Oregon feiert 200 Jahre „Meer in Sicht!“

Bruce Willis hätte es wohl gewusst, doch der Bankräuber, den der Hollywood-Star im Film Bandits mimt, fährt zuerst kreuz und quer durchs wunderschöne Oregon und verwechselt dann prompt Lewis und Clark mit den Afrika-Forschern Stanley und Livingstone! Dabei weiß in Oregon jedes Kind, wer Captain Lewis und Lieutenant Clark waren: Sie leiteten die erste Überlandexpedition der USA zur Pazifikküste und wieder zurück. Und weil dieses Ereignis nun genau 200 Jahre zurückliegt, sind Lewis und Clark derzeit wieder in aller Munde – vor allem in Oregon, dem Ziel ihrer Reise.
Die noch jungen USA hatten damals gerade ihren größten Coup gelandet: Auf friedliche Weise hatten sie ihr Territorium mehr als verdoppelt, und nun rückte die Ausdehnung bis an die Pazifikküste in greifbare Nähe – doch dieses Stück Land war noch immer der sprichwörtlich „wilde“ Westen. Präsident Jefferson wollte deshalb zunächst einmal das Gebiet erkunden lassen und betraute seinen ehemaligen Privatsekretär Meriwether Lewis mit der Leitung dieser Forschungsreise, der sich William Clark als Partner aussuchte. Die offiziell als „Corps of Discovery“ bezeichnete Expedition begann im Mai 1804 am Zusammenfluss von Mississippi und Missouri und erreichte anderthalb Jahre später – am 7. November 1805 – in Oregon die Küste des Stillen Ozeans. Die Route, die sie nahm, ist auch heute noch als „Lewis and Clark Trail“ ausgewiesen.

****Gedenkfeier

In Hammond, einem Städtchen in der äußersten Nordwestecke Oregons, wehen am 11. November 2005 entlang dieses Weges die Flaggen zahlreicher Indianerstämme, die an diesem Tag – dem amerikanischen Tag der Kriegsveteranen – nicht nur ihrer Stammesbrüder gedenken, die für die USA ihr Leben im Militärdienst einsetzten, sondern auch der Expedition, die den friedlichen Kontakt zu den früheren Siedlern des Westens suchten, die die Europäer irrtümlich als „Indianer“ bezeichneten. Park-Ranger werden den Besuchern der Veranstaltung im Fort Stevens State Park aber auch erklären, welcher Anblick sich Lewis und Clark bot, die hier an der Mündung des Columbia River erstmals das weite Meer vor sich sahen.

****Feste, Fehler, Vortragsreihen

An diesem Tag und an den beiden Folgetagen (11.-13. November 2005) – einem „verlängerten Wochenende“ – erinnert man sich aber auch im benachbarten Astoria auf den Clatsop County Fairgrounds mit einem „Festival of the Pacific“ der Ankunft dieser berühmten Expedition. Vom 12. bis 14. November kann man außerdem in Astoria auch zahlreiche Vorträge zum Thema „Lewis and Clark“ hören. Sie gehören zu einer Reihe mit dem Titel „Ocian in View“ – die merkwürdige Rechtschreibung ist keine Ausgeburt einer Kultusministerkonferenz, sondern die originalgetreue Wiedergabe des Tagebucheintrags von Lewis und Clark: „Ocian in view! O! The Joy“! – „Meer in Sicht! Oh! Die Freude!“

****Brückenschlag

Am 13. November gedenkt man auch auf der eindrucksvollen Astoria-Megler-Brücke, die den Columbia überspannt und Oregon mit dem Nachbarstaat Washington verbindet, in einer feierlichen Zeremonie der langen Reise, indem man Wasser aus dem Missouri (der via Mississippi und Golf von Mexiko in den Atlantik fließt) in den Columbia gießt. Wer teilnehmen möchte, muss sich vorab registrieren und wird dann mit einem Charterbus zu Brücke gefahren. In der Teilnahmegebühr ist auch ein Souvenir enthalten, das man mit nach Hause nehmen darf.

****Wanderlust

Wer Lust auf eine kleine Wanderung hat, kann am 14. November dabei sein, wenn ein neues Stück „Lewis and Clark Historical Park“ eröffnet wird. Um 8 Uhr früh geht es bereits am Fort Clatsop National Memorial los in Richtung Sunset Beach, wo mittags die offizielle Zeremonie stattfindet. Während der Wanderung und beim Lagerfeuer am Strand erzählen Park-Ranger und Historiker von der Überwinterung des „Corps“ in dem von den Expeditionsteilnehmern erbauten Fort Clatsop, bevor sie im Frühjahr 1806 wieder die Heimreise antraten.

****Ausstellung

Apropos Wandern: Eine Wanderausstellung des National Park Service mit der Bezeichnung „Corps of Discovery II: 200 Years to the Future“, die dem Verlauf der ursprünglichen Expedition folgte, gastiert vom 19. bis 22. November in Seaside, rund 10 km südlich von Astoria. Junge und alte Besucher können anhand einer interaktiven Ausstellung mehr erfahren über die Expedition und ihre Bedeutung für den weiteren Verlauf der Geschichte. Dazu gehören auch musikalische Darbietungen und Vorträge von Historikern, Park-Rangern und Angehörigen verschiedener Indianervölker. Es können auch Nachbildungen der Boote besichtigt werden, die vor 200 Jahren vom ersten „Corps of Discovery“ verwendet wurden. Die Ausstellung wird zwischen März und Mai nächsten Jahres noch an vier weiteren Orten in Oregon zu sehen sein: St. Helens, Grand Ronde, Warm Springs und Pendleton. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. Sie ist am Wochenende von 10 bis 18 Uhr und wochentags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

****Weitere Informationen

Portland, der wirtschaftliche und kulturelle Nabel Oregons, ist von Deutschland aus mehrmals pro Woche nonstop mit der Lufthansa zu erreichen – von Frankfurt/Main aus geht es in 10 Stunden und 25 Minuten an die Pazifikküste Oregons.

Verbrauchern steht für alle Fragen rund um Oregon die Oregon Tourism Commission, c/o Wiechmann Tourism Service GmbH, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt, Telefon +49-69-25538240, Telefax +49-69-25538100 mit Rat und Tat zur Seite. Deutschsprachige Informationen zu Oregon gibt es auch im Internet: Unter www.traveloregon.de kann der „Beaver State“ rund um die Uhr besucht werden.