Kochsalzreduktion kann den Blutdruck senken

Kochsalzreduktion kann den Blutdruck senken

Studien liefern keine Belege für positiven Einfluss der Kochsalzreduktion auf Folgeerkrankungen der essenziellen Hypertonie

Erwachsene, die mit der Nahrung weniger Kochsalz zu sich nehmen, können ihren Blutdruck mittelfristig etwas senken. Ob Menschen mit dauerhaft erhöhtem Blutdruck, sogenannter essenzieller Hypertonie, auf diese Weise auch langfristig das Risiko für Folgeerkrankungen vermindern können oder weniger blutdrucksenkende Medikamente einnehmen müssen, bleibt allerdings eine offene Frage. Zu diesem Ergebnis kommt der am 20. Juli 2009 in Form eines Rapid Report veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Er ist Teil eines vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erteilten Auftragspakets, in dem der Nutzen verschiedener nicht medikamentöser Behandlungsstrategien bei Bluthochdruck bewertet werden soll. Stressbewältigung und mehr körperliche Bewegung gehören ebenso dazu wie Rauchverzicht und weniger Alkoholkonsum. Einen Bericht zu der Frage, wie sich Abnehmen auf den Blutdruck auswirken kann, hat das IQWiG bereits abgeschlossen.

Bewertung anhand von Sekundärliteratur

Nutzenbewertungen des IQWiG basieren in der Regel auf der systematischen Recherche und Auswertung von klinischen Studien, also von Primärliteratur. Der vorliegende Rapid Report wurde dagegen anhand von Sekundärliteratur erstellt. Dies ist prinzipiell dann möglich – und in den Allgemeinen Methoden des IQWiG vorgesehen – wenn bereits qualitativ hochwertige und aktuelle systematische Übersichten zu einer Fragestellung existieren. Wie die Vorrecherche des IQWiG ergab, war dies beim Thema Kochsalzreduktion bei Hypertonie der Fall.

Gesucht haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach systematischen Reviews, also einer zusammenfassenden Analyse von Studien, die folgende Patientinnen und Patienten mit essenzieller Hypertonie miteinander verglichen: eine Interventions-Gruppe, die sich über einen längeren Zeitraum salzärmer ernähren sollte mit einer Kontroll-Gruppe, bei der diese Absicht entweder nicht bestand oder die beabsichtigte Kochsalzreduktion geringer war als in der Interventions-Gruppe. Die Laufzeit der Studien sollte mindestens 4 Wochen betragen. Um dennoch keine aktuellen und möglicherweise relevanten Studien zu übersehen, recherchierte das IQWiG ergänzend auch kürzlich veröffentlichte Primärstudien.

In die Bewertung einbeziehen konnte das IQWiG 7 Übersichten, in denen zwischen 520 und 3391 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus insgesamt 62 randomisierten kontrollierten Studien zusammenfassend analysiert wurden.

Keine Aussagen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Sterblichkeit möglich

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler feststellten, lassen die verfügbaren Daten keine Aussagen zu Folgekomplikationen zu. Das liegt daran, dass keine der Studien in erster Linie darauf ausgerichtet war zu untersuchen, wie sich eine salzärmere Kost auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Gesamtsterblichkeit auswirkt. Zudem liefen die meisten Studien nur über wenige Monate und hatten meist geringe Teilnehmerzahlen, weshalb möglicherweise vorhandene Unterschiede bei den Folgeerkrankungen nicht mit Sicherheit aufgefallen wären.

Nachhaltigkeit des blutdrucksenkenden Effekts ist ungewiss

Die Untersuchungen zeigen jedoch durchgehend, dass eine verminderte Kochsalzzufuhr helfen kann, den Blutdruck zu senken: Die systolischen Werte sanken innerhalb von bis zu einem Jahr um durchschnittlich 3,6 bis 8 mmHg, die diastolischen Werte um durchschnittlich rund 2 bis 3 mmHg. Dies gilt im Wesentlichen für Patientinnen und Patienten, die keine zusätzlichen blutdrucksenkenden Medikamente einnahmen.

Wie nachhaltig dieser Effekt ist, bleibt allerdings unklar. Autoren zumindest einer Übersichtsarbeit berichten, dass der beobachtete Vorteil verschwindet, wenn man die Analyse auf Studien mit einer längeren Laufzeit (mindestens 6 Monate) einschränkt.

Keine der Übersichten berücksichtigte ausschließlich Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig blutdrucksenkende Medikamente einnahmen oder wertete Daten für Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Begleitmedikation getrennt aus. Welchen zusätzlichen blutdrucksenkenden Effekt eine kochsalzarme Kost bei diesen Patienten haben kann, ist deshalb ungewiss.

Generell bleibt die Frage unbeantwortet, ob Menschen mit essenzieller Hypertonie durch eine geringere Salzaufnahme ihren Bedarf an blutdrucksenkenden Medikamenten vermindern können.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Rapid Reports, sogenannte Schnellberichte, sollen zeitnahe Informationen zu einem aktuellen Thema bieten. Sie sind nicht auf Richtlinienentscheidungen des G-BA ausgelegt. Um eine kürzere Erarbeitungszeit zu gewährleisten, unterscheidet sich der Ablauf der Erstellung von dem der übrigen Berichte vor allem in zwei Punkten: Arbeitsdokumente, Berichtspläne oder Vorberichte werden nicht publiziert und es gibt auch kein Stellungnahmeverfahren. Zudem erfolgt die Bewertung in der Regel auf Basis bereits publizierter Informationen, d.h. das IQWiG bemüht sich nicht, beispielsweise bei Herstellern von Arzneimitteln unveröffentlichte Studiendaten zu bekommen.

Höheres Narkoserisiko bei dicken Kindern

Höheres Narkoserisiko bei dicken Kindern
Neue Herausforderungen für Anästhesisten

Dicke Kinder leben gefährlich. Und das nicht nur wegen der mit dem Übergewicht einhergehenden Folgeerkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, Asthma, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes, die sich häufig bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Wie Forscher der University of Michigan Health System berichten, treten bei stark übergewichtigen Kindern auch häufiger Komplikationen während eines chirurgischen Eingriffes auf. 2.025 Kinder zwischen zwei und 18 Jahren, die sich einer Operation unterziehen mussten, wurden entsprechend ihrem altersangepasstem Body Mass Index (BMI) in Normalgewichtige (1.380 Kinder), Übergewichtige (351 Kinder) und stark Übergewichtige bzw. Adipöse (294 Kinder) eingeteilt. Da zwischen den normalgewichtigen und den übergewichtigen Kindern kaum Unterschiede zu beobachten waren, wurden diese in einer Gruppe zusammen gefasst und der adipösen Gruppe gegenüber gestellt.

Die Ergebnisse zeigten, dass es bei den adipösen Kindern signifikant häufiger zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten während der Operation kam als bei der Vergleichsgruppe. Komplikationen betrafen die Maskenbeatmung, Verlegung der Atemwege und weitere zum Teil schwer wiegende Probleme bei der (Be-)Atmung. Außerdem kam es bei 17 Prozent der adipösen Kinder während der Operation zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut. Bei der Vergleichsgruppe war dies nur bei neun Prozent der Patienten der Fall. Zwar konnten die Ärzte in allen Fällen die Komplikationen meistern, sodass kein Kind bleibende Schäden zurück behielt. Doch zeigen diese Resultate, dass Anästhesisten durch die Verbreitung von Übergewicht bei Kindern vor Schwierigkeiten stehen, die sie bei der Planung und Durchführung ihrer Arbeit zunehmend berücksichtigen müssen, um Risiken für die Kinder zu minimieren.

aid, Melanie Kirk-Mechtel

Die dicken Deutschen

Allgemeine Zeitung Mainz: Kommentar zur Verzehrstudie

Dicksein ist zumindest nach unsrem Kulturverständnis unattraktiv. Und ungesund. Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Gelenkschädigungen durch Übergewicht kosten die Volkswirtschaft jährlich Milliarden.
Dünnsein ist schick, im Extremfall jedoch ebenfalls gesundheitsschädlich. Dürre Teenager, die, um dem Schönheitsideal zu entsprechen, nur noch hungern, haben ebenso Essstörungen wie die Dicken. Kurz: Das normale Verhältnis zum eigenen Körper und zum Umgang mit Nahrungsmitteln geht in immer mehr Menschen hierzulande verloren; das zeigt nun auch Seehofers Verzehrstudie: Viele können weder ihren Kalorienbedarf einschätzen, noch haben sie im Zeitalter der Fertigprodukte je Kochen gelernt. Zwar wird im Fernsehen permanent vorgeführt, wie man mit frischen und regionalen Lebensmitteln leckere, gesunde Speisen zubereitet, aber zuschauen und selbst aktiv werden das sind zwei Paar Stiefel. Wer mit der Fertigpizza auf dem Schoß Lafer und Co. in der Kochshow bestaunt und mit der Chipstüte in der Hand die lahmen Enten in der Bundesliga antreibt, nimmt eben nicht ab.

Nach den Erfahrungen von Ernährungsberatern ist es zumeist nicht der Mangel an Information, der die Menschen vom gesunden Essen abhält, es sind andere Mechanismen, die sie zum Burger, zu Pommes, fettigen Fertigprodukten und schädlichen Süßigkeiten greifen lassen, die zudem meist noch teurer sind, als gesunde selbst zubereitete Kost. Sich keine Zeit nehmen zum Essen, nebenbei am Schreibtisch nur schnell etwas reinschieben und abends glauben, man habe heute gar nichts zu sich genommen, das macht dick. Gerade für Menschen mit gringerem Bildungsstand ist Essen zudem allzu oft eine Ersatzbefriedigung, scheinbar eine Möglichkeit, sich bei allem Frust über Arbeitslosigkeit oder mangelnde Anerkennung etwas Gutes zu tun. Die Kinder bekommen Süßigkeiten, es soll ihnen ja wenigstens daran nicht fehlen. Ob die Bundesregierung mit Programmen für mehr Ernährungswissen und mehr Bewegung gegen die deutschen Gewichtsprobleme ankommt, ist angesichts solcher Fakten fraglich.

Gesundheit als höchstes Gut

Unsere Gesellschaft ist übergewichtig. Auf der diesjährigen Hochschultagung der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel lenkte Prof. Manfred J. Müller den Blick auf den aktuellen Stand der Dinge und beleuchtete die Ursachen der gesellschaftlichen Wohlstandsbäuche.

Mehr als 50 Prozent der Deutschen gelten als übergewichtig. Sicherlich spielten auch individuelle Faktoren eine Rolle aber „wir müssen der gesellschaftlichen Verantwortung eine wesentlich höhere Bedeutung beimessen“, so der Professor vom Kieler Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde.

In Deutschland werde einfach zu viel an Nahrungsmitteln produziert und verkauft, kritisiert Müller. Dem drohenden Veto der Ökonomen hielt er entgegen, dass er durchaus wisse, dass sich diese Menge auf freien Märkten bilde. Die Märkte lieferten indes kein Marktgleichgewicht, welches unseren tatsächlichen gesundheitlichen Bedürfnissen entspräche. Aus seiner Perspektive als Spezialist für Humanernährung sei es deshalb legitim, von einem Marktversagen aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu sprechen. Der hohe Anteil Übergewichtiger spräche ebenso für diese Interpretation wie die vielfältigen Folgeerkrankungen von Diabetis mellitus und Bluthochdruck über Herzinfarkt bis hin zu Krebserkrankungen.

Die Wurzeln des Übels sieht Müller in den sozialen, wirtschaftlichen und umweltbedingten Rahmenbedingungen, die sich heutzutage wesentlich schneller änderten als früher. Besserung sei nur durch einen gesellschaftlichen Wandel zu erwarten.
Auf Ebene der EU-Gesundheitsminister sei man sich einig, eine Gesellschaft zu schaffen, in der eine Lebensweise die Norm sei, die durch gesunde Ernährung und Bewegung geprägt ist. In einer freien Gesellschaft könne es aber nicht einfach von oben herab angeordnet werden. Dies sei aber auch nicht erforderlich. Denn wenn man akzeptiere, dass die Gesundheit eines Menschen sein höchstes Gut sei, so sei es nur eine logische Konsequenz, sich an entsprechenden Handlungen zu beteiligen.
(aid, Dr. Uwe Scheper)

„Hochdrucktage 2006“

Bluthochdruck ist einer der wichtigsten
Risikofaktoren für die Entstehung der Gefäßverkalkung
(Arteriosklerose). Auch in den Gefäßen des Gehirns, des Auges oder
der Beine kann die Arteriosklerose zu Veränderungen führen: zu
Demenz, Netzhautveränderungen und zum Raucherbein.

Durch regelmäßige
Kontrolle des Blutdrucks lässt sich das vermeiden. Denn der ständig
überhöhte Bluthochdruck führt in den Gefäßen zu einer Schädigung der
Gefäßwände und damit zu einem verfrühten Verschleiß. Daher sind auch
schon bei jüngeren Bluthochdruckpatienten Anzeichen der
Gefäßverkalkung nachweisbar.

In und an den geschädigten Bereichen der Gefäßwände können sich
Cholesterin, Kalk und andere Bestandteile des Bluts ablagern. Die
Gefäße werden zunehmend enger und steifer. Das Blut kann nicht mehr
ungehindert fließen, so dass sowohl die Beine als auch Organe wie
Herz, Nieren und Gehirn nicht mehr mit dem lebensnotwendigen
Sauerstoff und mit Nährstoffen versorgt werden.

Offensichtlich schädigt ein erhöhter Blutdruck zunehmend auch die
Gefäße im Gehirn. Je höher der Blutdruck, desto stärker sind spätere
Gedächtnisstörungen. Untersuchungen zu diesem Thema deuten darauf
hin, dass eine rechtzeitige und effektive Senkung des Blutdrucks
mentalen Leistungsschwächen im Alter (Demenz) vorbeugen kann. Demenz
bedeutet einen Verlust kognitiver Fähigkeiten (Kognition = Vorgänge
im Gehirn, die das Erkennen ermöglichen) mit Beeinträchtigung der
sozialen oder beruflichen Leistungsfähigkeit. Der Anteil der
Demenzkranken in der Gruppe der 60-Jährigen beträgt etwa ein Prozent,
bei den 85-Jährigen zwischen 30 und 50 Prozent.

Der Augenarzt kann bei einer Augenspiegelung die Netzhaut
betrachten und Veränderungen der Gefäße feststellen. Die Blutgefäße
der Netzhaut lassen einen Schluss auf den Schweregrad eines
bestehenden Bluthochdrucks zu. Ein nicht behandelter oder schlecht
eingestellter Bluthochdruck führt im Laufe der Zeit zu
Netzhautveränderungen, die das Sehvermögen erheblich beeinträchtigen
können.

Verengungen in den Gefäßen der Beine äußern sich meist beim Gehen
als Muskelschmerz in den Waden. Beim Stehen bleiben lässt dieser
Schmerz schnell nach, flammt aber wieder auf, wenn die Bewegung
fortgesetzt wird. Um den Schmerz immer wieder zu unterbrechen,
bleiben diese Menschen häufig selbst nach kurzen Gehstrecken stehen,
weshalb man allgemein von der Schaufensterkrankheit spricht. Im
fortgeschrittenen Stadium kann es aufgrund der Unterversorgung des
Gewebes zum so genannten Raucherbein kommen.

Die schwerwiegenden Folgeerkrankungen einer Arteriosklerose
könnten in vielen Fällen verhindert werden, wenn der Verursacher –
hoher Blutdruck – rechtzeitig erkannt und behandelt würde.

„Kennen Sie Ihre Werte?“, lautet deshalb das Motto der
„Hochdrucktage 2006“. Vom 25. bis 30. September informieren in ganz
Deutschland Selbsthilfegruppen, Ärzte und Kliniken die Bevölkerung
über Bluthochdruck und seine schwerwiegenden Folgeerkrankungen.
Initiator der bundesweiten „Hochdrucktage“ ist die Deutsche
Hochdruckliga DHL® in Heidelberg. Wo und wann die örtlichen
Informationsveranstaltungen stattfinden, steht im Internet unter
www.hochdruckliga.de oder in der örtlichen Presse.