Neue Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Leberkrebsrisiko

Wie zahlreiche Studien zeigen, haben Menschen,
die viel Kaffee trinken, im Vergleich zu Personen, die nur wenig oder
keinen konsumieren, ein vermindertes Leberkrebsrisiko. Die Ursachen für
diesen Zusammenhang sind jedoch noch nicht geklärt. Ein internationales
Forscherteam um Krasimira Aleksandrova und Heiner Boeing vom Deutschen
Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat nun Biomarker* im Blut von
Studienteilnehmern identifiziert, die erste Hinweise auf
entzündungshemmende und zellschützende Mechanismen geben, die der
beobachteten Risikobeziehung zu Grunde liegen könnten. Die Forscher
publizierten kürzlich ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift American
Journal of Clinical Nutrition**.

Wie die aktuelle Untersuchung im Rahmen einer der größten europäischen
Langzeiternährungsstudien (EPIC***) zeigt, haben Menschen, die täglich
mehr als 600 ml (4 Tassen) Kaffee konsumieren im Vergleich zu Menschen,
die weniger als 300 ml (2 Tassen) trinken, ein um 75 Prozent
vermindertes Risiko an Leberkrebs zu erkranken. Diese Beobachtung deckt
sich mit den Ergebnissen zahlreicher anderer Beobachtungsstudien und
Meta-Analysen der letzten Jahre. Neu an der Studie ist, dass die
Wissenschaftler darüber hinaus den Einfluss von 21 leberrelevanten
Biomarkern auf den beobachteten Zusammenhang untersuchten, um hierdurch
mehr über die zu Grunde liegenden biologischen Mechanismen zu erfahren.
Hierzu analysierten sie die Blutproben von 125 Menschen, die während der
Studie erstmals an Leberkrebs erkrankt waren, sowie die von 250 gesunden
Studienteilnehmern. Die Blutproben hatten die Wissenschaftler zu Beginn
der Studie und damit 2,4 bis 6,8 Jahre vor dem Auftreten der
Leberkrebserkrankungen entnommen und bis zur Analyse bei -196°C in
flüssigem Stickstoff gelagert. Wie die Forscher feststellten, spielen
besonders drei der untersuchten Biomarker für die Risikobeziehung
zwischen Kaffeekonsum und Leberkrebs eine große Rolle. Zu diesen zählen
der Botenstoff Interleukin-6, der an der Regulation von
Entzündungsreaktionen beteiligt ist, sowie die beiden Enzyme
Aspartat-Aminotransferase und Gamma-Glutamyltransferase, die auf eine
Schädigung der Leberzellen bzw. Gallenerkrankungen hinweisen.

„Unsere Biomarkeranalysen sprechen dafür, dass es eine ursächliche
Beziehung zwischen einem starken Kaffeekonsum und einem verminderten
Leberkrebsrisiko gibt. Sie lassen zudem annehmen, dass Kaffee die Leber
vor Entzündungen und Zellschäden schützt und so der Krebsentstehung
entgegenwirkt“, sagt Erstautorin Aleksandrova.

„Wie eine von uns bereits 2012 im Rahmen der EPIC-Studie durchgeführte
Untersuchung**** zudem zeigt, ist der Genuss von Kaffee nicht mit einem
erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen verbunden. Daher spricht aus
gesundheitlicher Sicht nichts dagegen, Kaffee zu trinken, wenn man ihn
gut verträgt“, ergänzt Heiner Boeing, der die Abteilung Epidemiologie
am DIfE leitet. „Andersherum sollten sich Menschen aber aufgrund der
Ergebnisse nicht genötigt sehen, viel Kaffee zu trinken. Kaffeetrinken
sollte Genuss und keine Pflichtübung sein. Um Krankheiten wirksam
vorzubeugen, kommt es auf die gesamte Lebensweise an. Wer nicht raucht,
ausreichend Gemüse, Obst und ballaststoffreiches Getreide isst, sich
körperlich bewegt sowie auf ein normales Körpergewicht achtet,
besitzt ein wesentlich geringeres Erkrankungsrisiko als diejenigen, die
sich gegenteilig verhalten – nicht zuletzt hinsichtlich des
Leberkrebsrisikos“, weiß Boeing. Man könne durch einen gesunden
Lebensstil sicher nicht jede Erkrankung verhindern, jedoch das
persönliche Erkrankungsrisiko verringern.

Hintergrundinformationen:
* Biomarker sind charakteristische biologische Merkmale, die objektiv
gemessen werden und auf einen normalen biologischen oder krankhaften
Prozess im Körper hinweisen können. Bei einem Biomarker kann es sich um
Zellen, Gene, Stoffwechselprodukte oder bestimmte Moleküle wie Hormone
handeln. Als eingängiges Beispiel sei das Blutbild genannt, das Hinweise
auf den Gesundheitszustand des Patienten gibt (Quelle: Wikipedia).

** Aleksandrova et al.: The association of coffee intake with liver
cancer risk is mediated by biomarkers of inflammation and hepatocellular
injury: data from the European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition; American Journal of Clinical Nutrition; 2015; doi:
10.3945/ajcn.115.116095
(http://ajcn.nutrition.org/content/early/2015/11/11/ajcn.115.116095.long

Etwas Alkohol verhindert Herzanfall

Neue Langzeitstudien-Daten zu Alkoholkonsum und Sterblichkeitsrisiko

Wie eine große europäische Langzeitstudie (EPIC*)
mit mehr als 380.000 Studienteilnehmern zeigt, haben Frauen und Männer,
die lebenslang im Durchschnitt nicht mehr als ein Glas bzw. zwei Gläser
Alkohol pro Tag trinken, im Vergleich zu Viel- oder Wenigtrinkern** ein
vermindertes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Dies
gilt allerdings nur für die Teilnehmer, die zu Beginn der Studie keine
Vorerkrankungen aufwiesen. Das Forscherteam unter Führung von Manuela
Bergmann und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung publizierte seine Ergebnisse nun in der
Fachzeitschrift International Journal of Epidemiology (Bergmann et al.,
2013; DOI: 10.1093/ije/dyt154).

Viele Studien zeigen, dass der Konsum von Alkohol mit einem höheren
Risiko verbunden ist, an bestimmten Krankheiten zu sterben. Hierzu
zählen einige Krebsarten, Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer
Alkoholabhängigkeit auftreten, Krankheiten des Verdauungstraktes,
Unfälle oder Gewalteinwirkungen. Die Untersuchungen lassen aber auch
annehmen, dass Menschen, die öfter Alkohol trinken, seltener an einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben. Allerdings haben nur wenige dieser
Studien die Langzeittrinkgewohnheiten der Studienteilnehmer
berücksichtigt.

Um zur Klärung der Datenlage beizutragen, haben die an der neuen
Untersuchung beteiligten Wissenschaftler Informationen zum
Trinkverhalten von Studienteilnehmern im Alter von 20, 30, 40 und 50
Jahren in die Auswertung einbezogen.

Nach den Studiendaten hatten Teilnehmer, die seit ihrem 20. Lebensjahr
durchschnittlich nicht mehr als die maximal empfohlene Menge Alkohol pro
Tag*** konsumierten, ein um ca. 9-14 Prozent vermindertes Sterberisiko.
Dieses machte sich besonders bei den Herz-Kreislauf-Todesursachen
bemerkbar und galt nur für Teilnehmer, die bei Studieneintritt nicht an
Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs erkrankt waren und zuvor nie einen
Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten. Wie die Studie zudem
erstmalig zeigt, hatten ehemalige Vieltrinker, die zu Beginn der Studie
nur noch ein bzw. zwei Gläser Alkohol pro Tag konsumierten, dennoch ein
deutlich erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Personen, die lebenslang
nicht über diese Trinkmenge kamen. So erhöhte sich z. B. ihr Risiko, an
bestimmten alkoholbedingten Todesursachen zu sterben, um das 7-fache.
Ihr Risiko, an einer koronaren Herzerkrankung, Krebs oder einer anderen
Erkrankung zu sterben, war 1,2- bis 1,8-fach erhöht.

„Auch wir konnten in unserer Studie beobachten, dass Menschen, die
lebenslang nur moderate Mengen Alkohol zu sich nehmen, generell ein
vermindertes Sterberisiko haben, was besonders deutlich bei den
Herz-Kreislauf-Todesursachen zu sehen ist. Da wir diesen günstigen
Zusammenhang aber nur bei Menschen beobachteten, die zu Beginn der
Studie gesund waren und auch in ihrer Vergangenheit nie zu den
Vieltrinkern zählten, gehen wir eher von keinem kausalen Zusammenhang
aus“, sagt Manuela Bergmann. „Vielmehr bestärken unsere Ergebnisse die
Vermutung, dass gesunde Menschen Alkohol in moderaten Mengen ohne
größere nachteilige Folgen für ihre Gesundheit verkraften, der
Alkohol aber nicht die Ursache für ihre Gesundheit ist“, ergänzt
Heiner Boeing.

Link zur Studie:
http://ije.oxfordjournals.org/content/42/6/1772.full.pdf

Hintergrundinformationen:
*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition.
Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen
Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes
untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn
europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im
Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als
27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

**Wenigtrinker: Männer bzw. Frauen, die weniger als 2 g bzw. 1 g
Alkohol pro Tag konsumieren (das entspricht im Durchschnitt weniger als
ein Glas eines alkoholischen Getränks für Männer und weniger als ein
halbes Glas für Frauen pro Woche).

Vieltrinker: Männer bzw. Frauen, die mehr als 60 g bzw. 30 g Alkohol
pro Tag konsumieren (das entspricht im Durchschnitt fünf bzw.
zweieinhalb Gläser eines alkoholischen Getränks pro Tag). Die
Wissenschaftler sind davon ausgegangen, dass im europäischen
Durchschnitt ein Glas eines alkoholischen Getränks 12 g Alkohol enthält.

***Die American Heart Association, der World Cancer Research Fund sowie
das National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism hält zurzeit für
gesunde Frauen bzw. gesunde Männer den Konsum von nicht mehr als 12 bzw.
24 g Alkohol pro Tag für akzeptabel. Diese Angabe zu Obergrenzen sollte
nicht als Empfehlung verstanden werden, jeden Tag Alkohol zu trinken.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von 111.953 europäischen Männern
und 268.442 Frauen aus den acht EPIC-Ländern aus, die Informationen zu
lebenslangem Alkoholkonsum gesammelt hatten.
Von den 111.953 Männern hatten 98 Prozent während ihres Lebens
zumindest über einige Zeit Alkohol konsumiert, wobei 96 Prozent zum
Zeitpunkt des Studieneintritts Alkoholkonsumenten waren. 3 Prozent der
Männer zählten zu den Wenigtrinkern, 39 Prozent konsumierten
dauerhaft weniger als 24 g Alkohol pro Tag, 38 Prozent konsumierten
lebenslang zwischen 2 und 60 g Alkohol pro Tag, ca. 20 Prozent waren
Vieltrinker oder hatten zumindest während einer Lebensphase mehr als 60
g Alkohol pro Tag konsumiert. Männer, die lebenslang nur wenig oder nur
in einem moderatem Maße Alkohol konsumierten, hatten eher einen höheren
Bildungsstand als Vieltrinker oder ehemalige Vieltrinker. Vieltrinker
waren häufig jünger, rauchten, aßen mehr Fleisch und hatten häufiger
Übergewicht.

Zu Studienbeginn waren ca.15 Prozent der Frauen Abstinenzlerinnen,
wobei von diesen 68 Prozent noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken
hatten. Von den 227.705 Alkoholkonsumentinnen zählten 15 Prozent zu den
Wenigtrinkern, 44 Prozent konsumierten dauerhaft weniger als 12 g
Alkohol pro Tag, 29 Prozent konsumierten 1 bis 30 g Alkohol pro Tag, ca.
12 Prozent gehörten zu den Vieltrinkern oder hatten zumindest während
einer Lebensphase mehr als 30 g Alkohol pro Tag konsumiert. Im Gegensatz
zu den männlichen Vieltrinkern hatten Frauen, die übermäßig viel
tranken, eher einen höheren Bildungsstand. Ähnlich wie die männlichen
Vieltrinker waren sie in der Regel jünger und rauchten mehr, zudem aßen
sie weniger Obst und Gemüse und hatten seltener Kinder geboren.

Diabetes ohne spezielle Ernährung

Menschen mit Diabetes brauchen keine besonderen Ernährungs- und
Lebensstilempfehlungen

Ergebnisse einer großen
Langzeit-Beobachtungsstudie weisen darauf hin, dass Menschen mit
Diabetes keine anderen Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen benötigen
als die breite Öffentlichkeit. Nach diesen neuen Studiendaten
profitieren sie sogar mehr von den üblichen Empfehlungen als nicht an
Diabetes erkrankte Menschen. Diewertje Sluik, welche die
wissenschaftlichen Arbeiten am Deutschen Institut für
Ernährungsforschung (DIfE) in der Abteilung Epidemiologie
durchführte, publizierte zusammen mit ihren Kollegen ihre Ergebnisse
in der Fachzeitschrift Diabetologia (Sluik, D. et al. 2013; DOI
10.1007/s00125-013-3074-y).

In der neuen Studie untersuchten die Wissenschaftler, ob sich die
Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und Sterblichkeitsrisiko
zwischen Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes unterscheiden.
Basis für die Analyse bildeten die Daten der European Prospective
Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der größten
europäischen Ernährungsstudien, die seit 1992 die Zusammenhänge
zwischen Lebensstil und dem Entstehen chronischer Krankheiten
untersucht. Die Wissenschaftler werteten die Daten von 6.384
Studienteilnehmern mit Diabetes und 258.911 Personen ohne Diabetes aus.

Dabei berechneten die Epidemiologen sowohl bei den Menschen mit Diabetes
als auch bei den nicht an Diabetes erkrankten Personen, welche
Zusammenhänge zwischen dem Sterblichkeitsrisiko und dem
Body-Mass-Index bzw. dem Taillen-Körperlängen-Quotienten, 26
Lebensmittelgruppen, dem Alkoholkonsum, der körperlichen Aktivität und
dem Raucherstatus bestehen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen mit Diabetes im
Vergleich zu Personen ohne Diabetes generell ein um 62 Prozent höheres
Sterblichkeitsrisiko hatten. Wie sie auch zeigen konnten, beeinflussten
in beiden Gruppen jedoch nahezu die gleichen Faktoren das
Sterblichkeitsrisiko. So waren Rauchen, eine geringe körperliche
Aktivität, ein hoher Alkoholkonsum, ein hohes Gewicht, eine obst- und
gemüsearme sowie fett- und fleischwarenreiche Ernährung mit einem
erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Die beiden Personengruppen
unterschieden sich zwar bei den einzelnen Risikofaktoren hinsichtlich
der Stärke der beobachteten Beziehungen, jedoch nicht hinsichtlich der
Richtung der Risikobeziehung. Bei den an Diabetes erkrankten Menschen
fiel auf, dass sich der Verzehr von Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen,
Nudeln, Geflügel und Pflanzenöl besonders positiv auf ihr Sterberisiko
auswirkte.

„Die Studie ist ein Anhaltspunkt dafür, dass die Empfehlungen für eine
gesunde Lebensweise für Menschen mit und ohne Diabetes die gleichen sein
sollten“, so die Autoren. Sie weist aber auch darauf hin, dass
Personen mit Diabetes sich stärker mit ihrer Ernährung auseinandersetzen
sollten, da ihr Sterberisiko zum einen größer ist als das der nicht
erkrankten Menschen und zum anderen sich der Verzehr einiger
Lebensmittelgruppen bei ihnen besonders günstig auswirkt. „Mit dieser
Studie haben wir einen weiteren Hinweis bekommen, dass eine gesunde
Lebens- und Ernährungsweise vielfältige positive Wirkungen besitzt und
dass diese Einsicht auch für schon Erkrankte gilt“, sagt Heiner
Boeing, Leiter der Abteilung Epidemiologie am DIfE sowie der Potsdamer
EPIC-Studie.

Hintergrundinformation:
Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen
Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes
untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn
europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im
Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als
27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die
Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für
Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.
Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner
des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung
www.dzd-ev.de

Obst und Gemüse zum Abnehmen

Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr wirkt einer Gewichtszunahme entgegen

Wie die Auswertung einer großen europäischen
Langzeitstudie zeigt, wirkt ein hoher Obst- und Gemüseverzehr einer
kontinuierlichen Gewichtszunahme entgegen. Viele Erwachsene haben mit
einem stetigen Gewichtsanstieg zu kämpfen. Besonders Personen, die mit
dem Rauchen aufhören, haben es schwer, ihr Gewicht zu halten und nehmen
stärker als andere Personen zu. Eine hohe Aufnahme von Obst und Gemüse
könne gerade Letzteren helfen, die Gewichtszunahme um bis zu 17
Prozent zu vermindern, sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung. Der in der Studie beobachtete Effekt sei zwar
schwach, untermaure jedoch die Richtigkeit der bisherigen
Ernährungsempfehlungen.

Kirschen, Himbeeren
Kirschen und Himbeeren

Das Epidemiologenteam um Boeing veröffentlichte nun seine
Forschungsergebnisse in der Zeitschrift American Journal of Clinical
Nutrition (Buijsse et al. 2009).

Um einer kontinuierlichen Gewichtszunahme vorzubeugen, empfehlen
Ernährungsgesellschaften unter anderem, viel Obst und Gemüse zu
essen. Die Pflanzenkost enthält viele lebensnotwendige Vitamine und
Mineralien, aber nur relativ wenig Kalorien, die zu einem
Gewichtsanstieg beitragen.

Dennoch ließen ältere Studien bislang keinen oder nur einen schwachen
Zusammenhang zwischen einem hohen Obst- und Gemüseverzehr und einer
verminderten, kontinuierlichen Zunahme des Körpergewichts erkennen.
Daher nutzte die Forschergruppe um Boeing die European Prospective
Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), um den Zusammenhang nun
erstmals anhand einer sehr großen europäischen Datenbasis zu überprüfen.
Es handelt sich hierbei um eine prospektive* Langzeitstudie, die
aufgrund ihres Designs besonders dazu geeignet ist, die Langzeiteffekte
von Ernährungsweisen zu untersuchen.

Die durchschnittliche Beobachtungszeit der vorliegenden Untersuchung
betrug 6,5 Jahre, wobei die Wissenschaftler die Daten von insgesamt
89.432 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern aus Zentren von fünf
verschiedenen europäischen Ländern auswerteten.

Die Forscher verglichen die Daten von Teilnehmern mit der höchsten
Obst- und Gemüseaufnahme mit den Werten von Teilnehmern, die
durchschnittlich am wenigsten Pflanzenkost aßen. Danach war ein
Unterschied von 350 Gramm mehr verzehrter Pflanzenkost mit einem um 16
bis 17 Prozent verminderten Gewichtsanstieg verbunden. Da bei Personen,
die während der Studienlaufzeit mit dem Rauchen aufgehört hatten, die
jährliche Gewichtszunahme mit 750 Gramm am stärksten ausgeprägt war,
profitierte diese Teilnehmergruppe auch am meisten von dem Effekt.

„Auf den ersten Blick scheint ein um 16 oder 17 Prozent reduzierter
Gewichtsanstieg nicht viel zu sein. Dennoch kann sich der eher kleine
Effekt über 10 Jahre auf 1,3 Kilogramm aufsummieren“, sagt Brian
Buijsse, der federführend an der Studie beteiligt war. „Besonders vor
dem Hintergrund, dass eine drohende Gewichtszunahme viele Menschen davon
abhält, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte man gerade Rauchern, die
aufhören wollen, zu einer Ernährungsumstellung mit viel Obst- und
Gemüse raten“, ergänzt Boeing. Darüber hinaus sei es dringend
erforderlich, weitere Ernährungsfaktoren zu identifizieren, die das
Risiko einer Gewichtszunahme vermindern und so der Übergewichtsepidemie
entgegenwirken.

Zusatzinformationen:

Neben den Daten von 16.307 deutschen Studienteilnehmern analysierten
die Forscher die Daten von 9.297 italienischen, 39.909 dänischen, 11.111
niederländischen und 12.808 britischen Teilnehmern.
Insgesamt nahmen männliche Studienteilnehmer im Durchschnitt 324 Gramm
Obst und Gemüse pro Tag auf. Frauen brachten es im Schnitt sogar auf
eine tägliche Verzehrsmenge von 377 Gramm.

Die EPIC-Studie ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die
Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen
Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23
administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000
Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als
27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing
vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Übergeordnetes Leitungsorgan der EPIC-Studie ist das
EPIC-Steering-Komitee, wobei Elio Riboli, jetzt am Imperial College
London, die Studie koordiniert. Die zentrale EPIC-Datenbank befindet
sich an der International Agency for Research of Cancer (IARC) der
Weltgesundheitsorganisation in Lyon.

*Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die
Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu
untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte
Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine
Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert
werden kann – ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven
Studien.

www.dife.de

Schnaps und Bier erhöhen das Darmkrebs-Risiko

Schnaps und Bier sind Risikofaktoren für
Darmkrebs. Wer wöchentlich mehr als acht Bier und acht Schnäpse
trinkt, verdoppelt sein Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, berichtet
das Apothekenmagazin „Diabetiker Ratgeber“ unter Berufung auf US-
Forscher um Dr. Joseph C. Andersen aus New York. Diese hatten rund
2300 Patienten per Darmspiegelung untersucht und nach ihren
Trinkgewohnheiten befragt. Weintrinker, die ein bis acht Glas Wein
pro Woche konsumierten, hatten gegenüber Abstinenzlern und moderat
trinkenden Studienteilnehmern das geringste Risiko.