Ganze Tiere verwerten – Eine Frage des Respekts

Schweinefüße schmecken auch – „nose to tail „Fleischerei

Artgerechte Haltung, stressfreie Schlachtung, Biofutter vom
Hof – darauf legen mehr und mehr Verbraucher Wert. Da ist es nur
konsequent, sich an der Fleischtheke nicht nur die Edelteile
herauszupicken, sondern möglichst alles zu verspeisen, was das
Schwein oder das Rind uns bietet. Auch auf Seiten des
Fleischereihandwerkes ist ein Umdenken erforderlich. Was die Landwirte
mit viel Sorgfalt erzeugt haben, sollte mit ebenso viel Sorgfalt
verarbeitet werden. Das gebietet allein der Respekt vor dem Tier.

Obwohl Ganztierverwertung ihren Ursprung in der traditionellen
Hausschlachtung hat, ist sie nicht nur für Hofmetzgereien
interessant. Auch für Fleischereien ohne Eigenschlachtung, die ihr
Schweinefleisch in Hälften oder ihr Rindfleisch in Vierteln kaufen,
ist nach Einschätzung von Hermann Jakob, Leiter der Meisterschule
für Fleischer in Kulmbach und gelernter Metzgermeister, die
Ganztierverwertung sinnvoll. „Letztendlich kann sich so das ganze
Tier in der Theke wiederfinden“, so Jakob während eines
Praxisseminars für das Fleischerhandwerk im Rahmen des Bundesprogramm
Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft
(BÖLN).

Generell gilt: Mit veredelten Fleischteilen und schmackhaften
Wurstspezialitäten lässt sich der Mehrwert für die Kunden deutlich
verbessern. Das gilt umso mehr für Teilstücke, die kaum oder gar
nicht gefragt sind: Innereien, Flomen, Blut und Fleischteile mit hohem
Bindegewebsanteil wie Kopf, Eisbein oder Füße. Ansprechend gewürzt
können die daraus hergestellten Produkte auch jene Kunden
überzeugen, die eigentlich für Sülze, Blutwurst, Griebenschmalz
oder Leberpresssack wenig übrig haben.

Zwar ist das Verarbeiten von Teilstücken mit hohem Knorpel- und
Schwartenanteil relativ aufwändig. Beim Auslösen und Zerkleinern von
Eisbein, Schweinefüßen oder Schwänzen ist viel Handarbeit gefragt.
Einige Mühe bereitet es etwa auch, die Füße sorgfältig von Borsten
zu befreien. Dafür gleichen die extrem niedrigen Rohstoffkosten den
Mehraufwand aus. Orientieren können sich Metzger an traditionellen
Verarbeitungsverfahren und Produkten. Gefragt sind zudem, so Jakob,
Experimentierlust und handwerkliches Können. Nina Weiler, www.aid.de/

Seminare:
https://www.oekolandbau.de/verarbeiter/herstellungspraxis/weiterbildung/seminare-fleischerhandwerk/

Linsen: Warenkunde

Die kleinste aller Hülsenfrüchte ist so etwas wie das
Aschenputtel unter ihren Verwandten, den Bohnen, Erbsen und Lupinen
dieser Welt. Sie kommt meist in einem unauffälligen Braun daher,
gedeiht am besten auf kargen, trockenen Böden und wächst trotz ihrer
bescheidenen Größe von maximal 50 Zentimetern selten wirklich
aufrecht. Bei Regen und Wind geht sie schnell zu Boden. Deshalb gönnt
man ihr beim Anbau auch meist eine stützende Kultur wie Hafer oder
Gerste, an der sich die Linsenpflanze mit den Ranken am Ende ihrer
feingegliederten Fiederblättchen festhalten kann.

Leider setzt sich die Bescheidenheit der Linse auch bei den Erträgen
fort. Mit mehr als 200 bis 1.000 Kilogramm pro Hektar kann man beim
Anbau nicht rechnen, wohl aber mit sehr großen jährlichen
Ertragsschwankungen. Deshalb sieht man die zarten Linsenpflanzen auf
deutschen Äckern auch nur höchst selten.

Doch wie im Märchen ist die bescheiden auftretende Linse eigentlich
ein echter Star unter den Leguminosen. Denn ihren wahren Wert hat der
Mensch schon vor über 9.000 Jahren erkannt. Im heutigen Griechenland
wurde sie zu dieser Zeit bereits gezielt angebaut, was sie zu einer
der ältesten Kulturpflanzen überhaupt macht. Und von wegen
unauffälliges Braun, die Linse kann auch ganz anders. Es gibt sie in
strahlendem rot, gelb oder grün, die schwarze Belugalinse sieht sogar
edelstem Kaviar zum Verwechseln ähnlich. Allein in Indien, wo die
Linse bereits seit Jahrtausenden hoch im Kurs steht, kann man aus
über 50 verschiedenen Sorten auswählen.

Auch die inneren Werte des vermeintlichen Aschenputtels überzeugen.
Mit einem Eiweißgehalt von bis zu 30 Prozent ist sie nach der
Sojabohne der beste Proteinlieferant unter den Hülsenfrüchten. Zudem
ist sie nahezu fettfrei und enthält stattdessen viele Ballaststoffe,
die in Verbindung mit den ebenfalls reichlich enthaltenen
Kohlenhydraten für eine angenehme, langanhaltende Sättigung sorgen.
Glaubt man kanadischen Studien, ist eine Linsenmahlzeit deshalb vor
sportlichen Wettkämpfen sogar besser für die Ausdauerleistung als
die üblicherweise empfohlenen Nudeln oder Kartoffeln.

Bleibt die Frage, ob man die Linse besser geschält oder ungeschält
genießt. Denn wie so oft stecken in der Schale die meisten
Nährstoffe und vor allem der Geschmack, weshalb die kleineren Sorten
mit hohem Schalenanteil oft aromatischer schmecken. Auf der anderen
Seite sind geschälte Linsen leichter verdaulich. Das macht sie für
Menschen mit empfindlicher Verdauung attraktiv.

Noch schwerer zu beantworten ist aber die Frage, wie man die Linse
genießen möchte: auf schwäbische Art mit Spätzle, scharf als
indisches Dal oder türkisch pikant als Linsensuppe. Märchenhafte
Geschmackserlebnisse sind auf jeden Fall nicht ausgeschlossen.
Jürgen Beckhoff, www.aid.de/

CHRISTIAN SCHARRER

Soeben hat Küchenmeister und Sternekoch CHRISTIAN SCHARRER das Zepter als Kulinarischer Direktor im WEISSENHAUS GRAND VILLAGE RESORT AM MEER übernommen und ist bereits mit grossen Erwartungen empfangen worden. Wir möchten ihn gerne selbst zu Wort kommen lassen und haben ihm in einem kleinen Interview drei Fragen gestellt:

3 FRAGEN AN CHRISTIAN SCHARRER:
1. Frage: Herr Scharrer, Sie kommen aus der großen Cuisine, ausgezeichnet mit 2 Sternen und 18 Punkten. Wir erinnern uns gern an Ihre Zeit im deutschen Norden und bis vor kurzem in der Schweizer Top-Gastronomie mit italienischem Einschlag. Was hat Sie dazu veranlasst, wieder nach Nord Deutschland zurückzukehren und welche Strategie verfolgen Sie auf Weissenhaus?
Antwort: Zum einen, die lange Freundschaft zu meinem Weggefährten Frank Nagel, mit dem mich gemeinsame Werte und Ziele verbinden. Denn es geht in der Arbeit miteinander immer um Persönlichkeit und Vertrauen. Und zum anderen, dass er mir mit Weissenhaus natürlich auch eine einzigartige Bühne zur Verfügung stellen kann, auf der große kulinarische Opern inszeniert werden können und zwar zeitgemäß und leichtfüßig. Ganz klar ist die Intention für uns beide, dass Weissenhaus auch aus kulinarischer Gastgebersicht den nächsten großen Schub machen möchte um an den bisherigen Erfolgen anzuknüpfen. Das ist doch das spannende, die große Herausforderung und das große Ziel muss über uns als Team schweben. Nur dann kann man Höchstleistungen bringen.

2. Frage: Die Gourmetküche wird aktuell vielerorts als altbacken und überholt beschrieben, Herr Scharrer, wie muss Ihrer Meinung nach ein modernes Restaurant à la Maison ausgerichtet sein?
Antwort: Das Gourmetküche spießig sein soll, ist mittlerweile ein verbrauchtes Vorurteil. Heutzutage wird moderne Genusskultur unprätentiös, unangestrengt und mit großem Selbstverständnis dargeboten. Beste Qualität und Perfektion im Handwerk kommt aus meiner Sicht übrigens niemals aus der Mode, egal in welchem Genre. Denn diese besonderen Abende markieren für viele Gäste auch besondere, unvergessliche Anlässe im Leben. Am Ende des Tages ist doch für alle Gäste wichtig: wie herzlich und gekonnt bin ich bedient worden, mit wieviel Liebe wurde ich bekocht, wie stimmungsvoll war der Abend an sich. Das ist seit jeher so. Wenn das spießig ist, bin ich gerne spießig.

3. Frage: Wie wollen Sie die zeitgemäße moderne Form des Fine Dinings auf Weissenhaus umsetzen?
Wir möchten das Thema Genusskultur wirklich anfassbar und persönlich erlebbar machen. Schließlich ist Weissenhaus ein Ferienresort, in dem die Gäste nicht mit Anzug und Krawatte Urlaub machen.
Glücklicherweise macht uns allen der Gastkontakt wirklich Freude. Es ist schön zu sehen, wenn wir auch mit den Gästen im Restaurant Kochschule im Gewölbekeller live kochen und so im intensiven Kontakt sind. Es wird gelacht, der eine oder andere macht sich mal eine Notiz auf der Serviette und überrascht dann zu Hause mit neuen Tricks am Herd. Mein Team ist nicht nur fachlich, sondern auch persönlich so ausgewählt, das wir nicht nur stumm am Herd stehen, sondern unsere Gäste mit einbeziehen. Aktionen, wie süße Workshops mit unserem Patissier von Heston Blumenthal, sind für Gäste eine willkommene Abwechslung. Auch der
Chefs table direkt am Herd ist immer wieder ein Highlight. Entspannte Urlaubsatmosphäre sollte vor Gourmet Cuisine nicht Halt machen.

www.weissenhaus.de

HUG-Wettbewerb für Köche und Pâtissiers

Mehr Kreativität und Vielfalt

Der 15. HUG Wettbewerb steht wie jedes Jahr ganz im Zeichen von vielfältiger Kreativität.. Er bietet den Bewerbern die Möglichkeit, sich für DIE Kategorie zu entscheiden, in der sie ihre persönliche Stärke sehen.
Im Rahmen der Ausschreibung haben sie also viele kulinarische Entfaltungsmöglichkeiten für die Inszenierung ihrer Kreationen.

Lohn für Kreativität
Auch in 2016 gibt es wieder attraktive Preise, die pro Kategorie separat vergeben werden.
Der erste Preis ist jeweils eine 5-tägige Gastronomie-Studienreise nach Dubai mit Besichtigung der RAK Porcelain Produktion.
Der 2. Preis ist jeweils ein Wochenendpraktikum bei einem Sternekoch und der 3. Preis ist jeweils ein 3-Tages Fortbildungskurs bei Süssdeko bzw. dem VKD. Jeder Teilnehmer erhält eine hochwertige AMT-Pfanne sowie das von RAK Porcelain gratis zur Verfügung gestellte Porzellan, auf dem im Finale die Kreationen präsentiert werden.

Pro Kategorie werden aus den eingegangenen Bewerbungen 3 Finalisten von einer unabhängigen Fachjury ausgewählt, die beim praktischen Finale ihr Können unter Beweis stellen dürfen. Für die Platzierungen wird jede Kategorie separat bewertet.

Aufgabenstellung
Beim Snack-Wettbewerb sind ein warmes Zwischengericht und 3 verschiedene kalte und/oder warme Rezepturen für Fingerfood zuzubereiten, im Dessert-Bereich ein Tellerdessert und 3 verschiedene kalte und/oder warme Variationen für süsses Fingerfood.
Selbstverständlich sind die Wettbewerbsbedingungen für beide Kategorien gleich.

Der Einsendeschluss für die Rezeptvorschläge ist der 19.09.2016, das Finale findet am 16.11.2016 statt.

René Keller, Exportleiter Foodservice der HUG AG, zu den Hintergründen des Wettbewerbs.
Frage: Herr Keller, was ist die Grundidee des „doppelten Wettbewerbs“ ?
RK: HUG-Tartelettes leben von kulinarischen Füllungen und phantasievollen Dekorationen engagierter ausgebildeter KöchInnen, Patissiers/ Patissières und KonditorInnen. Und jeder von ihnen hat unterschiedliche Stärken – dem möchten wir mit dem Angebot eines Snack – und eines separaten Dessert-Wettbwerbs gerecht werden. Für noch mehr Kreativität und Vielfalt. Ganz im Sinne unseres Slogans „We love your creativity“.
Mit dem Berufswettbewerb „Tartelette Phantasia“ schafft HUG eine Plattform für besonders kreative Köche und Pâtissiers, die ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen möchten.
Frage: Gibt es Kooperationspartner aus der Branche?
 RK: Ja, Förderer sind der VKD, die Meistervereinigung Gastronom Baden- Württemberg e.V., AMT Gastroguss, RAK Porcelain, SüssDeko/ Fellbach, Bos-Food.

Ausschreibungsunterlagen gibt es ab sofort bei Daniela Bautz, M&V Die Marketing & Vertriebs GmbH, Am Ortsring 8, 35315 Homberg (Ohm), Tel. 06633/5700, Fax 06633/91 96 73, E-Mail: network@bautz-wendel.de

Würchwitzer Milbenkäse

Ökologen der TU Darmstadt entlocken Milbenkäse das Aroma-Geheimnis

Der „Würchwitzer Milbenkäse“ gehört zu den teuersten deutschen Käsesorten. Woher aber kommt sein Zitrus-Aroma? Dieser bislang ungeklärten Frage gingen Biologen der TU Darmstadt nach. Sie fanden heraus: Milben helfen nicht nur bei der Reifung, sondern prägen mit ihren Abwehrstoffen den Geschmack.

Wenn Milben einen Käse befallen, gilt er normalerweise als verdorben. Nicht so beim „Würchwitzer Milbenkäse“: Dieser wird bei der Herstellung willentlich mit tausenden der Tierchen versetzt – die Milben leben dann mehrere Monate auf dem Käse, unterstützen so dessen Reifung, und machen ihn zu einem der teuersten Käse Deutschlands. Der Würchwitzer Milbenkäse zeichnet sich zum einen durch seinen kümmelartigen Geschmack aus, zum anderen wird er schon seit hunderten von Jahren wegen seines fruchtigen Aromas geschätzt. So schrieb der Arzt und Parasitenforscher Friedrich Küchenmeister schon 1881: „Bekanntlich wird Acarus siro [die Käsemilbe] in manchen Gegenden Deutschlands von Landwirten förmlich (in sogenannten Milbenkisten) gezüchtet, um den Milbenkäse, der wegen seines zitronensäuerlichen Geschmackes von Gourmands geliebt wird, herstellen zu können.“ Mittlerweile haben die Würchwitzer ihren Käsemilben sogar ein Denkmal gesetzt und ein Stückchen des berühmt-berüchtigten Käses zur Internationalen Raumstation ISS entsandt.

Woher aber kommt der fruchtige Geschmack? Das war bis jetzt unbekannt und kann durch die zugesetzten Gewürze nicht wirklich erklärt werden. Der Frage gingen der Milbenkundler Dr. Michael Heethoff und sein Doktorand Adrian Brückner aus der Arbeitsgruppe „Ökologische Netzwerke“ im Fachbereich Biologie der TU Darmstadt nach. Was als Käse-Tasting begann, wurde schnell zur Suche nach den chemischen Ursachen für das Zitrus-Aroma. Zunächst entfernten die Forscher alle Milben und untersuchten das Duft-Bouquet des Käses ohne seine Bewohner. Hier konnten sie jedoch keine zitronenartigen Duftstoffe nachweisen. Käsemilben zeichnen sich, neben ihrer Vorliebe für Käse, dadurch aus, dass sie sich ihre Feinde mit einem abschreckenden Wehrsekret vom Leibe halten. Und in ebendiesem Sekret fanden die Wissenschaftler unter anderem Neral, eine der Hauptkomponenten des Zitronenöls. Der fruchtige Charakter des Käses begründet sich also nicht durch die eigentliche Herstellung, sondern erklärt sich vielmehr durch eine Abwehrreaktion der Milben beim Schneiden und Zerkauen der Delikatesse. Für das volle Aroma des Milbenkäses sind also die Milben unverzichtbar.

Neben dem deutschen Milbenkäse gibt es übrigens auch noch den französischen Mimolette, welcher ebenfalls mithilfe von Käsemilben reift. Auch bei diesem fanden die Forscher Neral und konnten die zitronenartige Geschmacksnote somit den Käsemilben zuschreiben.

Weitere Informationen:

Adrian Brückner, Michael Heethoff (2016) Scent of a mite: origin and chemical characterization of the lemon-like flavor of mite-ripened cheeses. Experimental and Applied Acarology, doi: 10.1007/s10493-016-0040-7.

Daniel Achilles, Berlin

Herkunft, Qualität und Kreativität: Ein Blick hinter die Kulissen des Restaurant reinstoff, Berlin

Mit zwei Michelin Sternen und 18 Punkten im Gault&Millau zählt das von Daniel Achilles und Sabine Demel betriebene Restaurant reinstoff zur Spitze der Berliner Gourmet-Landschaft. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr, denn mit seiner Idee von einer modernen Gourmetküche hat der gebürtige Leipziger Daniel Achilles Kritiker und Feinschmecker aus der ganzen Welt mitten ins Herz getroffen. Achilles ist getrieben von dem unbedingten Willen, seinen Gästen immer wieder etwas Neues zu bieten. Das muss nicht zwangsläufig ein Produkt sein, sondern vielmehr die Art und Weise der Zubereitung oder Präsentation. Da kann es auch schon einmal sein, dass der Spitzenkoch bewusst auf klassisches Geschirr verzichtet und für die Präsentation seines Amuse Bouches lieber einen schön geformten Ast vom Walnussbaum verwendet. Bei seiner Suche nach Veränderung geht Achilles fast fanatisch vor und tüftelt gemeinsam mit seinem jungen Team so lange, bis etwas ganz Persönliches, Eigenes und vor allen Dingen für ihn bisher Unbekanntes entsteht. Dabei verliert er jedoch nie den roten Faden und bleibt seinem Küchenstil immer treu. Ein Gespräch mit dem Spitzenkoch gibt Aufschluss darüber, wie der 39-jährige seine Produkte findet, woher er seine Ideen nimmt und was ihn antreibt:

Frage: Eine Frage, die Ihnen sicherlich immer wieder gestellt wird: Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Daniel Achilles: Das kann ich pauschal gar nicht beantworten, denn es gibt viele Quellen für neue Ideen. Generell ist es aber so, dass ich mich in einer Art dauerhafter Bringschuld befinde. Gäste, die in Berlin essen gehen, haben eine solche Vielfalt an Möglichkeiten. Ich versuche einfach, ihnen etwas anderes, neues zu bieten. Und das gelingt mir in der Regel über das Produkt. Bei uns finden Sie eher selten Hummer, Kaviar, Austern und Stopfleber. Dafür aber Rapsblüten, Ostseeschnäpel oder deutsche Taube.

Frage: Deutsche Taube? Ist es nicht ein fast ungeschriebenes Gesetz, im Gourmet-Bereich mit Geflügel aus Frankreich zu arbeiten?
Daniel Achilles: Das habe ich auch lange gedacht und gelebt. Aber ich liebe die Herausforderung und als sich vor einiger Zeit ein Geflügelbauer in sechster Generation aus der Oberlausitz bei mir vorstellte und mir von seinem Betrieb erzählte, wurde ich neugierig. Ich bekam dann zunächst Gänseschinken, der mich beim ersten Biss überzeugt hat und den ich so nur aus Frankreich kannte. Neben der Qualität und dem rauchigen Geschmack hat mich vor allem die nachhaltige und tiergerechte Haltung der Tiere begeistert: Frank Zelyk, der Bauer, konnte mir genau sagen, wie die Tiere aufwachsen und geschlachtet werden. Mit der Zeit kamen dann Hühner und Enten bei uns dazu – und irgendwann habe ich dann nach Wachteln und Tauben gefragt. Die hatte Herr Zelyk nicht im Programm, aber anscheinend habe ich seinen Ehrgeiz geweckt. Denn ein gutes Jahr später stand er mit einer Taube vor der Tür – aufgezogen bei einem befreundeten Bauern, anschließend aber von ihm selbst geschlachtet und auch bei ihm gereift. Was soll ich sagen? Das Tier hatte eine sehr große Brust und einen ganz wunderbaren Taubengeschmack. Er hat mich also überzeugt und wir hatten inzwischen die Hubbeltaube aus Sachsen auf der Karte. Ich habe bei diesem Gericht versucht, alle Teile der Taube zu verwenden: Aus Keule, Flügeln, Herz und Leber habe ich beispielsweise ein Ragout gemacht, das in einen Akazienblütenfond getaucht und warm auf einem Taubenhaut-Chip serviert wurde. Die Brust habe ich dann für den eigentlichen Hauptgang verwendet: Ich habe sie Sous Vide gegart, kurz auf der Haut gebraten und anschließend noch mit einer Kruste aus Akazienbutter und Bröseln unter den Salamander geschoben. Dazu haben wir hauptsächlich weißes Gemüse, wie ganz junge Schwarz- und Haferwurzeln, Topinambur und jungen Sellerie serviert. Die Beschaffung der Taube hat am Ende des Tages zwar ziemlich lange gedauert, aber als ich dann die Taube probiert habe, blühten gerade die Akazien – und es war völlig klar, dass ich den optimalen Begleiter gefunden habe. Das Gericht war dann ganz schnell entwickelt.

Frage: Fällt es Ihnen immer so leicht, ein Gericht zu entwickeln?
Daniel Achilles: Bedauerlicherweise nicht (lacht). Manchmal hat man einfach Glück, dass die Produkte so gut sind, dass man fast nichts tun muss bzw. darf, um den Geschmack noch zu verbessern. Das ging mir mit unserem Gang „Taschenkrebs und Schweinebauch“ so, den wir im Spätsommer auf der Karte hatten – das lief von Anfang an einfach rund. Andere Gerichte wiederum entwickeln sich auf ganz natürliche Art und Weise weiter, sie bekommen in der täglichen Zubereitung einen neuen Fluss. Vielleicht macht das auch unsere Küche aus, dieses intuitive Arbeiten. Für mich werden Gerichte nicht maßgeblich besser, weil es sie seit zwei Jahren gibt und es so genannte Signature Dishes sind. Gerichte haben meiner Meinung nach einen Zenit, sie sind nur für kurze Zeit perfekt. Wenn dann aber die Saison vorbei ist bzw. sich eine Komponente verändert, dann unterliegen diese Gerichte Schwankungen. Und das ist das, was ich mag: die Auseinandersetzung mit dem Produkt, die Notwendigkeit etwas Neues zu entwickeln.

Frage: Entwickeln Sie alle Gerichte allein, oder entstehen neue Gänge auch im Team?
Daniel Achilles: Einige Gerichte kommen zu 100 Prozent aus meiner Feder, andere wiederum entstehen im Team. Wir sind zu acht in der Küche und wir alle haben Ideen, die wir meist ganz nebenbei besprechen. Das ist toll, denn so entwickeln wir uns stetig weiter, erobern neue Horizonte.

Frage: Sie haben ein Menü mit dem Namen „ganznah“. Verwenden Sie dafür ausschließlich Produkte aus der Region?
Daniel Achilles: Nein, das ist leider nicht möglich. Aber wir arbeiten weitestgehend mit Produzenten aus Deutschland zusammen. Das liegt maßgeblich daran, dass unser Menü „ganznah“ besonders gut angenommen wird und wir uns in den vergangenen Jahren mehr und mehr mit deutschen Produkten auseinander setzen.

Frage: Was ist Ihr Fazit? Gibt es ausreichend gute deutsche Produkte?
Daniel Achilles: Im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien könnte es natürlich immer noch mehr gute Produkte geben. Trotzdem sollten wir die Entwicklung hier in Deutschland anerkennen und dank des gestiegenen Engagements einiger Produzenten können wir sicherlich auch schon zufrieden sein. Die Hubbeltaube ist ein schönes Beispiel, aber auch Lieferanten wie Grete Peschken und Richard`s Wild aus Brandenburg, Riebels feine Fischdelikatessen aus Reichenau und viele mehr.

Frage: Waren Sie schon einmal in der Situation, ein Produkt einfach nicht beziehen zu können?
Daniel Achilles: Das passiert mir eher selten, denn meistens kommen mir Ideen, wenn ich das Produkt schon in der Hand habe. Ich erinnere mich aber daran, dass wir im Frühjahr Döberitzer Wasserbüffel als Tatar auf der Karte hatten – und ich wollte unbedingt Magnolienblüten dafür verwenden. Weil ich die nirgends bekommen konnte und ein Lieferant mir einen Tipp gab, bin ich in dieser Zeit jeden Morgen mit dem Fahrrad zu einem Park in die Nähe von Schloss Bellevue gefahren und habe dort Blüten geschnitten. Die Leute haben wahrscheinlich gedacht, ich sei verrückt…aber für mich war das die beste Lösung. Leider war nach vier Wochen die „Ernte“ vorbei und ich musste eine Alternative suchen…

Frage: Der Michelin schrieb 2014 über das reinstoff, „dass Spitzenküche keine Luxusprodukte braucht“. Der Gault&Millau kürte Sie 2014 zum Koch des Jahres und sprach von „vermeintlich einfachen
Produkten“ aus denen Sie eine „große Küche“ machen. Was reizt Sie so an den besonderen Produkten?
Daniel Achilles: Da ist zum einen der Anspruch, etwas ganz anderes zu machen. Zum anderen muss ich mich als Koch aber auch mit der Verfügbarkeit von Produkten auseinandersetzen – und die ist bei einigen Luxusprodukten sehr wahrscheinlich irgendwann limitiert. Warum sollte ich also darauf warten, bis es soweit ist – anstatt mich schon jetzt damit zu beschäftigen, welche Alternativen es gibt. Fisch ist so ein Thema: Wenn man einen festen und weißfleischigen Fisch sucht, kommt man fast automatisch auf Steinbutt. Ich wollte aber einen geangelten Fisch, der nicht bedroht ist, und kam auf den Flussbarsch. Das Problem ist, dass Sie einen guten Flussbarsch meist ungeschuppt bekommen. Und das tut sich eigentlich kein Gastronom mehr an. Ich habe also so lange gesucht, bis ich einen Lieferanten gefunden habe, der mir den Fisch im Ganzen liefert, ihn aber zuvor schuppt. Wenn ich dann ein Hauptprodukt gefunden habe, suche ich nach den weiteren Komponenten: Beim Fisch war das zunächst junger Raps, den wir aus der Strelitzer Heide von unserem Jäger bekommen. Der blüht zeitgleich mit Waldmeister…einer weiteren Komponente. Am Ende haben wir unseren Flussbarsch vom Bodensee mit einer wunderbar grünen Waldmeisterbutter, Rapsspitzen und -stielen, die ganz wie junger Broccoli schmecken, und einem mit Rapsblüten aromatisierten Salz serviert. Dazu gab es eine Hafercreme mit Topinambur und jeder Menge Hafermilch.

Frage: Ihr Küche ist sehr leicht und aromatisch, da ist die passende Getränke-Begleitung sicherlich nicht immer leicht. Wie wählen Sie die korrespondierenden Weine aus?
Daniel Achilles: Das macht unser Restaurantleiter und Sommelier Pascal Kunert, der nun seit zwei Jahren bei uns ist und meine Küche entsprechend gut kennt. Pascal hat unsere Weinkarte in dieser Zeit stark verändert und sich auch anderen Getränken, wie Spirituosen, Säften und Craft Bieren, mehr geöffnet. Als wir angefangen haben, gab es bei uns ausschließlich spanische und deutsche Weine – inzwischen haben wir auch viele deutsche, österreichische und französische Weine auf der Karte. Außerdem haben wir eine eigene Wasseranlage installiert, die das Wasser nach höchsten Standards aufbereitet und, auf Wunsch, mit Kohlensäure versetzt. Es gibt eine eigene Saft-Begleitung und auch viele andere anti-alkoholische Alternativen, wie Frucht-Seccos und mehr. Es macht viel Freude, mit einem so jungen Sommelier wie Pascal zusammen zu arbeiten, denn er bringt viele neue Ideen mit ein: Bei einem Tomatengang, den wir im Sommer in unserem Menü „weiterdraußen“ präsentiert haben, haben wir beispielsweise ein Craft Bier mit hausgemachtem Tomaten-Sirup dazu serviert. Das hätte es vor ein paar Jahren noch nicht bei uns gegeben.

Das reinstoff befindet sich in der Schlegelstraße 26c in 10115 Berlin und ist dienstags bis samstags ab 19 Uhr geöffnet. Reservierungen nimmt das Restaurant unter der Telefonnummer 030 30881214 oder per Email unter contact@reinstoff.eu entgegen.

www.reinstoff.eu

American Express sucht die Service-Oasen in Deutschland

Welches Restaurant hat den besten Service? Diese Frage können Gäste ab sofort selbst beantworten. Bereits zum sechsten Mal sucht American Express bis Ende des Jahres Deutschlands Service-Oasen. Auf www.service-oase-deutschland.de können die Gäste für ihre Lieblingsrestaurants in Sachen Service abstimmen.

Guter Service ist nicht immer selbstverständlich. Wenn es ihn gibt, sollte er ausgezeichnet werden. Das jedenfalls findet American Express und ruft deshalb alle zwei Jahre zur Wahl der Service-Oasen in Deutschland auf. In diesem Jahr geht American Express auf die Suche nach den Service-Oasen 2016/2017. Alle Restaurantbesucher sind aufgerufen, das Restaurant zu küren, in dem sie sich am wohlsten fühlen. In diesem Wettbewerb geht es nicht um die Bewertung des Essens, sondern um die Qualität des Services. „Bei der Wahl, in welches Restaurant man geht, spielt der Service neben den Speisen eine entscheidende Rolle“, sagt Sonja Scott, Vice President für das Vertragspartnergeschäft bei American Express. „Zuvorkommende Servicemitarbeiter, eine Atmosphäre, in der man sich wohl und willkommen fühlt, gute Empfehlungen – dies sind Kriterien, die bei der Wahl zur Service-Oase wichtig sind.“

So funktioniert die Wahl
Bei der Wahl können die Gäste auf der Website www.service-oase-deutschland.de ihre Stimme bis zum 31. Dezember 2015 abgeben. Wer auf dem Smartphone die App für Quick-Response-Codes (QR-Codes) installiert hat, kann den QR-Code auf den Wahlkärtchen in den Restaurants scannen und wird automatisch auf die Website zur Abstimmung geleitet. Außerdem gibt es etwas zu gewinnen: Unter allen Teilnehmern verlost American Express attraktive Preise wie z. B. Hotel-Arrangements in exklusiven Häusern oder Mietwagengutscheine.
Da man ein Sternerestaurant nicht mit einem rustikalen Gasthaus vergleichen kann, der Service hier wie dort aber auf seine Weise gleichermaßen begeistern kann, gibt es die Service-Oase Gold in drei Preiskategorien. Sie grenzen sich voneinander ab durch unterschiedlich hohe Durchschnittspreise eines Hauptgangs.
In Kategorie eins fallen Restaurants mit Hauptspeisen für bis zu 20 Euro. In Kategorie zwei sind Restaurants zu finden, in denen der Hauptgang bis zu 30 Euro kostet. In der gehobenen Kategorie drei gibt es Restaurants mit Hauptspeisen im Wert von durchschnittlich mehr als 30 Euro. Die Gaststätten mit den meisten Stimmen werden mit dem Titel „Service-Oase Deutschland 2016/2017“ in Gold ausgezeichnet.

Die Gold-Gewinner 2014/2015
Bei der vergangenen Wahl haben diese Restaurants ihre Leidenschaft für guten Service bewiesen:
Kategorie 1: Domherrenhof, Essenheim, www.domherrenhof.eu
Kategorie 2: Wielandstuben, Hamm, www.wielandstuben.de
Kategorie 3: Fischereihafen Restaurant, Hamburg, www.fischereihafenrestaurant.de

Unter www.service-oase-deutschland.de sind die aktuellen Service-Oasen sowie alle Gold-Gewinner der vorherigen Votings zu finden. Alle Service-Oasen 2016/2017 werden in einem Restaurantführer aufgeführt, der als Booklet und Online-Version im Frühjahr 2016 erscheinen wird.

Fliegen macht dick!

Deutsche verzehren zwischen Check-in und Koffer abholen 3107 Kalorien und damit am Zweitmeisten, nur die Briten fressen mehr!

Die Studie einer Flugvergleichswebsite enthüllte, dass der durchschnittliche Deutsche im Urlaub zwischen dem Check-in am Startflughafen und der Landung am Zielflughafen 3.107 Kalorien verzehrt. Laut Umfrage schlagen sich deutsche Reisende auf Flughäfen und während der Flüge eher den Bauch voll, als beispielsweise Urlauber aus Spanien, Italien oder Frankreich; Gründe, die dafür genannt wurden, waren „Urlaubsgefühle“ und „keine Notwendigkeit mehr, vor Urlaubsbeginn eine Diät einhalten zu müssen“. Insgesamt wurden 3.607 Personen aus Großbritannien, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich befragt.

Die Studie der Flugvergleichswebsite www.jetcost.de enthüllte, dass der durchschnittliche Flugreisende zwischen dem Check-in am Startflughafen und der Landung am Zielflughafen 600 bis 1.200 Kalorien mehr verzehren kann, als seinem normalen Tagesbedarf entspricht.

Das Team von Jetcost führte die Untersuchung im Rahmen einer laufenden Studie über Flugerfahrungen durch. Dazu wurden volljährige Passagiere, die alle mindestens einmal innerhalb der letzten 12 Monate geflogen sind, zu ihren Erfahrungen an Bord befragt, mit speziellem Fokus auf ihr Ess- und Trinkverhalten.

Zunächst wurden alle Teilnehmer gefragt, ob sie „sich Lebensmittel für den Flug von zu Hause mitnehmen“. Ein Großteil der Befragten beantwortete diese Frage mit „Ja“. Die meist genannten Lebensmittel dabei waren „Sandwiches“ „Chips“ und „Süßigkeiten/Schokolade“. Für die Frage, warum sie eigene Lebensmittel mitnehmen, standen mehrere Antwortmöglichkeiten zur Verfügung; zu den fünf am häufigsten gewählten Antworten gehörten:

1. Es ist billiger als die am Flughafen/im Flugzeug angebotenen Lebensmittel
2. Man ist lieber vorbereitet
3. Man möchte das Urlaubsgeld nicht angreifen
4. Falls die am Flughafen/im Flugzeug angebotenen Lebensmittel nicht schmecken
5. Spezielle Ernährungsbedürfnisse

Anschließend wurden die Teilnehmer gefragt „Haben Sie während des Fluges Speisen und Getränke von der Crew gekauft?“ Eine Mehrheit der Befragten antwortete auch hier mit „Ja“.

Danach wurden die Umfrageteilnehmer gebeten, zu schätzen, wie viele Kalorien sie mit mitgebrachten und gekauften Lebensmitteln zwischen Check-in und Landung zu sich nehmen. Nach Auswertung aller Antworten zeigten die Resultate, dass der durchschnittliche deutsche Fluggast noch vor Urlaubsstart zwischen Check-in am Startflughafen und Landung am Zielflughafen etwa 3.107 Kalorien verzehrt. Alle Teilnehmer wurden gefragt, ob sie das Gefühl hätten, es mit dem Essen auf dem Flughafen bzw. während des Fluges zu übertreiben, worauf ein Großteil mit „Ja“ antwortete. Die häufigsten Antworten auf die Frage nach dem Grund dafür waren „Urlaubsgefühle“ (und „keine Notwenigkeit mehr vor Urlaubsbeginn eine Diät einhalten zu müssen“).

Um zu ermitteln, ob diese Völlerei ein allgemeiner Trend in Europa ist, wurden auch Passagiere aus Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien gebeten, ihren Kalorienverbrauch in der Zeit zwischen Check-in und Landung zu schätzen. Die Ergebnisse zeigten, dass Briten in dieser Hinsicht mit 3.402 Kalorien die Zügellosesten sind, die Spanier liegen hinter Deutschland auf Platz 3 mit 2.350 Kalorien. Die Italiener gaben zu, rund 2.311 Kalorien zu verzehren und die Franzosen begnügten sich mit 1.269 Kalorien.

Antoine Michelat, Mitbegründer von Jetcost.de, kommentierte:
„Diese Zahlen sind wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher Mann nur rund 2.500 und eine durchschnittliche Frau nur 2.000 Kalorien pro Tag verzehren sollte. Innerhalb von wenigen Stunden verdoppeln Frauen ihre Kalorienaufnahme. Wir würden keinem empfehlen, so viele Kalorien an einem Tag zu sich zu nehmen, geschweige denn in solch einem kurzen Zeitraum. Wenn Sie dazu neigen, zu viel zu essen und zu trinken, könnten Sie sich zu Hause etwas vorbereiten und sich während des Flugs darauf beschränken. Im Urlaub isst man sowieso oft mehr als üblich, aber Sie sollten versuchen, an die Folgen zu denken.“

Warum Bio-Eier teurer sein müssen

Ostern naht, und mit dem Fest das Ei. Neben der Frage nach Haltbarkeit und Zubereitung steht auch die Herkunft immer wieder im Blickpunkt. Bio oder konventionell? Nach wie vor sind Bio-Eier teurer als Eier aus konventioneller Haltung. Trotzdem gehören Bio-Eier mit knapp 14 Prozent Umsatzanteil nach wie vor zu den Produkten mit dem höchsten Bio-Anteil am jeweiligen Gesamtmarkt.

Der höhere Preis hat einen einfachen Grund. Neben den Kosten für die Aufzucht der Legehennen, dem höheren Flächen- und Personalbedarf sind es vor allem die Kosten für die Futtermittel, die zu Buche schlagen. So sind Getreide und Hülsenfrüchte in Bioqualität wesentlich teurer als entsprechende Produkte aus konventionellem Anbau. Und gentechnisch verändertes Sojaschrot als preiswerter Eiweißträger kommt nicht in Frage, da Gentechnik im Ökolandbau generell verboten ist.

Die ökologische Haltung von Legehennen erfordert vom Landwirt zudem ein ausgeklügeltes Management. Im Vordergrund steht das natürliche Verhalten der Hühner. Sie müssen einen Auslauf ins Freie haben und ständig Frischluft und viel Tageslicht bekommen. Darüber hinaus muss jedes Huhn Raum zum Ruhen, Laufen, Picken, Scharren, Staub- und Sandbaden haben. Die artgerechtere Haltung und Fütterung, die Hygiene sowie die regelmäßige Beobachtung der Tiere erfordern einen höheren Aufwand.

Eier aus ökologischer Legehennen-Haltung sind durch Hinweise wie „aus ökologischer Erzeugung“, „Bio“ oder „Öko“ gekennzeichnet. Im Erzeugercode – dem Herkunftsstempel – tragen sie als erste Ziffer eine „0“. Wer in Biomärkten einkauft, findet im Sortiment nur Lebensmittel aus Öko-Produktion, somit auch die Eier. Verpackungen im Lebensmitteleinzelhandel mit Bildern von freilaufenden Hühnern oder die Bezeichnung „aus kontrollierter Haltung“ sind keine bindenden Informationen sondern reine Werbung.

Ob Bio-Hühner letztlich „glücklicher“ sind, darüber streiten sich Wissenschaftler übrigens seit Jahrzehnten. Die Bedürfnisse der Tiere können nicht nach menschlichen Maßstäben gemessen werden. So entsprechen die für den Menschen angenehmen Vorstellungen von freilaufenden Hühnern auf der grünen Wiese in frischer Luft nicht unbedingt den Bedürfnissen der Tiere: Hühner sind ursprünglich Waldbewohner und leben nicht auf großen Grasflächen. Sie brauchen Bäume oder andere Unterstellmöglichkeiten, die ihnen Schutz vor Feinden wie Greifvögeln, Füchsen oder Mardern bieten – was bei den heutigen Haltungssystemen mit Freilauf selbstverständlich berücksichtigt wird.
Heike Stommel, www.aid.de

Weitere Informationen – zum Beispiel, warum Eier so gesund sind und woran Sie ein frisches Ei erkennen können – finden Sie auf was-wir-essen.de in der Rubrik „Tipp der Saison“.

Vor dem Auspusten gründlich waschen

Gesundheitstipps rund ums Oster-Ei

Wer seine Ostersträuße mit ausgepusteten Eiern dekorieren will, der sollte frühzeitig anfangen. Denn das Pusten und Dekorieren macht ein wenig Arbeit. Am besten wird vor der großen Bastelaktion bereits geplant, was mit den rohen Inhalten geschehen soll.

Die möglichst frischen, unversehrten rohen Eier werden zunächst mit lauwarmem Wasser und Spülmittel gründlich gesäubert, um mikrobielle Verunreinigungen sowie den unansehnlichen Herkunftsstempel zu entfernen Anschließend werden sie mit Küchenkrepp oder einem weichen Tuch trockengerieben. Zum Löchermachen braucht man eine ruhige Hand und einen Eierstecher oder eine spitze Nadel. Damit werden zunächst oben und unten vorsichtig kleine Löcher gepiekst. Mit einem Zahnstocher oder einem Schaschlik-Spieß werden sie anschließend vergrößert. Dann sollten Eigelb und Eiweiß vorsichtig mit dem Spieß vermischt werden. So geht später das Auspusten leichter.

„Rohe Eier sollte man auf keinen Fall mit dem Mund auspusten“, warnt Harald Seitz, Ernährungswissenschaftler beim aid infodienst. „Denn nicht nur auf der Schale, sondern auch im Ei könnten sich Salmonellen befinden.“ Ein gutes Hilfsmittel ist stattdessen ein dünner Strohhalm oder ein spezieller Mini-Blasebalg aus dem Bastel- oder Haushaltswarenladen. Nach dem Pusten wird die Schale so oft mit Wasser ausgespült, bis keine Eireste mehr zum Vorschein kommen.

Am besten wird die rohe Eimasse sofort verwertet. Dafür kommen im Prinzip alle Rezepte mit ungetrennten Eiern in Frage. Ganz oben auf der Liste stehen in den meisten Haushalten in der Osterzeit Rühreier in allen Varianten, dicht gefolgt von Omelette und Pfannkuchen. Auch für den Guss von Aufläufen und Quiches werden viele Eier benötigt. Und natürlich für Backwaren wie Waffeln, Käsekuchen, Windbeutel und Rührkuchen aller Art. Sind die Feiertage in Sicht, dann können auch die süßen Osterlämmer in den Ofen. Zur Not können rohe Ei-Inhalte wenige Tage in einem geschlossenen Gefäß im Kühlschrank bleiben wenn sie anschließend gut durchgegart werden.
Eva Neumann, www.aid.de