Verbraucherforen im Internet: Trügerische Empfehlungen

Verbraucherforen im Internet erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Anbieter wie ciao.de und dooyoo.de bieten auf ihren Websites die Möglichkeit, Bewertungen zu gekauften oder genutzten Produkten abzugeben und so andere Verbraucher bei der Kaufentscheidung zu unterstützen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat jetzt Produktbewertungen bei den genannten virtuellen Meinungsbörsen überprüft – mit erschreckendem Ergebnis: Neun von zehn Bewertungen erwiesen sich als unhaltbar.
Die Idee hinter Angeboten wie ciao.de und dooyoo.de ist simpel. Wer ein Produkt gekauft oder benutzt hat, kann an virtuellen „Schwarzen Brettern“ seine Meinung über das jeweilige Produkt kundtun, um so anderen Verbrauchern bei der Kauf-Entscheidung zu helfen. Die Bewertung erfolgt per Stern-Vergabe: Ein Stern steht für miserabel, fünf Sterne bedeuten „Spitzenprodukt“. Neben dieser einfachen Bewertung steht es jedem Nutzer offen, einen Bericht über das getestete Produkt zu schreiben, in dem die Vor- und Nachteile benannt werden. Als Fazit steht dann eine Kaufempfehlung – oder eben eine Warnung.

Mangelhafte Produkte teils hymnisch gefeiert

Gerade letzteres scheint aber eher die Ausnahme zu sein. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat sich einige der Kommentare und Bewertungen genauer angeschaut. Dazu wurden zehn Produkte ausgewählt, die die Stiftung Warentest mit „mangelhaft“ beurteilt hat. Anders dagegen die Bewertung in den Verbraucherforen. Neun der zehn Produkte, die bei der Stiftung Warentest durchfielen, wurden in den Meinungsportalen teils hymnisch gefeiert. Bei durchschnittlich 4,1 von fünf Sternen lag bei Ciao die Wertung der zehn Produkte, bei dooyoo sogar mit 4,2 noch etwas höher.

Während die Stiftung Warentest etwa einen Entsafter als „zu laut“ beurteilte, lobte ein Ciao-Nutzer das Gerät als ト ausgesprochen leise ヤ . Ein Sprudel, dem von der Stiftung „deutliche geschmackliche Fehler mit einer Kunststoff- und Karbonnote“ attestiert wurden, bewirbt ein Ciao-Tester als ト durchaus frisches Wasser, das nicht so streng schmeckt“. Ein Ananassaft, der laut Stiftung Warentest einen „ananasuntypischen Geschmack“ aufwies und auf „verdorbene Früchte“ hindeutete, schmeckt bei einem Dooyoo-Tester „wirklich nach Ananas“.


Traumnoten für gefährliche Geräte

Werden bei Getränken vorrangig Gaumen und Magen in Mitleidenschaft gezogen, können sich andere Laien-Bewertungen mitunter als gefährlich erweisen. So ließ sich ein Hobby-Bewerter zu einem euphorischem Lob über eine Fritteuse animieren: „Fett satt, ich habe inzwischen fast alle Bewusstseinsstufen der Frittierwissenschaften durchlaufen.“ Insgesamt 48 mal wurde in beiden Portalen zum Kauf dieser Fritteuse aufgefordert, die mit einer Traumnote von fünf Sternen bewertet wurde. Die Stiftung Warentest sah in dem hoch bewerteten Gerät eher einen Alptraum: Die Fritteuse liegt bei den Acrylamid-Werten weit über der Norm und ist damit gesundheitsgefährdend.

Brisanz gewinnen die Ergebnisse vor allem durch die enorme Reichweite dieser Portale. dooyoo beispielsweise zählt 450.000 Mitglieder und ist damit ein wichtiger Multiplikator, wenn es um Kaufberatung im Internet geht. Wer online schon einmal nach einer Produktbewertung gesucht hat, weiß, dass Portale wie Ciao und dooyoo stets unter den ersten Treffern in Suchmaschinen auftauchen. Kein Wunder, denn alleine auf den Servern von dooyoo liegen eine Million Erfahrungsberichte über eine halbe Million Produkte – von Digitalkameras bis Winterreifen, von Gummipuppen bis Rentenversicherungen.

Verbraucherzentrale NRW – food-monitor 06.09.2005

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