Fleisch aus tiergerechter Haltung

Fehlende Kennzeichnung und andere Lebensmittel-Unklarheiten
Schnitzel, Steak und Frikadellen genießen die meisten Verbraucher am liebsten, wenn sie aus besonders tiergerechter Haltung stammen. Doch während auf jedem Ei stehen muss, wie die Legehenne gehalten wird, fehlt eine solche Einkaufshilfe für das meiste Fleisch. Nur für Geflügel gibt es EU-weit einheitliche Angaben. Da sie freiwillig sind, nutzen die Hersteller aber auch diese nur selten. Bis dieser Mangel abgestellt und die Kennzeichnung aller Fleischsorten vorgeschrieben ist, müssen Konsumenten auf andere Informationen zurückgreifen. Welchen Labeln und Versprechen sie dabei trauen können und was Augenwischerei ist, erklärt der neu aufgelegte und ergänzte Ratgeber „Lebensmittel-Lügen – Wie die Food-Branche trickst und tarnt“ der Verbraucherzentrale NRW.

In weiteren Kapiteln widmet sich das kritische Werk unter anderem der unklaren Kennzeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel, unseriösen Gesundheitsversprechen und den Strategien der Produktplatzierung im Supermarkt. Die Leser erfahren zudem, wie sie die örtliche Herkunft ihrer Speisen ergründen können und was sich hinter manch wohlklingender Warenbezeichnung wirklich verbirgt.
Der Ratgeber kostet 14,90 Euro und ist in den örtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW erhältlich. Für zuzüglich 2,50 Euro für Porto und Versand wird er auch nach Hause geliefert.

Bestellmöglichkeiten:
Online-Shop: www.vz-ratgeber.de, Telefon: 0211/3809-555, E-Mail: ratgeber@vz-nrw.de, Fax: 0211/3809-235, Post: Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf

Was ist ein Smoothie?

Smoothie-WirrWarr im Kühlregal – Uneinigkeit über die lebensmittelrechtliche Einordnung

Smoothie – das Trendprodukt aus Früchten hat sich nach drei Jahren auf dem deutschen Markt etabliert. Die sämigen Getränke, die vor allem aus Fruchtsaft und -püree bestehen sind aus den Kühlregalen nicht mehr wegzudenken. Doch bei der Frage, welcher Produktkategorie Smoothies zuzuordnen sind, gehen die Meinungen auseinander. Denn „Smoothie“ ist kein geschützter Begriff sondern aus lebensmittelrechtlicher Sicht eine Phantasiebezeichnung. Es existiert also keine einheitliche Definition. Die Anbieter können somit so ziemlich alles unter der Bezeichnung „Smoothie“ verkaufen. Daher finden sich auf dem deutschen Markt Smoothies mit den verschiedensten Inhaltsstoffen. Allen gemeinsam ist zwar ihre sämige Konsistenz auf der Basis von Früchten, jedoch werden auch weitere Inhaltsstoffe wie Kokosmilchpulver, Minze oder Extrakte aus Aloe hinzugefügt sowie Zusatzstoffe wie Aromen oder Pektin. Ein Drittel der Hersteller verwendet aus Konzentraten hergestellte Produkte aus Fruchtsaft und -mark. Es gibt sogar Speiseeis- oder Alkohol-Produkte mit der Aufschrift „Smoothie“ in Supermärkten zu kaufen.

Smoothies, die nur aus Früchten bestehen, sind in Deutschland am häufigsten verbreitet. Die Meinung welcher Produktkategorie diese identischen Erzeugnisse zuzuordnen sind, lässt selbst Experten streiten. Einige Untersuchungsämter ordnen diese Ganzfrucht-Smoothies aufgrund der sämigen Konsistenz oder den enthaltenen Fruchtstücken den Obsterzeugnissen zu. Andere betrachten sie als Fruchtsäfte oder gänzlich als „Produkte eigener Art“. Auch die Anbieter von Smoothies scheinen sich uneinig über die Produktzugehörigkeit zu sein. Ein Teil der Anbieter kennzeichnet ihr Erzeugnis mit der Verkehrsbezeichnung, das ist der Name eines Produktes, „Fruchtsaft“. Der übrige Teil umschreibt sein Produkt mit Worten wie „Zubereitung aus Frucht und Fruchtsaft“ oder „Multifruchtdrink aus Obstsaft und -püree“. Das bestehende Lebensmittelrecht wird hier anscheinend ganz unterschiedlich interpretiert und macht die Vergleichbarkeit für Verbraucher extrem schwierig.

Aufgrund der abweichenden Auffassungen, was ein Smoothie ist und welcher Produktkategorie er zuzuordnen ist, scheint zukünftig eine einheitliche Regelung nötig. So zeigen die Ergebnisse einer Diplomarbeit der Universität Bonn, Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, dass eigene Leitsätze, zumindest für Ganzfrucht-Smoothies denkbar oder die Aufnahme einer Smoothie-Definition in bestehende Leitsätze für Obsterzeugnisse oder für Fruchtsäfte Abhilfe schaffen würden. Leitsätze böten, auch wenn nicht rechtsbindend allen Verkehrsteilnehmern die Möglichkeit für einen gemeinsamen Qualitätsstandard und die Sicherheit, dass sich hinter dem einen Produkt Smoothie immer dasselbe verbirgt.
aid, Andrea Kornblum

Die Gründung der Hotelstars Union bringt einheitliche Hotelsterne für Europa

Auf dem Weg zu einheitlichen Hotelsternen

in Europa wurde heute in Prag ein wichtiger Grundstein gelegt: Die
Hotelverbände aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Schweden, der
Schweiz, Tschechien und Ungarn gründeten die „Hotelstars Union“.

Unter der
Schirmherrschaft von HOTREC – Hotels, Restaurants & Cafés in Europa – werden
die Mitglieder ab Januar 2010 ein gemeinsames Klassifizierungssystem in
ihren Ländern einführen und damit dem Hotelgast noch mehr Transparenz und
zuverlässige Informationen bieten.

Noch bis vor Kurzem waren einheitliche Hotelsterne am europäischen Firmament
eine ferne Vision – nun wird sie für zunächst sieben europäische Länder
schon greifbare Wirklichkeit. Langjähriges Vertrauen, eine gemeinsame
Marketingphilosophie und ähnlich strukturierte, mittelständische Hotelmärkte
begünstigen diese beispielgebende Kooperation. Das Fundament der Einigung
bilden die 21 Prinzipien von HOTREC zur Weiterentwicklung von
Hotelklassifizierungssystemen, die alle Mitglieder der „Hotelstars Union“
für bindend erklärten.

Die Präsidenten und Geschäftsführer der Mitglieder der „Hotelstars Union“
luden ebenso wie HOTREC-Präsident Kent Nyström weitere
HOTREC-Mitglieds-länder zu der gemeinsamen Klassifizierungsinitiative ein:
„Diese Initiative steht ausdrücklich weiteren Ländern in Europa offen, die
ebenfalls weitere Anreize zur Steigerung der Qualität und zur Förderung der
Vermarktung ihrer Hotellerie setzen wollen.“

Bereits ab Januar 2010 werden Deutschland, Österreich, Schweden und
Tschechien die gemeinsamen Kriterien umsetzen. Ungarn setzt nach Schaffung
der gesetzlichen Grundlagen auf einen Startschuss noch im Laufe des Jahres
2010. Die Schweiz wird ihrem fünfjährigen Klassifikationsrhythmus folgend im
Jahr 2011 gleichziehen. In den Niederlanden gilt ein ähnlicher Zeitplan. Mit
den Hotelsternen wird den Gästen nun auch grenzüberschreitend eine
zuverlässige Leitlinie für die Auswahl des Hotels geboten – sei es für den
Urlaub oder für die geschäftliche Tagung.

Die gemeinsame Hotelklassifizierung basiert auf insgesamt 270 einzelnen
Kriterien – einer Kombination von Mindestkriterien je Kategorie und
fakultativen Kriterien, mit denen notwendige Punktwerte gesammelt werden
können. Durch repräsentative Gästebefragungen werden diese Kriterien
weiterentwickelt und dementsprechend auf die Erwartungen und Ansprüche der
Gäste abgestimmt. Den Erkenntnissen folgend wurden im ab 2010 gültigen
Kriterienkatalog Schwerpunkte in den Bereichen Qualitätsmanagement, Wellness
und Schlafkomfort gesetzt. Die Hotelsterne der in Prag begründeten
Partnerschaft werden zunehmend auch eine Brückenfunktion zwischen dem realen
Hotelprodukt und seinem virtuellen Abbild im Internet übernehmen.

Erste
Akzente in diese Richtung wurden etwa mit Kriterien zur Aussagekraft der
Hotel-Homepages und zur Einbindung von Hotel-Bewertungsportalen gesetzt.

www.hotelstars.eu

Gesetz über einheitliche Fahrgastrechte im öffentlichen Eisenbahnverkehr

Deutsche Bahn begrüßt Gesetz über einheitliche
Fahrgastrechte im öffentlichen Eisenbahnverkehr

DB-Personenverkehrsvorstand Rausch: Erstes nationales Fahrgastrechte-
Gesetz schafft gleiche Bedingungen für alle Bahnbetreiber und mehr
Kundenservice • Neue Regelungen treten noch im Sommer 2009 in Kraft

Die Deutsche Bahn begrüßt das am Freitag im Bundesrat
verabschiedete erste nationale Gesetz über einheitliche Fahrgastrechte im
Eisenbahnverkehr. Mit den neuen Regelungen haben Bahnfahrer künftig bei
allen Eisenbahnverkehrsunternehmen die gleichen Rechte auf Entschädigung,
falls ihr Zug sich verspätet oder ausfällt. Die neuen Fahrgastrechte und das
bundesweit einheitliche Fahrgastrechte-Formular werden noch im Sommer
2009 eingeführt.

„Mit der Einführung unserer Kundencharta und den damit verbundenen
freiwilligen Entschädigungsregelungen im Jahr 2004 war die Deutsche Bahn
Vorreiter bei den Fahrgastrechten“, betont Dr. Karl-Friedrich Rausch, Vorstand
Personenverkehr der Deutschen Bahn. „Die jetzt erfolgte Ausweitung der
Kundenrechte auf alle Bahnbetreiber in Deutschland schafft nicht nur gleiche
Bedingungen im Schienenverkehr insgesamt, sondern ist vor allem auch ein
großer Zugewinn an Qualität und Service für die Fahrgäste.“

Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN, begrüßt
ebenfalls die neue Regelung: „Damit wurde ein wichtiger Schritt in die richtige
Richtung vollzogen und die Rechte der Kunden im Schienenverkehr gestärkt.
Jetzt müssen aber weitere Schritte folgen und vergleichbare Entschädigungs-
Regelungen auch für andere Verkehrsträger – vor allem den Flug- und
Busverkehr – eingeführt werden.“

Nach dem neuen Fahrgastrechte-Gesetz haben Bahnreisende in Zukunft ab
einer Verspätung von 60 Minuten am Zielort Anspruch auf 25 Prozent des
Fahrpreises. Verspätet sich der Zug um mindestens 120 Minuten, erhält der
Fahrgast eine Entschädigung über 50 Prozent des Fahrpreises. Ist eine
Verzögerung des gewählten Zuges um mehr als 60 Minuten absehbar, kann der
Fahrgast darüber hinaus von der Reise zurücktreten und sich den Fahrpreis
komplett erstatten lassen.

Im Nahverkehr gelten darüber hinaus zusätzliche Bestimmungen. Bei einer
absehbaren Verspätung am Zielort von mindestens 20 Minuten kann der
Fahrgast seine Reise mit einem anderen Zug antreten beziehungsweise
fortsetzen – auch mit Fernverkehrszügen. Ausgenommen sind Züge mit
besonderer Reservierungspflicht, wie zum Beispiel die ICE Sprinter oder City
Night Line-Verbindungen. Für den Fernverkehrszug muss der Reisende

zunächst eine gültige Fahrkarte erwerben. Die entstehenden Kosten bekommt
er anschließend von dem Eisenbahnunternehmen erstattet, das für die
Verspätung verantwortlich ist.

Ist davon auszugehen, dass sich ein Zug im Nahverkehr, dessen planmäßige
Ankunftszeit zwischen 24 und 5 Uhr liegt, um mindestens 60 Minuten verspätet,
kann der Fahrgast darüber hinaus andere Verkehrsmittel zu seinem Zielort
benutzen – wenn notwendig auch Taxis. Die Kosten hierfür bekommt der
Reisende bis 80 Euro ersetzt. Gleiches gilt, wenn die letzte fahrplanmäßige
Verbindung des Tages ausfällt und der Fahrgast den Zielort bis 24 Uhr ohne die
Nutzung eines anderen Verkehrsmittels nicht mehr erreichen kann.

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn bietet seinen Kunden eine weitere – über
die gesetzlichen Anforderungen hinaus gehende – Kulanzregelung an: Bei einer
absehbaren Verspätung am Zielort von mindestens 20 Minuten ist die Nutzung
eines höherwertigen oder von der Zugbindung abweichenden Zuges möglich.
Auch die Taxiregelung für Nahverkehrsreisende wird im DB-Fernverkehr
übernommen.

Den Weg zur Entschädigung soll künftig ein zentrales Fahrgastrechte-Formular
erleichtern. Gemeinsam mit dem TBNE (Tarifverband der Bundeseigenen und
Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland) hat die Deutsche Bahn das
neue Fahrgastrechte-Formular und die dahinter liegenden Kundenprozesse
entworfen. Damit gibt es erstmals deutschlandweit eine Plattform, um
Entschädigungsansprüche im Eisenbahnverkehr unternehmensübergreifend zu
regeln – unabhängig davon, ob der Fahrgast mit der Deutschen Bahn oder
einer anderen Bahngesellschaft gefahren ist.

Bernd Rössner, Geschäftsführer des TBNE, betont die gute Zusammenarbeit
bei der Entwicklung eines einheitlichen Entschädigungsprozesses: „Bereits seit
Mitte letzten Jahres haben die Eisenbahnen in Deutschland intensiv und
erfolgreich an der gemeinsamen Organisation der Fahrgastrechte zusammengearbeitet,
um eine kundenorientierte Umsetzung der gesetzlichen Regelungen
sicherzustellen.“

Die Gesetzesinitiative des Bundes geht auf die EG-Verordnung 1371/2007
zurück, in der die neuen Regelungen der Fahrgastrechte erstmals für die
gesamte Europäische Union verbindlich definiert sind. Die Verordnung wurde
im Dezember 2007 verabschiedet und tritt EU-weit am 3. Dezember 2009 in
Kraft. Die Deutsche Bahn und die privaten Bahnen werden deutschlandweit die
Regelungen gemeinsam bereits im Sommer einführen. Über die Handhabung
des neuen einheitlichen Fahrgastrechte-Formulars und das genaue
Einführungsdatum werden DB und TBNE rechtzeitig vor Inkrafttreten detailliert
informieren.

Wesentliche Verbesserungen für den Fahrgast im Überblick:

• Bundesweit einheitliche Regelungen für Eisenbahnverkehrsunternehmen im
Nah- und Fernverkehr
• Entschädigung über die komplette Reisekette

• Entschädigungsstufen im Nah- und Fernverkehr:
ab 60 Minuten Verspätung: 25 Prozent des Fahrpreises
ab 120 Minuten Verspätung: 50 Prozent des Fahrpreises

• Entschädigung wahlweise als Gutschein oder in bar
Über die Verordnung 1371/2007/EG hinausgehende gesetzliche
Regelungen für den Nahverkehr und Kulanzregelungen im Fernverkehr

• Nutzung eines höherwertigen Zuges bei einer zu erwartenden
Verspätung
am Zielort von mindestens 20 Minuten.

• Nutzung eines anderen Verkehrsmittels, wenn abzusehen ist, dass der Zug,
dessen planmäßige Ankunftszeit zwischen 24 und 5 Uhr liegt, eine
Verspätung von mindestens 60 Minuten hat oder, wenn die letzte
fahrplanmäßige Verbindung des Tages ausfällt und der Fahrgast den Zielort
bis 24 Uhr mit dem Zug nicht mehr erreichen kann.

Noch keine einheitliche Gesundheitswerbung

Noch keine einheitliche Gesundheitswerbung
Fristen können nicht eingehalten werden

So schnell wie geplant, wird es wohl nichts mit einer einheitlichen Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat am 16. Januar 2009 noch einmal die Hälfte aller beantragten Werbeaussagen zur Überprüfung an die EU-Kommission zurückgeschickt, berichtete Dr. Evelyn Breitweg-Lehmann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf der Euroforum-Konferenz Nahrungsergänzungsmittel in Frankfurt. Im vergangenen Jahr hatten die europäischen Mitgliedstaaten gut 44.000 gesundheitsbezogene Aussagen zur Prüfung an die EU-Kommission eingereicht. Mit diesen so genannten „Health Claims“ möchten sie gerne auf Lebensmitteln werben. Nach Prüfung und Ergänzung wurde diese Wunschliste auf 4.185 Angaben eingedampft. Die EFSA bemängelt nun, nach dem ersten wissenschaftlichen Screening, dass unter anderem viele Anwendungsbereiche unklar sind, Formulierungen zu vage und Inhaltsstoffe nur unzureichend beschrieben sind.

Der neue Zeitplan der Behörde sieht vor, dass die ersten 1.000 Claims bis Juli 2009 bewertet werden. Gut 500 weitere Werbeaussagen sollen bis November 2009 bearbeitet werden, für die übrigen gibt es noch keine Zeitangabe. Alle 4.185 Angaben, die nun auf dem Prüfstand stehen, wurden kürzlich von der EFSA im Internet veröffentlicht. Die Listen haben jedoch keinen rechtlich verbindlichen Status, betonte Breitweg-Lehmann, sie seien lediglich ein internes Arbeitspapier. Gut die Hälfte der Werbeaussagen beschäftigt sich mit der Gesundheitswirkung von Pflanzen und Pflanzeninhaltsstoffen; der Rest bezieht sich auf Vitamine, Mineralstoffe, andere Nährstoffe oder Lebensmittel selbst.

Peter Loosen vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) befürchtet, dass die gesetzlich vorgeschriebene Zeitvorgabe, nämlich die Verabschiedung einer gemeinschaftlichen europäischen Liste mit gesundheitsbezogenen Angaben bis zum 31. Januar 2010, nicht mehr zu halten ist. Er fordert daher neue Übergangsfristen. Auch in Sachen Nährwertprofile ist die Kommission im Rückstand. Die sollten eigentlich am 19. Januar 2009 verabschiedet worden sein, was nicht geschehen ist, berichtete Loosen. Nährwertprofile sind Nährstoffgrenzen, die Lebensmittel erfüllen müssen, wenn sie Gesundheitswerbung tragen. Im Moment gibt es um fast jede Lebensmittelgruppe Diskussionen, sei es um den Salzgehalt im Brot oder um den Zuckergehalt in Energydrinks.

aid, Gesa Maschkowski

Was hat Nährwertkennzeichnung mit toten Pferden zu tun?

Neues von Ampel & Co.
Was hat Nährwertkennzeichnung mit toten Pferden zu tun?

Kleine bunte Nährwertangaben – wie auch immer sie aussehen – helfen nicht gegen Übergewicht. „Wer meint, diese Art der Verbraucheraufklärung würde zu einer Lösung der Übergewichtsproblematik führen, der setzt auf ein totgerittenes Pferd“, so das Fazit von Prof. Dr. Westenhöfer, Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Er hat vier verschiedene Modelle zur Nährwertkennzeichnung getestet. Unter dem Strich zeigte kein System einen positiven Effekt auf die Lebensmittelauswahl. Dass künftig alle Lebensmittel Nährstoffangaben tragen sollen, ist unstrittig. Doch wie die Angaben aussehen sollen und was das Ganze bringt, darüber lässt sich trefflich streiten. Das zeigte die 30. Ernährungsfachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Sektion Sachsen in Leipzig. Heike Lemmermöhle, Verbraucherzentrale Bundesverband, VZBV e. V. präsentierte das Ampelmodell. Die Möglichkeiten einer Kennzeichnung sind zwar begrenzt, meinte sie, aber zumindest könne eine Ampelkennzeichnung das Bewusstsein schärfen. „Umfragen in anderen EU-Ländern haben gezeigt, dass die Ampel einfacher und schneller nutzbar ist als andere Modelle“, sagte sie. Das Modell sei intuitiv verständlich, basiere auf einer industrieunabhängigen Bewertung und beziehe sich auf einheitliche Portionen, nämlich 100 Gramm eines Lebensmittels. Diesen Vorteil wollte Michael Warburg nicht gelten lassen. Er vertrat die Position der Lebensmittelhersteller, die sich in der Initiative „Ausgezeichnet informiert“ zusammengeschlossen haben. „Wenn ich nur 20 Gramm von einem Lebensmittel esse, dann stimmt die Ampel nicht“, stellte er fest. Außerdem versage das Modell beim Vergleich ähnlicher Produkte. „Fettreduzierte Käse erhalten ebenso einen roten Punkt wie die Vollfettvariante.“ Die Lebensmittelhersteller setzen daher auf das GDA-Modell. Es zeigt wie viele Nährstoffe eine Portion eines Lebensmittels liefert, ausgedrückt in Prozent der Tageszufuhr. „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung lehnt das GDA-Modell ab und ist auch nicht uneingeschränkt für Ampelmodelle“, sagte Dr. Helmut Oberritter, DGE. Er kritisierte am GDA-Modell unter anderem, dass der Richtwert für die Zuckerzufuhr zu hoch ist. Beim Ampelmodell hingegen seien die Grenzen zwischen den Farben willkürlich gesetzt. Weder Oberritter noch Warburg waren davon überzeugt, dass die diskutierten Kennzeichnungsmodelle einen Beitrag zur Verringerung des Übergewichts leisten könnten. „Eigentlich hätten wir das Ganze gar nicht gebraucht“, sagte Michael Warburg. „Das System ist uns aufgezwungen worden. Eine einheitliche Kennzeichnung mit Aufklärung wäre sinnvoller gewesen“, meinte er. Eine Ziel führende Diskussion der unterschiedlichen Positionen hat allerdings in Leipzig noch nicht statt gefunden.

aid, Gesa Maschkowski

Diabetiker brauchen keine speziellen Lebensmittel

BfR empfiehlt stattdessen einheitliche Nährwertkennzeichnung

Diabetikern wurde lange eine strenge Diät mit dem Verbot von Zucker und dem genauen Abzählen von Broteinheiten (BE) verordnet. Um Diabetikern das Einhalten ihrer Diätvorschriften zu erleichtern, entwickelte die Industrie spezielle Diabetiker-Lebensmittel. Sie enthalten Zuckeraustauschstoffe wie zum Beispiel Fructose. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch: Ein Zuckerverbot ist bei Diabetes nicht notwendig. Vielmehr sollten sich Diabetiker bei ihrer Ernährung an den Empfehlungen orientieren, die auch für die Allgemeinbevölkerung gelten. Vor allem der tägliche Verzehr von Obst und Gemüse ist wichtig, weil diese Lebensmittel nicht nur antioxidativ wirkende Substanzen enthalten, sondern auch viele Ballaststoffe. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind dagegen nicht erforderlich. Damit erübrigen sich aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung besondere Vorschriften für Diabetiker-Lebensmittel. „Vielmehr sollte eine einheitliche und erweiterte Nährwertkennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln Diabetikern die Auswahl erleichtern“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. Eine solche Kennzeichnung käme auch allen anderen Verbrauchern zugute.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit: Der Körper produziert entweder kein Insulin mehr (Typ 1) oder die Zellen können es nicht mehr aufnehmen (Typ 2). Beide Varianten bewirken, dass der mit der Nahrung aufgenommene Zucker nicht ins Zellinnere gelangt und folglich auch nicht als Energielieferant oder Energiespeicher wirken kann. Der aufgenommene Zucker wird stattdessen im Blut angereichert, der Blutzuckerspiegel steigt, und der Zucker wird ungenutzt mit dem Urin ausgeschieden.

Diabetikern wurde daher lange empfohlen, Zucker in der Nahrung streng zu kontrollieren oder auf Lebensmittel mit Zuckeraustauschstoffen, zum Beispiel Fructose, zurückzugreifen. Neuere Studien zeigen, dass solche Diäten nicht erforderlich sind. Da Diabetes keine reine „Zuckerkrankheit“ ist, sondern auch mit Störungen des Protein- und Fettstoffwechsels einhergeht, benötigen Diabetiker vielmehr individuelle Ernährungspläne. Neben normalen Blutzuckerwerten sind optimierte Blutfettwerte, normaler Blutdruck und normales Körpergewicht Ziele der Diabetes-Therapie. Diese lassen sich vor allem durch eine ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung erreichen. Obst, Gemüse und Salat sowie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sollten täglich auf dem Diabetiker-Speiseplan stehen, fette Wurst- und Käsesorten dagegen ebenso wenig wie Schokolade, Kuchen und Kartoffelchips. Diabetiker sollten fettarme Milchprodukte bevorzugen und zum Kochen Öle statt Butter verwenden. Ihre Nahrung sollte nicht zu viel Kochsalz enthalten, Alkohol sollten sie nur maßvoll konsumieren, zum Beispiel bis zu ein bis zwei Gläser Wein am Tag. Spezielle, „für Diabetiker geeignete“ und als solche gekennzeichnete Lebensmittel sind dagegen entbehrlich. Dies gilt umso mehr, als die Kennzeichnung ihren Zweck nicht erfüllt: Es gibt eine Vielzahl anderer Lebensmittel, die für Diabetiker geeignet, als solche aber nicht gekennzeichnet sind.

Wie alle anderen Verbraucher auch würden Diabetiker von einer erweiterten, einheitlichen Nährwertkennzeichnung profitieren, wie sie derzeit auf europäischer Ebene diskutiert wird. Leicht verständliche Angaben nicht nur zu Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett, sondern auch zu Gesamtzucker, gesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und Natrium oder Kochsalz auf verpackten Lebensmitteln würden die Auswahl geeigneter Produkte erleichtern.

Rettung des Nordsee-Kabeljaus

Rettung des Nordsee-Kabeljaus

Erstmals werden EU-Mitgliedstaaten koordinierte Kontrollen zur Erhaltung des Nordsee-Kabeljaus durchführen. Dazu hat die EU-Fischereiaufsichtsagentur einen Einsatzplan für gemeinsame Fischereikontrollen in der Nordsee und den angrenzenden Gebieten angenommen. Damit sollen die Überfischung der gefährdeten Kabeljaubestände gestoppt und die gefährdeten Kabeljaubestände gerettet werden. Die Ressourcen von sieben Küstenmitgliedsstaaten werden gebündelt und so eingesetzt, dass eine wirksamere, einheitliche Kontrolle der Fangtätigkeiten sichergestellt ist.

Der Einsatzplan, der sieben grenzübergreifende Inspektions- und Überwachungskampagnen vorsieht, läuft bis Jahresende. Auch in den übrigen Fischereigebieten der EU werden vergleichbare Pläne aufgestellt.

„Diesen ersten gemeinsamen Einsatzplan unter der Verantwortung der neuen EU-Fischereiaufsichtsagentur begrüße ich sehr. Solche Pläne sorgen dafür, dass die verfügbaren Ressourcen möglichst effizient und wirksam genutzt werden. Die beteiligten Mitgliedstaaten arbeiten vorbildlich miteinander und mit der neuen Fischereiaufsichtsagentur zusammen. Die gemeinsamen Einsatzpläne tragen dazu bei, das Vertrauen der Fischer in einheitliche Fischereikontrollen und – inspektionen in der gesamten Union zu stärken“, sagte Joe Borg, EU-Kommissar für Fischerei und maritime Angelegenheiten.

Der gemeinsame Einsatzplan für die Nordsee, das Kattegat, das Skagerrak und den östlichen Ärmelkanal ist der erste dieser Art. Mit dem Plan wird der Einsatz der gebündelten Ressourcen von sieben EU-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, koordiniert. Die Inspektionen und die Überwachung konzentrieren sich auf Fischereifahrzeuge, die Fangerät einsetzen, bei dem zu erwarten ist, dass Kabeljau entweder Zielart ist oder als Beifang vorkommt. Auch die Beförderung und Vermarktung von Kabeljau werden kontrolliert.

Jede der sieben gemeinsamen Kampagnen wird jeweils von einem Mitgliedstaat mit Unterstützung der Fischereiaufsichtsagentur geleitet. Die Inspektionsteams sind gemischt, und die Inspektionsschiffe und Überwachungsflugzeuge werden aus verschiedenen Mitgliedstaaten zusammengeführt. Die Inspektionsschiffe können in die Fanggründe eines anderen Mitgliedstaats einfahren. Der Mitgliedstaat muss allerdings der Einfahrt in seine Hoheitsgewässer zugestimmt haben, und an Bord des betreffenden Schiffs muss sich mindestens ein Inspektor aus dem betreffenden Mitgliedstaat befinden.

Mehr Infos hat die EU:
http://ec.europa.eu/cfca/index_en.htm

Railteam

Europas Bahnen planen offenbar Bündnis gegen Billigflieger

Die europäischen Bahnen planen angeblich eine Allianz gegen
die Konkurrenz der Billigflieger. Das berichtet das Handelsblatt
unter Berufung auf die Deutsche Bahn. Nach dem Vorbild der von der
Lufthansa geführten Star Alliance werde ein Bündnis mit dem
Arbeitstitel Railteam geplant. Die Eisenbahnen wollen ihren Kunden
dann einheitliche Qualitäts- und Servicestandards sowie
Preisvorteile bieten. Außerdem solle es grenzüberschreitende
Kundenbindungsprogramme ähnlich den Vielfliegerprogrammen der
Fluggesellschaften geben. Quelle: Deutsche Welle