Auch bei Anschlußflügen Ausgleichszahlung

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Passagierrechte von Flugreisenden nun auch bei verspäteten Anschlussflügen gestärkt, berichtet Deutsche Welle TV. In dem in Luxemburg entschiedenen Fall hatte eine deutsche Reisende geklagt. Sie hatte mit Air France einen Flug von Bremen über Paris und Brasilien nach Paraguay gebucht. Da die Maschine in Bremen mit einer zweieinhalb-stündigen Verspätung startete, verpasste die Frau ihre beiden Anschlussflüge. Die Fluglinie hatte die Ausgleichszahlung mit der Begründung veweigert, entscheidend sei die Verspätung beim Abflug und nicht bei der Ankunft am Ziel nach mehreren Anschlussflügen. Dem widersprachen die Richter: Für den Anspruch einer Ausgleichszahlung von bis zu 600 Euro sei die Verspätung von mehr als drei Stunden am Endziel maßgeblich und nicht die zum Zeitpunkt des Abflugs Erst Ende Januar hatte der EuGH die Rechte von Reisenden bei Flugannullierungen erheblich gestärkt.

In einem anderem Gerichtsverfahren zu Flugzeiten kündigt die TUI Berufung an, so dass das Verfahren in höherer Instanz fortgeführt wird.

Eine Klausel, mit der sich ein Veranstalter von Pauschalreisen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorbehält, nachträglich einseitig die Flugzeiten zu ändern, ist unwirksam. Der Reiseveranstalter verwendete im verhandelten Fall konkret die Klausel: «Die endgültige Festlegung der Flugzeiten obliegt dem Veranstalter mit den Reiseunterlagen». Das OLG Celle hält diese Klausel für unwirksam, weil sie gegenüber dem Reisenden zum Ausdruck bringt, die Flugzeiten können jederzeit ohne Begründung geändert werden. Der Reiseveranstalter darf sich in AGB aber keine völlig freie Flugzeitenänderung vorbehalten. Weder kann der Veranstalter ohne Angabe triftiger Gründe einseitig neue Flugzeiten bestimmen, noch im Fall nicht benannter Flugzeiten diese ohne berechtigtes Interesse einseitig erstmalig festlegen, erläutern ARAG Experten (OLG Celle, Az.: 11 U 82/12).

Marktcheck von Foodwatch zu sog. "Kinderlebensmitteln" ist unseriös

Die Ergebnisse des vom Unternehmen Foodwatch verfassten Reports zu sog. „Kinderlebensmitteln“ halten einer näheren Überprüfung nicht stand. Der Report ist aus Sicht der Lebensmittelwirtschaft einseitig und die daraus abgeleiteten Forderungen sind überzogen. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. rügt als Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft folgende Punkte:

Die Auswahl der sog. „Kinderlebensmittel“ durch eine eher unmethodische Recherche ist willkürlich und folgte offenbar nur dem Ziel, möglichst viele Produkte in eine „rote“ also negative Kategorie einsortieren zu können. So existiert beispielsweise keine Definition von „Kinderlebensmitteln“. Zudem werden zahlreiche der genannten Produktkategorien wie etwa Frühstücksflocken zu mehr als 80% von Erwachsenen verzehrt.

Die von Foodwatch genannte Zahl von 1.514 „Kinderlebensmitteln“ täuscht darüber hinweg, dass der Anteil sog. „Kinderlebensmittel“ am Gesamtsortiment nur sehr klein ist. Vergleicht man diese Zahl mit dem Angebot von rund 100.000 Artikeln in einem durchschnittlich großen Supermarkt, so machen „Kinderlebensmittel“ gerade einmal 1,5 % aus.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Übergewicht bei Kindern zahlreiche Ursachen hat. Eine der wichtigsten sind dabei Bewegungsmangel und der gesamte Lebensstil. So bewegen sich vor allem Kinder und Jugendliche heute deutlich weniger als vor zehn oder 20 Jahren. Es ist deshalb falsch, kindliches Übergewicht allein auf die Ernährung zurück zu führen und hierfür wiederum ausschließlich die Lebensmittelwirtschaft verantwortlich zu machen.

Foodwatch verkennt, dass es keine „gesunden“ oder „ungesunden“ Lebensmittel gibt, sondern nur eine unausgewogene oder ausgewogene Ernährung. In einer ausgewogenen Ernährung haben auch sog. „Kinderlebensmittel“ ihren Platz. Die von Foodwatch erhobenen Forderungen, ausschließlich „ausgewogene“ Lebensmittel herzustellen und zu bewerben, sind deshalb absurd.

Foodwatch leistet keinen Beitrag zur Förderung einer ausgewogenen Ernährung. Mehr noch, das Unternehmen schürt bewusst eine irrationale Zucker- und Fett-Hysterie und attackiert damit die Wahlfreiheit der Verbraucher und die Lebensmittelvielfalt. Letzten Endes maßt sich Foodwatch damit an, für den Konsumenten zu entscheiden, was sich auf seinem Tisch finden darf und was nicht.

Die unmittelbare Verantwortung der Lebensmittelwirtschaft besteht in der Produktion geschmackvoller, hochwertiger und sicherer Lebensmittel, die auch Spaß machen und zu mehr Lebensfreude beitragen. Darüber hinaus engagiert sich die Lebensmittelwirtschaft im Rahmen ihres gesamtgesellschaftlichen Engagements in vielfältiger Weise. Zahlreiche sportliche und schulische Veranstaltungen würde es ohne diese Unterstützung überhaupt nicht geben. Daher ist es auch widersprüchlich, wenn Foodwatch den Unternehmen einerseits mangelnde Verantwortung vorwirft, Ihnen aber andererseits ihre vielfältigen, sozialen Aktivitäten untersagen will.

Saison für Diätenwahn

Zur Beginn der Fastenzeit, spätestens aber in den März-Ausgaben von Zielgruppenzeitschriften finden wir sie in jedem Jahr: die grandiosen, ultimativen und brandneuen Diäten – mit Abnehmgarantie oder Bikini-Figur-Gewähr. Die meisten medial gepriesenen Diäten sind nicht weiter zu beanstanden, einige sind sogar durchführbar, wenige jedoch nicht ganz ungefährlich. Letztere entweder tatsächlich körperlich, zumindest aber führen sie im Geldbeutel längerfristig zur Abnahme.

Den Überblick zu bewahren, was eine gute Diät ausmacht, ist also gar nicht so einfach. Nicht einmal für Ernährungsfachleute, geschweige denn für die Menschen, die wirklich abnehmen möchten oder aus gesundheitlichen Gründen müssen. Daher hier einige Faustregeln, die es leichter machen, angepriesene Diäten zu beurteilen:

Eine gute Diät
– ist abwechslungsreich, macht satt und schmeckt,
– kennt keine Verbote,
– berücksichtigt persönliche Vorlieben und Abneigungen,
– verringert das Gewicht Schritt für Schritt,
– gibt geringe Vorgaben zum Gewichtsverlust,
– vermittelt einen neuen Ess- und Lebensstil, den man auf Dauer halten kann.

Vorsicht, wenn die Diät folgende Merkmale aufweist: Sie
– ist unausgewogen und einseitig in der Lebensmittelauswahl (weniger als fünf verschiedene Lebensmittel pro Tag),
– verspricht eine Gewichtsabnahme ohne Änderung der Essgewohnheiten,
– verspricht hohen Gewichtsverlust in kurzer Zeit (zum Beispiel drei Kilogramm in drei Tagen),
– ist mit dem zusätzlichen Verkauf von Wunder- oder Schlankheitsmitteln verbunden,
– gibt eine Erfolgsgarantie.

Weitere Informationen rund um das Gewicht, inklusive einem Body-Check und der Möglichkeit in einem Forum zu diskutieren, gibt es auf www.was-wir-essen.de in der Rubrik „Spezielle Ernährungsinfos“/Übergewichtige“
Harald Seitz, Dorle Grünewald-Funk, www.aid.de

Weitere Informationen: aid-Heft „Mein Weg zum Wohlfühlgewicht“, Bestell-Nr. 61-1389, 2,50 Euro. www.aid-medienshop.de

Gesundheit trotz Mangelernährung

Ernährungswissenschaftlerin untersucht Ernährungsgewohnheiten der Maasai

Der menschliche Körper ist ein wahres Wunderwerk. Neue Belege dafür hat Nadja Knoll beim Hirtenvolk der Maasai im ostafrikanischen Kenia gefunden. Für ihre Diplomarbeit untersuchte die Ernährungswissenschaftlerin von der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ernährungsgewohnheiten eines nomadisch lebenden Stammes im Kajiado-District. Die verblüffende Erkenntnis der Feldstudie: Obwohl sich die Maasai einseitig und mangelhaft ernähren, sind sie erstaunlich gesund.

Untersuchungen des Blutes haben gezeigt, dass sich in den Erythrozyten-Membranen, den „Zellwänden“ der roten Blutkörperchen, gesunde Omega-3-Fettsäuren finden, obwohl sie nicht über die Nahrung aufgenommen wurden. „Diese Ergebnisse haben uns überrascht. Sie beweisen die enorme Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus“, sagt Prof. Dr. Gerhard Jahreis vom Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie, unter dessen Leitung die Studie durchgeführt wurde.

Massai sind nicht blutrünstig

Die Feldarbeit in Afrika brachte noch eine neue Erkenntnis: Nadja Knolls Studie belegt, dass die tradierten Erzählmuster über die Ernährungsgewohnheiten der Maasai nicht zutreffen. Afrika-Reisende wie Gustav Adolf Fischer (1848-1886) und der Brite Joseph Thomson (1858-1895) haben das Bild von den blutrünstigen Maasai verbreitet. Ihren Berichten zufolge ernährte sich das Hirtenvolk vorrangig von Fleisch, Milch und Blut. Besonders hoch sollte der Anteil von fermentierter Milch sein, einer Art Joghurt. Nadja Knolls Ergebnisse sprechen da eine andere Sprache. Die Wissenschaftlerin von der Jenaer Universität fand heraus, dass die Maasai zum Frühstück stark gesüßten Milchtee zu sich nehmen. Einige Maasai verzehren vormittags „Porridge“, einen flüssigen Brei aus Maismehl, Wasser, etwas Milch und Zucker. Zum Mittag gibt es meistens Milch und „Ugali“, eine Art Polenta, die aus Maisgrieß und Wasser zubereitet wird. „Das Abendessen gleicht dem Mittag“, sagt Knoll. Die Wissenschaftlerin verweist darauf, ihre Feldstudie am Ende der Trockenzeit erstellt zu haben. In der – deutlich kürzeren – Regenzeit können die Ergebnisse etwas anders ausfallen. Geben die Tiere der Maasai doch in der Regenzeit mehr Milch. Diese wird dann in Flaschenkürbissen fermentiert, so dass ein joghurtähnliches Getränk entsteht, das möglicherweise probiotische Eigenschaften aufweist.

Fleisch steht selten auf dem Speisezettel

Fest steht, dass Fleisch selten auf dem Speisezettel der Nomaden steht. Der Anteil pflanzlicher Nahrung liegt deutlich über 50 Prozent. Bevorzugt wird das Fleisch von Schafen oder Ziegen gegessen, während die traditionellen Zebu-Rinder nur selten verzehrt werden. „Ein Rind schlachten die Maasai höchstens zu rituellen Feiern“, sagt Knoll.

Ihre Studie hat Nadja Knoll gemeinsam mit Fachkollegen der kenianischen Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology von Juja/Nairobi erstellt. Bevor die Feldforschung beginnen konnte, musste eine Ethikkommission das Vorhaben genehmigen. Angesichts einer hohen HIV-Rate im Land wurden besonders die geplanten Blutproben genau hinterfragt.

Der Ergebnisse der Jenaer Ernährungswissenschaftlerin sollen in einem internationalen, renommierten Fachjournal veröffentlicht werden.

Die Wahrheit über unser Essen

Es gibt so viele Ernährungsratschläge wie Diät-Experten – und doch werden die Menschen immer unsicherer, viele ernähren sich einseitig, werden dick und krank. Hier gilt inzwischen rund die Hälfte der Bevölkerung als übergewichtig.

Gleichzeitig geraten bislang sichere Dogmen ins Wanken: Nicht für jeden ist eine Ernährung mit Vollkorn und vielen Ballaststoffen gut. Und wer abnehmen will, muss sich vor allem satt essen. Das klingt paradox, doch neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass es leichterfällt, sein Gewicht zu halten, wenn man sich regelmäßig satt isst anstatt immer mal wieder kleine Mahlzeiten zu naschen. Ob Cholesterin überhaupt zu Gefäßschäden führt (mit den möglichen Folgen Herzinfarkt oder Schlaganfall), wird inzwischen ebenso infrage gestellt. Mit der Nahrung aufgenommenes Cholesterin aus Eiern, Butter oder Fleisch wirkt sich auf den körpereigenen Cholesterin-Spiegel so gut wie nicht aus.

Humorvoll, doch mit Wissen auf neuestem Stand, präsentiert ‚Gesundheit!‘ was nach neuen Erkenntnissen wichtig für die Ernährung ist, welche Faktoren für Übergewicht entscheidend sind und wo Verbraucher, aber auch Experten umdenken müssen.
Die Experten in der Sendung sind: Prof. Dr. med. Volker Schusdziarra, Else Kröner-Fresenius -Zentrum für Ernährungsmedizin – Klinik für Ernährungsmedizin (TU München) und Ulrike Gonder, Wissenschaftsjournalistin und Dipl.-Ökotrophologin.

Bayern, Dienstag, 24.06., 19:00 – 19:45 Uhr: Gesundheit! Mahlzeit! Die Wahrheit über unser Essen