Hawaii: Bevölkerung hat Nase vom Tourismus voll

Fremdenverkehr macht alles teuerer und Kriminalität steigt

Des einen Freud ist des anderen Leid.
So könnte man das neueste Umfrageergebnis der Bevölkerung im
Urlaubsparadies Hawaii interpretieren. Während jene, die im
Fremdenverkehr arbeiten sich über die wachsende Zahl an Touristen
freuen, hat die dort lebende Bevölkerung keine so rechte Freude über die
immer größere Zahl an Fremden. Nach einer nun veröffentlichten
Umfrage-Studie im Star Bulletin http://star.bulletin.com gab die
Mehrzahl der befragten Hawaiianer an, vom Tourismus die Nase voll zu
haben.

„Natürlich haben die Hawaiianer immer noch diesen Aloha-Spirit, für den
sie berühmt sind. Es ist auch nicht so, dass die Hawaiianer keine
Touristen mehr mögen. Es ist nur ein Zeichen dafür, dass die Leute
aufgebracht sind darüber, dass die Verantwortlichen nicht mit der
steigenden Zahl an Fremden Schritt halten“, interpretiert John Knox, der
die Befragung gemeinsam mit Market Trends Pacific im Auftrag der Hawaii
Tourism Authority www.hawaiitourismauthority.org durch geführt
hat. Lediglich das Marketing und die Werbelinie des Staates wurde von
den Befragten goutiert. Seit der ersten Befragung dieser Art 1988, war
die Zahl derjenigen, die den wachsenden Fremdenverkehr als negativ für
ihr Lebensumfeld empfanden jährlich gestiegen.

2005 war für den Hawaiianischen Fremdenverkehr ein Rekordjahr: 7,4 Mio.
Touristen haben 11,5 Mrd. Dollar auf den Inseln ausgegeben. 2004 konnten
immerhin 6,99 Mio. Touristen gezählt werden, 2003 waren es 6,44 Mio. Die
Zufriedenheit mit der steigenden Zahl an Urlaubern war am deutlichsten
bei der philippinischen Bevölkerungsgruppe. 56 Prozent von ihnen
empfanden das Mehr an Gästen als positiv. Unter den Hawaiianern lag
diese Zufriedenheitsrate bei 31 Prozent. Als klar positiv empfanden die
meisten Hawaiianer zwar den Umstand, dass es mehr Jobs mit dem Zuwachs
an Touristen gebe – das änderte aber offensichtlich nichts an der
generellen Unzufriedenheit über die Situation.

Tourismus macht das Leben teurer, sorgt für steigende
Kriminalitätszahlen und lässt so manches unbebautes Gebiet verschwinden.
Besonders in den ohnehin dicht besiedelten Regionen äußerten die
Menschen Unmut über die steigende Bevölkerungszahl. Auf den dünn
besiedelten Inseln Molokai und Lanai gibt es diese Befürchtungen nicht,
berichtet die Zeitung. Die Hawaiianer machten sich in dieser Umfrage
auch mehr Sorgen darüber, dass die ursprüngliche Kultur weiter verloren
geht. Klar negativ äußerten sich die mehr als 1.300 Befragten über den
weiteren Bau von zusätzlichen Hotelanlagen.

„Die Frage bei solchen Tourismusstrukturen bleibt immer die gleiche“,
meint Klaus Benz, Mediensprecher des Studienkreis für Tourismus und
Entwicklung http://www.studienkreis.org im Interview. „Geht
die Tourismusentwicklung mit den Einheimischen oder wird sie über die
Köpfe der lokalen Bevölkerung hinweg entschieden“, so Benz. Wenn ein
Land nur als Kulisse missbraucht werde, keine qualifizierten Jobs für
Einheimische geschaffen werden, werde sich das auf den
Zufriedenheitsfaktor negativ auswirken. „Solche Entwicklungen findet man
überall dort, wo es eine indigene Bevölkerung gibt“, erklärt der
Experte. Ein Lösungsansatz wäre die Schaffung von Initiativen, die von
der indigenen Bevölkerung aus gehen. Der Studienkreis für Tourismus und
Entwicklung setzt sich für eine touristische Entwicklung ein, die
menschliche Würde, Sicherheit und Gerechtigkeit aller am Tourismus
Beteiligten fördert. Wolfgang Weitlaner

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