Enrique Serván

von Bernhard Steinmann

„The Worlds 50 Best Restaurants“ erregt Jahr für Jahr die Gemüter der Gourmets.
Es gibt Beifall aber auch grundsätzliche Ablehnung. Kritik kommt hauptsächlich aus der „alten“ Welt, die Probleme damit hat, dass auch in anderen Teilen der Welt kreative Köche Felder für sich erobern, die europäische Klassiker und Avantgardisten für sich reserviert halten.

Gut, an Highend-Food-Restaurants in Japan hat man sich schnell gewöhnt. Auch in Deutschland sind die Liebhaber von rohem Fisch auf klebrigem Reis auf dem Vormarsch. Begeistert nimmt man zur Kenntnis, dass irgendwo in Asien ein Michelinstern für ein Restaurant vergeben wird, welches für umgerechnet 1 € 30 oder etwas mehr, Speisen für „Feinschmecker“ anbietet.

Meiner Meinung nach nimmt die Toleranz jedoch gehörig ab, wenn man nach Südamerika schaut. Die dortigen Spitzenrestaurants sind anscheinend nur schwer einzuordnen und auf der Reiseagenda deutscher Gourmets nicht verzeichnet.
Die oben genannte Liste führt unter den 20 besten Restaurants der Welt vier Mittel- und Südamerikaner auf.

Auf Platz 4 finden wir Virgilio Martinez vom Restaurant Central in Lima, Peru.
Nr. 11 D.O.M. Sao Paulo, mit Alex Atala.
Nr. 12 Quintonil, Mexiko City, mit Jorge Vallejo
und
Nr. 13 Maido, Lima, Peru, mit Mitsuharu Tsumura.

All dies weckt in mir den Wunsch, sich den Küchen dieser Region einmal vorsichtig anzunähern. Es ist ein großes Glück, dass in Berlin Vielfalt großgeschrieben wird und Restaurants aus aller Welt angesiedelt sind. Auch Peru ist vertreten.
Nun will ich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, doch wenn man schon die Gelegenheit hat einem Koch aus Peru, der sich zudem den Genüssen seines Heimatlandes verschrieben hat, in den Kochtopf zu schauen, sollte man diese nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Enrique Serván kam 1989 mit 18 Jahren nach Berlin. Über Umwege kam er zum Beruf des Koches. In Wilmersdorf betreibt er das Restaurant Serrano.

Das Ambiente des Restaurants ist eher schlicht, dafür ist das Personal ausgesprochen gut gelaunt und auskunftsfreudig. Schnell sind die Plätze eingenommen und die Speisekarte liegt vor uns. Erleichtert stellen wir fest, dass die Nationalspeise Cuy nicht vertreten ist. Den zarten deutschen Gemütern möchte man die Meerschweinchen nicht offerieren.
Dafür ist die Kartoffel allgegenwärtig, schließlich hat sie ihren Ursprung in der Andenregion. Auf der chilenischen Insel Chiloé (Isla Grande de Chiloé) fand man Spuren von wilden Kartoffeln, deren Alter auf 13 000 Jahre geschätzt wird.
Im Ursprungsland der Kartoffel, Peru, gibt es ungefähr 3 000 verschiedene Arten.

Das aus Peru stammende Ceviche, hat sich längst in Deutschland etabliert und darf hier natürlich auch nicht fehlen. Meine Frau und ich haben in schöner Arbeitsteilung zwei Varianten gewählt.

Meine Frau entscheidet sich für das peruanische Nationalgericht Ceviche de Corvina:

Kaltes mariniertes Adlerfischfilet mit Limettensaft, Zwiebeln und Rocoto, Koriander, Süßkartoffeln und gekochtem Riesenmais.

Nicht überraschend dominieren Schärfe- und Säurenoten das kalt gegarte „Andensushi“.
Das Fischfilet ist überaus zart. Die Schärfe des Rocoto hält erfreulicherweise nicht lange an und lässt so den begleitenden Aromen ausreichend Raum. Ein perfekter Einstieg in die peruanische Küche.

Dreierlei modernes Ceviche,

gelber Chili, Octopus mit Rocotoemulsion
Thunfisch mit Maracuja und Minze
Großgarnelen mit Avocado

Der moderne Gegenentwurf zum peruanischen Klassiker.
Alleine schon diese Kreationen lohnen den Besuch des Restaurants und gewähren einen Einblick in die Ideenwelt von Enrique Serván. Die unverzichtbaren Säurenoten werden mal von süssem Paprika und mal von Avocados begleitet.
Kalte Kartoffel-Limetten-Masse aus lila und gelben Kartoffeln, gefüllt mit Garnelensalat und Avocado

Die „Causa“ ist ein in Peru sehr beliebtes Gericht, welches in unglaublicher Vielzahl abgewandelt wird. Der gefüllte Kartoffelbrei verträgt so ziemlich alles an Zutaten.
Diesmal ist es ein herrlicher Garnelensalat mit Avocado. Garniert mit Kartoffelchips
und einer gellben Cili-Rocotosauce.

Rosa gebratener Lammrücken mit Koriandersauce, Reis und gebackenen rosa Bohnen

Ein sehr schönes und vor allem sättigendes Hauptgericht.

In eigenem Schmalz gebackenes Schweinefleisch an geschmorten luftgetrockneten Kartoffeln

Das deftige Gericht ist für den großen Hunger konzipiert. Allerdings hat es mir nicht das gebackene Schweinefleisch angetan, welches im Übrigen sehr gemundet hat, sondern die Kartoffel.

Die „gequälte“ Kartoffel.
Sie wird gekocht, geschnitten, erkaltet, luftgetrocknet, wieder aufgewärmt, gewürzt, erneut gekocht und aufgegessen. Ob Nahrungsquelle für den täglichen Bedarf oder zum Festessen, die Kartoffel darf in Peru nicht fehlen.

Das „einfache“ Gericht ist überaus schmackhaft. Ein auffällig rauchiges Aroma bleibt mir nachhaltig in Erinnerung.

Milchkaramellcreme aus Lima mit gebranntem Eischnee dazu warmer Schokoladenkuchen

Ein gelungener leichter Abschluss.

Wein und Service:

Wir haben einen Cabernet Sauvignon aus dem Jahre 2014, Intipalka, Valle del Sol, Peru,
durchgetrunken. Sehr gefällig.

Der Service ist freundlich, sachkundig und hilfsbereit.

FAZIT:
Wir haben im Restaurant Serrano einen interessanten und kulinarisch sehr zufriedenstellenden Abend verbracht. Eine Wiederholung ist mehr als wahrscheinlich.

Natürlich kann ich hier mangels Vergleiche keine weiteren Aussagen zur Authentizität der peruanischen Küche von Enrique Serván machen. Die Produktqualität ist allerdings tadellos, die Küche performt handwerklich bestens und die Aromenbilder sind vielschichtig.
Die Speisen kommen gut gewürzt auf den Teller ohne überstrapaziert zu wirken.
Es ist alles für einen hervorragenden Restaurantbesuch bereitet.

Die Fotos gibt es wie immer auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de

Christophe Moret

von Bernhard Steinmann

Am letzten Abend dieser Parisreise führt unser Weg in die Avenue d’Iéna, in das Shangri-La Hotel, Paris. Dort befindet sich das mit zwei Michelinsternen ausgezeichnete Restaurant L’Abeille,welches nach Napoleons Lieblings-Symbol, der Biene, benannt ist.
Der Herr mit dem großen Namen ist Roland Bonaparte (* 19. Mai 1858 in Paris; † 14. April 1924), Wissenschaftler, Anthropologe, Schriftsteller und wohlhabendes Mitglied des Hauses Bonaparte. Sein Pariser Palais beheimatet nun, natürlich nach reichlich Umbaumaßnahmen, das Hotel Shangri-La.

Das Hotel verfügt über zwei weitere Restaurants, u. a. das mit einem Michelinstern versehene Shang-Palace, welches authentische chinesische Gerichte von Samuel Lee anbietet.

Hauptküchenchef der drei Restaurants ist Christophe Moret.
Moret, dem das L’Abeille besonders am Herzen liegt, war u.a. im Grand Hotel Saint Jean-de-Luz bei Bruno Corono tätig. Interessant wird sein Werdegang, aus meiner Sicht, aber erst 1990. In diesem Jahr finden wir ihn an der Seite von Alain Ducasse im Louis XV in Monaco. Nach weiteren Stationen kommt er 2003 in das von uns am Vortag besuchte
Restaurant Alain Ducasse au Plaza Athénée. So schließt sich der Kreis. Jedoch nicht nur für ihn, auch für uns. Denn schon bei der Begrüßung im Restaurant werden wir gefragt, ob unser gestriger Besuch bei Ducasse zufriedenstellend verlaufen war. Tja, die Welt ist klein.

Das Restaurant entspricht genau dem, was man in einem Luxushotel erwarten darf.
Große Tische und komfortable Sitzgelegenheiten erwarten den Gast. Zuvorkommend werden wir an unserer Platz geleitet. Wie in letzter Zeit häufig, werden wir auch hier à la carte speisen.

Die Küche grüßt u.a. mit einem Reiscracker mit Roter Bete und einem Spinatcracker.

Danach erreicht uns eine feine und kunstfertige Fischcreme mit Kaviar.
Eine gelungene Idee mit hervorragender Aromatik. So kann es weitergehen.

Foie gras de canard
confit, figues au parfum de sureau, muesli avoine / amarante / raisin

Habe ich schon erwähnt, dass Christophe Moret, wie kann es auch anders sein, der  französischen Klassik huldigt?
Nun, wenn man sich diesen Teller betrachtet, kann man das unschwer erkennen.
Foie gras mit kandierten Feigen und dem „Wunderkorn der Inkas“,  Amaranth.
Es wird gerne als Getreide angesehen, ist aber keines. Das hirseähnliche Pseudogetreide hat eine große Fülle leicht verwertbarer Nähr- und Vitalstoffe.
Das solide wirkende Gericht ist im Geschmack tadellos.

Turbot de petit bateau,
chouxfleurs de Carrières-sur-Seine et brioche au berre du Ponclet

Der Steinbutt ist von erlesener Qualität und perfekt gegart. Blumenkohl und Brioche setzen Akzente. Eine verführerische Kombination, die ich so bisher noch nicht vorgefunden habe.

Grenouilles blondes et girolles dorées
poudrées de terre végétale de Gazette / cacao, émulsion torréfiée

Froschschenkel, noch ein Klassiker der französischen Küche.
Ein wunderbar leichtes, aromatisches Gericht.

Canard croisé de Challans
frotté d’épices / roti, peches jaunes et blanches, réduction d’une sangria

Die wegen ihrer Fettarmut geschätzte Ente aus Challans wird von gelben und weißen Pfirsichen begleitet. Die koalierende Sangriareduktion ist überaus schmackhaft und in dieser Kombination herausragend. Das Gericht ist dezent gewürzt, was vortrefflich zum saftigen und süßen Fruchtfleisch passt.

Die Desserts:

‘‘Mara des bois’’ strawberries, farm cream, herbal granita

Pure Origin Papua cocoa, raw / iced / smoked

Vanilla’s
from Raiatea / Madagascar infused and roasted

Alles war tadellos. Ein starker und kreativer Ansatz sowie handwerklich geschickt umgesetzt.

Wein und Service:

2006, Comptes de Champagne, Taittinger, Blanc de Blanc
2012, Chablis Grand Cru, Les Clos, Jean-Paul & Beniot Droin
2012, Cote-Rotie, Corinne & Jean-Paul Jamet
2011, Riesling, Alsace Grand Cru Zinnkopelé, Selection de Grains Nobles

Das Serviceteam ist freundlich, kompetent, überaus erfahren und auskunftsfreudig.

FAZIT:
Christophe Moret ist ein grandioser Vertreter der einst einflussreichsten Landesküche Europas. Als Vertreter der Klassik ist er eher ein Bewahrer und weniger ein Modernisierer. Das soll hier nicht als Kritik verstanden werden. Vielmehr ist es ein Glücksfall, dass Moret auf diesen Pfaden wandelt.
Er bietet eine wunderbare Gelegenheit, die klassische französische Klassik auf höchstem Niveau zu erleben. Ohne Experimente, ohne überflüssige Zumutungen und fragwürdiger Zutaten. Er orientiert sich klar am Produkt und verwendet nur erstklassige Waren.

Den vollständigen und bebilderten Bericht finden Sie auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de

Je schwerer das Besteck des Essens ist, desto besser schmeckt das Gericht

Musik statt Salz? Mit AEG Tasteology Geschmack neu erleben

Essen fasziniert ganze Kulturen und beschäftigt Menschen rund um den Globus zu jeder Zeit. Aber was genau macht ein kulinarisches Erlebnis aus? Und wie kann man es noch steigern? Mit der Tasteology Dokumentation geht AEG unkonventionellen Methoden und Innovationen sowie uralten Techniken zur Perfektionierung des Geschmackserlebnisses auf den Grund.

Ein Großteil des Geschmackserlebnisses ist abhängig von Einflüssen, die sich nicht direkt auf dem Teller befinden. Dies entdeckte der britische Professor für experimentelle Psychologie, Charles Spence in seiner Studie. Seine Untersuchungen zeigen, dass zum Beispiel das Gewicht des Bestecks eine Rolle bei der Geschmackswahrnehmung spielt. Je schwerer das Besteck des Essens ist, desto besser schmeckt das Gericht. Die von AEG initiierte Dokumenation Tasteology zeigt die überraschenden Faktoren auf, die den Geschmack subjektiv beeinflussen und erklärt den Zusammenhang zwischen äußeren Eindrücken und der Geschmackswahrnehmung.

Mit allen vier Sinnen zum perfekten Geschmackserlebnis
Das Auge isst mit: Dass sich ein schön angerichteter Teller auf das Geschmackserlebnis auswirkt, ist nichts Neues. Interessant jedoch ist, welchen Einfluss darüber hinaus auch Formen, Texturen und Farben auf die Wahrnehmung beim Essen haben. Spitzenkoch Jozef Youssef und Professor Charles Spence haben es sich zur Aufgabe gemacht, der Frage nach dem perfekten Geschmackserlebnis auf den Grund zu gehen. Mit ihrem Projekt „Kitchen Theory“ erkunden sie, wie sich die vier Sinne auf das Geschmacksempfinden auswirken. Das Gewicht des Bestecks, die Farbe des Tellers und die Musik beim Essen spielen eine viel größere Rolle beim Erleben des Geschmacks, als den meisten bewusst ist.

Der Geruch von Bach und die Farbe von bitter
Welche Erwartungen ruft ein angerichteter Teller in den Köpfen der Esser hervor? Charles Spences Studien belegen, dass Menschen durchaus eine Vorstellung davon haben, wie die Farbe grün schmecken sollte. Rot ist süß, grün ist sauer, weiß ist salzig und schwarz muss bitter schmecken. Mit einem angerichteten Teller antizipiert der Kopf so schon im Voraus, wie das Essen schmecken wird. Darum ist die Auswahl der Tellerfarbe ein wichtiger Bestandteil des Geschmackserlebnisses.

Vom Tankstellen-Essen zum Sterne-Gericht
Jeder kennt die günstigen Burritos von der Tankstelle für den schnellen Snack zwischendurch. Was passiert jedoch, wenn die einfachen Käsescheiben und Tacos von der Tankstelle durch die Hände von Instagram-Ikone Jacques la Merde aka Cathrine Flynn gehen? Die herausragend angerichteten Kreationen beeindrucken bereits über 125.000 Instagram Follower.

Die komplette Dokumentation gibt es auf dem AEG YouTube Channel unter: https://www.youtube.com/user/AEG.

Alain Ducasse au Plaza Athénée

von Bernhard Steinmann

Unser heutiges Ziel liegt in der Pariser Avenue Montaigne: Alain Ducasse au Plaza Athénée.

Alain Ducasse, Jahrgang 1956, suchte nach seiner Ausbildung zum Koch die Nähe bekannter Küchenchefs um seine Kenntnisse zu vertiefen. Michel Guérard, Roger Vergé und Alain Chapel prägten ihn in dieser Zeit maßgeblich. Bereits im Alter von 24 Jahren wird er Küchenchef. 1984, gerade 28 Jahre alt, wird er bereits im La Terrasse in Juan-les Pins mit zwei Michelinsternen dekoriert.

Der kochende Unternehmer zeichnet mittlerweile für Restaurants rund um den Globus verantwortlich und ist weit über die Grenzen der Haute Cuisine bekannt. Er erhielt vom „Guide Michelin“ als erster und einziger Cuisinier neun Sterne für seine Kochkunst:  Je drei Sterne für seine Restaurants „Le Plaza Athénée“ in Paris, „Alain Ducasse at the Essex House“ in New York und  „Le Louis XV“ in Monaco. Das ist zwar schon lange her, das Essex House ist längst aufgegeben, doch folge ich hier gerne der Chronistenpflicht.

Im September 2014 wurde das Restaurant nach Umbaumaßnahmen mit einem völlig neuen Konzept und reichlich medialem Schall wieder eröffnet. Ducasse verordnete seinen Gästen eine „neue Natürlichkeit“. Getreide, Gemüse, viel Fisch, stehen auf der Karte. Fleisch findet man nicht mehr, kann jedoch nachgefragt werden. Die vielfach bewunderte, aber auch heftig kritisierte Rückbesinnung auf das Wesentliche wird aber nicht, wie vermutet werden könnte, liebgewonnene Luxusprodukte aus der Küche verbannen. Wie sollte man auch sonst dem geneigten Gast die horrenden Preise erklären.

Ducasse beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der sogenannten Rückkehr zum Wesentlichen. Schon vor 2011 hat er sich mit berühmten Kollegen zu Arbeitstreffen mit diesem Inhalt verabredet. Er sah die Haute Cuisine an einem Wendepunkt. Er wollte sie schnörkelloser und zugänglicher gestalten. „Cuisine brute“ konnte er sich als Namen für diese Veränderung vorstellen. Es ist natürlich überlegenswert, ob ein grundsätzlicher Neubeginn die Hochküche verändern soll oder, so wie es viele Köche seit jeher machen, ein behutsame Weiterentwicklung. Nun kann man aber nichts verordnen, was überaus begrüßenswert ist. Denn der Zauber der Spitzengastronomie liegt in der Vielfalt.

Zum Ambiente des Restaurants verweise ich auf die Fotos. Der Speisesaal wurde von den Designern Patrick Jouin und Sanjit Manku entworfen.
Kurz vor der Öffnung an diesem Abend kontrolliert die Servicebrigade noch einmal, ob sich alles am rechten Fleck befindet. Ein letzter Durchgang, bevor die Gäste kommen.

Besonders auffallend ist die Sitzecke auf der linken Seite. Die Form eines Bootsrumpfes mit eleganten und schlanken Linien zieht den Blick förmlich an. Das vertikale Element nutzt das Volumen des Raumes und verbindet den Boden nahezu mit der Decke. Tisch und Sitzplatz scheinen den Gast aus dem Raum herauszulösen.

Wahrscheinlich würde ich mich dort etwas verloren fühlen. Dennoch würde ich hier, man glaubt es kaum, nicht von einem Gourmettempel sprechen. Eher von einem Speisesaal. Die Atmosphäre, um die sich viele dienstbaren Geister verdient machen, ist überaus freundlich und angenehm. Berührungsängste sollte man an der Eingangstür ablegen oder wegbleiben.

Für die Küche zeichnet Romain Meder verantwortlich. Nach seiner Ausbildung in Frankreich wollte er neue Geschmacksrichtungen kennenlernen und reiste daher sehr viel. U. a. lernte er in den British West Indies die karibische, würzige Küche kennen. Zurück von seinen Reisen arbeitete er zunächst zwei Jahre in Paris bei Hélène Darroze und danach beim Luxus-Caterer Potel et Chabot. Von dort holte ihn Ducasse als Chef de Partie in das Plaza Athénée und danach als Sous-Chef ins La Cour Jardin. Nach Stationen auf Mauritius und in Doha kam er zur Wiedereröffnung des Restaurants Alain Ducasse au Plaza Athénée zurück. Ich habe ihn als außergewöhnlich bescheidenen und von großer Gelassenheit geprägten Menschen kennengelernt.

Es wird ein Menü angeboten mit drei halben Gängen, Käse und Dessert für 390 € !
Wir beschließen à la carte zu speisen und wählen unsere Gerichte aus.

Zur Einstimmung wird zunächst ein erfrischendes Getränk gereicht. Es handelt sich diesmal um einen kalten Ingwersud mit einer beeindruckend großen Eiskugel.
Hinzu kommen Körnercracker. Der „Rachenputzer“ wirkt eher wie ein Ritual, weniger wie ein kulinarisch bedeutsamer Vorgang.

Grüne Bohnen, serviert mit einem schmackhaftem Dip, sind nun nicht gerade der letzte Schrei in der Gourmetwelt. Dennoch wirkt der Gruß aus der Küche etwas einfacher, als er in Wirklichkeit ist. In erster Linie möchte man wohl zum Beginn des Abends jedem verdeutlichen, was er unter der neuen Natürlichkeit zu verstehen hat. Um den Schock der Einfachheit zu mindern werden freundliche Verzehranweisungen erteilt.
Die Bohnen werden mit einer Holzpinzette angefasst und durch den Dip gezogen. Mancher Gast isst mit den Fingern und demonstriert damit sein natürliches Verhältnis zum Essen.

Ein weiteres Amuse gueule erreicht uns. Es handelt sich um eine gegrillte Sardine mit Romanasalat und Oliven.

Ich habe das Gericht so in Szene gesetzt, dass der Blick auf den besten Nebendarsteller, das frittierte Skelett, gelenkt wird. Das insgesamt würzige Gericht, stimmig ausbalanciert, soll nicht nur Nachhaltigkeit verdeutlichen sondern vor allen Dingen den Gast auch intellektuell mitnehmen, ihn fordern. Zur Nachhaltigkeit gehört, meiner Meinung nach, auch Nachdenklichkeit.
Erfahrene Gourmets haben bestimmt schon weitaus merkwürdigere Kreationen erleben dürfen (z.B. Moos, lebende Garnelen im Noma) und werden sich dem Gericht mit Vergnügen nähern. Gleichwohl würde es mich schon interessieren, wieviele Gäste dies als regulären Gang auf der Karte ausgewählt hätten.

Langoustines bretonnes rafraîchies, caviar doré, nage réduite

Das aromatisch überzeugende Gericht mit seinen Komponenten der typischen Luxusklasse eignet sich perfekt zur Illustration der neuen Natürlichkeit,  
auch wenn sich dies bei einem ersten, etwas oberflächlichen Blick, nicht unbedingt aufdrängt. Hier assoziieren die Luxusprodukte zunächst andere Empfindungen.
Bei genauem Hinsehen jedoch, sieht das schon anders aus. Der kleine Atlantikbewohner, von großartiger Qualität und im Geschmack unverfälscht, begeistert. Eine Krustentieressenz (o.Abb.) vervollständigt das tadellose Gericht. Meder verlässt sich hierbei, meiner Meinung nach völlig folgerichtig, auf den essenziellen Geschmack der Produkte. Eine nahezu tadellose Kombination, leider etwas zu kalt.

Lentilles vertes du Puy et caviar, délicate gelée d’anguille

Grüne Linsen, bedeckt mit Kaviar und umgeben von einem Gelee aus geliertem Aal.

Dazu werden dünne Wraps aus Buchweizen gereicht (nicht im Bild) und eine ausgezeichnete Crème mit dezenten Säurenoten.
Die Verzehrhinweise kennen Sie bestimmt von der Peking-Ente. Alles auf ein Wrap und dann von der Hand in den Mund. Erst im Zusammenspiel aller Komponenten wird das intensive Aromenerlebnis dieses eindrucksvollen Gerichtes deutlich. Vollendeter kann man nicht zubereiten.

Turbot du Golfe de Gascogne, maïs Grand Roux, huîtres de l’étang de Thau

Der perfekt gegarte Steinbutt kommt mit üppiger Begleitung. Au
stern und besonders der in verschiedenen Texturen dargereichte Mais dominiert den Gesamteindruck. Kontrastierende Würze, ohne Übertreibung vorgetragen, ünterstützt die typischen Geschmacksnoten wirkungsvoll.

Rouget de l`lle d`Yeu en écailles, oignons et noisettes du Petit Trianon, jus civet

Mit leicht knusprigen Schuppen kommt der Fisch auf den Teller.
Eine reduzierte Jus lässt den Geschmack von Zwiebeln und Haselnüssen eher erahnen als erschmecken. Eine äußerst elegante Kreation, optisch fast schlicht, geschmacklich überzeugend.

Bevor wir zu den Desserts kommen, möchte ich Ihnen noch gerne die Chefin der Pâtisserie vorstellen: Jessica Préalpato.

Sie entschied sich zunächst für ein Studium der Psychologie, erkannte jedoch schnell, dass ihre wahre Bestimmung auf einem ganz anderen Feld zu finden war. Nach dem Besuch der Hotelfachschule in Biarritz bildete sie sich im Bereich Restaurant-Konditor fort. Eine der ersten beruflichen Stationen war das Hotel La Chèvre d’or in Eze unter Philippe Labbé. Nach weiteren Stationen erreichte sie schließlich im Jahr 2010 Paris, wo sie sich im Restaurant Le 39V Frédéric Vardon anschloss und zwei Jahre als Chef de partie tätig war.

Nach einem Engagement im Park Hyatt Paris Vendôme folgten ausgiebige Reisen innerhalb Frankreichs und in ausländischenHotspots wie Dubai, Tokio, Beirut und St. Petersburg.
Im November 2015 trat sie in das Team von Alain Ducasse im Hotel Plaza Athénée ein.

Citron niçois, algues kombu à l‘ estragon

Die Küche überrascht und erfrischt uns mit wuchtigen Zitronennoten. Wow, echt sauer.
Für die besondere Würze sorgen Kombu-Algen, die nicht nur vor den nördlichen japanischen Inseln sondern auch vor der bretonischen Küste vorkommen.

Pêche d’Aiguillon rotie, pistou d’oseille
Pfirsisch, geröstet mit Sauerampfer, Eis.
Chocolat et café de notre Manufacture, badiane, praliné

Ein sündhafter Schokoladentraum.

Wein und Service:

2012, Puligny-Montrachet, Domaine René Monnier.

Die Servicecrew war freundlich, professionell und stets um unser Wohl besorgt. Gerne wurde uns gestattet, schon vor der Öffnung des Restaurants den Speisesaal zu fotografieren.

Unser besonderer Dank für einen unvergesslichen Abend gilt Alain Ducasse,
Chef Romain Meder, dem Restaurant-Manager Denis Courtiade und dem gesamten Team, bei dem ich noch besonders Maître d’hôtel Claire Sonnet herausstellen möchte, die uns nahezu familiär umsorgt hat.

FAZIT:

Die Ideen eines Alain Ducasse sind bei Romain Meder bestens aufgehoben. Die Umsetzung der Vorgaben erfolgt so geschickt, dass der konservative Gast ebenso zufrieden das Restaurant verlässt wie der etwas wagemutigere Gourmet.
Eine hohe Produktqualität, Kreativität und perfektes Handwerk sind hier selbstverständlich.
Ein absolutes Muss für jeden, der die in Geld zu entrichtende Gegenleistung nicht scheut.

Die dazugehörigen Bilder findet man auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de

Koch-Wettbewerb "Next Chef Award"

Die Hamburger Gastro-Messe INTERNORGA fördert den Nachwuchs für die Gastronomie. Mit dem Next Chef Award geht die internationale Leitmesse gemeinsam mit Sternekoch Johann Lafer 2017 in die nächste Runde: Junge Koch-Talente können bei dem innovativen Kochwettbewerb ihr handwerkliches Geschick vor fachkundiger Jury beweisen.

Der Wettbewerb wird vom 17. bis 21. März 2017 live auf der INTERNORGA ausgetragen. Der erste Preis ist phänomenal: Der Sieger geht auf eine Gourmet-Kreuzfahrt von „Mein Schiff“ und erhält dort die Möglichkeit, mit einem Sternekoch zusammenzuarbeiten. Der Gewinner des zweiten Preises darf sich auf ein Profi-Küchengerät von Pacojet freuen. Die Bewerbungsphase läuft ab sofort bis 31. Dezember 2016.

„Der erste Next Chef Award auf der INTERNORGA 2016 war ein voller Erfolg – die jungen Köche haben vor voll besetzten Rängen gezeigt, wie anspruchsvoll und kreativ ihr Beruf ist. Und genau das ist unser Anliegen als Branchenpartner: Wir wollen den Köchen eine Plattform bieten, auf der sie ihr Können unter Beweis stellen und möchten auf die Attraktivität des Kochberufs aufmerksam machen. Wir freuen uns sehr auf die zweite Runde des Next Chef Award und sind gespannt, wer uns in 2017 überrascht“, sagt Claudia Johannsen, Geschäftsbereichsleiterin bei der Hamburg Messe und Congress GmbH.

TV- und Starkoch Johann Lafer ist die Nachwuchsförderung in der Gastronomie eine Herzensangelegenheit. „Kochen hat viel mit Leidenschaft, Fleiß und Kreativität zu tun. Es ist toll, zu erleben, wie junge Koch-Talente für ihren Beruf brennen“, so Johann Lafer. „Die Zusammenarbeit beim ersten Next Chef Award war großartig. Ich freue mich auf eine spannende Fortführung mit talentierten Persönlichkeiten und ihren kulinarischen Ideen“.

Bewerbung und Auswahlprozess
Der Next Chef Award richtet sich an alle Nachwuchsköche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – egal ob Restaurant, System- oder Hotel-Gastronomie, Catering oder Betriebsrestaurant. Einzige Voraussetzung: Die Kandidaten dürfen nicht älter als 26 Jahre sein und müssen eine abgeschlossene Kochausbildung vorweisen, denn der Wettbewerb stellt das Handwerk in den Vordergrund. Ab sofort können sich die Koch-Talente über www.internorga.com/nextchef für die Teilnahme bewerben.

Nach dem Bewerbungsende am 31. Dezember 2016 wählt die Jury unter allen eingereichten Bewerbungen 18 Kandidaten aus. Vom 18. bis 20. März 2017 treten täglich jeweils sechs Teilnehmer live auf der INTERNORGA gegeneinander an. Die Kandidaten erhalten vier identische Zutaten, aus denen sie innerhalb von 60 Minuten ein innovatives Hauptgericht kreieren müssen. Jeder Tag bringt zwei Tagessieger hervor, die sich im großen Finale am 20. März 2017 messen.

Über das fachliche Können der Kandidaten entscheidet erneut eine fünfköpfige hochkarätige Jury. Star-Koch Johann Lafer und Chefsprecher der Tagesschau Jan Hofer moderieren gemeinsam das spannende Geschehen der Live-Challenges und das Finale.

Für die Endausscheidung hält die INTERNORGA eine besondere Herausforderung bereit: Johann Lafer kreiert ein anspruchsvolles sowie außergewöhnliches Gericht und serviert es den sechs Finalisten – ohne Rezept oder Angabe der Zutaten. Nur anhand des optischen Eindrucks und ihres Geschmackssinns müssen die Teilnehmer das Gericht nachkochen.

www.internorga.com/nextchef

Jérôme Banctel

von Bernhard Steinmann

„Wir kommen gerade aus Paris“. Ein Satz, der merkwürdige Reaktionen auslöst. Grundsätzlich habe ich nämlich nach diesem Satz eine Redepause. Denn mein Gegenüber beginnt sofort mit Erzählungen über eigene Erlebnisse in dieser wunderbaren Stadt. Hier, am PC kann mich niemand unterbrechen. Hier kann ich in die Erinnerungen eintauchen, schreiben und Erlebtes noch einmal erleben. Hier kann ich in Ruhe meine kulinarischen Eindrücke sortieren und mit Ihnen teilen.

Etwa 12,4 Millionen Menschen leben in der Pariser Metropolregion. Im Stadtgebiet, welches knapp 12 % der Fläche Berlins entspricht, ca. 2,2 Millionen.

In Paris gibt es derzeit 67 mit einem Michelinstern ausgezeichnete Restaurants.
14 erhielten zuletzt zwei Sterne und 10 Restaurants werben mit drei Michelinsternen. Welch eine Auswahl. Natürlich dominiert die französische Klassik. Deshalb bin ich auch hier. Die Franzosen sind Kochkünstler, lieben das ehrliche Handwerk und neigen weniger zu avantgardistischem Unfug. Dennoch kommt keine Langeweile auf. Die französische Klassik als Grundlage bietet eine äußert große Spielwiese. Untrennbar verbunden scheint dies allerdings mit der starken Neigung, Preise nach oben zu schrauben. Nirgendwo ist daher die Damenkarte so oft präsent wie in Paris. Madame soll sich schließlich nicht erschrecken, wenn mal 160 € für ein Gericht aufgerufen werden.

Dieser Bericht ist der Anfang einer Serie, mit der ich Ihnen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen von Spitzenköchen näherbringen möchte. Ausgewählt habe ich ausschließlich Sternerestaurants mit zwei oder drei Michelinsternen. Die bereits auf meinem Blog vorgestellten Restaurants werden hierbei keine Doppelung erfahren.
Ich berichte hier stets über das Dinner. „Mittagessen? Nur Flaschen essen zu Mittag!“ lästert Michael Douglas als Gordon Gekko in „Wall Street“. So böse möchte ich nicht verstanden werden, doch bevorzuge ich eindeutig den Abend. Abgespeckte Lunchmenüs sind, meiner Meinung nach, so etwas wie ein Kinderteller für Erwachsene.

Unser erstes Ziel liegt im Herzen von Paris. Dieses schlägt, nach meinem Empfinden, zwischen Rue de Faubourg Saint-Honoré und Champs-Elysées. An der Avenue Gabriel befindet sich das La Réserve Paris – Hotel und Spa mit dem Gourmetrestaurant Le Gabriel. Jérôme Banctel zeichnet dort für eine zeitgenössische französische Küche verantwortlich. Banctel hat der Küche zuletzt zu zwei Michelinsternen verholfen. Für uns Anlass genug, etwas genauer hinzuschauen.

Jérôme Banctel ist in Rennes geboren und besuchte mit 16 Jahren die Hotelfachschule Notre Dame Saint-Meen-le-Grand. Es folgten mehrere Stationen in unterschiedlichen Restaurants und schließlich der Militärdienst. Nach weiteren, eher weniger bedeutenden Stationen, entschied er sich für ein Engagement im Gourmet-Restaurant des Hotel de Crillon, unweit seines jetzigen Arbeitsplatzes. Es folgten die für ihn entscheidenden acht Jahre bei Bernard Pacaud, wo er als Sous-Chef im L’Ambroisie entscheidend am Erfolg des Restaurants beteiligt war. Ebenso prägend dürften die Erfahrungen bei Alain Senderens im Lucas Carton gewesen sein.

Die Küchengrüße sind, wie soll ich sagen, gelungen. Nicht besonders herausfordernd. Am ehesten  Beachtung findet der Kingcrab mit Matchatee und Ingwergelee. Für das Menü werden derzeit 220 € aufgerufen.

Le „Paris Crème“, oeuf miso, truffes Melanosporum

Ich habe diesen Gang auf Facebook wegen des deutlichen Pilzgeschmackes „Mushroomburger“ genannt. Sechs verschiedene Teile sind aufeinandergeschichtet.
Aromatisch und texturell sehr abwechslungsreich.
Verschiedene Texturen scheinen mir ohnehin das Thema Banctels zu sein.

Saumon de Norvège, raviole d’aubergine fumée, citron

Leichte Säurenoten begleiten den Lachs, ein besonders gutes Produkt, perfekt begleitet von einer geräucherten Auberginenmousse.
Das insgesamt leichte und aromatisch ansprechende Gericht rechtfertigt allerdings keine weiteren Lobeshymnen. Gutes Handwerk, gute Idee, mehr nicht.

Cœur d’artichaut « Macau » en impression de sakura et coriandre fraîche

Diese Kreation allerdings, verdient nicht nur ungeteilte Aufmerksamkeit, sondern auch höchstes Lob. Banctel  hat sich hier an der Artischocke abgearbeitet und diese in verschiedenen Texturen präsentiert. Crème, Püree, Sauce, frittiertes Stroh,
tolle Geschmackserlebnisse. Die Anleihe einer „Kirschblüten-Impression“ erhöht die Bedeutung des Gerichtes.

Homard bleu roti, carotte aux sucs d´orange et baies roses

Nicht nur schön anzusehen. Erneut müssen verschiedene Texturen herhalten. Der Meeresbewohner wird frittiert und „natur“ angeboten. Süße Karottennoten opponieren gegen die Ingwerbeigabe. Gelungen.

Cabillaud de ligne, curry et riz japonais, avocat bio

Der Kabeljau kommt in dieser Zusammensetzung seit 15 Jahren auf den Tisch bei Jérôme Banctel. Besonders erwähnenswert bei diesem Signature-dish ist die Sauce, in der mindestens 20 Gewürze verarbeitet werden.

Pigeon de Vendée, cacao, tagliatelle se sarrasin

Sehr schmackhaft. Die bei mir unbeliebte Taube kann auch mit Kakaonudeln als Beigabe bei mir nicht punkten.
Objektiver ausgedrückt: Ein gelungenes Gericht, handwerklich tadellos und geschmacklich interessant.

Grain de café meringué, crème glacée au sirop de merisier

Baiser, einer riesigen Kaffeebohne nachempfunden, mit Vanilleeis und Sirup. Tolle Idee.

L´Abricot mousse blanc sésame, chocolat blanc, sablé breton sésame, sorbet abricot, abriot confit et lavande

Wein und Service:

2014er Chassagne-Montrachet, Morgeot, Premier Cru, Lucien Muzard & Fils
2010er Les Bastides d´Alquier, Faugèress

Die Weine habe ich selbst ausgesucht und kann daher niemanden verantwortlich machen. Müsste ich bei diesen guten Tropfen allerdings auch nicht.

Wie so oft, waren wir die ersten Gäste im Restaurant und hatten die volle Aufmerksamkeit eines acht-köpfigen Serviceteams. Zum guten Essen kamen interessante und vergnügliche Gespräche.

FAZIT:

Jérôme Banctel hat uns mehr als zufriedenstellend aufgetischt. Gute Produktqualität, hochinteressante Geschmacksbilder und viel handwerkliches Geschick sind gute Vorraussetzungen für ein hervorragendes Menü.
Alle Teile des Menüs sind gut, keines fällt ab, der Gang mit den Artischocken ist das Highlight und bleibt nachhaltig in Erinnerung.

Die Servicecrew zeigte sich über das Erringen des zweiten Michelinsternes überglücklich. Allein die Hoffnungen auf einen dritten Stern vermag ich nicht zu teilen.

Falls Sie an den Fotos Interesse zeigen, lade ich Sie auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de ein.

Rheinhessen genießen

Kreative Küche, authentische Produkte und charakterstarke Weine

Wie schmeckt Rheinhessen? Auf jeden Fall nach Wein, aber das größte Weinanbaugebiet Deutschlands hat noch mehr zu bieten. Um auf die Produktvielfalt der Region aufmerksam zu machen, startet Rheinhessenwein e.V. vom 15. September bis 13. November 2016 erstmals die Aktion „Rheinhessen genießen“. 17 Top-Gastronomien haben sich ihr regionales Lieblingsprodukt ausgesucht und damit ein individuelles Gericht kreiert, das sie im Aktionszeitraum servieren. Weil ein passender Wein dazu nicht fehlen darf, sprechen die Gastgeber gleich auch eine Weinempfehlung aus Rheinhessen aus.

Ob Leberwurstsoufflé auf Riesling-Senf-Soße mit gedünsteten Essiggurken, rheinhessische Tapasvariation auf der Fassdaube mit Ziegenkäse oder Ragout vom rheinhessischen Wingertsreh mit Trauben und Speck – neben seinen Klassikern hat Rheinhessen kulinarisch viel zu bieten. Die Region lebt von der großen Bandbreite ihrer Restaurants und zieht mit ihrem kulinarischen Angebot viele Gäste und Weinfreunde in das Land der tausend Hügel. Um auf dieses Potential aufmerksam zu machen, findet zum 200-jährigen Jubiläum von Rheinhessen die Kampagne „Rheinhessen genießen“ statt. Im achtwöchigen Aktionszeitraum bieten 17 Restaurants ihr neuinterpretiertes Gericht oder einen verfeinerten Klassiker an.

Sei es die Kartoffel, das Landschwein, die Regenbogenforelle oder die Zwetschge, immer steht ein Produkt aus Rheinhessen im Fokus. Ziel ist es, die Vielfalt der fruchtbaren Region widerzuspiegeln und auf die authentischen Erzeugnisse aufmerksam zu machen. Regional zu kaufen, ist für viele Gastronomen eine persönliche Verpflichtung. Der starke Zusammenhalt zwischen Erzeugern, Winzern und Restaurants ist der Initiatoren der Aktion besonders wichtig. Die Kooperation ist auch ein wichtiges Anliegen der Lokalen Aktionsgruppe Rheinhessen (LAG) und ein strategisches Ziel der Entwicklungskonzeption. Aus diesem Grund wird die Aktion finanziell unterstützt mit LEADER-Mitteln der LAG Rheinhessen.

Die teilnehmenden Betriebe sind in ganz Rheinhessen zu finden, im Nordosten in Mainz nehmen das Restaurant Favorite, Geberts Weinstuben, Am Bassenheimer Hof, die Kupferberg Terrassen und das Adagio im Atrium teil. In Bingen ist das direkt am Rhein gelegene Zollamt dabei. Im Herzen Rheinhessens servieren die Restaurants 100 Guldenmühle, Weedenhof, Mundart, Fachwerk im Eulengarten, Metzlers im Golfclub und Schloss Sörgenloch ein neu interpretiertes rheinhessisches Gericht mit passendem Wein. Im Südwesten nehmen die Dohlmühle, der Espenhof und der Kulturhof an „Rheinhessen genießen“ teil, und ganz im Südosten der Region nahe Worms unterstützen das Landhaus Dubs und das Vis à Vis die Aktion. Zwischen dem 15. September und dem 13. November bieten alle genannten Teilnehmer zu ihren individuellen Öffnungszeiten ihr speziell entwickeltes Gericht an und empfehlen einen passenden Wein aus Rheinhessen.

www.rheinhessen-geniessen.de

Neue Kochshow mit Alexander Herrmann

Verrückt nach heißen Töpfen! In SAT.1 regiert im Herbst die Kochleidenschaft: „The Taste“ geht in die vierte Runde, die „Karawane der Köche“ mit Tim Mälzer und Roland Trettl startet am 7. September (mittwochs, 20:15 Uhr) ihren Roadtrip durch Deutschland. Und in der neuen Koch-Game-Show „Kampf der Köche“ gibt Alexander Herrmann („The Taste“) ab Montag, 26. September 2016, montags bis freitags um 19:00 Uhr sein Debüt als Moderator in SAT.1. Hier treffen geübte Hobby-Köche in Battles auf gestandene Profis wie z.B. Cornelia Poletto, Mario Kotaska, Christian Lohse, Ali Güngörmüs, Stefan Marquard oder Ralf Zacherl. „Normalerweise hat ein Amateur gegen einen Profi keine Chance! Bei uns ist der Hobby-Koch aber perfekt vorbereitet und gibt die Kochzeit und das Gericht vor: Der Profi hingegen muss improvisieren und kommt richtig ins Schwitzen“, sagt Sternekoch Herrmann über den Kampf am Kochtopf.

Beim „Kampf der Köche“ tritt jeweils ein Hobby-Koch mit seinen drei besten und jahrelang erprobten Rezepten nacheinander gegen drei Profi-Köche an. In der zweistöckigen Koch-Arena ist oben der Amateur, unten der Profi – und mittendrin Alexander Herrmann: „Ich bin da wirklich zerrissen, auf welcher Seite ich stehe. Da fühle ich mich wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Einmal bin ich der Brave und einmal der Böse.“

Nach jedem Duell verkostet eine wechselnde Zuschauer-Jury „blind“ die Gerichte und entscheidet, wer diese Runde gewonnen hat. Mit jeder Runde gibt es für die Teilnehmer höhere Geldpreise (1000, 2000 und 3000 Euro) zu gewinnen. Entscheidet ein Profi-Koch eine Runde für sich, gewinnt der Hobby-Koch kein Geld, darf aber weiter antreten. Besonderer Twist: Der Hobby-Koch sucht sich aus, mit welchem Gericht er gegen welchen Profi antritt.

„Kampf der Köche“ wird im Auftrag von SAT.1 von Endemol Shine produziert.

„Kampf der Köche“ mit Alexander Herrmann, 24 Folgen, ab 26. September 2016, immer montags bis freitags um 19:00 Uhr in SAT.1.

The Table – Kevin Fehling

von Bernhard Steinmann

Vor einem Jahr eröffnete Kevin Fehling in der Hamburger Hafen-City das Restaurant „The Table“. Foodjournalisten und Foodblogger überboten sich gegenseitig mit Superlativen. Die Einrichtung, die offene Küche, pinzettenbewehrtes Personal welches mit konzentriertem Blick um Teller cheerleaderte, das alles stand für viele im Mittelpunkt der Betrachtung.
Jetzt, nach einem Jahr der Eingewöhnung, fällt es wieder leichter, den Blick auf die Teller, das Wesentliche, zu richten.
Der Star ist eben nicht das Restaurant. Schon eher die Gesamtkonzeption. Und darin spielen die Speisen die Hauptrolle. So soll es auch sein.

„ Aber kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“ Diese Einsicht haben wir dem wohl bedeutendsten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) zu verdanken.
Und so erweisen wir den Kochkünstlern den notwendigen Respekt und konzentrieren uns auf das Menü.

Das Tor zur Welt
Das ist mal eine Ansage.
Die „Friee un Hansestadt Hamborg“ muss sich diesen Titel nun mit Fehlings Menü teilen. Treffend ist der Name allemal. Und eine Herausforderung für alle regional ausgerichteten Joghurt- und Selleriefans unter den Gourmets. Fehling ist ein weltoffener und weitgereister Koch und weltoffen sind auch seine Menüs. Hier ein Auszug:

Pastramibrötchen
Den Sandwich-Klassiker durfte ich schon in New York verkosten. Die New Yorker würzen die aus Rumänien stammende und der koscheren Küche zugeordnete Speise etwas intensiver als im Rest der USA.
Fehling serviert die Miniatur mit den notwendigen Zutaten auf dem bekannten Holztisch.
Dieser wird in der deutschen Hochküche eines Tages den Bekanntheitsgrad des Wohlfahrtschen Vierertellers übertreffen.

Es folgen weitere Einstimmungen:
Krabbencocktail
mit Tomatentatar, Krabbencrokat und Dillperlen,
Spargel, Pistazie & Kirsche –
mit Kartoffelespuma und Estragonperlen
Soft-Shell-Crab „Marokko“ –
Couscous, Granatapfel und Krustentiervinaugrette
und

Indian-Summer-Bun,
geschmortes Rind, süß-saure Gurke und Tandoori.

Das waren die Einstimmungen.

Lachs von den Faröer-Inseln
mit Passionsfrucht, Yuzu, Miso & Champonzusud
Ich muss lange nachdenken um mich zu erinnern, wann ich zuletzt in Deutschland ein so hervorragendes Lachsgericht genießen durfte. Es ist wahrlich schon ein Weilchen her.
Hinzu kommt ein Sudmix, der grandioser nicht schmecken kann. Dashi, Yuzu, Soja, Ponzu.
Eine abgeflämmte Gurke, man konnte in der offenen Küche den Vorgang sehr gut nachverfolgen, Jasminreiscreme, Kaviar und Misoperlen vervollständigen das Gericht.

Jakobsmuschel „Guatemala“ –
mit Tamarillo, Avocado, Salsa & Taco
Da Kevin Fehling kürzlich ein paar Tage in Guatemala verbracht hat, durfte ein Hinweis im Menü darüber natürlich nicht fehlen.
Die norwegische Jakobsmuschel, ein überragendes Produkt, war meisterhaft gegart und von außergewöhnlichem Geschmack. Hinzu gesellte sich ein Krustentierfond mit etwas Rum und braunem Zucker, der die Muschel ebenbürtig begleitete. Auf einem Extrateller wurde ein kleiner Taco gereicht.

Rehrücken
mit Thaicurrycreme, Ingwer-Hollandaise, Mango & Basilikumjus
Jasminreis, Thaimango, Sanddorn, sind weitere Zutaten für ein grandioses Gericht.
Der Rehrücken, für sich alleine genommen, ist schon tadellos. Hinzu kommen gekonnt ausbalancierte Frucht- und Säurenoten sowie etwas Schärfe, die dem Gericht eine besondere Vielschichtigkeit verleihen.

FAZIT:
Um Kevin Fehling gerecht zu werden, muss man etwas ausholen, mit zwei, drei Worten ist dies nicht getan.
Der Hang zum Perfektionismus, ist sicherlich nicht verwunderlich sondern eher erwartbar. Erkennbare Detailverliebtheit, ohne sich in Kleinteiligkeit zu ergehen und eine doppelte Prise Leidenschaft, so könnte man Kevin Fehling charakterisieren.
Er lässt sich gerne auf Reisen inspirieren, was jedesmal meine Erwartungen und Neugier steigert und er scheut auch keine Experimente bei der Zusammenstellung seiner Kreationen.
Die Produktqualität ist tadellos. Eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich einer besonderen Erwähnung nicht bedarf. Nur beste Zutaten garantieren einen Genuss, der sich dem Neuling ebenso leicht erschließt wie dem weitgereisten Gourmet.
Auch das innovative Raumkonzept, man kommt so einfach nicht daran vorbei, trägt zum entspannten Genuss bei und fördert die Kommunikation mit den Tischnachbarn.

Den vollständigen und bebilderten Bericht gibt es wie immer auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de