Billigflieger easyJet und Ryanair sind am häufigsten mehr als drei Stunden zu spät

Billigflieger easyJet und Ryanair sind am häufigsten mehr als drei Stunden zu spät – Premiumflieger Lufthansa führt die Statistik der am meisten annullierten Flüge an – Zahlungsaufforderungen lehnen Billigflieger von vornherein ab, Premiumflieger suchen Umwege

Der Flug ist zu spät oder gar ganz annulliert, für den Ärger und die Kosten fühlt sich niemand verantwortlich. Statt in Nevada landen Reisende häufiger als erwartet in der Servicewüste. Ob bester Service, günstigster Preis oder immer pünktlich – viele Airlines versprechen ihren Kunden in Werbeslogans das Blaue vom Himmel. Dabei weigern sich vor allem Billigflieger ihren Versprechen nachzukommen, während Premiumflieger eher durch Behäbigkeit auffallen. Wie die Realität hinter dem Werbesprech aussieht, weiß Flightright (www.flightright.de). Der Marktführer im Bereich der Fluggastrechteportale deckt die Wahrheit hinter den Werbeversprechen beispielhaft an easyJet und Ryanair im Billigfliegersegment sowie Air Berlin, Lufthansa und Air France bei den Premiumairlines auf.

Um die Werbeslogans mit der Reiserealität abzugleichen, hat sich Flightright die Verspätungen, Annullierungen und Entschädigungszahlungen der Airlines näher angesehen: Alle Daten dazu basieren auf Flightrights Jahresanalyse von 2015, die die verspäteten bzw. annullierten Flüge am Gesamtflugvolumen der Airlines messen. Betrachtet wurden die Daten für Deutschland von den Airlines Air Berlin, Air France, Alitalia, British Airways, Condor, easyJet, Iberia, Lufthansa, Norwegian, Ryanair, Swiss Air, TAP Portugal, TuiFly, Turkish Airlines und Vueling.

Statt „Nonstop you“, Stopp am Flughafen: Flieger von Air Berlin oft zu spät, Lufthansa häufig annulliert

Air Berlin positioniert sich seit der diesjährigen Internationalen Tourismusbörse (ITB) in seinem Werbespot als „The Smart Alternative“ – und zwar auf der Langstrecke in Konkurrenz zu den gängigen Premiumairlines wie Lufthansa und Air France in der Businessklasse. Ein Imagefilm über eine mit Air Berlin reisende Geschäftsfrau erläutert die Liebe zum Detail beim Service für diese Reisenden. Dagegen positioniert sich die Lufthansa im aktuellen TV-Spot selbstbewusst mit dem Slogan „Nonstop you“ als Airline, die den Kunden zur Top-Priorität erklärt, und wirbt derzeit betont humorvoll mit CEO Wilson, die dank Lufthansa entspannt zum Meeting erscheint. Air France hingegen suggeriert mit „France is in the Air“ auf kreative Art und Weise, dass eine Flugreise mit der größten französischen Airline einer Reise mit der gesamten französischen Kultur an Bord gleicht.

So schön die heile Welt der Werbeslogans auch sein mag: Wie sehr die Airlines den Ansprüchen gerecht werden, zeigt sich, sobald Probleme auftreten. Erfüllen die Airlines auch dann noch den Anspruch ihrer Slogans? Starten die Flieger der Airlines überhaupt? Und das pünktlich? Wie sieht es mit der Entschädigung aus, wenn sie entfallen?

Ein Blick in Flightrights Daten offenbart: Air Berlin ist von den drei Premiumairlines am häufigsten mehr als drei Stunden zu spät. Und ausgerechnet Lufthansa, die „Nonstop you“-Flieger, sind diejenigen, die durch Annullierungen am häufigsten erst gar nicht starten – von allen 14 untersuchten Airlines. Air Berlin ist hier auf einem soliden Platz 4 während Air France das in diesem Sinne positive Schlusslicht mit den wenigsten Annullierungen bildet.

Air Berlin holt den ersten Platz, wenn es um faire Behandlung geht: Machen Reisende ihre Entschädigungsansprüche geltend, erfolgte die Entschädigungszahlung in 138 untersuchten Strecken anstandslos und fristgerecht, während Lufthansa auf 197 Strecken versuchte, in erster Instanz zunächst alles auf außergewöhnliche Umstände zu schieben und Air France 148 Strecken strittige Fälle zunächst kategorisch ablehnte. Somit hält von den drei Premiumfliegern Air France am besten seine Versprechen: Sie sind im Vergleich zu Lufthansa und Air Berlin tatsächlich am zuverlässigsten „in the Air“.

Einfach, günstig – aber selten pünktlich: easyJet und Ryanair
„Ich fliege easyJet“ – unter diesem Werbeslogan stellt die Billigairline in seinem aktuellen Werbe-Spot von vornherein klar, dass bei ihnen eben nicht alles inklusive ist, sondern Reisende für – in Premiumfliegern meist selbstverständliche – Services draufzahlen müssen.
Das Gegenteil vermittelt Ryanair: Unter dem Slogan „Low fares, made simple“ im aktuellen Werbeclip wirbt die Airline damit, dass man bei ihnen zum einen auch mit bevorzugter Priorität fliegen und auch ein zweites Handgepäck in den Flieger nehmen kann.

Bei easyJet zahlen Reisende jedoch nicht nur für Speis und Trank im Flugzeug extra, die Airline kostet Fluggäste auch oftmals extra Zeit – denn von allen 14 Airlines der Flightright-Analyse, hebt easyJet gleich an zweiter Stelle am häufigsten zu spät ab. Direkt dahinter folgt auch schon Ryanair. Allerdings annullieren beide Fluglinien seltener ihre Flüge als Premiumairlines – Ryanair sogar weniger häufig als easyJet. Das hilft ihnen allerdings wenig bei den Entschädigungen, denen sie sich in der Regel komplett verweigern: Im Falle von den 194 Strecken von Ryanair musste Flightright so gut wie alle Ansprüche im vergangenen Jahr gerichtlich durchsetzen. Im Falle von easyJet versuchte die Airline auf den untersuchten 136 Strecken alles über Kundenanfragen zu regeln, um gerichtliche Verfahren zu umgehen.

„Der Vergleich zeigt: Die Werbeversprechen der Airlines drehen sich sinngemäß um den vermeintlich „besten Service“, die „größtmögliche Bequemlichkeit“, den „günstigsten Preis“ oder das „einfachste Reiseerlebnis“. Kommt es jedoch zu Krisen in Form von Verspätungen oder Annullierungen, zeigt sich, dass bei einigen Airlines Service auf einmal nicht mehr groß geschrieben wird und aus Einfachheit ein langwieriger Streit um die Entschädigung werden kann. Dann werden die Werbeversprechen zu leeren Worthülsen. In diesen Fällen sind wir für Reisende da und kämpfen für deren Rechte“, so Dr. Philipp Kadelbach, Mitgründer und Geschäftsführer von Flightright.

Nach drei Stunden Verspätung gilt ein Flug als annuliert

Der Europäischer Gerichtshof bestätigt erneut Ausgleichsanspruch für Reisende bei Flugverspätungen – mindestens 250 Euro ab drei Stunden Verspätung – auch ältere Fälle jetzt einklagbar – Jedoch nicht anwendbar auf aussereuropäische Gesellschaften.

Die Entscheidung hat zur Folge, dass Passagiere, deren Flug eine Verspätung von mehr als drei Stunden hatte, auch weiterhin wie Betroffene von Flugannullierungen Schadensersatz zusteht. „Die Entscheidung ist aus Sicht des Verbraucherschutzes nur konsequent, denn dem Reisenden entstehen bei einem erheblich verspäteten Flug meist sogar größere Unannehmlichkeiten als bei einem ausgefallenen Flug“, sagt Dr. Philipp Kadelbach, Rechtsexperte beim Verbraucherportal flightright www.flightright.de. „Daher hat der Verbraucher auch Anspruch auf eine vergleichbare finanzielle Entschädigung.“

Kadelbach begrüßt die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs: „Heute ist ein guter Tag für alle Reisenden. Die Rechtslage ist nun endgültig zugunsten der Passagiere geklärt. Der Europäische Gerichtshof ist seiner Linie treu geblieben und hat sich bei der Auslegung der Verordnung konsequent am Leitgedanken des Verbraucherschutzes orientiert. Nachdem der Europäische Gerichtshof nun klargestellt hat, dass der Anspruch auf Entschädigung bei großer Verspätung keine zeitliche Grenze kennt, gehen wir davon aus, dass Verbraucher verstärkt mit älteren Fällen aus den Jahren 2009 und 2010 an uns herantreten werden,“ freute sich Kadelbach gegenüber Gourmet Report.

Laut Fluggastrechte-Verordnung Nr. 261/2004 der Europäischen Union steht Fluggästen bei der kurzfristigen Annullierung ihres Fluges eine Entschädigung zwischen 250 Euro und 600 Euro zu. Im November 2009 wurde in einem Präzedenzfall darüber hinaus entschieden, dass Flugverspätungen annullierten Flügen rechtlich gleichzustellen seien (Sturgeon/Condor, EuGH C-402/07). Nach aktuellen Informationen plant die Europäische Union die Fluggastrechte-Verordnung innerhalb der nächsten zwei Jahre zu überarbeiten. Die aktuelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wird dabei Berücksichtigung finden.

Flightright ist das Verbraucherportal für Fluggastrechte, es startete im Frühjahr 2010. Passagiere haben die Möglichkeit, Entschädigungen für verspätete oder annullierte Flüge direkt über den Entschädigungsrechner von flightright einzufordern. flightright beruft sich auf die EU-Verordnung 261/2004. Diese spricht Betroffenen von Flugausfällen und Verspätungen eine Wiedergutmachung durch die Fluggesellschaft zu. Weitere Informationen auf

www.flightright.de

Gourmet Report meint: Ein sehr schönes und verbraucherfreundliches Urteil. Jedoch ist es ungerecht, dass Airlines die ausserhalb der EU sitzen und in die EU fliegen nicht belangt werden können!

Fliegen mit Kindern

Sommerzeit – Urlaubszeit. Aber gerade vor der An- und Abreise an den Urlaubsort bammelt es vielen Eltern: Gelangweilte und quengelnde Kinder, zu kalt eingestellte Klimaanlagen und wenig Bewegungsfreiheit im Flieger. Rechtsexperte Philipp Kadelbach vom Verbraucherportal flightright ( www.flightright.de

), selbst Vater eines Kindes, kennt die Tücken einer Flugreise mit dem Nachwuchs. Er gibt Familien hilfreiche Tipps, um unnötige Stressfallen bei Flugreisen zu vermeiden.

Vorbereitung & Boarding

Es empfiehlt sich, bereits am Vortag des geplanten Abflugtages online bei der Airline einzuchecken. Mit den bereits ausgehändigten Bordkarten können Familien am Flugtag direkt zur Passkontrolle und anschließend zum Gate. Lange Wartezeiten, Verzögerungen und unvorhergesehene Komplikationen am Schalter können damit vermieden werden. Bitte beachten: Ab sofort müssen Kinder bei Auslandsreisen einen eigenen Reisepass besitzen – die Eintragung des Nachwuchses in den Pass der Eltern ist nicht mehr länger gültig. Fluglinien bieten Familien mit Kindern darüber hinaus die Möglichkeit des Pre-Boardings. Mit vorheriger Reservierung können Eltern am Flugtag als erste Passagiere ins Flugzeug steigen. Dies bietet Familien den Vorteil, sich in Ruhe im Flieger einzurichten und das Handgepäck zu verstauen. Ein Nachteil ist allerdings die längere Wartezeit im Flugzeug. Familien sollten sich daher aufteilen. Ein Elternteil wartet zusammen mit den Kindern in der Abflughalle bis zum Ende des Boardings und beschäftigt die Kleinen, während der andere Elternteil die Zeit des Pre-Boardings nutzt und die Sitzplätze vorbereitet.

Säuglinge & Kleinkinder

Grundsätzlich können bereits Säuglinge ab der ersten Lebenswoche mit auf eine Flugreise genommen werden. Lediglich bei Erkältungssymptomen und Ohrenschmerzen raten Experten von einer Reise ab. Für den Druckausgleich während des Starts und der Landung sorgen Schnuller. Alternativ hilft es auch, den Kindern etwas zu trinken oder die Brust zu geben. Damit Säuglinge und Kleinkinder während des Fluges im klimatisierten Flugzeug nicht frieren oder bei der Ankunft im Urlaubsland durch falsche Kleidung sofort schwitzen, sollten Eltern ihre Kinder im Zwiebellook ankleiden. So können sie je nach Bedarf und Temperatur Kleidungsstücke an- oder ausziehen.

Sitzplatz

Durch den eingeschränkten Bewegungsradius werden Kinder gerade während längerer Flugreisen oftmals unruhig. Damit der Flug nicht mit Tränen und Geschrei verbracht wird, sollten Eltern die erste Sitzreihe hinter den Trennwänden nutzen. Mehr Beinfreiheit ermöglicht es den Kindern, auf dem Boden zu spielen oder herumzukrabbeln. Für Säuglinge bis 10 Kilogramm Körpergewicht befinden sich in diesem Bereich spezielle Babytragetaschen, die an die Vorderwänden angebracht werden können. Darüber hinaus haben Eltern die Möglichkeit, einen eigenen Kindersitz mit ins Flugzeug zu nehmen. Dieser wird in Flugrichtung mit dem Sicherheitsgurt auf einem separaten Sitzplatz befestigt. Ein zusätzlicher Sitzplatz kostet jedoch je nach Airline bis zu zweidrittel des regulären Ticketpreises. Eltern sollten sich bereits bei der Buchung über die Möglichkeiten und Kosten des Babytransports informieren.

Wartezeiten

Bei unvorhergesehenen Wartezeiten und Verzögerungen ist es ratsam, einen zusätzlichen Windel- und Nahrungsvorrat mitzunehmen. Aufgrund der trockenen, klimatisierten Luft im Flieger sollten Eltern darauf achten, dass ihre Kinder ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Wasser für Fläschchen gibt es im Flugzeug; auf Anfrage erwärmt das Bordpersonal auch gern den Babybrei. Wird der Flug storniert, sollten Familien dagegen nicht lange warten, sondern sofort handeln. Am besten suchen Reisende umgehend den Ticket-Schalter ihrer Fluggesellschaft auf, um sich über Ersatzflüge zu informieren. Die Airlines sind verpflichtet für eine schnellstmögliche alternative Beförderung zu sorgen. Verzögern sich Abflug und Ankunft um mehr als drei Stunden, sind Fluggesellschaften darüber hinaus zu Entschädigungszahlungen von bis zu 600 Euro pro Person verpflichtet; eine vierköpfige Familie kann so beispielsweise bis zu 2.400 Euro Schadensersatz geltend machen. Wer zähe Rechtsstreitigkeiten mit der Fluggesellschaft und hohe Anwaltskosten vermeiden möchte, findet schnelle Hilfe auf dem Verbraucherportal flightright ( www.flightright.de

). Passagiere müssen nur ihre Flugnummer und den Abflugtag in den kostenlosen Entschädigungsrechner eingeben. flightright prüft dann die Rechtsansprüche der Passagiere und setzt diese gegenüber der Fluggesellschaft durch.

Eröffnung des Flughafens BER verschoben

Airlines und Reiseveranstalter informieren über veränderte Flugpläne
Zehntausende Flugpassagiere sind von Umbuchungen betroffen

Viele Fluggesellschaften stehen unter Druck, seit bekannt geworden ist, dass der Termin für die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg BER geplatzt ist. Die Airlines haben einen Monat vor der ursprünglich geplanten Inbetriebnahme des Airports bereits alle Arbeitsabläufe und Flugpläne auf den neuen Flughafen ausgerichtet. Die Eröffnung wurde nun auf Grund von Mängeln bei der Brandschutztechnik auf August verschoben – der genaue Termin wird erst in der nächsten Woche bekannt gegeben. Als Reaktion darauf wurden die Umzüge von den beiden bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld vorerst gestoppt. Für die notwendig gewordene Übergangsphase bis zum neuen Eröffnungstermin bleiben beide Standorte weiterhin in Betrieb. Rainer Schwarz, Flughafenchef des BER, gab an, dass die geplanten Flüge im Sommer trotz der Turbulenzen nicht ausfallen sollen.

Derzeit starten und landen an Berlins Flughäfen täglich über 700 Flugzeuge; im Zuge der Neueröffnung des BER planen die meisten Fluggesellschaften, ihr Angebot auszubauen. Germanwings und Easyjet gaben nach Bekanntwerden der Terminverschiebung an, trotz der Verzögerung den aktuellen Flugplan beibehalten zu wollen und wie bisher, ihre geplanten Flüge über Schönefeld abzuwickeln. Auch Lufthansa steht zurzeit in Verhandlungen mit dem Flughafen Tegel über zusätzliche Zeitfenster für Starts und Landungen. Air Berlin steht laut eigenen Angaben vor einem gewaltigen logistischen Problem, da alle Flugpläne auf die Bedingungen am BER zugeschnitten seien. Die Fluggesellschaft will nun auf Tegel ausweichen und die Kunden zeitnah über mögliche Änderungen informieren.

Rechtsexperte Dr. Philipp Kadelbach von flightright, dem Verbraucherportal für Fluggastrechte, empfiehlt Reisenden eventuell auftretende Annullierungen und Umbuchungen nicht ohne Weiteres zu akzeptieren: „Die Fluggesellschaft ist vertraglich dazu verpflichtet, die Beförderung sicherzustellen und Passagieren einen Ersatzflug anzubieten. Flugreisende sollten sich an ihren jeweiligen Vertragspartner wenden und sich informieren, wohin und auf welchen Termin ihr Flug verlegt wird. Ansprechpartner ist entweder die Fluggesellschaft direkt oder – bei Pauschalreisen – der Reiseveranstalter, über den der Flug gebucht wurde.“

Die Fluggastrechte-Verordnung 261/2004, die Reisenden bei Flugverspätung und Annullierung eine Entschädigung durch die Fluggesellschaft zuspricht, wird in den meisten Fällen jedoch nicht greifen. „Informiert die Fluggesellschaft den Reisenden zwei Wochen vor Abflugdatum über die Umbuchung, hat dieser keinen Anspruch auf Schadensersatz“, sagt Dr. Kadelbach. „Lediglich wenn der Fluggast später unterrichtet wird, stehen ihm Leistungen wie Telefonate und die Verpflegung mit Speisen und Getränken am Flughafen sowie eine eventuell notwendige Übernachtung zu. Finanzielle Entschädigungen werden Reisende allerdings nicht erhalten, da die Verzögerung der Flughafeneröffnung kein Verschulden der Airlines ist. Die Ursachen liegen im Verantwortungsbereich des Flughafenbetreibers und sind damit ein ‚außergewöhnlicher und für die Fluggesellschaft unvermeidbarer Umstand’, auf den die Airlines keinen Einfluss haben.“

Welche Ansprüche haben Kunden bei Verspätung von Bahn, Flugzeug, Bus und Schiff

Ein Überblick über die wichtigsten Regelungen im Bahn-, Flug-, Bus- und Schiffsverkehr – flightright gibt Verbrauchern Tipps zum Umgang mit Fahrgastrechten

Fast jeder hat es schon einmal selbst erlebt: der nervöse Blick auf die Uhr und die Frage „Wo bleibt die Bahn?“. Jeden Tag kommt es zu Verspätungen und Ausfällen im Bahn-, Flug-, Bus- und Schiffsverkehr. In vielen Fällen haben Betroffene Anspruch auf Fahrpreiserstattung oder sogar ein Anrecht auf Entschädigung. Rechtsexperte Philipp Kadelbach von flightright ( www.flightright.de ), dem Verbraucherportal für Fluggastrechte, gibt Tipps, um sich im Wirrwarr der Regelungen zu orientieren.

Eisenbahnverkehr:
Die Bahn ist mal wieder viel zu spät und auch nach 60 Minuten noch nicht in Sicht. In diesem Fall stehen Reisenden laut EU-Verordnung 1371/2007 eine Erstattung des Fahrpreises von mindestens 25% und die kostenlose Verpflegung mit Getränken zu. Bei Verspätungen ab 120 Minuten haben Bahnfahrer Anspruch auf eine Fahrpreiserstattung in Höhe von 50%. Bei einem Totalausfall hat das Warten ein Ende, da die Bahn dann die Kosten einer alternativen Beförderung übernehmen oder 100% des Ticketpreises zurückzahlen muss. Im Nahverkehr gelten andere Regelungen. Sollte sich der Arbeitsweg via Eisenbahn um mehr als 20 Minuten verlängern, können ohne Aufpreis andere Züge genutzt werden (z. B. RE, IC, ICE). Fällt der letzte Zug des Tages aus oder verspätet sich dieser zwischen null und fünf Uhr morgens um mindestens eine Stunde, kann alternativ auf Bus oder Taxi für die Weiterfahrt umgesattelt werden. In diesem Fall muss das Unternehmen Kosten bis zu 80 Euro übernehmen. Der Weg bis zur endgültigen Fahrpreiserstattung ist jedoch ohne ein wenig Bürokratie leider nicht zu meistern. Beim Service-Personal oder als Download im Internet erhalten Bahnreisende das „Fahrgastrechte-Formular“. Einmal ausgefüllt, muss es gemeinsam mit der Kopie des Fahrscheins direkt an die zuständige Service-Stelle geschickt werden. Maximal vier Wochen später sollte der Antrag bearbeitet sein und die Entschädigung in Form eines Gutscheins im Briefkasten liegen. Auf Wunsch geht das Geld auch direkt aufs Konto.

Flugreisen:
Flugannullierungen und -verspätungen betreffen Geschäftsreisende ebenso wie Urlauber. Nach der EU-Verordnung 261/2004 stehen Betroffenen bei einer Abflugverspätung ab zwei Stunden die Verpflegung und mindestens zwei kostenfreie Telefonate zu. Verzögern sich Abflug und Ankunft um mehr als drei Stunden müssen die Fluggesellschaften nach Entfernung gestaffelte Entschädigungszahlungen von bis zu 600 Euro leisten. Im Fall von Flugannullierungen ist die Airline dazu verpflichtet, zusätzlich den gesamten Ticketpreis zurückzuerstatten, wenn vom Angebot zur Ersatzbeförderung Abstand genommen wurde. Viele Fluggesellschaften weigern sich jedoch die Entschädigungsleistungen auszuzahlen. flightright, das Verbraucherportal für Fluggastrechte, unterstützt Betroffene in solchen Fällen bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Wenn nötig, übernimmt flightright auch das gerichtliche Verfahren gegen die Airlines durch und erhält dafür nur im Erfolgsfall eine prozentuale Beteiligung an der Entschädigungssumme.

Busreisen:
Viele Touristen bereisen ihre Urlaubsziele gern mit dem Bus. Technische Defekte oder Fehlplanungen können auch für Beförderungsausfall und -verzögerung sorgen. Eine einheitliche Regelung für Entschädigungen bei solchen Problemen gibt es bislang nicht. Betroffene sind meist auf die Kulanz der Anbieter angewiesen. Das ändert sich ab März 2013 per EU-Verordnung. Diese sichert Busreisenden fortan ähnliche Rechte wie Bahnreisenden zu. Danach sollen zukünftig bei Verspätungen von mindestens zwei Stunden oder Totalausfall eine alternative Reisemöglichkeit gestellt oder das Ticket zu 100% erstattet werden. Zusätzlich gibt es Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 50% des Fahrpreises bei Verspätungen von mehr als 120 Minuten. Außerdem sollen Reisenden bei Verpassen des Anschlusses bis zu zwei Hotelübernachtungen im Wert von 80 Euro gestellt werden. Diese Regelungen gelten ausschließlich für Fernreisen innerhalb der EU ab 250 km.

Schiffsreisen:
Auch bei Schiffsreisen erwartet Betroffene ab Dezember 2012 eine einheitliche EU-Regelung der Fahrgastrechte. Bei Verspätungen ab 90 Minuten erhalten Fahrgäste eine finanzielle Entschädigung je nach Dauer der Fahrt und Länge der Verspätung in Höhe von 25% bis 50% des Fahrpreises. Es können aber auch eine alternative Beförderung oder Übernachtungen bis zu drei Nächten in Anspruch genommen werden. Boots- und Schiffsunternehmen, die nicht mehr als zwölf Passagiere auf einmal befördern können, sind von diesen Regelungen allerdings ausgenommen.

Tipps:
Sammeln Sie alle Belege und Fahrkarten.
Lassen Sie sich die Verspätungen oder Ausfälle vom Service-Personal auf der Originalfahrkarte bestätigen.
Schicken Sie keine Originaldokumente an das Unternehmen, sie könnten auf dem Postweg verloren gehen.
Beachten Sie die Einreichungsfristen, um Ihre Ansprüche geltend machen zu können.
Höhere Gewalt (wie z. B. Naturkatastrophen) kann den Anspruch auf Entschädigung gegebenenfalls ausschließen.

Rechtslage für Entschädigungen bei Flugverspätungen eindeutig bestätigt

Rechte für Flugreisende gestärkt: Urteil des Amtsgerichts Nürtingen vom Landgericht Stuttgart aufgehoben – Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für nationale Gerichte bindend

Wer als Bahnreisender allzu lange auf seinen Zug warten muss, hat nach dem Fahrgastrechtegesetz einen Anspruch auf Entschädigung. Gemäß dem Motto „Zeit ist Geld“ erstattet die Bahn ihren Kunden bei Verspätungen bis zu 50 Prozent vom Ticketpreis. Doch wie sieht es bei Flugreisen aus? Seit langem monieren Juristen und Verbraucherschützer die oft uneinsichtige Haltung der Fluggesellschaften. Das Landgericht Stuttgart hat jetzt die Rechte von Fluggästen gestärkt und der Klage auf eine Ausgleichszahlung bei großer Verspätung stattgegeben.

flightright, das Verbraucherportal für Fluggastrechte, fühlt sich mit dem Stuttgarter Urteil in seiner Arbeit bestärkt. Das Online-Unternehmen bietet Passagieren die Möglichkeit, Entschädigungen für verspätete oder annullierte Flüge direkt über das Internet auf www.flightright.de einzufordern. Dazu geben sie ihre Flugdaten auf der Webseite ein; das System prüft daraufhin automatisch, inwieweit der Anspruch auf Entschädigung aussichtsreich ist. Im Anschluss übernimmt flightright die weitere Durchsetzung der Forderung gegenüber den Fluggesellschaften.

Vor einem Jahr deutete noch alles auf eine Niederlage des Klägers zugunsten der Fluggesellschaften hin. Das Amtsgericht Nürtingen (Urteil 11 C 1219/10) wies die Klage zweier Reisender, die fast zwölf Stunden auf einen Inlandsflug hatten warten müssen und für diese Verzögerung Entschädigungsforderungen geltend machen wollten, entgegen einem eindeutigen Urteil des Europäischen Gerichtshofs ab. Auf das Nürtinger Urteil beriefen sich Fluggesellschaften immer wieder, wenn Ausgleichszahlungen von ihnen verlangt wurden. Das Landgericht Stuttgart (Urteil 13 S 227/10) hat dieses Urteil nun für ungültig erklärt und begründet die Aufhebung mit geltendem EU-Recht, welches die nationalen Gerichte bindet.

„Mit dem Urteil des Landgerichts Stuttgart wurden die Rechte von Flugreisenden nachhaltig gestärkt“, sagt Sven Bode, Geschäftsführer von flightright. „Die Fluggesellschaften können sich nicht mehr hinter dem Nürtinger Urteil verstecken. Die Rechtslage ist eindeutig und auf Seiten der Passagiere.“