Goodbye Haltbarkeitsdatum: Lebensmittel dank Bisin für Jahre frisch?

Jährlich finden Tonnen von Lebensmitteln aufgrund eines abgelaufenen Mindeshaltbarkeitsdatums den Weg in den Müll. Das kürzlich entdeckte, antimikrobiell wirkende Bisin könnte die Haltbarkeit um Monate bis Jahre verlängern – so die Vision des Entdeckers. Doch liefert uns der Mikrobiologe damit wirklich das Wundermittel gegen Lebensmittelverderb?

Es klingt schon verlockend: Käse, der nicht schimmelt; Milch, die nicht sauer wird und frisches Fleisch, das auch nach Monaten noch genießbar ist. So jedenfalls sehen die Vorstellungen des Mikrobiologen Doktor Dan O’Sullivan von der Universität in Minnesota aus, der kürzlich das antibiotische Eiweiß Bisin entdeckte. Die von einem harmlosen Darmbakterium produzierte Substanz wirkt gegen eine Reihe von Keimen wie Salmonellen, Listerien und E. coli-Bakterien, die nicht nur für den Verderb der Produkte sondern auch für Lebensmittelvergiftungen verantwortlich sind. Mehr als Bisin und eine luftdichte Verpackung braucht es angeblich nicht, um Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier oder Sandwiches für Monate oder gar Jahre haltbar zu machen. Der Lebensmittelabfall, der zu einem wesentlichen Teil aus überlagerten Waren besteht, könnte sich damit wohl erheblich reduzieren. Ferne Zukunftsmusik soll dies jedenfalls nicht bleiben, wenn es nach dem Entdecker geht, der momentan mit mehreren Herstellern verhandelt. Entsprechende Produkte könnten bereits in drei Jahren auf den Markt kommen. Doch sind die „unverderblichen“ Lebensmittel wirklich die optimale Lösung im Kampf gegen die globale Verschwendung?

Bisin gehört zur Gruppe der Lantibiotika, einer speziellen Form von Antibiotika. Verschiedene Vertreter hiervon zeigten sich bereits in der Medizin als vielversprechende Medikamente gegen einige antibiotikaresistente Krankheitserreger. ähnlich wie bei den herkömmlichen Antibiotika könnte der breite Einsatz von Bisin in Lebensmitteln zu einer raschen Resistenzentwicklung der Keime führen. Schließlich gelangen derartige Substanzen auch in die Umwelt und kein Lebewesen passt sich schneller an „bedrohliche“ Lebensbedingungen an als Mikroorganismen. Die aussichtsreiche Wirkung der Lantibiotika wäre für die Medizin womöglich hinfällig, noch bevor ein entsprechendes Medikament in der Praxis zum Einsatz käme.

Zugleich stellt sich die Frage, welchen Nährwert ein monatealtes Lebensmittel noch vorweist. Besonders Vitamine und Fettsäuren sind empfindlich gegenüber Sauerstoff, Licht und hohen Temperaturen. Ein Antibiotikum kann diese nicht vor dem Verfall schützen. Was nützt ein Lebensmittel, das nach einem Jahr zwar noch bedenkenlos genießbar ist, aber keine wichtigen Nährstoffe mehr liefert?

Ob mit Bisin konservierte Lebensmittel in den Handel kommen, bleibt abzuwarten. Für Schnellimbissketten oder Fertigprodukthersteller wäre dies durchaus vorstellbar. Inwiefern sich die Nahrungsmittelindustrie von dem neunen Konservierungsstoff begeistern lässt, bleibt fraglich, schließlich profitiert diese von der „Wegwerfen-und-Neukaufen“-Mentalität vieler Verbraucher. Im Übrigen ist ein ähnliches Konservierungsmittel bereits seit Jahren im Einsatz: Nisin oder auch E234. Dieses schaffte es bislang aber nur in Käse, Schmelzkäse und Puddings. „Unverderbliche Wunderlebensmittel“ wurden hieraus nicht.

Produktrückruf: Erasco Grüne Bohnen-Eintopf

Produktrückruf
Erasco Grüne Bohnen-Eintopf, Haltbarkeitsdatum: 2013

Erasco ruft alle Produkte der Bezeichnung Grüne Bohnen-Eintopf mit Haltbarkeitsdatum 2013 zurück. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem bei Qualitätskontrollen festgestellt wurde, dass eine geringe Menge an Dosen nicht den strengen Qualitätsrichtlinien entspricht. Wir können nicht ausschließen, dass bei den betroffenen Produkten ein mikrobiologischer Verderb vorliegt, der bei Verzehr zu gesundheitlicher Gefährdung führen kann. Bis jetzt ist ein solcher Fall nicht bekannt.

Diese Maßnahme betrifft keine anderen Erasco Produkte sowie keine Grüne Bohnen-Eintopf-Produkte mit einem anderen Haltbarkeitsdatum als 2013. Das Haltbarkeitsdatum ist bei Erasco Dosen auf der Unterseite ablesbar.

Verbraucher, die ein Produkt aus der betroffenen Charge gekauft haben, sollten dieses nicht konsumieren. Sie werden gebeten, sich unter Angabe ihres vollständigen Namens und ihrer Adresse an unsere kostenfreie Verbraucherhotline unter 0800/1003733 zu wenden. Erasco wird die Abholung des Produktes organisieren und den vollständigen Produktpreis umgehend ersetzen.

AK Test: Verpackte, aufgeschnittene Wurst am Ablauftag mit strengem Geruch

Nicht immer passt das Haltbarkeitsdatum. Ein AK Test bei 20 vorverpackten, aufgeschnittenen Wurstproben in zehn Supermärkten in Wien zeigt: Ein Fünftel der Stichprobe war bereits am Ablauftag verdorben. Die Wurst hatte zu viele Keime, schmeckte säuerlich oder hatte einen strengen Geruch. „Das ist unerfreulich“, sagt AK Konsumentenschützer Heinz Schöffl, „denn immerhin verlassen sich Verbraucher auf das Haltbarkeitsdatum.“ Achtung beim Einkauf von leicht verderblicher Ware an heißen Sommertagen. Schöffl rät, „eher nur für den Tagesbedarf kaufen und für den Heimtransport eine Kühltasche verwenden“.

Nicht beanstandet wurden insgesamt 80 Prozent (16) der untersuchten Wurstproben, davon hatten vier bereits leichte Mängel wie etwas erhöhte Keimzahlen. Aufgeschnittene Wurst sei grundsätzlich sehr anfällig, so der AK Experte. „Daher ist eine durchgängige Kühlung ohne Kühlunterbrechung für die Qualität genauso unerlässlich wie hygienische Bedingungen in der Herstellung“, betont Schöffl. Denn Wurst wird nach der Herstellung keiner weiteren Hitzebehandlung unterzogen und folglich würden pathogene Keime wie Listerien nicht mehr abgetötet werden. „Beruhigend ist immerhin, dass keine gesundheitsschädlichen pathogenen Listerien zu finden waren“, erklärt Schöffl.

Tipps der AK Konsumentenschützer für den Lebensmitteleinkauf an „Hundstagen“
Kaufen Sie schnell verderbliche Lebensmittel wie Wurst, Milch oder Fisch eher nur für Ihren Tagesbedarf.
Geben Sie Ihre leicht verderblichen Waren für den nach Hauseweg am Besten in eine Kühltasche und zu Hause sofort ab in den Kühlschrank damit.
Essen Sie zB Wurst ehest bald und nicht erst zum Ende der angegebenen Haltbarkeit.
Ist eine Wurstpackung bereits offen, verbrauchen Sie den Inhalt schnell.
Achten Sie bei der Lagerung im Kühlschrank auf die angegebene Lagertemperatur.

Die AK hat zwischen Ende Mai und Mitte Juni 20 Proben vorverpackter, aufgeschnittener Wurst aus 20 Filialen von zehn Supermärkten: Penny, Hofer, Billa, Lidl, Merkur, Adeg, Spar, Edeka, Zielpunkt, Interspar. Die Wurst wurde bei der am Etikett angegebenen Temperatur gelagert und am angegebenen Ablauftag sensorisch und mikrobiologisch untersucht und beurteilt. Die Haltbarkeitsfristen ab Zeitpunkt des Einkaufes lagen zwischen fünf und 26 Tage. Die Untersuchung erfolgte durch die Lebensmittelversuchsanstalt in Wien.

Rungis Express

Das dicke Ende
Wird aus der Rungis-Insolvenz jetzt der Kriminalfall Georges W. Kastner? Bei der Staatsanwaltschaft des Amtsgericht in Bonn wird es jedenfalls ab nächster Woche nicht mehr nur um die routinemässige Untersuchung einer möglichen Insolvenzverschleppung durch den früheren geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens Georges W. Kastner gehen sondern um massive Vorwürfe wegen des Verstosses gegen die „Hackfleischverordnung“. Der Insolvenzverwalter Dr. Andreas Ringstmeier hat gemeinsam mit der Geschäftsführung der heutigen Rungis Express AG beim Amtsgericht Bonn Strafanzeige gegen Kastner gestellt. Gleichzeitig wurde auch das Kreisveterinäramt Siegburg aktiv. Dort war man im Juli dieses Jahres bereits darauf aufmerksam gemacht worden, dass bei der Übernahme der Firma durch die neuen Investoren in den Kühlhäusern grössere Partien Importfleisch teilweise noch aus dem Jahr 2001 lagerten, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Nach einer Untersuchung durch einen Veterinär wurden diese Fleischbestände ordnungsgemäss vernichtet. Inzwischen habe aber – so Kreispressesprecher Thomas Wagner gegenüber drink tank – eine Prüfung durch die hausinterne Rechtsabteilung ergeben, dass in diesem Zusammenhang möglicherweise auch strafrechtlich relevante Tatbestände vorliegen könnten. Deshalb hat das Amt den Vorgang heute an die Staatsanwaltschaft zur Prüfung weitergeleitet. Die Anwälte von Ringstmeier und Rungis Express legen nun noch eins drauf. Sie beschuldigen Kastner in ihrem Schriftsatz, er habe tiefgefrorenes Fleisch, dessen Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen war, aufgetaut, neu portionieren und wieder einschweissen lassen. Anschliessend sei das Fleisch als Frischware verkauft worden. Teilweise habe es sich dabei sogar um sichtbar verdorbenes Fleisch gehandelt. Quelle: http://drinktank.blogg.de/

Viele vorverpackte Räucherlachse schwimmen aus der Reihe

Waren am Ablauftag bereits verdorben oder hatten erhöhte Keimzahl – AK verlangt realistischere Haltbarkeitsangaben
Fast jeder dritte abgepackte Lachs war am Ablauftag schon schlecht. Obendrein hatte jede vierte Probe zu viele Keime, war aber noch nicht zu beanstanden. Das zeigt ein AK Test von 19 vorverpackten Räucher- und Wildlachsen, eingekauft im Juni in elf Wiener Supermärkten. „Das ist unakzeptabel“, sagt AK Konsumentenschützer Heinz Schöffl, „die Konsumenten müssen sich auf das Haltbarkeitsdatum verlassen können.“ Zu lange Haltbarkeitsfristen und die nicht durchgängige Kühlkette seien die Ursache für die beanstandeten Fische, so Schöffl. Die AK fordert daher realistische Haltbarkeitsangaben und die Einhaltung der Kühlkette.

Die AK hat 19 vorverpackte Räucher- und Wildlachse in elf Wiener Supermärkten zwischen Mitte und Ende Juni eingekauft. Die Fische wurden wie am Etikett angegeben bis zum Haltbarkeitsdatum bei der angeführten Temperatur gelagert und am Ablauftag untersucht. Die sensorische und mikrobiologische Kontrolle führte die Lebensmittelversuchsanstalt in Wien durch.

„Das Ergebnis ist äußerst unappetitlich“, sagt Schöffl. 58 Prozent der verpackten untersuchten Lachse wurden zum angegebenen Ablauftag beanstandet oder hatten bereits zu viele Keime. Konkret war fast jeder dritte (32 Prozent) verpackte Räucherlachs am Ablauftag verdorben – er hatte stark überhöhte Keimzahlen, roch streng oder schmeckte bereits säuerlich. Darüber hinaus fanden sich auch krankheitserregende Keime wie Listerien. Ein Viertel (26 Prozent) hatte erhöhte Keimzahlen, hatte also zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die erwartete Frische und Qualität, war aber noch nicht zu beanstanden. Nicht einmal die Hälfte der untersuchten Lachsproben waren gänzlich in Ordnung.

Die AK verlangt daher von den Herstellern und Verpackern realistische Haltbarkeitsangaben. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Kühlkette von der Erzeugung bis zum Verkauf durchgehend eingehalten wird. Schöffl rät daher den KonsumentInnen: „Wenn Sie vorverpackte Fische kaufen, brauchen Sie sie so schnell als möglich auf. Warten Sie also nicht bis zum Ende der angegebenen Haltbarkeitsfrist.“

www.arbeiterkammer.at