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Veröffentlicht am von Gourmet Report
Nicht alle Ultrahochverarbeiteten Lebensmittel (UPF) sind gleich – manche schützen sogar vor Diabetes
Eine neue große Übersichtsarbeit im „BMJ Nutrition, Prevention & Health“ räumt mit einem weit verbreiteten Mythos auf: Nicht jedes ultrahochverarbeitete Lebensmittel (UPF) ist ungesund. Während Wurst, Limonaden und bestimmte Fette das Risiko für Diabetes und Herzkrankheiten deutlich erhöhen, zeigen Brote, Frühstückscerealien und pflanzliche Alternativen überraschenderweise einen schützenden Effekt. Die Studie liefert wichtige Nuancen für die öffentliche Gesundheitsdebatte.
ungarische Salami
Nicht alle Ultrahochverarbeiteten Lebensmittel (UPF) sind gleich
Der Nova-Irrtum: Zu pauschal verurteilt
Die sogenannte Nova-Klassifikation teilt Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad in vier Gruppen ein – von unverarbeitet bis ultrahochverarbeitet (UPF). Viele Beobachter setzen „ultrahochverarbeitet“ pauschal mit „ungesund“ gleich. Doch das ist wissenschaftlich nicht haltbar, wie die aktuelle Review von Hana Kahleova und Kollegen (Physicians Committee for Responsible Medicine, Washington DC) zeigt.
Das Team durchsuchte systematisch die medizinische Datenbank PubMed nach Studien, die verschiedene UPF-Untergruppen getrennt voneinander analysierten. Von 309 gefundenen Arbeiten erfüllten 14 die strengen Einschlusskriterien – darunter 12 prospektive Kohortenstudien (z. B. aus den USA, Europa, Korea, Brasilien) und 2 randomisierte klinische Studien.
Quelle: Kahleova H, Himmelfarb J, Barnard ND. Not all ultra-processed foods are created equal: a review. BMJ Nutrition, Prevention & Health 2026;0:e001358. doi:10.1136/bmjnph-2025-001358 Direkter Link (Open Access):https://doi.org/10.1136/bmjnph-2025-001358
Die klaren Übeltäter: Drei UPF-Gruppen erhöhen das Krankheitsrisiko
Die Auswertung identifizierte drei Kategorien von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln, die durchgängig mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gesamtmortalität verbunden waren:
Fette, Aufstriche und Soßen (z. B. Margarine, fettreiche Saucen)
2 Studien
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck
Beispiel aus der EPIC-Studie (über 300.000 Teilnehmer aus sieben europäischen Ländern): Ein Anstieg der Aufnahme von tierischen UPF um 10 % pro Tag erhöhte das Diabetesrisiko um den Faktor 2,25 – also mehr als das Doppelte. Bei Würstchen und Fertiggerichten lag der Anstieg bei 16–40 % (je nach Studie).
Quelle im Original: Dicken SJ, et al. Lancet Reg Health Eur 2024;46:101043.
Die überraschenden Beschützer: Brote, Cerealien und Vollkornprodukte
Ganz anders sieht es bei anderen UPF-Gruppen aus. Vier große Studien zeigten übereinstimmend einen niedrigeren Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Personen, die häufig ultrahochverarbeitete Brote, Kekse, Frühstückscerealien oder Vollkornprodukte aßen.
In der US-Nurses‘ Health Study und Health Professionals Follow‑Up Study war der Verzehr von UPF-Broten und -Cerealien mit einem geringeren Diabetesrisiko verbunden (Chen Z, et al. Diabetes Care 2023;46:1335‑44).
Die EPIC‑Analyse (2024) berechnete eine Risikoreduktion um 35 % für Typ-2-Diabetes bei hohem Verzehr von Broten, Keksen und Frühstückscerealien (HR 0,65; 95 %‑KI 0,57–0,73).
Selbst pflanzliche Fleischalternativen (z. B. auf Soja- oder Erbsenbasis) zeigten eine Risikoreduktion um 54 % (HR 0,46) – vermutlich weil sie oft Ballaststoffe enthalten und weniger gesättigte Fette sowie Häm-Eisen.
Quelle im Original: Hu Y, et al. BMJ 2020;370:m2206 (Vollkorngetreide und Diabetesrisiko).
Was randomisierte Studien belegen: Ersatz von tierischen durch pflanzliche UPF hilft
Besonders wichtig: Die Autoren zitierten zwei randomisierte klinische Studien – die höchste Evidenzstufe in der Medizin.
Kahleova et al. (2025) – 244 übergewichtige Erwachsene: Der Ersatz tierischer Produkte durch pflanzliche Lebensmittel – auch wenn diese verarbeitet waren – führte zu einer signifikanten Gewichtsreduktion.
Kahleova et al. (2024) – Postmenopausale Frauen: Eine vegane Ernährung mit verarbeiteten und ultrahochverarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln reduzierte sowohl das Körpergewicht als auch die Häufigkeit schwerer Hitzewallungen.
Quelle: Kahleova H, et al. Nutr Metab (Lond) 2025;22:21 und Menopause 2024;31:877‑81.
Überwiegend Beobachtungsstudien → Residuales Confounding (z. B. gesündere Lebensstile bei Konsumenten von Vollkorn-UPF) ist nicht vollständig auszuschließen.
Nova-Klassifikation selbst ist nicht perfekt – sie erfasst weder die Nährstoffzusammensetzung noch die Herkunft (tierisch vs. pflanzlich) ausreichend.
Dennoch: Die Konsistenz der Ergebnisse über mehrere unabhängige Kohorten (USA, Europa, Korea, Brasilien, Mexiko) und die Unterstützung durch randomisierte Studien machen die Kernaussage robust.
Weiterführende, seriöse Quellen (extern)
Falls Sie das Thema vertiefen möchten, hier drei unabhängige, hochwertige Untersuchungen:
Chen Z, et al. (2023) – Ultra-Processed Food Consumption and Risk of Type 2 Diabetes: Three Large Prospective U.S. Cohort Studies. Diabetes Care 46:1335‑44. https://doi.org/10.2337/dc22-1993
Cordova R, et al. (2023) – Consumption of ultra-processed foods and risk of multimorbidity of cancer and cardiometabolic diseases: a multinational cohort study. Lancet Reg Health Eur 35:100771. https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2023.100771
Dicken SJ, et al. (2024) – Food consumption by degree of food processing and risk of type 2 diabetes mellitus: a prospective cohort analysis of the EPIC study. Lancet Reg Health Eur 46:101043. https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2024.101043
Fazit: Die Studie liefert eine dringend notwendige Differenzierung in der oft emotional geführten UPF-Debatte. Sie zeigt: Pauschale Verbote von „ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln“ sind wissenschaftlich nicht gerechtfertigt. Entscheidend ist nicht allein der Verarbeitungsgrad, sondern was genau verarbeitet wurde – und ob es tierischen oder pflanzlichen Ursprungs ist.
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