ÖKO-TEST: Hausratversicherungen

Die Preise und Leistungen von Hausratversicherungen unterscheiden sich extrem. Das zeigt eine neue Untersuchung, die das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST durchgeführt hat.
In einem Modellfall kostet der günstigste Tarif beispielsweise 88 Euro pro Jahr, der teuerste mit 296 Euro drei Mal so viel. Doch der Preis ist nicht das einzige Kriterium, auf das Verbraucher achten sollten, wenn sie eine Hausratpolice abschließen möchten. Manche Tarife bieten nur einen mäßigen Schutz. Bei grober Fahrlässigkeit kann es im Ernstfall etwa passieren, dass die Versicherer nur die Hälfte des Schadens oder sogar noch weniger bezahlen.

Denn die Leistung kann gekürzt werden, wenn beispielsweise ein vorgeschriebener Brandmelder fehlt oder eine leere Wohnung im Winter versehentlich nicht beheizt wird und es zu einem Rohrbruch kommt. In der ÖKO-TEST-Untersuchung haben unter anderem deshalb zwei Versicherungen am besten abgeschnitten, weil sie generell auf Leistungskürzungen wegen grober Fahrlässigkeit verzichten.
ÖKO-TEST rät außerdem darauf zu achten, dass der Versicherer im Schadensfall den gesamten Hausrat zum Neupreis ersetzt. Außerdem sollte man sich überlegen, ob man auf unnötigen Ballast wie eine teure Glasversicherung verzichtet.
Das ÖKO-TEST-Magazin Mai 2012 gibt es seit dem 27. April 2012 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Eur

Hausratversicherung

Knapp vier von fünf Deutschen haben eine Hausratversicherung. Doch viele wissen nicht: Bei einem Vertragswechsel können im Extremfall jährlich fast 1.000 Euro gespart werden. Die Zeitschrift Finanztest hat in ihrer aktuellen Ausgabe 54 Versicherer untersucht und drei Modellfälle erstellt.

Dieselbe Versicherungsgesellschaft ist oft unterschiedlich teuer: Wie viel gespart werden kann, hängt vom Wohnort und der Lebenssituation ab. Schon für kleine Haushalte, im Modellfall eine 35-Quadratmeter-Wohnung in Frankfurt am Main, beträgt der Unterschied bis zu 156 Euro im Jahr. Senioren können am meisten sparen: Bei sehr wertvollem Hausrat liegen die Preisunterschiede zwischen den Versicherern bei fast 1000 Euro im Jahr.

Wichtig ist, dass die Versicherungssumme dem Wert des eigenen Hausrats entspricht, denn im Schadensfall zahlt der Versicherer maximal die versicherte Summe. Deshalb empfiehlt die Stiftung Warentest, den Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen. Empfehlenswert sind außerdem Tarife mit Unterversicherungsverzicht, damit der Versicherer im Schadensfall nicht die Entschädigungssumme kürzt.

Finanztest ermittelt für 12 Euro die günstigste Hausratversicherung. Den Kupon für die Auswertung gibt es im Heft oder unter www.test.de/analyse-hausrat

ÖKO-TEST Altersvorsorge für Selbstständige

Selbstständige sollen nach den Plänen der Regierung künftig verpflichtet werden, eine Altersvorsorge abzuschließen. Das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST hat nun die gesetzlichen und privaten Vorsorgevarianten verglichen und rät, sich wenn möglich in der gesetzlichen Rentenversicherung zu versichern.

Auch wenn die Renditen der gesetzlichen Rente nicht gerade üppig sind, bieten sie höhere Erträge als alle untersuchten privaten Vorsorgeprodukte. Berechnet an einem 55-jährigen Musterkunden bedeutet das: Bei der gesetzlichen Rente erhält er eine sichere Rendite von 1,06 Prozent. Wird er älter als 85 Jahre, liegt die Rendite sogar bei 1,94 Prozent. Bei den privaten Versicherern macht er dagegen einen Verlust von 0,4 bis 1,3 Prozent.

Berücksichtigt man auch noch die Überschusszahlungen, so liegt die Rentenrendite mit 2,34 Prozent fast fünfmal so hoch wie beim schlechtesten privaten Versicherer und 0,6 Prozent höher als beim besten privaten Versicherer.

Das ÖKO-TEST-Magazin April 2012 gibt es seit dem 30. März 2012 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

Riester Rente lohnt sich nicht

ÖKO-TEST-Vergleich: Riester-Renten und ungeförderte Privatrenten
Kosten fressen Zulagen auf

Riester-Renten sind oft so teuer, dass für den Sparer von der Förderung nichts übrig bleibt. Der Grund: Der Großteil der versprochenen Verzinsung von mindestens 2,25 Prozent wird durch die Vertragskosten aufgezehrt. Die sind bei Riester-Renten außerdem fast immer höher als bei einer ungeförderten Privat-Rente.

Trotz Förderung bieten Riester-Renten daher oft weniger Leistung als eine ungeförderte Police. Bei den getesteten Modellfällen hatten Riester-Sparer zu Rentenbeginn bis zu 3.263 Euro weniger Garantiekapital und bis zu 14.373 Euro weniger an Gesamtkapital inklusive Überschuss auf ihrem Konto stehen als bei einer ungeförderten Privatrente – und das, obwohl beide Verträge gleich lang laufen und gleich hohe Einzahlungen erbracht wurden.

Auch die Rentenleistung ist magerer: In einem Vergleichsfall erhält ein 35-jähriger Sparer, der bis zum 65. Lebensjahr jährlich 2.100 Euro auf seinen Vertrag fließen lässt, beim Riester-Vertrag fast 30 Euro weniger Garantierente und rund 45 Euro weniger bei der prognostizierten Rentenleistung inkl. Überschüssen. Das macht pro Jahr 540 Euro weniger Rentenleistung. Oder – hochgerechnet auf die von der Versicherungsbranche unterstellte Lebenserwartung von 93 Jahren – insgesamt 15.120 Euro weniger Leistung.

Ein Blick in die Kostenklauseln zeigt, dass die staatliche Förderung durch höhere Kosten fast komplett aufgezehrt wird. So sind vor allem die Verwaltungskosten bei Riester-Renten fast durchweg höher als bei ungeförderten Policen. Bisweilen werden für den Abschluss eines Riester-Vertrags aber auch höhere Provisionen fällig.

Verbraucher, können das aber nicht auf Anhieb erkennen. Denn die Kostenangaben sind bei Riester-Verträgen nach wie vor völlig intransparent. Vor allem verschweigen die Anbieter oft, dass von den staatlichen Zulagen auch noch Abschluss- und Verwaltungskosten abgehen. Und die sind nicht selten höher als die Kosten, die auf den Eigenbeitrag der Riester-Sparer erhoben werden. So können Verbraucher aber nicht erkennen, ob sich die Mitnahme der Förderung für sie überhaupt lohnt oder ob sie ihre Versorgungslücke nicht vielleicht besser mit einer ungeförderten Police oder einen anderen Riester-Vertragsvariante wie einem Riester-Banksparplan schließen könnten.

Test Renditevergleich: Kosten fressen Zulagen auf

Für die Versicherer sind Riester-Renten die perfekte Altersvorsorge. Denn die Gesellschaften verdienen prächtig daran – allerdings auf Kosten ihrer Kunden. Denn die Verträge sind oft so teuer, dass für den Sparer von der Förderung nichts übrig bleibt. ÖKO-TEST verrät, wie und wo Vorsorgesparer klammheimlich geschröpft werden – und wie man gegensteuern kann.

Maren Meier *) traute ihren Augen nicht: Um ihre Rente später aufzubessern, hatte die Dresdenerin Anfang 2008 einen Riester-Vertrag bei der Debeka abgeschlossen. Nach Angaben des Vermittlers versprach das ein gutes Geschäft. Weil sie als Teilzeitkraft nur wenig verdiente, als allein erziehende Mutter von drei Kindern jedoch Anspruch auf eine Grundzulage plus drei Kinderzulagen hat, sollte sie nur fünf Euro pro Monat aus eigenen Mitteln einzahlen. Die restlichen 709 Euro sollte der Staat aus Zulagen darauf legen. Doch was der erste Kontoauszug offenbarte, mochte die Dresdnerin nicht so recht glauben: Von den 60 Euro Beitrag war kein einziger Cent übrig geblieben. Stattdessen wies der Vertrag ein Minus von 68,46 Euro auf. Der Grund: Abschluss- Vertriebskosten und Verwaltungskosten plus Sollzinsen fraßen allein im ersten Beitragsjahr mit 128,46 Euro mehr als das Doppelte vom Eigenbeitrag auf. Verärgert beschloss sie, die Police wieder zu kündigen. Da kam es noch dicker: Ihr Guthaben sei dank Zulagengutschrift und weiteren 40 Euro Einzahlungen zwar mittlerweile auf rund 532 Euro gewachsen, teilte ihr der Versicherer mit. Doch bei Kündigung gingen davon rund 26,60 Euro Stornokosten ab. Macht 505 Euro Guthaben. Dem Staat müsste sie aber erhaltenen Zulagen von 709 Euro zurückzahlen. Macht unterm Strich ein dickes Minus von 204 Euro. Dieses Geld hätte sie womöglich nachzahlen müssen, um überhaupt wieder aus dem Vertrag zu kommen. „Das kann doch nicht wahr sein,“ meinte die 40 jährige und ließ sich von Verbraucherzentrale Sachsen beraten. Die staunte zwar auch nicht schlecht, kannte aber einen Trick: Statt zu kündigen sollte die Mutter von drei Kindern den Vertrag lediglich beitragsfrei stellen. Dann wird weder eine Nachzahlung fällig, noch gehen die Einzahlung und Zulagen verloren.

Denn zu Rentenbeginn muss die Versicherung mindestens den Erhalt der zugeflossenen Mittel, also insgesamt 809 Euro, garantieren – und in diesem Fall als Kapitalabfindung auszahlen. So sieht es das Gesetz bei Riester-Renten vor.

Der Fall von Maren Meier ist wahrscheinlich ein besonders krasser Fall. Denn die Debeka hatte ihre Provision hier nicht nur auf alle vereinbarten Eigenbeiträge, sondern auch auf alle voraussichtlichen Zulagen bis Rentenbeginn erhoben. Diese Gesamtsumme an Provisionen wurde dann rechnerisch auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilt und mit den Einzahlungen verrechnet. Kein Wunder daher, dass das Konto erst einmal tief im Minus lag. Besonders pikant: Die Kinderzulagen hatte der Versicherer „aus Vereinfachungsgründen“, wie in der Police steht, gleich für die volle Vertragslaufzeit von 28 Jahren bis Rentenbeginn durchlaufen lassen – obwohl die Kinder bis dahin schon lange aus der Förderung gefallen sind. Denn Kinderzulagen gibt es nur solange der Nachwuchs kindergeldberechtigt ist, also bis zum 18. Lebensjahr, bei länger dauernder Ausbildung maximal bis 25. Durch die „Vereinfachung“ wurde die Provisionssumme auf die Zulagen jedoch künstlich „aufgebläht“ – ein äußerst fragwürdiger Rechentrick, der einem gerichtlichen Vergleich vermutlich nicht Stand halten würde.

Doch auch wenn man von diesen krassen Besonderheiten absieht: Ähnlich wie Maren Meier geht es vielen Riester Sparern. Sie schauen verdutzt auf ihre ersten Jahresabrechnungen und stellen fest, dass die staatlichen Zulagen fast komplett für Vertragskosten drauf gehen. So bemängelte auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (VZ Baden-Württemberg) bereits im vergangenen Jahr, dass die Zulagen bei der Riester-Rente – mindestens 1,7 Milliarden Euro für 2008 – „in der Masse nicht der Altersvorsorge zugute kommt“.

Dieses Resümee ziehen die Verbraucherschützer aus ihrer Beratungspraxis, die ihnen so manches schockierende Beispiel aus dem Alltag liefert. In einem, von der VZ Baden-Württemberg ebenfalls als besonders krass empfundenen Fall zehren die Vertragskosten sogar das Dreifache der gesamten Förderung inklusive Steuervorteile auf. Auch wer den Anbieter wechseln möchte, läuft Gefahr einen Großteil seiner Einzahlungen zu verlieren. „Das dabei 88 Prozent der gezahlten Beiträge wegen Vertragskosten verschwinden können, ist ein Skandal.“ kritisierte Niels Nauhauser, Altersvorsorgeexperte der VZ Baden-Württemberg.

Auch ÖKO-TEST hatte schon damals bemängelt, dass Riester-Renten viel zu teuer sind und die Frage aufgeworfen, wer eigentlich an der geförderten Vorsorge verdient. Jetzt wollten wir genau wissen, ob es sich bei der hohen Kostenbelastung von Riester-Verträgen nur um Einzelfälle handelt oder ob die geförderten Verträge schlicht durchweg teurer sind als andere Rentenpolicen. Aus diesem Grund hat ÖKO-TEST die Riester-Tarife aus unserem Test vom Juli 2009 mit den ungeförderten Rententarifen aus dem Test vom September 2009 verglichen. Ausgewählt wurden dabei nur Fälle, bei denen Sparer und Sparerin jeweils gleich alt sind, die Verträge die gleiche Laufzeit haben und bei denen die Summe der Einzahlungen pro Jahr gleich hoch ist. Einziger Unterschied: Während Vorsorgesparer bei der ungeförderten Privatrente den Beitrag aus eigenen Mitteln aufbringen, setzt sich der Einzahlungsbetrag bei der Riester-Police jeweils aus Eigenbeitrag und Zulagen zusammen.

Das Testergebnis

Die Zahlen belegen: Um Einzelfälle kann es sich bei den kritisierten hohen Kostenbelastungen nicht handeln. Zumindest für die untersuchten Modellfälle in unser Stichprobe gilt: Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Riester-Tarife bei den Anbietern durchweg teurer als die ungeförderte Tarife.

Bester Kostenindikator dafür ist die Rentenrendite, die Vorsorgesparer bei Erhalt der garantierten Rente erzielen. Sie zeigt an, wie viel von der garantierten Verzinsung der Police (2,25 Prozent) über die gesamte Vertragsdauer durch Kosten aufgezehrt wird und wie viel Ertrag beim Kunden ankommt.

Dabei gilt: Generell sind Rententarife nicht gerade preiswert. Obendrein sind sie auch noch umso teurer, je älter der Sparer bei Vertragsabschluss ist. Das gilt sowohl für ungeförderte als auch für geförderte Rententarife. Doch während zum Beispiel bei einer ungeförderten Privatrente für einen 35-jährigen Mann pro Jahr rund 1,29 Prozentpunkte vom Garantiezins für Kosten drauf gehen, sind es beim Riester-Tarif schon 1,36 Prozentpunkte. Der 45jährige Sparer büßt beim ungeförderten Tarif sogar 1,51 Prozentpunkte vom Garantiezins p.a. infolge der Kostenbelastung ein. Bei einem Riester-Vertrag sind es im Schnitt jedoch 1,59 Prozent. Noch teurer wird es für 50jährige. Hier gehen bei der ungeförderten Privatrente jährlich 1,69 Prozentpunkte für Kosten ab, beim Riester-Tarif sind es im Schnitt 1,72 Prozentpunkte.

Riester-Renten sind fast immer
teurer als ungeförderte Policen.
Der Renditenachteil kann Jahr für Jahr
bis zu 0,56 Prozentpunkte ausmachen.

Die Beispiele zeigen: Im Schnitt ist die Riester-Rente Jahr für Jahr zwischen 0,03 bis 0,08 Prozentpunkte teurer kalkuliert als eine ungeförderte Police – je nach Alter des Riester-Sparers bei Vertragsabschluss. Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich jedoch große Abweichungen. Während die Mehrbelastung bei günstigen Anbietern nur 0,02 bis 0,06 Prozentpunkte pro Jahr ausmacht, kann sie im Einzelfall auch schon mal bis zu 0,44 Prozentpunkte pro Jahr betragen. Eine derart hohe, zusätzliche Kostenbelastung kann nicht einmal die staatliche Förderung ausgleichen. Im Gegenteil: In diesem Fall verpufft der gesamte Fördereffekt und der Sparer macht – trotz staatlicher Förderung und bezogen auf seine eigenen Einzahlungen – ein schlechteres Geschäft als wenn er eine ungeförderte Police abgeschlossen hätte.

Noch deutlicher wird die Kostenbelastung, wenn man die Renten inklusive Überschuss vergleicht. Dann werden bei Riester-Renten schon im Durchschnitt rund 0,2 bis 0,24 Prozentpunkte der möglichen Gesamtverzinsung zusätzlich durch Kosten aufgezehrt. Im Einzelfall kann der Renditenachteil von Riester-Policen sogar bis zu 0,56 Prozentpunkte ausmachen. Dieser Effekt lässt sich nur damit erklären, dass in den Riester-Policen höhere Kosten versteckt sind als in ungeförderten Tarifen – und die werden den Riester-Kunden auch in der Rentenphase offenbar nicht wieder gutgeschrieben oder durch höhere Überschussbeteiligungen kompensiert.

Ganz wichtig dabei: Verzerrende Effekte, die darauf zurückzuführen sind, dass Riester-Tarife mit einer Unisex-Sterbetafel kalkuliert werden, ungeförderte Tarife dagegen nicht, haben wir bei dem Vergleich von vorn herein herausgerechnet, indem die Riester-Renditen bei Männern entsprechend erhöht.

Bei Riester-Renten gibt es bis zu
3.263 Euro weniger Garantiekapital
und bis zu 14.373 Euro weniger
Gesamtkapital inkl. Überschuss

Betrachtet man nur die jährlichen Renditeunterschiede von 0,03 bis 0,08 Prozent bei den garantierten und 0,2 bis 0,24 Prozent bei den prognostizierten Leistungen erscheint der Nachteil von Riester-Policen noch moderat. Ein Blick auf die absoluten Zahlen offenbart jedoch, dass die Leistungsunterschiede drastisch sind. So erhält ein 35-jähriger Mann, der insgesamt 2.100 Euro (1.946 Eigenbeitrag plus 154 Euro Zulage) in die Riester-Rente Sicherheit bei der R+V einzahlt, zu Rentenbeginn zum Beispiel 267 Euro garantierte Monatsrente. Bei einer ungeförderten Rente rückt die R+V in ihrem Standardtarif L bei gleicher Gesamteinzahlung pro Jahr jedoch fast 30 Euro mehr, nämlich 296 Euro Garantierente heraus. Inklusive Überschuss wird die Differenz noch größer. Während der 35jährige beim Riester-Vertrag rund 431 Euro erwarten kann, winken bei der ungeförderten Police immerhin 476 Euro. Das sind glatt 45 Euro mehr pro Monat oder 540 Euro pro Jahr. Hochgerechnet auf die Lebenserwartung, mit der Versicherer kalkulieren, macht das insgesamt stolze 15.120 Euro mehr Leistung als bei Abschluss eines Riester-Vertrags.

Ein Teil dieses Effekts geht zweifelsohne auf die Unisex-Sterbetafel zurück, mit der das angesparte Kapital von Riester-Verträgen verrentet wird. Da Männer danach länger leben, muss das Kapital folglich für eine längere Rentenbezugszeit reichen. Entsprechend niedriger ist die Monatsrente.

Dieser Effekt macht aber nur einen Teil des Unterschieds aus. Denn auch wenn man die Summen vergleicht, die sich bis Rentenbeginn auf dem Riester-Vertrag bzw. der ungeförderten Police angesammelt haben, wird deutlich: Bei Riester gibt es schlicht weniger Geld.

Während der 35-jährige Riester-Sparer zum Beispiel bei der R + V bis Rentenbeginn rund 73.041 Euro Garantiekapital und voraussichtlich rund 114.478 Euro Kapital inklusive Überschuss angesammelt hat, stehen beim ungeförderten Tarif der R + V garantiert dagegen 76.304 Euro und prognostiziert 119.624 Euro Kapital auf seinem Konto. Das bedeutet: Beim Riester-Vertrag gibt es garantiert 3.263 Euro und prognostiziert sogar 5.146 Euro weniger als bei der ungeförderten Privat-Rente! Ähnlich sieht es bei der Cosmos aus. Hier macht die Differenz beim garantierten Kapital zwar nur 576 Euro aus, beim prognostizierten Vertrag sind es jedoch stattliche 8.079 Euro. Bei Asstel klaffen sogar 11.862 Euro zwischen der prognostizieren Kapitalleistung eines ungeförderten und eines Riester-Tarifs. Bei der Gothaer sind es gar bis zu 14.373 Euro.

Dabei sind auf den Vertrag des 35-jährigen Riester-Sparers bis Rentenbeginn immerhin rund 4.620 Euro an Zulagen geflossen. Davon bleibt dem Sparer jedoch nichts. Unterm Strich zehren die höheren Vertragskosten bei Riester bis zum Rentenbeginn weit mehr als die Fördersumme auf. Kurz: Die Kritik an der viel zu teuren Riester-Rente ist berechtigt.

Die staatliche Förderung wird durch
höhere Kosten fast komplett aufgezehrt.
So sind die Verwaltungskosten höher,
bisweilen auch die Provisionen

Dass die Riester-Rente teurer ist als eine ungeförderte Privat Rente bestätigt auch ein Blick auf die bei den Anbietern abgefragten Vertragskosten. Während die Verwaltungskosten in der Ansparphase bei der ungeförderten Police von R+V nach eigenen Angaben im Musterfall des 45-jährigen Sparers lediglich 144,16 Euro im Jahr betragen, verlangt die R+V für die Verwaltung des Riester-Vertrags mit 175,75 Euro glatt 32 Euro mehr pro Jahr. Allein dieser Posten führt in 20 Jahren Ansparphase zu einer Mehrbelastung des Riester-Vertrags von umgerechnet 960 Euro.

Nun mag die Verwaltung eines Riester-Police infolge der Zulagen in der Ansparphase womöglich tatsächlich aufwendiger sein als die Verwaltung einer ungeförderten Police – und ggf. sogar etwas höhere Kosten rechtfertigen. Warum jedoch auch die spätere Auszahlung der Monatsrenten teurer kommt, bleibt das Rätsel der Anbieter. Doch Fakt ist: In vielen Fällen knöpfen die Versicherer dem Riester-Rentner in der Rentenphase höhere Kosten ab als dem Kunden einer ungeförderten Privat-Rente. Die R+V verlangt bei Riester-Verträgen im Rentenalter zum Beispiel 1,5 Prozent der Jahresrente. Das sind rund 0,4 Prozentpunkte mehr als beim ungeförderten Vertrag. Bei der Alten Leipziger kommt die Verwaltung der Riester-Renten im Alter mit 2,5 Prozent sogar ein Prozent teurer. Denn bei der PrivatRente Tarif L erden nur 1,5 Prozent fällig. Die Asstel knöpft Riester-Kunden 0,9 Prozent mehr Kosten für die Auszahlung der Riester-Rente ab als für die Rentenverwaltung bei einer ungeförderten Police. Bei der Debeka sind es umgerechnet 0,83 Prozentpunkte mehr.

Gravierendes Problem: Weil die
Kostenangaben oft intransparent sind,
können Verbrauch nicht erkennen, ob die
Mitnahme der Förderung lohnt.

Auch bei den Abschlusskosten langen einige Versicherer ihren Riester-Kunden tiefer in die Taschen als Sparern, die eine ungeförderte Privat-Rente abschließen. So muss der 45-jährige Riester-Sparer bei der Asstel für seinen Riester-Vertrag über die gesamte Laufzeit hinweg stolze 552 Euro an Abschlusskosten bezahlen, während er die ungeförderte Police für weniger als ein Fünfte der Summe, nämlich für rund 100 Euro, erhält. Bei der HUK kostet die Riester-Police rund 1038 Euro Provision, während bei Abschluss einer ungeförderten Police nur rund 954 Euro fällig werden. Bei der R+ V ist der Abschluss der Riester-Rente sogar mehr als doppelt so teuer wie der ungeförderte Standardtarif. Besonders ärgerlich: Längst nicht in allen Fällen legen die Versicherer die Kostenangaben in vergleichbarer Form offen auf den Tisch. Zwar sind sie seit anderthalb Jahren verpflichtet, die Abschluss-, Verwaltungs- und sonstigen Kosten bei Vertragsabschluss in Euro und Cent auszuweisen. Doch weil im Gesetzestext nur von den Kosten auf den Eigenbeitrag die Rede ist, fallen die Kosten, die von den Zulagen abgezogen werden, oft unter den Tisch. So weist die Gothaer im Musterfall des 45-jährigen Sparers nur rund 1550 Euro an Abschlusskosten aus. Dass von den insgesamt 3.080 Euro Zulagen auch noch vier Prozent oder umgerechnet 123,20 Euro an Provision abgehen, verschweigt sie ebenso wie viele andere Anbieter.

Für Verbraucher das wohl gravierendste Problem: Weil sich ohne präzise Kostenangaben die Tarife kaum vergleichen lassen, können sie nicht erkennen, ob sich die Mitnahme der Förderung lohnt oder ob nicht ein ungeförderter Vertrag vielleicht sogar die bessere Wahl zu Schließung der Rentenlücke ist. Die von ÖKO-TEST erhobenen Vergleichszahlen lassen jedoch nur einen Schluss zu: Für die Versicherungsbranche ist die Riester-Rente die perfekte Altersvorsorge, für Vorsorgesparer bei solchen Konditionen jedoch nicht. ÖKO-TEST hat bei seinem Stichproben-Vergleich jedenfalls nur wenige Ausnahmen gefunden, bei denen die Riester-Rente wenigstens eine gleich gute oder bessere Leistung als ein ungeförderter Tarif bietet. Eine rühmliche Ausnahme bildet zum Beispiel die Hanse Merkur, die schon ihre Standard-Riester-Rente kostengünstiger kalkuliert als ungeförderte Verträge. Über ihre Online-Tochter Hanse Merkur 24 bietet sie sogar einen noch kostengünstigeren Riester-Tarif an. Weil dieser Tarif nur via Buchung im Internet erhältlich ist, haben wir ihn im Vergleich nicht berücksichtigt.

Für die Versicherer ist die Riester-
Rente die perfekte Altersvorsorge.
Für die Versicherten bis auf wenige
Ausnahmen leider nicht.

Auch die Hamburg-Mannheimer kalkuliert ihre Riester-Verträge zumindest in einigen Musterfällen kostengünstiger als eine ungeförderte Police. Dabei hat sie aber offenbar besserverdienende Singles im Visier. Bei Familien mit Kindern wäre es dagegen genau umgekehrt. Denn die Hamburg- Mannheimer, die ab Sommer 2010 als ERGO Lebensversicherung firmiert, zwackt zwar vergleichsweise moderate Verwaltungskosten von den Eigenbeiträgen der Riester-Sparer ab. Dafür langt sie bei der staatlichen Förderung zu umso stärker zu: Von jeder gutgeschriebenen Zulage gehen vier Prozent Abschluss- und 12,5 Prozent Verwaltungskosten ab.
Das bedeutet: Von 154 Euro Grundzulagen kommen von vorn herein nur 128,59 Euro beim Sparer an. Hat der Sparer Anspruch auf zwei Kinderzulagen von 185 Euro, zwackt der Versicherer von den 370 Euro weitere 61,05 Euro an Kosten ab. Unterm Strich landen von 524 Euro Förderung also Jahr für Jahr nur 437,54 Euro auf dem Vertrag. Solche Angaben sind aber selten in verständlicher Form aus den Unterlagen bei Vertragsabschluss ersichtlich. Meist verrät erst der Kontoauszug, wie und wo wirklich abkassiert wird. Statt verärgert zu kündigen – und dabei weitere Kosten zu produzieren, sollten betroffene Riester-Sparer den Vertrag aber besser beitragsfrei stellen – so wie Maren Meier. Eine andere Alternative kann ein Vertragswechsel sein – sofern der neue Vertragspartner nicht auch gleich wieder die Hand aufhält und Abschlussgebühren verlangt. Doch auch dafür gibt es einen Trick: Wer das Geld in einen Riester-Banksparplan umschichtet, sorgt nicht nur dafür, dass sein Vertrag künftig nur mit minimalen Kosten belastet wird. Bei den Top-Anbietern unter den Riester-Sparplänen winken auch bis zu 4 Prozent Rendite und mehr.
Barbara Sternberger-Frey

Konsument checkt Lebensversicherungen

Lebensversicherungen:

Viel versprochen – wenig gehalten

Angesichts der Finanzkrise sind Lebensversicherungen als vermeintlich sichere
Anlageform wieder gefragt. Derzeit wird mit Zinsen von vier bis 4,5 Prozent geworben,
in den Achtziger- und Neunzigerjahren gar mit sechs bis sieben Prozent. Doch wie viel
erhalten Konsumenten letztlich unterm Strich wirklich?
„Konsument“ hat 18 Verträge, darunter Er- und Ablebensversicherungen sowie reine
Erlebensversicherungen, der unterschiedlichsten Versicherer gesichtet. „Die Analyse
zeigt, dass Erwartung und Realität weit auseinander liegen. Die Versicherten erhielten
teils bedeutend weniger Geld als seinerzeit versprochen – zum Beispiel 19.600 statt
22.100 Euro nach zehn Jahren“, fasst „Konsument“-Versicherungsexpertin Gabi
Kreindl das Ergebnis zusammen.

Der Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation, Franz Floss, ortet als
grundlegendes Problem die mangelnde Transparenz von Lebensversicherungs-
Produkten: „Man kauft die Katze im Sack. Denn für die Konsumenten ist oft nicht klar
ersichtlich, welche Kosten damit verbunden sind und wie sich diese zusammensetzen
– und dann ist die Enttäuschung groß. Hier gibt es eindeutig Verbesserungsbedarf.“

Erwartungen stark unterlaufen
„Konsument“ hat sich 18 Verträge aus der Beratungspraxis genauer angesehen, wobei die
Auswahl der Versicherer dadurch zufällig erfolgte. Dabei wurde deutlich, dass die
Versicherten erheblich weniger Geld bekamen, als ursprünglich prognostiziert. Lediglich in
zwei Fällen lag die Differenz um nur ein Prozent (s-Versicherung) bzw. vier Prozent (Zürich)
unter der Prognose. Bei allen anderen Verträgen wurden zumindest acht Prozent weniger
ausbezahlt als bei Vertragsabschluss prognostiziert, z.B. rund 20.300 statt 22.100 Euro. Im
Schnitt waren es sogar 13 Prozent weniger.

Geschönte Prognosen
Rechtsmittel sind bei einem Auszahlungsbetrag, der unter der Prognose liegt, im Grunde
nicht möglich – denn rechtlich bindend zugesagt ist immer nur die garantierte Verzinsung –
und zwar nur auf den Sparanteil! Geworben wird mit einer Gesamtverzinsung von 4 bis 4,5
Prozent. „Die in den Angeboten beworbene Gesamtverzinsung ist aber nicht gleichzusetzen
mit der Rendite“, weiß „Konsument“-Versicherungsexpertin Gabi Kreindl. Die
Gesamtverzinsung bezieht sich nicht auf das gesamte eingezahlte Kapital, sondern nur auf
den Sparanteil, der im Bereich von 75 bis 85 Prozent der einbezahlten Prämien liegt.
Tatsächlich garantiert sind derzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil. Da bleibt nur eine
Rendite von ca. 0,3 Prozent übrig. Damit ist nicht einmal eine bescheidene
Inflationsabgeltung möglich.

Beträge nur zum Teil veranlagt
Viele Lebensversicherungen sind Er- und Ablebensversicherungen. Der Anteil für die
Ablebensversicherung wird aber nicht verzinst, das einbezahlte Geld also nur zum Teil
veranlagt. Doch auch bei reinen Erlebensversicherungen werden von 100 einbezahlten Euro
nur zirka 85 tatsächlich veranlagt – der Rest entfällt auf Kosten und Versicherungssteuer.
Das Problem: Die „Gesamtverzinsung“ sagt nichts über den „Gesamtertrag“ aus. Es
bedeutet nur, dass die veranlagten Beträge mit mindestens diesem Zinssatz verzinst werden
– doch nicht das gesamte einbezahlte Geld wird wie gesagt auch verzinst.
Eine aktuelle Erhebung bei mehreren Versicherern zeigt etwa, dass sich die versprochenen
Gesamtzinssätze für einen Mann – geboren 1970, monatliche Zahlung 100 Euro, Laufzeit 20
Jahre – derzeit zwischen vier bis 4,5 Prozent bewegen. Mit dem Garantiezins auf das
gesamte einbezahlte Kapital gerechnet würden am Ende der Laufzeit 30.000 Euro
herauskommen. Bei monatlicher Einzahlung wird der Unterjährigkeitszuschlag fällig, die
Versicherungssteuer miteingerechnet müssten etwa 27.000 Euro übrigbleiben. Die von den
Versicherern genannte garantierte Auszahlungssumme liegt dagegen bei rund 25.000 Euro,
was nur durch die hohen internen Kosten erklärbar ist.

Kosten verschwiegen
Die Kosten aber sind ein gut gehütetes Geheimnis und setzen sich aus mehreren Faktoren
zusammen. So wurde bei der Erhebung zum Beispiel in den meisten Fällen nicht darauf
hingewiesen, dass aufgrund des Unterjährigkeitszuschlags die jährliche Einzahlung mehr
bringt. „Zahlt man statt 100 Euro monatlich 1.200 Euro jährlich ein, dann ergibt sich bei einer
Laufzeit von 20 Jahren eine Ersparnis von 2.425 Euro“, rechnet Kreindl vor. Diese Rechnung
basiert auf sechs Prozent Unterjährigkeitszuschlag, vier Prozent Abschlusskosten und drei
Prozent Verzinsung.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Provision für den Vertragsabschluss – diese zahlt der
Versicherte, und zwar zu Beginn der Laufzeit. Grund dafür ist das seit über hundert Jahren
übliche Zillmerungs-Verfahren. Durch diese Vorab-Vergütung der Provision ist der Anreiz für
Vermittler groß, sich auf Neuabschlüsse zu konzentrieren, hohe Erstprämien und lange
Laufzeiten anzubieten, anstatt auf die langfristige Betreuung des Kunden zu achten. Kreindl:
„Dieses Verfahren erscheint uns als nicht mehr zeitgemäß. Eine größere Flexibilität bei
Prämie und Laufzeit kann es nur über eine ungezillmerte Vergütung geben.“

Mehr Transparenz gefordert
Bei der „Konsument“-Erhebung fehlten Erklärungen über Spar-, Risiko- und Kostenanteil
nahezu immer. „Problematisch ist, dass Kunden mit der Lebensversicherung ihr Geld über
einen langen Zeitraum veranlagen und darüber im Unklaren gelassen werden, mit welchem
Ertrag sie rechnen können“, kritisiert Floss. „Zu größerer Transparenz würden etwa
Kennzahlen für Kosten – ähnlich der TER (Total Expense Ratio) bei Investmentfonds -,
Rendite und Risiko beitragen.“ Von realistischen Renditeangeben und korrekten
Kosteninformationen würden aber nicht zuletzt auch die Versicherer und Berater profitieren:
Denn in Österreich wird jede zweite Lebensversicherung vorzeitig gekündigt.
„In dieser intransparenten Form sind leider Lebensversicherungen nicht empfehlenswert –
weder zur Veranlagung, noch zur Altersvorsorge“, so Floss abschließend.

„Konsument“-Tipps
Hinterfragen: Sich nicht von Versprechen blenden lassen. Klären, welcher Prämienanteil
tatsächlich veranlagt wird und eine realistische Renditeberechnung fordern.

Zweck klären: Er- und Ablebensversicherungen sind besonders undurchsichtig. Wer
Angehörige für den Todesfall absichern will, greift besser zur reinen Ablebensversicherung.

Prüfen: Wer monatlich ansparen möchte, für den wäre ein Fondsparplan womöglich die
bessere Wahl.

Optimieren: Bei bestehenden Verträgen von monatlicher auf jährliche Zahlungsweise
umsteigen (Unterjährigkeitszuschlag). Unnötige Zusätze wie z.B. Invalidität streichen.

SERVICE: „Konsument“ sammelt die Erfahrungen von Konsumenten zu
Lebensversicherungen und bittet Interessierte um Angabe von Versicherer und
Produktname, Laufzeit, getätigte Einzahlungen, Prognose und tatsächlichen
Auszahlungsbetrag unter leserbriefe@konsument.at . Mehr dazu auf www.konsument.at .

Grillsaison – 7 Tipps für Ihre Sicherheit

Grillsaison – 7 Tipps für Ihre Sicherheit – Institut für Schadenverhütung mahnt zur Vorsicht

Millionen schöne Stunden im Jahr – aber auch Tausende Unfälle mit Verletzten

Die Deutschen lieben das Grillen. Mindestens 70 Millionen Mal wird Jahr für Jahr zwischen April und Oktober die Kohle aus dem Keller geholt. Mit dem Sommeranfang startet die Grillsaison so richtig durch. Doch so beliebt das gemütliche Grillen mit Freunden und Familie bei den Deutschen ist, so leichtfertig gehen nach wie vor viele Menschen mit den Gefahren um.

Seit vielen Jahren sind die Anzahl der Unfallopfer stabil hoch und Unfallberichte von Feuerwehren und Krankenhäusern konstant unerfreulich. Rund 4.000 Menschen verletzten sich Jahr für Jahr, statt ihr Bratwürstchen zu essen. 500 davon werden mit schwersten Verbrennungen vom Notarzt abgeholt – und ihr Leben lang daran denken. Dabei sind die vielen kleineren Unfälle ungezählt, die nicht gemeldet werden.

Mit der Grillsaison kommen die ersten Verletzten

4.000 bekannte Grillunfälle jährlich – das ist eine alarmierende Bilanz. Auch in diesem Jahr haben die ersten Schreckensnachrichten nicht lange auf sich warten lassen. Ende Mai verbrannten 45 Prozent der Hautfläche eines Mannes aus Michelstadt, nachdem er mit Benzin den Grill starten wollte. In Landshut war es kürzlich ein 14-jähriger Jugendlicher, der bei einer Grillparty mit einer Flasche Spiritus versuchte, das Feuer schneller in Gang zu bringen. Wie die Polizei berichtete, ließ er vor Schreck die Spiritusflasche fallen, als sich der Alkohol sofort entzündete. Die brennende Flüssigkeit lief über die Beine des Jungen und fügte ihm Verbrennungen zweiten Grades zu.

IFS: Gefahren werden unterschätzt

Spiritus, Benzin oder andere hochgefährliche Brennstoffe sind beim Entzünden der Kohle besonders gefährlich und gehören zu den Hauptauslösern von Grillunfällen, weiß Dr. Rolf Voigtländer, Leiter des Kieler Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) der öffentlichen Versicherer und ergänzt: „Niemals sollte Brennspiritus auf das glühende Holzkohlebett nachgegossen werden. Es besteht Lebensgefahr.“ Aber auch um den Grill herum wird es bei unsachgemäßer Anwendung und Einsatz der falschen Brennstoffe gefährlich. Spiritusdampf ist beispielsweise deutlich schwerer als Luft. Deshalb kann er sich mit einem Durchmesser von bis zu drei Metern glockenförmig um den Grill sammeln. Voigtländer: „Wenn es dadurch zu einer Verpuffung mit einer Stichflamme kommt, kann das bei den Umstehenden zu schweren Brandverletzungen führen.“ Nicht selten wird durch den Flammenrückschlag auch noch die gesamte brennende Flüssigkeit aus dem Behälter geschleudert.
Aber auch wacklige Grills, die mit bis zu 800 Grad heißer Kohle umfallen, Haut verbrennen, Kleidung oder Sitzpolster in Brand setzen, können das nette Grillerlebnis jäh beenden. Besonders Kinder sind fasziniert von der Glut und dem Feuer und leider oft auch Unfallopfer.

Mit den schönen Tagen und dem Sommer holen immer mehr Familien den Grill raus. Wer sich nicht der Brand- und Explosionsgefahr aussetzen will, setzt harmlose Zündhilfen wie Pasten und Zündwürfel ein. Gut geeignet sind auch so genannte „Grillstarter“. Das ist im Grunde nur ein Stück Rohr aus Stahl mit Griff und einer gelochten Platte im unteren Teil. Darin wird die Kohle mit Papier entzündet. Durch den „Kamineffekt“ glüht diese schnell durch und kann dann auf den Grill geschüttet werden.

Wer die Gefahren kennt und vermeidet, sein Wissen auch an die Kleinsten weitergibt, umsichtig und geduldig ist, der wird auch das Gegrillte genießen können.

7 wichtige Tipps zum sicheren Umgang mit dem Grill:

Die Fachleute des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer empfehlen:

1. Kinder über Gefahren aufklären und nie unbeaufsichtigt lassen!

2. Niemals Brennspiritus oder Benzin auf bereits brennende oder glimmende Kohle gießen. LEBENSGEFAHR!

3. Feuerfesten Untergrund im Freien als Standort wählen und ein standsicheres Gerät verwenden. Kohle nur mit geeigneten Zündhilfen (Anzündern, Trockenspiritus, Pasten, Grillstarter) anzünden.

4. Ausreichend Sicherheitsabstand von Feld, Wald und Flur sowie von brennbaren Stoffen einhalten.

5. Glutreste sorgfältig ablöschen und erst nach vollständiger Abkühlung entsorgen.

6. Beim Einkauf auf sichere und geprüfte Qualität achten, die in der Regel durch DIN- oder GS-Zeichen dokumentiert wird.

7. Selbst bei schlechtem Wetter gehört ein Grill nicht unter den Son-nenschirm, schon gar nicht in einen geschlossenen Raum. Rauch ist giftig und ebenfalls lebensgefährlich.