TEST Fischstäbchen

Die gute Nachricht: Fischstäbchen können Sie essen – die schlechte Nachricht: sie sind nicht gerade ein Diätlebensmittel

Ein aktueller Test des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST zeigt, dass in einigen Fischstäbchen zu viel eines Fettschadstoffs steckt. Positiv zu sehen ist jedoch, dass die Produkte wirklich praktisch grätenfrei sind und dass sich die Anbieter um nachhaltigen Fischfang und Transparenz bemühen.

Das von ÖKO-TEST beauftragte Labor entdeckte in fünf Produkten erhöhte Mengen von 3- MCPD-Estern. Dieser Fettschadstoff wandelt sich im Körper in einen anderen Stoff um, der in Tierversuchen die Nieren geschädigt und in hohen Dosen zur Bildung gutartiger Tumore geführt hat.

Ärgerlich ist zudem die Portionsangabe von Aldi Nord. Demnach liegt eine Portion bei 30 Gramm, was genau einem einzigen Fischstäbchen entspricht. Das soll darüber hinwegtäuschen, wie viel Kalorien eine Fischstäbchen-Mahlzeit aus vier Stück tatsächlich hat – nämlich rund 400 kcal, wenn die Fischstäbchen in der Pfanne in Fett zubereitet werden, und ohne Beilagen.

Erfreulicherweise arbeiten die Anbieter der Fischstäbchen an der Nachhaltigkeit der Produkte. Nachhaltiger Fischfang muss verbindliche Fangquoten haben, deren Einhaltung geprüft wird und die auf wissenschaftlichen Empfehlungen beruhen. Die Behörden müssen außerdem wissen, wer wie wo fischt, und sie müssen mit den Fischereien so gut zusammenarbeiten, dass sie bei Problemen eingreifen können und zum Beispiel Fangquoten senken oder Gebiete sperren. Die Hersteller der Fischstäbchen konnten nachweisen, dass es für die Fischereien ein
verlässliches Management gibt und dass daran gearbeitet wird, die Auswirkungen auf das Öko-System im Griff zu behalten.

Das ÖKO-TEST-Magazin Oktober 2012 gibt im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

Greenpeace testet Fisch-Sortiment österreichischer Supermärkte

Greenpeace testet Fisch-Sortiment österreichischer Supermärkte

In welchen Supermärkten und Diskontern kann man Weihnachtsfisch
kaufen?

In Bezug auf die Nachhaltigkeit ihres Fischsortiments
unterscheiden sich Österreichs Supermärkte und Diskonter deutlich von
einander. Das ist das Ergebnis intensiver Greenpeace-Recherchen nach
Fischen und Meeresfrüchten in den Regalen und Tiefkühltruhen der
heimischen Supermarkt-Filialen.

Untersucht wurde, welche der von Greenpeace als nicht nachhaltig
beurteilten Fischarten im jeweiligen Sortiment erhältlich sind. Die
Umweltorganisation rät Konsumenten, diese „Roten Fische“ nicht nur
beim Einkauf vor Weihnachten zu meiden. Die heute veröffentlichte
Greenpeace-Zusammenstellung soll dabei eine nützliche
Entscheidungshilfe sein.

Recht gute Chancen, gefährdete Fischarten oder zerstörerische
Fangmethoden zu meiden, hat der heimische Konsument in den
Diskontmärkten. Doch auch da zeigen sich große Unterschiede: Während
Lidl nur drei der insgesamt elf kritischen Arten führt
(Alaska-Seelachs, Atlantischer Lachs, Alaska-Heilbutt) und auch Hofer
mit fünf „roten“ Fischarten einen guten Standard hält, finden sich
bei Zielpunkt bereits acht nicht nachhaltige Fischarten. Das
Schlusslicht im Ranking eines nachhaltigen Fische-Sortiments bilden
die ADEG-Märkte sowie die beiden österreichischen Marktführer REWE
(Billa, Merkur, Penny) und SPAR (Spar, Eurospar, Interspar,
Maximarkt) – die jeweils alle elf „roten“ Arten des Greenpeace
Fisch-Einkaufsratgebers anbieten.

Enttäuscht reagiert die Umweltschutzorganisation vor allem darauf,
dass frühere Versprechungen, bestimmte Nachhaltigkeitskriterien zu
beachten, inzwischen nicht mehr eingehalten werden. So findet sich
bei ADEG und REWE wieder Neuseeländischer St. Petersfisch in den
Filialen – eine empfindliche Tiefsee-Fischart, die über hundert Jahre
alt werden kann. Ähnliche Rückschritte deckt Greenpeace auch in Bezug
auf Thunfisch-Produkte auf: So hatte SPAR im November 2006 zugesagt,
nur mehr „Skipjack“-Thunfisch zu führen. Dennoch fand man bei den
aktuellen Greenpeace-Recherchen, die zwischen Juni und Dezember 2008
in allen heimischen Lebensmittelketten stattfanden, auch
Gelbflossen-Thunfisch (Heller Tunfisch). Alle Gelbflossen-Vorkommen
werden, wie viele andere Thunfisch-Arten auch, überfischt und
vorwiegend mit unselektiven Methoden gefangen, die zahlreiche andere
Meerestiere ebenfalls töten.

Eine Greenpeace-Untersuchung der Fischprodukte im österreichischen
Lebensmittelhandel fand zuletzt im November 2006 statt. „Anscheinend
ist bei einigen Unternehmen nicht allein der Fisch, sondern auch
deren Einkaufspolitik nicht nachhaltig“, stellt
Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms fest. Sie kündigt weiters an,
dass die Umweltorganisation ihre Info-Kampagne zum Thema Fische und
Meeresfrüchte im kommenden Jahr intensivieren und gleich im Jänner
2009 die Einkaufspraxis aller großen österreichischen
Lebensmittelunternehmen für Fische und Meeresfrüchte unter die Lupe
nehmen wird.

Morgen werden zudem die Fischerei-Minister der Europäischen Union
die Fangquoten für 2009 bekannt geben. Greenpeace ruft alle
EU-Regierungen zu einer grundlegenden Reform ihrer Fischerei-Politik
auf: „Wer Fischbestände schützen will, muss die Empfehlungen der
Wissenschaft umsetzen und darf zum Beispiel keine Kabeljau-Quote für
die Nordsee mehr zulassen. Bei der Senkung von Fangquoten geht es uns
nicht um eine Bestrafung der Fischer – im Gegenteil, es ist eine
dringend notwendige Maßnahme, um den Kollaps der Fischerei in naher
Zukunft zu verhindern“, mahnt Antje Helms von Greenpeace.

Fisch in Teufels Küche

Fisch in Teufels Küche. WWF-Bericht deckt den zerstörerischen Hintergrund beliebter Fischgerichte auf.

Rotbarsch mit Korallenpüree, Kahlschlag-Shrimps, Seezunge mit Schollenmüll, „Die letzten ihrer Art“ oder Armuts-Paella – so müssten typische Fischgerichte benannt werden, wenn man die ökologischen Kosten der Fischerei schon am Namen erkennen wollte. Dies geht aus dem gestrigen veröffentlichten WWF-Bericht „Fisch in Teufels Küche“ hervor. „Viele Fischereien plündern und zerstören die Meere. Unser Bericht zeigt, was auf dem Teller nicht sichtbar ist“, so WWF-Expertin Heike Vesper.

16,4 Kilogramm Fisch genießt jeder Deutsche im Jahr. Doch längst nicht jeder Fisch wird umweltverträglich gefangen. Weltweit gelten mehr als drei Viertel der Bestände als bis an ihre Grenzen ausgebeutet oder überfischt. Der WWF fordert die Verbraucher auf, beim Weihnachtseinkauf bevorzugt Fisch mit dem blauen Ökosiegel des „Marine Stewardship Council“ (MSC) zu kaufen. Über 300 Produkte mit dem MSC-Siegel sind bereits erhältlich.

Verbraucher sollten laut WWF zum Beispiel auf Rotbarsch verzichten, dessen Bestand stark bedroht ist. Beim Fang dieses Tiefseefisches werden zudem Jahrtausende alte Kaltwasserkorallen zerstört. Tonnenschwere Grundschleppnetze zermalmen den wertvollen Lebensraum zu „Korallenpüree“. Der WWF fordert, die Tiefsee-Fischerei komplett einzustellen.

Eine schlechte Öko-Bilanz haben auch tropische Shrimps. Für die Zuchtanlagen von „Kahlschlag-Shrimps“ wurden an der südamerikanischen Pazifikküste hunderte Kilometer Mangrovenwälder abgeholzt. Beim Fang auf Jungtiere, mit denen die Aquakultur bestückt wird, gehen pro Krabbe etwa einhundert weitere Fische in die engmaschigen Netze. Keine andere Fischerei produziert mehr Beifang.

Auch in der Nordsee sind die Nebenwirkungen der Fischerei enorm. „Wer Scholle, Seezunge oder Krabben isst, muss sich klar sein, dass in den Netzen ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet“, erläutert WWF-Expertin Vesper. So gehen zum Beispiel pro Kilo Seezunge auf dem Teller bis zu sechs Kilo Babyschollen wie Müll wieder über Bord. Und der arg dezimierte Kabeljaubestand leidet nicht nur unter den seit Jahren zu hohen Fangquoten der EU. Zusätzlich wird fast die Hälfte der Kabeljaumenge, die den Trawlern ins Netz geht, wieder weggeschmissen.

Der Dornhai steht am Rand des Aussterbens. Ein Grund ist der Konsum von Schillerlocken, die aus dem kleinen Hai gewonnen werden. Die Fangmenge in der Nordsee ist aufgrund der massiven Ausbeutung seit Ende 1970er Jahre um 96 Prozent zurückgegangen. Ähnlich dramatische Folgen hat die Plünderung des Europäischen Aals. „Wer heute Aal oder Dornhai kauft, vergreift sich an den letzten ihrer Art“, so Vesper.

85 Prozent des in Deutschland verzehrten Fisches wird importiert. Auf einer „Armuts-Paella“ finden sich typische Importfische wie Tunfisch, Tintenfisch, Sardine oder Makrele. Sie stammen beispielsweise aus westafrikanischen Gewässern, wo die Fangflotten der Industriestaaten die Meere auf Kosten der einheimischen Bevölkerung ausbeuten. „Unser Hunger nach Fisch nimmt den Armen die wichtigste Nahrungsquelle“, kritisiert die WWF-Expertin.

„Wir sind noch weit von einer Lösung der Fischerei- und Umweltkrise in unseren Meeren entfernt“, bilanziert Heike Vesper. Als wichtigste Gründe für die Missstände nennt sie fehlende Kontrollen, zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fanggeräte und fehlende Schutzgebiete.

Ende dieser Woche entscheiden die EU-Fischereiminister in Brüssel über die Fangquoten in der Nordsee und im Nordostatlantik. Dabei könnte erstmals beschlossen werden, dass Trawler marktfähigen Fisch aus der Nordsee nicht mehr über Bord werfen dürfen, um sie durch profitablere Fänge zu ersetzen. Das wäre laut WWF ein erster Schritt, um die skandalöse Verschwendung in der Nordsee einzudämmen. Ziel müsse aber ein umfassendes Rückwurf-Verbot für alle EU-Gewässer sein, so die Umweltschützer.

Ostseedorsch

Wissenschaftler empfehlen deutliche Senkung der Fangquoten für den
Ostseedorsch – Biodiversität und Fischerei-Industrie gefährdet, wenn
Minister den Empfehlungen nicht endlich folgen

Anlässlich der heute veröffentlichten Empfehlung
des ICES (International Council for the Exploration of the Seas) für
Fischereiquoten fordert die Umweltstiftung Baltic Sea 2020
Agrarminister Horst Seehofer und seine europäischen Kollegen auf, der
eklatanten Überfischung der Dorschbestände in der Ostsee zügig ein
Ende zu setzen. „Die Politik muss jetzt reagieren und die
wissenschaftlichen Empfehlung des ICES endlich zur Grundlage der
Festlegung von Fangquoten in der EU machen. Andernfalls sind die
Biodiversität und Fischerei-Industrie in der Ostsee stark gefährdet“,
erklärte Katarina Veem, Geschäftsführerin der Stiftung.

„Niedrigere Quoten sind die Bedingung dafür, dass sich die
Dorschbestände in der Ostsee überhaupt erholen können“, sagte Veem
weiter. „Nur wenn der Bestand wieder wachsen kann, wird es auch eine
Zukunft für die Fischerei-Industrie an der Ostsee geben.“
Wissenschaftliche Studien belegen eindeutig, dass der Dorsch eine
wichtige Rolle für den Erhalt der Biodiversität in der Ostsee spielt.
Sein Verschwinden hätte gravierende Konsequenzen für das gesamte
Ökosystem. Durch den Klimawandel verstärkt sich diese negative
Entwicklung zusätzlich: Prognosen zeigen, dass sich die Ostsee
wesentlich schneller erwärmen wird als andere Meere. Zunehmende
Algenblüten sind ein weiteres Problem, das Wissenschaftler im
Zusammenhang mit dem Einbrechen der Dorschbestände mit Sorge
beobachten. Das zunehmende Algenwachstum gefährdet auch den wichtigen
Tourismussektor in der gesamten Region.

In der heutigen Empfehlung fordert der ICES erneut eine Reduktion
der Quoten. So soll die Fangmenge in der westlichen Ostsee
beispielsweise von 19.200 t im Jahr 2008 auf 13.700 t im nächsten
Jahr sinken. Die ICES Quoten-Empfehlung dient der EU-Kommission als
Grundlage für ihren Vorschlag für Fangquoten im darauf folgenden
Jahr. Die endgültige Entscheidung hierüber wird beim Treffen des
EU-Agrarministerrats getroffen. Für Deutschland nimmt Minister Horst
Seehofer daran teil. Trotz des alarmierenden Rückgangs der
Dorschbestände beschließt der Ministerrat seit Jahren Quoten, die
erheblich über die wissenschaftlichen Fangempfehlungen hinausgehen
und kontinuierlich zu einer weiteren Bestandsabnahme führen.

„Das Ziel der Stiftung Baltic Sea 2020 ist deshalb auch eine
Reform der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik“, erläutert
Veem. „Wir werden in den nächsten Jahren darauf hinarbeiten, dass in
der Politik diesbezüglich ein Umdenken stattfindet. Dieses Jahr muss
der Fokus aber darauf liegen, die Fangquote deutlich zu reduzieren,
damit das Ökosystem in der Ostsee nicht noch weiter aus den Fugen
gerät.“

Hintergrund: Das Ziel von Baltic Sea 2020 ist die Förderung einer
kreativen, interdisziplinären und internationalen Zusammenarbeit bei
einer Reihe von Tätigkeitsfeldern. Hieraus enstehende politische,
wirtschaftliche und technische Maßnahmen sollen zu einer Verbesserung
der Umweltbedingungen in der Ostsee innerhalb der nächsten 10-15
Jahre beitragen. Die Stiftung Baltic Sea 2020 wurde im Herbst 2005
nach einer privaten Spende des schwedischen Stifters Björn Carlson
ins Leben gerufen.

"Guter Fisch, schlechter Fisch" – Supermärkte im Vergleich

Greenpeace: Supermärkte und Discounter reagieren auf Fischereikrise

Die meisten deutschen Supermärkte und Discounter reagieren auf die Überfischung der Meere. Der Handel geht die ersten Schritte zu einem nachhaltigen und transparenten Einkauf von Fisch und anderen Meeresfrüchten. Das ist das Ergebnis einer heute veröffentlichen Untersuchung von Greenpeace. Angesichts des katastrophalen Zustands der weltweiten Fischbestände fordert Greenpeace neben der Politik auch den Lebensmittelhandel auf, seine Verantwortung für eine nachhaltige Nutzung der Meere wahrzunehmen.

Die Nase vorn haben in der Untersuchung Norma und Kaufland, gefolgt von Metro, Rewe und Lidl. Noch knapp im Mittelfeld: Edeka, Netto und Tengelmann. Schlusslicht ist die Unternehmensgruppe Bünting. Keiner der befragten Supermärkte erreichte jedoch eine „grüne“ Bewertung und somit einen guten Standard beim Fisch-Einkauf. Zwar haben viele der Unternehmen Kriterien für „nachhaltig“ gefangenen Fisch, diese sind jedoch oft weder schriftlich noch öffentlich verfügbar. Auch mangelt es meistens bei der praktischen Umsetzung der Prinzipien und bei der Transparenz für den Kunden.

„Es ist erfreulich, dass die Supermärkte in Deutschland auf die Überfischung der Meere reagieren und ihr Angebot ändern wollen“, sagt Dr. Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. „Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass wir in den Regalen der Supermärkte immer noch Kabeljau, Scholle und Rotbarsch gefunden haben. Diese Fischarten gehören nicht auf den Teller, da ihre Bestände bedroht sind. Wir fordern die Supermärkte auf, ihr Fischangebot wesentlich entschiedener umzustellen.“

Greenpeace hat für die Untersuchung in den vergangenen sechs Monaten elf deutsche Handelsketten unter die Lupe genommen. Mit Fragebogen und in persönlichen Gesprächen wurden die Nachhaltigkeit, die Transparenz sowie die Rückverfolgbarkeit beim Fischeinkauf abgefragt. Zudem wurde das Fisch-Sortiment in den Filialen stichprobenartig erfasst und öffentliche Angaben der Unternehmen überprüft.
„Wir werden genau verfolgen, ob die Supermärkte eine nachhaltige Einkaufspolitik umsetzen werden und ihre Versprechen einhalten. Jeder, der in Zukunft noch Fisch verkaufen will, muss jetzt handeln“, sagt Menn.

Für den Erhalt der Fischbestände müsste die Politik ein nachhaltiges Fischereimanagement durchsetzen und großflächige Meeresschutzgebiete einrichten. Seit Montag tagen die Fischereiminister der EU in Brüssel, um die Fangquoten für 2008 zu beschließen. Wie zu befürchten war, sind die wissenschaftlichen Empfehlungen für niedrigere Fangquoten und die Vorschläge der Europäischen Kommission wie schon in den vergangenen Jahren ignoriert worden. Vor allem beim Kabeljau sind die Fangquoten abermals viel zu hoch angesetzt worden. Die Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass weltweit 76 Prozent der kommerziell gehandelten Fischbestände maximal genutzt, überfischt oder bereits zusammengebrochen sind.

Nächster Akt der Tunfisch-Tragödie

WWF kritisiert hohe Fangquote für Roten Tun und fürchtet Kollaps der Bestände

Der WWF kritisiert die anhaltend hohe Fangquote für den stark
bedrohten Roten Tunfisch. Etwa 29.500 Tonnen des begehrten
Speisefisches dürfen in der kommenden Saison im Mittelmeer und im
Ost-Atlantik gefangen werden. Damit liegt die Quote für 2008 genauso
hoch wie in diesem Jahr. Dies hatten die 45 Staaten der der
Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs (ICCAT) bei ihrer am
Sonntag beendeten zehntägigen Konferenz in Antalya bestätigt. Der WWF
fordert hingegen ein mindestens dreijähriges Fangverbot für den Roten
Tunfisch. Auch die ICCAT eigenen Wissenschaftler warnen vor dem
Zusammenbruch der Fischbestände.

„Dies ist ein neuer Akt in einer seit Jahren andauernden Tragödie,
an deren Ende der Kollaps des Roten Tunfisch stehen könnte. Die
Konferenz glänzte durch Inkompetenz. ICCAT ist unfähig, ein
nachhaltiges Fischerei-Management zu etablieren“, erklärte Dr. Sergi
Tudela vom WWF-Mittelmeerprogramm am Rande des Treffens in Antalya.

Neben den seit Jahren zu hohen Fangquoten setzt vor allem die
illegale Fischerei dem Roten Tunfisch zu. Eine entscheidende Rolle
spielt dabei die EU-Flotte, allen voran Spanien, Frankreich und
Italien. Die EU hatte die Fangflotten im September wegen der
Überschreitung der Quoten gestoppt. Schätzungen gehen davon aus, dass
die tatsächliche Fangemenge aller Staaten bei über 50.000 Tonnen im
Jahr liegt.

Einen Hoffnungsschimmer sieht der WWF in dem Beschluss, die Fänge
künftig besser zu dokumentieren und ihren Weg vom Schiff bis in den
Supermarkt zu verfolgen. So soll die illegale Fischerei eingedämmt
werden. Allerdings fürchten die Umweltschützer, dass diese Maßnahme
zu spät kommt.

Roter Tunfisch (auch Atlantischer, Großer oder Blauflossen Tun
genannt) ist vor allem in Japan, aber auch in europäischen Ländern
ein beliebter Speisefisch für Sushi-Gerichte. Der Druck auf die
Vorkommen des wertvollen Fisches nimmt seit Jahren zu. Weltweit gehen
Wissenschaftler von einem Rückgang der Tunfischbestände um etwa 90
Prozent aus.

Kaviar: Geringe Fangquoten für Störe freigegeben

Die Vereinten Nationen haben die Exportsperre für Kaviar aus der Region um das Kaspische Meer aufgehoben. In diesem Jahr dürfen geringe Mengen der Delikatesse ausgeführt werden, obwohl die Bestände der Störe weiter sinken. Ziel ist es, den Handel auf ein tragfähiges Maß zu reduzieren.

Der Beluga-Stör ist besonders gefährdet. Daher haben die bedeutenden Lieferländer Aserbaidschan, Kasachstan, Iran, Russland und Turkmenistan zugestimmt, die Fangquoten um 29 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu senken. Im vergangenen Jahr war der Export vollkommen untersagt worden. Nun dürfen knapp 3,8 Kilogramm der teuersten Kaviarsorte gehandelt werden.

Auch die gesalzenen Eier des Amur- und Kaluga-Störs sind begehrt, von denen 3,2 beziehungsweise 4,2 Kilogramm ins Ausland verkauft werden dürfen. Die betroffenen Staaten haben umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Störbestände zugesichert.

Zudem soll der Konsum von Kaviar im In- und Ausland verstärkt kontrolliert werden. Ein spezielles Etikett des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen von 1975 (CITES) bescheinigt die legale Herkunft des Luxusprodukts.

Quelle: Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES), Pressemeldung vom 5. Februar 2007