Nutzen Nahrungsergänzungsmittel nur dem Hersteller?

Forscher untersuchten verschiedene Nahrungsergänzungsmittel auf ihren Nutzen für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Sie fanden heraus, dass keines der untersuchten Zusätze eine überzeugende positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System hatte.

Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Welchen Nutzen sich die Konsumenten von diesen versprechen, ist unterschiedlich. Einige Vitamin- und Mineralstoffpräparate sollen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Oftmals ist der Nutzen dieser Zusätze jedoch nicht belegt. Um den Einfluss von bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit und das allgemeine Sterberisiko zu untersuchen, führten 39 Wissenschaftler aus Kanada, den USA und Frankreich gemeinsam eine Studie durch.

Gesünder Essen ist besser als jedes Nahrungsergänzungsmittel

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Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Calcium-Brausetabletten zum Frühstück, Vitamin D-Kapseln zum Mittag und abends Folsäure und Isoflavone – welche Nahrungsergänzungsmittel sind für wen und wann gesundheitlich sinnvoll? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat auf dem BfR-Forum „Nahrungsergänzungsmittel – Ein Trend ohne Risiko?“ über Nutzen und mögliche Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln sowie zum Konsumverhalten verschiedener Verbrauchergruppen informiert. „Das Wissen ist für die Risikokommunikation wichtig, denn eine zu hohe Dosis an Vitaminen und Mineralstoffen kann in einigen Fällen der Gesundheit schaden“, sagte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Bei einer abwechslungsreichen Ernährung erhält der Körper in der Regel alle Nährstoffe, die er braucht. Es gibt nur wenige Ausnahmen: Beispielsweise Folsäure für Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere.“ Das BfR-Forum vermittelte den Teilnehmenden eine differenzierte Sichtweise in Bezug auf Nahrungsergänzungsmittel. Die Regulation von Nahrungsergänzungsmitteln, die gesundheitliche Risikobewertung von Vitamin D sowie von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln (Botanicals) und die Risikokommunikation zum Thema wurden diskutiert.

Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich abwechslungsreich und ausgewogen ernähren, in der Regel überflüssig. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht. Dagegen kann der unkontrollierte Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Verbraucherinnen und Verbraucher sind deswegen für einen achtsamen Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln zu sensibilisieren und sollten auch über mögliche Risiken aufgeklärt werden.

Bei einer überhöhten Vitamin D-Aufnahme durch hochdosierte Präparate können unerwünschte Wirkungen wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung auftreten. Allgemein wird die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D nur dann empfohlen, wenn eine unzureichende Versorgung nachgewiesen wurde und wenn eine gezielte Verbesserung der Versorgung weder durch die Ernährung noch durch die körpereigene Vitamin D-Bildung durch Sonnenbestrahlung zu erreichen ist. Zu Risikogruppen einer Unterversorgung mit Vitamin D zählen Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur mit gänzlich bedecktem Körper im Freien aufhalten oder Personen mit dunkler Hautfarbe. Zu den Personen, die nicht ausreichend und regelmäßig in die Sonne gehen, gehören insbesondere mobilitätseingeschränkte, chronisch kranke und pflegebedürftige ältere Menschen (Pflegeheimbewohner, geriatrische Patienten, Osteoporose- und sturzgefährdete Senioren). Gestillte und nicht-gestillte Säuglinge bekommen im Rahmen der kinderärztlichen Versorgung je nach Maßgabe für einen bestimmten Zeitraum spezifische Präparate mit Vitamin D zur Rachitisprophylaxe verschrieben.

Die synthetisch hergestellte Form des Vitamins Folat wird als „Folsäure“ bezeichnet. Folsäure wird in Nahrungsergänzungsmitteln und zur Anreicherung von Lebensmitteln verwendet. Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, und Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel empfiehlt das BfR, ergänzend zu einer folatreichen Ernährung Folsäure in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einzunehmen. Dadurch kann das Risiko eines Neuralrohrdefekts („offener Rücken“) beim Kind verringert werden. Für die Allgemeinbevölkerung ist dagegen die Einnahme von Folsäurepräparaten nur empfehlenswert, wenn eine unzureichende Versorgung medizinisch nachgewiesen wurde. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für einen Nutzen von Folsäuresupplementen oberhalb der Mengen, die für eine bedarfsgerechte Versorgung notwendig sind. Folatverbindungen sind natürlicherweise in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln wie beispielsweise Grünkohl, Feldsalat oder Hühnerei enthalten.

Aus allen Teilen der Welt sind mittlerweile Nahrungsergänzungsmittel aus Pflanzen-, Algen-, Pilzen- oder Flechtenextrakten (sogenannte „Botanicals“) über das Internet leicht zugänglich geworden. Daten zu deren Sicherheit für die menschliche Gesundheit und den Eigenschaften einer Vielzahl der darin enthaltenen bioaktiven Substanzen sind allerdings nur in beschränktem Umfang verfügbar. Dies bringt Herausforderungen mit sich sowohl bei der Durchführung von Risikobewertungen der aktiven Verbindungen als auch bei der Ableitung von sicheren Zufuhrmengen für diese Stoffe.

Verbraucherinnen und Verbrauchern ist oftmals nicht bekannt, dass Nahrungsergänzungsmittel zu den Lebensmitteln zählen und nicht zu den Arzneimitteln, obwohl sie ebenfalls als Tabletten, Dragees oder Pulver angeboten werden. Anders als Arzneimittel durchlaufen Nahrungsergänzungsmittel kein Zulassungsverfahren, sie unterliegen nur einer Registrierungspflicht beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Für ihre Sicherheit sind ausschließlich die Hersteller verantwortlich. Wie bei anderen Lebensmitteln auch erfolgt die Überwachung des Verkehrs von Nahrungsergänzungsmitteln einschließlich der Kontrolle der Produktkennzeichnung und der Einhaltung von lebensmittelrechtlichen Bestimmungen durch die amtliche Lebensmittelüberwachung der Bundesländer.

ÖKO-TEST KOMPAKT Essen & Genuss

Was der Körper wirklich braucht: Einer amerikanischen Studie zufolge steigt das Risiko, vorzeitig zu sterben um 2,4 Prozent, wenn man Multivitaminpillen schluckt. Schlimmer wird es sogar, wenn man Folsäure regelmäßig einnimmt, weil sich dann dieser Prozentsatz auf 5,9 erhöht. Durch Folsäure steigt etwa für Männer das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Anders ist die Situation jedoch bei Schwangeren. Hier ist die Einnahme wiederum sinnvoll, weil Folsäure schwere Missbildungen bei Babys verhindern kann. Kein Wunder, dass Verbraucher verunsichert sind, ob sie überhaupt Vitamin- und Mineralstoff-Präparate schlucken sollen. Das neue ÖKO-TEST KOMPAKT Vitamine & Mineralstoffe informiert Sie, was sinnvoll ist und von welchen Produkten man besser die Finger lassen sollte.

Die Tests

• Orangensaft: Wer Vitamine naschen möchte, muss nicht immer Obst schälen. Orangensaft ist ein schmackhafter Vitamin-C-Lieferant. Viele Produkte im Test bestehen mit guten Noten. Manche sind jedoch im Geschmack etwas schwach, wie eine sensorische Untersuchung zeigt.
• Folsäure: Ein Mangel an Folsäure – gerade zu Beginn einer Schwangerschaft – kann zu schweren Schäden beim Fötus führen. Folsäurepräparate helfen bei der Vorsorge. An den Mitteln hat ÖKO-TEST wenig zu kritisieren.
• Fluoridtabletten: Kinder sollten Fluorid erhalten, um ihre Zähne vor Karies zu schützen. Deshalb verschreiben Kinderärzte Fluoridtabletten. An den meisten Produkten gibt es nichts auszusetzen. Punktabzug gibt es jedoch für ein Produkt, das den Farbstoff Chinolingelb enthält, der mit einer Beeinträchtigung der Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern in Verbindung gebracht wird.
• Multivitaminpräparate: Vitamine und Mineralstoffe in Tablettenform werden als Rundum-sorglos-Paket zum Erhalt der Gesundheit verkauft. Doch immer mehr Studien zeigen: Mit dem Nutzen solcher Produkte ist es nicht weit her, die Risiken sind nicht zu unterschätzen. Bei der ÖKO-TEST-Analyse enttäuschen die Multivitaminpräparate: zu hohe Dosierungen und fragwürdige Auslobungen sorgen für viele „mangelhafte“ und „ungenügende“ Gesamturteile.
• Vitaminpräparate für Schwangere: Werdenden Müttern bietet die Industrie eine Reihe von Produkten an, damit es dem Fötus nicht an wichtigen Nährstoffen mangelt. Die Anbieter schießen jedoch über Ziel hinaus.
• Zink plus C: Zink wird oft als Wirkstoff gegen Erkältungen angepriesen. Der Nutzen von Zinkpräparaten ist jedoch keinesfalls belegt. Um etwaige positive Wirkungen bei Erkältungen erzielen zu können, enthalten die von ÖKO-TEST untersuchten Produkte viel zu wenig Zink.
• Vitamin D: Angeblich soll Vitamin D vor Krebs und weiteren Erkrankungen schützen. Zugleich gelten viele Leute als unterversorgt. Doch im Test konnten nur wenige Produkte überzeugen.
• Calcium und Vitamin D3: Menschen, die an Osteoporose leiden, brechen sich die Knochen oft schon aus dem geringsten Anlass. Kombipräparate aus Vitamin D und Calcium sollen vorbeugen oder Knochenschwund aufhalten. Der Nutzen der Arzneimittel ist belegt, die Nahrungsergänzungspillen kann man sich dagegen sparen.

Aus dem Inhalt
• Steckbrief Vitamine: Vitamin C ist wohl das bekannteste, doch auch die anderen zwölf Vitamine sind für den Menschen mehr als wichtig. Die ÖKO-TEST-Übersicht zeigt, wofür sie gut und notwendig sind, welche Mengen gebraucht werden und in welchen Lebensmitteln sie stecken.

• Roh oder erhitzt? Bei der Frage, ob Rohkost oder Gegartes verträglicher ist, kommt es auf die Produkte an. Manche Nährstoffe lösen sich nicht aus den Lebensmitteln, wenn man sie nicht gart. Hält man allerdings Gemüse zu lange warm, gehen empfindliche Vitamine verloren.

• Keine simplen Ratschläge: Immer wieder gibt es Schlagzeilen, wonach laut einer Studie irgendeine Kost besonders gesund sein soll: Knoblauch schützt angeblich vor Infektionen, Brokkoli vor Krebs. Das klingt leider viel zu schön, um wahr zu sein. ÖKO-TEST erklärt, wie diese Studien zu bewerten sind.

Das aktuelle ÖKO-TEST KOMPAKT Vitamine & Mineralstoffe gibt es seit dem 9. März 2012 im Zeitschriftenhandel. Es kostet 3,90 Euro.

Vitamin D und Folsäure

Vitamin D und Folsäure

Wie kann die Versorgungslage verbessert werden?

Nur etwa jeder fünfte Deutsche nimmt genügend Folsäure und Vitamin D auf. Soll man Grundnahrungsmittel deshalb mit diesen Vitaminen anreichern, um die Versorgungslage zu verbessern? Diese Frage diskutierten Wissenschaftler bei der Max-Rubner-Konferenz Mitte Oktober 2009 in Karlsruhe. Die Entscheidung ist nicht leicht, denn eine Anreicherung beinhaltet auch Risiken, wie am Beispiel Folsäure deutlich wird. Eine unzureichende Zufuhr betrifft vor allem werdende Mütter, da das Vitamin zwischen dem 22. und 28. Tag der Schwangerschaft für den Verschluss des Neuralrohrs beim Embryo benötigt wird. Ein Mangel an Folsäure erhöht das Risiko für einen so genannten Neuralrohrdefekt beim Neugeborenen. Mit dieser Fehlbildung werden Schätzungen zufolge jedes Jahr etwa 500 bis 800 Kinder geboren. Während diese Bevölkerungsgruppe also von einer Anreicherung von Lebensmitteln profitieren würde, müssten andere Nachteile in Kauf nehmen, denn bei Personen mit bereits bestehenden Krebs-Vorstufen im Darm fördert es die Krebsentwicklung. Gibt es diese Krebsvorstufen nicht, trägt Folsäure wiederum zu einer Verminderung des Risikos bei, an Darmkrebs zu erkranken. Angesichts des möglichen Risikos und der noch offenen Fragen, vertrat Dr. Christian Grugel vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den Standpunkt, dass es in Deutschland keine verpflichtende Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure geben werde. Stattdessen müsse man sich bemühen, die Aufklärung, insbesondere von Frauen im gebärfähigen Alter, zu fördern. Hier seien besonders Frauenärzte gefordert.

Auch Vitamin D wird zur Zeit intensiv erforscht. Die meisten Bundesbürger sind mit diesem Vitamin schlecht versorgt, unter anderem weil Vitamin D-reiche Lebensmittel wie Fisch und Leber zu selten auf dem Tisch stehen. Bei diesem Vitamin gibt es jedoch eine Besonderheit: Der Körper kann es bei ausreichend Sonnenlicht aus Vorstufen in der Haut selbst bilden. Offenbar führt der heutige Lebensstil aber dazu, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung zu wenig Vitamin D im Blut hat, was sich vor allem im Winter stark bemerkbar macht. Eine besondere Risikogruppe sind ältere Menschen, denn die Fähigkeit zur Vitamin D-Bildung in der Haut lässt im Alter nach. Eine schlechte Vitamin D-Versorgung erhöht bei ihnen unter anderem das Sturz- und Knochenbruchrisiko. Manche Experten raten älteren Menschen deshalb zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D. Ob eine generelle Erhöhung der Zufuhr über angereicherte Lebensmittel sinnvoll ist, ist noch nicht abschließend geklärt.
aid, Dr. Maike Groeneveld

AK Test zeigt: Lebensmittel – genug mit Folsäure angereichert

Für Konsumenten dadurch ausreichende Folsäure-Versorgung möglich, für Schwangere zu wenig

Folsäure ist vor allem für schwangere Frauen wichtig – für die Entwicklung des Fötus. Die AK wollte sich daher einen Überblick bei den mit Folsäure angereicherten Lebensmitteln verschaffen und fand viele Produkte – vor allem Getränke, Cerealien, Streichfette, Milchprodukte, Süßigkeiten. 40 Produkte wurden genauer unter die Lupe genommen, um zu schauen, ob sie einen vernünftigen Beitrag zur Folsäureversorgung leisten können. Fazit: Sie können! „Wenn etwa zwei angereicherte Produkte am Tag gegessen werden, passts“, sagt AK Ernährungsexpertin Petra Lehner, „etwa ein Glas Fruchtsaft und ein Brot mit Margarine.“ Das gilt aber nicht für Schwangere. Sie sollten zusätzlich Folsäure-Tabletten einnehmen.

Erwachsene sollten 400 Mikrogramm, Schwangere 600 Mikrogramm an Folsäure täglich zu sich nehmen. Für Schwangere ist Folsäure wichtig – jährlich werden rund 20 Kinder mit schweren Behinderungen geboren (klinisch: Neuralrohrdefekt). Bei ausreichender Folsäureversorgung wäre das zu verhindern. Die AK hat 40 mit Folsäure angereicherte Lebensmittel im Februar in Wiener Supermärkten eingekauft, beispielsweise Fruchtsäfte (Hohes C Multivitamin, Pago Breakfast Cocktail, Mautner Markhof Multivitaminsirup), Cerealien (Cornflakes, Müsli), Süßigkeiten (Fruchtbonbons, Zuckerl), Margarine (Rama Idee, Becel), Fertigprodukte (Basis für Aufläufe oder Suppen), Milchprodukte (Milchdrinks, Joghurtprodukte). Auf allen eingekauften Nahrungsmittel stand, dass Folsäure enthalten ist. Die Produkte wurden von zwei ErnährungswissenschafterInnen in Zusammenarbeit mit der AK Wien bewertet.

Der AK Test zeigt: Es gibt genügend mit Folsäure angereicherte Lebensmittel, die eine ausreichende Versorgung ermöglichen. Das sind vor allem Fruchtsäfte, Milchprodukte, Cerealien und Riegel, Streichfette, Süßigkeiten und auch Fertigprodukte.

Bei der Folsäure-Anreicherung wird nicht all zu viel falsch gemacht: Fast alle Testprodukte enthalten genug Folsäure. Wermutstropfen: Fast die Hälfte hat zu viel Zucker, Fett und/oder Salz – hier muss dringend etwas getan werden. „Im Doppelpack mit Folsäure gibt’s meist noch andere Vitamine und Mineralstoffe, die dienen aber eher dem Marketing, weil die Konsumenten damit ohnehin genügend versorgt sind“, sagt Lehner.

„Es darf nicht vergessen werden, dass auch etliche herkömmliche Lebensmittel gute Folsäure-Quellen sind“, erklärt Lehner. Reich an Folsäure sind vor allem Keime, Hülsenfrüchte, Innereien und Vollkornprodukte, grünes Gemüse (Salat, Spinat, Brokkoli), aber auch Haferflocken, Milchprodukte, Käse, Hühnereier und manches Obst, etwa Zitrusfrüchte oder Erdbeeren. Folsäurereich ist auch Bäckerhefe, die sehr gut zum Würzen von Speisen verwendet werden kann, um die Folsäure-Versorgung zu verbessern.

Folsäure – bessere Informationen sind nötig

AK gibt Tipps: abwechslungsreich essen und auch mit Folsäure angereicherte Lebensmittel im Speiseplan einbauen

Dass Folsäure speziell für Mädchen und Frauen wichtig ist, darüber sollte das Gesundheitsministerium offensiv informieren und Schulen, Ärzte oder Apotheker sollen aktiv mitmachen. Dabei soll vor allem über die normale Ernährung aufgeklärt werden, aber auch was es an mit Folsäure angereicherten Lebensmitteln gibt. Es soll auch in der achten oder neunten Schulstufe und bei jedem Frauenarztbesuch über Folsäure aufgeklärt werden.

Derzeit wird auch in Österreich ein Gesetz zur Folsäure-Pflichtanreicherung von Mehl diskutiert. „Es gibt viele freiwillig angereicherte Produkte mit Folsäure, und dieser Markt wächst“, sagt AK Ernährungsexpertin Petra Lehner, für die eine verpflichtende Mehlanreicherung nicht der erste Schritt sein kann. „Dann müssten nämlich freiwillige Anreicherungen verboten werden und Folsäure aus den Vitaminpillen raus, sonst droht mittelfristig eine Überversorgung“, so Lehner. Beides ist aber EU-rechtlich nur schwer möglich.

Weiters verlangt die AK, dass angereicherte Lebensmittel optimiert werden. Es sollen Produkte angereichert werden, die weder zu fett, zu süß noch zu salzig sind. Außerdem sollten sie eine signifikante Menge Folsäure liefern, und zwar pro Portion.

Tipps der AK Konsumentenschützer
Essen Sie bunt und abwechslungsreich. Es gibt wirklich gute Folsäure-Quellen, die Sie am Besten regelmäßig essen – vor allem grünes Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.
Achten Sie auf schonende Zubereitungsformen. Folsäure ist nämlich hitzelabil und wasserlöslich. Wenn Sie folsäurereiche Lebensmittel kochen, verwenden Sie wenig Wasser und wenn es geht, verwenden Sie das Kochwasser weiter.
Es gibt etliche empfehlenswerte, mit Folsäure angereicherte Lebensmittel, die Sie regelmäßig in Ihren Speisplan einbauen können. Zwei davon führen schon zu einer ausreichenden Folsäure-Versorgung.
Auch „ungünstige“ angereicherte Lebensmittel (etwa Zuckerl, Süßigkeiten) können auf dem Speiseplan stehen – Naschen ist ja grundsätzlich nicht verboten. Wenn normale Zuckerl durch angereicherte ersetzt werden, bringt auch das Folsäure. Sie sollten aber nicht zusätzlich gegessen werden.
Wenn Sie schwanger werden wollen, achten Sie ganz besonders auf eine folsäurereiche Ernährung. Auch Folsäure-Tabletten können und sollen dann sogar immer wieder eingenommen werden.

Salz in der Ernährung

„Das Salz in der Suppe“ – ein Ausdruck für einen besonders
wichtigen Bestandteil einer Sache. Salz – manchmal reicht schon
eine Prise – ist aus der Küche nicht wegzudenken. Welche Rolle
spielt Kochsalz aber für die Gesundheit unseres Körpers? Die
Sektion Sachsen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V.
(DGE) bietet Fachkräften die Gelegenheit, sich in Sachen Salz auf
den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen und lädt zur
ihrer 28. Ernährungsfachtagung „Salz in der Ernährung“ am 8.
November 2007 nach Leipzig ein.

Themen der Fachtagung sind die Gewinnung und die Sorten von Salz,
Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die
ernährungsphysiologische Bedeutung der Inhaltsstoffe. Auch der
Frage nach seinem Einfluss auf den Blutdruck wird nachgegangen.
Unser Speisesalz darf heutzutage mit Jod, Fluorid und Folsäure
angereichert werden. Jod ist ein wichtiges Element für die
Schilddrüse und beeinflusst dadurch lebensnotwendige
Stoffwechselvorgänge. Was vermag Fluorid aus dem Salz für unsere
Zähne zu leisten? Einen besonderen Augenmerk wird auf die
Folsäure gerichtet: Experten der DGE stellen die Folatversorgung
in Deutschland, die Rolle der Folsäure in der Prävention sowie
Strategien zur Verbes-serung der Versorgung vor. Hierzu wurde von
der DGE in einem Positionspapier Ende 2006 herausgegeben.

Die Fachtagung findet am 8. November 2007 von 10.00 bis 15.00 Uhr
im Neuen Rathaus Leipzig statt und richtet sich an
Ernährungsfachkräfte, Ärzte, Fachjournalisten, Fachkräfte und
Meinungsbildner aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Prävention
und Public Health. Die Teilnahmegebühr beträgt 20,00 EUR, für
DGE-Mitglieder und Studenten 10,00 EUR.
Weitere Informationen
gibt die: www.dge-sachsen.de

Deutschland im Folsäurerückstand

Den D-A-CH-Referenzwert von 400 µg Folat pro Tag erreichen
die Deutschen im Mittel nur rund zur Hälfte. Darüber hinaus
nutzen zu wenige Frauen das große präventivmedizinische Potenzial
von Folsäure beim Schutz vor Neuralrohrdefekten (NRD) durch eine
gezielte Folsäureeinnahme in der Frühschwangerschaft. Die
Anreicherung von Bäckermehlen der Type 550 und 630 mit Folsäure
ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V.
(DGE) die zuverlässigste Möglichkeit, die Folatversorgung in
Deutschland flächendeckend zu verbessern und zeitnah einen
Beitrag zur Senkung der NRD-Häufigkeit zu leisten. Dafür sprachen
sich erneut und einstimmig alle Wissenschaftler auf dem
Journalistenseminar der DGE "Das vergessene Vitamin – Deutschland
im Folsäurerückstand" im Mai 2007 in Bonn aus.

Eine Folatunterversorgung ist außerdem Risikofaktor für
verschiedene Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Krankheiten und
möglicherweise Krebserkrankungen und Altersdemenz. Um die
Folatversorgung zu verbessern, empfiehlt die DGE, mehr
folatreiche Lebensmittel zu verzehren. In Anbetracht der
derzeitigen Ernährungsgewohnheiten ist die Umsetzung dieser
Empfehlung für den Großteil der Bevölkerung erst mittel- bis
langfristig zu erwarten.

www.dge.de

Hasenscharte

Mit Folsäure in der Schwangerschaft vorbeugen

Schwangere, die ausreichend mit Folsäure versorgt sind, schützen ihr Baby vermutlich auch vor Geburtsdefekten wie der Hasenscharte. Das hat eine Studie mit mehr als 1.300 Säuglingen in Norwegen ergeben, wo die Spaltbildung der Oberlippe besonders häufig auftritt. Seit langem ist bekannt, dass Folsäuremangel in der frühen Schwangerschaft bei Veranlagung zu Fehlbildungen des Nervensystems führen kann. Nun haben Forscher untersucht, ob eine Unterversorgung auch die fötale Schädelentwicklung beeinflusst. Dazu befragten sie die Teilnehmerinnen zu ihrer Ernährungsweise in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Das geringste Risiko für eine Hasenscharte hatten Kinder, deren Mütter in dieser Zeit auf eine folsäurereiche Kost achteten und sie durch ein Präparat mit 400 Mikrogramm des Vitamins ergänzten. So empfehlen es auch Ernährungsexperten. Die Wahrscheinlichkeit für den Geburtsdefekt ließ sich allein durch die Einnahme von Folsäuretabletten um knapp 40 Prozent senken. Eine ausgewogene Ernährung reduzierte das Risiko um ein zusätzliches Viertel. Das Vitamin Folsäure ist in fast jedem Blattgemüse vertreten. Besonders gute Lieferanten sind Kohl, Spinat, Blattsalate und Tomaten, aber auch Beerenobst, Orangen und Weintrauben sowie Vollkornbrot. Quelle: British Medical Journal (BMJ)via AID

Folsäure, ein Zusammenhang mit Depression?

Folsäure nimmt im menschlichen Organismus eine zentrale Position ein: Das wasserlösliche B-Vitamin ist als Coenzym an der Entgiftung des zellschädigenden Stoffwechselproduktes Homocystein beteiligt und spielt damit eine entscheidende Rolle bei der Bildung von Blut-, Zell- und Erbsubstanz. Des Weiteren kommt diesem Vitamin laut aktuellen Studien eine wichtige Rolle bei Erkrankungen wie Demenz und Depressionen zu, berichtet die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. aus Aachen.

Dem Wissenschaftler Esmond E. Snell und seinen Mitarbeitern gelang es 1941 erstmalig, Folsäure aus vier Tonnen Spinatblättern, damals aufgrund ihrer Unentbehrlichkeit für das Wachstum von Bakterien auch „Antianämie-“ und Wachstumsfaktor genannt, zu isolieren. Der Begriff Folsäure steht stellvertretend für eine Substanzfamilie, deren Mitglieder je nach Struktur vom Körper unterschiedlich gut aufgenommen werden. Die physiologisch wertvollste Verbindung ist Folsäure selbst.

Das B-Vitamin spielt für die Gesundheit des menschlichen Organismus eine entscheidende Rolle, da sie unter Einwirkung von Vitamin B6 und B12 bestimmte Moleküle an sich bindet und diese auf andere Substanzen überträgt. Auf diese Art und Weise erfolgt die Umwandlung des toxischen Homocysteins in die lebensnotwendige Aminosäure Methionin, die unter anderem in den Nervenstoffwechsel involviert ist.

Die Empfehlungen für die tägliche Zufuhr liegen zwischen 60 und 600 Mikrogramm Folsäure-Äquivalent. Enthalten ist das B-Vitamin sowohl in pflanzlichen Lebensmitteln wie Blattgemüsen, Spargel, Tomaten und Getreiden als auch tierischen Lebensmitteln wie Rindeleber, Thunfisch oder Weichkäse (1). Umwelteinflüsse wie Sauerstoff, Wasser und Hitze vermindern die Folsäureaktivität. Eine Bedarfsdeckung allein durch Lebensmittel, vor allem durch den häufigen Verzehr stark verarbeiteter Produkte, ist häufig nur schwer zu erreichen. Der Körper eines gesunden Menschen ist zwar in der Lage, geringe Mengen des Vitamins zu speichern, im Falle einer Unterversorgung ist jedoch nur für maximal drei bis vier Wochen ein ausreichender Folatspiegel im Blut aufrecht zu erhalten.

Vor allem Schwangere und Stillende haben einen erheblichen Mehrbedarf an Folsäure. Durch eine unzureichende Versorgung über die Nahrung können besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft erhebliche Entwicklungsstörungen und Missbildungen des Ungeborenen entstehen. Das Risiko für Neuralrohrdefekte („offener Rücken“), die oftmals mit dem Tod des Neugeborenen einhergehen, verringert sich mit einer Folatsupplementation vor und während der Schwangerschaft um 50 bis 70 Prozent. Inwiefern Homocystein für das Auftreten von Missbildungen im ersten Schwangerschaftsdrittel von Bedeutung ist, ist weiterhin Diskussionsgrundlage verschiedener Expertengremien (1).

Ein erhöhter Homocysteinspiegel im Blut ist zumindest ein entscheidender Risikofaktor für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das giftige Stoffwechselprodukt löst atherosklerotische Gefäßveränderungen aus, die zu Herzinfarkt und Schlaganfällen führen können. Aufgrund der steigenden Homocysteinwerte mit zunehmendem Alter, ist besonders ab dem 60. bis 65. Lebensjahr auf eine ausreichende Folsäureversorgung zu achten (2).

Kürzlich veröffentliche Studien berichteten zudem über einen Zusammenhang zwischen einer Folsäureunterversorgung und Depressionen sowie Demenz. Chinesische Wissenschaftler fanden heraus, dass ältere Menschen mit hohen Homocystein- und niedrigen Folsäurewerten im Blut schlechtere Ergebnisse bei kognitiven Tests erzielten als Versuchsteilnehmer mit normalen Homocystein- und Folsäurewerten. Weitere klinische Studien auf diesem Gebiet sind notwendig, um das Ausmaß dieses Zusammenhangs näher zu beleuchten und Klarheit zu schaffen (3,4).

Vor dem Hintergrund der schlechten Folsäureversorgung ist es bei Präventionsbemühungen der Gesundheitspolitik von großer Bedeutung, die Folsäureproblematik mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses zu rücken, um schweren Erkrankungen sowie den Konsequenzen einer Folat-Unterversorgung vorzubeugen. 4.160 Zeichen

Literatur:
1) Bässler KH, Golly I, Loew D et al.: Vitamin-Lexikon. Urban & Fischer Verlag, München, Jena, 2002, 122
2) Stanger O, Herrmann W, Pietrzik K et al.: Konsensuspapier der D.A.CH.-Liga Homocystein über den rationellen klinischen Umgang mit Homocystein, Folsäure und den B-Vitaminen bei kardiovaskulären und thrombotischen Erkrankungen – Richtlinien und Empfehlungen. Sonderdruck des Journals für Kardiologie 5/2003; 10(5):2-11
3) Reynolds EH: Folic acid, ageing, depression and dementia. British Medical Journal 2002; 324: 1512-1515
4) Feng L, Ng TP, Chuah L, Niti M, Kua EH: Homocysteine, folate, and vitamin B-12 and cognitive performance in older Chinese adults: findings from the Singapore Longitudinal Ageing Study. The American Journal of Clinical Nutrition 2006; 84: 1506-1512
5) Homepage der DGE: Aus dem Bereich „Presse“: Maßnahmen zur Verbesserung der Folatversorgung in Deutschland, Artikel vom 07.11.2006. http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=670

Strategien zur Verbesserung der Folatversorgung in Deutschland

Fast alle Deutschen nehmen über die Nahrung zu wenig Folat
auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e V. (DGE) hat sich
deshalb mit anerkannten Wissenschaftlern kritisch mit Strategien
zu einer verbesserten Folatversorgung in Deutschland
auseinandergesetzt. Die Ergebnisse über den möglichen Nutzen
sowie eventuelle Risiken einer Folsäure-Anreicherung von
Grundlebensmitteln sind in einem Positionspapier der DGE
zusammengestellt. Dieses ist ab sofort im Internet unter
http://www.dge.de abrufbar.

Laut Ernährungsbericht 2004 liegt die Folatzufuhr unterhalb der
von der DGE empfohlenen Menge von 400 µg Folat-Äquivalenten. Im
Durchschnitt werden nur 55 % der D-A-CH-Referenzwerte erreicht.
Als Folat werden die in der Nahrung vorkommenden, natürlichen
Vitaminverbindungen bezeichnet. Davon abzugrenzen ist die
synthetisch hergestellte und in Nahrungsergänzungsmitteln sowie
Medikamenten enthaltene Folsäure. Das wasserlösliche B-Vitamin
hat wichtige Aufgaben bei der Zellteilung und Blutbildung. Ferner
werden Folat/Folsäure positive Wirkungen zur Prävention von
Neuralrohr-Fehlbildungen (offener Rücken) und
Herz-Kreislauf-Krankheiten zugesprochen. Zur Vorbeugung von
Neuralrohrdefekten sollen Frauen, die beabsichtigen, schwanger zu
werden, zusätzlich 400 µg Folsäure in Form von Supplementen
aufnehmen. Während der Schwangerschaft wird eine Zulage von 200
µg/Tag empfohlen, um den Folatbedarf des Feten zu decken.

Die geringe Bioverfügbarkeit von Folat aus der Nahrung (50 %)
sowie Zubereitungsverluste (35 %) erschweren es, die empfohlene
Zufuhrmenge zu erreichen. Dies ist nur über eine gezielte
Lebensmittelauswahl – reichlich Obst, Gemüse sowie
Vollkornprodukte – möglich. Die empfohle Folsäuremenge zur
Vorbeugung von Neuralrohrdefekten kann nur über entsprechend
angereicherte Lebensmittel bzw. über Supplemente erreicht werden.
Neben den erwarteten positiven Wirkungen einer Erhöhung der
Folataufnahme werden auch mögliche negative Wirkungen einer (zu)
hohen Folsäureaufnahme diskutiert.

http://www.dge.de