Arche des Geschmacks

Slow Food Arche des Geschmacks als offizielles Projekt ausgezeichnet

Die Slow Food Arche des Geschmacks wurde als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Die Slow Food Arche des Geschmacks arbeitet schon seit 1996 für den Schutz der biologischen Vielfalt, in Deutschland und weltweit, weil die Vielfalt der regionalen Tierrassen, Pflanzensorten und Lebensmittel auch die Vielfalt auf dem Teller garantiert. „Vielfalt sorgt für das Gleichgewicht in der Natur und ermöglicht es Menschen, sich vielfältig und nachhaltig zu ernähren. Die Folgen einer mangelnden biologischen Vielfalt hat die Menschheit in ihrer Geschichte schon öfter hart zu spüren bekommen, ob natürlich bedingt oder als Konsequenz der industrialisierten, monokulturellen Landwirtschaft. Biodiversität kräftigt die Landwirtschaft auf eine natürliche Art und Weise,“ so Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e. V.

Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein bedeutendes Zeichen für das Engagement für die biologische Vielfalt in Deutschland gesetzt. Die Arche des Geschmacks sammelt und beschreibt fast vergessene, traditionelle Lebensmittel, Kulturpflanzen und Nutztierrassen: „Sie sind oft in Gefahr völlig zu verschwinden, weil ihre Herstellung aufwändig ist, sie selten auf den Markt kommen und so weniger gegessen werden. Was nicht nachgefragt wird, wird auch nicht produziert,“ erklärt Hudson. Das Gegenmittel ist einfach: Essen, was man retten will! Ausnahmen sind allerdings gefährdete wildwachsende Nahrungsmittel, die man weniger oder nicht essen soll, um ihren Erhalt und ihre Vermehrung zu ermöglichen.

Slow Food will diese traditionellen Spezialitäten wieder bekannt machen, um sie zu erhalten. Seltene lokale Produkte können innerhalb weniger Generationen ganz verloren gehen, wenn sie nicht weiter angebaut, gezüchtet oder hergestellt werden – und mit ihnen das Wissen und Können um ihre Herstellung. Aber jeder kann sich für den Erhalt der seltenen Spezialitäten einsetzen, in dem er einen Kandidaten zur Arche des Geschmacks anmeldet, ein Arche-Erzeugnis isst oder die Geschichte des Produkts und seiner Erzeuger weitererzählt und lebendig hält. Derzeit beherbergt die Arche des Geschmacks in Deutschland etwa 50 Lebensmittelprodukte, die sogenannten Arche-Passagiere – weltweit sind es mehr als 1.700 Passagiere in über 80 Ländern.

Dieser Einsatz hat die Juroren und Jurorinnen des UN-Dekade-Wettbewerbs sehr beeindruckt. Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhält Slow Food Deutschland einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die bunte Vielfalt und einzigartige Schönheit der Natur steht, zu deren Erhaltung die Slow Food Arche des Geschmacks einen wertvollen Beitrag leistet. Ab sofort wird das Projekt auf der deutschen UN-Dekade-Webseite unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de vorgestellt.

Das ausgezeichnete Projekt hat an dem Wettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt teilgenommen; eine namhafte Jury hat über die Qualität der eingereichten Projekte entschieden. Der fortlaufende Wettbewerb wird von der Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt mit Sitz in Osnabrück ausgerichtet. Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist. Möglichst viele Menschen sollen sich von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und die ausgezeichneten Projekte als Beispiel zu nehmen, selbst im Naturschutz aktiv zu werden. Die natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet nicht nur, die Schönheit der Natur zu bewahren. Es bedeutet auch, die Grundlagen des Überlebens von uns allen zu sichern.

Die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu strebt die deutsche UN-Dekade eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an. Die Auszeichnung nachahmenswerter Projekte soll dazu beitragen und die Menschen zum Mitmachen bewegen.

Interessierte Einzelpersonen, ehrenamtlich Tätige und Institutionen die sich für die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch Forschungs-, Bildungs- oder Naturschutzmaßnahmen einsetzen, sind eingeladen sich an dem fortlaufenden Wettbewerb zu beteiligen. Die Jury entscheidet etwa halbjährlich über die Auszeichnungen. Seit Juni 2012 werden wöchentlich beispielhafte Projekte zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet und offiziell vorgestellt.

Die Passagiere der Slow Food Arche des Geschmacks
Die große Mehrheit der Passagiere sind vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten. Die kleinere Gruppe sind handwerklich hergestellte Lebensmittel wie Wurst- und Käsespezialitäten oder Backwaren, die nur noch von wenigen Herstellern erzeugt werden.

Alleine im letzten halben Jahr hat sich die Arche des Geschmacks in Deutschland um zwölf Passagiere vergrößert, darunter der Bremer Scheerkohl. Der Scheerkohl war in Bremen bis Ostfriesland traditionell das erste und letzte regionale Grüngemüse des Jahres: Bereits Mitte April und im Herbst bis zum Frost „scheerte“ man die jungen, federartig eingeschnittenen Blätter der noch nicht in Stängel geschossenen Rapspflanzen. Preiswert und einfach anzubauen, stand er mehrfach in der Woche auf dem Tisch – mit Kassler, Pinkel oder Speck zubereitet und mit Kartoffeln serviert. Heute werden die milden, zarten Blätter als Salat, Suppe und als Cannelloni- oder Crêpe-Füllung verwendet. Je älter die Pflanze wird, desto mehr erhöht sich ihr Gehalt an Senfölen. Der Geschmack erinnert an Grünkohl und Rauke mit leichter Schärfe. In den 1960er Jahren war der Scheerkohl fast verschwunden. Importiertes Gemüse und kurze Haltbarkeit nach der Ernte machten ihn für Verbraucher und Händler uninteressant. Heute ist er – mit der Unterstützung des Slow-Food-Conviviums Bremen – wieder auf einigen Wochenmärkten der Region zu bekommen.

Mehrere der von Slow Food geförderten Lebensmittel haben inzwischen auch eine geschützte geografische Angabe oder eine geschützte Ursprungsbezeichnung der Europäischen Union erhalten. Beispiele aus Deutschland sind eine seltene, am Bodensee angebaute Zwiebelsorte – die Höri Bülle oder die Diepholzer Moorschnucke. Die Moorschnucke, auch Weiße Hornlose Heidschnucke genannt, ist eine lokale Schafrasse der Diepholzer Moorniederung. Da die Tiere eine vielfältige, vor allem aus Wildpflanzen bestehende Nahrung sowie viel Bewegung genießen, weist ihr Fleisch eine exzellente Struktur und dunkle Farbe auf. Gebraten bleibt es zart, gleichzeitig kommt sein würzig-vollaromatischer, wildbretartiger Geschmack besonders gut zum Ausdruck. Ursprünglich war die Schafhaltung für die Bauern in der Region nur ein geringer Zuerwerb und verlor langsam an Bedeutung. So war die Moorschnucke fast ausgestorben. Heute ist sie ein unverzichtbarer Partner bei der Renaturierung der Moore: die Schnucken halten die Landschaft offen und pflegen so einen Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

www.slowfood.de]

CookUOS

Freude bei Sternekoch Thomas Bühner:
Das von ihm als Schirmherr unterstütze Projekt CookUOS der Universität Osnabrück erhält erneut eine Auszeichnung der Deutschen UNESCO-Kommission

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat das von Sternekoch Thomas Bühner als Schirmherr unterstütze Projekt CookUOS der Universität Osnabrück als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung erhalten Initiativen, die das Anliegen dieser weltweiten Bildungsoffensive der Vereinten Nationen vorbildlich umsetzen: Sie vermitteln Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. „CookUOS zeigt seit 2011 eindrucksvoll, wie zukunftsfähige Bildung aussehen kann. Das Votum der Jury würdigt das Projekt, weil es verständlich vermittelt, wie Menschen nachhaltig handeln“, so Prof. Dr. Gerhard de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees und der Jury der UN-Dekade in Deutschland.

CookUOS – Kochen und Essen in den Spannungsfeldern Natur, Nachhaltigkeit und Ökologie – ist ein Projekt des Bereichs Gesundheitswissenschaften der Universität Osnabrück. Projektkoordinator Uwe Neumann hat damit einen interdisziplinären, handlungsorientierten Ansatz zur nachhaltigen Schulung von Multiplikatoren im Bildungswesen geschaffen und Spitzenkoch Thomas Bühner bereits 2011 als Schirmherr für das Projekt und Akteur für den seminarbegleitenden Kochkurs gewonnen. Dieser findet als interdisziplinäre Multiplikatorenschulung im Rahmen der Initiative Bildung für nachhaltige Entwicklung in der universitären Lehramtsausbildung statt und richtet sich an angehende Lehrer und Lehrerinnen, aber auch bereits im Beruf tätige Pädagogen und Pädagoginnen. Ziel ist eine nachhaltige Vermittlung von gesundheitlich relevanten Themen, beispielsweise in Bezug auf Ernährung und Essverhalten, sowie eine inhaltlich sinnvolle Ergänzung zu den fachspezifischen Lehrangeboten. Weitere Informationen dazu sind unter www.cookuos.uni-osnabrueck.de zu finden.

UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014)
Nachhaltige Entwicklung funktioniert nur, wenn sich jeder für eine menschenwürdige Gesellschaft einsetzt. Die notwendigen Fähigkeiten dazu vermittelt Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Mit der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014) haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, diese Art des Lernens in ihren Bildungssystemen zu verankern. Auf Grundlage eines einstimmigen Bundestagsbeschlusses koordiniert die Deutsche UNESCO-Kommission die deutschen Aktivitäten zur UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Sie hat ein Nationalkomitee berufen und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine Dekade-Koordinierungsstelle eingerichtet. Eine Jury aus Experten entscheidet über die Auszeichnung der Bildungsprojekte. Voraussetzung ist die Ausrichtung der Arbeit an den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. So müssen Wissen und Kompetenzen aus den drei Nachhaltigkeits-Dimensionen Wirtschaft, Soziales und Umwelt vermittelt werden. Außerdem ist wichtig: Die Projekte haben einen innovativen Charakter, wirken in die Breite und bemühen sich um die Zusammenarbeit mit anderen Projekten.

Japaner essen mehr Fleisch als Fisch

Aktueller Regierungsbericht bestätigt Lifestyle-Änderungen

Nach einer neuen Studie der
japanischen Regierung haben die Japaner 2006 erstmals mehr Fleisch als
Fisch verzehrt. Im darauf folgenden Jahr hat sich der Appetit nach
Fleisch sogar noch weiter gesteigert. Offensichtlich ist auch in Japan
ein deutlicher Wechsel im Lebensstil zu beobachten. Die Studie kommt zum
Schluss, dass ein Grund der veränderten Ernährung auch darin liegt, dass
Fleischspeisen schneller zubereitet werden können.

Die japanische Regierung plant jetzt gezielte Demonstrationen, um auf
die Gefährdung der japanischen Fischereiindustrie aufmerksam zu machen.
Trotz der nun vorherrschenden Trends essen die Japaner immer noch mehr
Fisch, als alle anderen Industrienationen. In der vergangenen Dekade sei
der Fischkonsum in allen Generationen allerdings massiv zurückgegangen.
Weltweit erfreut sich die japanische Küche, vor allem Sushi und Sashimi,
wachsender Popularität. Meeresbiologen warnen indessen vor dem Overkill
in den Ozeanen, denn die bevorzugten Speisefische wie Tunfische sind
weltweit davon betroffen. Das größte Problem dabei ist, dass sich die
Bestände nur sehr langsam erholen.

„Die Reproduktion der Tunfische dauert zu lange“, meint
Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms http://www.greenpeace.at im
Interview. Ein anderes großes Problem stelle vor allem die so
genannte Tunfisch-Mast dar. „Dabei werden die Jungfische gefangen und in
Käfigen langsam durch das Meer gezogen“, erklärt Helms. Die Tiere
werden, bevor sie getötet werden, richtig gemästet. Im Zentrum der
Kritik der Umweltorganisation steht hier die unkontrollierte Entnahme
von Jungfischen. Zudem werden damit die Überlebenschancen der Tiere
deutlich verringert. Ausgewachsene Rote Tunfische – auch Blauflossen Tun
– können 15 Jahre alt, bis zu 4,5 Meter lang und 600 Kilogramm schwer
werden. Japan importiert jährlich 650.000 Tonnen Tun – in erster Linie
aus dem Indischen und Pazifischen Ozean.

Die Japaner halten die Tradition ihrer eigenen Küche sehr hoch und
hatten 2007 eine Richtlinie für japanische Restaurants im Ausland
erlassen, um „Verfälschungen“ zu verhindern. Der aus Repräsentanten von
Wirtschaft, Gastronomie und Wissenschaft zusammengesetzte Rat, den der
japanische Agrarminister ins Leben rief, legte eine Empfehlung vor, die
auf der Homepage des Ministeriums eingesehen werden kann
http://www.maff.go.jp/gaisyoku/kaigai/ . Wolfgang Weitlaner