Horst Lichter in Madagaskar

ZDFinfokanal, Freitag, 12.12., 13:02 – 13:15 Uhr

Dreimal Dritte Welt Was ist Armut? Wie fühlt sie sich an? Wie riecht sie? Während in Deutschland statistisch gesehen jeder zweite Erwachsene an Übergewicht leidet und sich von einer Diät zur nächsten kämpft, sind weltweit fast eine Milliarde Menschen von Hunger und Armut bedroht. Die Deutsche Welthungerhilfe steuert dem entgegen und leistet in zahlreichen Projekten Hilfe zur Selbsthilfe. Seit der Gründung im Jahr 1962 wurden mehr als 5500 Projekte in 70 Ländern mit 1,9 Milliarden Euro gefördert. Die Doku-Reihe ‚Einsatz gegen den Hunger‘ stellt ab Samstag, 6. Dezember drei solche Projekte im ZDFinfokanal vor, bei denen sich Prominente auf den Weg gemacht haben, um die Arbeit der Welthungerhilfe direkt vor Ort in Augenschein zu nehmen: Horst Lichter war in Madagaskar, Minh-Khai Phan-Thi in Mali und Andrea Kiewel in Indien unterwegs, um dort in den jeweiligen Projektgebieten hautnah zu erleben, wie notwendig die Unterstützung durch die Welthungerhilfe ist. Horst Lichter in Madagaskar Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung leidet an Unterernährung. Am ärgsten betroffen sind Kinder in ländlichen Regionen, wie z. B. dem kleinen Dorf Ambazato, im Osten der Insel. Hier besucht der TV-Koch Horst Lichter die 26jährige Francine, um mit der alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern einen typischen Tagesablauf mitzuerleben. ‚Wer in Deutschland das Wort Armut in den Mund nimmt, weiß nicht wie es hier aussieht‘, bemerkt Horst Lichter nach seinen ersten Tagen in Madagaskar. Film von Stefan Rebelein

Abgehängt und allein gelassen? – Herausforderung Ernährungsarmut

Abgehängt und allein gelassen?
Herausforderung Ernährungsarmut

„Auch 2008 ist Ernährungsarmut weiterhin ein drängendes und politisch brisantes Thema“, betonte Prof. Dr. Angelika Ploeger, Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten (AGEV) auf der 30. Jahrestagung der AGEV „Abgehängt und allein gelassen? – Herausforderung Ernährungsarmut“, die am 25./26. November 2008 in Kooperation mit dem aid infodienst in Bonn stattfand. Im Mittelpunkt stand die Diskussion, wie man dem Thema Ernährungsarmut gesamtgesellschaftlich begegnen kann.
„In Deutschland wächst laut UNICEF-Bericht jedes sechste Kind in Armutsverhältnissen auf. Besonders bedroht vom Leben in Armut sind Kinder aus kinderreichen Familien, von allein Erziehenden oder solchen mit Migrationshintergrund“, erläuterte Jutta Kamensky, Universität Ulm. Armut stelle den größten Risikofaktor für die Lebenschancen von Kindern dar. Neben dem beschränkten Zugang zu Bildung und Gesellschaft erkrankten sozial benachteiligte Kinder häufiger als Kinder aus besser gestellten Familien. Thomas Lampert, Robert Koch-Institut Berlin, betonte: „Menschen mit einem Armutsrisiko haben eine um etwa neun Jahre verringerte Lebenserwartung im Vergleich zu den ökonomisch am besten gestellten Bevölkerungskreisen.“ Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe, Universität Gießen, unterstrich, dass öffentliche Unterstützungsangebote für junge Eltern nötig seien, um sie in ihrer Verantwortung und elterlichen Kompetenz zu stärken. Insbesondere um benachteiligte Kinder und Eltern an einen gesunden Lebensstil heranzuführen, seien wertschätzende, unterstützende und aktivierende Maßnahmen, die auch selbstwirksam sind, sinnvoll. Kamensky stellte fest, dass die Brisanz der Fehlernährung darin liege, dass den Kindern neben dem Angebot an gesunden Mahlzeiten zuhause auch die guten Vorbilder für das Erlernen günstiger Verhaltensweisen fehlen. „Gesundheitsförderung von sozial benachteiligten Kindern sollte deshalb Verhältnisse und Verhalten berücksichtigen, im Setting stattfinden und die Betroffenen partizipieren lassen. Bewältigungsstrategien, ein soziales Netzwerk und eine hohe Selbstwirksamkeit erleichtern den Umgang mit der Armutslage erheblich“, so die Expertin.
„Migranten sind in Deutschland doppelt so häufig von Armut bedroht wie die einheimische Bevölkerung“, verdeutlichte Ahmet Kimil vom Ethno-Medizinischen Zentrum e.V., Hannover. Kinder mit Migrationshintergrund unterlägen deutlich öfter Gesundheitsrisiken wie Krankheiten und Übergewicht. Dr. Liane Schenk von der Charité – Universitätsmedizin Berlin erläuterte anhand des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS), dass vor allem türkischstämmige und russlanddeutsche Kinder ein eher ungünstigeres Ernährungsverhalten im Vergleich zu Nicht-Migranten zeigen. „Diese Ergebnisse signalisieren Handlungsbedarf, es geht darum, gesunde Elemente der Ernährungsweise der Herkunftsländer zu erhalten und ungünstigen Einflüssen der Zuwanderungskultur vorzubeugen“, so Schenk.
Auch der Anteil der in Armut lebenden älteren Menschen werde in den kommenden Jahren ansteigen, da viele Menschen nicht in der Lage waren und sind, eine private Altersvorsorge zu treffen, stellte Anne von Laufenberg-Beermann von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e. V. (BAGSO) fest. „Neben den rein ökonomischen Herausforderungen zur Vermeidung von steigender Ernährungsarmut im Alter sieht die BAGSO in Hinblick auf die demografische Entwicklung großen Handlungsbedarf insbesondere für ältere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen in ländlichen Gebieten“, so Laufenberg-Beermann.
Doch welche öffentlichen Strategien gibt es, um der Ernährungsarmut zu begegnen? „Ernährungsarmut ist eine Herausforderung an die gesellschaftliche Verantwortung“, betonte Regine Rehaag vom KATALYSE Institut Köln. Durch die kostenlose Lebensmittelausgabe über die Tafeln würde z. B. Ernährungsverantwortung für bedürftige Mitbürger übernommen. Doch nicht selten fehle bei ihnen das Wissen, wie man aus frischen Lebensmitteln eine Mahlzeit zubereiten kann. Diese Ressourcen müssten daher gestärkt werden. Sabine Schulz-Greve von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin berichtete: „Durch die Einrichtung von Ganztagsschulen wurden gute Voraussetzungen geschaffen, „Bildungshunger“ auch in Sachen Ernährung und Gesundheit zu stillen. Ernährungs- und Verbraucherbildung, wie sie ganztags bei gemeinsamen Mahlzeiten vorgelebt und fächerübergreifend im Unterricht vertieft werden kann, schafft Chancengleichheit zur Ausprägung eines gesundheitsförderlichen Lebensstils.“ Am Beispiel des „MiMi“-Projektes (Von Migranten für Migranten) zeigte Kimil, dass die Eigenverantwortung von Menschen mit Zuwanderungshintergrund gestärkt werden kann, was langfristig zu einer Verbesserung der Gesundheitschancen führen sollte.

aid. Eva Weißen

Konsum gegen Armut

Konsum gegen Armut

Jeder Verbraucher kann mit dem Kauf von Produkten aus dem Fairen Handel etwas gegen Armut und Hunger auf der Welt tun.
Mehr als 840 Millionen Menschen auf der Erde hungern. Rund 75 Prozent davon leben in ländlichen Regionen. Mit einfachen Kaufentscheidungen können Verbraucher im Alltag etwas gegen Armut und Hunger auf der Welt tun. Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. empfiehlt anlässlich des Welternährungstags beim Einkauf Produkte aus dem Fairen Handel zu berücksichtigen.

Bananen aus Ecuador, Kaffee aus Ghana, Rosen aus Kenia – die Auswahl global gehandelter Waren in den Geschäften ist riesig. Vielen Produkten sieht man nicht an, unter welchen sozialen Bedingungen sie entstanden sind. Besonders in den so genannten Entwicklungsländern sind die Produktions- und Handelskonditionen schlecht. „Dortige Kleinbauern bekommen im Export oft so wenig Geld für ihre Erzeugnisse, dass es kaum zum Überleben reicht“, so Mareen Joachim von der VERBRAUCHER INITIATIVE. Die Fachreferentin verweist in diesem Zusammenhang auf den Fairen Handel, den unter anderen folgende Merkmale auszeichnen:

Kleinbauern erhalten einen fairen Preis und Landarbeiter einen fairen Lohn, was heißt, dass sie von ihrem Einkommen überleben können

langfristige Lieferverträge

Zwangsarbeit und ausbeuterische Kinderarbeit sind verboten

Förderung der Umstellung auf den ökologischen Anbau und Zahlung eines Bio-Aufschlags (70 % der fair gehandelten Produkte sind bereits „bio“)

Förderung gemeinnütziger Projekte wie den Bau von Schulen und Krankenstationen mit der Fairtrade-Prämie
Die Auszeichnung „fair“ ist nicht gesetzlich geschützt. Verbraucher erkennen Produkte, die den hohen Ansprüchen des Fairen Handels entsprechen, am bekannten Fairtrade-Siegel. Auch die anerkannten Fair Handelsorganisationen wie GEPA, dwp, BanaFair oder El Puente bieten fair gehandelte Produkte an. Erzeugnisse aus dem Fairen Handel sind in 30.000 Supermärkten, in Naturkostläden sowie in bundesweit etwa 800 Weltläden erhältlich.

Welternährungstag – Auch in Deutschland hungern Kinder

Welternährungstag – Auch in Deutschland hungern Kinder

Jedes Jahr am 16. Oktober ist der Welternährungstag. An diesem Tag wurde 1945 die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO gegründet. Als Sonderorganisation der UNO hat sie das Ziel, die weltweite Ernährung sicherzustellen. In den 1970er Jahren rief die FAO den Welternährungstag ins Leben. Seit nun mehr 29 Jahren dient dieser Tag dazu, uns daran zu erinnern, dass weltweit viele Menschen an Hunger leiden. Die aktuellen Nachrichten über explodierende Lebensmittelpreise, verursacht durch den steigenden Bedarf an Biotreibstoff oder auch die stetige Zunahme von Missernten durch den Klimawandel zeigen, dass das Thema nach wie vor sehr aktuell und global ist und seine Brisanz gerade in den letzten Monaten noch einmal deutlich zugenommen hat. Laut UNICEF sterben jeden Tag weltweit ca. 24.000 Menschen an den Folgen von Hunger. Das ist alle 3,6 Sekunden ein Mensch. Insgesamt hat die Zahl der Personen, die an Hunger leiden seit 2007 um 200 Millionen zugenommen und hat damit die Grenze von einer Milliarde Menschen fast erreicht.

Relative Armut in Deutschland wächst.

Doch nicht nur in den Ländern der Dritten Welt ist Hunger ein akutes Thema. Geprägt durch eine steigende Armut wächst auch in den Industrieländern der Anteil an hungernden Menschen. Dabei handelt es sich in Europa um eine so genannte „relative Armut“, die vor allem Kinder trifft. Diese Armut definiert sich nicht direkt durch eine existenzbedrohende Situation und ist damit nicht mit der in den Schwellen- und Entwicklungsländern herrschenden „absoluten Armut“ zu vergleichen, trotzdem birgt dieses Leben unter der Armutsgrenze gerade für Kinder viele Risiken. Dass dieses Thema auch uns betrifft, zeigt der überdurchschnittliche Zuwachs von Kinderarmut in Deutschland. Jedes fünfte Kind ist demnach in Deutschland arm. Kinder in Ein-Eltern-Familien, in Familien mit Migrationshintergrund oder aus kinderreichen Familien sind besonders stark von Armut bedroht. Kinder die in Armut leben, bzw. von ihr bedroht sind, ernähren sich unregelmäßiger und ungesünder als Kinder aus wohlhabenden Familien. Sie essen weniger Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, was zu einer permanenten Unterversorgung führt. Stattdessen steht schnelles und billiges Essen auf dem Speiseplan, so dass Kinder in Armut meistens unter Vitamin- und Mineralstoffmangel leiden und die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tagesrationen nicht erreichen. Diese Defizite führen zu Konzentrationsschwäche und Müdigkeit und behindern Kinder so im Lernverhalten und letztlich in ihrer Entwicklung.

Gemeinsam gegen den Hunger.

Immer häufiger fallen ganze Mahlzeiten aus, weil Eltern sich beispielsweise nicht das monatliche Kantinengeld leisten können. Die Stiftung „Mittagskinder“ in Hamburg nimmt sich dieser Thematik an und versorgt Kinder mit regelmäßigen Mahlzeiten. Und das ist auch dringend nötig: Hamburg ist von Kinderarmut besonders betroffen. Viele Kinder erhalten keine regelmäßigen gesunden Mahlzeiten. 20 Prozent der unter Sechsjährigen beziehen Sozialhilfe. Jedes dritte Kind dieser Alterstufe kommt aus einer Familie, die unterhalb der Armutsgrenze lebt. Um der Stiftung zu helfen, hat das in Hamburg ansässige Onlineunternehmen The Cereal Club, spezialisiert auf den Verkauf von individuellen Müsli- und Cerealienmischungen, nun eine ungewöhnliche Spendenaktion ins Leben gerufen. „Jeder unserer Kunden kann ganz einfach mithelfen. Wir haben ein besonderes Spendentopping in unsere Zutatenliste aufgenommen. Wenn ein Kunde sich sein Müsli zusammenstellt, dann kann er das Spendentopping im Wert von 0,25 Euro dazu nehmen. Wir legen die gleiche Summe noch einmal dazu, so dass wir gemeinsam mit jedem Spenden-Müslimix 0,50 Euro Spendengeld zusammentragen.“ so Sacha Halwani, Geschäftsführer des Cereal Clubs. Die Aktion beginnt mit dem Welternährungstag 2008 am 16.10. und ist auf zwei Wochen angelegt. „Wir hoffen natürlich, dass sich viele an der außergewöhnlichen Spendenaktion beteiligen und wir so die bemerkenswerte Leistung der Stiftung „Mittagskinder“ nachhaltig unterstützen können.

Ohne Frauen keine Ernährungssicherheit

Ohne Frauen keine Ernährungssicherheit
Welternährungstag am 16. Oktober – Frauen spielen Schlüsselrolle bei der Reduzierung von Hunger und Armut

Jedes Jahr am 16. Oktober findet der Welternährungstag statt. Er soll daran erinnern, dass noch immer eine unfassbare Anzahl Menschen Hunger leiden muss. Mehr als 840 Millionen Menschen sind nicht ausreichend mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser versorgt, Tag für Tag sterben schätzungsweise 24.000 Menschen an Unterernährung.

Als einen der wichtigsten Faktoren zur Sicherstellung der Ernährung der Weltbevölkerung nennt der Weltagrarbericht, der im April 2008 vom „International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development (IAASTD)“, dem Weltagrarrat, vorgelegt wurde, die Beteiligung der Frauen. Ohne die Stärkung der Rolle der Frauen in der Gesellschaft werde es keinen Sieg über den Hunger geben. Ziel des von internationalen Organisationen finanzierten Weltagrarrates ist es, auf verschiedenen Feldern Armut und Hunger zu bekämpfen. Beteiligt sind die Weltbank, die FAO, das UN-Entwicklungsprogramm UNEP, die UNESCO und die WHO.

Frauen sind deshalb besonders wichtig bei der Frage der Reduzierung von Hunger und Armut sowie bei der Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten, weil sie in den landwirtschaftlichen Produktionssystemen weltweit eine Schlüsselrolle spielen. Ihr Anteil an der Produktion und bei Nachernteprozessen liegt bei bis zu 70 Prozent, mancherorts mit steigender Tendenz. Vor allem in zunehmend exportorientierten Strukturen werden Frauen als Arbeitskräfte eingesetzt. Auch wenn es zahlreiche Verbesserungen gibt, sind Frauen weltweit immer noch mit schlechten, teilweise gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen, niedriger Bezahlung, unsicheren Jobs, unzureichender Bildung und eingeschränktem Zugang zu den Produktionsmitteln konfrontiert.

Der Weltagrarrat sieht es deshalb als unabdingbar an, die Geschlechterfrage noch viel stärker als zuvor in die Ernährungssicherungsprogramme zu integrieren. Die stärkere Einbeziehung von Nichtregierungsorganisationen soll außerdem sicherstellen, das Wissen darüber zu verbreiten, wie die Beteiligung von Frauen verbessert werden kann: etwa durch die Priorisierung der Anstrengungen, Frauen einen besseren Zugang zu Bildung, Information, Wissenschaft, Beratung und Technologien zu ermöglichen. Außerdem muss es Frauen ermöglicht werden, ökonomische und natürliche Ressourcen zu besitzen bzw. einen Zugang zu ihnen zu haben und diese kontrollieren zu können.

Hierzu ist es notwendig, die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, passende Kreditstrukturen aufzubauen und einkommensgenerierende Aktivitäten von Frauen zu unterstützen. Dies wiederum hat eine entscheidende Wirkung innerhalb von männerdominierten Gesellschaftsstrukturen. Nur wenn Frauen selbst Einkommen erwirtschaften, sind sie zunehmend in der Lage, ihre Interessen gegenüber den oftmals in den Dörfern führenden Männern zu artikulieren. Zu den öffentlichen Aufgaben gehört es daneben, die Lebensbedingungen von Frauen in den ländlichen Räumen zu verbessern.

Besonders wichtig bei der Durchführung von Programmen zur ländlichen Entwicklung ist aber eines: die vorhandenen Fähigkeiten, das Wissen und die Erfahrung der Frauen in Sachen Nahrungsmittelerzeugung und Erhaltung der Biodiversität zu nutzen und dieses gezielt in die Programme zu integrieren. Ausschlaggebend für den Erfolg solcher Programme wird es sein, Frauen auf allen Ebenen in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

aid, Friederike Eversheim

Welternährungstag am 16. Oktober

Ohne Frauen keine Ernährungssicherung

Welternährungstag am 16. Oktober

Jedes Jahr am 16. Oktober findet der Welternährungstag statt. Er soll daran erinnern, dass noch immer eine unfassbare Anzahl Menschen Hunger leiden muss. Mehr als 840 Millionen Menschen sind nicht ausreichend mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser versorgt, Tag für Tag sterben schätzungsweise 24.000 Menschen an Unterernährung.
Als einen der wichtigsten Faktoren zur Sicherstellung der Ernährung der Weltbevölkerung nennt der Weltagrarbericht, der im April 2008 vom „International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development (IAASTD)“, dem Weltagrarrat, vorgelegt wurde, die Beteiligung der Frauen. Ohne die Stärkung der Rolle der Frauen in der Gesellschaft werde es keinen Sieg über den Hunger geben. Ziel des von internationalen Organisationen finanzierten Weltagrarrates ist es, auf verschiedenen Feldern Armut und Hunger zu bekämpfen. Beteiligt sind die Weltbank, die FAO, das UN-Entwicklungsprogramm UNEP, die UNESCO und die WHO.
Frauen sind deshalb besonders wichtig bei der Frage der Reduzierung von Hunger und Armut sowie bei der Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten, weil sie in den landwirtschaftlichen Produktionssystemen weltweit eine Schlüsselrolle spielen. Ihr Anteil an der Produktion und bei Nachernteprozessen liegt bei bis zu 70 Prozent, mancherorts mit steigender Tendenz. Vor allem in zunehmend exportorientierten Strukturen werden Frauen als Arbeitskräfte eingesetzt. Auch wenn es zahlreiche Verbesserungen gibt, sind Frauen weltweit immer noch mit schlechten, teilweise gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen, niedriger Bezahlung, unsicheren Jobs, unzureichender Bildung und eingeschränktem Zugang zu den Produktionsmitteln konfrontiert. Der Weltagrarrat sieht es deshalb als unabdingbar an, die Geschlechterfrage noch viel stärker als zuvor in die Ernährungssicherungsprogramme zu integrieren. Die stärkere Einbeziehung von Nichtregierungsorganisationen soll außerdem sicherstellen, das Wissen darüber zu verbreiten, wie die Beteiligung von Frauen verbessert werden kann: etwa durch die Priorisierung der Anstrengungen, Frauen einen besseren Zugang zu Bildung, Information, Wissenschaft, Beratung und Technologien zu ermöglichen. Außerdem muss es Frauen ermöglicht werden, ökonomische und natürliche Ressourcen zu besitzen bzw. einen Zugang zu ihnen zu haben und diese kontrollieren zu können. Hierzu ist es notwendig, die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, passende Kreditstrukturen aufzubauen und einkommensgenerierende Aktivitäten von Frauen zu unterstützen. Dies wiederum hat eine entscheidende Wirkung innerhalb von männerdominierten Gesellschaftsstrukturen. Nur wenn Frauen selbst Einkommen erwirtschaften, sind sie zunehmend in der Lage, ihre Interessen gegenüber den oftmals in den Dörfern führenden Männern zu artikulieren. Zu den öffentlichen Aufgaben gehört es daneben, die Lebensbedingungen von Frauen in den ländlichen Räumen zu verbessern. Besonders wichtig bei der Durchführung von Programmen zur ländlichen Entwicklung ist aber eines: die vorhandenen Fähigkeiten, das Wissen und die Erfahrung der Frauen in Sachen Nahrungsmittelerzeugung und Erhaltung der Biodiversität zu nutzen und dieses gezielt in die Programme zu integrieren. Ausschlaggebend für den Erfolg solcher Programme wird es sein, Frauen auf allen Ebenen in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

aid, Friederike Eversheim

Gut, günstig & gesund – Deutschlands Kochelite zeigt, wie’s geht!

Gut, günstig & gesund – Deutschlands Kochelite zeigt, wie’s geht!

Sich für wenig Geld gesund und gut ernähren – was bis vor kurzem für wenige Notwendigkeit war, ist und wird zur Herausforderung für immer mehr. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: gestiegene Preise bei gleich bleibendem bzw. prekärem Einkommen spielen dabei aber eine wesentliche Rolle.

Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund kommt dem Titel „Sterneküche – Rezepte für fünf Euro von Deutschlands besten Köchinnen und Köchen“ neue Aktualität zu. Der Titel ist Programm: tatsächlich zeigt über 80 hiesige Spitzenköche, wie man mit wenig Geld lecker essen kann – und zudem gesund. Von Dieter Müller über Johann Lafer und Raffaelle Cannizzaro bis Sarah Wiener bzw. Harald Wohlfahrt und Ralf Zacherl.

Ebenfalls nichts an Aktualität eingebüßt hat der Charityaspekt des Buches. Ein Teil des Verkaufspreises unterstützt den Verein Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (Prof. Dr. Gerhard Trabert).

„Sterneküche – Rezepte für fünf Euro“ – gut, günstig und gesund essen für einen guten Zweck!

Aus dem Inhalt

Dieter Müller „Kartoffel-Lauchcreme mit Liebstöckel“ Johann Lafer „Kürbisquiche mit Kräutern“ Raffaelle Cannizzaro „Kabeljau auf Erbsenpüree“ Sarah Wiener „Wan Tan mit Pfifferlingen und Ziegenkäse“ Ralf Zacherl „Cappuccino von Blumenkohl, Curry und Kokos“

Sterneküche – Rezepte für fünf Euro von Deutschlands besten Köchinnen und Köchen“ Hrsg: Verein Armut und Gesundheit, Mainz, und Verein neunerHaus, Wien
206 Seiten
Preis 14,90 Euro / 2 Euro je Buch gegen Armut und für Gesundheit
ISBN 978-3-902532-10-7 Hubert Krenn Verlag, Wien www.hubertkrenn.at

Die eigene Kaffeeplantage

Mit der Geschenkidee einer eigenen Kaffeeplantage sichern Sie sich nicht nur lebenslang kostenlos Kaffee, sondern Sie unterstützen gleichzeitig eines der ärmsten Länder der Welt. Sie tragen dazu bei, dass Kleinbauern und deren Familien zukünftig eine gesicherte Existenz haben. Arbeitsplätze entstehen, Schulbildung wird ermöglicht, Medikamente können erworben werden, der überfällige Arztbesuch stattfinden

Die Hilfsorganisation „Brücken nach Afrika e.V.“ sucht neue Wege, nicht nur über das Sammeln von Spenden, Entwicklung in Afrika, hier in Togo, möglich zu machen. Mit einer Geschenkidee wie der eigenen Kaffeeplantagen denkt „Brücken nach Afrika e.V.“, dass alle Beteiligten an einer besseren Welt mitwirken. Der Kunde hat ein schönes Geschenk und trinkt fair gehandelten Kaffee. „Brücken nach Afrika e.V.“ bietet ethisch wertvolle Produkte und Projekte können jetzt auch durch den Erwerb einer eigenen Kaffeeplantage unterstützt werden. Das Dorf kann sich entwickeln.

Wie sieht das konkret aus?

Die Kaffeeplantage ist als Geschenkidee erhältlich im Geschenkeshop von BRES. Durch den Kauf eines Mitbesitzes entsteht im Millenniumsodrf Gnivé, einem Dorf im Süden Togos, das als extrem arm eingestuft werden kann, eine Kaffeeplantage, welche von den Dorfbewohnern gepflanzt und gepflegt wird. In Gnivé forstet „Brücken nach Afrika e.V.“ den ehemaligen Urwald wieder auf, pflanzt alle Arten von Bäumen wie Teakholz, Ebenholz, Niembaum, aber auch fruchttragende Bäume wie Mangos, Papayas, Orangen, Kokosnussplamen, Palmölpalmen, um die Ernährungslage der Bevölkerung zu verbessern. Durch die Zusammenarbeit mit www.bres.de wird das Dorfentwicklungsprojekt um die Schaffung einer Kaffeeplantage erweitert. Togo ist als tropisches Land am Äquator klassisches Kaffeeanbaugebiet, nur kam der Anbau in den letzten Jahren durch die unfairen Bedingungen, die den Kaffeebauern geboten wurde, fast gänzlich zum Erliegen und die ehemaligen Kaffeebauern haben Mais und Maniok angebaut statt Kaffee.

Dabei baut „Brücken nach Afrika e.V.“ nicht Monokulturen an, sondern versucht in allen landwirtschaftlichen Bereichen die Produktion zu erhöhen. Durch den Kauf einer Kaffeeplantage wird also zum einen die Wiederaufnahme des Kaffeeanbaus in Togo unterstützt, außerdem fließen Gelder zunächst in das Pflanzprojekt und später über den Kaffeeeinkauf als faires Einkommen für alle in einen Dorffonds, aus dem heraus die oben geschilderten Maßnahmen finanziert werden. Das Dorf Gnivé hat sich, seit „Brücken nach Afrika e.V.“ die Dorfentwicklung gezielt unterstützt, schon unumkehrbar verändert. Mit dem Aufbau der Kaffeeplantage wird ein weiterer Schritt in diese Richtung getan. Damit geht das Dorf Schritte aus der Armut heraus.

Die Partner in Afrika wünschen nachhaltige Wege aus der Armut und fühlen sich wohler dabei, wenn das nicht auf der klassischen Basis von Gebern und Nehmern entsteht. Die klassischen Wege der sogenannten Entwicklungs“hilfe“ haben nicht funktioniert. Wir probieren nun etwas anderes.

Reise-Versteigerung für den guten Zweck

Reisen ist immer eine bereichernde Erfahrung – bekommt man doch immer etwas zurück. Dies gewinnt im aktuellen Fall gleicht an doppelter Bedeutung: Die JW Marriott Hotels & Resorts versteigern in einer exklusiven Online-Auktion 20 Traumreisen in der ganzen Welt und unterstützen mit dem Erlös die Youth Career Initiative (YCI).

Interessenten können ihre Gebote noch den ganzen Oktober hindurch unter www.ebay.com/JWMarriottHotelsForCharity abgeben. Dabei kommen jeweils sechs Übernachtungen in den folgenden JW Marriott-Destinationen unter den Hammer: Bangkok, Bukarest Grand Hotel, Kairo, Cancun, Caracas, Chongqing, Denver at Cherry Creek, Dubai, Hongkong, Hilani Resort & Spa auf Ko Olina, Jakarta, Las Vegas Resort, Lima, Mexiko City, Mumbai, Orlando Grande Lakes, Phuket Resort & Spa, Quito, Rio de Janeiro und das Shanghai at Tomorrow Square.

Alle Einnahmen aus der Auktion kommen der Youth Career Initiative (YCI) zu Gute, die im übrigen auch durch die Prince of Wales Foundation unterstützt wird. Sie wurde 1995 gegründet und ist heute auf vier Kontinenten tätig. Das Programm von YCI will gefährdeten Jugendlichen dabei helfen, aus dem Kreislauf von Armut und Benachteiligung durch eine professionelle Ausbildung auszubrechen. Dabei ist die YCI eine von vielen Programmen, für die sich Marriott International im Rahmen seiner Firmenphilosophie Spirit to Serve sowohl im sozialen als auch im kommunalen oder ökologischen Bereich weltweit engagiert.

Übrigens ist schon jetzt klar: Die Einnahmen der Versteigerung wird die J. Willard and Alice S. Marriott Foundation auf 100.000 Dollar aufrunden. Unabhängig vom tatsächlichen Versteigerungsergebnis. Details der Auktion und Beschreibungen der einzelnen Reisen sind außerdem in der Oktober-Ausgabe des Magazins Conde Nast Traveler zu finden.

Weniger Fisch essen ist Meer

Wenn die Menschheit fortfährt, jedes Jahr noch mehr Fisch zu konsumieren, sind die Fischbestände bald einmal ganz erschöpft. Am frühesten und am meisten leiden darunter die Bevölkerungen in den Küstenländern des Südens – ihre Eiweissversorgung hängt traditionell stark von Fisch ab, und Alternativen sind kaum verfügbar. Zum Welternährungstag und zum Tag der Überwindung der Armut ruft der Verein fair-fish dazu auf, den eigenen Fischkonsum zu überdenken: Dreimal pro Woche ist unnötig und zerstörerisch, zweimal pro Monat wäre nachhaltig.

Rund 7 Kilo Fischfilets verzehrt jeder Einwohner Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz pro Jahr. Das entspricht rund einer Fischmahlzeit pro Woche und liegt etwas über dem weltweiten Durchschnitt – und der ist bereits zu hoch. Denn ein Viertel der Fischbestände in den Meeren ist überfischt und ein weiteres Viertel bis an die Grenze der Ertragsfähigkeit genutzt. Der „peak fish“, also der Zeitpunkt, an welchem mehr gefischt wird, als wieder nachwächst, dürfte demnächst überschritten sein, wenn dies nicht schon geschehen ist.

Medizinische Ratgeber, die für eine genügende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren dreimal Fisch pro Woche empfehlen, sind daher fatal: Sie tragen nur zur Beschleunigung der Leerfischung der Meere bei, so dass diese Omega-3-Quelle noch rascher versiegen würde. Klüger ist es, bereits heute auf pflanzliche Omega-3-Quellen umzusteigen; entsprechende Produkte sind im Markt bereits erhältlich.

Auch ein Ausweichen auf Zuchtfische unterliegt einem fatalen Irrtum. Die meisten heute bei uns angebotenen Zuchtfische sind Raubfische wie Forellen oder Lachs, müssen also mit Fisch gefüttert werden. Dabei wird bis zu viermal soviel Fisch verfüttert, wie am Ende auf unserem Teller liegt. Der überwiegende Teil der Futterfische stammt aus rücksichtslosen Meeresfängen. Fischzucht ist daher keine Lösung des Problems, sondern beschleunigt die Leerfischung der Meere ebenfalls.

Weil die Meere im Norden schon stark überfischt sind, plündern westeuropäische und südostasiatische Fangflotten zunehmend südliche Gewässer. Bereits stammt die Hälfte der Speise- und der Futterfische aus dem Süden, Tendenz zunehmend. Damit wird die für viele Menschen in Entwicklungsländern wichtigste Eiweissquelle immer knapper. Eine Alternative können sich die meisten von ihnen kaum leisten, weil sie für ihre Fische schon bisher nur Almosen gekriegt haben.

Der Fischkonsum in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz kann nur deshalb viel höher sein als vor ein, zwei Generationen, weil der überwiegende Teil der Fische importiert wird. Die Armut der Völker im Süden wird nicht dadurch bekämpft, dass wir ihnen den Fisch für ein Butterbrot wegessen – wenn schon importieren, dann zu einem fairen Preis, der lokale Entwicklung ermöglicht. Wer seinen Fischkonsum auf ein vernünftiges Mass reduziert, wird sich Fisch als Festessen zu einem fairen Preis leisten können.

http://www.fair-fish.ch