Lebensmittelkennzeichnung

Was die Herstellerangabe verrät – und was nicht

Wer Fragen zu einem Produkt hat oder Grund zur Reklamation, findet auf vorverpackten Lebensmitteln eine Herstellerinformation. Diese Angabe informiert darüber, wer für die Sicherheit und Qualität des Produktes verantwortlich ist. Das kann der Hersteller selbst sein, aber auch der Verpacker oder ein Importeur, der in der Europäischen Union niedergelassen ist. Die Angabe muss so genau sein, dass ein Brief zugestellt werden könnte, so die Vorgabe der europäischen Lebensmittelinformationsverordnung.

Die Herstellerangabe ist aber nicht unbedingt das Gleiche wie die geografische Herkunft eines Lebensmittels. Ein Hinweis auf die geografische Herkunft ist nur verpflichtend bei frischem Obst und Gemüse, frischem Fleisch von Rind, Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege sowie bei Fisch, Eiern, Honig, nativem Olivenöl und Biolebensmitteln mit EU-Bio-Logo. Auf abgepackten Tomaten steht dann beispielsweise „Ursprungsland: Spanien“, der Verpacker oder Importeur kann aber zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen sitzen. Seine Adresse muss ebenfalls auf der Packung stehen.
Wenn die Kunden ohne eine Ursprungsangabe einen falschen Eindruck von der Herkunft des Produktes bekämen, etwa weil eine Fahne oder eine länderspezifische Besonderheit auf der Packung abgebildet ist, dann ist ein Hinweis auf die geografische Herkunft zwingend. Bei einer italienischen Minestrone, die in Deutschland produziert wurde, muss beispielsweise zusätzlich der Hinweis „Herkunft: Deutschland“ stehen.

Nur in manchen Fällen lässt sich vom Hersteller auf den Ursprung der Ware schließen. Etwa bei der Direktvermarktung von hofeigenen Erzeugnissen wie hausgemachten Nudeln oder Brot aus eigenem Getreide. Doch auch hier müssen Herkunft und Herstellung der Ware nicht zu 100 % übereinstimmen. Wenn beispielsweise Konfitüren aus heimischen Früchten im hofeigenen Laden verkauft werden, dann muss der Zucker nicht zwingend aus der eigenen oder örtlichen Produktion stammen.
Dr. Christina Rempe, www.aid.de

Weitere Informationen:
Alles zur neuen Lebensmittelinformationsverordnung finden Sie im aid-Heft „Achten Sie aufs Etikett“, Bestell-Nr. 1140, Preis: 4,00 Euro
www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1140

Kann man Käserinde essen?

Grundsätzlich gilt: Natürliche Käserinde ist essbar. Natürlich gereifte Rinden entstehen, wenn ein Käselaib in ein Salzbad getaucht und mit Salz eingerieben wird. Das Salz entzieht dem Käse Wasser und festigt so die Rinde. Diese feste Käsehülle macht das Milchprodukt haltbar und intensiviert den Geschmack. Wird die Rinde nicht weiter behandelt, ist sie essbar. Bei Käsen mit langer Lagerzeit, wie Allgäuer Emmentaler oder Bergkäse ist sie jedoch zu hart und trocken. In diesem Fall schmeckt Käse ohne Rinde besser. Edelschimmelkäse wie Camembert sind mit einem Schimmelrasen überzogen, Rotschmierkäse wie der Romadur werden mit Bakterienkulturen eingerieben. Beide Verfahren verleihen den Käsesorten den typischen Geschmack und Verbraucher können den Käse mit Rinde genießen. Wenn Rotschmierkäse zu „rass“, also zu intensiv schmecken, kann die oberste Schicht mit einem Messer leicht abgeschabt werden.

Es gibt jedoch auch Käse, deren Rinde nicht essbar ist. In diesem Fall tragen die Verpackungen den Hinweis „Nicht für den Verzehr geeignet“. So müssen Hüllen aus Kunststofffolie oder Paraffinwachs entfernt werden. Das gilt auch für Käserinden, deren Oberfläche zur Schimmelvermeidung mit dem Konservierungsstoff Natamycin behandelt wurde. Weist die Verpackung auf Natamycin (E235) hin, sollten fünf Millimeter Rinde abgeschnitten werden. Josef Stemmer

Grillfleisch

LAVES untersucht mariniertes Grillfleisch – vorwiegend Kennzeichnungsmängel

Ganz besonders in den Sommermonaten wird gegrillt, und das Angebot für mariniertes Fleisch ist groß. Grund genug für das Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), dieses Fleisch genauer unter die Lupe zu nehmen. Insgesamt sind bisher 61 Proben mariniertes, rohes Grillfleisch von Rind, Schwein und Geflügel untersucht worden.

Das Ergebnis: In einer Probe Putenbrustfleisch sind Salmonellen nachgewiesen worden. Dieses Fleisch stellt für den Verbraucher keine Gefahr dar, wenn es vollständig durchgebraten wird. Bei drei Proben war die angegebene Mindesthaltbarkeitsfrist zu lang bemessen und daher irreführend.

Darüber hinaus entsprachen bei weiteren 15 Proben die Bezeichnungen, unter denen das Fleisch verkauft wird, nicht den Anforderungen: (Marinierte) Steaks jeglicher Art, in deren Bezeichnung keine Tierart genannt wird, bestehen üblicherweise aus Rindfleisch. Bei elf Proben war das nicht der Fall. Es handelte sich um Schweinefleisch, und damit war die Verkehrsbezeichnung unzutreffend. In vier weiteren Fällen waren die Bezeichnungen (z. B. „Mariniertes Fleisch“ oder „Kurzbratenstücke“) zu ungenau, oder es fehlte ein Hinweis auf besondere, nicht zu erwartende Geschmacksrichtungen (z. B. Zitrone oder Rauch). Die Proben wurden durch die kommunalen Lebensmittelüberwachungsbehörden als Fertigpackung (20) aus den Kühlregalen und frisch aus den Bedientheken (41) entnommen.

Das Marinieren macht das Fleisch nicht nur würzig, sondern auch zarter. Allerdings können stark gewürzte Marinaden auch unangenehme Gerüche überdecken, wenn das Fleisch beispielsweise nicht mehr ganz frisch ist. Deshalb ist es erfreulich, dass bei Eingang der 61 Proben keine verdorben war – sie haben weder bei Aussehen und Geruch noch bei der mikrobiologischen Untersuchung Anzeichen von Verderb aufgewiesen.

Um einen ungetrübten Grillspaß zu gewährleisten, sollte das Fleisch möglichst gekühlt transportiert und bis zum Grillen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Rohes Fleisch sollte nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen, um die Übertragung von Keimen zu verhindern. Auch sollte Schweine- und Geflügelfleisch immer vollständig durchgebraten werden.

www.laves.niedersachsen.de

Nächster Avantgarde Kochkurs in Hamburg

Am 22.9. wird der nächste Avantgarde Kochkurs in der Sternstrasse 109, Hamburg durchgeführt

Folgendes 6 Gang Menü wird gekocht:

1. APEROL SPHÄRE mit einem Glas CAVA
2. zwei x (gefakte) Kaviarsorten
3. Kräuterspaghettis (aus der Spritze) in asiatischem Pilzfond gegart
4. das perfekte, weiche 1 Stunden Bio Ei (sous-vide) gegart mit Kartoffel-Espuma & hausgemachtem Trüffelöl (aus echten Trüffeln)
5. Entenbrust (sous-vide) gegart mit Orangensauce & Steinpilzpolenta
6. Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern & Raz-el-hanout Schaum

Im Preis von € 95.- sind enthalten:
· Kochkurs inklusive der Rezepte
· Wasser, je 1 Glas Cava sowie Weißwein oder Rotwein
· Falls weiterer Wein gewünscht wird, dann zu € 5.- pro Glas.

WICHTIGER HINWEIS:
Der Kurs findet statt ab einer Teilnehmerzahl von mindestens 10 Personen.
Die Kursgebühr muss spätestens eine Woche vorher überwiesen worden und von uns bestätigt sein.

GROUPON GUTSCHEINE HABEN KEINE GÜLTIGKEIT, DA DIE „ZUSAMMENARBEIT“ MIT DIESER „ FIRMA“ DEFINITIV BEENDET IST UND ES KEINE WEITEREN TERMINE GEBEN WIRD.

http://www.cooking-events.de

foodwatch verklagt Unilever

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat beim Landgericht Hamburg Unterlassungsklage gegen den Nahrungsmittelkonzern Unilever eingereicht. foodwatch will verhindern, dass das Unternehmen bedenkliche Risiken und Nebenwirkungen seiner cholesterinsenkenden Margarine Becel pro.activ verschleiert. Unilever behauptet unter Verwendung von Zitaten eines Wissenschaftlers in einer Pressemitteilung sowie in einem Antwortschreiben an Unterzeichner einer foodwatch-Protestaktion auf www.abgespeist.de , es gebe bei Becel pro.activ „aus wissenschaftlicher Sicht keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen. Dabei sind die der Margarine zugesetzten Pflanzensterine unter Experten höchst umstritten. Sie stehen im Verdacht, genau das zu verursachen, was sie eigentlich verhindern sollen: nämlich Ablagerungen in Gefäßen und ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten.

„Die Behauptung, es gebe keine Hinweise auf Nebenwirkungen, ist absolut haltlos“, kritisiert Oliver Huizinga von foodwatch. „Unilever ignoriert bewusst den aktuellen Stand der Wissenschaft, getreu dem bekannten Pippi-Langstrumpf-Motto: ,Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt‘. Kritische wissenschaftliche Stimmen und ernst zu nehmende Hinweise auf Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Pflanzensterinen blendet der Konzern einfach aus.“

Dabei warnen sogar das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA ausdrücklich davor, dass gesunde Menschen ohne erhöhten Cholesterinspiegel Produkte mit Pflanzensterinen zu sich nehmen. Mehr noch: Selbst für Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten ist die Unbedenklichkeit der Produkte fraglich. So kommen die europäischen Dachgesellschaften für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in ihren jüngst verabschiedeten Leitlinien zu folgendem Urteil: „Um die Sicherheit von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusatz bei regelmäßiger Einnahme zu garantieren, sind (…) Langzeitstudien nötig.“ Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt aufgrund der Fülle an neuen Studien vor, dass die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde die Sache neu aufrollt.

Im November hatte foodwatch mit einer E-Mail-Aktion auf www.abgespeist.de Unilever aufgefordert, Becel pro.activ nicht mehr frei zugänglich im Supermarkt zu verkaufen. Stattdessen solle der Konzern ein Zulassungsverfahren als Medikament anstrengen, damit die nach dem Arzneimittelrecht zuständigen Behörden den gesundheitlichen Nutzen sowie die Risiken und Nebenwirkungen beurteilen könnten. Mehr als 15.000 Verbraucher unterzeichneten bisher den Aufruf an den Lebensmittel-Multi.

Auf die Kritik reagierte Unilever mit einem Schreiben, in dem der Konzern die angebliche Unbedenklichkeit von Becel pro.activ beteuert. Man stehe „im ständigen Austausch mit führenden Herz-Kreislaufspezialisten, um immer auf dem aktuellsten Forschungsstand zu sein“, heißt es von Unilever. Als Beleg führt das Unternehmen zwei Professoren ins Feld: Prof. Eberhard Windler von der Universität Hamburg lobt den „Wirkmechanismus“ von Lebensmitteln, denen Pflanzensterine zugesetzt wurden. Und Prof. Hans-Ulrich Klör von der Universität Gießen bestätigt: „Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Hinweis darauf, dass der Verzehr Pflanzensterin-angereicherter Produkte mit Nebenwirkungen in Verbindung zu bringen ist.“

Wegen der letztgenannten Aussage versandte foodwatch am 30. November 2011 eine Abmahnung an Unilever und forderte das Unternehmen auf, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Dies lehnte das Unternehmen ab. Da Unilever weiterhin behauptet, es gebe „keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen durch Pflanzensterine, hat foodwatch nunmehr Klage eingereicht.

Fischerzeugnisse: Seit 2012 oft in Latein

Seit dem 1. Januar 2012 ist die Kennzeichnung von Fischerzeugnissen neu geregelt. Viele Produkte müssen sowohl mit dem deutschen als auch mit dem lateinischen Namen ausgezeichnet werden, meldet das Fisch-Informationszentrum (FIZ).

Das gilt beispielsweise für Fisch an der Frischfischtheke, Räucherfisch und viele Tiefkühlprodukte.
Der Hinweis kann auf dem Preisschild, aber auch auf Plakaten oder Postern stehen. Theragra chalcogramma ist beispielsweise der Alaska-Seelachs, Salmo salar der Lachs und Clupea harengus der Hering. In einigen Fällen endet der wissenschaftliche Name mit dem Kürzel „spec.“ (Mehrzahl: „spp.“) für Art beziehungsweise Spezies. So ist Gadus spp. ein Fisch der Gattung Kabeljau, die Art ist aber nicht genau benannt. Wer es genau wissen will, fragt nach, ob es sich etwa um einen Atlantischen Kabeljau (Gadus morhua) oder Pazifischen Kabeljau (Gadus macrocephalus) handelt.

Das Jahr 2012 bringt noch weitere Änderungen mit sich: So müssen beispielsweise Tiefkühlprodukte, die vor dem Verkauf aufgetaut und als frische Ware an der Bedientheke gehandelt werden, ab sofort mit dem Hinweis „aufgetaut“ gekennzeichnet sein. Das gilt aber nicht für roh verzehrte Fischereierzeugnisse und solche, die nach dem Auftauen geräuchert, gesalzen, gegart oder mariniert wurden.
Heike Kreutz, www.aid.de

"Knorr Vie”-Smoothie kann Obst und Gemüse nicht ersetzen

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat – im Auftrag des
Konsumentenschutzministeriums – eine Verbandsklage gegen Unilever aufgrund der
Darbietung des Smoothies “Knorr Vie” eingebracht und in erster Instanz gewonnen.

Das Handelsgericht Wien kritisierte, dass dem Verbraucher fälschlicherweise
suggeriert wird, der Inhalt des Getränkes könne den Verzehr von frischem Obst und
Gemüse ersetzen.
Der aktuellen Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (kurz DGE) zufolge soll
ein Erwachsener täglich 400g Gemüse und 200 bis 250g Obst zu sich nehmen.

Dies
bedeutet fünf Portionen Obst und Gemüse täglich, wobei eine dieser Portionen – und auch
nur ausnahmsweise – durch 200ml Saft ersetzt werden kann.
„Knorr Vie“ ist ein sogenannter „Smoothie“; das ist ein Getränk aus dem Saft von Früchten
und Gemüse. Es wird in Fläschchen von 100ml angeboten.
Auf „Knorr Vie“ war zu lesen: „1 Fläschchen Knorr Vie = 50% des täglichen Bedarfs an
Gemüse & Früchten“.

Das führt auch im Zusammenhang mit der graphischen Gestaltung der
Verpackung – so das Handelsgericht Wien – dazu, dass der durchschnittliche Verbraucher
zu der irrigen Annahme komme, dass er anstelle von frischem Obst und Gemüse eine
Flasche „Knorr Vie“ zu sich nehmen könne, um 50 Prozent seines Tagesbedarfes an Obst
und Gemüse zu decken. Diese Annahme ist jedoch falsch.

Der Verweis von Unilever, auf der Oberseite der Verpackung finde sich ohnehin der
kleingedruckte Hinweis: „Jede Flasche Vie hilft Ihnen auf einfache Art und Weise Ihren
täglichen Verzehr an Gemüse und Früchten zu steigern“, war dem Gericht nicht ausreichend,
da die inkriminierte Werbeaussage keinerlei Verweis auf diesen Hinweis enthielt.

Auch wenn das Produkt dem Lebensmittelsicherheits- und dem Verbraucherschutzgesetz
sowie dem Codex Alimentarius Austriacus entspricht, ändert das für das Gericht nichts an
der Irreführung durch die plakative Werbeaussage.
„Es ist erfreulich, dass die Gerichte mit Irreführungen rund um die Gesundheitswirkungen
von Lebensmitteln streng ins Gericht gehen“, freut sich Mag. Ulrike Docekal, zuständige
Juristin im VKI, über das Urteil des Handelsgerichtes. Dieses ist nicht rechtskräftig.

Das Urteil ist auf www.verbraucherrecht.at einzusehen

Fast 10 % der Eisproben kritisch

LAVES untersucht Speiseeis

Was wäre die Sommerzeit ohne Eis? Und damit es ein „Genuss ohne Reue“ bleibt, kontrollieren die niedersächsischen kommunalen Lebensmittelüberwachungsbehörden wie in jedem Jahr zusammen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) landesweit das angebotene Speiseeis der Eisdielen. In diesem Jahr sind im Lebensmittelinstitut Braunschweig des LAVES bereits 323 Speiseeisproben aus handwerklicher Produktion mikrobiologisch und weitere 35 Proben auf Farbstoffe untersucht worden.

Die Eisproben werden zum einen auf Keime untersucht, die Hinweise auf hygienische Mängel im Betrieb geben. Zum anderen wird ein besonderes Augenmerk auf Krankheitserreger wie Salmonellen und Listeria monocytogenes gelegt. Die Ergebnisse im Einzelnen: In keiner Probe wurden Salmonellen oder Listeria monocytogenes nachgewiesen. Also kein Grund zur Sorge: insgesamt waren zwar 98 Proben mikrobiologisch auffällig – dies ist ein Hinweis auf mangelnde Hygiene in den Betrieben – letztendlich mussten aber nur 29 Proben (9%) beanstandet werden.

Eine gesundheitliche Gefährdung ist damit nahezu ausgeschlossen. Dazu tragen insbesondere intensive Routinekontrollen vor Ort und strenge mikrobiologische Anforderungen an die Herstellung bei. Bei auffälligen Untersuchungsergebnissen leiten die Lebensmittelüberwachungsbehörden zudem entsprechende Maßnahmen ein, um Hygienemängel in den betreffenden Betrieben zu beseitigen.

Die Hygiene ist das A und O und deshalb kann ein kritischer Blick beim Eiskauf nicht schaden: Die Arbeitskleidung des Personals sowie die verwendeten Geräte sollten sauber sein. Eingetrocknete oder verklebte Reste im Arbeitsbereich oder auf der Theke stellen reine Brutstätten für Mikroorganismen dar und können zu erhöhten Keimgehalten im Eis führen.

Einen weiteren Schwerpunkt hat das Lebensmittelinstitut Braunschweig in diesem Jahr auf die Untersuchung von Farbstoffzusätzen gelegt. Bei vier von 35 bisher untersuchten Proben fehlte der Hinweis auf die verwendeten Farbstoffe. Im vergangenen Jahr waren es noch 9 von 32. Damit hat sich die Situation gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Künstliche Farbstoffe müssen durch den Hinweis „mit Farbstoff“ für den Verbraucher kenntlich gemacht werden. Kräftig gefärbte Eissorten wie „Blauer Engel“ „Himmelblau“ oder „Waldmeistereis“ enthalten häufig künstliche Farbstoffe.

Zudem wird vom 20. Juli 2010 an die Kennzeichnungspflicht für bestimmte Farbstoffe verschärft. Die Ergebnisse einer im Auftrag der britischen Behörde für Lebensmittelsicherheit von der Universität Southampton durchgeführten Studie (sog. Southampton-Studie) deuten darauf hin, dass sich bestimmte Farbstoffe (Gelborange S (E110), Chinolingelb (E104), Azorubin (E122), Allurarot (E122), Allurarot AC (E129), Tartrazin (E102) und Cochenillerot A (E 124) möglicherweise nachteilig auf das Verhalten hyperaktiver Kinder auswirken. Obwohl die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) diese Studie nicht als ausreichend für die Empfehlung von Schutzmaßnahmen ansah, wollte der europäische Gesetzgeber zumindest eine Warnpflicht einführen. Dies hat er in einer europäischen Verordnung über Lebensmittelzusatzstoffe (VO (EG) Nr. 1333/2008) getan, die bezüglich der zusätzlichen Kennzeichnung der Farbstoffe im Sommer in Kraft tritt. Demnach muss bei einer Verwendung dieser Farbstoffe folgendes angegebenen werden: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“. Um zu überprüfen, ob die Hersteller die Vorschriften zeitnah umsetzen, werden weitere Speiseeisproben auf Farbstoffe überprüft.

25 Proben Stracciatella-Eis und Ausgangsstoffproben für Stracciatella-Eis werden derzeit ebenfalls unter die Lupe genommen. Dabei wird geprüft, ob tatsächlich Schokolade enthalten ist oder ein Ersatzprodukt, wie z. B. kakaohaltige Fettglasur. Weitere für diesen Sommer geplante Projekte: Zitroneneis, bei dem der vorgeschriebene Fruchtanteil überprüft wird und Milchspeiseeis. Hier wird ermittelt, ob der notwendige Mindestanteil an Milch enthalten ist. Die Ergebnisse werden in Kürze erwartet.

Die Untersuchungen laufen derzeit auf Hochtouren. In den Sommermonaten werden in die Lebensmittelinstitute des LAVES in Braunschweig und Oldenburg jährlich insgesamt mehr als 1.200 Proben von den Lebensmittelüberwachungsbehörden zur Untersuchung eingesandt.

ÖKO-TEST Grillsaucen

Schadstoffe auf dem Steak

Der Sommer hat lange auf sich warten lassen – und nun kann endlich der Grill angeheizt werden. Doch egal, ob Rostbratwürste, Nackensteak oder Spareribs gebrutzelt werden, erst mit einer guten Sauce wird der Genuss perfekt. Das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST wollte wissen, ob man sich mit Barbecue-, Chili- oder Zigeunersaucen auch schädliche Inhaltsstoffe auf das Fleisch oder die Wurst schüttet, und hat 20 Produkte ins Labor geschickt.

Das Ergebnis: Die Mehrzahl der Saucen ist „gut“. Allerdings gibt es auch Produkte, die negativ aufgefallen sind. Sechs Grillsaucen haben etwa höhere Ergosterinwerte, was ein Hinweis darauf ist, dass die Hersteller überreife, schimmelige Tomaten mitverarbeitet haben. ÖKO-TEST-Chefredakteur Jürgen Stellpflug kritisiert zudem einige Barbecuesaucen. Diese bekommen dank Aromen einen typisch rauchigen Geschmack. Die Raucharomen können allerdings polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten, welche das Erbgut schädigen und Krebs auslösen. So überschreiten etwa die beiden Saucen HP Original BBQ Sauce Classic Woodsmoke Flavour und Jim Beam Barbecue Sauce Original die von der Aromenverordnung vorgeschriebenen Grenzwerte.

An der Jim Beam Barbecuesauce bemängelt ÖKO-TEST außerdem den Konservierungsstoff Natriumbenzoat, weil dieser relativ häufig Allergien auslöst. Die meisten anderen Produkte zeigen, dass es mittlerweile auch ohne Konservierungsstoffe geht. Geizig zeigt sich Jim Beam bei der Zutat Whisky: Die Sauce enthält nur 0,05 Prozent, während Konkurrent Jack Daniel´s in seine Sauce ein Prozent mischt.

Das ÖKO-TEST Magazin Juni 2010 gibt es im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

Health Claims

Health Claims – die Verbrauchersicht

Mehrheit wünscht sich wissenschaftliche Absicherung

Gesundheitsangaben (Health Claims) sollten erst auf Lebensmitteln stehen, wenn sie wissenschaftlich bewiesen sind, meinen 65 Prozent der Verbraucher. 18 Prozent wären mit Werbeaussagen einverstanden, die noch nicht ganz abgesichert sind, vorausgesetzt, man findet einen Hinweis dazu auf der Verpackung. Neun Prozent sind sogar der Meinung, dass Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln grundsätzlich nichts zu suchen hat, selbst wenn ein wissenschaftlicher Nachweis vorliegt.

Diese Studienergebnisse präsentierte Professor Monika Hartmann, Universität Bonn, auf dem Kongress „Lebensmittel mit Zusatznutzen“, einer Veranstaltung des Clustermanagement Ernährung.NRW und des Bonner Agrar- und Ernährungsnetzwerkes, BAEN. Der Auftrag an die Politik scheint also eindeutig: Gesundheitsangaben sollen wissenschaftlich fundiert sein. Die Frage ist allerdings, auf welchem wissenschaftlichen Niveau dieser Nachweis geführt werden muss. Sind die Anforderungen zu niedrig, dann wird unter Umständen ein falscher Claim zugelassen, sind die Anforderungen an den Nachweis zu hoch, dann werden möglicherweise richtige Claims nicht genehmigt. In beiden Fällen wäre die Entscheidung für den Verbraucher nachteilig. Doch auch wenn eine Angabe objektiv richtig ist, dann bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch richtig verstanden wird, stellte Hartmann fest. So kann eine unterschiedliche Beschreibung der objektiv selben Eigenschaft die Produktbeurteilung der Konsumenten beeinflussen.

Empirische Studien zeigen beispielsweise, dass Verbraucher Hackfleisch mit der Angabe “ zu 75 % mager“ positiver bewerten als Hackfleisch mit dem Hinweis „Fettanteil 25 %“. Auch die subjektive Wahrnehmung spielt also eine wichtige Rolle beim Nutzen, den Claims für Verbraucher haben.

Damit Verbraucher Gesundheitsangaben nicht falsch verstehen, müssen Hersteller, die Gesundheitsangaben machen wollen, auf dem Produkt eine Reihe von zusätzlichen Hinweisen geben, so schreibt es die europäische Claims-Verordnung vor. Dazu gehören unter anderem Hinweise zur Relevanz einer ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise, Angaben zur Menge, die konsumiert werden muss, um eine positive Wirkung zu erzielen sowie umfangreiche Nährwertangaben. Diese Angaben sollen zu einem besseren Verständnis der Claims beitragen. Nach Hartmann besteht hier aber die Gefahr der Informationsüberlastung. „Wir suchen das Wissen, das wir durch Information verloren haben“, zitierte sie den Nobelpreisträger Thomas Stearns Eliot.

aid, Gesa Maschkowski