Hotellerie mahnt mehr Fairness von Buchungsportalen an

Während die Online-Distribution für die Hotellerie in ganz Europa stark an Bedeutung zunimmt, beobachtet der europäische Branchendachverband HOTREC mit Sorge eine immer marktbeherrschendere Dominanz einiger weniger Online-Buchungsportale. Die Zahl der relevanten Online-Buchungsportale (Online Travel Agents – OTA) nimmt tendenziell ab und der Einfluss einzelner Buchungsmittler auf die zugrundeliegenden Geschäftsbedingungen stark zu. Aus diesem Grund hat die 62. Generalversammlung von HOTREC in Zürich ein Positionspapier mit 20 „Eckpunkten fairen Verhaltens von Hotel-Buchungsportalen“ aus Sicht der Hotellerie verabschiedet, um ein allgemeines Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen und der Stimme der durch und durch mittelständisch strukturierten Branche in dieser Debatte Gehör zu verschaffen.

„Mitunter greifen im Internet Wild-West-Methoden des Marketings um sich, die mit Preisklarheit und -wahrheit, aber auch mit partnerschaftlicher Fairness nichts mehr zu tun haben. Hotels in ganz Europa sind besorgt, mehr und mehr die Kontrolle über ihre Preise, Vertriebskanäle und Produkte zu verlieren“, erläutert HOTREC-Präsident Kent Nyström. „Es ist schon bezeichnend, dass die Hotellerie es als Reaktion auf steigenden Druck seitens ihrer Vertriebspartner für notwendig erachtet, Grundprinzipien ihrer unternehmerischen Entscheidungsfreiheit in Erinnerung zu rufen.“

Die überwiegend kleinteilig strukturierten Beherbergungsmärkte in Europa sehen sich auf dem Gebiet der digitalen Distribution mit Marktverhalten konfrontiert, das mehr und mehr Hoteliers für unausgeglichen und unfair erachten. Um die Märkte zum Nutzen der Gäste, der Vertriebspartner und der Hotellerie offen und wettbewerbsfähig zu halten, hat HOTREC ein Positionspapier mit den folgenden 20 „Eckpunkten fairen Verhaltens von Hotel-Buchungsportalen“ verabschiedet:

1. Raten-, Vertriebs- und Produkthoheit verbleibt beim Hotel

2. Keine ungenehmigte Nutzung von Hotelmarken z.B. für Suchmaschinenmarketing (SEM), Domainnamen (Grabbing) und andere Formen des Online-Marketings

3. Zumindest monatliche Aktualisierung von Bildern, Logos, Inhalten, Hotelnamen und Beschreibungen, die seitens des Hotels zur Verfügung gestellt werden

4. Kein verpflichtender Zugriff auf sämtliche Hotel-Angebote (kein „full content“)

5. Keine Mindestverfügbarkeit oder „Verfügbarkeit des letzten Zimmers“
(Last Room Availability – LRA)

6. Keine verpflichtende Verfügbarkeitsparität

7. Keine verpflichtende Ratenparität

8. Keine intransparenten Auktionsmodelle mit Einfluss auf die Positionierung in den Ergebnislisten der Hotel-Buchungsportale („Biasing“)

9. Keine automatische Wiederauffüllung von Zimmerkontingenten jenseits der Kontrolle durch das Hotel („Auto-Replenishment“)

10. Preisklarheit und -wahrheit beim Suchmaschinenmarketing (SEM)

11. Keine Einflussnahme auf Hotelprodukte durch unautorisierte Darstellung auf Auktionsportalen (z.B. Katalogkopien)

12. Angemessene Reaktionszeit für monatliche Überprüfung der „No-Shows“ und Stornierungen

13. Keine Provisionszahlungen für „No-Shows“, stornierte Buchungen, Steuern oder nicht im Voraus gebuchte Leistungen

14. Meta-Suchmaschinen sollten Hotel-Homepages einbeziehen und sie gleichberechtigt darstellen

15. Zusammenarbeit mit qualifizierten Channel-Management Systemen

16. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses muss über alle Vertriebskanäle eine verbindliche Einigung erzielt sein

17. Keine Veranstalter-Raten zur Paketierung („rooms only“) frei im Internet verfügbar

18. Sofern möglich wird die offizielle Sterneklassifizierung des Hotels angezeigt, eine Suchmöglichkeit nach Hotelsternen wird angeboten

19. Sofern Hotelbewertungen eingebunden werden, finden HOTREC’s „10 Prinzipien“ Anwendung

20. Bezeichnungen der Beherbergungskategorien entsprechen der Terminologienorm EN ISO 18513