Vor drei Jahren eröffnete das Maison Papillon im Herzen der Berliner City West. Inspiriert vom New York der 1970er-Jahre verschmelzen im Restaurant moderne Ästhetik und ausgewählte Vintage-Elemente zu einem stimmigen Gesamterlebnis aus Design, herausragender Küche und exzellentem Service.
Die Atmosphäre, Stimmung oder das Flair eines Raumes haben natürlich besondere Bedeutung, doch mein Interesse richtet sich im Wesentlichen auf die Küche und deren Kreationen. Seit Herbst 2025 ist Julius Nowak für die kulinarische Ausrichtung des Hauses verantwortlich. Nowak kann Engagements in renommierten Hotels und Restaurants nachweisen. Meine Neugier allerdings weckte die Tatsache, dass er ca. 15 Monate bei Torsten Michel in der Baiersbronner Edelküche des Hotels Traube Tonbach tätig war, wie er mir berichtete.
Julius Nowack
Über den gelungenen Abend im Restaurant Maison Papillon, Berlin wollte ich eigentlich zeitnah berichten, doch Pläne ändern sich und nicht immer hat man die Gründe dafür selbst in der Hand. Wie heißt es doch so schön bei
Berthold Brecht (Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens):
„Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.“
Was aber letztlich doch ging, ja, was großartig funktioniert hatte, war das Essen an besagtem Abend. Das was ich jetzt vorstelle ist jedoch kein eigentliches Menü sondern ein Streifzug durch die Speisekarte. Die gezeigten Gerichte wurden jeweils von mehreren Personen geteilt.
Oktopus mit schwarzem Knoblauch und Staudensellerie
Beef Tatar vom Rinderfilet mit Sellerie und Kirsche
Beef Tatar Papillon mit Crème fraîche und Osietra Kaviar
Wolfsbarsch mit Salzzitrone und Chimichurri
Boeuf Bourguignon mit geräuchertem Kartoffelpüree und Champignons
Trüffelpizza mit Crème fraîche und frischem Trüffel
Trüffelpasta mit Trüffelsauce und frischem Trüffel
Sie haben es vielleicht gemerkt, die Reihenfolge der Gänge wurde von mir willkürlich so ausgewählt.
Bei der Beurteilung von Qualität und Geschmack kulinarischer Genüsse in Restaurants wird zwangsläufig eine Verbindung zu den Herstellern, also Koch, Küchencrew gezogen. Bei einem Mann wie Julius Nowak würde ich also schon ein strengeres Prüflevel ansetzen. Schließlich haben bereits seine vielen Engagements bewiesen, dass er es kann.
Doch gutes Essen und eine gute Stimmung sind eng miteinander verbunden, da Essen nicht nur den Körper sättigt, sondern auch unsere Stimmung und Geschmacksperception beeinflusst. Ein Essen in einem Dreisternerestaurant kann vollständig in den Hintergrund geraten, wenn der Partner plötzlich vor einem kniet und einem eine geöffnete Ringschatulle vor die Nase hält. Sie wissen längst, worauf ich hinaus will.
Das Maison Papillon Berlin ist eine interessante, lebendige Location. Das Speisenkonzept ist überlegt und strukturiert gestaltet. Die handwerkliche Ausgestaltung durch die Küche ist erstaunlich beeindruckend. Klassiker wie Beef Tatar mit Osietra Kaviar oder die Trüffelpizza, auf jeden Fall die Trüffelpasta, können schnell zum neuen persönlichen Lieblingsgericht aufsteigen. Den Wolfsbarsch oder das Boeuf Bourguingnon kann ich mir gar in einem Sternerestaurant vorstellen.
An unserem Tisch hatten wir an diesem Abend lebhafte Unterhaltungen über Restaurants, Essen, berufliches Engagement und was weiß ich noch alles.
Danach ein Essen in alle Einzelteilen zu zerlegen und zu beurteilen würde den Rahmen sprengen. Es hat gepasst und das war die Hauptsache.
Vielleicht doch noch ein Detail, welches nicht unerwähnt bleiben sollte. Endlich einmal konnte ich ein Dinner genießen ohne dass ich haufenweise verschämt Blumen vom Essen kratzen musste während die Servicekräfte mahnend zu mir blickten. Man sieht, man muss nicht jedem Trend hinterherlaufen.
Fotos: Bernhard Steinmann
