Andrea Schmoll: Kulturerbe Kochkunst

Baden-Badener Autorin Andrea Schmoll stellt als erste Einzelperson den Antrag auf Aufnahme der Gastrosophie in die Liste des Immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO

„Das Thema verlangt danach, dass eine Einzelperson diesen Antrag stellt“, erklärt die Baden-Badener Autorin Andrea Schmoll ihre Entscheidung. Die Bewerbungsfrist für Vorschläge für die Aufnahme in die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes ist gerade angelaufen und schon hat sie einen Antrag beim dafür zuständigen baden-württembergischen Kultusministerium gestellt. Geht es nach ihr, soll die Gastrosophie fortan Immaterielles Kulturerbe der Menschheit sein. „Darunter versteht man wörtlich übersetzt die Weisheit des Magens, jedoch ist damit vor allem gemeint, dass über die Kultur des Küche, der Tafel, des Essens und des Trinkens gesprochen und geschrieben wird. Auf diese Weise leben jahrhundertealte Traditionen in der Gegenwart fort. Wenn wir darüber reden und schreiben, bewahren wir sie vor dem Vergessen. Vor allem aber, halten wir damit die Bedeutung von Küche und Tafel für unser Leben wach, indem wir ihre Geschichte kennen und die Veränderungen feststellen.“

Denn Essen und Trinken bestimmen den Alltag aller Menschen, ob Kind oder Greis, König oder Obdachloser und bezeugen in ihrem Wandel die Kulturgeschichte einer Gesellschaft, niedergelegt in der „Bibliotheca Gastronomica“. Ihre Bände bilden die Basis der Gastrosophie, die jedoch nicht in das trockene Brot der Erkenntnis beißt, sondern vom Redefluss kultiviert wird. Nicht zuletzt, erinnert Andrea Schmoll, „kommt keine Kunstform ohne das Thema Essen und Trinken aus.“ Auch deshalb ist für sie das Gespräch darüber buchstäblich grenzüberschreitend, weil interdisziplinär zwischen Experten und Genießern. Dem kommt Andrea Schmoll als Autorin von Hörbüchern zum Thema und Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Gastrosophie mit ihren Gesprächsausstellungen nach, in denen sie unter anderem den Dialog mit dem Koch der Queen, Anton Mosimann (OBE) sucht. „Gastrosophie braucht die Stimme, die sich ihren Themen annimmt und sie im Wort, aber auch im Text weiterträgt und damit für eine lebendige Tradition der Koch- und Tafelkultur sorgt, wobei die Betonung für den Gastrosophen immer auf „Kultur“ liegt“, so Andrea Schmoll. Daher kann nur eine Einzelperson, eine Stimme diesen Antrag stellen. Denn der Gastrosophie geht es um Kommunikation und diese ist, betont Andrea Schmoll ein „Lebensmittel mit unbegrenzter Haltbarkeit“.

Andrea Schmoll
Kulturerbe Kochkunst
Kulturgeschichte zum Einverleiben
2 CDs, 133 Min., € 16,99
978-3-86974-135-2

Städte der Genüsse – Essen

HR, Montag, 22.06., 16:30 – 17:00 Uhr

Essen, die Metropole des Ruhrgebiets, hat mit den Industriebrachen einen der interessantesten Kulturstandorte zu bieten. Das Casino Zollverein auf dem Gelände des Weltkulturerbes ist eine der kulinarischen Anlaufpunkte der Region. Mit der Fusion regionaler und internationaler Kochstile wird hier eine ganz neue ‚Ruhrpottküche‘ kreiert. Sternekoch Henri Bach erschafft in seinem Restaurant im Hotel Résidence eine wunderbar kreative und gleichzeitig regionsbewusste Küche. Die vielen Migranten, die einst der Arbeit wegen ins Ruhrgebiet gekommen sind, haben natürlich auch ihre Küche mitgebracht. Im ‚Tablo‘ findet man die leichte, die interessante, die neue türkische Küche. Marcos rollende Eisdielen bringen seit vierzig Jahren italienisches Eis in jedes Viertel der Stadt. Das Ruhrgebiet, einst eine dunkle und graue Region, ist grün, sonnig und ökologisch ganz weit vorne. In Essen hat sich ein Bienenpfleger zum Ziel gesetzt, die vom Aussterben bedrohten Bienenvölker zu kultivieren und gesunden und leckeren Honig zu produzieren. In der Ökobäckerei Troll wird Honigkuchen daraus gebacken. Die Bäckerei Troll ist eine der ältesten Biobäckereien der Region. Für einen wirklich leckeren Sonntagsbraten bietet das Lamm von Bauer Unterhansberg beste Qualität. Aber nicht nur auf kulinarischem Gebiet sind das Ruhrgebiet und Essen ganz weit vorn. Einer der beliebtesten deutschen Komiker und Kabarettisten hat ein eigenes Theater in der Stadt: Ludger Stratmann, der Hausarzt des Reviers. 1992 machten Ludger Startmann und sein Bruder aus dem ehemaligen Amerikahaus das Europahaus mit gastronomischem Betrieb und einem 300-Plätze-Theater.