Jakob Strobel y Serra

Von der kulinarischen Diaspora zum Schlaraffenland
Jakob Strobel y Serra, stellvertretender Leiter des Feuilletons der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, schreibt immer freitags seine Kolumne „Geschmackssache“, in der er die deutsche Spitzengastronomie portraitiert.

Jakob Strobel y Serra

Rastlos ist er in einem Deutschland unterwegs, das zu einem Schlaraffenland des guten Geschmacks geworden ist. Doch er muss auch immer wieder feststellen, wie wenig Wert die Deutschen generell auf hochwertige Nahrung legen.

„Deutschland ist eines der reichsten Länder der Erde, aber beim Essen benehmen wir uns oft so, als nagten wir am Hungertuch“, gibt der Autor zu bedenken, der das Glück hat, jede Woche in einem deutschen Spitzenlokal essen zu können – sehr oft ein berauschendes Vergnügen, das sich seiner Meinung nach viel mehr Menschen leisten sollten.

Als Kind einer Spanierin aus Barcelona und eines Deutsch-Österreichers mit böhmischen Wurzeln wuchs Jakob Strobel y Serra in einer siebenköpfigen Familie auf, in der das gemeinsame Essen der zentrale Punkt des Familienlebens war. Fertigprodukte oder Fast Food gab es nicht, stattdessen wurde mit guten Produkten selbst gekocht. Jedes Familienmitglied hatte eine fest zugewiesene Rolle in der Küche, er selbst war der Saucier. So lernte er schon früh, seinen Gaumen für den guten Geschmack zu schulen.

Das ist unglücklicherweise keine Selbstverständlichkeit in Deutschland, ganz im Gegenteil. Nur etwa zehn Prozent ihres frei verfügbaren Einkommens geben die Deutschen für Essen aus, weit weniger als die meisten ihrer europäischen Nachbarn. Und Billigfleisch vom Discounter wird weiterhin massenhaft konsumiert, ohne über die gesundheitlichen Folgen oder die Konsequenzen für die Umwelt nachzudenken.

Dieser Haltung hat Jakob Strobel y Serra den Kampf angesagt. Denn er ist fest davon überzeugt, dass wir alle von der Spitzengastronomie sehr viel lernen können. Sie ist für ihn keine elitäre und schon gar keine snobistische Veranstaltung, sondern der schönste Weg zum Glück des guten Geschmacks. Wer jemals in einem Feinschmeckerrestaurant das Aroma von taufrischem Gemüse aus Bio-Anbau oder von Tieren gekostet hat, die nach den Gesetzen der Natur, nicht des Profits aufwachsen, verzichtet liebend gerne auf industriell hergestellte Lebensmittel – und wird auch niemals wieder mehr Geld für Motoröl als für Salatöl ausgeben.

In der „Geschmackssache“ werden die besten Restaurants und Köche Deutschlands beschrieben, die für dieses Buch in sechs Kategorien unterteilt wurden: Weltköche und Heimatköche, Traditionalisten und Individualisten, die großen Meister und die jungen Wilden. Hinzu kommen Porträts der herausragenden deutschen Winzer. Strobel y Serra hat bei Joachim Wissler, Alexander Herrmann, Sven Elverfeld, Tohru Nakamura, Douce Steiner und Tim Raue gegessen, er war bei Klaus Erfort, Torsten Michel, Sonja Frühsammer, Sarah Henke und Christian Jürgens zu Gast und hat sich mit den Brüdern Rings, Philipp Kuhn und Christiane Huff durch deren Kollektion getrunken.

Und wenn er bei seinen Restaurant- oder Winzerbesuchen einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, breitet er denn Mantel des Schweigens darüber, weil es auf der Welt schon genug schlechte Nachrichten gibt. So kann man bei jeder „Geschmackssache“ sicher sein, dass sie auch den Lesern Lust auf einen Besuch macht.

Jakob Strobel y Serra

Jakob Strobel y Serra studierte nach dem Abitur Spanisch und Geschichte an der Freien Universität Berlin. 1993 begann er ein Volontariat bei der F.A.Z. und wurde danach Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Anfang 1997 wechselte er in das Reiseblatt der F.A.Z. Dort kümmert er sich vor allem um die spanischsprachigen Länder und kulinarische Themen. Für seine Reisereportagen ist er unter anderem mit dem Spanischen Tourismuspreis, dem Karibik- Journalistenpreis, dem Journalistenpreis Irland und dem Medienpreis Luft- und Raumfahrt ausgezeichnet worden. Seit Anfang 2016 ist er außerdem stellvertretender Leiter des Feuilletons und schreibt immer freitags seine Kolumne »Geschmackssache«.

Jakob Strobel y Serra
GESCHMACKSSACHE
240 Seiten, Hardcover
Format 14,5 × 21 cm
€ 24,99 (D) / € 25,70 (A)
ISBN 978-3-96584-023-2

Erscheint heute, 3. April 2020

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Summary

„Deutschland ist eines der reichsten Länder der Erde, aber beim Essen benehmen wir uns oft so, als nagten wir am Hungertuch“, gibt Jakob Strobel y Serra zu bedenken, der das Glück hat, jede Woche in einem deutschen Spitzenlokal essen zu können – sehr oft ein berauschendes Vergnügen, das sich seiner Meinung nach viel mehr Menschen leisten sollten.

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