Keine Fluggast-Entschädigungen bei Corona bedingten Flugausfällen

Normalerweise haben Passagiere bei Flugausfällen oder -verspätungen unter Umständen einen Anspruch auf Entschädigungen in Höhe von bis zu 600 Euro pro Person. Dies gilt jedoch nur, wenn dieses Flugproblem in dem Verantwortungsbereich der jeweiligen Airline lag. Entschädigungsforderungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus werden jedoch alle APRA-Mitglieder konsequent ablehnen.

Easyjet
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Kind unter zwei Jahren erhält Entschädigung für Flugverspätung

EU-Präzedenzfall

  • AirHelp gewinnt Fall gegen Thomas Cook: Kind unter zwei Jahren erhält Entschädigung für Flugverspätung

  • Der Fall stellt einen neuen Präzedenzfall dar, der Kindern ohne einen Sitzplatz ein Recht auf eine Entschädigung einräumt, wenn für das Flugticket gezahlt wurde

  • Thomas Cook hat der betroffenen Familie eine Entschädigung in Höhe von 600 Euro für das Kind gezahlt

Das Portal für Fluggastrechte, AirHelp (www.airhelp.com), hat einen Rechtsstreit gegen Thomas Cook Scandinavia A/S gewonnen und damit einen neuen EU-Präzedenzfall geschaffen. Im Fall erkämpfte AirHelp eine Entschädigung für ein Kind im Alter von unter zwei Jahren, das mit seiner älteren Schwester und seiner Mutter am 27. Januar 2015 von Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen nach Phuket in Thailand reisen wollte. Ein Jahr nachdem der Fall eröffnet wurde, hat Thomas Cook dem Kind eine Entschädigung in Höhe von 600 Euro gezahlt. Der Flug war mehrere Stunden verspätet in Thailand angekommen.

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Brexit: Urlaub in Großbritannien wird günstiger

Das Britische Pfund ist auf den niedrigsten Stand seit 1985 gefallen. So günstig gab es die Währung lange nicht mehr. Etliche Urlauber und Spekulanten standen schon am Morgen nach Bekanntwerden des bevorstehenden Brexits vor den Bankschaltern und wollten die Schnäppchenpreise fürs Geld der Insel nutzen, um ihren Urlaub in England günstiger zu machen. Sie tauschten Euro gegen Pfund – und können so auf der Insel deutlich günstiger einkaufen, als dies noch tags zuvor der Fall war. „Urlaub in Großbritannien wird unterm Strich wohl deutlich günstiger werden“, sagen Daniel Krahn und Daniel Marx, Gründer der unabhängigen Reise-Webseite Urlaubsguru.de, und ergänzen: „Darüber hinaus könnte es aber auch zu vielen Negativ-Effekten für den Tourismus kommen.“

„Ticketpreise, Kosten für Übernachtungen, Fluggastrechte, Roaming, eventuell Änderungen bei den Einreisebestimmungen und sogar die Einführung einer Visa-Pflicht – das sind mögliche Bereiche, die uns in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen werden“, erklären die Reise-Experten. Von heute auf morgen seien zwar keine drastischen Änderungen zu erwarten; die Richtung indes scheint klar zu sein. „Wir müssen damit rechnen, dass Abkommen für EU-Mitglieder in Zukunft eben nicht automatisch auch fürs Vereinigte Königreich gelten werden. Das günstige Telefonieren im Ausland, das vielen Urlaubern so wichtig ist, könnte bei Reisen auf die Insel bald entfallen.“

Nicht ohne Grund habe auch Ryanair-Chef Michael O’Leary im Vorfeld kräftig Werbung gegen einen Brexit gemacht. Ob es weiterhin Billigflüge von Kontinental-Europa nach London und zu anderen britischen Flughäfen geben wird, steht in den Sternen. „Auch hinsichtlich künftiger Sicherheitskontrollen an Flughäfen und bei Fährverbindungen könnte es zu Änderungen kommen“, befürchten Krahn und Marx mit Blick auf den ansonsten innerhalb der EU stark vereinheitlichten Flugverkehr. Andererseits gehörte Großbritannien auch zuvor nicht zu den Schengen-Staaten. Ob der Personalausweis in Großbritannien künftig ausreichend sei, um sich auszuweisen, werde sich noch zeigen. „Wer einen Reisepass im Gepäck hat, geht aber auf jeden Fall auf Nummer sicher.“

Der EU-Grundlagenvertrag von Lissabon lässt im Falle eines Austritts eines EU-Mitglieds eine Übergangszeit von bis zu zwei Jahren vor. „Viele Fragen lassen sich damit erst in einiger Zeit beantworten“, sagen Krahn und Marx, und weiter: „Das gilt insbesondere auch für den Wechselkurs: Ob aktuell wirklich ein guter Zeitpunkt ist, um Euro in Pfund zu tauschen, ist keinesfalls sicher.“ Dass spontan mit keinen gravierenden Änderungen zu rechnen ist, hat auch der britische Premierminister David Cameron klargestellt: Briten und EU-Bürger müssten keine sofortigen Maßnahmen befürchten, es gäbe insbesondere keine Beschränkungen ihrer Reisefreiheit.

Für Briten wird Urlaub in der EU wegen der Wechselkursturbulenzen erst einmal teurer. Ob sich die Lage normalisieren wird oder es zu anhaltenden Problemen im Tourismus kommen wird, ist auch einige Tage nach der Entscheidung der Briten nicht klar. „Aktuell sieht es nicht so aus, als würde London schnell Fakten schaffen wollen. Wahrscheinlich wird am Ende alles gar nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, meinen Krahn und Marx.

www.Urlaubsguru.de

Rechte des Flugpassagiers bei Streik

Passagiere sind bei einem Streik in der EU nicht rechtlos und haben Fluggastrechte

Die Verbraucherzentrale NRW erläutert die Rechte von Fluggästen, die wegen einer Arbeitsniederlegungen am Boden bleiben müssen oder erst verspätet zum Ziel kommen

Streichung des Fluges
Wird der Flug wegen der Arbeitsniederlegung ganz gestrichen, muss die Airline nach der EU-Verordnung für Fluggastrechte die Passagiere per Ersatzflug zum Ziel befördern. Dies dürfte sofort normalerweise kaum möglich sein. Alternativ kann der Reisende bei Annullierung des Fluges vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen. Ausgleichszahlungen braucht die Fluggesellschaft nach bislang überwiegender Ansicht nicht zu leisten, wenn sie alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um Flugannullierungen zu vermeiden.

Verspätung des Fluges
Startet die Maschine wegen des Streiks erst verspätet, haben Reisende nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung bei Abflugsverzögerungen von zwei Stunden (Kurzstrecken bis 1.500 Kilometer), drei (Mittelstrecken bis 3.500 Kilometer) bzw. vier Stunden (Langstrecken) Anspruch auf kostenlose Betreuung. So hat die Airline auf Wunsch des Reisenden für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie für notwendige Hotelübernachtungen inklusive Transfer zu sorgen. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Fluggesellschaft die notwendigen Kosten einer Übernachtung im Hotel übernehmen. Wer die Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer mindestens fünfstündigen Flugverspätung darauf pochen, das Geld dafür zurückzubekommen.

Flug bei einer Pauschalreise
Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, sollte sich der Urlauber an den Reiseveranstalter wenden. Auch er hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Allerdings muss dem Veranstalter in der Regel eine angemessene Frist (einige Stunden) gesetzt werden, um einen solchen Transport zu bewerkstelligen. Ist das gebuchte Flugzeug wegen des Streikes bis zu vier Stunden verspätet, gilt das nach bisheriger Rechtsprechung zum Pauschalreiserecht als bloße Unannehmlichkeit. Erst wenn der Flieger mehr als vier Stunden Verspätung hat, kann – je nach Flugstrecke – ein Reisemangel vorliegen. Dann können fünf Prozent des Tagesreisepreises für jede weitere Verspätungsstunde vom Veranstalter zurückverlangt werden. Urlauber haben außerdem die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Reisepreis zu mindern, etwa wenn Reiseleistungen ausgefallen sind.

Nach drei Stunden Verspätung gilt ein Flug als annuliert

Der Europäischer Gerichtshof bestätigt erneut Ausgleichsanspruch für Reisende bei Flugverspätungen – mindestens 250 Euro ab drei Stunden Verspätung – auch ältere Fälle jetzt einklagbar – Jedoch nicht anwendbar auf aussereuropäische Gesellschaften.

Die Entscheidung hat zur Folge, dass Passagiere, deren Flug eine Verspätung von mehr als drei Stunden hatte, auch weiterhin wie Betroffene von Flugannullierungen Schadensersatz zusteht. „Die Entscheidung ist aus Sicht des Verbraucherschutzes nur konsequent, denn dem Reisenden entstehen bei einem erheblich verspäteten Flug meist sogar größere Unannehmlichkeiten als bei einem ausgefallenen Flug“, sagt Dr. Philipp Kadelbach, Rechtsexperte beim Verbraucherportal flightright www.flightright.de. „Daher hat der Verbraucher auch Anspruch auf eine vergleichbare finanzielle Entschädigung.“

Kadelbach begrüßt die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs: „Heute ist ein guter Tag für alle Reisenden. Die Rechtslage ist nun endgültig zugunsten der Passagiere geklärt. Der Europäische Gerichtshof ist seiner Linie treu geblieben und hat sich bei der Auslegung der Verordnung konsequent am Leitgedanken des Verbraucherschutzes orientiert. Nachdem der Europäische Gerichtshof nun klargestellt hat, dass der Anspruch auf Entschädigung bei großer Verspätung keine zeitliche Grenze kennt, gehen wir davon aus, dass Verbraucher verstärkt mit älteren Fällen aus den Jahren 2009 und 2010 an uns herantreten werden,“ freute sich Kadelbach gegenüber Gourmet Report.

Laut Fluggastrechte-Verordnung Nr. 261/2004 der Europäischen Union steht Fluggästen bei der kurzfristigen Annullierung ihres Fluges eine Entschädigung zwischen 250 Euro und 600 Euro zu. Im November 2009 wurde in einem Präzedenzfall darüber hinaus entschieden, dass Flugverspätungen annullierten Flügen rechtlich gleichzustellen seien (Sturgeon/Condor, EuGH C-402/07). Nach aktuellen Informationen plant die Europäische Union die Fluggastrechte-Verordnung innerhalb der nächsten zwei Jahre zu überarbeiten. Die aktuelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wird dabei Berücksichtigung finden.

Flightright ist das Verbraucherportal für Fluggastrechte, es startete im Frühjahr 2010. Passagiere haben die Möglichkeit, Entschädigungen für verspätete oder annullierte Flüge direkt über den Entschädigungsrechner von flightright einzufordern. flightright beruft sich auf die EU-Verordnung 261/2004. Diese spricht Betroffenen von Flugausfällen und Verspätungen eine Wiedergutmachung durch die Fluggesellschaft zu. Weitere Informationen auf

www.flightright.de

Gourmet Report meint: Ein sehr schönes und verbraucherfreundliches Urteil. Jedoch ist es ungerecht, dass Airlines die ausserhalb der EU sitzen und in die EU fliegen nicht belangt werden können!

Lufthansa-Streik – Was müssen Reisende tun?

Der Flugbegleiter-Streik bei der Lufthansa steht unmittelbar bevor und lässt tausende Fluggäste um ihre Flüge und ihr Geld bangen. Um dem Flugchaos zu entgehen, klärt HolidayCheck.de
über die wichtigsten Fluggastrechte auf.

1. Ist mein Flug betroffen?

Da nahezu alle Flüge betroffen sind, sollte man sich unbedingt bei der Airline informieren. Auf der Webseite Lufthansa.de
sind die aktuellen Streikinformationen mit den gestrichenen Flügen einsehbar. Zudem wird es eine Hotline geben, die sich mit Fragen zu Stornierungen und Umbuchungen beschäftigen wird.

2. Wie komme ich trotzdem an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft muss alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Passagiere zu befördern. Denkbar ist der Einsatz von nichtstreikenden Flugbegleitern oder eine Umbuchung auf Flüge anderer Airlines. Auch Zwischenstopps mit Umsteigen an Drittflughäfen sind gerade bei internationalen Flügen eine Alternative.

Der Reisende kann aber auch stornieren und sich die Kosten zurückerstatten lassen. Jedoch muss er sich dann selbst um einen Ersatzflug bemühen.

3. Kann ich ersatzweise auf Bahn oder Mietwagen umsteigen?

Bei innerdeutschen Flügen dürfen Passagiere auf die Bahn umsteigen, wenn ihnen kein alternativer Flug angeboten wird. Entweder tauschen sie dafür ihre Flugtickets am Check-In Schalter in Reisegutscheine um, oder kaufen die Bahntickets selbst und legen es anschließend mit den Tickets zusammen bei der Lufthansa zur Kostenerstattung vor. Bei Mietwagen wird es vor allem darauf ankommen, ob der Preis im angemessenen Rahmen liegt.

4. Muss ich am Flughafen übernachten, um auf einen späteren Flug zu warten?

Nein. Steht fest, dass ein Ersatzflug frühestens am nächsten Tag gehen wird, hat der festsitzende Urlauber Anspruch auf eine Hotelübernachtung. Die Airline, die die Gäste über Verzögerungen und ihre Rechte zu informieren hat, muss entweder Hotelgutscheine austeilen oder später die Kosten für eine selbst organisierte, angemessene Übernachtung erstatten. Ebenso muss der Transfer zwischen Flughafen und Hotel übernommen werden.

5. Welche Leistungen stehen mir außerdem zu?

Kunden haben während der Wartezeit am Flughafen einen Anspruch auf Betreuung. Neben der Hotelübernachtung hat die Fluggesellschaft daher auf Wunsch des Kunden für Mahlzeiten und Erfrischungen sowie für zwei kostenlose Telefongespräche, Faxe oder E-Mails zu sorgen.

1. Bei Flügen innerhalb der EU bis 1500 Kilometer reichen schon zwei Stunden Wartezeit aus, damit Airline-Kunden sich auf diesen Anspruch beziehen können

2. Bei Distanzen von bis zu 3500 Kilometern gelten sie ab drei Stunden Verzögerung

3. Bei Distanzen von mehr als 3500 Kilometern gelten sie ab vier Stunden Verzögerung

6. Bekomme ich das Geld für ein nicht genutztes Flugticket zurück erstattet?

Ja, und zwar dann, wenn keine adäquate Ersatzbeförderung möglich war. Wer den Flug nicht mehr antreten möchte, kann nach einer Verzögerung ab fünf Stunden vom Flug zurücktreten. Die Airline ist dann zur Rückerstattung der vollen Flugscheinkosten innerhalb von sieben Tagen und bei Verspätung eines Anschlussfluges auch zum kostenlosen Rückflug verpflichtet.

7. Habe ich zusätzlich Anspruch auf Entschädigung?

Nach jüngster Rechtsprechung aus diesem August besteht dieser leider nicht! Etwa pauschale Ausgleichszahlungen, welche die Fluggastrechteverordnung bei annullierten Flügen grundsätzlich vorsieht, gelten bei Streiks nicht. Typische Fälle wären hier etwa Überbuchung oder Ausfall des Fluges wegen eines technischen Defektes.

8. An wen muss ich mich wenden?

Erster Ansprechpartner ist die Airline bzw. das Unternehmen, bei dem der Flug gebucht wurde. Wer mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, kann beim Luftfahrt Bundesamt in Braunschweig ( www.lba.de

), der offiziellen Durchsetzungs- und Beschwerdestelle für Fluggastrechte, den Verstoß anzeigen. Zivilrechtliche Ansprüche wie z.B. Ausgleichs- oder Erstattungsleistungen oder sonstiger Schadensersatz muss der Fluggast allerdings selbst per Rechtsweg durchsetzen.

Europäischer Gerichtshof stärkt die Rechte von Flugreisenden

Generalanwalt Yves Bot, Mitglied des Europäischen Gerichtshofs, stärkte gestern in einer öffentlichen Stellungnahme, dem sogenannten Schlussantrag, die Rechte von Reisenden bei Flugverspätungen. Zuvor hatten einzelne Airlines die bisher geltende Regelung in Frage gestellt und den Europäischen Gerichtshof um eine erneute Überprüfung des Urteils zur Zahlung von Ausgleichsansprüchen bei großer Flugverspätung gebeten.

Laut Fluggastrechte-Verordnung Nr. 261/2004 der Europäischen Union steht Fluggästen bei der kurzfristigen Annullierung ihres Fluges eine Entschädigung zwischen 250 Euro und 600 Euro zu. Im November 2009 wurde in einem Präzedenzfall darüber hinaus entschieden, dass Flugverspätungen annullierten Flügen rechtlich gleichzustellen seien (Sturgeon/Condor, EuGH C-402/07). Dieses Urteil hat zur Folge, dass Passagiere, deren Flug mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden gelandet ist, ebenfalls Anrecht auf Schadensersatz für die entstandenen Unannehmlichkeiten haben. Diese Entscheidung wird nun auf Betreiben einiger Fluggesellschaften nochmals vom Europäischen Gerichtshof überprüft.

Konkret nahm Generalanwalt Bot in seinem Schlussantrag Stellung zu zwei Fällen, die derzeit in letzter Instanz vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt werden. Am Amtsgericht Köln hatte ein Familienvater mit seinen beiden Söhnen die Lufthansa auf je 600 Euro pro Person Schadensersatz verklagt, weil ihr Flug mehr als 24 Stunden Verspätung hatte. Die Airline legte Widerspruch gegen das Urteil ein (EuGH C-581/10). Nachdem sich die zivile Luftfahrtbehörde des Vereinigten Königreichs geweigert hatte, die Airlines von ihrer Pflicht zu entbinden, Entschädigungszahlungen zu leisten, haben die Fluggesellschaften TUI Travel, British Airways und Easyjet im zweiten Fall vor dem obersten britischen Gericht gegen die geltende Regelung geklagt (EuGH C-629/10).

Rechtsexperte Dr. Philipp Kadelbach von flightright ( www.flightright.de ), dem Verbraucherportal für Fluggastrechte, begrüßt die Stellungnahme Yves Bots: „Die Airlines wurden abgewiesen, da sie keine überzeugenden Argumente dafür liefern konnten, dass Reisenden weniger Schaden bei Verspätungen als bei Annullierungen entsteht. Wir freuen uns, dass der Generalanwalt derselben Ansicht ist wie wir und die Rechte der Reisenden weiter stärkt.“

Professor Dr. Ronald Schmid, Vertragsanwalt von flightright, war am maßgeblichen Sturgeon/Condor-Urteil beteiligt: „Die Fluggastrechte-Verordnung hat es sich zum Ziel gesetzt, den Verbraucher zu schützen. Dem Reisenden entstehen bei einem verspäteten Flug ähnliche Unannehmlichkeiten wie bei einem ausgefallenen Flug, auch der Zeitverlust ist in etwa gleich groß – daher hat der Verbraucher natürlich auch einen vergleichbaren Anspruch auf finanzielle Entschädigung. Ich hoffe, dass sich der Europäische Gerichtshof den Ausführungen des Generalanwalts anschließt.“

Der Schlussantrag Bots ist für den Europäischen Gerichtshof nicht bindend, sondern zunächst ein Entscheidungsvorschlag im betreffenden Fall. Als Generalanwalt hat Bot die Aufgabe unabhängig und neutral die bisherige Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs zusammenzufassen, um darauf aufbauend eine Empfehlung für die Urteilsfindung auszusprechen. Der Europäische Gerichtshof folgt in drei Viertel aller Fälle den Vorschlägen des Generalanwalts. Das endgültige Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet.

Eröffnung des Flughafens BER verschoben

Airlines und Reiseveranstalter informieren über veränderte Flugpläne
Zehntausende Flugpassagiere sind von Umbuchungen betroffen

Viele Fluggesellschaften stehen unter Druck, seit bekannt geworden ist, dass der Termin für die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg BER geplatzt ist. Die Airlines haben einen Monat vor der ursprünglich geplanten Inbetriebnahme des Airports bereits alle Arbeitsabläufe und Flugpläne auf den neuen Flughafen ausgerichtet. Die Eröffnung wurde nun auf Grund von Mängeln bei der Brandschutztechnik auf August verschoben – der genaue Termin wird erst in der nächsten Woche bekannt gegeben. Als Reaktion darauf wurden die Umzüge von den beiden bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld vorerst gestoppt. Für die notwendig gewordene Übergangsphase bis zum neuen Eröffnungstermin bleiben beide Standorte weiterhin in Betrieb. Rainer Schwarz, Flughafenchef des BER, gab an, dass die geplanten Flüge im Sommer trotz der Turbulenzen nicht ausfallen sollen.

Derzeit starten und landen an Berlins Flughäfen täglich über 700 Flugzeuge; im Zuge der Neueröffnung des BER planen die meisten Fluggesellschaften, ihr Angebot auszubauen. Germanwings und Easyjet gaben nach Bekanntwerden der Terminverschiebung an, trotz der Verzögerung den aktuellen Flugplan beibehalten zu wollen und wie bisher, ihre geplanten Flüge über Schönefeld abzuwickeln. Auch Lufthansa steht zurzeit in Verhandlungen mit dem Flughafen Tegel über zusätzliche Zeitfenster für Starts und Landungen. Air Berlin steht laut eigenen Angaben vor einem gewaltigen logistischen Problem, da alle Flugpläne auf die Bedingungen am BER zugeschnitten seien. Die Fluggesellschaft will nun auf Tegel ausweichen und die Kunden zeitnah über mögliche Änderungen informieren.

Rechtsexperte Dr. Philipp Kadelbach von flightright, dem Verbraucherportal für Fluggastrechte, empfiehlt Reisenden eventuell auftretende Annullierungen und Umbuchungen nicht ohne Weiteres zu akzeptieren: „Die Fluggesellschaft ist vertraglich dazu verpflichtet, die Beförderung sicherzustellen und Passagieren einen Ersatzflug anzubieten. Flugreisende sollten sich an ihren jeweiligen Vertragspartner wenden und sich informieren, wohin und auf welchen Termin ihr Flug verlegt wird. Ansprechpartner ist entweder die Fluggesellschaft direkt oder – bei Pauschalreisen – der Reiseveranstalter, über den der Flug gebucht wurde.“

Die Fluggastrechte-Verordnung 261/2004, die Reisenden bei Flugverspätung und Annullierung eine Entschädigung durch die Fluggesellschaft zuspricht, wird in den meisten Fällen jedoch nicht greifen. „Informiert die Fluggesellschaft den Reisenden zwei Wochen vor Abflugdatum über die Umbuchung, hat dieser keinen Anspruch auf Schadensersatz“, sagt Dr. Kadelbach. „Lediglich wenn der Fluggast später unterrichtet wird, stehen ihm Leistungen wie Telefonate und die Verpflegung mit Speisen und Getränken am Flughafen sowie eine eventuell notwendige Übernachtung zu. Finanzielle Entschädigungen werden Reisende allerdings nicht erhalten, da die Verzögerung der Flughafeneröffnung kein Verschulden der Airlines ist. Die Ursachen liegen im Verantwortungsbereich des Flughafenbetreibers und sind damit ein ‚außergewöhnlicher und für die Fluggesellschaft unvermeidbarer Umstand’, auf den die Airlines keinen Einfluss haben.“

Reisemängel richtig reklamieren

Verspäteter Urlaubsflieger, schmutzige Hotelzimmer, ständiger Baulärm – die schönste Zeit im Jahr kann schnell zum Albtraum werden. Ein Reisemangel liegt aber nur dann vor, wenn die tatsächlichen Leistungen des Veranstalters von den im Reisevertrag vereinbarten abweichen. Rechtsexperte Dr. Philipp Kadelbach von flightright www.flightright.de , dem Verbraucherportal für Fluggastrechte, gibt Tipps, wie Urlauber auf Reisemängel am Ferienort richtig reagieren und wie sie ihr Geld im Fall der Fälle zurückfordern.

Das Flugzeug hebt nicht ab
Gerade am Flughafen angekommen, da steht plötzlich in großen Lettern an der Abflugtafel: Annulliert. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern verkürzt den langersehnten Urlaub im schlimmsten Fall erheblich. Wenn das Flugzeug mit mehr als dreistündiger Verspätung startet oder gar annulliert wurde, können Reisende laut Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 im Nachhinein Geld von der Airline zurückfordern. Die meisten Airlines zahlen Entschädigungsansprüche allerdings nur ungern; langwierige und komplizierte Gerichtsverfahren für Reisende sind der Regelfall. Unterstützung bei der Durchsetzung von Ansprüchen gegenüber den Fluggesellschaften bieten Verbraucherportale für Fluggastrechte wie flightright. Im Erfolgsfall erhält das Unternehmen eine prozentuale Beteiligung in Höhe von 25 Prozent der Entschädigungssumme. Ob Anspruch besteht, können Reisende direkt über den Entschädigungsrechner auf www.flightright.de kostenfrei prüfen.

Der Koffer fliegt nicht mit
Am Urlaubsort herrschen 30 Grad im Schatten, aber das Gepäck mit der Strandkleidung ist fälschlicherweise auf dem Weg nach Island. Wenn der Koffer nach der Landung nicht vom Gepäckband rollt, sollten Urlauber den Verlust des Gepäcks umgehend der Airline melden. Die Fluggesellschaft ist dazu verpflichtet, die Kosten für Ersatzkleidung und Hygieneartikel zu erstatten, damit sich Passagiere zumindest mit dem Nötigsten versorgen können, bis der Koffer eintrifft. Im Regelfall ersetzen Fluggesellschaften zu 100 Prozent die Kosten für Toilettenartikel und zu 50 Prozent die Auslagen für Bekleidung. Bleibt das Gepäck auf Dauer spurlos verschwunden oder wird es beschädigt, muss die Airline dem Flugpassagier laut „Montrealer Übereinkommen“ den entstandenen Schaden ersetzen. Bei Verlust, Beschädigung oder Zerstörung des Gepäcks erhalten Reisende so bis zu 1.300 Euro.

Das Hotelzimmer ist verschmutzt
Die Hotelunterbringung muss den Angaben des Prospekts entsprechen. Bei leichten Verschmutzungen des Hotelzimmers oder beschädigtem Mobiliar sollten Reisende daher das Personal auf die Mängel hinweisen und die Möglichkeit zur Nachbesserung innerhalb einer bestimmten Frist einräumen. Bei groben Verschmutzungen oder gesundheitsgefährdendem Schimmelbefall kann der Einzug sogar verweigert werden. Urlauber sind in diesem Fall berechtigt, ein gleichwertiges Zimmer einzufordern. Reagiert das Hotel nicht auf die Beschwerde, sollten Reisende im Nachhinein die Mängel beim Reiseveranstalter reklamieren. Wer beispielsweise nach der Reise über starke Rückschmerzen auf Grund einer durchgelegenen Matratze klagt, kann bis zu 25 Prozent des Reisepreises zurückfordern (AG Hamburg, AZ: 22 A 23/01).

Ständiger Baulärm stört die Urlaubsruhe
Viele Reisende suchen im Urlaub nach Ruhe und Erholung. Daher ist Vorsicht geboten, wenn im Katalog von einem „jungen, aufstrebenden Ferienort “ die Rede ist. Das heißt oftmals, dass in der unmittelbaren Umgebung der Anlage eifrig gebaut wird. Bei andauerndem Lärm empfiehlt es sich, ein Protokoll zu führen, zu welcher Tageszeit welche Lärmquelle die Urlaubsruhe gestört hat. Ist das Hotel oder die Ferienanlage zum Beispiel in einem unfertigen baulichen Zustand und herrscht täglich Baulärm von 7.00 bis 18.00 Uhr können bis zu 50 Prozent des Urlaubspreises zurückgefordert werden (AG Hannover, AZ: 504 C 4712/07).

Für die Jüngsten fehlt die Tagesbetreuung
Was im Ferienprospekt vom Veranstalter beworben wird, muss auch vor Ort eingehalten werden. Fehlt das im Katalog angepriesene Animationsprogramm für Kinder, können entnervte Eltern den Reisepreis um bis zu 20 Prozent mindern. Das Landgericht Hannover hat in einem Urteil entschieden, dass Eltern in der Ferienzeit durchaus ein Interesse daran hätten, ihre Kinder zumindest zeitweise nicht selbst betreuen zu müssen (LG Hannover, AZ: 20 S 84/97).

„Urlaubsgäste sollten Mängel unverzüglich der örtlichen Reiseleitung melden. Vertragspartner ist der Reiseveranstalter und nicht wie oft angenommen das Reisebüro oder das Hotel“, rät Dr. Philipp Kadelbach. „Wer Probleme mit der Airline hat, sollte diese noch vor Ort am Flughafen beanstanden sowie Beweise sammeln, zum Beispiel Fotos von der Abflugtafel machen und sich die Verspätung quittieren lassen.“ Eine Übersicht, welche Minderung dem Urlaubsgast für einen bestimmten Reisemangel zusteht, geben die „Kemptener Reisemängeltabelle“ oder die „ADAC-Reisemängelliste“.

Flugausfall wegen Vulkanasche – Passagierrechte

Passagiere haben Anspruch auf Erstattung von Flugpreis oder
anderweitige Beförderung – keinen Anspruch auf Ausgleichsleistung

Wegen der neuerlichen Aschewolke aus Island haben bereits die Flughäfen
Bremen und Hamburg den Betrieb eingestellt. Nach Medienberichten dürften
ab dem späten Vormittag auch in Berlin Starts und Landungen annulliert
werden. Der VKI stellt klar, welche Ansprüche von Flugpassagieren wegen der
Annullierung von Flügen nach der Fluggastrechte-Verordnung der EU geltend
gemacht werden können.

Im Fall der Streichung von Flügen kann der Passagier wahlweise die Erstattung des
Flugpreises binnen 7 Tagen oder anderweitige Beförderung zum Endziel zum
frühestmöglichen Zeitpunkt verlangen.
Weiters stehen dem Passagier folgende Betreuungsleistungen zu: Verpflegung,
Hotelunterbringung, zwei unentgeltliche Telefonate (oder Faxe oder E-Mails).
Dagegen steht – soweit der Ausfall des Fluges auf außergewöhnliche Umstände
(Vulkanasche – Schließung des Flugraumes) zurückgeht – keine weitere
Ausgleichsleistung zu.

Der Verein für Konsumenteninformation informiert auf www.verbraucherrecht.at
ausführlich über Fluggastrechte.