Warum viele Restaurants trotz Steuererleichterung ums Überleben kämpfen

DIE 7-PROZENT-ILLUSION. Seit über vier Jahrzehnten stehe ich in Küchen, Restaurants und Veranstaltungsbetrieben. Selten habe ich eine Branche erlebt, die gleichzeitig so erschöpft — und dennoch so kämpferisch wirkt wie heute. Warum viele Restaurants ums Überleben kämpfen.

Uwe Steiniger

Warum viele Restaurants ums Überleben kämpfen

Die Rückkehr des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf Speisen wurde vielerorts wie ein Befreiungsschlag gefeiert. Endlich, so hofften viele Gastronomen, würde wieder etwas Luft zum Atmen entstehen.

Doch die Realität sieht deutlich komplizierter aus.

Denn auch mit sieben Prozent Mehrwertsteuer kämpfen zahlreiche Restaurants weiterhin ums wirtschaftliche Überleben. Die Preise für Energie, Lebensmittel, Versicherungen und Dienstleistungen steigen seit Jahren kontinuierlich. Gleichzeitig erhöhen Mindestlohn und Lohnnebenkosten den Druck auf viele Betriebe zusätzlich.

Die Folge:
Viele Gastronomen stehen heute zwischen zwei kaum lösbaren Entscheidungen.

Erhöhen sie die Preise zu stark, bleiben Gäste weg.
Halten sie die Preise stabil, schmilzt die ohnehin knappe Marge immer weiter zusammen.

Hinzu kommt eine Konsumstimmung, die vielerorts von Unsicherheit geprägt ist. Restaurantbesuche gelten inzwischen wieder häufiger als „Luxus“, auf den verzichtet wird, wenn das Haushaltsbudget enger wird.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um Zahlen.

Die Gastronomie befindet sich mitten in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Homeoffice verändert das klassische Mittagsgeschäft. Lieferdienste und Systemgastronomie verändern Essgewohnheiten. Familiengeführte Betriebe finden oft keine Nachfolger mehr.

Und mit jedem geschlossenen Restaurant verschwindet meist mehr als nur ein wirtschaftlicher Betrieb.

Es verschwinden Treffpunkte.
Stammtische.
Familiengeschichten.
Persönlichkeiten.
Ein Stück regionaler Identität.

Gerade inhabergeführte Restaurants leisten häufig weit mehr als reine Versorgung. Sie schaffen Begegnung, Gastfreundschaft und soziale Nähe — Werte, die in einer zunehmend anonymen Gesellschaft wichtiger werden, nicht unwichtiger.

Deshalb greift die Diskussion um sieben oder neunzehn Prozent Mehrwertsteuer letztlich zu kurz.

Natürlich braucht die Branche Entlastung.
Doch ebenso wichtig wären:

  • weniger Bürokratie,
  • bezahlbare Energie,
  • verlässliche politische Rahmenbedingungen,
  • mehr gesellschaftliche Wertschätzung für gastronomisches Handwerk,
  • und vor allem wieder mehr Lust auf gemeinsames Genießen.

Denn Gastronomie ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor.

Sie ist gelebte Kultur.

Oder einfacher gesagt:
Ein gutes Restaurant verkauft nicht nur Essen.
Es schafft Atmosphäre, Begegnung und Erinnerung.

Und genau das sollte uns mehr wert sein.

Uwe Steiniger

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