Das dänische Kulturministerium hat eine offizielle Prüfung eingeleitet, ob Gastronomie als Kunstform anerkannt werden soll. Kulturminister Jakob Engel-Schmidt gab diesen Schritt auf dem internationalen Gastronomie-Symposium „Convergence“ in Kopenhagen bekannt.

Dänemark prüft offizielle Anerkennung der Gastronomie als Kunstform
Die Initiative markiert einen potenziellen Paradigmenwechsel in der Kulturpolitik und könnte die Spitzengastronomie neu definieren.
Vor rund 60 weltweit führenden Köchen und mehr als 1.200 internationalen Gästen betonte Engel-Schmidt:
„Wenn wir Gastronomie auf höchstem Niveau erleben, ist sie weit mehr als nur Essen. Sie ist Kunst. Dänemark ist ein wahres Füllhorn an Weltklasse-Gastronomie. Deshalb ist es sinnvoll zu prüfen, ob wir Gastronomie als das anerkennen können, was sie ist: eine Kunstform.“
Eine Anerkennung hätte weitreichende Folgen: Sie könnte hochwertige Gastronomiebetriebe berechtigen, öffentliche Kunstförderung zu erhalten, ihre künstlerische Entwicklung durch staatliche Zuschüsse zu finanzieren und ihren rechtlichen Status neu auszurichten – ähnlich wie Theater, Museen oder Orchester.
Dänemark als Vorreiter der kulinarischen Kunst
Dänemark gilt bereits seit Jahren als Epizentrum kulinarischer Innovation. Mit dem New Nordic Kitchen Manifesto setzte das Land vor Jahren globale Maßstäbe für regionale und saisonale Küche. Heute führt Dänemark die nordischen Länder mit den meisten Michelin-Sternen an.
Eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen Szene ist Küchenchef Rasmus Munk, Gründer des experimentellen Restaurants Alchemist in Kopenhagen und Initiator des Convergence-Symposiums. Für Munk, der Gastronomie konsequent als narratives und immersives Erlebnis inszeniert, ist die Ankündigung des Ministers ein Durchbruch. Munk gegenüber Gourmet Report:
„In den vergangenen fünf Jahren habe ich gezielt an der Entwicklung einer neuen kulinarischen Sprache gearbeitet, mit dem Ziel, dass Gastronomie eines Tages als eigenständige Kunstform anerkannt wird. […] Was heute noch als Nische und Avantgarde erscheint, wird sich mit der Zeit verbreiten und die gesamte Gesellschaft beeinflussen.“
Munk kritisiert, dass Gastronomie bisher rechtlich und finanziell als Handwerk eingestuft wird und damit kommerziellen Zwängen unterliegt, die künstlerische Forschung erschweren. Eine Anerkennung als Kunstform würde kreativen Köchen ermöglichen, „auf einem anderen Niveau zu arbeiten“, so Munk.
Mögliche Auswirkungen der Anerkennung
Sollte Dänemark den Weg beschreiten, hätte dies mehrere Konsequenzen:
- Förderung und Nachhaltigkeit: Kulinarische Projekte mit künstlerischem Anspruch könnten staatliche Kunstfördermittel beantragen. Dies würde experimentelle, nicht-kommerzielle oder forschungsorientierte Gastronomie unterstützen, die im rein marktwirtschaftlichen System oft nicht überlebensfähig ist.
- Talentförderung: Es könnten strukturierte Ausbildungs- und Förderprogramme für kulinarische Künstler entstehen – vergleichbar mit Stipendien und Residenzen in anderen Kunstsparten.
- Kulturelles Erbe: Die Gastronomie würde als Teil des nationalen Kulturerbes systematisch dokumentiert, erforscht und gefördert werden.
- Breitere Zugänglichkeit: Durch öffentliche Unterstützung könnten künstlerische Gastronomie-Erlebnisse einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden, abseits des elitären Fine-Dining-Sektors.
Ein Signal an die internationale Gastrowelt
Dänemark reiht sich mit dieser Prüfung in eine kleine Gruppe von Ländern ein, die Gastronomie als schützenswerte Kulturform anerkennen – darunter Peru und Frankreich, die ihre Küche als immaterielles UNESCO-Kulturerbe schützen. Die Entscheidung, die nach Abschluss der ministeriellen Prüfung erwartet wird, wird international aufmerksam verfolgt werden.
Die grundlegende Frage lautet: Kann ein vergängliches, multisensorisches Erlebnis wie ein Menü dieselbe kulturelle Wertschätzung erhalten wie ein Gemälde oder eine Symphonie? Dänemark stellt sich dieser Debatte nicht nur theoretisch, sondern prüft konkrete politische Schritte. Sollte die Anerkennung erfolgen, wäre dies ein historischer Meilenstein – nicht nur für dänische Köche, sondern für die globale Gastronomie.
Dänemark prüft offizielle Anerkennung der Gastronomie als Kunstform
Zusammenfassung
Dänemark prüft offizielle Anerkennung der Gastronomie als Kunstform: Das dänische Kulturministerium hat eine offizielle Prüfung eingeleitet, ob Gastronomie als Kunstform anerkannt werden soll. Kulturminister Jakob Engel-Schmidt gab diesen Schritt auf dem internationalen Gastronomie-Symposium „Convergence“ in Kopenhagen bekannt.

