Energy Drinks

Weltweiter Absatz von Energy Drinks steigt auf
8,8 Milliarden Liter

Nachdem neue Weltrekorde bei den Olympischen Spielen 2016 aufgestellt wurden, zeigt nun eine neue Untersuchung von Mintel, dass sich auch der globale Markt für Energy Drinks auf einem Höhenflug befindet. Laut Mintels Datenbank weltweiter Produktneueinführungen (GNPD) sind im Jahr 2015 mehr Energy Drinks auf den weltweiten Markt gebracht worden als in jedem anderen Jahr seit 2008. Des Weiteren ist die Anzahl der weltweit neu eingeführten Energy Drinks allein zwischen 2010 und 2015 um ganze 29 % angestiegen.

Während der Markt für Energy Drinks in Ländern auf der ganzen Welt eine erhöhte Aktivität verzeichnet, war Deutschland 2015 der Weltmeister in Sachen Innovation. Tatsächlich war Deutschland für den weltweit höchsten Anteil an Energy Drinks-Produkteinführungen im letzten Jahr verantwortlich und überholte damit erstmals die USA. Laut Mintel wurden im Jahr 2015 9 % der weltweit eingeführten Energy Drinks in Deutschland auf den Markt gebracht, während 8 % in den USA lanciert wurden. Zum Vergleich, noch im Jahr 2014 wurden nur 6 % der Produkte in Deutschland auf den Markt gebracht, während ganze 10 % dem US-amerikanischen Markt zugeschrieben werden konnten.

Doch nicht nur die Innovationskraft boomt, auch der Absatz des weltweiten Markts für Energy Drinks hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut der Mintel-Untersuchung stieg im Jahr 2015 der weltweite Verbrauch von Energy Drinks um 10 % auf 8,8 Milliarden Liter. Im weltweiten Vergleich sind die USA (3,3 Mrd. L), China (1,4 Mrd. L), Großbritannien (561 Mio. L), Thailand (465 Mio. L) und Vietnam (351 Mio. L) die fünf größten Verbraucher von Energy Drinks.

In Deutschland erreichte der Absatz im Jahr 2015 ganze 328 Millionen Liter, während in Österreich mit 79 Millionen Liter und in der Schweiz mit 58 Millionen Liter deutlich weniger Energy Drinks getrunken wurden. In Bezug auf das Absatzwachstum verzeichnete China den größten Anstieg zwischen 2014 und 2015: in diesem Land stieg der Verbrauch von Energy Drinks um ganze 25 %.

Alex Beckett, Global Food & Drink Analyst bei Mintel, erklärt:
„Obwohl der Konsum von Energy Drinks umstritten bleibt, nimmt der weltweite Verbrauch Jahr für Jahr weiter zu. Einer der Gründer für das globale Wachstum ist der schnelle und effektive Energieschub, den das Getränk liefert – etwas, das bei Verbrauchern auf der ganzen Welt auf Resonanz stößt. Energy Drinks profitieren auch von den Anstrengungen der großen Marken, die zum Teil viel Geld für Marketing und Werbung ausgeben, um dem Getränk ein aufregendes und cooles Image zu verpassen. In Entwicklungsländern kommen hingegen immer mehr regionale Alternativen auf den Markt, die den Druck auf die großen Player erhöhen. Für diese besteht die Herausforderung darin, eine Markenidentität zu finden, die Verbraucher von New York bis nach Peking ansprechend finden und für die sie mehr Geld ausgeben würden.“

Anzahl der Energy Drinks mit Bio-Kennzeichnung erreicht Rekordhoch
Die Mintel-Untersuchung zeigt zudem, dass die Anzahl der Energy Drinks mit Bio-Kennzeichnung letztes Jahr ein Rekordhoch erreicht hat. Laut der Mintel-Untersuchung trugen 7 % der Energy Drinks, die im Jahr 2015 weltweit auf den Markt gebracht wurden, eine Bio-Kennzeichnung. Zum Vergleich, im Jahr 2011 waren es nur 4 %. Und der Bio-Trend zeigt keine Anzeichen eines Rückgangs: bis dato im Jahr 2016* waren 6 % der weltweit neu eingeführten Energy Drinks als Bio-Produkt gekennzeichnet.

Europa ist auch in diesem Markt der Spitzenreiter: Drei von fünf (58 %) Energy Drinks mit Bio-Kennzeichnung wurden bis dato im Jahr 2016* in Europa eingeführt, während nur zwei von fünf (39 %) in Nordamerika und sogar nur 3 % in Südamerika auf den Markt gebracht wurden.

Die hohe Markteinführungsaktivität von Produkten mit Bio-Kennzeichnung geht Hand in Hand mit der wachsenden Verbrauchernachfrage nach natürlicheren Energy Drinks. Laut der Mintel-Untersuchung wünschen sich mehr als die Hälfte (53 %) der deutschen Verbraucher eine größere Vielfalt an Energy Drinks und Sportgetränken mit natürlichen Farbstoffen und Aromen. Dieser Wunsch wird von Verbrauchern in anderen europäischen Ländern geteilt: 54 % der spanischen und italienischen und sogar 61 % der polnischen Verbraucher stimmen dieser Aussage zu.

In China ist der Durst nach natürlichen Energy Drinks ebenfalls offensichtlich, da zwei von fünf (40 %) Verbrauchern nach eigenen Angaben eher dazu geneigt wären, einen Energy Drink zu kaufen, wenn dieser mit natürlichen Zutaten hergestellt wurde. Auch in den USA haben ein Viertel (26 %) der Konsumenten nach eigenen Angaben mehr Vertrauen in Energy Drinks mit natürlichen Zutaten.

„Das wachsende Angebot an Energy Drinks mit Bio-Kennzeichnung zeigt, wie die Branche versucht, ein breiteres Publikum durch einer Botschaft rund um Natürlichkeit anzusprechen. In absehbarer Zukunft werden Hersteller von Energy Drinks weiterhin unter Druck stehen, ihre Produkte mit besseren und gesünderen Zutaten zu reformulieren“, so Beckett.

Gestresste Eltern sind eine unterschätzte Zielgruppe
Zudem hat die Mintel-Untersuchung ergeben, dass Eltern eine oft unterschätzte, aber wichtige Zielgruppe für Energy Drinks sind. Während im Jahr 2015 ein Drittel (33 %) der deutschen Erwachsenen nach eigenen Angaben Energy Drinks konsumierte, steigt dieser Anteil auf ganze 44 % unter Verbrauchern, die mit Kindern unter 21 Jahren in einem Haushalt leben.

In den USA zeigt sich ein ähnliches Bild: Während im Durchschnitt 12 % der Verbraucher Energy Drinks trinken, steigt dieser Anteil auf mehr als ein Viertel (26 %) unter Eltern von 1- bis 5-Jährigen und auf 32 % bei Eltern von 6- bis 11-Jährigen. In Großbritannien trinken sogar drei von fünf (58 %) Eltern von 1- bis 5-Jährigen Energy Drinks, im Vergleich zu einem Durchschnitt von 35 %.

„Junge Eltern auf der ganzen Welt sind oft erschöpft und ständig auf dem Sprung. Sie erweisen sich deshalb als wichtige Zielgruppe für Energy Drinks. Obwohl sie nicht zu der traditionellen Zielgruppe der 18- bis 24-Jährigen gehören, an die sich der Großteil der Werbebemühungen richtet, sind junge Eltern und ältere Millennials im Allgemeinen tatsächlich die primären Konsumenten von Energy Drinks“, schließt Beckett ab.

*Januar bis Juli 2016

Zwei Drittel der deutschen Eis-Esser zeigen Interesse an milchfreien Alternativen

Die Nachfrage nach Speiseeis ohne Milch explodiert in Deutschland. Denn die Werbung für Milchalternativen richtet sich nicht mehr ausschließlich an Verbraucher mit besonderen Ernährungsbedürfnissen, sondern spricht eine größere Zahl gesundheitsbewusster Verbraucher an. Laut einer neuen Untersuchung von Mintel sind in der Tat beinahe zwei Drittel (63 %) der deutschen Eis-Esser an milchfreien Alternativen interessiert, wie zum Beispiel an Speiseeis, das mit Mandel- oder Kokosnussmilch hergestellt wurde.

Außerdem sind deutsche Verbraucher anscheinend sogar bereit, für solche Produkte mehr Geld auszugeben; einer von fünf (20 %) Deutschen gibt an, für Speiseeis ohne Milch mehr Geld ausgeben zu wollen; unter den Verbrauchern zwischen 16 und 24 Jahren beträgt die Zahl sogar fast ein Drittel (30 %).

Die hohe Nachfrage nach milchfreiem Speiseeis zeigt sich auch in anderen großen europäischen Ländern: 78 % der polnischen, 69 % der italienischen, 68 % der spanischen und 63 % der französischen Verbraucher signalisieren Interesse. Darüber hinaus stimmen 27 % der Verbraucher in Polen, 21 % in Italien, 25 % in Spanien und 18 % in Frankreich zu, sie würden für solche Produkte mehr Geld ausgeben.

Julia Büch, Food and Drink Analystin bei Mintel, sagt:
„Während Alternativen für Milch ursprünglich für Verbraucher mit besonderen Ernährungsbedürfnissen entwickelt wurden (z. B. Laktoseintoleranz oder Allergien), sind sie heute eher eine Frage des Lebensstils, insbesondere bei jüngeren Verbrauchern. Der Grund dafür ist eine starke Kombination aus gesundheitlichen und ethischen Gründen sowie den sich entwickelnden Geschmacksvorlieben und dem Reiz neuartiger Aromen.“

Als Reaktion auf die starke Verbrauchernachfrage gewinnen Speiseeisalternativen in Deutschland an Bedeutung, wo der Anteil der neu eingeführten Eisprodukte ohne Milch im Jahr 2015 ganze 8 % aller neuen Eisprodukte erreicht hat*; zwischen 2013 und 2014 waren es laut Mintel’s weltweiter Datenbank für Produktneueinführungen (GNPD) lediglich 2 %. Speiseeis ohne Milch expandiert in ganz Europa, wenn auch insgesamt langsamer als in Deutschland. Laut Mintel erreichte im Jahr 2015 der Anteil neuer Produkteinführungen ohne Milch in Europa insgesamt 3 % aller Neueinführungen, eine Steigerung im Vergleich zu den 2 % im Jahr 2014 und 1 % im Jahr 2013.

Außerdem war Großbritannien laut der Mintel-Untersuchung zwar seit Jahren der innovativste Markt für Speiseeis ohne Milch, jedoch scheint es ganz so, als hätten deutsche Hersteller im Jahr 2015 gewaltig aufgeholt. In der Tat führte das Vereinigte Königreich zwischen 2013 und 2015 die Innovationen bei Speiseeis ohne Milch insgesamt an und brachte 19 % dieser Produkte in Europa auf den Markt, gefolgt von Deutschland (16 %) und Italien (14 %). Wenn man allerdings das Jahr 2015 gesondert betrachtet, hat Deutschland 26 % aller neuen Speiseeisprodukte ohne Milch eingeführt und damit das Vereinigte Königreich (17 %) und Italien (12 %) abgehängt.

Außerdem verlagern sich in Deutschland neu eingeführte Speiseeissorten ohne Milch zunehmend weg von Sojamilch hin zu anderen Alternativen. Der Anteil der auf Soja basierenden Alternativen ist von beinahe 100 % im Jahr 2012 auf 35 % im Jahr 2015 gefallen; dies kam Alternativen zugute, die auf Kokosnuss, Mandel, Reis und in letzter Zeit auch auf Lupinen basieren. Nicht auf Sojamilch basierende Milchalternativen standen im Jahr 2015 also bereits hinter zwei Dritteln (65 %) aller neu auf den Markt gebrachten Speiseeisprodukte.

„Während das Image der Sojabohne aufgrund von negativen Assoziationen in Bezug auf Gesundheit und Umwelt gelitten hat, haben neue Speiseeisalternativen ohne Milch aufgrund ihres Geschmacks und ihrer Konsistenz profitiert. Außerdem werden sie bewusst verwendet, um eine Positionierung als hochwertiges Genussprodukt zu unterstreichen. Bei den meisten neu eingeführten Produkten in Deutschland ist der Aspekt „superpremium“ in der Tat zum wichtigsten Kriterium geworden, denn dekadente Geschmacksrichtungen wie gesalzenes Karamell, Apfelkuchen oder Kokosnuss-Bourbon-Vanille überwiegen in diesem Sektor“, sagt Büch.

Außerdem nehmen auch Werbeversprechen in Bezug auf Bio- und ethische Herstellung zu und sind bei beeindruckenden 90 % aller im Jahr 2015 in Deutschland neu eingeführten milchlosen Speiseeisprodukten vertreten. Beinahe die Hälfte (47 %) der deutschen Verbraucher hat daran Interesse, Bio-Speiseeis zu kaufen, und 28 % sind bereit, mehr Geld dafür auszugeben – bei den Verbrauchern zwischen 25 und 34 Jahren sind es zwei von fünf (37 %). Derweil sind drei von fünf (59 %) deutschen Verbrauchern an Speiseeis interessiert, das lokal bezogene Zutaten wie Milch von örtlichen Bauern enthält, und die Hälfte (50 %) der deutschen Verbraucher möchte handgemachtes Speiseeis kaufen.

„Nachdem milchloses Speiseeis nicht mehr nur hauptsächlich als ein Ersatzprodukt für Menschen mit Ernährungsproblemen angesehen wird, sprechen sie auch Verbraucher an, die sich nicht ausschließlich für milchloses Eis entscheiden, diese neue Vielfalt jedoch begrüßen. Die neue Welle milchfreier Produkte, die nicht mehr an Verbraucher mit besonderen Ernährungsbedürfnissen gerichtet sind, legt ihren Schwerpunkt hauptsächlich auf Geschmack und Genuss und ist so gestaltet, dass sie mit dem Besten konkurrieren kann, das milchbasiertes Speiseeis zu bieten hat“, fasst Büch zusammen.

*ausgenommen Sorbets

Glutenfreie Ernährung

Nachdem in Deutschland glutenfreie Ernährung im Mainstream angekommen ist, richten nun viele deutsche Hersteller ihre Aufmerksamkeit auf getreidefreie Produkte. Laut einer neuen Untersuchung der Marktforschungsagentur Mintel hat sich dieser Trend bei Mehlprodukten besonders verdeutlicht: so hat sich in diesem Bereich die Anzahl neuer getreidefreier Produkte im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als verdoppelt. Getreidefreies Mehl machte im Jahr 2015 23 % aller neuen Mehlprodukte aus – im Jahr 2014 waren es noch lediglich 10 %.

Auch bei Brot- und Backwaren sind getreidefreie Produkte laut der Mintel-Untersuchung eine zunehmend beliebte Option; in dieser Kategorie haben im Jahr 2015 neu eingeführte Produkte ohne Getreideanteil von 6 % im Jahr 2011 auf 9 % aller neuen Brot- und Backwaren in Deutschland zugenommen.

Gegenwärtig sind die Werbeversprechen, die betonen, dass bestimmte Inhaltsstoffe nicht enthalten sind, in Deutschland sehr beliebt, was wiederum für die weitere Verbreitung des Trends in Richtung „getreidefrei“ spricht. Einer von zehn (10 %) Deutschen zwischen 25 und 34 Jahren gibt an, in den vergangenen sechs Monaten vor April 2015 glutenfreies Brot gegessen zu haben, während nun durchschnittlich 7 % der Deutschen aussagen, sich glutenfrei zu ernähren – bei Verbrauchern im Alter zwischen 16 und 24 Jahren sind es sogar 11 %.

Obwohl der deutsche Markt für verpacktes Brot und Brotprodukte nach Großbritannien immer noch der größte in Europa ist, ist er seit Jahren rückläufig. Gemäß Marktprognosen von Mintel konsumierte der durchschnittliche Deutsche im Jahr 2015 11,7 kg an Brot und Brotprodukten; im Jahr 2008 lag diese Zahl noch bei insgesamt 14,2 kg. Außerdem wird der Umsatz für verpacktes Brot und Brotprodukte Erwartungen zufolge erstmals unter die 2-Milliarden-Euro-Marke fallen, von 2,04 Mrd. Euro im Jahr 2014 auf 1,99 Mrd. Euro im Jahr 2018.

Katya Witham, Senior Food and Drink Analyst bei Mintel, sagte:
„Der wachsende Markt für glutenfreie Produkte und das zunehmende Gesundheitsbewusstsein unter Verbrauchern ebnen den Weg für getreidefreie Innovationen. Da Mehl ohne Getreide in der Regel einen höheren Proteinanteil hat als Weizenmehl, könnte dies wesentlich dazu beitragen, dass sich Verbraucher, die sich proteinreich und kohlenhydratarm ernähren, von diesem Werbeversprechen angesprochen fühlen.“

Proteinreiche Ernährungsweisen scheinen in Deutschland beliebt zu sein, was vielversprechend für getreidefreie Produkte ist. Laut einer Mintel-Untersuchung gibt ein Viertel (25 %) der Deutschen an, mehr Eiweiß in ihre Ernährung zu integrieren als noch vor einem Jahr; unter den Verbrauchern zwischen 16 und 24 Jahren sind das sogar 42 %. Außerdem gibt einer von fünf (20 %) Deutschen an, weniger Kohlenhydrate zu essen oder Kohlenhydrate zu meiden; bei den Verbrauchern im Alter zwischen 16 und 24 Jahren steigt der Prozentsatz auf 23 % an.

In Sachen Inhaltsstoffe für getreidefreie Mehlsorten scheinen Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen oder Sojabohnen die am häufigsten verwendeten Inhaltsstoffe für getreidefreies Mehl zu sein; derzeit stehen sie hinter zwei Dritteln (67 %) aller neuen getreidefreien Produkteinführungen des Jahres 2015.
Während Hersteller auf eine steigende Nachfrage nach pflanzenbasierten Lebensmitteln und neuartigen Proteinquellen reagieren, ist Lupinenmehl ein weiterer Inhaltsstoff, der an Beliebtheit gewinnt. Deutschland scheint unter den ersten Märkten zu sein, auf denen der Lupinen-Trend ankommt: Von allen im Jahr 2015 eingeführten Backwaren mit Lupinenmehl kamen 22 % in Deutschland auf den Markt, dicht gefolgt von Frankreich (21 %) und Italien (11 %).

„Die Lupine ist in einigen mediterranen Küchen beliebt; es handelt sich um eine Hülsenfrucht, die ballaststoff- und proteinreiche Samen erzeugt, jedoch – im Gegensatz zu anderen Hülsenfrüchten – relativ wenige Kohlenhydrate enthält. Lupinenhülsenfrüchte enthalten auch viele essentielle Aminosäuren und Mineralien, wodurch sie nicht einfach nur glutenfrei sind, sondern auch sehr nährstoffreich und leicht verdaulich. Neben Lupinenmehl liegen Mandel- und die Kokosnussmehl aufgrund ihrer potenziellen gesundheitlichen Vorteile ebenfalls im Trend“, so Witham.

Das Comeback der vergessenen Körner
Neben getreidefreien Mehlsorten zeigt ein genauerer Blick auf den deutschen Markt, dass in einer zunehmenden Anzahl an Mehlprodukten Urgetreide als Alternative zum Weizen enthalten sind. Gemäß einer Untersuchung von Mintel war Hirse, mit einem Anteil von 14 % aller im Jahr 2015 neu auf den Markt gebrachten Mehlprodukte, am beliebtesten, dicht gefolgt von Quinoa (10 %), Buchweizen (5 %) und Zwerghirse (5 %).

Doch Urgetreidesorten kommen nicht nur in deutschen Küchen zum Einsatz, sie werden auch zunehmend vom LEH bei Brot- und Backwaren verwendet, damit Produkte aus dem Massenangebot herausstechen und als gesunde Nahrungsmittel positioniert werden können. Die Anzahl der neu eingeführten Brot- und Backwaren mit Quinoa- und Chiasamen hat sich zwischen dem Jahr 2013 und dem Jahr 2015 mehr als verfünffacht (jeweils +550 % und +600 %), während sich der Einsatz von Buchweizen und Hirse mehr als verdoppelt hat (+100 % und +138 %).

Zwei von fünf (39 %) Deutschen geben an, sie seien an süßen Backwaren interessiert, die aus anderem Getreide als Weizen hergestellt wurden, wie zum Beispiel Dinkel, Amarant oder Quinoa. Unter den Verbrauchern zwischen 25 und 34 Jahren äußert sich die Hälfte (50 %) entsprechend. Darüber hinaus sind 44 % der deutschen Frauen an Backwaren interessiert, die mehr Ballaststoffe enthalten, während die Hälfte (50 %) der Deutschen erklärt, es lohne sich, für hochqualitative Brot- oder Backwaren mehr Geld auszugeben.

„Als Alternative zu Weizen sind Urgetreide reich an Nährstoffen und weisen interessante Geschmacksrichtungen und Texturen auf. Da Urgetreidesorten die zunehmende Zahl gesundheitsbewusster Verbraucher durch ihren „Superfood“-Faktor ansprechen, werden diese in verschiedenen Produkten verwendet werden, von Brot- und Backwaren bis hin zu Pizza und Pasta sowie Snacks und Fertiggerichten“, fasst Witham zusammen.

Siegerkäse 2015

Die Ergebnisse der „Großen Käseprüfung“ vom Verband für handwerkliche Milchverarbeitung e.V. (VHM)

Die große Käseprüfung findet einmal im Jahr statt – teilnehmen können handwerkliche Käsereien, die Mitglied im VHM sind. Die eingesandten Käse werden von Verbrauchern bei einer Publikumsprüfung bewertet und von einer Fachjury auf „Herz und Nieren“ getestet. Aus der vergebenen Punktzahl beider Prüfungen werden dann die Gewinner ermittelt und die drei besten mit den „Käseharfen“ in Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet.

Die Preisträger der Käseharfen
Und das sind die von Verbrauchern und Experten ausgewählten Sieger aus 117 eingesandten Hofkäse-Spezialitäten:

Platz 1 und die „Käseharfe in Gold“ für den Kuhmilch-Weichkäse „Münsterkäse“ aus der Camphill Dorfgemeinschaft Lehenhof e. V.. Der Münsterkäse aus der Hofkäserei in Deggenhausertal hat es außerdem als erster Käse in der Geschichte der VHM-Käseprüfungen geschafft, bei der Publikumsbewertung eine Zustimmung von 100 Prozent zu erreichen!

Platz 2 und die „Käseharfe in Silber“ für den Kuhmilch-Hartkäse „Bergkäse alt“ vom Unterleimgrubenhof. Der Hof aus Gütenbach wurde mit dem Gewinn der silbernen Käseharfe auch gleichzeitig zum erfolgreichsten Neueinsteiger der diesjährigen Käseprüfung!

Platz 3 und die „Käseharfe in Bronze“ für den Kuhmilch-Schnittkäse „RotVino“ vom Hof Dannwisch in Horst.

Neukreationen für Gaumen und Auge
Mit den Innovationspreisen für die besten Neukreationen 2015 wurden folgende Hofkäsereien ausgezeichnet:
• die Klein Salitzer Milchschäferei für die Schafmilch-Frischkäsezubereitung „Däumelinchen“
• die Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung gGmbH für den Schafweichkäse mit Apfeltrester
• die Käserei Hirztaler für den „Hexenbergkäse“ aus Kuhmilch
• der Milchschafhof Pimpinelle für den Schafmilch-Weichkäse „Roter
Quappentaler“

Kinder machen Hofkäse
Den erstmals verliehenen Sonderpreis „Hofkäse & Didaktik“ erhielt der Schulbauernhof Pfitzingen für seinen Schnittkäse aus Kuhmilch. Der qualitativ hochwertige Käse wurde auf dem Hof gemeinsam mit Kindern produziert und die Herstellung mit einer didaktischen Bilddokumentation belegt.

Prädikat „cum Laude“ für die 25 besten Käse
Zum ersten Mal wurden die besten 25 Käse aus der Addition beider Prüfverfahren ausgezeichnet. Auf den vorderen Rängen landete nur, wer beim Verbraucher und bei den Experten punkten konnte. Diese 25 Käse dürfen für ein Jahr das Prädikat „Käse cum Laude“ tragen. Die Preisträger sind:

• die Hofkäserei Haus Bollheim für den Kuhmilch-Weichkäse „Weißer Bollheimer“ und den Kuhmilch-Hartkäse „Bollheimer Riesenrad“,
• die Hofkäserei Braun mit dem Kuhmilch-Weichkäse „Dürnecker Pikantus“,
• die Hofkäserei Dannwisch mit dem Kuhmilch-Schnittkäse „RotVino“,
• die Hofmolkerei Pleißental mit ihren Kuhmilch-Frischkäsebällchen „Knoblauch und Chiliflocken“ und „mild-scharfe Kräuter und Gewürze“
• die Käserei Lehenhof mit ihrem „Münsterkäse“ und dem Kuhmilch-Hartkäse „Gourmet“
• die Käserei Monte Ziego mit dem Ziegenfrischkäse Natur
• die Hofkäserei Ryffel mit ihrem Schafmilch-Hartkäse „Schaf-Felsbrocken“
• die Naturkäserei Tegernseerland für ihren „Tegernseer Camembert“ aus Kuhmilch
• der Romanhof für den Kuhmilch-Schnittkäse „Sommertraum“
• die Schafmilchkäserei JAARE für ihren Schafmilch-Camembert „Schwarzes
Schaf“ und den „JAARE Pecorino“ aus Schafmilch
• der Schaf- & Ziegenhof Palmzin mit seinen Schafmilchkäsen „Frischkäse mediterran“, „Palmziner Hofkäse“, „Balkankäse französisch“, „Hirtenkäse mediterran“ und „Schafbert“
• die Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderungs gGmbH für ihren „Voralbkäse mit Rosmarin“ aus Schafmilch und den „Valpeco“-Hartkäse aus Schafmilch
• der Unterleimgrubenhof für den „Bergkäse alt“ aus Kuhmilch
• der Vulkanhof für den Ziegenmilch-Hartkäse „Eifelwürze“
• der Ziegenhof Ensmad für seinen „Ensmader Ziegentomme jung“
• die Ziegenhütte Zollernalb für den „Ziegenfrischkäse in Rapsöl mit Knoblauch und Kräutern“

www.hofkaese.de

Verbrauchervertrauen in Bio-Lebensmittel eingeschränkt

Bio ist Trend – die Deutschen ernähren sich zunehmend gesünder und bewusster, und so haben auch die Supermärkte und Discounter Bio-Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Das Vertrauen der Verbraucher in die dort angebotene Bioqualität und die damit verbundene Zahlungsbereitschaft sind allerdings nicht groß, wie eine aktuelle repräsentative Studie zeigt. Die existierenden Bio-Siegel können das Vertrauen nur dann stärken, wenn die Bedeutungsinhalte bekannt sind.

Das Marktforschungsinstitut Dr. Grieger & Cie. hat im Rahmen einer repräsentativen Umfrage 2.015 Verbraucher zu Bio-Lebensmitteln befragt. Untersucht wurden Aspekte wie Einstellungen, Ernährungsgewohnheiten, Einkaufsverhalten bei (Bio-)Lebensmitteln, Kaufmotive für Bio-Produkte, Kenntnis und Vertrauen in Bio-Siegel sowie die Zahlungsbereitschaft bei herkömmlichen Lebensmitteln und bei Bio-Lebensmitteln.

Vertrauen in Bioqualität
Neun von zehn Verbrauchern kaufen bereits Bio-Lebensmittel. Drei Viertel der Befragten schenken ihr Vertrauen solchen Bio-Lebensmitteln, die sie direkt vom Erzeuger beziehen, also dem Hofladen/ Landwirt in ihrer Nähe. Es folgen die „typischen“ Anbieter von Bio-Lebensmitteln wie Bioladen, Bio-Supermarkt, Wochenmarkt und Reformhaus. Die Supermärkte, Discounter und Online-Händler genießen bei den Verbrauchern das geringste Vertrauen und landen auf den letzten Plätzen. Dabei sind es neben „Alnatura“ gerade die Bio-Eigenmarken „Rewe Bio“ und „Edeka Bio“, die den Befragten am bekanntesten sind. Rewe und Edeka sind zudem die Supermärkte, die am ehesten mit Bio-Produkten assoziiert werden.

Zahlungsbereitschaft bei Bio-Lebensmitteln
Das geringe Vertrauen spiegelt sich in der Zahlungsbereitschaft wider: In der Studie wurde diese exemplarisch für verschiedene Bio-Lebensmittel eruiert. „Das fehlende Vertrauen und die geringe Zahlungsbereitschaft der Verbraucher lassen vermuten, dass es Supermärkte und Discounter trotz ihrer Bio-Eigenmarken nicht schaffen, ein authentisches Bio-Image aufzubauen“, erläutert Alske Freter, Studienleiterin bei Dr. Grieger & Cie. Marktforschung.

Wunsch nach transparenter Kennzeichnung von Lebensmitteln
Abhilfe und somit Kaufanreize schaffen könnte mehr Transparenz in Bezug auf Herstellung und Inhaltsstoffe von Lebensmitteln: Über drei Viertel der Verbraucher wünschen sich eine klare und übersichtliche Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln. Allerdings weiß mehr als die Hälfte nicht, woran sie erkennen kann, ob ein Produkt Bio-Qualität besitzt. Das „Deutsche Staatliche Bio Siegel“ sowie das Logo des Anbauverbandes „Bioland“ sind die dem Namen oder dem Bild nach bekanntesten Siegel.

Die vollständige Studie gibt es unter www.grieger-cie.de/bio-lebensmittel

Deutschland ist Brotland

1,9 Millionen Tonnen Brot und 6,4 Milliarden Brötchen haben die Bundesbürger im Jahr 2012 eingekauft. Deutschland gilt als das Brotland. Bei 99 Prozent der deutschen Verbraucher steht Brot regelmäßig auf der Einkaufsliste. Hierzulande sind rund 300 Brotsorten und 1.200 Varianten an Kleingebäck bekannt. Mischbrot ist mit 31,8 Prozent das beliebteste Brot der Deutschen. Gefolgt von Toastbrot (21,6 Prozent) und Körnerbrot (14,8 Prozent). Roggenbrot ist mit fünf Prozent nicht ganz so beliebt bei den deutschen Verbrauchern.

Brot enthält die lebenswichtigen Vitamine des B-Komplexes, die der Körper nur in kleinen Mengen speichern kann. Dazu kommen wertvolles pflanzliches Eiweiß und zahlreiche Mineralstoffe, wie Phosphor, Magnesium, Calcium und Kalium sowie kleinere Mengen an Natrium, Eisen und Jod.

Quelle: BMELV, Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks

DEUTSCHER HOFKÄSE

Hofkäse informiert:
120 traditionell und handwerklich hergestellte Hofkäse aus ganz Deutschland waren am vergangenen Wochenende „am Start“, um von Verbrauchern und einer professionellen Käse-Fachjury geprüft und bewertet zu werden.

Am Freitag hatten die Besucher des „Hofkäsetages“ auf dem Münchner Viktualienmarkt Gelegenheit, alle eingesandten Hofkäse – Frischkäse, Weichkäse, Schnittkäse, Hartkäse und Käse mit Kräuter und Gewürzen – zu probieren und zu beurteilen.

Anschließend wurden die Käse professionell von ausgewählten Fachhändlern, Produzenten und Käseexperten auf Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack getestet. Aus den Ergebnissen der Publikums- und der Expertenprüfung wurden dann die diesjährigen „Hofkäse“- Sieger ermittelt.

Ausgezeichnet mit der vom Verband für handwerkliche Milchverarbeitung (VHM) verliehenen „Käseharfe“ in Gold, Silber und Bronze 2013:

Platz 1
Der „Boller Felsbrocken“, ein 18 Monate gereifter Hartkäse vom Sonnenhof http://www.sonnenhof-bad-boll.de/index.php?DOC_INST=13 in Bad Boll am Fuße der Schwäbischen Alb

Platz 2
Das „Bollheimer Riesenrad“, ein beeindruckendes Hartkäserad aus dem Hause Bollheim http://www.bollheim.de/kaeserei.html in Zülpich bei Euskirchen

Platz 3
Der „Grummersorter Zwerg“, ein delikater Weichkäse aus dem Oldenburger Land von der zwischen Bremen und Oldenburg gelegenen Hofgemeinschaft Grummersort http://hofgemeinschaft-grummersort.de/hkaese.php

Alle drei ausgezeichneten Hofkäsereien arbeiten biologisch-dynamisch und sind Demeter-zertifiziert.

Den zusätzlich verliehenen Innovationspreis für besondere Kreativität erhielten der „Kamembär Walnuss“ von Katrin Räbels Ziegenhof 3-Käse-hoch im mecklenburgischen Tankenhagen und die „Ziegefrischkäserolle Rhabarber“ der Schwarzwälder Käserei Monte Ziego http://www.monteziego.de

Bei der Publikumsprüfung wurde der „Römerstreich“, ein Käuter-Frischkäse aus der Hofkäserei Bornwieser Milchhandwerk http://www.bornwiesenhof-hunsrueck.de aus Wilzenberg-Hußweiler zum beliebtesten deutschen Hofkäse gewählt – und der „Irschenberger Almerer“ von der Obermooser Bio-Hofkäserei http://www.obermooser-biokaese.de aus Irschenberg zum beliebtesten Hofkäse aus Bayern.

Marc Albrecht-Seidel, Geschäftsführerer des Verbandes für handwerkliche Milchverarbeitung (VHM): „ Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Verbrauchern und den Experten bedanken, die hier mit viel Engagement und Kompetenz geurteilt haben – unter so vielen wunderbaren Hofkäsen auszuwählen, ist sicher keine leichte Aufgabe, dafür aber äußerst genußvoll!“

Die Hofkäseprüfung 2013 und der Hofkäsetag auf dem Viktualienmarkt waren der Auftakt zu diversen Veranstaltungen, die in ganz Deutschland im Rahmen des „Hofkäsemonats Oktober“ stattfinden. Mehr Informationen über weitere Veranstaltungen, zu den Ergebnissen und dem Ablauf der Hofkäse-Prüfungen und zu unseren „Sieger“-Hofkäsereien finden Sie auf unserer Internetseite www.hofkaese.de

Der Niedersächsische Käsemarkt auf der SlowFisch in Bremen – vom 8. November bis zum 10. November 2013

Hofpfisterei

Sie heißen Riemische, Maurerlaiberl, Pfennigmuckerln und Schuastabuam, denn wer wie Schuster oder Maurer schon früh in den Tag startet, braucht am späten Vormittag eine herzhafte Zwischenmahlzeit. Die Semmeln mit ihrem kräftigen Geschmack, der von einem deutlichen Anteil Roggen und teilweise Kümmel herrührt, passen bestens zur typischen Münchener Brotzeit mit Weißwürsten, Leberkäse oder dem würzigen Obazda-Käse. Oft in Paaren oder Stangen gebacken, eignen sie sich gut zum Teilen mit den Tischnachbarn.

Heute stellen allerdings nur noch eine Handvoll Bäckereien die traditionellen Münchener Brotzeitsemmeln her. Ihr Teig muss aufwändig mit Natursauer hergestellt werden; Teiglinge oder Backmischungen gibt es nicht. So hat sich das Wissen dazu über die Generationen ziemlich verloren – bei jungen Bäckern ebenso wie bei Verbrauchern, die dieses Gebäck heute oft nicht mehr kennen, weil sie es gar nicht mehr sehen.

Slow Food Deutschland und das Münchener Convivium, die lokale Slow Food Gruppe, wollen das ändern. Seit ein paar Wochen sind die Münchener Brotzeitsemmeln in der „Arche des Geschmacks“ aufgenommen, dem internationalen Slow Food Projekt für den Schutz traditioneller und nachhaltiger Qualitätslebensmittel, Nutztierrassen und Kulturpflanzen. Unter dem Motto „Essen, was man retten will“ erfasst das Projekt fast vergessene traditionelle Lebensmittel und bringt sie wieder in die Aufmerksamkeit von Verbrauchern und Erzeugern. Denn was nicht gegessen wird, wird nicht nachgefragt, kann also nicht verkauft werden, und wird deshalb nicht hergestellt. Durch lokale und überregionale Initiativen sollen die schmackhaften Münchener Brotzeitsemmeln, die durch ihren hohen Roggenanteil auch länger frisch bleiben, jetzt wieder besser bekannt und beliebt werden

Die frischgebackenen „Archepassagiere“ erfuhren übrigens gleich tatkräftige Unterstützung: ab Mitte September werden die Traditionssemmeln auch in den fast 100 Münchener Filialen der Hofpfisterei angeboten.

Die Reichen wohnen in Liechtenstein

… und die Armen Europas in Moldawien – Spanien markiert in etwa die durchschnittliche europäische pro-Kopf-Kaufkraft

Die aktuelle Studie „GfK Kaufkraft Europa 2012/2013“ von GfK untersucht die regionalen Niveauunterschiede in der Kaufkraft der Verbraucher in 42 europäischen Ländern. Auf Länderebene reicht das Spektrum dabei vom 4,5-Fachen des Europadurchschnitts in Liechtenstein bis zu einem Zehntel dieses Durchschnittswerts in Moldawien. Spanien markiert in etwa die durchschnittliche europäische pro-Kopf-Kaufkraft.

Laut der GfK Kaufkraftstudie stehen den europäischen Verbrauchern für das Jahr 2012 insgesamt etwa 8,6 Billionen Euro für ihre gesamten Ausgaben sowie zum Sparen zur Verfügung. Dies entspricht einer Kaufkraft von 12.802 Euro pro Einwohner im Durchschnitt der 42 Studienländer.
Das Wachstum pro Kopf liegt bei 2,1 Prozent
In den 42 betrachteten Ländern führen die Unterschiede in Lohnentwicklung und Inflation dazu, dass die privaten Verbraucher unterschiedlich viel Geld für ihre Konsumausgaben zur Verfügung haben. Die GfK Kaufkraftstudie betrachtet – zwecks einer bis zur feinsten regionalen Ebene einheitlichen Vergleichsbasis – die nominale Kaufkraft der Menschen, umgerechnet in Euro. Die Wechselkurse der nicht Euro-Länder beziehen sich auf die Angaben von Eurostat zum 7. Juni 2012. Das Ranking der Staaten Europas nach der Kaufkraft je Einwohner zeigt wenig Überraschungen: Wie immer liegt Liechtenstein weit vorn – mit rund 57.000 Euro pro Kopf für das Jahr 2012. Mit einem Abstand von rechnerisch 15.000 Euro pro Kopf folgen dicht an dicht die Norweger sowie die Schweizer. Die luxemburgischen Verbraucher müssen sich hingegen mit „nur“ rund 28.924 Euro pro Kopf und dem vierten Rang begnügen.

Die Einwohner der kaufkraftstärksten Länder Europas müssen zwar einen großen Teil ihres Einkommens in Mieten und allgemein teurere Lebenshaltungskosten investieren. Für den Konsum über das Lebensnotwendige hinaus bleibt ihnen jedoch erheblich mehr Geld übrig als den Verbrauchern in kaufkraftschwächeren Ländern.

Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln täuscht viele Verbraucher

Ob deutscher Käse in griechischer Aufmachung, Formfleisch statt abgebildeter Hähnchenbrust oder „Acerolasaft“ mit der Hauptzutat Apfelsaft – die Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln führt bei vielen Verbrauchern zu Missverständnissen und weckt falsche Erwartungen. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Befragung von 750 Verbraucherinnen und Verbrauchern zum Lebensmittelmarkt. Die Studie wurde im Auftrag der Verbraucherzentralen von der Universität Göttingen und der Agrifood Consulting GmbH erstellt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen fordern verlässliche, unabhängige (Leit-)Siegel und klare Regeln zur Bewerbung von Qualitätseigenschaften bei Lebensmitteln.

Bei den untersuchten 15 Beispielen geht es um Verpackungsaufschriften zu Regionalität, Zutaten und Herstellungstechniken, die aus Sicht vieler Verbraucher mehr versprechen als sie halten. So wird zum Beispiel deutscher Käse mit griechisch anmutendem Produktnamen und landestypischen Motiven vermarktet. Hier fühlen sich 72 Prozent der Verbraucher getäuscht. Eine Instantsuppe mit der Werbeaufschrift „ohne Geschmacksverstärker“ enthält anstelle von Glutamat Hefeextrakt. Dieser wirkt zwar ähnlich, gilt lebensmittelrechtlich aber nicht als geschmacksverstärkender Zusatzstoff. Über solche Kennzeichnungsmethoden ärgern sich 64 Prozent der Verbraucher.

Verwirrungspotenzial trifft alle Verbrauchergruppen

„Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Kritik, die an der Kennzeichnung von Lebensmitteln geäußert wird, keine Einzelmeinungen sind“, erklärt Studienleiterin Dr. Anke Zühlsdorf. In der Befragung wurde anhand ausgewählter Praxisbeispiele erstmals systematisch untersucht, inwieweit die Aufmachung von Lebensmitteln bei Verbrauchern Missverständnisse über die tatsächliche Produktbeschaffenheit auslöst. Die bevölkerungsrepräsentative Online-Befragung belegt, dass das Verwirrungspotenzial bei der Lebensmittelvermarktung hoch ist und alle Verbrauchergruppen betrifft – weitgehend unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht der Befragten und ihrer allgemeinen Einstellung gegenüber Werbung.

Wenn der Qualitätswettbewerb versagt, zählt nur der Preis als Kaufkriterium

“Gut drei Viertel der Verbraucher gehen davon aus, dass Lebensmittel auf der Verpackung oft besser dargestellt werden als sie es sind”, erläutert Prof. Spiller vom Lehrstuhl Marketing für Lebensmittel an der Universität Göttingen. „Der Qualitätswettbewerb im Lebensmittelmarkt kann aber nur funktionieren, wenn die Verbraucher den Kommunikationsaussagen der Anbieter vertrauen können“. Das wird heute immer wichtiger, weil Vertrauenseigenschaften wie Regionalität, Tier- oder Umweltschutz vom Verbraucher nicht selbst nachgeprüft werden können. „Es liegt im Eigeninteresse der Lebensmittelwirtschaft, das Verbrauchervertrauen in Qualitätsaussagen der Hersteller zu stärken – sonst geht es nur noch um den Preis“, so Prof. Spiller.

vzbv und Verbraucherzentralen fordern verlässliche Siegel

Die Untersuchung belegt, dass die Qualitätsangaben der Hersteller Verbraucher oft weniger aufklären als vielmehr verunsichern. „Zwischen Werbe- und Produktrealität klafft oft eine große Lücke, die Politik und Hersteller schließen müssen. Damit sich Verbraucher für Qualität entscheiden können, brauchen sie verlässliche Angaben und Regelungen, die vor Irreführung und Täuschung schützen”, fordert der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands Gerd Billen. Dies bedeutet konkret:

Benötigt wird mehr Orientierung durch verlässliche (Leit-)Siegel, die im Zweifelsfalle durch den Staat analog zum Biosiegel eingeführt werden müssen. Unter anderem muss Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner verbindliche Kriterien für die Verwendung des Begriffs „regional“ schaffen.

Es braucht mehr Klarheit und Wahrheit bei der Kennzeichnung von Qualitätseigenschaften auf der Produktvorderseite. Hierzu gehört, dass die Auslobung von Zutaten auf der Hauptschauseite, den damit geweckten Verbrauchererwartungen entsprechen muss. Hier sind die Anbieter in der Pflicht.

Den Verbraucherinteressen muss mehr Gewicht in Gremien, wie der Deutschen Lebensmittelbuchkommission (DLBK), eingeräumt werden. Gleichzeitig muss der, Gesetzgeber der Lebensmittelbuchkommission ein angemessenes Budget für eigene Marktrecherchen bereitstellen, damit diese unabhängige Expertisen über Verbrauchererwartungen einholen kann.