StandArt Hotel Moskau

Eigentlich gehen wir immer in Moskau ins Baltschug Kempinski. Aber das Haus ist etwas in die Jahre gekommen, so dass wir auch mal was anderes ausprobieren. 
Die wirklich netten Häuser wie Hyatt (500.-), Four Seasons (700.-) etc waren uns zu teuer. Wir sind ja keine Influencer, die auf lau ins Hotel wollen, sondern wir zahlen immer. Deswegen gucken wir, dass wir preiswert und gut buchen. Meine Frau entschied sich für das StandArt Designhotel. Die Bilder sahen gut aus. Bei Otel fanden wir mit einem Voucher einen guten Preis (8% Voucher haben wir gegoogled). 158 €/Nacht ohne Frühstück. Auf der Hotelseite kostete es über 230 €.

StandArt Hotel Moskau
StandArt Hotel Moskau – Prospektfoto

Als wir mit unserem Yandex Taxi (sehr empfehlenswerte App, spart gut, keine Diskussionen um Fahrpreis) am Hotel ankam, war der Platz zum Hotel zugeparkt. Der Fahrer zwängte sich dazwischen, ich wuchtete unser Gepäck aus dem Auto. Nach dem ich die vier Koffer und eine Tasche schwitzend ausgeladen hatte, schnappte sich von hinten ein Krimineller wortlos zwei Koffer. Es stellte sich heraus, dass das ein Page war. In einer unglücklichen Uniform mit großen Turnschuhen sah er recht salopp aus. Er nahm sich die leichtesten Koffer und ich hastete mit den schweren Taschen ohne Rollen hinterher. Die Eingangstür öffnete er mir nicht, sondern ging durch und liess sie vor mir zufallen. Verblüffend. Was für ein Start! 5 Sterne-Hotel! Member of Design Hotels.

Der Check in zog sich und endlich durften wir auf die Zimmer. Meine Frau bekam kaum die Tür auf, weil die so schwer war. Das Zimmer sah dann doch etwas anders aus.

StandArt Hotel Moskau - Zimmer
StandArt Hotel Moskau – Zimmer

Wir waren nicht sehr beeindruckt. Es gab für zwei Leute zwei Flaschen 0,5l Wasser. Leitungswasser ist ungenießbar. Es gab eine Nespressomaschine mit drei verschiedenen Kapseln für zwei Personen. Leider gab es keine Milch oder Milchpulver. Housekeeping verweist auf die Rezeption. Die sagt, gibt es nicht. Ich rufe das Restaurant an, die verweisen an Roomservice. Roomservice verspricht nach langer Verhandlung, Milch zu liefern. Leider kam nie Milch. Ich musste dann im Laden Milch kaufen.
Der Schreibtisch war vollgestellt mit Broschüren, Werbung, Unsinn aller Art. Er ist aber auch nicht zum Arbeiten. Auf dem Stuhl zu sitzen und dann am hohen Tisch zu arbeiten erwies sich als Qual!

StandArt Hotel Moskau - Zimmer
StandArt Hotel Moskau – Schreibtisch

Wir wollten dann lüften. Das geht leider gar nicht. Die Fenster sind abgeschlossen. Laut Rezeption soll man die Klimaanlage nehmen. Aha. Aber gleichzeitig an der Tür so einen Slot haben, in den man seinen Karten-Schlüssel stecken muss, weil sonst nichts geht (Umweltschutz). Das heisst, aber auch kein Laptop wird in Abwesenheit aufgeladen.

Der charmante Blick durch das abgeschlossenen Fenster

Ich bat dann um den abendlichen Abdeckservice. „Gibt es am Anreisetag nicht. Das machen die Gäste selber!“ (O-Ton Rezeptionist). Wenigstens kam er dem Wunsch nach mehr Wasser nach.
Ich habe kein Problem damit, mein Bett selber abendfertig zu machen. Aber wenn ich 5 Sterne Service bezahle, will ich diesen auch geniessen.

Der TV ist chic, es ist ein Spiegel. Aber er lässt sich schlecht bedienen. Kanäle springen, viele Systemtasten sind nicht belebt. Es ist kein Smart TV, so dass man die Mediatheken nicht besuchen kann. Man hat die Auswahl zwischen RTL, RTL2, SuperRTL oder Vox. Das spricht ja auch Bände. Aber mal interessant, da rein zuzappen. Sieht man ja sonst nie.Die Fernbedienung ist träge und überspringt Programmplätze. Sehr anstrengend.

StandArt Hotel Moskau:

Vorteile:
+ Große Zimmer, mindestens 25 qm
+ chic
+ kleiner, leerer Extrakühlschrank für den Gast
+ Lage direkt an der U-Bahn Linie 2
+ Nespresso Kaffeemaschine mit 3 Kapseln für 2 Personen – mit Zucker aber ohne Milch – Milch ist nicht aufzutreiben im Hotel trotz Nachfrage
+ Gute Matratze
+ Gute Qualität der Speisen beim Frühstück, sehr freundliche Mitarbeiter

Nachteile:
– relativ teuer
– Hotel reagiert nicht auf Email-Kommunikation
– Sehr hellhörig vom Gang – trotz extrem schwerer Türen
– ungelernte, aber freundliche Mitarbeiter
– Gast grüßt Mitarbeiter – Mitarbeiter grüßen zurück
– wenig Amenities (0,5l Wasser pro Gast, kleine Tube Duschgel, Miniseife etc)
– Schreibtischstuhl nicht zum Arbeiten geeignet
– Schreibtische mit Werbung und anderem überfrachtet, aber Telefon und Block fehlen
– Gratis Leih-Handy nur auf russisch
– Dusche zu dicht an der Wand – Duschen unbequem, weil fast an der Wand
– Stahlkorb in der Dusche dumm angebracht. Man tritt automatisch auf den Stöpsel und verschliesst so den Abfluss. Man bückt sich und beim Hochkommen stösst man sich böse den Kopf. Auch so stösst man sich laufend am Korb!
– TV lässt sich umständlich bedienen
– Lichtschalter sehr kompliziert
– Gardine nicht breit genug, man muss Verdunkelungsvorhang teilweise zu ziehen
– Im Waschbecken läuft das Wasser kaum ab, Stöpsel falsch eingestellt
– Bei den Fenstern wurden die Griffe abmontiert, so dass ein Lüften unmöglich ist. Man muss zwangsweise die Klimaanlage benutzen, die einen dann kalt anblässt. Gleichzeitig muss man seine Zimmerkarte in einen „Slot“ tun, damit Strom während der Abwesenheit nicht verbraucht wird. Dann wird aber auch der Laptop nicht geladen!
– Sehr teures Frühstück (32 €), schlechte Zubereitung aus der Küche (das ist aber gerade in der Änderung)
– Null Umweltschutz Gedanken
– unzuverlässige Rezeption – Ich bat sie am 31. eine Terminsache für mich zu scannen und dann zu emailen. Scan erfolgte noch, email kam jedoch keine an! Was teuer für mich werden kann.

Gefährliche Dusche

Fazit

Es war unser erster Besuch in einem Haus der Design Hotelgruppe. Und vermutlich auch unser Letzter. Ein Hotel muss eine Seele haben. Und die muss bei einen 5-Sternehaus deutlich mehr sichtbar sein als bei einem Drei-Sternehaus. Und bei individuellen Boutique-Hotels mehr als bei Konzernhotels. Das StandArt machte den Eindruck, ein Investor baute das Haus und gab es dann einem GM zur Verwaltung. Dieser GM kümmert sich wenig um die Gäste, mehr um die Zahlen. Seele ist leider keine da. Hotellerie ist das nicht!
Der Preis ist hoch, die Leistung sind gering. Design ist eine tolle Sache, im StandArt Hotel Moscow jedoch ist es oft nur eine Qual. Das schreibt der, der gerade am Schreibtisch auf diesem witzigen DesignStuhl sitzt und Rückenschmerzen bekommt. Und dem der Schädel noch vom Duschunfall brummt!
Wir werden wohl zukünftig lieber wieder ins Baltschug von Kempinski gehen. Da sind die Mitarbeiter ausgebildet und wissen, was sie tun!

Demnächst auch die Infos über die Restaurants, die wir in Moskau besuchten!

Update: Beim Auschecken lernten wir den neuen Executive Chef des Hauses, Andrey Korobyak, kennen, dem alles sehr unangenehm war und der darauf hinwies, dass gerade eine neuer GM angetreten ist und deswegen einiges noch nicht rund läuft . Korobyak stellte uns seine Küchenideen vor. Das hörte sich sehr vielversprechend an. Das Restaurant YURA sollte man auf dem Plan haben!

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StandArt Hotel Moskau – Es war unser erster Besuch in einem Haus der Design Hotelgruppe. Und vermutlich auch unser Letzter. Ein Hotel muss eine Seele haben. Und die muss bei einen 5-Sternehaus deutlich mehr sichtbar sein als bei einem Drei-Sternehaus

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