Foodwatch braucht Kindererziehung

Heute erhielten wir eine Werbung von Foodwatch. Eine Frau Christiane Groß schrieb uns

Ein persönlicher Erlebnisbericht: Mit meinen Kindern im Supermarkt

als foodwatch-Mitarbeiterin wende ich mich heute einmal persönlich an Sie, weil es um ein Thema geht, das mich als Mutter von zwei Kindern auch ganz privat betrifft: Immer wieder kommt es zum Eklat, wenn ich mit meinen Kindern einkaufen gehe. Spätestens an der Kasse lässt mein sechsjähriger Sohn nicht mehr locker und verlangt wahlweise Marsriegel/Tictac/Kinderschokolade. Ich halte dagegen, wenn meine Kraft es noch zulässt. Schließlich haben wir schon das Joghurtregal hinter uns, wo ich erklärt habe, weshalb wir den Joghurt mit den Smarties NICHT kaufen. Und das Cornflakes-Regal, bei dem ich rechtfertigen musste, dass NICHT die Choco Krispies mit den Starwars-Gimmicks, sondern Haferflocken im Einkaufswagen landeten.

Zum Glück sind wenigstens die Zeiten vorbei, als er sich in solchen Situationen schreiend auf den Boden warf und wir das Pausenprogramm für die anderen Wartenden gaben. Trotzdem gehe ich, wenn irgendwie möglich, ohne Kinder in den Supermarkt. Doch die Auseinandersetzung lässt sich ja kaum vermeiden: Nicht nur an der „Quengelkasse“ im Supermarkt, auch beim Bäcker oder im Zeitungsladen stehen Lollies und Schokoriegel an der Kasse in Reichweite für Kinderhände.

„Eltern müssen eben lernen, nein zu sagen“, so der weise Rat der Lobbyvertreter von Industrie und Handel. Natürlich ist es meine Verantwortung, meine Kinder zu erziehen und gesund zu ernähren. Dazu gehört es, konsequent zu sein – auch wenn das leider nicht immer klappt. Aber wie dreist ist ein solcher Hinweis eigentlich von jemandem, der mich überhaupt erst dazu zwingt, dauernd nein sagen zu müssen, indem er meinen Kindern ständig verlockenden Süßkram präsentiert und sie ununterbrochen mit Werbung bombardiert?!

Klar, Werbung gehört zu unserer Lebenswelt. Und es ist das erklärte Ziel von Unternehmen, möglichst viele Produkte herzustellen und zu verkaufen. Die Aufgabe von Marketing und Werbung ist, dafür zu sorgen, dass das auch funktioniert. Dagegen habe ich nichts. Ich habe aber etwas dagegen, dass die Lebensmittelindustrie an eine besonders leicht zu manipulierende und schutzbedürftige Zielgruppe fast ausschließlich Junkfood vermarktet!

Wir von foodwatch haben uns in einem groß angelegten Marktcheck genau angeschaut, was als Kinderlebensmittel verkauft wird. Ergebnis unserer Untersuchung von 1.500 Produkten: Der allergrößte Teil sind ungesunde Snacks. Zu süß, zu fettig, zu salzig. Für diese Bewertung haben wir die Kriterien des „aid“ zugrunde gelegt. Das ist der vom Bundesernährungsministerium geförderte Infodienst Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sein System basiert auf Ampelfarben und zeigt an, in welchen Mengen bestimmte Lebensmittelgruppen von Kindern verzehrt werden sollten.

Fast drei Viertel (!) der Produkte, nämlich 73 Prozent, fielen bei dem foodwatch-Marktcheck in die „rote“ Kategorie. Das bedeutet, dass von diesen Lebensmitteln täglich nicht mehr als eine Handvoll gegessen werden soll. Besonders perfide: Gerade viele der als gesund beworbenen Produkte fallen in diese Kategorie, ganz vornweg Frühstücksflocken. Sie werden von Herstellern wie Kellogg’s oder Nestlé gerne mit dem Hinweis auf den Vollkorngehalt und zugesetzte Vitamine beworben. Eine der Hauptzutaten ist aber in den allermeisten Fällen Zucker. Etliche Produkte bestehen fast zur Hälfte daraus! Einen gesunden Start in den Tag stelle ich mir für meine Kinder anders vor.

Kaum zu glauben, dass dieselben Firmen, die diese Produkte herstellen, sich gleichzeitig erdreisten, so zu tun, als würde Ihnen die Gesundheit der Kinder am Herzen liegen. So schreibt zum Beispiel Kellogg’s auf seiner Internetseite: „Wir sind ein Unternehmen mit engagierten Mitarbeitern, das Qualitätsprodukte für eine gesündere Welt herstellt.“ Und bei Nestlé heißt es: „Unser Ziel ist es, Tag für Tag die Lebensqualität der Konsumenten in aller Welt zu verbessern, indem wir ihnen schmackhaftere und gesündere Nahrungsmittel- und Getränkeoptionen bieten und sie zu einem gesunden Lebensstil anregen.“

Schöne Worte von gesunder Ernährung im Internet, aber Zuckerbomben im Supermarktregal – offensichtlich sticht die Gier nach Profit die vielbeschworene Verantwortung am Ende doch aus. Und die Politik sieht tatenlos zu. Als Mutter ist es meine Aufgabe, meine Kinder gesund zu ernähren und vor Schäden zu schützen. Doch alleine stoße ich am meine Grenzen: Erziehung und Engagement hin oder her, gegen die geballte Marketing-Macht der Industrie komme ich nicht an – und an dem riesigen Angebot an Junkfood kann ich alleine auch nichts ändern. Aber gemeinsam können wir das! Wenn immer mehr Menschen der Industrie zeigen: Wir lassen uns das nicht länger gefallen, dann können wir etwas verändern. Wir können Einfluss nehmen auf Unternehmen. Und auf Politiker, welche die Regeln setzen, innerhalb derer Unternehmen agieren. Deshalb bitte ich Sie heute: Unterstützen Sie foodwatch! Nur gemeinsam können wir etwas bewirken – im Interesse unserer Kinder. Werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch!

Liebe foodwatch-Interessierte: Um die minderwertige Qualität sogenannter Kinderlebensmittel und die Verantwortungslosigkeit der Lebensmittelindustrie offenzulegen, haben wir den Kinderlebensmittel-Markt analysiert und den Report „Kinder kaufen“ verfasst. Dafür mussten wir Rechercheure beauftragen und bezahlen, wissenschaftlichen und juristischen Rat einholen und sämtliche Informationen in dem 70-seitigen Werk redaktionell aufbereiten. All das muss finanziert werden: Deshalb bitten wir Sie, uns mit 5, 10, oder 20 Euro monatlich zu unterstützen. Bitte werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch!

Die Veröffentlichung unseres Reports war nur der Auftakt. Um wirklich etwas zu verändern, müssen wir dran bleiben und die großen Probleme in Sachen Kinderernährung weiter öffentlich machen. Wir wissen: Die Unternehmen, aber auch die Politik reagieren nur auf Druck. Mit unserer Kampagne können wir die öffentliche Debatte befeuern und den Finger in die Wunde legen. Doch dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Werden Sie bitte Förderer/Förderin von foodwatch:

www.foodwatch.de/mitglied-werden

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Liebe Christiane Groß,

besten Dank für Ihre email.
Prinzipiell finde ich Foodwatch positiv. Was mich jedoch stört ist das schon fast Religiöse bei Foodwatch. Es gibt nur Gut und Böse. Aus diesem Grunde werde ich nicht Mitglied, unterstütze aber gerne Ihre Aktivitäten punktuell.

Ich selber habe einen 6jährigen Sohn. Er ist offenbar nicht viel anders als Ihr Sohn. Auch er schmiss sich 2x auf dem Boden und machte ein Riesentheater. In der Tat hat er aber jetzt gelernt, das NEIN auch NEIN bedeutet. Seien Sie etwas konsequent mit Ihren Kindern, dann können Sie auch ganz entspannt einkaufen gehen.

Mag Ihr Sohn auch so gerne McDonalds? Wir haben dieses Problem auch einfach gelöst. Wir kaufen bei McDonalds die Toys separat, ohne den Junk. Zuhause bereiten wir dann Pommes und Hamburger selber zu. Mit hochwertigen Produkten. Und dazu gibt es dann das dusslige Toy von McD.
Manchmal gehen wir auch ausserhalb Hamburger essen. Jedoch nie, wo es Kindertüten gibt! Speilzeug und Essen trennen wir strikt. Unsere eigenen Hamburger schmecken allen sowieso am besten. Für Junior und Papa mit viel Ketchup! 🙂 Wir lernen, zu geniessen!
Seien Sie nicht päpstlicher als der Papst! Unser Sohn bekommt auch Junk aus dem Supermarkt, jedoch begrenzt. 2 Candies sind fein, eine Tüte nicht. Er weiß mittlerweile auch, dass Hersteller gerne Spielzeug in ihre Lebensmittel stecken, wenn diese qualitativ minderwertig sind. Sprechen Sie doch mit Ihren Kindern. Die verstehen das System ganz gut und klären auch gerne ihre Mitschüler auf. Würden wir ihm nie dieses fettige oder zuckrige Zeug geben, dann würde er ohne Kontrolle bei B’days zuschlagen. So kennt er den Geschmack. Und nascht normal. Aber nicht übermässig. Genuss sollte auch erlaubt sein. Und wir bemühen uns, ihm besseren Geschmack beizubringen. Sein Lieblings-Fastfood ist mittlerweile Sushi. Allerdings bekommt er auch da zum Abschluß, wenn er brav war, ein Dorayaki.

Mit ein bisschen gesunden Menschenverstand funktioniert es im Supermarkt dann ganz gut! Am Ende verkauft uns die Industrie nur das, was wir kaufen. Lassen wir uns unsere Kinder gut erziehen, dann verkauft uns die Industrie auch das, was wir wollen!
Was ich sagen will: Rufen Sie nicht nach dem Staat, erziehen Sie Ihre Kinder, dann gibt es auch weniger Junk!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Christian Romanowski

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1 Antwort auf „Foodwatch braucht Kindererziehung“

  1. Die Industrie macht schlechte Produkte – das ist richtig. Christianes Kinder werden offenbar nicht konsequent erzogen. Hat keinen Zusammenhang.

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