Sascha Lissowsky, Brasserie Anouki, Berlin

Da freuten wir uns drauf: Sascha Lissowsky, der Ex-Küchenchef von Bühners La Vie*** in Osnabrück hat sich mit einer Brasserie, die französische Hausmannskost serviert, in der Nähe des Stuttgarter Platz an einer ziemlich miesen Ecke – wenn man nicht gerade eine neue Spritze für seine Drogen braucht – selbständig gemacht.

Sascha Lissowsky, Brasserie Anouki, Berlin

Französische Hausmannskost vom Dreisternekoch? Das hört sich geil an! Die geschätzte Kritikerin Tina Hüttl war bereits im Mai dort und begeistert. Anders als wir testete sie aber nicht anonym.

Wir probierten mehrere Tage einen Platz zu reservieren. das gelang uns erst nach einer Woche. Die Vorfreude stieg.
Der Service ist sehr angenehm und freundlich. Die Preise gehoben. Anstelle der üblichen, schrecklichen Nestle Waters gibt es lokales Mineralwasser. Vorbildlich!
Und es geht flott weiter. Ein komplizierter Gruß aus der Küche wird uns gereicht. Weißkohl, Schokolade und Essig.

Sascha Lissowsky, Brasserie Anouki, Berlin Ameuse Bouche

Kann man mögen, ich mochte es nicht besonders. Ich würde hier das Wort interessant nehmen!

Danach gab es einen herrlich Brioche mit Butter. das ist schon ein dolles Vorprogramm in einer Brasserie. Beeindruckend.

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Wir bestellten dann Ceviche und Vitello Tonnato. Seine Version der Ceviche schmeckt mir besser als das Originalgericht, weil Lissowsky feiner mit dem Säurenspiel umgehen kann. Die Interpretation des Vitello Tonnatos jedoch hat wenig mit dem Zeug zu tun, dass sie beim guten Italiener kriegen. Da wurde die Erwartungshaltung böse enttäuscht.

Vitello Tonnato a la Lissowsky

Auch ist die Portionsgröße im Verhältnis zum Preis ein eher schlechter Deal. Wir haben jetzt verstanden, dass unser Verständnis von Hausmannskost ein ganz anderes ist als Lissowskys.

Er schreibt auf seiner Webseite: Im ANOUKI bereiten wir traditionelle Gerichte zu, wie wir sie alle kennen und lieben. Hier und da ergänzen wir ein paar nordafrikanische Elemente, die für die französische Küche typisch sind. Diese Meinung teilten wir nicht. haben wir die falsche Gerichte gegessen?

Als Hauptgericht hatten wir Steak / Frites. Das Gericht ist der Burner. Da hat er aber auch nur soviel verfeinert, wie es brauchte. Keine Sperenzien wie vorher. Tolles Fleisch, perfekte Sauce Bernaise, Pommes, Salat. Diese 34 € sind gut angelegt.

Sascha Lissowsky, Brasserie Anouki, Berlin: Steak Frites

Meine Frau war von den Edelfischen und Meeresfrüchten ihrer Bouillabaisse Marseille angetan. Leider war die Brühe komplett versalzen und anders als ich, isst meine Frau gerne salziger. Aber das war auch ihr zu viel. Ob Lissowsky verliebt ist?

Sascha Lissowsky, Brasserie Anouki, Berlin Bouillabaise

Ich hatte die Bulette und mir als Beilage extra Pommes vor der La Ratte Kartoffel dazubestellt. Die sehr kleine Kalbsfleischboulette hatte starke Röstaromen an der Unterseite, die mich arg irritierten. Da sie sehr klein war, war sie schnell gegessen.

Sascha Lissowsky, Brasserie Anouki, Berlin: Boulette

Den Pommes jedoch hätte ich die etwas stärkere Hitze der Bulette gewünscht. Ich mag sie gerne knusprig und nicht so matschig. Und nicht so salzig. Ich hing noch Stunden später zuhause unter dem Wasserhahn, weil ich so einen Nachbrand vom Salz hatte.
Der dazu gebrachte Ketchup kostete 1 €, vermutlich hausgemacht. Sehr essiglastig, aber nicht schlecht.

Fazit: Lissowsky weiß nicht was er will. Will er jetzt Sterneküche oder Hausmannskost? Ich würde es toll finden, wenn er Hausmannskost perfekt liefern würde. Aber so ist das eine Achterbahnfahrt.
Salzige Bouillabaisse und angebrannte Boulette sind ein Unding für einen Mann seines Kalibers.
Warum wir uns nicht beschwerten? Ja, natürlich wäre es fairer gewesen. Wir sind aber kein Consultantbüro, sondern vollzahlende Gäste. Da möchten wir ein schönes Essen und keine Diskussionen haben. Und es war ja nicht gerade preiswert. Insgesamt zahlten wir 175 €.
Ob wir noch einmal hingehen? Wir warten erst einmal ab, was die kompetenteren Kollegen schreiben (Bernd Matthies) oder ob sie was bringen (Reiner Veit).

Wenn wir Sterneküche in der Gegend haben wollen, gehen wir das nächste Mal lieber ins Savu. Vielleicht schaffen wir es zum Lunch. Das ist günstiger dort als woanders in einer Brasserie …
Und das Savu haben wir immer glücklich verlassen.

Anouki Brasserie: https://www.anouki-brasserie.de/?section=diner

Berliner Restaurantkritik in englischer Sprache

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Sascha Lissowsky, der Ex-Küchenchef von Bühners La Vie*** in Osnabrück hat sich mit einer Brasserie, die Hausmannskost serviert, in der Nähe des Stuttgarter Platz an einer ziemlich miesen Ecke – wenn man nicht gerade eine neue Spritze für seine Drogen braucht – selbständig gemacht.

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