Jonas Dinkhoff

Die einfachste Idee war die beste: Der münstersche Design-Student Jonas Dinkhoff (26) hat den WorldStar Student Award gewonnen, die weltweit wichtigste Auszeichnung im Verpackungsdesign für Studenten. „Jonaloop“ heißt seine kreative wie praktische, natürliche wie nachhaltige Apfelverpackung aus Karton.

Entstanden ist die Idee im Juni 2014 bei einem Wettbewerb für Apfel-Verpackungen, den das Münsterland-Siegel für regionale Produkte aus dem Münsterland gemeinsam mit Elmar Grothues, Geschäftsführer des Hofs Grothues-Potthoff in Senden, und der Fachhochschule Münster initiiert hatte. Vier Äpfel haben im „Jonaloop“ bequem Platz, die doppelte Trageschlaufe bietet ausreichend Stabilität und die Farbe des Kartons zeigt, welche Geschmacksrichtung die Äpfel haben – rot für süß, grün für säuerlich. Seit Oktober gibt es die Äpfel von Grothues-Potthoff im münsterländischen Einzelhandel in Dinkhoffs Design-Verpackung zu kaufen. „Welche Kreativität und Erfolgsgeschichte unser Wettbewerb hervorbringen würde, haben wir damals nicht geahnt“, sagt Dr. Jürgen Grüner, Geschäftsführer des Münsterland-Siegels. „Die erneute Auszeichnung für Jonaloop zeigt, welches Potential in der Region steckt.“

Bereits 2014 hatte Jonas Dinkhoff für seine Idee den Deutschen Verpackungspreis erhalten und sich dadurch für den WorldStar Student Award 2015 qualifiziert. „Dass ich den Preis auch noch gewonnen habe, ist echt ein Knaller“, sagt der 26-Jährige. „Ich hatte Jonaloop erst auf den letzten Drücker eingereicht und meine Chancen als gering eingeschätzt. Wenn ich mir die vielen tollen Verpackungen, die eingereicht wurden, und deren hohes Niveau anschaue, bestätigt mich das in dieser Haltung.“ Die Preisverleihung findet am 26. Mai in Budapest statt. „Wie sich die großartige Auszeichnung auf meinen beruflichen Weg auswirken wird, kann ich noch nicht abschätzen. Auf jeden Fall bekommt Jonaloop in meinem Portfolio einen besonderen Platz“, so Dinkhoff.

www.abre.org.br/wpo_worldstar_student/#Project%20Review

Mineralöle in Lebensmitteln

Lebensmittel wie Cornflakes, Grieß oder Reis sind häufig mit riskanten Mineralölrückständen belastet – das hatte Ende Oktober eine von der Verbraucherorganisation foodwatch veröffentlichte Laboranalyse belegt. Jetzt hat ein erster Hersteller auf den Test reagiert: Der Cerealienproduzent Hahne kündigte gegenüber Medien an, durch eine neue Verpackung Mineralölrückstände künftig zu verhindern. foodwatch hatte in den Haferflocken des Unternehmens aus Löhne in Nordrhein-Westfalen aromatische Mineralöle gefunden, die von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschrieben werden. Solche Rückstände stammen häufig aus den in Verpackungen oder Umverpackungen aus Altpapier enthaltenen Druckfarben. Um den Übergang auf die Lebensmittel zu verhindern, „will der Hersteller künftig eine Mineralölbarriere einsetzen“, heißt es auf der ZDF-Seite heute.de unter Berufung auf Hahne. Das Unternehmen war für foodwatch bislang für eine Bestätigung nicht zu erreichen.

In einer umfangreichen Laboranalyse hatte foodwatch insgesamt 120 Produkte aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden testen lassen. 43 Prozent davon enthielten aromatische Mineralöle, in Deutschland war jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten) belastet – darunter die Cornflakes von Kellogg’s, der Spitzen-Langkornreis von reis-fit und der Bio-Weichweizengrieß von Rewe.

Nach foodwatch-Informationen haben einige Unternehmen in Reaktion auf die Veröffentlichung eigene Labortests in Auftrag gegeben. Wirksame Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ihrer Kundinnen und Kunden hat bislang jedoch lediglich Hahne angekündigt. Die Firma Kellogg’s verwies nach Angaben von heute.de darauf, „dass für all ihre Produkte die Vorschriften eingehalten und auch zukünftige mögliche Richtlinien erfüllen würden“.

foodwatch warnte vor dem Verzehr der Kellogg’s Cornflakes. „Kellogg’s mutet Kindern und Erwachsenen erhebliche Gesundheitsgefahren durch krebserregende und erbgutverändernde Mineralölbestandteile zu. Statt konsequent solche Substanzen aus den Produkten herauszuhalten, verschanzt sich das Unternehmen hinter fehlenden gesetzlichen Vorgaben“, kritisierte Luise Molling von foodwatch. „Wenn selbst ein führender Markenhersteller nicht aus eigenem Antrieb dem Gesundheitsschutz die höchste Priorität einräumt, zeigt dies: Wir brauchen dringend gesetzliche Vorgaben, um das Problem der Mineralölrückstände endlich zu lösen.“

foodwatch hat die Europäische Kommission aufgefordert, sogenannte „funktionelle Barrieren“ für alle Lebensmittelverpackungen aus Papier vorzuschreiben sowie erstmals Grenzwerte für Mineralöle in Lebensmitteln zu erlassen. Wissenschaftler sind sich einig, dass ohne wirksame Barriereschicht sowohl Mineralöle als auch bis zu 250 weitere potenziell riskante, aber größtenteils noch unerforschte Substanzen aus Recyclingverpackungen oder Umverpackungen in die Produkte übergehen. Gleichzeitig sind Lebensmittel immer wieder auch mit Mineralölen aus anderen Quellen – zum Beispiel durch die bei Produktion und Ernte eingesetzten Schmierstoffe oder Hydrauliköle – belastet. Beide Problematiken könnten durch die gleichzeitige Vorgabe von verpflichtenden Barriereschichten in den Verpackungen sowie strikten Grenzwerten in den Produkten gelöst werden.

Mit einer E-Mail-Aktion unter www.mineraloel-aktion.foodwatch.de können Verbraucherinnen und Verbraucher EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis auffordern, tätig zu werden. Bis eine EU-weite Regelung verabschiedet ist, forderte foodwatch die Bundesregierung auf, unverzüglich entsprechende nationale Gesetze zu erlassen.

Vorverpacktes Obst und Gemüse oft unerwünscht

Lieber lose Ware

Obst, Gemüse und Fleisch werden immer häufiger in Plastik vorverpackt verkauft. Das bietet dem Handel viele Vorteile. So ist die Ware zum Beispiel einfacher zu transportieren und zu stapeln. An der Kasse geht es schneller, da nicht mehr gewogen werden muss. Verbraucher hingegen würden gerne auf unnötige Verpackungen beim Einkauf von Obst und Gemüse verzichten und so dazu beitragen, das Müllaufkommen zu verringern. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) mit rund 1.000 Teilnehmern.

Beeren obst
Obst

Die Mehrheit der Befragten (76 %) bevorzugt Obst und Gemüse, das nicht abgepackt ist. Lediglich vier Prozent kaufen es lieber in der Verpackung. 85 Prozent sind sogar bereit, ihren eigenen Beutel zum Einkauf mitzunehmen, um Müll zu sparen. 62 Prozent bemängeln, dass man bei abgepackter Ware nur selten die gewünschte Menge bekommt.

75 Prozent der Kunden begrüßen Angebote für regionale Obst- und Gemüsesorten. Und die Gurke darf auch krumm sein. Mehr als 90 Prozent würden auch Lebensmittel kaufen, die bislang nicht in den Handel gekommen sind. 49 Prozent wären bei einem günstigeren Preis bereit, Obst und Gemüse mit äußeren Mängeln zu kaufen. Für 42 Prozent wäre auch der gleiche Preis in Ordnung. Knapp 80 Prozent der Befragten würden auf bestimmtes Obst, Gemüse und Backwaren verzichten, wenn dadurch weniger Produkte weggeworfen werden.

Der Naturschutzbund fordert den Handel auf, dem Kunden einen möglichst verpackungsfreien Einkauf zu bieten. Schon jetzt können Verbraucher einiges tun, um den Verpackungsmüll zu reduzieren. Bevorzugen Sie den Wochenmarkt oder Supermärkte, die viel lose Ware kaufen. Bringen Sie eigene Beutel für Obst, Gemüse und Backwaren mit. Fordern Sie im Supermarkt mehr unverpackte Waren ein. Wer den Verpackungsmüll im Geschäft lässt, kann ein Zeichen setzen.
Heike Kreutz, www.aid.de

Kann man Käserinde essen?

Grundsätzlich gilt: Natürliche Käserinde ist essbar. Natürlich gereifte Rinden entstehen, wenn ein Käselaib in ein Salzbad getaucht und mit Salz eingerieben wird. Das Salz entzieht dem Käse Wasser und festigt so die Rinde. Diese feste Käsehülle macht das Milchprodukt haltbar und intensiviert den Geschmack. Wird die Rinde nicht weiter behandelt, ist sie essbar. Bei Käsen mit langer Lagerzeit, wie Allgäuer Emmentaler oder Bergkäse ist sie jedoch zu hart und trocken. In diesem Fall schmeckt Käse ohne Rinde besser. Edelschimmelkäse wie Camembert sind mit einem Schimmelrasen überzogen, Rotschmierkäse wie der Romadur werden mit Bakterienkulturen eingerieben. Beide Verfahren verleihen den Käsesorten den typischen Geschmack und Verbraucher können den Käse mit Rinde genießen. Wenn Rotschmierkäse zu „rass“, also zu intensiv schmecken, kann die oberste Schicht mit einem Messer leicht abgeschabt werden.

Es gibt jedoch auch Käse, deren Rinde nicht essbar ist. In diesem Fall tragen die Verpackungen den Hinweis „Nicht für den Verzehr geeignet“. So müssen Hüllen aus Kunststofffolie oder Paraffinwachs entfernt werden. Das gilt auch für Käserinden, deren Oberfläche zur Schimmelvermeidung mit dem Konservierungsstoff Natamycin behandelt wurde. Weist die Verpackung auf Natamycin (E235) hin, sollten fünf Millimeter Rinde abgeschnitten werden. Josef Stemmer

Adventskalender besser selbst gestalten

Süßigkeiten in Adventskalendern sind in der Regel mehr als doppelt so teuer wie normal abgepackte Produkte. Das ist das Resultat eines Marktchecks der Verbraucherzentrale Hamburg, für den zehn Kalender aus sieben verschiedenen Geschäften genauer betrachtet wurden. Die Lebensmitteltester hatten die Preise für die Inhalte mit denen der normal gepackten Zuckerwaren verglichen.

Alle Süßigkeiten in den Adventskalendern waren mindestens zweieinhalb Mal so teuer wie herkömmliche Erzeugnisse. Der höhere Verpackungsaufwand rechtfertige diesen Preisaufschlag nicht, da die Mehrkosten nach Schätzungen höchstens zwei Euro betragen. Ein Kalender kostete 9,99 Euro und damit sogar 323 Prozent mehr als die im gleichen Geschäft erhältlichen Bonbons oder Fruchtgummis in den herkömmlichen Verpackungen (2,36 Euro). Da ist die Zugabe von zwei kleinen billigen Spielzeugüberraschungen nur ein kleiner Trost, kommentieren die Verbraucherschützer. Des Weiteren wurden die schlechte Preisauszeichnung mit fehlenden End- und Grundpreisen und die je nach Geschäft großen Preisunterschiede von über 60 Prozent bemängelt. Auf manchen Verpackungen war viel Werbung und es wurde mehr Inhalt vorgetäuscht. Trotz der hohen Preise sind Adventskalender oft einfallslos und entsprechen laut Verbraucherzentrale dem Standardsortiment der Supermärkte.

Schöner ist ein selbst gestalteter Kalender, in dem die 24 Überraschungen versteckt sind. Beim Inhalt sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – von kleinen Süßigkeiten, Plätzchen, Nüssen und Trockenobst, zuckerfreien Kaugummis über Spielzeuge, Radiergummi und Spitzer für die Schule. So lässt sich das Warten im Advent spannender versüßen – und mit mehr Inhalt für das Geld.
Heike Kreutz, www.aid.de

Weitere Informationen:
www.vzhh.de/ernaehrung/322771/adventskalender-gesamtauswertung-mit-bildern.aspx

Die tägliche Veralberung

Idylle statt Fakten

Auf den meisten Fleisch- und Wurstverpackungen ist eine Bauernhof-Idylle dargestellt. Grüne Wiesen, hübsche Fachwerkhäuschen, traditionelle Mühlen und viele Bäume sind die beliebten Motive. Die Gestaltung ist irreführend, da die Realität der Tierhaltung zumeist anders aussieht. Doch konkrete Hinweise zur Herkunft des Fleisches fehlen auf den Verpackungen oder sind nur lückenhaft vorhanden. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 18 Etiketten von ausgewählten Fleisch- und Wurstprodukten untersucht, Herkunftsangaben recherchiert und beides miteinander verglichen.

Ergebnisse der Untersuchung im Überblick

Auf 83 Prozent der untersuchten Verpackungen fanden sich grüne Wiesen, auf 56 Prozent waren Fachwerkhäuser als Inbegriff von Beschaulichkeit abgebildet. Auch Mühlen und hohe Bäume sollen in vielen Fällen die Dorfanmutung untermauern.

Bei der überwiegenden Anzahl der untersuchten Fleisch- und Wurstangebote sind Begriffe wie „Bauer“, „Hof“ oder „Land“ Bestandteil des Marken- und Produktnamens.

Auf keiner einzigen Produktverpackung (0 Prozent) wurden konkrete Aussagen zu den tatsächlichen Haltungsbedingungen der Tiere getroffen. Die Herkunft des Fleisches hin zu einem bestimmten Landwirt konnte ebenfalls bei keinem Erzeugnis (0 Prozent) zurückverfolgt werden.

55 Prozent der Hersteller antworteten auf Nachfrage der Verbraucherzentrale, ob es eine Übereinstimmung zwischen der ländlichen Idylle und den Haltungsbedingungen gibt, gar nicht und 28 Prozent nur ausweichend. Lediglich 17 Prozent der angeschriebenen Produzenten waren bereit, Informationen weiterzugeben.

Drei Firmen argumentierten, dass Bilder oder Namen zum Firmenlogo gehörten und eine Verbindung zu den tatsächlichen Aufzuchtbedingungen der Tiere nicht beabsichtigt sei.

lesen Sie den kompletten Bericht bei der Verbraucherzentrale Hamburg:
www.vzhh.de/ernaehrung/269376/idylle-statt-fakten.aspx

Konsumenten verstehen Informationen auf Lebensmittelverpackungen nicht

Jede zweite Person hat Mühe damit, die Ernährungsinformationen auf Verpackungen zu verstehen. Die meisten Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz kaufen aber gerne gesund und ausgewogen ein. Zu diesem Schluss kommt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE in ihrem Bericht „Die gesunde Lebensmittelwahl: Was wissen wir über den Konsumenten und die Konsumentin in der Schweiz?“. Darin beurteilt die SGE die Situation als unbefriedigend.

Die im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit BAG durchgeführte Recherche deutet auf ein grosses Interesse der Konsumenten am Thema Ernährung hin. Drei von vier Konsumenten interessieren sich für die Zusammensetzung eines Produktes und 71 % geben an, beim Kauf von Lebensmitteln auf Ausgewogenheit und Gesundheit Wert zu legen. Doch weniger als die Hälfte liest die Nährwert- und andere Ernährungsinformationen auf den Verpackungen. Die SGE befürchtet, dass viele Konsumenten den gesundheitlichen Wert und die Ausgewogenheit eines Produktes nicht richtig beurteilen können.

Jeder zweite Konsument versteht die ernährungsbezogenen Informationen auf den Verpackungen nicht vollständig und jeder fünfte bekundet Mühe damit zu beurteilen, was eine gesunde oder ungesunde Ernährung ist bzw. findet die Empfehlungen widersprüchlich. Weit verbreitet ist auch der Irrtum, dass gutes und gesundes Essen weder schmecken noch günstig sein kann und es aufwändig ist, sich gesund zu ernähren. Viele der von den Konsumenten genannten Hindernisse deuten darauf hin, dass der Wille grösser ist als das Können, Ernährungsempfehlungen umzusetzen.

Die SGE ist der Meinung, jede und jeder soll sich gesund, ausgewogen und genussvoll ernähren können. Es geht darum, den Konsumentinnen und Konsumenten ausreichend Kompetenzen zu vermitteln und verständliche, leicht zugängliche Informationen zur Verfügung zu stellen, damit sie befähigt werden, eine informierte, sachkundige und gesunde Wahl zu treffen. Besonders wichtig ist dabei, dass alle relevanten Akteure am selben Strang ziehen und dieselben Botschaften und Empfehlungen vermitteln.

Woran erkenne ich, woher meine Milch kommt?

Das sogenannte Identitätskennzeichen gibt auf Verpackungen Auskunft über die regionale Herkunft von Milch- und Milchprodukten. Qualitativ hochwertige Produkte, die beispielsweise in der Region Bayern hergestellt und verarbeitet oder verpackt wurden, erkennt man dabei an dem Zeichen „BY“ innerhalb der Ellipse. Das Identitätskennzeichen ist ein EU-weit einheitliches Symbol, welches anzeigt, dass die Produktionsstätte von den Behörden auf Einhaltung der Hygienestandards geprüft und zugelassen wurde.

Gerade jetzt, wo den Verbrauchern Herkunft, Regionalität und Qualität immer wichtiger beim Kauf von Lebensmitteln werden, ist es gut, dieses Zeichen und seine Bedeutung zu kennen, um bewusst einkaufen zu können.
Bayerische Milch, Quark und Käse, z. B. verarbeitet zu einem Obazd`n oder Allgäuer Bergkäse, bringen nicht nur einzigartigen Genuss, sondern auch ein wenig bayerische Gemütlichkeit auf den Teller. „Bewusst Bayerisch“ einzukaufen ist also eigentlich ganz einfach, wenn man auf das „BY“ im Identitätskennzeichen achtet – so steht dem Stück Bayern auf dem Esstisch nichts im Wege.

Schwarzwälder Schinken weiter auf Erfolgskurs

Schwarzwälder Schinken ist der meistverkaufte geräucherte Rohschinken Europas. Für das vergangene Jahr verzeichnet der Schutzverband der Schwarzwälder Schinkenhersteller bei einem Absatz von rund 8 Millionen Schinken (Durchschnittsgewicht 5 bis 6 Kilogramm) ein Mengenplus von 7 und ein Umsatzplus von 3 Prozent. Etwa 20 Prozent gehen in den Export. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist die wichtigste Vertriebsschiene für diese regionale Spezialität, rund 85 Prozent werden hier abgesetzt (15 Prozent in der Gastronomie). Interessant: der Anteil der SB-Verpackungen ist in den letzten Jahren zurückgegangen – Dank einer Renaissance der Bedientheken bei den Handelsunternehmen – rund 55 Prozent entfallen im LEH auf SB-Verpackungen, 45 Prozent auf die Bedientheke.

Der knochenlose Schinken (mit oder ohne Oberschale) hat ein kräftig rotes Fleisch mit deutlichem Speckanteil (circa 1/5) und das typische Raucharoma. Zuschnitt, Würzen, Pökeln, Räuchern und Reifen vollziehen sich in den Schwarzwälder Schinkenmanufakturen – gleich ob in der handwerklichen Metzgerei oder im Großbetrieb – nach einem exakt definierten und festgeschriebenen traditionellen Procedere. Unterschiede gibt es allerdings bei den Gewürzmischungen zum Pökeln: Jeder Hersteller schwört auf seine eigene Rezeptur, mit der er seinem Produkt eine individuelle Note verleiht.

Doch es gibt einige Gewürz-Gemeinsamkeiten, neben Pökelsalz gehören vor allem Pfeffer, Koriander, Knoblauch und Wacholderbeeren dazu. Apropos Pökelsalz: Der Schinken wird heute weit milder gesalzen als noch vor Jahren. Die Basis für alle Hersteller bilden gesetzliche Regelungen und EU-Statuten für das „g.g.A.-Siegel“, die geschützte geografische Angabe, mit der der Schwarzwälder Schinken seit 1997 versehen ist.

Schwarzwälder Schinken bleibt bei richtiger Lagerung über Monate hinweg haltbar. Ganze Schinken oder größere Stücke sollten hängend in einem kühlen und trockenen Raum – am besten in einem Leinenbeutel – aufbewahrt werden. Die Schnittfläche des angeschnittenen Schinkens umschließt man am besten mit Pergamentpapier.
Rüdiger Lobitz, www.aid.de

Zucker- und Fettbomben auf den ersten Blick zu erkennen

Wenig Hilfe bei gesunder Ernährung: Zucker- und Fettbomben sind trotz neuer Infoverordnung nicht auf den ersten Blick zu erkennen

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben sich am 22. Juni 2011 auf gemeinsame Regeln beim Kennzeichnen von Lebensmittel geeinigt. Lebensmittelhersteller könnten zukünftig dazu verpflichtet sein, Lebensmittelimitate zu kennzeichnen und sechs Nährstoffe sowie den Kaloriengehalt in einer Tabelle anzugeben. Jetzt liegt es am Plenum des Europaparlaments, die neue Informationsverordnung zu verabschieden.

Bereits vor einem Jahr lehnte es das EU-Parlament ab, die Lebensmittelampel einzuführen, welche es Verbrauchern ermöglichen sollte, den Energiegehalt auf den ersten Blick zu erkennen und sich so gesünder zu ernähren. Kritiker sprachen von einer großen Lobby, die es sich leisten könne, EU-Abgeordnete zu schmieren, um die eigenen Produkte vor entlarvender Transparenz zu schützen.

Selbst wenn die EU-Abgeordneten die neue Informationsverordnung verabschiedeten, kommt schon jetzt scharfe Kritik von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Zucker- und Fettbomben könne man auch in Zukunft nicht auf einen Blick erkennen. Denn es sei nicht verpflichtend, den Energiegehalt auf der Vorderseite der Verpackung anzugeben.

„Das ist eine bitte Niederlage, an der die Bundesregierung ihren maßgeblichen Anteil hat“, kritisiert VZBV-Vorstand Gerd Billen. Falls das Plenum die neue Verordnung verabschiedet, sei es zwar künftig verpflichtend, Energiewert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz, Eiweiß und Kohlenhydrate in einer Tabelle anzugeben. Die meisten Hersteller, so die Kritik des VZBV, würden hierfür aber die Rückseite nutzen, als versteckten Platz.

Am vergangenen Donnerstag sprachen die Abgeordneten des Landwirtschaftsausschusses im EU-Parlament mit Journalisten über die anstehende Reform. Über die Facebook-Seite des Parlaments fragte Anina, wie ein gutes Lebensmitteletikett in Zukunft aussehen könnte. Der Grünenabgeordnete Carl Schlyter aus Schweden erwiderte, dass es das ideale Etikett nicht geben könne. Zu unterschiedlich seien die Anforderungen der Verbraucher. Wichtig sei aber, dass die Informationen ausreichend seien, um Lebensmittelimitate zu erkennen.

Das EHI-Retail Institut hat Ende Juni die Ergebnisse der neuen Trend-Studie „Verpackung und Produktschutz“ vorgestellt, auf der PACK 2011, einem Fachkongress für den Handel und die Konsumgüterindustrie in Köln. Die Studie analysierte 2.100 Produktverpackungen leicht verderblicher Lebensmittel, darunter Obst und Gemüse, Brot, Fleisch sowie Molkereiprodukte. 52 Verpackungsexperten kamen dabei zu Wort.

Die Ergebnisse sind teilweise ernüchternd: Nur 56 Prozent der Verpackungen lieferten Informationen, wie das Produkt zu schützen sei. Besonders die Hinweise, wie Verbraucher das Lebensmittel temperaturgerecht aufbewahren sollten, seien zu ungenau. Verpackungen mit Mikrochips, die jederzeit Auskunft über den Qualitätszustand des Produktes geben, könnten hier Abhilfe schaffen.

Positiv bewerten die Experten auch die so genannten TTIs (time temperature indicator), zu Deutsch Zeit-Temperatur-Indikatoren. „Dabei kann es sich um eine Pigmentfarbe auf einem Etikett handeln, die zu Beginn in einem dunklen Blau erscheint und sich im Laufe der Zeit entfärbt. Je länger das Produkt warm gelagert wird, desto schneller erfolgt der Farbumschlag ins Weiße“, erklärt Marc Büttgenbach, Sales Director Labels and Consumables bei Bizerba. Händler und Verbraucher könnten sofort erkennen, wenn die Kühlkette unterbrochen wurde, entweder auf dem Weg vom Hersteller zum Händler, oder aber auf dem Weg in den eigenen Kühlschrank. Der Schlüsselbegriff lautet auch hier „auf den ersten Blick“.