das Weinmagazin
FINE Das Weinmagazin erscheint vierteljährlich und ist im Abonnement oder im ausgewähltem Buchhandel zum Preis von 15,00 € (D), 16,90 € (A), 30,00 CHF (CH), 18,50 € (I) erhältlich.
Bestelllink: ISBN: 978-3-941641-47-1 für die 12. Ausgabe

Jenseits von Herd und Hummer – Sterneköche privat

VOX, Samstag, 28.11., 11:15 – 13:20 Uhr

Noch vor 30 Jahren galt Deutschland im Hinblick auf die hohe Kunst des Kochens als Entwicklungsland. Seitdem hat sich ein regelrechtes Küchenwunder in der Republik ereignet. Renommierte Hotel– und Reiseführer lassen Sterne und Hauben über deutsche Herde regnen und der Gourmet kann regionale und internationale Spitzenküche quer durch das ganze Land goutieren. Dass dieses Geschmackshoch konjunkturunabhängig weiterbesteht und wächst, ist nicht nur der TV-präsenten Kochprominenz zu verdanken, sondern vor allem dem hochqualifizierten Nachwuchs, der tagtäglich kulinarische Hochleistungen liefert.

SPIEGEL TV Thema beobachtet Spitzenköche wie Christian Lohse, Alexander Herrmann und Mario Gamba hinter den Kulissen ihrer meist sternendekorierten Restaurants und am heimischen Herd.

Jörg Behrend

Jörg Behrend – Er galt als einer der besten Köche der Hauptstadt, war Berliner Meisterkoch 2006, Küchenchef im Hotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2006 – Jetzt arbeitet er im Hotel de Rome in Berlin – Hotel & MoPo bieten im Juni ein Gourmet-Menü des Sternkochs Jörg Behrend mit Weinbegleitung für 59,90 Euro pro Person an

Mit dem „Morgenpost-Menü“ im Juni will Hoteldirektor Sponholz seinen neuen ersten Mann am Herd den hauptstädtischen Feinschmeckern präsentieren. Der Küchenchef hat dafür ein Fünf-Gänge-Menü kreiert, und jeder Gang wird begleitet von einem Wein, den der Sommelier des Hauses, Shahab Jalali, passend zum Gericht ausgesucht hat. Das Gourmet-Menü mit Weinbegleitung kostet 59,90 Euro pro Person. Als Einstimmung auf das Menü können Sie sich den exklusiven Cocktail „Sunny“ (7 Euro) auf der Dachterrasse des Hotels mit Blick über die Stadt servieren lassen, bevor es zum Dinner in das weltstädtische Restaurant mit lauschigem Innenhof geht.
Seine Vorliebe für die mediterrane Küche demonstriert der 42-jährige Behrend bereits bei der Vorspeise. Die Atlantik-Lachsforelle in bester Sashimi-Qualität im Kräutermantel ist mit der geeisten Gurkensauce und der Orangen-Olivenöl-Vinaigrette aromatisch bestens komponiert. Dieses Arrangement wird unterstützt von der dezenten Säure des 2007er Silvaner „100 Hügel“ vom Weingut Philip Wittmann in Rheinhessen, der würzig, spritzig und mineralisch ist und ein Hauch Apfelaroma mitbringt.

Lesen Sie die gesamte Restaurantkritik von Mathias Stengel in der Berliner Morgenpost:
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1102802/Mediterrane_Kueche_im_Luxus_Hotel.html

Das Restaurant Paroli im Hotel de Rome gehört zu den 20 besten Restaurants in Berlin und ist auf Platz 287 der Haiku Liste:
http://www.haiku-liste.de/beste-restaurants/305/parioli.html

Sauvignon Blanc aus Neuseeland

Sauvignon Blanc aus Neuseeland – Eine Erfolgsgeschichte

Zum Leidwesen vieler Neuseeländer wird der Begriff „Wein aus Neuseeland“ in der internationalen Weinwelt oft immer noch mit Sauvignon Blanc gleichgesetzt. Für die Kiwis und einige andere Eingeweihte ist dies jedoch längst überholt. Denn die Pinot Noirs, Syrahs, Cabernets und Merlots gewinnen zunehmend an internationaler Anerkennung, obwohl mit einem Anteil von fast der Hälfte des gesamten Anbaus die Sauvignon Traube die bei Weitem dominierende ist. Und dabei trinken die Neuseeländer selbst doch lieber Chardonnay, wenn es um Weißwein geht.

Der Grund für den starken Anbau des Sauvignon liegt in der internationalen Nachfrage und dem einzigartigen Prestige, das sich die neuseeländische Ausprägung dieser Rebsorte in den letzten zwei Jahrzehnten aufbauen konnte. Denn tatsächlich ist die internationale Nachfrage nach diesem Weißwein aus Aotearoa so stark, dass trotz seines hohen Preises und jährlich mehr als beständig wachsenden Anbauflächen meist schon vor dem Jahrgangswechsel das „Sold Out“-Schild aufgehängt werden muss.

Interessanterweise war es gerade dieser Sauvignon Blanc, der Neuseeland zu seiner internationalen Bedeutung im Wein verholfen hat.
Interessant deshalb, weil diese ursprünglich aus Bordeaux stammende Rebsorte und der zwischenzeitlich stark mit den Anbaugebieten der Loire identifizierte Weißwein in den letzten Jahrzehnten als Langweiler galt. Seine herausragende Ausformung fand der Sauvignon bis zuletzt vielleicht im komplexen französischen Puilly-Fumé, aber speziell die Anpflanzungen in der Neuen Welt endeten meist in eher preisgünstigen Weißweincuvées.

Erst die Entdeckung, dass sich die Region Marlborough im Norden der neuseeländischen Südinsel wie weltweit keine Zweite für diese Rebsorte eignet und dabei auch Weine mit einem ganz eigenen, besonderen Charakter hervorzubringen vermag, verlieh nicht nur dem Sauvignon Blanc, sondern auch dem Weinland Neuseeland einen völlig neuen Status. Sehr schnell wurde dieser Wein zum Kult und mittlerweile zählt seine Ursprungsregion Marlborough zu den international bekanntesten, ja sogar der werthaltigsten Weinregion der Neuen Welt. Gut ablesen kann man das an den Preisen. Wurde vor 20 Jahren für einen Hektar Rebfläche in Marlborough noch umgerechnet 500 € und weniger bezahlt, liegt der Preis heutzutage bei bis zu 100.000 €. Und während die durchschnittliche Flasche Weißwein beispielsweise in Deutschland im Laden um die 1,90 € kostet, liegt sie für neuseeländische Sauvignon Blancs bei über 10 €.

Der Siegeszug dieses Weines begann mit dem Jahr 1985, das Neuseeland als ernstzunehmendes Weinland erstmals auf den Weltkarten auftauchen ließ. In diesem Jahr gab Cloudy Bay den ersten Jahrgang seines Marlborough Sauvignon Blanc heraus, ein inzwischen legendärer Wein, der Mitte der 1990er-Jahre zu den zehn besten Weißweinen der Welt gezählt wurde. Im wichtigsten Absatzmarkt USA durfte man in Weinläden zu dieser Zeit nur zwei Flaschen auf einmal kaufen und im Bestsellerroman „The Big Picture“ von Douglas Kennedy diente eine Flasche Cloudy Bay sogar als Mordwaffe.

Harter Weg zum Ruhm
Der Weg zu diesem Ruhm war allerdings hart und steinig. In den 1960er-Jahren litt Neuseelands Weinindustrie unter einer fürchterlichen Überproduktion. Die hauptsächlich angebaute Rebsorte zu dieser Zeit war der unspektakuläre Müller-Thurgau, der vor allem wegen seiner leichten Handhabung und seiner guten Ernteerträge Verwendung fand, dagegen aber kaum große Weine hervorzubringen vermag. Neuseeländische Weine galten zu diesem Zeitpunkt als schlecht und in der Herstellung als viel zu teuer – beides die Nachwirkungen von vorhergehenden, langjährigen Prohibitionsgesetzen – sodass der Weinexport so gut wie unmöglich war. Schließlich beschloss die neuseeländische Regierung ein Subventionsprogramm zur Stilllegung von Rebflächen, dem am Schluss fast drei Viertel des nationalen Weinanbaus zum Opfer fielen.

Bis in den Anfang der 1970er-Jahre hinein fand der Weinbau ausschließlich auf der Nordinsel statt, die Südinsel galt als ungeeignet und noch unwirtschaftlicher für den Traubenanbau. Anfang der 70er war es auch, dass der bereits damals größte Weinhersteller des Landes, Montana Wines, beschloss, einen Versuchsanbau in Marlborough zu starten.

Dies wurde sowohl von der Regierung als auch von anderen Weinherstellern stark kritisiert. Mit großem Geldeinsatz hatte man es ja gerade erst geschafft, die Überproduktion in den Griff zu bekommen, und nun wollte eine der Hauptfi guren im Subventionsspiel wieder eine neue Weinregion erschließen. Der Streit wurde hart ausgefochten, bis sich schließlich 1973 ein ortsansässiger Farmer, John Marris, bereiterklärte, probeweise als Vertragswinzer für Montana auf seinem Grund Reben zu pfl anzen, zu Anfang in wenig kommerziellem Umfang. Es wurden allerlei Varianten getestet, Bordeauxrebsorten wie Merlot und Cabernet, oder Chardonnay und Riesling, vor allem aber wieder der allseits oft eingesetzte „Muller“, der Müller-Thurgau.

Anfang der 1980er-Jahre schließlich besuchte eine Gruppe von Marlborough Winzern das Weingut Cape Mentelle in Margret River, West-Australien, und führten die ein oder andere Flasche Weißwein aus der Marlborough Region mit sich, die sie mit dem dortigen Besitzer und Winzer David Hohnen tranken. Vor allem der Sauvignon Blanc versetzte David in Staunen. Solch ein unglaubliches Aroma hatte er noch nie gekostet. Er erkannte sofort das enorme Potenzial in diesem Wein und erwarb kurzerhand günstig etliche Hektar Land in Marlborough. 1985 brachte er mit seinem Cloudy Bay genannten Weingut den ersten, regionentypischen Sauvignon Blanc heraus. 1990 kam mit der Übernahme von Cape Mentelle / Cloudy Bay durch den französischen Champagnerhersteller Veuve Cliquôt auch das nötige Marketingbudget und Vertriebsnetzwerk dazu und so wurde dieser Wein schließlich zu einem Meilenstein für Neuseelands Weinindustrie und zu einer völlig eigenständigen Typenbestimmung – dem „Marlborough Sauvignon Blanc“.

Mittlerweise gibt es allein in der Region Marlborough über 100 Weinproduzenten und weitere kühle Weinregionen wie Martinborough, Nelson oder Waipara bringen mindestens ebenso grandiose Sauvignon Blancs hervor. Auch Hersteller wie Villa Maria, Highfield Estate, Hunters oder Seresin haben es geschafft, international zum Renommee dieses Weines beizutragen.

Heute dominiert der Sauvignon Blanc mit mehr als 40 Prozent den Weinbau Neuseelands, und mit 75 Prozent den Weinexport. In einigen Märkten wie USA und Großbritannien ist der neuseeländische Sauvignon bereits ein Synonym für die Rebsorte, in anderen Ländern schickt er sich an, das zu werden. Ein großer Teil des alljährlichen Rebflächenwachstums von 10 bis 15 Prozent (Weltrekord!) geht in diesen Weißwein und ist vorbestimmt für den Export. Sollte in einigen Ländern Kontinentaleuropas oder Asiens ein ebenso großer Boom für diese Art aromatischer Weine entstehen, dann kann man sich vorstellen, dass der eigentliche Boom für diesen herausragenden Wein erst noch bevorsteht. Dann werden die anderen, aus Neuseeland stammenden Weine, die wahrscheinlich nicht weniger Potenzial aufweisen, noch länger in seinem Schatten stehen.

Neuseelandwein bei www.waipara.de :
www.waipara.de/advanced_search_result.php?keywords=sauvignon

Die Lieblingsspeisen des Sultans

3sat, Montag, 30.03., 18:00 – 18:30 Uhr

Lange Zeit galt die Palastküche der Sultane des Tokapi-Serails in Istanbul als zu aufwendig, zu schwierig und zu teuer. Seit Kurzem wird sie wieder geschätzt. Einige Köche haben ganze Kochbücher in den osmanischen Archiven entdeckt, und besondere Restaurants am Bosporus servieren wieder die traditionelle Serail-Küche. Viele regionale Kulturen hat diese Küche aufgenommen, Speisen komponiert wie die Pavillons des Sultanpalasts, leicht und prächtig zugleich. Auch viele Traditionen aus der Zeit der osmanischen Herrscher wie die alte Tischmusik im Palast sind mittlerweile wieder lebendig.

Ein Film über die Traditionen der Palastküchen der Sultane und ihre Renaissance im heutigen Istanbul.