Neue Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Leberkrebsrisiko

Wie zahlreiche Studien zeigen, haben Menschen,
die viel Kaffee trinken, im Vergleich zu Personen, die nur wenig oder
keinen konsumieren, ein vermindertes Leberkrebsrisiko. Die Ursachen für
diesen Zusammenhang sind jedoch noch nicht geklärt. Ein internationales
Forscherteam um Krasimira Aleksandrova und Heiner Boeing vom Deutschen
Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat nun Biomarker* im Blut von
Studienteilnehmern identifiziert, die erste Hinweise auf
entzündungshemmende und zellschützende Mechanismen geben, die der
beobachteten Risikobeziehung zu Grunde liegen könnten. Die Forscher
publizierten kürzlich ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift American
Journal of Clinical Nutrition**.

Wie die aktuelle Untersuchung im Rahmen einer der größten europäischen
Langzeiternährungsstudien (EPIC***) zeigt, haben Menschen, die täglich
mehr als 600 ml (4 Tassen) Kaffee konsumieren im Vergleich zu Menschen,
die weniger als 300 ml (2 Tassen) trinken, ein um 75 Prozent
vermindertes Risiko an Leberkrebs zu erkranken. Diese Beobachtung deckt
sich mit den Ergebnissen zahlreicher anderer Beobachtungsstudien und
Meta-Analysen der letzten Jahre. Neu an der Studie ist, dass die
Wissenschaftler darüber hinaus den Einfluss von 21 leberrelevanten
Biomarkern auf den beobachteten Zusammenhang untersuchten, um hierdurch
mehr über die zu Grunde liegenden biologischen Mechanismen zu erfahren.
Hierzu analysierten sie die Blutproben von 125 Menschen, die während der
Studie erstmals an Leberkrebs erkrankt waren, sowie die von 250 gesunden
Studienteilnehmern. Die Blutproben hatten die Wissenschaftler zu Beginn
der Studie und damit 2,4 bis 6,8 Jahre vor dem Auftreten der
Leberkrebserkrankungen entnommen und bis zur Analyse bei -196°C in
flüssigem Stickstoff gelagert. Wie die Forscher feststellten, spielen
besonders drei der untersuchten Biomarker für die Risikobeziehung
zwischen Kaffeekonsum und Leberkrebs eine große Rolle. Zu diesen zählen
der Botenstoff Interleukin-6, der an der Regulation von
Entzündungsreaktionen beteiligt ist, sowie die beiden Enzyme
Aspartat-Aminotransferase und Gamma-Glutamyltransferase, die auf eine
Schädigung der Leberzellen bzw. Gallenerkrankungen hinweisen.

„Unsere Biomarkeranalysen sprechen dafür, dass es eine ursächliche
Beziehung zwischen einem starken Kaffeekonsum und einem verminderten
Leberkrebsrisiko gibt. Sie lassen zudem annehmen, dass Kaffee die Leber
vor Entzündungen und Zellschäden schützt und so der Krebsentstehung
entgegenwirkt“, sagt Erstautorin Aleksandrova.

„Wie eine von uns bereits 2012 im Rahmen der EPIC-Studie durchgeführte
Untersuchung**** zudem zeigt, ist der Genuss von Kaffee nicht mit einem
erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen verbunden. Daher spricht aus
gesundheitlicher Sicht nichts dagegen, Kaffee zu trinken, wenn man ihn
gut verträgt“, ergänzt Heiner Boeing, der die Abteilung Epidemiologie
am DIfE leitet. „Andersherum sollten sich Menschen aber aufgrund der
Ergebnisse nicht genötigt sehen, viel Kaffee zu trinken. Kaffeetrinken
sollte Genuss und keine Pflichtübung sein. Um Krankheiten wirksam
vorzubeugen, kommt es auf die gesamte Lebensweise an. Wer nicht raucht,
ausreichend Gemüse, Obst und ballaststoffreiches Getreide isst, sich
körperlich bewegt sowie auf ein normales Körpergewicht achtet,
besitzt ein wesentlich geringeres Erkrankungsrisiko als diejenigen, die
sich gegenteilig verhalten – nicht zuletzt hinsichtlich des
Leberkrebsrisikos“, weiß Boeing. Man könne durch einen gesunden
Lebensstil sicher nicht jede Erkrankung verhindern, jedoch das
persönliche Erkrankungsrisiko verringern.

Hintergrundinformationen:
* Biomarker sind charakteristische biologische Merkmale, die objektiv
gemessen werden und auf einen normalen biologischen oder krankhaften
Prozess im Körper hinweisen können. Bei einem Biomarker kann es sich um
Zellen, Gene, Stoffwechselprodukte oder bestimmte Moleküle wie Hormone
handeln. Als eingängiges Beispiel sei das Blutbild genannt, das Hinweise
auf den Gesundheitszustand des Patienten gibt (Quelle: Wikipedia).

** Aleksandrova et al.: The association of coffee intake with liver
cancer risk is mediated by biomarkers of inflammation and hepatocellular
injury: data from the European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition; American Journal of Clinical Nutrition; 2015; doi:
10.3945/ajcn.115.116095
(http://ajcn.nutrition.org/content/early/2015/11/11/ajcn.115.116095.long

Darmkrebs-Risiko

Wer nicht übergewichtig ist, nicht raucht,
Alkohol nur in Maßen konsumiert, körperlich aktiv ist und sich gesund
ernährt, hat ein um etwa ein Drittel vermindertes Risiko, an Dickdarm-
bzw. Mastdarmkrebs zu erkranken. Dies ist das Ergebnis einer großen
europäischen Langzeitstudie (EPIC*) mit über 347.000 weiblichen und
männlichen Studienteilnehmern im Erwachsenenalter. Das
Wissenschaftlerteam unter Führung von Krasimira Aleksandrova und Heiner
Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE)
veröffentlichte nun seine Daten in der Fachzeitschrift BioMed
Medicine (Aleksandrova, K. et al., 2014, 12:168).

Darmkrebs** gehört zu den häufigsten Krebsarten. Nach Angaben der
International Agency for Research on Cancer erkranken weltweit etwa
746.000 Männer und 614.000 Frauen jährlich an dieser Krankheit, wobei
diese Krebsform besonders häufig in Ländern mit westlichem Lebensstil
auftritt. Dies legt den Schluss nahe, dass das gehäufte Auftreten dieser
Krebsform mit bestimmten Merkmalen der westlichen Lebensart verbunden
ist. In der Tat haben in den letzten Jahren verschiedene Studien
Lebensstilfaktoren identifiziert, die jeweils für sich allein genommen
mit dem Darmkrebs-Risiko in Zusammenhang stehen. Hierzu zählt zum
Beispiel auch die Art der Ernährungsweise.

Neu an der aktuellen Studie ist nun, dass sie erstmals die kombinierten
Effekte von fünf gesundheitsfördernden Lebensstilmerkmalen auf das
Darmkrebsrisiko in einer europäischen Bevölkerungsgruppe untersucht hat.
Die Wissenschaftler stuften dabei folgende Merkmale als risikosenkend
ein: Nichtraucher zu sein, Alkohol nur in einem moderaten Maß zu
trinken, ein normales Körpergewicht zu haben, wobei der Taillenumfang
von Frauen kleiner als 80 cm und der von Männern kleiner als 94 cm sein
sollte, körperlich aktiv zu sein sowie sich gesund zu ernähren. Im
Rahmen der vorliegenden Studie bedeutete dies, sich mit vergleichsweise
viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, reichlich Nüssen und Samen,
ausreichend Fisch und Joghurt, aber mit wenig rotem Fleisch und
Wurstwaren zu ernähren.

Wie die Untersuchung zeigt, hatten Studienteilnehmer, die zwei der
gesundheitsfördernden Merkmale aufwiesen, im Vergleich zu Personen, auf
die kein oder nur ein günstiges Lebensstilmerkmal zutraf, ein um 13
Prozent verringertes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Wiesen die
Teilnehmer drei der untersuchten Merkmale auf, sank ihr
Erkrankungsrisiko um 21 Prozent, wobei sich bei vier Merkmalen ihr
Risiko sogar um 34 Prozent verringerte. Kamen alle fünf Merkmale
zusammen, sank das Risiko um 37 Prozent.

„Wie unsere Ergebnisse zeigen, verringert sich das Darmkrebsrisiko umso
mehr, je mehr man etwas für seine Gesundheit tut. Unsere Daten haben
ergeben, dass durch eine gesunde Lebensführung bis zu 22 Prozent der
Darmkrebs-Neuerkrankungen bei Männern bzw. bis zu 11 Prozent der
Erkrankungen bei Frauen vermeidbar wären“, sagt Aleksandrova,
Erstautorin der Studie. „Das Umsetzen dieses Wissens in gesellschaftlich
aktiv unterstützte Präventionsstrategien könnte wesentlich dazu
beitragen, ein frühes und häufiges Auftreten dieser Krebsform zu
vermeiden und damit viel persönliches Leid zu verhindern“, ergänzt
Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Hintergrundinformation:
Quelle: Combined Impact of Healthy Lifestyle Factors on Colorectal
Cancer: A Large European Cohort Study
Krasimira Aleksandrova, Tobias Pischon, Mazda Jenab, H. Bas
Bueno-de-Mesquita, Veronika Fedirko, Teresa Norat, Dora Romaguera, Sven
Knüppel, Marie-Christine Boutron-Ruault, Laure Dossus, Laureen Dartois,
Rudolf Kaaks, Kuanrong Li, Anne Tjønneland, Kim Overvad, J Ramón Quirós,
Genevieve Buckland, María-José Sánchez, Miren Dorronsoro, María-Dolores
Chirlaque, Aurelio Barricarte, Kay-Tee Khaw, Nicholas Wareham, Kathryn E
Bradbury, Antonia Trichopoulou, Pagona Lagiou, Dimitrios Trichopoulos,
Domenico Palli, Vittorio Crogh, Rosario Tumino, Alessio Naccarati,
Salvatore Panico, Peter Siersema, Petra H Peeters, Ingrid Ljuslinder,
Ingegerd Johansson, Ulrika Ericson, Bodil Ohlsson, Elisabete Weiderpass,
Guri Skeie, Kristin Benjaminsen Borch, Sabina Rinaldi, Isabelle Romieu,
Joice Kong, Marc Gunter, Heather Ward, Elio Riboli and Heiner Boeing;
BMC Medicine 2014, 12:168

Link: http://www.biomedcentral.com/1741-7015/12/168

* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition.
Die EPIC-Studie ist eine prospektive (vorausschauende) Studie, die
Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen
Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23
administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt
519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer
EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der
EPIC-Studie. Die aktuellen Studienergebnisse basieren auf den Daten von
347.237 Frauen und Männern im Alter zwischen 25 und 70 Jahren. Während
der Nachbeobachtungszeit von 12 Jahren erkrankten 3.759 dieser
Teilnehmer an Darmkrebs.

** Bei Darmkrebs (kolorektales Karzinom) handelt es sich um einen
bösartigen Tumor des Dickdarms oder des Mastdarms. Er entwickelt sich
meist aus Darmpolypen, die sich im Verlauf von wenigen Jahren bösartig
verändern. Im Jahre 2010 wurde die Krankheit bei 62.400 Menschen in
Deutschland neu diagnostiziert und im Jahr 2012 starben knapp 26.000
daran (Quelle: Robert Koch Institut).

Etwas Alkohol verhindert Herzanfall

Neue Langzeitstudien-Daten zu Alkoholkonsum und Sterblichkeitsrisiko

Wie eine große europäische Langzeitstudie (EPIC*)
mit mehr als 380.000 Studienteilnehmern zeigt, haben Frauen und Männer,
die lebenslang im Durchschnitt nicht mehr als ein Glas bzw. zwei Gläser
Alkohol pro Tag trinken, im Vergleich zu Viel- oder Wenigtrinkern** ein
vermindertes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Dies
gilt allerdings nur für die Teilnehmer, die zu Beginn der Studie keine
Vorerkrankungen aufwiesen. Das Forscherteam unter Führung von Manuela
Bergmann und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung publizierte seine Ergebnisse nun in der
Fachzeitschrift International Journal of Epidemiology (Bergmann et al.,
2013; DOI: 10.1093/ije/dyt154).

Viele Studien zeigen, dass der Konsum von Alkohol mit einem höheren
Risiko verbunden ist, an bestimmten Krankheiten zu sterben. Hierzu
zählen einige Krebsarten, Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer
Alkoholabhängigkeit auftreten, Krankheiten des Verdauungstraktes,
Unfälle oder Gewalteinwirkungen. Die Untersuchungen lassen aber auch
annehmen, dass Menschen, die öfter Alkohol trinken, seltener an einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben. Allerdings haben nur wenige dieser
Studien die Langzeittrinkgewohnheiten der Studienteilnehmer
berücksichtigt.

Um zur Klärung der Datenlage beizutragen, haben die an der neuen
Untersuchung beteiligten Wissenschaftler Informationen zum
Trinkverhalten von Studienteilnehmern im Alter von 20, 30, 40 und 50
Jahren in die Auswertung einbezogen.

Nach den Studiendaten hatten Teilnehmer, die seit ihrem 20. Lebensjahr
durchschnittlich nicht mehr als die maximal empfohlene Menge Alkohol pro
Tag*** konsumierten, ein um ca. 9-14 Prozent vermindertes Sterberisiko.
Dieses machte sich besonders bei den Herz-Kreislauf-Todesursachen
bemerkbar und galt nur für Teilnehmer, die bei Studieneintritt nicht an
Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs erkrankt waren und zuvor nie einen
Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten. Wie die Studie zudem
erstmalig zeigt, hatten ehemalige Vieltrinker, die zu Beginn der Studie
nur noch ein bzw. zwei Gläser Alkohol pro Tag konsumierten, dennoch ein
deutlich erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Personen, die lebenslang
nicht über diese Trinkmenge kamen. So erhöhte sich z. B. ihr Risiko, an
bestimmten alkoholbedingten Todesursachen zu sterben, um das 7-fache.
Ihr Risiko, an einer koronaren Herzerkrankung, Krebs oder einer anderen
Erkrankung zu sterben, war 1,2- bis 1,8-fach erhöht.

„Auch wir konnten in unserer Studie beobachten, dass Menschen, die
lebenslang nur moderate Mengen Alkohol zu sich nehmen, generell ein
vermindertes Sterberisiko haben, was besonders deutlich bei den
Herz-Kreislauf-Todesursachen zu sehen ist. Da wir diesen günstigen
Zusammenhang aber nur bei Menschen beobachteten, die zu Beginn der
Studie gesund waren und auch in ihrer Vergangenheit nie zu den
Vieltrinkern zählten, gehen wir eher von keinem kausalen Zusammenhang
aus“, sagt Manuela Bergmann. „Vielmehr bestärken unsere Ergebnisse die
Vermutung, dass gesunde Menschen Alkohol in moderaten Mengen ohne
größere nachteilige Folgen für ihre Gesundheit verkraften, der
Alkohol aber nicht die Ursache für ihre Gesundheit ist“, ergänzt
Heiner Boeing.

Link zur Studie:
http://ije.oxfordjournals.org/content/42/6/1772.full.pdf

Hintergrundinformationen:
*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition.
Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen
Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes
untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn
europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im
Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als
27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

**Wenigtrinker: Männer bzw. Frauen, die weniger als 2 g bzw. 1 g
Alkohol pro Tag konsumieren (das entspricht im Durchschnitt weniger als
ein Glas eines alkoholischen Getränks für Männer und weniger als ein
halbes Glas für Frauen pro Woche).

Vieltrinker: Männer bzw. Frauen, die mehr als 60 g bzw. 30 g Alkohol
pro Tag konsumieren (das entspricht im Durchschnitt fünf bzw.
zweieinhalb Gläser eines alkoholischen Getränks pro Tag). Die
Wissenschaftler sind davon ausgegangen, dass im europäischen
Durchschnitt ein Glas eines alkoholischen Getränks 12 g Alkohol enthält.

***Die American Heart Association, der World Cancer Research Fund sowie
das National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism hält zurzeit für
gesunde Frauen bzw. gesunde Männer den Konsum von nicht mehr als 12 bzw.
24 g Alkohol pro Tag für akzeptabel. Diese Angabe zu Obergrenzen sollte
nicht als Empfehlung verstanden werden, jeden Tag Alkohol zu trinken.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von 111.953 europäischen Männern
und 268.442 Frauen aus den acht EPIC-Ländern aus, die Informationen zu
lebenslangem Alkoholkonsum gesammelt hatten.
Von den 111.953 Männern hatten 98 Prozent während ihres Lebens
zumindest über einige Zeit Alkohol konsumiert, wobei 96 Prozent zum
Zeitpunkt des Studieneintritts Alkoholkonsumenten waren. 3 Prozent der
Männer zählten zu den Wenigtrinkern, 39 Prozent konsumierten
dauerhaft weniger als 24 g Alkohol pro Tag, 38 Prozent konsumierten
lebenslang zwischen 2 und 60 g Alkohol pro Tag, ca. 20 Prozent waren
Vieltrinker oder hatten zumindest während einer Lebensphase mehr als 60
g Alkohol pro Tag konsumiert. Männer, die lebenslang nur wenig oder nur
in einem moderatem Maße Alkohol konsumierten, hatten eher einen höheren
Bildungsstand als Vieltrinker oder ehemalige Vieltrinker. Vieltrinker
waren häufig jünger, rauchten, aßen mehr Fleisch und hatten häufiger
Übergewicht.

Zu Studienbeginn waren ca.15 Prozent der Frauen Abstinenzlerinnen,
wobei von diesen 68 Prozent noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken
hatten. Von den 227.705 Alkoholkonsumentinnen zählten 15 Prozent zu den
Wenigtrinkern, 44 Prozent konsumierten dauerhaft weniger als 12 g
Alkohol pro Tag, 29 Prozent konsumierten 1 bis 30 g Alkohol pro Tag, ca.
12 Prozent gehörten zu den Vieltrinkern oder hatten zumindest während
einer Lebensphase mehr als 30 g Alkohol pro Tag konsumiert. Im Gegensatz
zu den männlichen Vieltrinkern hatten Frauen, die übermäßig viel
tranken, eher einen höheren Bildungsstand. Ähnlich wie die männlichen
Vieltrinker waren sie in der Regel jünger und rauchten mehr, zudem aßen
sie weniger Obst und Gemüse und hatten seltener Kinder geboren.

Diabetes ohne spezielle Ernährung

Menschen mit Diabetes brauchen keine besonderen Ernährungs- und
Lebensstilempfehlungen

Ergebnisse einer großen
Langzeit-Beobachtungsstudie weisen darauf hin, dass Menschen mit
Diabetes keine anderen Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen benötigen
als die breite Öffentlichkeit. Nach diesen neuen Studiendaten
profitieren sie sogar mehr von den üblichen Empfehlungen als nicht an
Diabetes erkrankte Menschen. Diewertje Sluik, welche die
wissenschaftlichen Arbeiten am Deutschen Institut für
Ernährungsforschung (DIfE) in der Abteilung Epidemiologie
durchführte, publizierte zusammen mit ihren Kollegen ihre Ergebnisse
in der Fachzeitschrift Diabetologia (Sluik, D. et al. 2013; DOI
10.1007/s00125-013-3074-y).

In der neuen Studie untersuchten die Wissenschaftler, ob sich die
Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und Sterblichkeitsrisiko
zwischen Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes unterscheiden.
Basis für die Analyse bildeten die Daten der European Prospective
Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der größten
europäischen Ernährungsstudien, die seit 1992 die Zusammenhänge
zwischen Lebensstil und dem Entstehen chronischer Krankheiten
untersucht. Die Wissenschaftler werteten die Daten von 6.384
Studienteilnehmern mit Diabetes und 258.911 Personen ohne Diabetes aus.

Dabei berechneten die Epidemiologen sowohl bei den Menschen mit Diabetes
als auch bei den nicht an Diabetes erkrankten Personen, welche
Zusammenhänge zwischen dem Sterblichkeitsrisiko und dem
Body-Mass-Index bzw. dem Taillen-Körperlängen-Quotienten, 26
Lebensmittelgruppen, dem Alkoholkonsum, der körperlichen Aktivität und
dem Raucherstatus bestehen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen mit Diabetes im
Vergleich zu Personen ohne Diabetes generell ein um 62 Prozent höheres
Sterblichkeitsrisiko hatten. Wie sie auch zeigen konnten, beeinflussten
in beiden Gruppen jedoch nahezu die gleichen Faktoren das
Sterblichkeitsrisiko. So waren Rauchen, eine geringe körperliche
Aktivität, ein hoher Alkoholkonsum, ein hohes Gewicht, eine obst- und
gemüsearme sowie fett- und fleischwarenreiche Ernährung mit einem
erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Die beiden Personengruppen
unterschieden sich zwar bei den einzelnen Risikofaktoren hinsichtlich
der Stärke der beobachteten Beziehungen, jedoch nicht hinsichtlich der
Richtung der Risikobeziehung. Bei den an Diabetes erkrankten Menschen
fiel auf, dass sich der Verzehr von Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen,
Nudeln, Geflügel und Pflanzenöl besonders positiv auf ihr Sterberisiko
auswirkte.

„Die Studie ist ein Anhaltspunkt dafür, dass die Empfehlungen für eine
gesunde Lebensweise für Menschen mit und ohne Diabetes die gleichen sein
sollten“, so die Autoren. Sie weist aber auch darauf hin, dass
Personen mit Diabetes sich stärker mit ihrer Ernährung auseinandersetzen
sollten, da ihr Sterberisiko zum einen größer ist als das der nicht
erkrankten Menschen und zum anderen sich der Verzehr einiger
Lebensmittelgruppen bei ihnen besonders günstig auswirkt. „Mit dieser
Studie haben wir einen weiteren Hinweis bekommen, dass eine gesunde
Lebens- und Ernährungsweise vielfältige positive Wirkungen besitzt und
dass diese Einsicht auch für schon Erkrankte gilt“, sagt Heiner
Boeing, Leiter der Abteilung Epidemiologie am DIfE sowie der Potsdamer
EPIC-Studie.

Hintergrundinformation:
Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen
Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes
untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn
europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im
Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als
27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die
Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für
Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.
Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner
des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung
www.dzd-ev.de

Kaffeetrinken ist nicht mit einem erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen verbunden

Ergebnisse der EPIC*-Deutschland-Studie, an der
mehr als 42.600 erwachsene Frauen und Männer aus Potsdam und Heidelberg
teilnehmen, weisen darauf hin, dass Kaffeetrinken nicht das Risiko für
Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen erhöht, sondern sogar mit einem
verminderten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Personen, die
täglich mehr als vier Tassen (über 600 ml) koffeinhaltigen Kaffee
konsumierten, hatten im Vergleich zu Personen, die durchschnittlich
weniger als eine Tasse tranken, ein um 23 Prozent verringertes
Typ-2-Diabetes-Risiko. Ein ähnlicher Zusammenhang deutete sich auch für
den Konsum von entkoffeiniertem Kaffee an.

Das Wissenschaftlerteam um Heiner Boeing und Anna Flögel, beide
Ernährungs-Epidemiologen am Deutschen Institut für
Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), veröffentlichte nun
seine Studiendaten in der Fachzeitschrift American Journal of Clinical
Nutrition (Anna Floegel et al.; 2012, 95:1-8;
doi:10.3945/ajcn.111.023648; Link zur Publikation:
http://www.ajcn.org/content/early/2012/02/14/ajcn.111.023648.abstract).
Neben Mitarbeitern des DIfE waren auch Rudolf Kaaks und Birgit Teucher
vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Tobias Pischon
vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch an der
Studie beteiligt.

Kaffee ist weltweit eines der beliebtesten alkoholfreien Getränke und
enthält eine Mixtur aus verschiedenen Inhaltsstoffen. Zu diesen gehören
Koffein, Chlorogensäure sowie weitere Polyphenole, Nikotinsäure und
Mineralstoffe – also Substanzen, die den menschlichen Stoffwechsel
durchaus beeinflussen und die teilweise mit positiven und teilweise mit
negativen Gesundheitseffekten in Verbindung stehen.

Die gesundheitlichen
Effekte des Kaffeekonsums stehen daher immer wieder im Fokus
wissenschaftlicher Untersuchungen, wobei in den meisten Studien oft nur
die Beziehung zwischen Kaffeegenuss und einer Erkrankungsart untersucht
wurde. Das deutsche Forscherteam analysierte nun die Langzeiteffekte des
Kaffeekonsums nicht nur hinsichtlich einer Erkrankung, sondern
hinsichtlich mehrerer chronischer Erkrankungen gleichzeitig.
Prospektive* Langzeit-Bevölkerungsstudien wie die
EPIC-Deutschland-Studie sind hierzu besonders gut geeignet.

Neben den Ernährungs- und Lebensstildaten erfassten und analysierten
die Wissenschaftler auch die medizinischen Daten der
Studienteilnehmer/innen. In der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit
von knapp neun Jahren erkrankten erstmals 1.432 Studienteilnehmer/innen
an Typ-2-Diabetes, 394 erlitten einen Herzinfarkt, 310 erlitten einen
Schlaganfall und 1.801 Teilnehmer erkrankten an Krebs. Verglichen die
Forscher die Daten von Personen, die sehr viel Kaffee tranken, mit den
Daten von Personen mit einem sehr geringen Konsum, so konnten sie keine
Risikoerhöhung für die in den westlichen Industrienationen häufig
auftretenden chronischen Erkrankungen feststellen. Bei Personen, die
viel Kaffee tranken, beobachteten sie sogar ein vermindertes
Typ-2-Diabetes-Risiko.

„Unsere Studienergebnisse decken sich mit den Resultaten aktueller
prospektiver Studien aus den USA“, sagt Erstautorin Anna Flögel. Wer
Kaffee also gut vertrage und ihn gerne trinkt, sollte dies somit auch
weiterhin tun, so die Epidemiologin. Andersherum sollten sich Menschen
aber aufgrund der Ergebnisse nicht genötigt sehen, mit dem Kaffeetrinken
zu beginnen. „Es ist wichtiger, darauf zu achten, ausreichend
Vollkornprodukte, wenig Fleisch sowie viel Obst und Gemüse zu essen,
nicht zu rauchen und sich ausreichend zu bewegen“, ergänzt
Studienleiter Heiner Boeing. Für die Flüssigkeitszufuhr böten sich neben
dem Kaffee auch andere Getränke mit einem geringen Energiegehalt an, wie
Tee und Wasser.

Hintergrundinformation:
*EPIC steht für European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition. Sie ist eine der größten prospektiven („vorausschauenden“)
Studien, welche die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen
chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der
EPIC-Studie sind zehn europäische Länder mit insgesamt 519.000
weiblichen und männlichen Studienteilnehmern im Erwachsenenalter
beteiligt. In Deutschland gehören das Deutsche Krebsforschungszentrum in
Heidelberg sowie das Deutsche Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke zu den EPIC-Studienzentren.
Die Potsdamer EPIC-Teilstudie, die von Heiner Boeing geleitet wird,
schließt mehr als 27.000 Studienteilnehmer/innen ein. Die von Rudolf
Kaaks geleitete Heidelberger Teilstudie verfügt über mehr als 25.000
Studienteilnehmer/innen. Bei der Auswertung einer prospektiven Studie
ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch
nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für
eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen,
wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend
verhindert werden kann – ein entscheidender Vorteil gegenüber
retrospektiven Studien.

Kaffeeverbrauch:
Im Jahr 2007 war Finnland das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum pro
Kopf. Finnen verbrauchten pro Person durchschnittlich 12 kg Kaffee. In
Deutschland konsumierte die Bevölkerung 6,4 kg pro Einwohner, wohingegen
US-Bürger pro Person etwa 4,2 kg verbrauchten.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen
ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention,
Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.
Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner
des 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten
Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD).

Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 86 Einrichtungen, die
anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche
Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die
Leibniz-Einrichtungen rund 16.800 Menschen – darunter 7.800
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von
insgesamt knapp 1,4 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet
sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und
Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren
und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind
sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für
die Wissenschaft. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Europäische Langzeitstudie: Alkoholkonsum, Körpergewicht und Taillenumfang

Wie eine Auswertung der EPIC*-Studiendaten von
mehr als 250.000 erwachsenen Europäern nun zeigt, begünstigt ein
jahrelanger Alkoholkonsum von mehr als zwei Gläsern pro Tag bei Männern ein höheres Körpergewicht. Zudem besteht bei Männern und Frauen ein
Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum und einer Zunahme des
Taillenumfanges. In der vorliegenden Studie war dies besonders bei
Biertrinkern ausgeprägt, jedoch auch bei Weintrinkern sichtbar. „Die
Unterschiede im Bauchumfang sind nicht extrem groß. Dennoch sind sie
eindeutig und könnten für die Gesundheit der Gesamtbevölkerung eine
Rolle spielen“, sagt Erstautorin Manuela Bergmann vom Deutschen
Institut für Ernährungsforschung (DIfE).

Das europäische Wissenschaftlerteam publizierte seine Studienergebnisse
nun in der Fachzeitschrift European Journal of Clinical Nutrition
(Bergmann et al., 2011; DOI:10.1038/ejcn.2011.70).

Verschiedene Studien haben bereits den Zusammenhang zwischen
Alkoholkonsum, dem Körpergewicht und der Körperfettverteilung
untersucht. Die vorliegende Studie ist aber die erste, die das
Langzeit-Trinkverhalten berücksichtigt.

Männer, die im Schnitt jahrelang viel Alkohol tranken, hatten in der
vorliegenden Studie im Vergleich zu Männern, die durchschnittlich nur
sehr wenig Alkohol konsumierten, einen um 1,1 cm größeren Bauchumfang.
Der Body-Mass-Index** (BMI) lag bei Vieltrinkern durchschnittlich bei
28,3, während Wenigtrinker im Schnitt einen BMI von 27,3 aufwiesen. Bei
einer 1,80 m großen Person entspricht dies einem durchschnittlichen
Gewichtsunterschied von mehr als drei Kilogramm.

Bei Frauen war der Unterschied im Bauchumfang sogar noch deutlicher
ausgeprägt. Frauen, die über einen sehr langen Zeitraum mehr als zwei
Gläser pro Tag tranken, hatten im Schnitt einen um ca. 1,5 cm
größeren Taillenumfang als Frauen, die nur sehr wenig oder gar
keinen Alkohol konsumierten. Dagegen unterschied sich der
durchschnittliche BMI von viel und sehr wenig trinkenden Frauen kaum.
Dies weist darauf hin, dass ein hoher Alkoholkonsum besonders bei Frauen
die Körperfettverteilung ungünstig beeinflusst, das heißt, die
Ansammlung von Körperfett im Oberbauch begünstigt.

Dieses Ergebnis deckt sich zum Teil mit einer früheren Auswertung der
Potsdamer EPIC-Studiendaten, die ebenfalls den Bierkonsum bei Männern
mit einem durchschnittlich höheren Körpergewicht in Verbindung brachte.
Neu an der jetzigen Auswertung auf europäischer Ebene ist die
Erkenntnis, dass sich der Alkoholkonsum gerade bei Frauen auf den
Bauchumfang auswirkt, während bei Männern sowohl das allgemeine
Übergewicht als auch der Bauchumfang betroffen sind. „Trinken Frauen
viel Alkohol, kann sich ihr Körperbild langfristig merklich verändern.
Nimmt der Taillenumfang zu, steigt auch das Erkrankungsrisiko für
Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so
Professor Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Für den Körper das Beste: Obst und Gemüse statt Vitaminpillen

In einem Punkt sind sich alle einig, die Wissenschaftler, die Ernährungsberater und – wenn man ihren Worten Glauben schenken darf – die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln: Wer sich ausgewogen mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel ernährt, braucht keine zusätzlichen Vitamine und Mineralstoffe in Tablettenform. Doch wenn es so einfach ist, warum funktioniert es nicht? Liegt es an der Bequemlichkeit des Menschen? Die 5 am Tag-Kampagne, die sich für eine gemüse- und obstreiche Ernährung stark macht, sieht eine der Ursachen in einem unzureichenden Angebot, zum Beispiel in der Berufswelt oder in Schulen.

Rohkost
Rohkost in der Markthalle in Jekaterinburg

Die Vielfältigkeit der Lebensstile und veränderte Anforderungen in Schule und Arbeitswelt wirken sich auf die Ernährungsgewohnheiten aus: Feste „Mahlzeiten“ sind passé, stattdessen versorgen sich viele Menschen unterwegs mit Getränken, Snacks oder einem warmen Gericht. Ist dann kein verzehrsfertig zubereitetes Obst oder Gemüse im Angebot, fallen diese für den Körper so wichtigen Lebensmittel schnell unter den Tisch und werden durch Vitaminsupplemente ersetzt. „Essen dient immer mehr nur der schnellen Sättigung. Dabei geht der Genuss ebenso verloren wie die Vielfalt der Nährstoffe, die wir zu uns nehmen. Erstrebenswert sind attraktive, ausgewogene Speiseangebote, insbesondere im Außer-Haus-Verzehr. „Die Umsetzung einer vollwertigen, gemüse- und obstreichen Ernährung bringt nicht nur Genuss, sondern hält auch fit und gesund. Nahrungsergänzungsmittel sind dann nicht nötig, zumal auch die Nationale Verzehrsstudie II gezeigt hat, dass es trotz nicht immer optimalen Ernährungsverhaltens angesichts einer guten Nährstoffversorgung der Bevölkerung keine Notwendigkeit gibt, zu Supplementen zu greifen“, erläutert Dr. Helmut Oberritter, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Auch aus dem Bereich der Medizin gibt es kritische Stimmen zu Nahrungsergänzungsmitteln. So wiesen zum Beispiel bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen im September 2010 Experten darauf hin, dass die Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln Leberschäden bis hin zum Leberversagen verursachen können.

Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln fraglich
Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Gesundheit. Gerade pflanzlichen Produkten kommt hier ein wichtiger Stellenwert zu. Das hat unter anderem die EPIC-Studie mit mehr als einer halben Million Teilnehmern nachdrücklich belegt. „Die EPIC-Studie belegt, dass eine gesundheitsfördernde Lebensweise das Risiko für chronische Erkrankungen um bis zu 78 Prozent verringern kann. Risiko senkend wirken sich vier Faktoren aus: Niemals geraucht zu haben, ein Körpergewicht mit einem Body Mass Index (BMI) von unter 30 zu haben, mindestens dreieinhalb Stunden pro Woche körperlich aktiv zu sein und sich gesund zu ernähren. Und dies bedeutet vergleichsweise viel Obst, Gemüse und Vollkornbrot, aber wenig Fleisch“, führt Professor Dr. Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam aus. Ganz anders beurteilen Experten die Studienlage über die Wirksamkeit von Vitaminsupplementen: „Über die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bislang keine Studien mit vergleichbarer protektiver Wirkung wie für Gemüse und Obst. Ergebnisse aus dem Reagenzglas können nicht auf den menschlichen Körper übertragen werden, da hierbei nur Einzelsubstanzen und nicht die Komplexität gering verarbeiteter Lebensmittel berücksichtigt werden“, erläutert Professor Dr. Bernhard Watzl vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe.

Obst und Gemüse wichtig für moderne Ernährung
Umso wichtiger ist es vielen Wissenschaftlern inzwischen, dass die Erkenntnisse über Ernährung praktisch umgesetzt werden. „Immerhin 20 Prozent der wöchentlichen Nahrungsaufnahme erfolgt in Kantinen, Mensen und Cafeterien. Hier haben wir die Möglichkeit, durch die Qualitätsstandards der DGE und Zertifizierungen Maßstäbe zu setzen, und den Menschen wohltuendes, gesundheitsförderndes Essen anzubieten“, so Oberritter. Dieser Argumentation schließt sich Professor Dr. Anja Kroke von der Hochschule Fulda an, die lange Jahre am Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund tätig war: „Schon im frühen Kindesalter werden die Weichen für die künftige Ernährungsweise gestellt. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Essensangebote in Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen an den wissenschaftlich begründeten Empfehlungen von Institutionen wie der DGE oder dem FKE orientieren. Vielfältige Speisenangebote, die zum Ausprobieren verlocken, sind wichtig, damit Kinder beim Essen mit allen Sinnen dabei sind und ein Gespür für Qualität und Geschmack bekommen.“

Nach wie vor Bestand hat die Ernährungsregel „5 am Tag“. Helmuth M. Huss, Sprecher des Vorstands des 5 am Tag e.V., hat hierzu eine ganz klare Meinung: „650 Gramm Obst und Gemüse, also gerade einmal 5 Handvoll am Tag, das sollte jedem seine Gesundheit wert sein. Zudem können natürliche Lebensmittel nicht überdosiert werden. Obst und Gemüse sind überwiegend kalorienarm und sättigen gut, somit tut man auch der Figur etwas Gutes. Von einer Vitamintablette ist meines Wissens noch niemand satt geworden.“

Studie: Schokolade gut gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Langzeitstudie bestätigt: Schokolade kann das Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken

Der tägliche Verzehr von einem kleinen Stück
Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken,
insbesondere für Schlaganfall. Dabei ist der Effekt zum Teil auf eine
blutdrucksenkende Wirkung der Schokolade zurückzuführen. Zu diesem
Ergebnis kam ein Forscherteam vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es die Daten einer großen
Langzeitstudie* mit circa 20.000 Teilnehmern ausgewertet hatte. Die
Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift
European Heart Journal (Buijsse et al., 2010; Chocolate consumption in
relation to blood pressure and risk of cardiovascular disease in German
adults, DOI 10.1093/eurheartj/ehq068).

Der in dunkler Schokolade enthaltene Kakao enthält viele Flavanole, die
sich günstig auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck
auswirken. Dies haben in den letzten Jahren verschiedene klinische
Kurzzeitstudien belegen können. Ergebnisse aus Langzeitstudien gab es
aber kaum. Ein Grund für die DIfE-Forscher, den Sachverhalt mit Hilfe
der Potsdamer EPIC*-Studiendaten zu überprüfen und mit dem Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung zu bringen.

In der aktuellen Studie erlitten während der durchschnittlichen
Nachbeobachtungszeit von etwa acht Jahren 166 Studienteilnehmer einen
Herzinfarkt – 136 Personen erkrankten an einem Schlaganfall. Aus den
in den Jahren 1994 bis 1998 erhobenen EPIC-Basisdaten ermittelten die
Forscher die Zusammenhänge zwischen dem Schokoladenverzehr, dem
Blutdruck und dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie die Studie zeigt, haben Personen, die im Schnitt etwa sieben Gramm
kakaohaltiger Schokolade pro Tag verzehren, im Vergleich zu Personen,
die nur wenig Schokolade essen, ein um fast 40 Prozent verringertes
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sank das
Schlaganfallrisiko um fast die Hälfte – das Herzinfarktrisiko
verminderte sich um 27 Prozent.

„Schokolade ist für ihren blutdrucksenkenden Effekt bekannt. Da ein
hoher Blutdruck für Schlaganfälle ein stärkerer Risikofaktor ist als für
Herzinfarkte, haben wir erwartetet, dass der Schokoladenverzehr auch
stärker mit einem verminderten Schlaganfallrisiko verbunden ist.
Genau dies haben wir in den Studiendaten gesehen“, sagt Brian Buijsse,
Erstautor der Studie.

In der aktuellen Studie hatten die Personen mit dem höchsten
Schokoladenverzehr einen geringeren Blutdruck als die Personen mit dem
geringsten Schokoladenverzehr. Allerdings war der Blutdruckunterschied
weniger stark ausgeprägt als in anderen Studien. Ein Grund für die
relativ geringe Blutdrucksenkung könne die Vorliebe der meisten
Studienteilnehmer für Vollmilchschokolade sein, mutmaßt Buijsse. Denn
Vollmilchschokolade hat einen geringeren Kakaoanteil als
Bitterschokolade und somit auch einen geringeren Anteil an
blutdrucksenkenden Flavanolen.

Heiner Boeing, Studienleiter der Potsdamer EPIC-Studie, merkt an, dass
die neuen Studienergebnisse keinen Freibrief für einen ungehemmten
Schokoladenverzehr erteilen. Schokolade in großen Mengen konsumiert
macht dick und ist damit ungesund. Geringe Mengen Schokolade können
dagegen die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern. Dabei sind
insbesondere Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil zu empfehlen, der
eigentlichen Wirksubstanz.

Hintergrundinformation:
Die *Potsdamer EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition)-Studie ist Teil der Gesamt-EPIC-Studie. Die EPIC-Studie ist
eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und
anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der
EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern
mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern beteiligt.

Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die
Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu
untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte
Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine
Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert
werden kann – ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven
Studien.

Erstautor Brian Buijsse hatte bereits vor vier Jahren durch die
Auswertung einer niederländischen Bevölkerungsstudie gezeigt, dass
Personen, die im Durchschnitt täglich vier Gramm Kakao verzehren, nicht
nur einen niedrigeren Blutdruck, sondern auch ein vermindertes Risiko
haben, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Vier Gramm Kakao ist
eine Menge, die mit zehn Gramm Bitterschokolade vergleichbar ist. In der
niederländischen Studie wertete Buijsse zusammen mit seinen Kollegen die
medizinischen Daten von 470 Männern aus, die in einem
Beobachtungszeitraum von 15 Jahren erhoben worden waren. Lit.: Arch
Intern Med. 2006 Feb 27;166(4):411-7. Cocoa intake, blood pressure, and
cardiovascular mortality: the Zutphen Elderly Study. Buijsse B, Feskens
EJ, Kok FJ, Kromhout D.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen
ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention,
Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.
Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und
Krebs.

Fett macht nicht „fett“

Lightprodukte haben ausgedient

Fett macht nicht „fett“. Dies bestätigt nun auch der Datenvergleich von vier europäischen Ländern im Rahmen der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition).

„Fettiges Essen ist die Ursache für das Übergewicht der Deutschen“ Dieser Zusammenhang hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig in den Köpfen der Menschen und führte dazu, dass manch namenhafte Ernährungsgesellschaft hohem Fettkonsum den Kampf ansagte. Auch die Nahrungsmittelindustrie sprang auf den Zug auf und ersetzte ihre Produkte zunehmend durch fettreduzierte Lightvarianten. Doch genutzt hat es wenig, wie der Blick auf unsere Straßen bestätigt.

Einen herben Dämpfer bekommen die Anti-Fett-Kampagnen nun auch durch die Ergebnisse der EPIC-Studie, die seit 17 Jahren die Auswirkungen unserer Ernährung auf die Krebsentstehung untersucht. Beim Vergleich der Daten von etwa 90.000 Patienten aus Deutschland, den Niederlanden, England, Italien und Dänemark war kein Zusammenhang zwischen aufgenommener Fettmenge und Übergewicht erkennbar. Selbst beim Blick auf die Fettzusammensetzung zeigte sich kein Einfluss. Weder schienen gesättigte Fettsäuren Gewichtszunahmen zu erklären noch ungesättigte Fettsäuren Pfunde purzeln zu lassen.

„Fettreduzierte Diäten sind keine Lösung für die Adipositasepidemie“, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler. Vielmehr sehen sie die Ursache in der zunehmenden Bewegungsarmut begründet. So weisen die deutschen Männer im europäischen Vergleich den höchsten Anteil massiv Übergewichtiger und die geringste Aktivität auf. Bei unseren niederländischen Nachbarn verhält es sich hingegen umgekehrt.

Wer mit der Tüte Lightchips vor dem Fernseher sitzt oder fettarme Fruchtgummis vor dem Computer nascht, braucht sich daher nicht zu wundern, wenn die Waage unerwünschte Zahlen anzeigt. Denn Kalorien, die der Mensch nicht verbraucht, führen zu überflüssigen Pfunden. So bringt es nichts, die Schuld in einer bestimmten Nährstoffgruppe zu suchen. Vielmehr sollte das Augenmerk der Ernährungsempfehlungen auf der Qualität der Nahrungsmittel und nicht auf deren Fettgehalt liegen. Pflanzenöle beispielsweise verlieren durch industrielle Härtung einen großen Teil der gesunden Eigenschaften. Ist pflanzlicher Sahneersatz dann wirklich besser für die Figur?

Fettarme Diäten sind ohnehin meist von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn Fett ist ein wichtiger Geschmacksträger. Was bringt es da die meist eh schon verminderte Lebensqualität übergewichtiger Patienten durch das Verbot aromatischer Speisen noch weiter einzuschränken? Zudem gehören fettreiche Nahrungsmittel wie Olivenöl, Seefisch und Nüsse zu einer gesunden Ernährung einfach dazu.

Gesunde Lebensweise senkt das Risiko für chronische Erkrankungen

Gesunde Lebensweise senkt das Risiko für chronische Erkrankungen um 78
Prozent

Wer niemals geraucht hat, nicht massiv
übergewichtig ist, pro Woche mehr als dreieinhalb Stunden körperlich
aktiv ist und sich gesund ernährt, hat im Vergleich zu einer Person, die
sich gegenteilig verhält, ein um 78 Prozent vermindertes Risiko,
chronisch zu erkranken. Detailliert betrachtet, sinkt bei einer solchen
gesunden Lebensweise das Diabetesrisiko sogar um 93 Prozent und das
Herzinfarktrisiko um 81 Prozent. Das Schlaganfallrisiko vermindert sich
dabei immerhin noch um die Hälfte und das Krebsrisiko um 36 Prozent.
Dies ist das Ergebnis einer großen Potsdamer Langzeitstudie, die Heiner
Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) leitet.

Neben Heiner Boeing hat auch der DIfE-Gastwissenschaftler Earl S. Ford
vom National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion
in Atlanta, USA, maßgeblich zur vorliegenden Untersuchung beigetragen.
Die Forschergruppe veröffentlichte ihr Ergebnis in der aktuellen Ausgabe
der Zeitschrift Archives of Internal Medicine (Ford et al., 2009;
169:1-8).

Seit langem ist bekannt, dass der Lebensstil das Risiko für chronische
Erkrankungen beeinflusst. Ziel der vorliegenden Studie war nun, die
Einzel- sowie kombinierten Effekte der vier wohl einflussreichsten
Lebensstilfaktoren zu untersuchen – nämlich den Raucherstatus, das
Körpergewicht in Relation zur Körpergröße, den Aktivitätsstatus und
die Ernährungsweise. Für ihre Berechnungen stuften die Wissenschaftler
die folgenden Merkmale als risikosenkend ein: das Merkmal „niemals
geraucht zu haben“, ein Körpergewicht mit einem Body Mass Index (BMI)*
unter 30 zu besitzen, mindestens dreieinhalb Stunden pro Woche
körperlich aktiv zu sein und das Merkmal „sich gesund zu ernähren“
– das heißt, mit vergleichsweise viel Obst, Gemüse und Vollkornbrot,
aber wenig Fleisch.

Grundlage der Studienergebnisse waren Daten von 23.153 weiblichen und
männlichen Studienteilnehmern der Potsdamer European Prospective
Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC). Im Schnitt waren die
Frauen und Männer bei Studieneintritt 49,3 Jahre alt. Die
durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug etwa acht Jahre.

Neun Prozent der Studienteilnehmer erfüllten alle vier Kriterien einer
gesunden Lebensweise. Nur vier Prozent der Probanden wiesen keine dieser
positiven Merkmale auf. Den meisten Teilnehmern konnten die
Wissenschaftler ein bis drei der Kriterienpunkte zuordnen. Generell
galt: Je mehr der vier Merkmale die Teilnehmer aufwiesen, desto geringer
war ihr Erkrankungsrisiko.

„Daneben untersuchten wir auch, welche Kombination der
gesundheitsförderlichen Lebensstilmerkmale besonders günstig ist“,
sagt Heiner Boeing. „Wer einen BMI unter 30 aufweist, vermindert allein
hierdurch sein Risiko chronisch zu erkranken um mehr als die Hälfte.
Dies trifft besonders auf das Typ-2-Diabetesrisiko zu. Ist man dann auch
noch sein Leben lang Nichtraucher, so vermindert sich das Risiko für
chronische Erkrankungen sogar um 70 Prozent. Aber auch Raucher und
Exraucher können ihr Risiko durch eine gesunde Ernährung, ausreichend
Bewegung und ein normales Körpergewicht um bis zu 70 Prozent senken“.

„Wie die Untersuchung zeigt, haben die Teilnehmer der Potsdamer
EPIC**-Studie deutlich von einer gesunden Lebensweise profitiert. Dies
belegt, wie wichtig es ist, eine gesunde Lebensweise im Rahmen einer
effektiven Prävention chronischer Erkrankungen weiter in die Bevölkerung
zu tragen und mit gesundheitspolitischen Maßnahmen zu unterstützen“,
so Boeing.

Hintergrundinformation:

Der *Body Mass Index, der auch kurz mit BMI bezeichnet wird, ist ein
Richtwert, mit dem man das Körpergewicht beurteilen kann. Er berechnet
sich, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der
Körperhöhe teilt, die in Metern gemessen wird (Einheit: kg/m2).

Die **EPIC-Studie ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die
Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen
Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23
administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000
Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als
27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing
vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die
Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu
untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte
Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine
Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert
werden kann – ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven
Studien.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen
ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention,
Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.
Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und
Krebs.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und
Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte
Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und
Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an
Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder
fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die
Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500
Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de