Glycerin im Slush-Eis: Gesundheitsrisiko für Kinder

Was wie ein harmloser Sommergenuss für Kinder aussieht, könnte unerwartete gesundheitliche Folgen haben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer umfassenden Stellungnahme vom 18. Februar 2025 auf erhebliche Risiken hingewiesen, die mit dem Zusatzstoff Glycerin (E 422) in Slush-Ice-Getränken verbunden sind .

Glycerin im Slush-Eis: Gesundheitsrisiko für Kinder

Die Behörde warnt davor, dass bereits kleine Mengen des beliebten Eisdrinks bei Kindern zu unerwünschten Wirkungen führen können.

Was ist Glycerin und warum ist es in Slush-Eis?

Glycerin, auch als Glycerol oder Glyzerin bekannt, ist ein farbloser, süß schmeckender Alkohol, der als Lebensmittelzusatzstoff E 422 zugelassen ist . Es wird in Slush-Eis verwendet, um die typische, halbgefrorene Konsistenz zu erhalten und ein vollständiges Durchfrieren zu verhindern . In der Europäischen Union ist der Einsatz von Glycerin in aromatisierten Getränken ohne festgelegte Höchstmenge erlaubt – es gilt das Prinzip „quantum satis“, was bedeutet, dass so viel verwendet werden darf, wie technisch notwendig ist .

Das Problem: Therapeutisch wird Glycerin in der Medizin eingesetzt, um einen erhöhten Hirndruck zu senken. Die niedrigste Dosis, bei der dieser Effekt nachweislich eintritt, beträgt 250 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht . Und genau diese Menge können Kinder bereits mit einer Portion Slush-Eis erreichen oder überschreiten.

Die BfR-Studie: Besorgniserregende Messergebnisse

Das BfR hat zwischen November 2023 und Oktober 2024 insgesamt 62 Slush-Eis-Proben untersucht . Die Ergebnisse sind alarmierend:

  • Der Durchschnittswert der Glycerin-Konzentration lag bei 26,24 Gramm pro Liter .
  • Fast die Hälfte der Proben (48 Prozent) enthielt mehr als 25 Gramm Glycerin pro Liter .
  • 16 Prozent der Proben wiesen sogar mehr als 50 Gramm pro Liter auf .
  • Der Spitzenwert betrug 142 Gramm pro Liter – gemessen in einem fertig zubereiteten Getränk .

Die Berechnungen des BfR zeigen: Ein fünfjähriges Kind mit einem Körpergewicht von 20 Kilogramm erreicht mit knapp 200 Millilitern eines durchschnittlich glycerinhaltigen Slush-Eises die therapeutisch wirksame Dosis . Bei höher konzentrierten Produkten kann diese Schwelle bereits mit 35 Millilitern überschritten werden .

Mögliche gesundheitliche Auswirkungen

Ein verminderter Hirndruck kann verschiedene Symptome auslösen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Doppelsehen und Beeinträchtigungen des Hörvermögens . In wissenschaftlichen Studien zu Glycerin wurden als Nebenwirkungen unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Benommenheit dokumentiert .

Die britische Lebensmittelbehörde FSA warnt zudem vor schwerwiegenderen Symptomen wie Hypoglykämie (Unterzuckerung), Schock und Bewusstlosigkeit . Besonders tückisch: Diese Symptome werden oft nicht mit dem Konsum von Slush-Eis in Verbindung gebracht, was zu einer erheblichen Dunkelziffer führen könnte .

Internationale Fälle und wissenschaftliche Bestätigung

Die Bedenken sind nicht neu. Bereits 2021 und 2022 wurden in Schottland zwei Fälle bekannt, bei denen Kinder nach dem Verzehr von Slush-Eis ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten . Eine im März 2025 im British Medical Journal veröffentlichte Studie dokumentierte 21 Fälle von Kindern im Alter von zwei bis sieben Jahren, die nach dem Konsum von Slush-Eis Symptome einer „Glycerin-Intoxikation“ zeigten .

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Mai 2026 auf Basis dieser Erkenntnisse eine Akute Referenzdosis (ARfD) von 125 Milligramm Glycerin pro Kilogramm Körpergewicht für einen einmaligen Verzehr abgeleitet . Diese Dosis ist noch niedriger als der vom BfR verwendete therapeutische Referenzpunkt von 250 Milligramm pro Kilogramm – und würde bei vielen Slush-Eis-Produkten bereits mit wenigen Schlucken überschritten werden .

Reaktionen der Behörden und Handlungsempfehlungen

Die britische Lebensmittelbehörde FSA empfiehlt, dass Kinder unter sieben Jahren keine glycerinhaltigen Slush-Eis-Getränke konsumieren sollten . Kinder unter zehn Jahren sollten auf maximal ein 350-Milliliter-Getränk pro Tag beschränkt bleiben . Die irische Behörde FSAI hat ihre Empfehlung im Mai 2026 sogar auf Kinder bis zehn Jahre ausgeweitet .

Das BfR rät Produzenten, die Verwendung von Glycerin kritisch zu prüfen – immerhin enthielt etwa ein Drittel der untersuchten Proben gar kein Glycerin . Verbraucherinnen und Verbrauchern empfiehlt die Behörde, auf Slush-Eis zu verzichten oder die Verzehrmenge gering zu halten, solange keine gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen existieren .

Die EFSA empfiehlt der Europäischen Kommission nun, verbindliche Höchstmengen für Glycerin in Getränken festzulegen . Der Europäische Erfrischungsgetränke-Verband hat bereits eine maximale Verwendungsmenge von 20 Gramm pro Kilogramm Slush-Eis-Getränk mitgeteilt .

Fazit

Slush-Eis ist mehr als nur eine erfrischende Sommerleckerei – es kann, insbesondere für Kinder, ein unterschätztes Gesundheitsrisiko darstellen. Die stark schwankenden Glycerin-Gehalte und die fehlende Kennzeichnung machen es für Verbraucher nahezu unmöglich, das Risiko einzuschätzen. Bis verbindliche Höchstmengen festgelegt werden, bleibt nur die Empfehlung der Behörden: Vorsicht walten lassen oder ganz auf den bunten Eisdrink verzichten.

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