Industrieverband Agrar beendet Streit um Kochsalzvergleich

Industrieverband Agrar beendet Streit um Kochsalzvergleich
„Der politische Diskurs muss weiter geführt werden“

Das Landgericht Hamburg untersagt dem IVA zu behaupten, dass nach den Maßstäben von Greenpeace Kochsalz verboten werden müsste, weil es in hoher Dosierung tödlich wirken kann. Das Gericht entsprach damit einem Antrag der Umweltorganisation. Mit dem plakativen Vergleich hatte der Verband das Vorgehen von Greenpeace bei der Beurteilung von Pflanzenschutzwirkstoffen in der Publikation „The Dirty Portfolios of the Pesticides Industry kritisiert.

Der Verband akzeptiert die einstweilige Verfügung und hat die Pressemitteilung mit dem Kochsalzvergleich von seiner Homepage entfernt. „In der sachlichen Auseinandersetzung kommt es nicht auf dieses Einzelbeispiel an“, erklärt dazu der Hauptgeschäftsführer des IVA, Volker Koch-Achelpöhler. „Wir kritisieren ganz allgemein die Willkür, mit der Greenpeace Wirkstoffe nach eigenem Strickmuster bewertet.“ Viele Substanzen würden von der Umweltorganisation als gefährlich gebrandmarkt, die in der Praxis sicher eingesetzt werden. „Alle in Europa verwendeten Pflanzenschutzmittel werden in einem der strengsten Zulassungsverfahren der Welt von unabhängigen Behörden geprüft. Erst dann dürfen sie auf den Markt gebracht werden“, erläutert der Verbandschef.

Auf chemischen Pflanzenschutz zu verzichten würde bedeuten, auf Ernteerträge und Wohlstand zu verzichten. „Ob der Zugewinn an gefühlter Sicherheit uns das wert sein sollte, muss man diskutieren. Diesem politischen Diskurs stellen wir uns gerne“, so Koch-Achelpöhler.

Ethik des Essens

Ein merkwürdiges Schweigen herrscht in der Gegenwartsphilosophie gegenüber dem Essen. Und dies, obwohl viele Zukunftsfragen und ethische Probleme unmittelbar mit den globalen Ernährungsverhältnissen zusammenhängen und deren erforderliche Lösung davon abhängt, wie gut wir uns ernähren.Das Problem dieser Sprachlosigkeit wird im vorliegenden Buch erstmals in ihre theoretischen Hintergründe zurückverfolgt. Denn anders als heutzutage haben sich in der Vergangenheit viele Philosophen intensiv mit den moraltheoretischen Fragen eines guten Essens beschäftigt. Die theoriegeschichtliche Rekonstruktion dieses Ernährungsdiskurseszeigt auf, wie weit reichend und umfassend auch das tägliche Essen die menschliche Welt erzeugt.Um die großen Zusammenhänge dieser in Vergessenheit geratenen Philosophie des Welt-Essens in den Blick zu bekommen, werden die zwei Theoriestränge eines diätmoralischen und eines gastrosophischen Denkens herausgearbeitet. Während der diätmoralische Diskurs die menschliche Ess-istenz zugunsten eines rein geistigen Glücks entwertet und die Moral einer vernunftlosen Ernährung lehrt, vergewissert sich das gastrosophische Denken mit der Ethik eines guten Essens der alltäglichen Möglichkeit einer vernünftigen Lebenspraxis. Die programmatische Gegenüberstellung dieser unterschiedlichen Philosophien der Ernährung und ihren jeweiligen Tugendlehren ist einem genuinen Ziel der praktischen Philosophie verpflichtet: Sie dient kritisch-theoretisch der normativen Begründung einer besseren Praxis nicht nur des Essens.

Ethik des Essens. Eine Einführung in die Gastrosophie von Harald Lemke
Verlag: Akademie Verlag
ISBN-13: 978-3050043012

Kochbuch

Koch-Shows im Fernsehen, Gammelfleisch im Kühlfach

Die Dialektik der kulinarischen Katastrophe

Wie geht das zusammen? Einerseits: Da jagt ein Lebensmittelskandal den anderen, die „Systemgastronomie“ zaubert aus den immer gleichen vorgefertigten Zutaten ihre Einheitsgerichte, von den Krankmachern im Fast Food und den Kühlregal-Fertiggerichten warnen die Ärzte seit geraumer Zeit und in einem Film wie Supersize me kann man einem mutigen Regisseur zusehen, wie er sich mit Hamburgern an den Rand des psychischen und physischen Zusammenbruchs „ernährt“. Es ist, sagt der schwäbische Koch-Philosoph Vincent Kling, eine Art „Selbsthass“, der sich in der kulinarischen Katastrophe offenbart. Ein Teil der Gesellschaft begeht kulturellen und körperlichen Selbstmord mit Tüten, Dosen und Plastikbechern, und ein unbarmherziger Markt tut alles, um diesen Vorgang zu beschleunigen.

Anders als man meinen mag, ist das nicht wirklich ein Problem des Geldbeutels: Es ist vor allem eine Frage des (Selbst-)Bewusstseins. Dass man eine schlechte Fertigmahlzeit mit Phantasienamen und Geschmacksverstärkern einer guten Kartoffel mit Kräutern vorzieht, hat kulturpsychologische Gründe. Mit Geschmack hat es jedenfalls nichts zu tun. Das Essen als „Sprache“ ist verwahrlost; Image und Werbung, Konvention und Alltagstrott sind offenbar weit wichtiger geworden als Geschmack, Lust und Interesse am kulinarischen Diskurs. Die Produzenten und die Konsumenten schieben sich dabei gegenseitig die Schuld zu. Die wollen das doch so! Wir kriegen ja nichts anderes!

Andererseits: Kochshows auf allen Kanälen, Prominente und Leute wie du und ich, Drei-Sterne-Köche und Freaks, Gruppen und Einzelkämpfer, Familien und Cliquen, Schauspieler und Philosophen – alles kocht um die Wette, solange eine Kamera in der Nähe ist. Es scheint die netteste Art, sich wichtig zu machen und dummes Zeug zu reden. Und ist es nicht ein Akt der Selbstzivilisierung in unseren Medien, wenn man kocht, statt sich zu beschimpfen oder in Dschungelcamps von Spinnen bekrabbeln zu lassen? Vielleicht geht es ja gar nicht mehr so sehr um Traditionen und Geschmäcker als vielmehr um einen verzweifelten Versuch der Selbstzivilisierung. Die Kochshows pflegen in den populärsten Beispielen wie Tim Mälzers Schmeckt nicht, gibt´s nicht einen bewussten „Proll-Appeal“; Bild und Begriff im kulinarischen Diskurs haben sich dem allgemeinen Trend zur Regression unterworfen. Kindisch ist nicht nur die Show und der imaginäre Adressat, kindisch ist das Verhältnis von Subjekt, Objekt und Bearbeitung.

Die meisten Stars und Gäste solcher Shows haben von gutem Essen und seiner Geschichte keine Ahnung. Was sie demonstrieren, das ist nichts anderes als eine biedermeierliche Rückführung dessen, was auch in Schmuddel-Talkshows, Containern und Quizspielen geschieht: Das Herabstufen, Entkomplizieren, Verkindlichen und Verbreiten. Aus den Fernsehshows werden Bücher und Zeitschriften, die Rezeptflut setzt sich im Internet fort, man redet scheint´s in den Mediennetzen über nichts anderes so gern und ausgiebig wie übers Essen. Vielleicht weil Sex schon weiter entwertet ist als Essen.

Es ist ein durchaus populärer Diskurs geworden. Am erfolgreichsten sind jene Inszenierungen, die dem normalen Menschen die Scheu vor Luxus und Sitten nehmen wollen: Gutes Essen soll nicht den Feinschmecker-Zirkeln mit den snobistischen Manieren und der Bereitschaft, ein Vermögen zu investieren, überlassen werden. Und eine Wissenschaft muss man aus dem kulinarischen Diskurs auch nicht machen. Man kann auf eine Demokratisierung von kulinarischem Wissen hoffen, bei aller Reduktion, immerhin. Schön für uns.

Lesen Sie den (sehr langen) Artikel weiter auf:
http://www.freitag.de/2006/46/06462101.php

The New Yorker Festival

Beim „The New Yorker Festival“ vom 6. bis 8-. Oktober wird ein öffentlicher Diskurs über Kunst und Ideen geführt. Im Rahmen des dreitägigen Festivals werden Lesungen und Buchsignierungen (u. a. mit Gary Shteyngart, Monica Ali, Nora Ephron, David Remnick und T. Coraghessan Boyle), Konzerte, Interviews (u. a. mit Zeichentrickkünstler, Schachgenie Garry Kasparov und Regisseur Pedro Almodóvar), Debatten (u. a. mit den Musikern P.J. Harvey und The New Pornographers), den Schauspielern Edward Norton und Lorraine Bracco, Designer Zac Posen sowie den Regisseuren Paul Haggis, Milos Forman und Harold Ramis), Ausflüge und sogar Parties (mit Musik-Kritiker Sasha Frere-Jones und Gast-DJ Michael Mayer) veranstaltet.

Das Magazin The New Yorker ist einer der angesehensten Publikationen auf dem US-Zeitschriftenmarkt. Nur die besten Journalisten schreiben für den New Yorker, der seit 1925 bekannt ist für seine Reportagen, Short Stories, Gedichte, Kritiken, Essays, Cartoons und Kommentare über die amerikanische Populärkultur.Quelle:newyork.de