Diabetes ohne spezielle Ernährung

Menschen mit Diabetes brauchen keine besonderen Ernährungs- und
Lebensstilempfehlungen

Ergebnisse einer großen
Langzeit-Beobachtungsstudie weisen darauf hin, dass Menschen mit
Diabetes keine anderen Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen benötigen
als die breite Öffentlichkeit. Nach diesen neuen Studiendaten
profitieren sie sogar mehr von den üblichen Empfehlungen als nicht an
Diabetes erkrankte Menschen. Diewertje Sluik, welche die
wissenschaftlichen Arbeiten am Deutschen Institut für
Ernährungsforschung (DIfE) in der Abteilung Epidemiologie
durchführte, publizierte zusammen mit ihren Kollegen ihre Ergebnisse
in der Fachzeitschrift Diabetologia (Sluik, D. et al. 2013; DOI
10.1007/s00125-013-3074-y).

In der neuen Studie untersuchten die Wissenschaftler, ob sich die
Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und Sterblichkeitsrisiko
zwischen Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes unterscheiden.
Basis für die Analyse bildeten die Daten der European Prospective
Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der größten
europäischen Ernährungsstudien, die seit 1992 die Zusammenhänge
zwischen Lebensstil und dem Entstehen chronischer Krankheiten
untersucht. Die Wissenschaftler werteten die Daten von 6.384
Studienteilnehmern mit Diabetes und 258.911 Personen ohne Diabetes aus.

Dabei berechneten die Epidemiologen sowohl bei den Menschen mit Diabetes
als auch bei den nicht an Diabetes erkrankten Personen, welche
Zusammenhänge zwischen dem Sterblichkeitsrisiko und dem
Body-Mass-Index bzw. dem Taillen-Körperlängen-Quotienten, 26
Lebensmittelgruppen, dem Alkoholkonsum, der körperlichen Aktivität und
dem Raucherstatus bestehen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen mit Diabetes im
Vergleich zu Personen ohne Diabetes generell ein um 62 Prozent höheres
Sterblichkeitsrisiko hatten. Wie sie auch zeigen konnten, beeinflussten
in beiden Gruppen jedoch nahezu die gleichen Faktoren das
Sterblichkeitsrisiko. So waren Rauchen, eine geringe körperliche
Aktivität, ein hoher Alkoholkonsum, ein hohes Gewicht, eine obst- und
gemüsearme sowie fett- und fleischwarenreiche Ernährung mit einem
erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Die beiden Personengruppen
unterschieden sich zwar bei den einzelnen Risikofaktoren hinsichtlich
der Stärke der beobachteten Beziehungen, jedoch nicht hinsichtlich der
Richtung der Risikobeziehung. Bei den an Diabetes erkrankten Menschen
fiel auf, dass sich der Verzehr von Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen,
Nudeln, Geflügel und Pflanzenöl besonders positiv auf ihr Sterberisiko
auswirkte.

„Die Studie ist ein Anhaltspunkt dafür, dass die Empfehlungen für eine
gesunde Lebensweise für Menschen mit und ohne Diabetes die gleichen sein
sollten“, so die Autoren. Sie weist aber auch darauf hin, dass
Personen mit Diabetes sich stärker mit ihrer Ernährung auseinandersetzen
sollten, da ihr Sterberisiko zum einen größer ist als das der nicht
erkrankten Menschen und zum anderen sich der Verzehr einiger
Lebensmittelgruppen bei ihnen besonders günstig auswirkt. „Mit dieser
Studie haben wir einen weiteren Hinweis bekommen, dass eine gesunde
Lebens- und Ernährungsweise vielfältige positive Wirkungen besitzt und
dass diese Einsicht auch für schon Erkrankte gilt“, sagt Heiner
Boeing, Leiter der Abteilung Epidemiologie am DIfE sowie der Potsdamer
EPIC-Studie.

Hintergrundinformation:
Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen
Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes
untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn
europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im
Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als
27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die
Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für
Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.
Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner
des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung
www.dzd-ev.de

Zucker, Süßstoff und Stevia: Das sollten Sie wissen

Seit Dezember 2011 ist das aus Pflanzen gewonnene Süßungsmittel Stevia in Deutschland zugelassen. Jetzt haben Sie die Qual der Wahl: Stevia, Zucker oder Süßstoff?

Der ganz normale Haushaltszucker
Der handelsübliche Zucker, also der Haushalts- oder Kristallzucker, wird naturwissenschaftlich Saccharose genannt. Meist wird er aus Zuckerrübe, Zuckerrohr oder Zuckerpalme hergestellt. Alle drei Anbaufrüchte enthalten Saccharose. Schmilzt man Zucker auf 185 °C, entsteht Karamell.

Das Problem: Hoher Konsum von Zucker fördert Übergewichtigkeit. Das liegt daran, dass die Zellen, die für die Appetitkontrolle zuständig sind, im zunehmenden Alter abbauen. Freie Radikale sind schuld an dem Verfall. Sie werden durch große Mengen an Zucker und Kohlenhydraten begünstigt. Die Folgen dieser Zellabnahme sind ein verstärktes Hungergefühl und dadurch das Risiko zu Übergewicht.

Außerdem Zucker ist schlecht für die Zähne. Saccharose ist laut der Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik Hauptfaktor für die Entstehung von Karies.

Alternative: Süßstoff
Liebhaber von den chemisch erzeugten Süßstoffen sind überzeugt, sich kalorienarm zu ernähren, Gegner bewahren Misstrauen aufgrund von Krebs- und Übergewichtsgerüchten. Was stimmt?

Der Verdacht, das Süßmittel krebserregend sind, konnte bisher nicht widerlegt werden. Allerdings ist die Rattenstudie aus den 60er Jahren, auf der sich diese Gerüchte stützen, fragwürdig. Die Süßstoffmenge, die die Ratten zu sich nahmen, entsprach täglich etwa 4.000 Süßstofftabletten oder 20 Kilogramm Zucker. Dass einige Versuchstiere an Blasenkrebs erkrankten, kann vor allem durch die spezielle Reaktion von Nagetieren auf Natriumsalze erklärt werden.

Kaffee schützt vor Diabetes

Kaffee schützt vor Diabetes – Chinesische Studie: Kaffee und schwarzer Tee schützen, grüner Tee nicht

Wer regelmäßig Kaffee trinkt, erkrankt deutlich seltener an Typ-2-Diabetes, berichtet das Apothekenmagazin „Diabetiker Ratgeber“. Das hätten in den letzten Jahren verschiedene Studien gezeigt und sei jetzt durch eine Arbeit aus China bestätigt worden. Dort wurden knapp 37000 Frauen im Abstand von fünf Jahren zu ihrem Kaffee-Konsum befragt. Wer mindestens vier Tassen Kaffee pro Tag trank, hatte ein um 30 Prozent geringeres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Teetrinker erkrankten etwa 14 Prozent seltener – aber nur, wenn sie schwarzen Tee tranken. Grüner Tee reduzierte das Diabetesrisiko nicht. Die genauen Gründe sind nach wie vor unklar.

Das Apothekenmagazin „Diabetiker Ratgeber“ 7/2009 liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Ein hohes Typ-2-Diabetes-Risiko verkürzt die Lebenserwartung um 13 Jahre

Ein hohes Typ-2-Diabetes-Risiko verkürzt die Lebenserwartung um 13
Jahre

Menschen mit einem stark erhöhten Risiko für
Typ-2-Diabetes (Alterszucker) erkranken fast dreimal so häufig an einem
Herzinfarkt und ihre Lebenserwartung ist um etwa 13 Jahre verkürzt – und
dies unabhängig von Alter und Geschlecht. Ebenso erleiden sie fast
doppelt so häufig einen Schlaganfall, wie Menschen mit sehr geringem
Risiko. Dies sind die Ergebnisse der Potsdamer EPIC*-Studie, die die
Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs, Typ-2-Diabetes und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Studienleiter ist Heiner Boeing
vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE).

Die an der Studie maßgeblich beteiligten Wissenschaftler, zu denen auch
Matthias Schulze, von der Technischen Universität München, und Christin
Heidemann, vom Robert-Koch-Institut in Berlin, gehören, veröffentlichten
kürzlich ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift European Journal of
Epidemiology (Heidemann C. et al., 2009, DOI 10.1007/s10654-009-9338-7).

Bereits im Jahr 2007 entwickelten DIfE-Wissenschaftler basierend auf
den Daten der Potsdamer EPIC-Studie den Deutschen Diabetes-Risiko-Test.
Mit diesem Test kann jeder Erwachsene auf einfache aber sehr präzise
Weise sein persönliches Risiko bestimmen, in den nächsten fünf Jahren an
einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Anwendung des Tests erfordert
weder eine ärztliche Untersuchung noch die Analyse von Blutproben, da
lediglich Angaben zu Alter, Taillenumfang, Ernährungsgewohnheiten und
Lebensstil gemacht werden müssen.

Mit der vorliegenden Studie gingen die Wissenschaftler den folgenden
Fragen nach: Haben Personen, die laut Diabetes-Test eine erhöhte
Erkrankungswahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes besitzen, auch ein
höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Und gibt es auch
einen Zusammenhang zwischen dem Testergebnis und dem
Sterblichkeitsrisiko?

Hierzu werteten die Forscher die Daten von 23.455 Frauen und Männern im
Alter zwischen 35 und 65 Jahren aus. Dabei verglichen sie die Werte von
Teilnehmern mit einer niedrigen Erkrankungswahrscheinlichkeit für
Diabetes von unter einem Prozent, mit den Werten von Personen mit einer
höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit. Im Extremfall betrug diese über
zehn Prozent.

Mit steigender Erkrankungswahrscheinlichkeit für Diabetes, erhöhte sich
auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie das
Sterblichkeitsrisiko. So hatten Personen mit sehr hohen Werten im
Diabetes-Risiko-Test unabhängig vom Alter ein 2,7fach erhöhtes
Herzinfarkt- sowie ein 1,9fach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Zudem war
ihr Sterblichkeitsrisiko um das 2,4fache erhöht, was einer um 13 Jahre
verkürzten Lebenserwartung entspricht.

„Wie unsere Untersuchung zeigt, sind die Ergebnisse des Deutschen
Diabetes-Risiko-Tests auch mit anderen Erkrankungsrisiken assoziiert“,
erklärt Matthias Schulze. So seien Personen, die höhere
Diabetes-Testwerte erzielten, ebenfalls stärker gefährdet, einen
Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden und hierdurch vorzeitig zu
sterben. Dass diese Zusammenhänge unabhängig vom Alter der Person seien,
zeige, welch wichtige Rolle Übergewicht, Ernährungsgewohnheiten und
Lebensstil auch für diese Erkrankungen spielten, ergänzt Schulze.
Allerdings solle der Deutsche Diabetes-Risiko-Test nicht als Risikotest
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen werden, dafür sei er nicht
optimiert.

*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition

Hintergrundinformation:

Zur vorliegenden Studie:
Von den 23.455 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern erkrankten
während der Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren 214 Personen an einem
Herzinfarkt. 186 Personen erlitten einen Schlaganfall. Zudem erkrankten
68 Studienteilnehmer an Kolonkrebs, 194 Personen erkrankten an
Brustkrebs und 145 Personen erkrankten an Prostatakrebs. 624 der
Studienteilnehmer starben im Beobachtungszeitraum.

Zusammenhänge zwischen erhöhten Diabetes-Risiko-Testwerten und einem
erhöhten Risiko für Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebs konnten die
Wissenschaftler ebenfalls beobachten. Diese waren aber weitestgehend
altersabhängig.

Die Potsdamer EPIC-Studie ist eine prospektive Beobachtungsstudie. Bei
der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die
Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu
untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte
Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine
Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert
werden kann – ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven
Studien.

Der Deutsche Diabetes-Risiko-Test:
Der Test ist seit 2007 als interaktiver Online-Test und seit 2008 auch
als Fragebogen im Internet verfügbar ( www.dife.de ).

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und
Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte
Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und
Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an
Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder
fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die
Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, davon sind ca. 6500 Wissenschaftler, davon wiederum 2500
Nachwuchswissenschaftler.

Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Krankheiten aus der Küche

Unglaublich, aber wahr: Obwohl sie täglich mit Wasser in Berührung kommen, sind Spülbecken die hygienischen Problemzonen jeder Küche. Wie eine repräsentative Studie der Hochschule Anhalt in Bernburg zeigt, gilt das insbesondere in von Männern geführten Küchen. Professor Ulrike Kleiner und ihr Team untersuchten in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt insgesamt 390 Küchen von Ein- und Mehrpersonenhaushalten. Die Forscher beurteilten Sauberkeit und Zustand von Küchengeräten wie Kühlschrank, Schneidbrett, Messer und Geschirr, die Nasszone (Spülbecken und Spül-lappen) und den Sauberkeitsgrad der Hände.

Die Ergebnisse sind erschreckend. So fällt zum Beispiel die Nasszone in fast allen Haushalten negativ auf: Spül-lappen, Abtropffläche und Abfluss sind am stärksten mit Keimen belastet. Bei der Händehygiene gibt es, optimistisch ausgedrückt, ebenso großes Verbesserungspotenzial. Nur knapp ein Drittel der Befragten waschen sich die Hände vor und während der Lebensmittelzubereitung. Dabei fallen vor allem die Männer über 65 Jahren auf. 65 Prozent dieser Gruppe reinigen sich lediglich bei Verschmutzung ihre Hände.

Dass Hygienemängel keine Bagatellen sind, zeigt eine aktuelle Meldung des Robert-Koch-Instituts: Norovirus-Erkrankungen könnten sich nach einer Rekordwelle im vergangenen Jahr auch in diesem Winter wieder epidemieartig ausbreiten, vermuten die Experten. Eine Infektion mit dem Norovirus führt vorübergehend zu Brechdurchfällen, insbesondere für Senioren kann er in seltenen Fällen auch tödlich sein.
Der Erreger breitet sich am häufigsten über virushaltiges Erbrochenes, den Stuhl der Erkrankten und über den Kontakt mit verschmutzten Türgriffen und Flächen aus.
Aber auch über virushaltige Speisen oder Getränke ist eine Ansteckung möglich. Was die wenigsten wissen: Insgesamt haben gut die Hälfte aller Lebensmittelvergiftungen in Deutschland ihren Ursprung in der heimischen Küche. Im Gegensatz zu Gammelfleisch, Acrylamid und anderen Skandalen nehmen die meisten Verbraucher die Gefahren durch eigene Hygienemängel weniger ernst.

Damit die heimische Küche nicht zur „Keimschleuder“ gerät, fordert Studienleiterin Kleiner deshalb eine entsprechende Sensibilisierung der Verbraucher. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dafür eigens eine „Fünf-Schlüssel-Strategie“ entwickelt:

1. Hände und Arbeitsflächen in der Küche sauber halten
2. Trennung roher und gekochter Speisen
3. Sorgfältige Erhitzung der Lebensmittel
4. Lagerung von Lebensmitteln bei „sicheren Temperaturen“
5. Sauberes Wasser und saubere Ausgangsprodukte verwenden
( Franziska Röseberg )

Vorsicht bei Rohwurst aus Südeuropa

Trichinellose-Gefahr durch lokal hergestellte Rohwürste aus Osteuropa

Rohwurst und Rohschinken gehören nicht ins Reisegepäck

Die Trichinellose ist in Deutschland selten geworden, seit jedes Schwein bei der Schlachtung auf Trichinen untersucht wird. Vereinzelte Erkrankungsfälle, die in der jüngeren Vergangenheit aufgetreten sind, standen in engem Zusammenhang mit dem Verzehr von Fleischprodukten aus Risikogebieten in Osteuropa. So erkrankten im Januar 2007 drei Familienmitglieder nach einem Aufenthalt bei Verwandten in Rumänien. Als Infektionsquelle wurde Rohwurst und Schinken eines Schweines identifiziert, das zu Hause geschlachtet worden war. Mehr als 170 Personen erkrankten kürzlich in der polnischen Urlaubsregion Westpommern an Trichinellose. Ursache für den Ausbruch sind mit großer Wahrscheinlichkeit mit Trichinellen kontaminierte Rohwürste (Rohpolnische), die nur lokal verkauft und in der Zwischenzeit vom Hersteller vom Markt genommen wurden. Erkrankungsfälle bei deutschen Urlaubern sind bisher nicht bekannt geworden. Die Beispiele zeigen, dass ein Gesundheitsrisiko bestehen kann, wenn die Vorschriften für die Herstellung von Lebensmitteln nicht konsequent eingehalten werden und trichinenhaltiges Fleisch zur Herstellung von Wurstwaren verwendet wird. „In osteuropäischen Ländern, die ein erhöhtes Trichinellose-Risiko haben, können Reisende sich selbst schützen, indem sie auf den Verzehr von rohem Fleisch oder daraus hergestellten Produkten, wie Rohwurst oder Rohschinken verzichten“, empfiehlt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Touristen sollten aus diesen Ländern auch keine Rohwurst oder Rohschinken mit nach Hause nehmen.

Die Trichinellose (Syn. Trichinose) ist eine seltene, aber gefährliche lebensmittelbedingte Infektionserkrankung. Sie wird durch Fadenwürmer der Gattung Trichinella verursacht. Über rohes oder nicht ausreichend erhitztes Fleisch, aber auch über Rohwürste, die aus dem Fleisch befallener Schweine hergestellt wurden, können die im Muskelfleisch enthaltenen Larven vom Menschen aufgenommen werden. Sie reifen in der Schleimhaut des Dünndarms zu Fadenwürmern und produzieren dort Larven, die in das Muskelgewebe einwandern. Anzeichen einer Infektion sind im Anfangsstadium Mattigkeit, Schlaflosigkeit, Durchfall und Erbrechen. Nach etwa ein bis zwei Wochen treten die typischen Symptome wie Muskelverhärtung, Muskelschmerzen und Wassereinlagerungen (Ödeme) im Gesicht auf.

In der Europäischen Union ist die Untersuchung von Schweinen auf Trichinen deshalb vorgeschrieben. Hausschweinebestände in Deutschland sind bis auf ganz seltene Einzelfälle trichinenfrei. In anderen Ländern (wie z.B. Rumänien, Polen, Kroatien, Serbien, Litauen, Lettland) können dagegen sowohl Haus- als auch Wildschweine mit diesem Parasiten infiziert sein.

Rohes Fleisch oder daraus hergestellte Produkte, wie Rohwurst oder Rohschinken sollten in diesen Ländern vorsorglich nicht verzehrt werden und gehören auch nicht ins Reisegepäck.

Trichinen-Larven im Schweinefleisch werden abgetötet, wenn Fleisch über 20 Tage bei mindestens -15°C eingefroren wird. Die Stücke dürfen dabei nicht dicker sein als 15 Zentimeter, um die Temperatur im Kern zu erreichen. Die Larven werden auch beim Kochen und Braten abgetötet, wenn das Fleisch so hoch erhitzt wird, dass die Farbe im Kern grau ist. Bei Krankheitssymptomen sollten betroffene Personen unbedingt einen Arzt aufsuchen und diesem von dem Verzehr der fraglichen Wurstwaren berichten. Der Arzt kann dann abklären, ob die Symptome auf eine Trichinellose zurückzuführen sind oder ob es sich um einen vergleichsweise harmlosen grippalen Infekt handelt, der mit ähnlichen Beschwerden einhergeht.

Weitere Informationen zur Erkennung, Behandlung und Verhütung der Trichinellose enthält ein Merkblatt für Ärzte, das auf der Homepage des BfR ( www.bfr.bund.de ) unter dem Menupunkt Publikationen/Merkblätter für Ärzte zur Verfügung steht.

Parkinson ausgelöst durch Pestizide?

Bisher beschränkte sich das Wissen über die Parkinson Krankheit lediglich auf das Zusammenspiel altersbedingter degenerativer Veränderungen und genetischer Faktoren. In einer kürzlich erschienen Studie konnten Wissenschaftler nun einen Zusammenhang zwischen der Entstehung der Erkrankung und dem Einsatz von Pestiziden beobachten.

Die Untersuchung betrachtete dabei die Gesundheitsdaten von Feldarbeitern, die großen Mengen Pestiziden ausgesetzt waren. Dabei zeigte sich, dass die Anzahl der Erkrankten im Verlauf der Studie anstiegen. Nach Meinung des Wissenschaftlers Doktor Freya Kamel stehen Pestizide im Verdacht den Dopaminhaushalt zu beeinflussen. Dopamin leitet als Neurotransmitter Impulse zwischen den Nerven weiter. Sterben die Gehirnzellen ab, welche diesen Botenstoff herstellen, tritt in der Folge die Erkrankung mit den dafür typischen Symptomen wie Muskelstarre, Muskelzittern oder Bewegungsarmut auf.

Schon in früheren Studien ließen sich ähnliche Zusammenhänge beobachten. Aus diesem Anlass verkündete das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Stellungnahme, dass es vermutlich zwischen beiden Faktoren eine Verbindung gibt, jedoch ist die Ursache für die Entstehung der Erkrankung unbekannt. Neben einem möglichen Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und Parkinson Krankheit ließen sich in anderen Studien bei Personen mit häufigem Pestizidkontakt darüber hinaus DNA-Schäden feststellen. Solche Schäden können unter anderem einen Einfluss auf die Entstehung von Krebserkrankungen haben.

Daher mahnen Verbraucherschützer bereits zur Vorsicht. Denn wie sich eine regelmäßig hohe Aufnahme von pestizidgedüngtem Gemüse und Obst langfristig auf die Verbraucher auswirkt, ist noch ungeklärt. Aus Italien und Spanien importierte Ware ist in den letzten Monaten des Öfteren durch die hohe Konzentration an Schadstoffen aufgefallen. Im Schnitt ist die Belastung, den Untersuchungen des Landes Baden-Württemberg zufolge, doppelt so hoch wie bei inländischem Gemüse und Obst. Daher warnte das Bundesland in den vergangenen Wochen wiederholt vor dem Verzehr von Gemüse wie beispielsweise Paprika aus Spanien.

Ein weiterer Risikofaktor könnte die Kombination der einzelnen Pestizide darstellen, selbst wenn diese unter den Grenzwerten vorliegen. Wer generell lieber pestizidfreie Lebensmittel zu sich nehmen möchte, dem bieten sich als Alternative Produkte aus dem biologischen Anbau an.