Back on the track: Chardonnay

Ob Weinkenner oder Laie – Chardonnay ist für alle ein Begriff, gehört er doch zur Top 5 der weltweit gepflanzten Rebsorten. Die Besten unter ihnen zählen sogar zu den ganz großen Weinen der Welt. Seine Stilistik hat sich in den letzten Jahren stark verändert – insbesondere in Kalifornien, das als wichtigstes Produktionsland eine Vorreiterrolle einnimmt und der Rebsorte dazu verhilft, an den Hype der 80er und 90er Jahre anzuschließen. Die neuen Stile aus dem Golden State sind griffig, strukturiert und überzeugen mit Frische und Eleganz – die ideale Ergänzung zu den reichhaltigen und schmelzigen Chardonnays der Region.

Klassisch aus dem Burgund stammend, ist der Chardonnay auf der ganzen Welt zu Hause – so auch im US-Staat Kalifornien, in dem die „Queen of Whites“ zu den meistangebauten Rebsorten zählt. Dementsprechend hat sie einen enorm hohen Stellenwert für die Weingüter und Winzer über alle kalifornischen Anbaugebiete hinweg. Die Rebsorte steht auch deshalb bis heute an der Spitze der kalifornischen Weinwelt, weil die Winzer über lange Erfahrung im An- und Ausbau verfügen und sie sich dieser Traube und ihren Merkmalen mit Leidenschaft und großer Selbstreflexion widmen. 

Dieses Wissen in Kombination mit optimalen Bedingungen bei Klima und Böden lässt sich in verschiedenen neuen Chardonnay-Stilen entdecken. Chardonnay gehört für viele kalifornische Winzer weiterhin ins Holz, steht dabei aber nicht mehr im Vordergrund, sondern dient gekonnt als Stilmittel zur Stabilisierung und für ein komplexeres Mundgefühl mit gewissem Schmelz. Da der Trend zunehmend zu harmonischeren und milderen Chardonnays geht, arbeiten viele Winzer mit kürzerem Fassausbau und größeren Fässern. Teilweise verzichten Winzer auch ganz auf den Ausbau im Holz und rücken so Frucht und Frische in den Vordergrund. Durch gezieltes Blending von Trauben aus verschiedenen Parzellen mit jeweiligen Mikroklimata und Böden wird zudem die gewünschte Balance aus Fruchtaromen, Mineralität und Struktur erreicht. 

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Bei Chardonnays im Spitzensegment, die immer noch fast ausschließlich im Barrique ausgebaut werden, ergänzen die Holzaromen perfekt die primären Fruchtaromen. „Auch wenn die Interpretation der Winzer natürlich unterschiedlich ausfällt, steht das Terroir bei allen hochwertigen Chardonnays deutlich im Vordergrund“, weiß Konstantin Baum MW. „So zum Beispiel auch bei Patz & Hall. Der Hyde Vineyard Chardonnay kommt von einem der berühmtesten Weinberge Kaliforniens und wird auch nicht ganz unbescheiden ‚King of Carneros‘ genannt. Der Wind bläst unentwegt durch die Reben und sorgt damit für die nötige Abkühlung.“ Aber auch der Chardonnay von Paul Hobbs, der Karia Chardonnay von Stag’s Leap Wine Cellars oder der Napa Valley Chardonnay Reserve Caneros von Robert Mondavi stehen der Benchmark aus dem Burgund in nichts nach. 

Das Weingut Robert Mondavi ist auch das beste Beispiel dafür, dass Kaliforniens Winzer neben den Top-Chardonnays mit hochwertigem Ansatz auch spannende Chardonnays für den Daily Use ausbauen. So findet man die Weine des berühmten Weinguts auch im gehobenen wie im mittleren Preissegment. Der Ausbau im Holz ist auch bei diesen Chardonnays ein bewusst eingesetztes Stilmittel, das ihnen Tiefe und Komplexität verleiht. Zu den gehobeneren Weinen zählt neben dem Napa Valley Chardonnay von Robert Mondavi auch der Schug Carneros Chardonnay, der zum größten Teil von den Weinbergen der familiengeführten Schug Winery in Sonoma stammt. „Die Weinberge hier sind klimatisch kühler geprägt, da der Pazifikeinfluss klar zu spüren ist. So ist der Wein intensiv, aber erfrischend“, informiert Konstantin Baum MW. Von diesem besonderen Klima profitieren auch die Chardonnays der Familie Scheid, der Talbott Vineyards oder von Ghost Pines und Union Sacré.

Auch im mittleren Preissegment punkten kalifornische Chardonnays immer mehr. Die Stilistiken dieser Weine reichen von fruchtbetont und klar bis würzig. Kalifornien-Experte Konstantin Baum stellt insbesondere den Morning Fog Chardonnay von Wente Vineyards heraus: „Die Wente Familie war maßgeblich daran beteiligt, dass besonders gutes Klonmaterial in Kalifornien gepflanzt wurden. Viele der besten Weine werden bis heute aus Wente Klonen hergestellt, die das Weingut gezüchtet und verkauft hat. Der Morning Fog selbst ist ein toller Einstiegswein und zeigt klare Fruchtaromen, ist mundfüllend und hat dennoch einen frischen Abgang.“ In diesem Segment findet sich auch der Chardonnay von Gnarly Head, Rosso & Bianco Chardonnay von Coppola sowie der Ryder Chardonnay und der Craftwork Chardonnay von Scheid wieder, die für den Daily Use wie gemacht sind.

Aufgrund ihrer großen Aromenvielfalt sind Chardonnays aus Kalifornien nicht nur solo ein Genuss, sondern können auch gut zu den unterschiedlichsten Speisen kombiniert werden. Fruchtbetonte Chardonnays mit Aromen von tropischen Früchten passen mit ihrer Frische ideal zu sommerlichen Salaten mit Putenstreifen oder Gambas und mediterranem Gemüse, aber auch zu leichten Desserts können sie problemlos gereicht werden. Körperreiche Chardonnays passen wunderbar zu kräftigen Speisen wie Kartoffelgratins und hellen Schmorgerichten. Aber auch Ragouts vom Kalb oder Königsberger Klopse werden durch kalifornische Chardonnays gut ergänzt.

Insgesamt darf man gespannt bleiben, wie sich Chardonnay aus Kalifornien in den nächsten Jahren entwickelt. Die hervorragenden klimatischen und geologischen Bedingungen sowie die stetige Auseinandersetzung der Winzer mit den Besonderheiten der Rebsorte, sorgen dafür, dass sehr gute Chardonnays aus dem amerikanischen Weinstaat zu erwarten sind.

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