The 50 Best Bars 2026: Bar Leone aus Hongkong verteidigt den Titel – Keine Deutschen unter Top 100

Die Bar Leone in Hongkong ist erneut zur „World’s Best Bar“ gekürt worden. Bei der feierlichen Preisverleihung am Abend in Mailand behauptete das von Lorenzo Antinori mitbegründete Lokal seinen ersten Platz aus dem Vorjahr und verteidigte damit als erste Bar aus Asien überhaupt den Titel.

YUZU NEGRONI – BAR LEONE

The 50 Best Bars 2026

Die 18. Ausgabe der „The 50 Best Bars“ würdigte erneut die führenden Bars, Bartender und Marken der internationalen Cocktailszene.

Bar Leone: Römische Trattoria-Kultur in Hongkong

Die Bar Leone lässt sich von den traditionellen Bars im römischen Stadtteil Trastevere inspirieren und bringt ein Stück italienische Trinkkultur in das Central-Viertel von Hongkong. Statt Trends oder theatralischen Effekten zu folgen, setzt die Bar auf ihre Philosophie der Cocktail Popolari – übersetzt „Cocktails für das Volk“. Unkomplizierte Gastfreundschaft und makellos zubereitete Drinks stehen im Mittelpunkt. Das Design vereint italienische Vintage-Elemente mit einer einladenden Nachbarschaftsatmosphäre: Holzakzente, Fußball-Memorabilia und nostalgische Dekoration schaffen eine informelle Umgebung, die authentisch wirkt und zum Wiederkommen einlädt.

Gemeinsam mit seinem Team hat Antinori ein Drinks-Programm entwickelt, das auf exzellent ausgeführten Klassikern mit italienischen Einflüssen und hochwertigen Zutaten basiert. Signature-Drinks treffen auf beliebte Snacks wie geräucherte Oliven und ein Mortadella-Sandwich. Seit der Eröffnung 2023 ist der Aufstieg der Bar Leone bemerkenswert: 2024 debütierte sie auf Platz 1 der „Asia’s 50 Best Bars“, verteidigte 2025 die regionale Krone und wurde schließlich 2025 zur „World’s Best Bar“ gekürt – nach einem zweiten Platz im Jahr zuvor.

Die Top 5 im Überblick

Neben der Bar Leone komplettieren vier weitere Bars die Spitzengruppe:

  • Platz 2: Moebius Milano, Mailand – zugleich „The Best Bar in Europe 2026″,
  • Platz 3: Alquímico, Cartagena – „The Best Bar in South America“, zudem Gewinner des Michter’s Art of Hospitality Award
  • Platz 4: Bar Us, Bangkok
  • Platz 5: Line, Athen – ausgezeichnet mit dem Ketel One Sustainable Bar Award

Paris überholt London als Europas Cocktail-Hauptstadt

Ein bemerkenswerter Trend der diesjährigen Liste: Paris hat erstmals London als Europas am stärksten vertretene Cocktail-Destination überholt. Mit vier Bars – The Cambridge Public House (Nr. 13), Bar Nouveau (Nr. 15), dem Neueinsteiger De Vie (Nr. 23) und Danico (Nr. 26) – stellt die französische Hauptstadt fast ein Viertel der 18 europäischen Einträge. Paris teilt sich damit global den ersten Platz als Stadt mit den meisten Bars, gemeinsam mit Hongkong und New York.

London und Athen folgen mit jeweils drei Bars. In der britischen Hauptstadt rangieren die Connaught Bar (Nr. 8) und Satan’s Whiskers (Nr. 29), ergänzt durch den Neueinsteiger Waltz (Nr. 32). Athen ist mit Line (Nr. 5), The Bar in Front of the Bar (Nr. 19) – Gewinner des Nikka Highest Climber Award mit einem Sprung um 28 Plätze – und dem Newcomer Barro Negro (Nr. 40) vertreten.

Weitere europäische Highlights: Das Moebius Milano sichert sich den Titel „The Best Bar in Europe“, Locale Firenze liegt auf Nr. 33. In Spanien belegen Sips und Paradiso aus Barcelona die Plätze 16 und 17, wobei Paradiso mit dem Rémy Martin Legend of the List Award geehrt wurde. Madrid ist mit Angelita auf Nr. 50 vertreten. Aus dem restlichen Europa: Himkok in Oslo (Nr. 24), Mirror Bar in Bratislava (Nr. 34) und Nouvelle Vague in Tirana (Nr. 43).

New York führt den amerikanischen Kontinent an

New York demonstriert erneut die Tiefe seiner Cocktail-Szene und teilt sich mit vier Bars den ersten Platz als am stärksten vertretene Stadt. Der Neueinsteiger Schmuck – Gewinner des Three Cents Best New Opening Award – debütiert auf Nr. 11, gefolgt von Sip & Guzzle (Nr. 14), dem weiteren Newcomer Bar Snack (Nr. 49) und Martiny’s (Nr. 46). Takuma Watanabe, Mitbegründer und Beverage Director von Martiny’s, wurde bereits im Vorfeld zum Altos Bartenders‘ Bartender gekürt.

Mexiko-Stadt behauptet sich mit der Handshake Speakeasy (Nr. 6, „The Best Bar in North America“, gesponsert von Monkey Shoulder), Bar Mauro (Nr. 10, Disaronno Highest New Entry Award) und Tlecān (Nr. 47). El Gallo Altanero in Guadalajara kehrt auf Nr. 28 zurück.

In Südamerika wird Alquímico in Cartagena als „The Best Bar in South America“ auf Nr. 3 geführt. Medellín ist mit Mamba Negra (Nr. 22) und Bar Carmen (Nr. 39) vertreten. Lima glänzt mit Lady Bee (Nr. 9) und Sastrería Martinez (Nr. 37). São Paulo feiert mit Exímia (Nr. 20) und Tan Tan (Nr. 35) gleich zwei Platzierungen, Buenos Aires ist mit Tres Monos (Nr. 21) und dem Neueinsteiger Victor Audio Bar (Nr. 31) vertreten.

Hongkong dominiert Asien – Bangkok holt auf

Hongkong hat seinen Status als führende Cocktail-Stadt Asiens zurückerobert und platziert vier Bars in der Rangliste. Angeführt von der Bar Leone (Nr. 1) kehrt Argo auf Nr. 25 zurück, zudem feiern zwei Neueinsteiger ihr Debüt: Montana (Nr. 36) und Gokan (Nr. 41). Dessen Gründer Shingo Gokan wurde mit dem Roku Industry Icon Award geehrt. Hope & Sesame in Guangzhou belegt Nr. 12.

Bangkok bleibt mit drei Bars in den Top 50 dicht dahinter: Bar Us (Nr. 4), der Neueinsteiger Dry Wave Cocktail Studio (Nr. 27) und der BKK Social Club (Nr. 30). Seoul ist mit Zest (Nr. 7) vertreten. Singapur und Tokio platzieren jeweils zwei Bars: Jigger & Pony (Nr. 18), Nutmeg & Clove (Nr. 38), Bar Benfiddich (Nr. 44) und Virtù (Nr. 48).

Sonderpreise und Destinationstitel

Die diesjährige Preisverleihung ehrte zahlreiche Bars und Persönlichkeiten mit Sonderauszeichnungen:

  • Roku Industry Icon Award: Shingo Gokan – eine der prägendsten Figuren der modernen Cocktailkultur, Gründer von Speak Low (Shanghai), The SG Club (Tokio) und Sip & Guzzle (New York)
  • Campari One to Watch Award: Three Horses, Melbourne (Nr. 84 der erweiterten Liste)
  • Ketel One Sustainable Bar Award: Line, Athen – Nachhaltigkeit prägt das Konzept der Bar durch Fermentation, Kreislaufproduktion und Zero-Waste-Prinzipien
  • Disaronno Highest New Entry Award: Bar Mauro, Mexiko-Stadt (Nr. 10)
  • Nikka Highest Climber Award: The Bar in Front of the Bar, Athen (Nr. 19, +28 Plätze)
  • Rémy Martin Legend of the List: Paradiso, Barcelona – seit 2015 eine der prägendsten Bars der modernen Cocktailkultur, 2022 zur „World’s Best Bar“ gekürt
  • Three Cents Best New Opening Award: Schmuck, New York (Nr. 11)
  • The 50 Best Bars Scholarship: Isa Mejia aus Ecuador – absolviert Praktika bei Line (Athen) und Tres Monos (Buenos Aires)
  • Siete Misterios Best Cocktail Menu Award: Panda & Sons, Edinburgh – für das Menü „Transcend“
  • SevenRooms Best Bar Design Award: Saikindō, Abu Dhabi – eine theatralische Neuinterpretation der japanischen Listening Bar
  • Altos Bartenders‘ Bartender: Takuma Watanabe
  • Michter’s Art of Hospitality Award: Alquímico, Cartagena

Destinationstitel gingen an Mimi Kakushi in Dubai („The Best Bar in the Middle East“, Nr. 42), Caretaker’s Cottage in Melbourne („The Best Bar in Australasia“, Nr. 45) und erstmals an Front/Back in Accra („The Best Bar in Africa“) – die ghanaische Hauptstadt erscheint damit zum ersten Mal überhaupt in der Rangliste.

Die vollständige Liste der 50 Best Bars 2026

PlatzNameOrt
1Bar LeoneHongkong
2Moebius MilanoMailand
3AlquímicoCartagena
4Bar UsBangkok
5LineAthen
6Handshake SpeakeasyMexiko-Stadt
7ZestSeoul
8Connaught BarLondon
9Lady BeeLima
10Bar MauroMexiko-Stadt
11SchmuckNew York
12Hope & SesameGuangzhou
13The Cambridge Public HouseParis
14Sip & GuzzleNew York
15Bar NouveauParis
16SipsBarcelona
17ParadisoBarcelona
18Jigger & PonySingapur
19The Bar in Front of the BarAthen
20ExímiaSão Paulo
21Tres MonosBuenos Aires
22Mamba NegraMedellín
23De VieParis
24HimkokOslo
25ArgoHongkong
26DanicoParis
27Dry Wave Cocktail StudioBangkok
28El Gallo AltaneroGuadalajara
29Satan’s WhiskersLondon
30BKK Social ClubBangkok
31Victor Audio BarBuenos Aires
32WaltzLondon
33Locale FirenzeFlorenz
34Mirror BarBratislava
35Tan TanSão Paulo
36MontanaHongkong
37Sastrería MartinezLima
38Nutmeg & CloveSingapur
39Bar CarmenMedellín
40Barro NegroAthen
41GokanHongkong
42Mimi KakushiDubai
43Nouvelle VagueTirana
44Bar BenfiddichTokio
45Caretaker’s CottageMelbourne
46Martiny’sNew York
47TlecānMexiko-Stadt
48VirtùTokio
49Bar SnackNew York
50AngelitaMadrid

Die 50 Best Bars

Die „50 Best Bars“ bietet eine Liste der besten Drinking-Locations, gewählt von einer Academy aus mehr als 800 Expertinnen und Experten weltweit. Die Liste wird seit 2009 jährlich veröffentlicht und gilt als die am meisten erwartete Rangliste für Drinks-Profis und Cocktail-Liebhaber.

Das Abstimmungsverfahren: Die Liste wird durch Stimmen der „The 50 Best Bars Academy“ zusammengestellt, die mehr als 800 Drinks-Expertinnen und -Experten mit ausgewogener Geschlechterverteilung umfasst – darunter renommierte Bartender, Berater, Drinks-Autoren und Cocktail-Spezialisten aus aller Welt. Die Academy ist in 29 geografische Regionen unterteilt, jede geleitet von einem Academy Chair, der die Wähler seiner Region auswählt. Jeder Wähler gibt acht Stimmen basierend auf seinen besten Bar-Erfahrungen der vergangenen 18 Monate ab. Die Abstimmung erfolgt anonym, vertraulich und wird unabhängig von Deloitte überwacht.

Fazit: Warum keine deutsche Bar dabei ist

Deutschland bleibt in der globalen Top 50 erneut ohne Vertretung – und die Gründe dafür sind struktureller Natur, nicht qualitativer. Gourmet Report hat diese Mechanik bereits bei den „50 Best Restaurants“ ausführlich erklärt, und sie gilt für die Barszene in identischer Weise.

Das Voting-System bevorzugt internationale Sichtbarkeit

Die „50 Best Bars“ sind keine offene Auszeichnung, für die man sich bewerben kann. Die einzige Möglichkeit, auf die Liste zu gelangen, besteht darin, dass Academy-Mitglieder die Bar auf ihren Stimmzettel setzen. Die Academy umfasst mehr als 800 Experten, die in 29 geografische Regionen aufgeteilt sind. Jeder Wähler gibt acht Stimmen ab – basierend auf seinen besten Bar-Erfahrungen der vergangenen 18 Monate. Entscheidend: Ein Wähler kann nur Bars nominieren, die er oder sie tatsächlich besucht hat. Kontrolliert wird das aber nicht. Und der „Voter“ zahlt seine Drinks selber (oder lässt sich schlechtesten falls einladen).

Das bedeutet: Eine deutsche Bar muss von einer ausreichenden Zahl internationaler Wähler besucht worden sein, um überhaupt Chancen auf eine Platzierung zu haben. Die Wählerstruktur setzt sich aus drei Gruppen zusammen – etwa ein Drittel Bartender und Barbesitzer, ein Drittel Drinks-Autoren sowie ein Drittel „weit gereiste“ Cocktail-Experten. Gerade die dritte Gruppe konzentriert ihre Reisen auf die globalen Hotspots der Barszene: London, Paris, New York, Athen, Singapur, Hongkong. Deutsche Städte liegen abseits dieser Routen.

Deutschland ist in der internationalen Bar-Community zu wenig vernetzt

Hinzu kommt ein Phänomen, das Gourmet Report bereits für die Restaurant-Szene beschrieben hat: Die deutsche Gastronomie- und Barszene ist international zu wenig vernetzt und betreibt zu wenig aktives Standort-Marketing. Während Städte wie Paris, Athen oder Bangkok systematisch internationale Presse- und Influencer-Reisen organisieren, ihre Barszene als Destination bewerben und Bartender in globale Netzwerke einbinden, fehlt diese strategische Dimension in Deutschland weitgehend.

Die Folge: Deutsche Bars sind bei internationalen Wählern schlicht nicht auf dem Radar. Selbst exzellente Konzepte in Berlin, München oder Hamburg bleiben für die Academy unsichtbar, wenn sie nicht durch internationale Berichterstattung, Gastauftritte deutscher Bartender im Ausland oder umgekehrt durch Besuche ausländischer Branchengrößen in Deutschland Präsenz zeigen.

Der Vergleich mit der Europa-Liste zeigt das eigentliche Potenzial

Dass Deutschland durchaus konkurrenzfähige Bars hat, belegt ein Blick auf die regionale „50 Best Bars Europe“-Liste, die 2026 erstmals erschien. Dort ist Wax On aus Berlin auf Platz 17 gelistet und wurde als „Best Bar in Germany“ ausgezeichnet. Das zeigt: Wenn der Wählerkreis geografisch näher ist und die Barszene einer Stadt stärker im regionalen Bewusstsein verankert ist, sind deutsche Bars durchaus wettbewerbsfähig.

Der Sprung von der Europa-Liste in die globale Top 50 erfordert jedoch eine ganz andere Dimension der internationalen Aufmerksamkeit – eine Dimension, die deutsche Bars derzeit nicht erreichen. Es ist kein Qualitätsproblem, sondern ein Problem der internationalen Sichtbarkeit, des Netzwerks und der strategischen Kommunikation.

Was sich ändern müsste

Wollte Deutschland in den kommenden Jahren eine Bar in die globale Top 50 bringen, müssten mehrere Dinge zusammenkommen:

  1. Internationale PR- und Netzwerkarbeit: Deutsche Bars müssten systematisch internationale Journalisten, Bartender und Branchengrößen einladen und in globale Gastspiel-Programme einbinden.
  2. Städte-Marketing für die Barszene: Berlin, München oder Hamburg müssten ihre Barszene ähnlich aggressiv als Destination vermarkten, wie es Paris, Athen oder Kopenhagen tun.
  3. Präsenz deutscher Bartender im Ausland: Deutsche Bartender müssten verstärkt in internationalen Top-Bars arbeiten, bei globalen Wettbewerben präsent sein und sich in die Academy-Netzwerke einbringen.
  4. Kontinuität und Wiedererkennbarkeit: Die Academy wählt Bars, die über Jahre hinweg konstant präsent sind. Einzelne herausragende Bars ohne internationale Strahlkraft reichen nicht aus.

Solange diese Faktoren fehlen, wird Deutschland in der globalen Top 50 der Bars ebenso fehlen wie in der globalen Top 50 der Restaurants. Die Lücke ist nicht am Tresen entstanden, sondern in der internationalen Wahrnehmung.

Die Plätze 51-100: https://www.the50.com/bars/best-in-the-world/list/51-100

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