Wie viel Energie braucht der Mensch?

DGE veröffentlicht neue Referenzwerte für die Energiezufuhr

Wie viele Kalorien bzw. Energie der Körper verbraucht, variiert von
Mensch zu Mensch und auch bei ein und demselben Menschen von Zeit zu Zeit
sehr. Die Referenzwerte für die Energiezufuhr sind daher Richtwerte, die
als Orientierung dienen und nicht unbedingt auf den Einzelnen zutreffen.

Ihre überarbeitete Ableitung erfolgte auf Basis von Berechnungsformeln und
aktuellen Referenzmaßen für Körpergewicht und -größe in Deutschland.
Für Erwachsene wird ein mittlerer Body Mass Index (BMI) von 22 zugrunde
gelegt, das entspricht einer täglichen Energiezufuhr von 2 300 kcal für
Männer und 1 800 kcal für Frauen im Alter von 25-50 Jahren bei geringer
körperlicher Aktivität. Verändert haben sich unter anderem die
Richtwerte für Schwangere.

In der Schwangerschaft brauchen Frauen zusätzlich Energie – jedoch nicht
von Anfang an. Schwangere müssen also nicht für Zwei essen. Ab dem 4.
Monat ist der Richtwert für die Energiezufuhr um 250 kcal pro Tag
erhöht. Das entspricht z. B. 1 Scheibe Vollkornbrot mit Margarine und
Käse. Ab dem 7. Monat erhöht sich der Richtwert um 500 kcal pro Tag.
Viele Schwangere sollten ihre Energiezufuhr trotzdem nur geringfügig bzw.
gar nicht erhöhen. Denn die Richtwerte für die zusätzliche Energiezufuhr
gelten nur für Schwangere mit Normalgewicht vor der Schwangerschaft, mit
einer wünschenswerten Gewichtsentwicklung (Körpergewichtszunahme von
12 kg bis zum Ende der Schwangerschaft) sowie mit unverminderter
körperlicher Aktivität. Bei übergewichtigen Frauen oder Frauen mit
eingeschränkter körperlicher Aktivität ist der Mehrbedarf an Energie
während der Schwangerschaft geringer. Bei ihnen muss die zusätzliche
Energiezufuhr individuell angepasst werden.

Diese und weitere praxisbezogene Fragen und Antworten zur Energiezufuhr hat
die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) in einem FAQ-Papier
zusammengefasst, das im Internet unter
http://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs zu finden ist.

Die wissenschaftliche Ausarbeitung zu den aktuellen Referenzwerten für die
Energiezufuhr ist in der 2. Auflage der „Referenzwerte für die
Nährstoffzufuhr“ veröffentlicht. Sie enthält auch die aktualisierten
Referenzwerte für die Zufuhr der Vitamine Thiamin, Riboflavin, Niacin,
Vitamin C und des Mineralstoffs Selen. Die neue Publikation ist als
Ringordner unter der Artikel-Nr. 120012 (ISBN 978-3-88749-242-7) für 35,00
EUR zzgl. Versandkosten beim DGE-MedienService,
http://www.dge-medienservice.de Tel.: 0228 9092626, Fax: 0228 9092610,
E-Mail: mailtoinfo@dge-medienservice.de, erhältlich.

Geistig fit im Alter durch Ernährung

Geistig fit im Alter durch Ernährung, Bewegung und geistige Aktivität

Geistig und körperlich fit bis ins hohe Alter zu bleiben, ist für die meisten Menschen der größte Wunsch. Dazu ist es wichtig, gesundheitliche Risiken zu vermeiden und sich gesundheitsförderlich zu verhalten.

Derzeit leiden in Deutschland nach Schätzungen etwa 1,1 bis 1,2 Millionen Menschen an Demenzerkrankungen. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl auf über 2 Millionen steigen, wenn keine wirksamen Möglichkeiten der Vorbeugung und Heilung gefunden werden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse helfen zu verstehen, welche Umstände und Risiken das Auftreten von Demenzerkrankungen begünstigen und welche Faktoren und Verhaltensweisen die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken reduzieren können.

Mit der neuen Broschüre „Geistig fit im Alter durch Ernährung, Bewegung und geistige Aktivität“ informiert das Bundesministerium für Gesundheit über die verschiedenen Formen der Demenz und die Präventionsmöglichkeiten. Dazu Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz: „Die meisten Menschen wissen, dass sie durch eine gesundheitsbewusste Lebensweise mit körperlicher Bewegung, ausgewogener Ernährung, Nichtrauchen und der Bewältigung von Stress der Entstehung von Krankheiten vorbeugen können. Noch nicht so verbreitet ist hingegen das Wissen, dass auch einer Alzheimer-Demenz zum Beispiel durch einen gesunden Lebensstil mit körperlicher Bewegung, gesunder Ernährung, geistiger Aktivität und sozialen Kontakten vorgebeugt werden kann. Dies ist umso wichtiger, da wir die genauen Ursachen und Entstehungsprozesse und damit auch heilende Behandlungsmöglichkeiten dieser Krankheit noch nicht kennen“.

Die Broschüre wurde von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Rheinischen Friedrich-Wilhlems-Universität, Siegmund-Freud-Straße 25, 53105 Bonn, Direktor Herr Professor Dr. med. Wolfgang Maier, erarbeitet und wird vom Bundesministerium für Gesundheit als Beitrag zum Nationalen Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ herausgegeben.

Sie erhalten die Broschüre kostenlos unter Angabe der Bestellnummer BMG-V-10002, Per E-Mail: publikationen@bundesregeierung.de, Telefonisch: 01805/ 77 80 90*, per Fax 01805/ 77 80 94*, Schriftlich: Publikationsversand der Bundesregierung Postfach 481009 18132 Rostock.

* Kostenpflichtig, 0,14 €/Min. aus dem deutschen Festnetz. Abweichende Preise aus den Mobilfunknetzen möglich.

Bewegen und gesund bleiben

Bewegen und gesund bleiben

Studien belegen präventive Effekte körperlicher Aktivität auf Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs

Ein körperlich aktiver Lebensstil kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, die häufigsten Todesursachen in Deutschland, senken. Dieser Zusammenhang ist durch viele Studien der letzten Jahrzehnte mit überzeugender Evidenz belegt. Weitere positive Effekte körperlicher Aktivität betreffen unter anderem das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Daher sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE): „Achten Sie auf Ihr Gewicht und bleiben Sie in Bewegung: Eine vollwertige und energieangepasste Ernährung und viel körperliche Bewegung und Sport (30 bis 60 Minuten pro Tag) gehören zusammen. Mit dem richtigen Körpergewicht fühlen Sie sich wohl und fördern Ihre Gesundheit.“ Diese Empfehlung ist eine der „10 Regeln der DGE“.

Um diese Regel umzusetzen und dem durch Bewegungsmangel geprägten Lebensstil entgegenzuwirken, sollten moderate körperliche Aktivitäten in den Alltag integriert werden. Regelmäßiges schnelles Gehen oder den Weg zur Arbeit zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen ist eine praktikable Maßnahme, die mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmte Krebserkrankungen verbunden ist. Generell gilt „je mehr Bewegung, desto besser“, doch Inaktive profitieren bereits, wenn sie ihre körperliche Aktivität moderat erhöhen. Dadurch können Krankheiten und Sterblichkeit sowie die Kosten für das Gesundheitswesen reduziert werden.

Chronische Darmentz?ndungen

An der Entstehung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind mehrere Hundert Gene beteiligt. Das haben Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) herausgefunden. Die Kieler Forscher um Professor Stefan Schreiber verglichen mithilfe von Hochdurchsatzverfahren die Aktivität von mehreren Zehntausend Genen in der Darmschleimhaut gesunder und erkrankter Menschen. Ergebnis: Bei Morbus Crohn sind 500, bei Colitis ulcerosa 272 Gene unterschiedlich reguliert. Für circa 40 Prozent dieser Gene war bisher nicht bekannt, dass sie bei chronischen Darmerkrankungen eine Rolle spielen. In Deutschland leiden schätzungsweise 300.000 Menschen an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
„Wir haben bei den meisten Genen festgestellt, dass sie im kranken Gewebe weniger aktiv sind. Dadurch können die Zellen der Darmschleimhaut viele Funktionen nicht mehr ausführen“, erklärt Schreiber, der das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt leitet. Bei Morbus Crohn-Patienten sind durchschnittlich 84 Prozent der identifizierten Gene in ihrer Aktivität herabgesetzt – bei Colitis ulcerosa-Patienten durchschnittlich 42 Prozent.

122 der gefundenen Gene spielen bei beiden Krankheiten eine Rolle. „Die Aktivität dieser Gene ist dann ohne Ausnahme bei beiden Krankheitsformen entweder erhöht oder verringert. Ein Gen, das zum Beispiel bei Morbus Crohn mehr Aktivität zeigt, aber bei Colitis ulcerosa weniger aktiv ist, konnten wir nicht finden“, so Schreiber weiter. Das spricht dafür, dass beiden Darmkrankheiten der gleiche Entzündungsprozess zugrunde liegt. Schreiber: „Kein Wunder, dass bei beiden Krankheiten oft dieselbe Therapie wirksam ist.“

Schreiber und seine Mitarbeiter ordneten die gefundenen Gene verschiedenen Gruppen zu. Demnach lösen viele der auffälligen Gene eine gestörte Immunantwort aus. Bei der Colitis ulcerosa sind außerdem häufig Gene betroffen, die für Zellwachstum und -vermehrung verantwortlich sind. Wenn diese grundlegenden zellulären Prozesse gestört sind, kann Krebs entstehen – eine Komplikation, die bei Colitis ulcerosa als Spätfolge häufig auftritt.

„Durch die Studie konnten wir tiefere Einblicke in die Krankheitsmechanismen chronisch entzündlicher Darmerkrankungen gewinnen“, erläutert Schreiber. „Damit eröffnen sich neue Angriffspunkte für Therapien. Im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Etablierung neuer wissenschaftlicher Ressourcen in Deutschland. Dies hat hier erneut zu einem international messbaren Erfolg bei der Aufklärung von Zivilisationskrankheiten geführt.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie werden am 23. August 2005 in der Fachzeitschrift PLoS Medicine unter www.plosmedicine.org veröffentlicht.