Würstelstand Wien: „Wollen‘s einen Süßen oder Scharfen?“

Diese Frage stellen sich Bankberater, Punks und Opernbesucher fast rund um die Uhr an den Wiener Würstelständen. Rang und Namen werden zugunsten der wirklich wichtigen Dinge beiseitegelegt: den Krainern, Globassen oder Frankfurtern – und dem dazu passenden Senf.

Würstelstand Wien
Würstelstand Wien

Den Grundstein für die heutigen Würstelstände legte der „Würstel-Leo“ im Jahr 1982. Damals eröffnete Leopold Mlynek am Döblinger Gürtel den ersten Würstelstand mit festem Standort – und löste damit die Tradition des fahrenden Würstelstands ab. Heute gilt „Leo“ fast schon als eine kleine Institution. Besonders beliebt ist die legendäre Käsekrainer, eine österreichische geräucherte Brühwurst aus Schweinefleisch mit einem Käseanteil von 10 bis 20 Prozent. Für die richtig hungrigen Gäste hat Leo ein ganz besonderes Angebot im Sortiment: Die „Big Mama“. Dabei handelt es sich um einen Riesenkäsekrainer, einen Koloss von einem halben Kilo. Wer jedoch mit einer hungrigen Gruppe von vier Leuten anrückt, wird diesen leicht bezwingen. Garniert mit Saucen, Beilagen und Gebäck stellt die „Big Mama“ einen Klassiker bei Leo dar. Aber auch Neuerungen finden Einzug in die Speisekarte des Würstelstands. Leo geht mit der Zeit und hat auch den veganen Trend mit aufgenommen, schließlich gilt hier: Jeder soll sich wohl fühlen.

Auf einer Verkehrsinsel steht der Würstelstand am Hohen Markt, inmitten des Trubels einer der ältesten und geschichtsträchtigsten Plätze Wiens. In den späten Abendstunden strahlt die Neonanzeige in die Dunkelheit hinein und lockt Nachteulen bis vier Uhr morgens an. Am Tag gilt der Stand als idealer Ort für einen schnellen Imbiss zwischendurch, um anschließend wieder gestärkt in das Innenstadtleben einzutauchen. Neben Wurstklassikern wie gegrillte Käsekrainer, Bratwurst oder dem Waldviertler, ziehen auch die 33 verschiedenen Biersorten die nächtlichen Besucher auf den Straßen Wiens an. Bereits seit 20 Jahren steht der 51-jährige Sami Ramadani am Grill und das noch immer mit ganzem Herzen. Jeden Tag lernt er Unmengen an fremden Menschen kennen. Ein offenes Ohr und die Lust am Plaudern sind sein Geheimrezept, schließlich erfordern nicht nur die Würstel ein solches, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die Hartgesottenen zieht es Zum scharfen René, bei dem der Name Programm ist. Sieben unterschiedliche Chilipulver aus der ganzen Welt heizen den Besuchern des Würstel Tempels mit 450.000 bis 2,2 Millionen Scoville gehörig ein. Doch damit nicht genug, Chiliextrakte mit 2 bis 6 Millionen Scoville stellen auch den größten Chili-Fan vor eine große Herausforderung und laden zu scharfen Würstel-Wettkämpfen ein. Neben Käsekrainer, Currywurst und Rindssuppe, zählt die Frankfurter Wurst zu den Lieblingen der Kunden. Bei dieser handelt es sich um die überall auf der Welt bekannte Wienerwurst.

Doch warum trägt die auf der ganzen Welt bekannte Wiener Wurst überall den Namen ihrer Geburtsstadt, aber in dieser selbst einen anderen? Die Namensgebung beruht auf dem Frankfurter Metzger Johann Georg Lahner, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach Wien auswanderte. Im Jahr 1805 stellte dieser erstmals eine Wurst aus Schweine- und Rindfleisch her, welche er „Wiener Frankfurter Würstel“ nannte. Für Lahner ein großer Gewinn, da in Frankfurt verschiedene Tiersorten nicht vermischt werden durften. Innerhalb kurzer Zeit gewann die Wurst an Aufmerksamkeit, was dazu führte, dass auch Kaiser Franz Joseph sie beinahe täglich als Gabelfrühstück konsumiert haben soll. Als der deutsche Metzger 40 Jahre später verstarb, war die Wurstkreation aus Wien nicht mehr wegzudenken. Außerhalb der österreichischen Landesgrenzen heißen die beliebten Frankfurter Würstchen jedoch Wiener Würstchen, was sich durch den Ursprungsschutz und die abgewandelte Kreation Johann Georg Lahners erklären lässt. Ob jetzt „Frankfurter“ oder „Wienerwürstchen“, am Ende ist es der Geschmack des Würstels, der die Wiener Kulinarik-Tradition über Generationen erhalten hat.

www.wien.info

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