Mehr Meeresschutz dank mehr Technik?

Wie kann sichergestellt werden, dass Fangschiffe nicht in einer verbotenen Zone fischen? Es macht ja tatsächlich wenig Sinn, Meeresschutzzonen oder saisonale Fangverbote festzulegen, wenn sich keiner daran hält und niemand wirklich Kontrolle hierüber hat.

Mit Unterstützung der britischen Regierung hat die nordostenglische Firma «Succorfish» («Fisch-Beistand») ein satellitengestütztes System entwickelt, welches es dem Kapitän erlaubt, weltweit auf den Meter genau festzustellen, wenn sein Schiff ein Schutzgebiet verletzt. Succorfish rühmt sich, «drei Parteien an einen Tisch» gebracht zu haben: zum einen die kommerzielle Fischerei, welche darauf angewiesen sei, ihre Ressource nachhaltig zu bewirtschaften, zum andern Fischereibehörden und Umweltorganisationen, die grosse Meeresgebiete vor Überfischung schützen müssen.

Die britische Umweltbehörde lobt Succorfish als «bahnbrechende Ausrüstung» von Fangschiffen, die zeige, «wie innovativ die britische Fischereiindustrie» sei.

Technik hilft nur im Verbund
Das Problem der Verletzung von Fangverbotzonen stellt sich – aus Absicht oder aus Versehen – zum Beispiel auch vor Westafrika. Die lokalen Kleinfischer sehen sich immer wieder damit konfrontiert, dass grosse Trawler aus Europa und Asien in Küstennähe fischen, obschon diese Zone für sie offiziell gesperrt ist. Selbst gut organisierte Fischerhäfen im Senegal stehen dieser illegalen industriellen Fischerei machtlos gegenüber. Denn die lokale Fischereibehörden verfügen kaum über Schnellboote und Helikopter, um die grossen Trawler zur Rechenschaft zu ziehen.

Überwachungstechnik wie die von Succorfish entwickelte kann eine Hilfe in der Hand bestens ausgerüsteter Fischereibehörden sein. In Entwicklungsländern wären die lokalen Behörden dagegen darauf angewiesen, dass ihre Kollegen in Europa und Asien die illegal agierenden Schiffe aus dem Verkehr ziehen – eine Illusion.

Den Fischern im Weltsüden wäre besser geholfen, wenn ihre Behörden mit den Machtmitteln ausgerüstet würden, mit welchen sich illegal tätige Trawler beschlagnahmen lassen. Viele solcher Mittel sind vor Ostafrika konzentriert, aber in europäischer Hand. Sie dienen nicht der Überwachung der Fischgründe, sondern der Bekämpfung von Piraten, die nicht zuletzt deswegen aktiv wurden, weil europäische und asiatische Flotten jahrelang unkontrolliert die afrikanischen Fischgründe ausgebeutet hatten.

George W. Bush schafft weltweit größtes Meeresschutzgebiet

Scheidender US-Präsident schafft weltweit größtes Meeresschutzgebiet – Kommerzieller Fischfang auf 500.000 Quadratkilometer Fläche verboten

Schon Ende 2008 hatte der
scheidende US-Präsident George Bush von der Schaffung eines
Meeresschutzgebietes gesprochen. Als eine der letzten Amtshandlungen hat
der als nicht gerade ökologisch geltende Politiker nun doch das weltweit
größte Schutzgebiet mit einer Fläche von rund 500.000 Quadratkilometer
rund um die US-Besitzungen im Pazifik errichtet. Unter Schutz stehen
dann neben der weltweit tiefsten Meeresstelle im Marianengraben auch
einige bemerkenswerte Inseln.

Verboten werden in den Schutzgebieten jeglicher kommerzieller Fischfang
sowie der Abbau von Bodenschätzen. Einige der Gebiete weisen aufgrund
ihrer geografischen Lage – weit entfernt von menschlichen Siedlungen –
eine unglaublich hohe Biodiversität auf. Vielfach sei das auch dadurch
begründet, weil es in diesen Gebieten bisher kaum kommerzielle Fischerei
gegeben hat. Besonderheiten sind etwa die unterseeischen Vulkane mit
heißen Quellen um die Inselgruppe der Marianen, dem elf Kilometer tiefen
Marianengraben. Die Inseln Guam, Tinian und Saipan, die während des
Zweiten Weltkriegs im Kampf gegen die japanische Vormacht im Pazifik
heiß umkämpft waren, gehören ebenso zum Schutzgebiet wie das
mittlerweile gesäuberte Johnston Atoll, wo jahrelang chemische
Kampfstoffe gelagert wurden.

„Meeres-Reservate sind ein entscheidendes Werkzeug, um die Ozeane auf
unserem Planeten in ihrer Vielfalt zu bewahren, aber auch zu
regenerieren“, so Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms
http://www.greenpeace.at. „Von der weltweiten
Überfischung sind heutzutage auch die abgelegensten Regionen der Erde –
einsame Koralleninseln im Pazifik genauso wie der Marianengraben in der
Tiefsee – betroffen. 90 Prozent aller großen Fischarten sind inzwischen
aus den Ozeanen verschwunden, etliche Meeresgebiete insbesondere
Korallenriffe stehen vor dem Kollaps.“ Es gebe praktisch kein
Meeresgebiet auf der Erde, das nicht befischt wird. „Derzeit sind
weltweit weniger als ein Prozent der Meeresoberfläche als Schutzgebiet
für zerstörerische Aktivitäten wie die Fischerei gesperrt“, kritisiert
Helms. „Für einen wirksamen Meeresschutz müssen wir mindestens 40
Prozent der gesamten Weltmeere dauerhaft schützen. Bush hat dazu seinen
Teil beigetragen.“

„Die USA legen die Latte beim internationalen Meeresschutz sehr hoch.
Auch andere Staaten sollten sich ein Beispiel an diesem Entschluss
nehmen“, argumentiert die Expertin. Allerdings reiche es nicht,
Meeresschutzgebiete nur auszuweisen – der Schutz dieser Flächen müsse
auch konsequent umgesetzt werden. „So bestehen viele andere von den
Regierungen ausgewiesene Schutzgebiete als ‚Paper Parks‘ bisher nur auf
dem Papier – auch in EU-Gewässern wie der Nordsee und dem Mittelmeer“,
so Helms abschließend.

„Sowohl von der ökologischen als auch von der biologischen Perspektive
her, aber auch als politisches Symbol, ist das bedeutungsvoll“, so
Joshua Reichert, Direktor der Pew Environment Group
http://www.pewtrusts.org . Die Marianen gehören zu den geologisch
außergewöhnlichsten Regionen der Erde. Das darin liegende Rose-Atoll hat
die höchste Dichte an lebenden Korallen weltweit.Wolfgang Weitlaner

Fotowettbewerb zum Meeresschutz

British Virgin Islands: Gewinnerfoto wird als Briefmarke veröffentlicht

Um noch mehr auf die
wertvolle Unterwasserwelt und die Bedeutung des Umweltschutzes
hinzuweisen, hat sich die Regierung der British Virgin Islands (BVI)
etwas Besonderes einfallen lassen. Das Conservation & Fisheries
Department http://www.bvidef.org hat im Rahmen des „International Year
of the Reef“ gemeinsam mit der BVI Post einen Fotowettbewerb
ausgeschrieben, bei dem jeder seine schönsten Küsten- und Riffbilder aus
den BVI einreichen kann. Den Gewinnern winkt ein ganz besonderer Preis:
Die fünf besten Bilder werden Anfang 2009 auf der Briefmarke -Serie
„Protecting our environment, safeguarding our future“ abgedruckt.

„Die Bilder können in einer der fünf ausgeschriebenen Kategorien
eingereicht werden“, so Silke Langekamp vom British Virgin Islands
Tourist Board http://www.britishvirginislands.de .
„Macro Shots“ sind Fotos, die am Riff oder an der Küste gemacht wurden,
„Reefscape“ sind alle Bilder über und unter Wasser vom Riff und der
Küste und „Reef Critters“ sind Motive im Riff wie etwa
Wasserschildkröten, Fische oder andere Meeresbewohner. Eine weitere
Kategorie ist den „Professionals“ gewidmet, also jenen, die bereits
einige ihrer Bilder verkauft haben. Kinder und Jugendliche unter 18
Jahre können ihre Fotos in der Kategorie „Under 18“ einreichen.
Einsendeschluss ist der 31. August 2008. „Wer am Fotowettbewerb
teilnehmen will, muss seinen vollständigen Namen und seine Telefonnummer
angeben“, so Langekamp. Die Bilder müssen in einer Auflösung von
mindestens 600dpi an Shannon Gore Sgore@gov.vg eingereicht werden.
„Alle
eingesandten Fotos dürfen als Eigentum von Conservation & Fisheries
Department unter Angabe des Namens weiterverwendet und in zukünftigen
Marine Awareness Guides veröffentlicht werden.“

Die seit 1672 unter britische Flagge stehenden Inseln sind bisher von
Umweltverschmutzung und Zerstörung weitgehend verschont geblieben. Seit
einigen Jahren haben die 150 Quadratkilometer großen Inseln den ältesten
Sohn von Jacques Cousteau, Jean-Michel, als Fürsprecher für den
Meeresschutz. Seit einigen Jahren fördert die Regierung der Inseln die
nachhaltige Entwicklung, damit das Naturparadies auch zukünftigen
Generationen erhalten bleibt. Insgesamt bestehen auf den Inseln bereits
20 Nationalparks, die die wertvollsten Naturdenkmäler schützen. Seit
1961 kümmert sich der National Park Trust um die höchst
unterschiedlichen Parks der 20.000 Einwohner umfassenden Inselgruppe:
vom waldigen Mount Sage, mit 543 Metern der höchste Punkt der Hauptinsel
Tortola, über die beliebte Spring Bay auf Virgin Gorda, ein attraktiver
Strand mit gewaltigen Felsblöcken, bis hin zum Wrack der „MS Rhone“, dem
einzigen Nationalpark der BVI, der komplett unter Wasser liegt. Auch die
flache Insel Anegada mit ihren seltenen endemischen Leguanen wird vom
National Park Trust verwaltet.

Schon bisher haben strenge Gesetze auf den BVI verhindert, dass
Hochhäuser, große Hotelanlagen oder Fast-Food-Ketten errichtet werden.
Die Regierung des 20.000-Einwohner-Staates ist daran interessiert, einen
hohen Qualitätstourismus, mit Ruhe, Beschaulichkeit, einsamen Stränden
und unberührter Natur zu bieten. Guana Island http://www.guana.com
beispielsweise steht komplett unter Naturschutz, verfügt allerdings
dennoch über ein Hotel, das 30 Gästen Platz bietet. Wolfgang Weitlaner