Reisebericht Mandarin Oriental Bangkok

Einmal bei der alten Dame wohnen. Lange Zeit war das MO (Mandarin Oriental Bangkok) das teuerste und beste Luxushotel in Bangkok. Das teuerste Hotel ist mittlerweile das benachbarte Capella. Ist das MO noch das luxuriöseste Hotel in Bangkok?

Bangkok Mandarin Oriental

Wir sind gerne in Bangkok. Eine tolle Stadt. Tolles Preis-Leistungsverhältnis. Und man kommt von hier gut überall in Südostasien hin. Wir sind vorher in Tongsai Bay auf Koh Samui gewesen und hatten eine super Zeit. Jetzt noch drei Tage Bangkok.

Während ich gerne in der Innenstadt wohne, wollte meine Frau wieder am Chao Praya Fluß wohnen und das Mandarin Oriental kennenlernen. Mein letzter Kontakt mit dem MO Bangkok hatte mir eigentlich gereicht: das war der Besuch der Thai Dance & Kulturshow im Mandarin Oriental Sala Rim. Jedoch gab es eine Reaktion auf diesen Bericht. Der F&B Manager des Hauses, Marc Epper, meldete sich und versicherte mir, dass diese nicht der Standard seines Hauses sei. Wir verabredeten uns. Dann kam die Pandemie und Marc Epper ist mittlerweile Hotel Direktor in Macau. Seine Nachfolger sind nicht genauso engagiert wie er. Ich wollte gerne ein Interview mit dem Deutschen Executive Sous Chef Benjamin Halat machen, bekam aber weder von der PR- Abteilung noch vom FB dann Nachricht. Schade. Ben hätte bestimmt viel zu erzählen.

Ich buchte das Hotel via Reisetopia Hotels, weil deren Extras viel ausmachten. Der Preis war 630 €/Nacht, aber die 3. Nacht schenkten sie uns. Dazu gab es Frühstück (das kostet knapp 100 € für zwei!), 100 US-Dollar Hotelkredit und ein Begrüßungsgeschenk. Umgerechnet kostet also die Übernachtung mit Frühstück 420 €. Das ist für Bangkok viel, für so ein Spitzenhaus wie das Mandarin Oriental Bangkok im weltweiten Vergleich nicht.
Nach Verfügbarkeit gibt es auch ein Upgrade und Late-Checkout. Ein besseres Angebot habe ich nicht gefunden (—> Hotels günstiger buchen).

Mandarin Oriental Bangkok

Ein paar Tage vor der Anreise schickte mir das Mandarin Oriental Bangkok eine Email. Man bat mich um unsere Pässe und Vorabbezahlung,“In order to speed up the check in formality and your time in our front desk, kindly provide us a copy of all your passports prior to your arrival. You can also settle your stay in advance, if you wish to do so, we will send a secured payment link. Rest assured that we have reasonable administrative, technical safeguards and security measures to protect personal information „, damit alles beim Check in schneller geht. Da wir recht spät kamen und zeitnah eine Reservierung im neuen Keller Restaurant von Mirco Keller hatten, habe ich alles brav gemacht.

Bangkok Mandarin Oriental – Blick von 1505

Am Flughafen buchten wir eine AOT Limousine (Isuzu SUV) für 1150 THB (ca. 31 €) zum Hotel. Dort angekommen, wurden das Gepäck entladen und wir zur Rezeption geführt. „Passport please“ war die Begrüßung. Ich: „Ne, Room Key please“. Wer einmal bei Stefan Simkovics gewohnt hat, weiß, wie die besseren Hotels das machen: Der Page guckt auf den Kofferanhänger und ruft den Rezeptionisten an, der dann den Gast strahlend mit Namen und Schlüssel in der Hand beeindruckt. Das war meine Erwartung. Allzumal man auch wusste, wann ungefähr wir ankommen sollten, da ich den Flug angeben musste. Das war eine falsche Erwartungshaltung! Im Mandarin Oriental Bangkok gehr der Check in so ähnlich wie in den großen Hotels in Las Vegas.

Das Check in Prozedere dauerte 20 Minuten! Zuerst fand man uns im System nicht und dann zog es sich halt. Drei Mitarbeiter halfen uns. Zwei Herren und später eine kompetente Dame. Ich musste wieder meine Kreditkarte geben, obwohl ich ja schon – bevor ich überhaupt einen Fuß ins Haus gesetzt habe – unseren Aufenthalt komplett bezahlt habe und ausserdem 100 USD Hotelguthaben habe. Debitkarte geht nicht, man möchte eine Kreditkarte! Man blockierte dann 400 €, zur Sicherheit! So richtig gastfreundlich fand ich das jetzt nicht. Man zahlt selten für eine Leistung vorab und muss dann noch Sicherheiten geben. Aber im Hotel – auch in der „alten Dame“ – ist es üblich. Take it or leave it!
Wir bekamen einen Late-Check-Out um 16 Uhr (requested 18 Uhr – „wir können Ihr Gepäck lagern“). Einer der Herren führte uns auf’s Zimmer und erklärte den Safe (Standard Safe, aber groß, leider fast auf dem Fussboden).

Mandarin Oriental Bangkok

Das Zimmer ist im tadellosen Zustand. Es gibt eine Nespresso-Maschine und drei Kapseln, vier (Gratis-) Wasserflasche und was man sonst so braucht. Sehr gute Macarons und einige Magosteen in Schale erwarteten uns. Der Blick auf dem Fluß vom 15. Stock ist prima, aber kein Balkon. Es ist die Kategorie, die wir bestellten. Ein Upgrade war nicht verfügbar, hieß es (buchen konnte man sehr wohl höhere Kategorien …). Das versprochene „Begrüßungsgeschenk“ gab es nicht, Informationen zu den 100 USD Kredit gab es auch nicht. Ich fragte nicht weiter, um das ganze nicht zu verzögern.

Sehr klein fand ich den Schrank. Es gibt vier Schubladen in Hemdengröße und sonst keine „Liegeflächen“, nur Bügel zum Hängen. In der Dusche gibt es keine kleinen Fläschchen, sondern – wie in der Jugendherberge – große Dispenser, die schwer zu lesen sind. Ich musste erst einmal die Brille holen. Ganz stolz ist man auf das neue Toto-Washlet, das einem zur Begrüßung den Deckel anhebt, eine angewärmte Brille bietet und den Popo spült und danach fönt! Aber, der Toilettenpapierhalter ist so straff, dass jedes der dünnen Papiere reisst und man nicht mehrere auf einmal problemlos entfernen kann. Eine Kleinigkeit, aber anstrengend. First World Problem.

Das Licht ist furchtbar. Es gibt keine individuellen Schalter, sondern nur drei Szenarien: an, aus oder gedimmed. Das ist jetzt etwas doof, wenn einer schlafen möchte und der andere auf der Bank noch lesen will. Bei Reisen mit kleinen Kindern besonders schwierig. Gut allerdings: auf Knopfdruck bekommt man eine Nachtbeleuchtung, die den Weg zum Klo zeigt!
Einen Schreibtisch gibt es gar nicht. Reiche Menschen arbeiten nicht mehr, vermute ich! das kannte ich ja schon vom THE MURAKA, dem Unterwasserhotelzimmer.

Nach einem großartigem Essen im Keller Restaurant und einer guten Nacht, sind wir am Sonntag morgen zum Frühstück. OMG – das war wie auf einer Party. Mit Clown, der Ballon-Kunstwerke machte und Jubel-Trubel Heiterkeit. Es wurde auch (inkludierter, guter) Sekt ausgeschenkt. Offenbar kamen auch viele Einheimische zum Sonntags-Frühstück (für 47 € pro Person). Ich empfand das Anstehen und die Hektik als sehr unangenehm. Offenbar wurde F&B vom Andrang auch überrascht. Teile des Büffets waren aus, wie. z.B. (nicht besonders gute) Croissants oder Maracuja.
Auffällig ist, dass nur leitende Mitarbeiter Englisch sprechen. Das ist etwas anstrengend. Das hätte ich in der Kategorie nicht erwartet.
Die Qualität des Frühstücks ist gut, beim Brot und Aufschnitt wären nach Deutschen Massstäben Verbesserungen möglich. Das ist aber genörgelt.
Wir kamen wohl genau zum Höhepunkt des Trubels. Dieser nahm dann schnell ab und die Atmosphäre ist deutlich gediegener geworden. Es gab dann auch ein Glas Sekt für uns und wir haben die sonntägliche Ruhe auf dem Fluss genossen.

Das Spa/Fitnesscenter ist auf der gegenüberliegenden Seite. Schiffe fahren zu bestimmten Zeiten zur S-Bahn BTS, zum Spa und zur fantastischen Shopping Mall ICON Siam. Um jetzt mal kurz zum Trainieren zu gehen, ist das unpraktisch. Ich brauchte teilweise vom Zimmer bis in das gute Fitnesscenter 20 Minuten.
Die wunderschöne und gigantische Shopping Mall Icon Siam ist einen Besuch wert. Es gibt hier all die überteuerten Marken wie überall in der Welt, aber es gibt auch die normale Marken, einheimische Marken, so eine Art Tages-„Night-Market“, Kinos, tolle Restaurants wie z.B. Alain Ducasse „Blue*„: Dort waren wir um 20.15 Uhr nach einem Essen bei dem kantonesischen Dumpling Spezialisten Tim Ho Wan. „Können wir nur Nachtisch bei Ihnen essen?“ „Prinzipiell ja“, war die Antwort. „Haben Sie Platz?“ „JA!“. Wir freuten uns schon auf ein Baba au Rhum a la Ducasse (16 €), aber: „Wir haben schon Küchenschluss?“ Um 20.15 Uhr? „Nein, eigentlich um 21 Uhr!“ Aber? „Heute geht es nicht. Machen Sie eine Reservierung. In einer Woche ist wieder etwas frei!“ Wir sind dann enttäusch gegangen.
Kein Alain Ducasse Sterne Baba Rum heute. Stattdessen drei Eiscreme-Mochis für 2,30 €.
Die Mall ist spektakulär gemacht und man sollte sich diese angucken, wenn man hier in der Gegend wohnt. Alle Hotelschiffe fahren die Mall an.

Mandarin Oriental Bangkok

Am nächsten Tag war das Frühstück weniger hektisch und es gab alles, aber perfekt ist es nicht gewesen. Es wird sehr laut, recht gewöhnungsbedüftige Musik gespielt. Dazu kommt, dass am Wochentag auf dem Chao Praya Fluß der Bär steppt. Alle Fähren fahren, die roten und blauen Schiffs-Busse verkehren, große Last-Schubverbände und dazu die ganzen Hotelschiffe. Teilweise roch es recht stark nach Diesel. Dafür kann natürlich das MO Bangkok nichts. Und der Blick auf den Trubel ist trotzdem schön.

Ich fragte an der Rezeption nach einem Auto zum Flughafen. Ja, man hätte für nur 3500 THB (100 USD) einen 7er BWM. (Bei AOT kostet der 2600). ich fragte dann, ob wir einen Late Check out um 18 Uhr bekämen. Kein Problem. Ob ich unseren 100 USD Voucher für das Auto einsetzen könne? Nein das geht nicht. Hotelkredit ist nur für F&B und Spa. Dann habe ich das teure Auto wieder storniert und fragte, ob er mir bei AOT einen Isuzu Jeep bestellen könnte (1150 THB = 31 €). Da hat er sich gewunden. Ich sagte, never mind, ich mache das online und das ging schnell und gut.
Internet ist in fast allen Hotels in Thailand hervorragend! Im Mandarin Oriental ist besonders leistungsstark und überall sehr gut zu empfangen. Das Internet hier ist Weltklasse und Vorbild für alle Hotels!

Zuerst fängt es stark an, aber dann lässt wohl die Konzentration nach … Mandarin Oriental Bangkok Information im TV.

Vom Butler Service haben wir wenig gemerkt, was ja eine positive Nachricht ist. Das Zimmer wurde morgens, während wir beim Frühstück waren, gut geputzt. Oft wurden auch T-Shirts etc zusammengelegt. Es war immer ausreichend kostenloses Trinkwasser da. Ausserdem bekamen wir immer etwas Obst. Am ersten Tag, als wir nachts von Keller kamen, fanden wir auch eine Art Krabbencocktail. Wir waren aber pappsatt, so dass wir diesen Snack verschmähten. Die Folgetage gab es leider nichts.

An unserem letzten Tag bestand ich darauf, am Anfang des Frühstückslokals („Riverside Cafe“) zu sitzen und nicht am Ende, wo man uns immer platzieren will. Weiter weg vom Fähranleger ist es ruhiger und man riecht den Diesel weniger. Da sassen wir in der VIP Ecke. Das wusste ich nicht. Manager in blauen Anzügen gingen an die Tische und besprachen sich mit ihren Gästen. Wir und der arabische Nachbartisch wurden ignoriert. Die Araber bekamen dann noch den arabischen Manager 😉
Das Frühstück war komisch. In der VIP-Ecke bekamen wir keinen Löffel zum Latte, das Ei musste Madame dreimal anfragen. Ich wollte am Buffet Mangosteen haben („Solly, no seasoon,“ meinte der Mitarbeiter, obwohl auf jedem Markt lokale Mangosteen zu bekommen sind. ) Selbst frische Kokosnuss gab es heute nicht zu trinken. Das war enttäuschend. Ich mag die gerne. Auch unsere arabischen Nachbarn mochten die gerne, so dass sie diese bei ihrem arabischen Manager bestellten und auch bekamen.
Heute war die traditionelle Musik auch sehr laut, so dass die Gespräche an den Nachbartischen ebenfalls sehr laut geführt wurden. Die Herren in den blauen Anzügen sind wohl führende Hotelmanager. Sie sprachen ja laut genug …
Ich finde das Frühstück nicht gediegen oder erholsam. Schmecken tat es aber immer.

Mandarin Oriental Bangkok

Wir haben dann unsere 100 US Dollar Guthaben mit einer sehr guten 30 minütigen Rückenmassage verbraten. Eigentlich 100 Dollar ++, d.h. zzgl. Steuern und Service Charge. Und natürlich Trinkgeld. Dann waren es schon 4400 Bath (120 €) für zwei 30-Minuten Massagen. 100 USD sind 3500 Bath, aber im Hotel werden Dir nur 3300 Bath angerechnet, als ob man eine 100 Dollar Note an der Rezeption getauscht hätte. In den Banken bekommt man knapp 3500 beim Tausch. „Hotelkurs, Sir!“

Fazit: Für 420 € würden wir wohl das Hotel nicht mehr buchen. Dazu gibt es zu starke Konkurrenz in Bangkok. Im großen und ganzen funktionierte im Hotel alles gut, aber nichts war aussergewöhnlich oder gar großartig.
Die Tage von Kurt Wachtveitl sind einfach vorbei und Vergangenheit. Heute ist das MO ein gehobenes Kettenhotel wie viele andere auch. Nur, das bei den meisten anderen in Bangkok die Zimmer deutlich günstiger sind. Wenn wir das Mandarin Oriental für 299.- incl. Frühstück bekommen würden (diesen Preis sah ich schon), würden wir wohl darüber nachdenken.

Hinweis: Wenn nicht anders erwähnt, haben wir unseren Aufenthalt (und die Anreise) selber bezahlt. In der Regel zahlen wir immer selber! Wie auch hier.

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Mandarin Oriental Bangkok

Zusammenfassung

Mandarin Oriental Bangkok: Für 420 € würden wir wohl das Hotel nicht mehr buchen. Dazu gibt es zu starke Konkurrenz in Bangkok. Im großen und ganzen funktionierte im Hotel alles gut, aber nichts war aussergewöhnlich oder gar großartig.

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