Die Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie zeigt erste, vielschichtige Auswirkungen auf das Konsumverhalten. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Finanztechnologie-Unternehmens SumUp hervor. Die zentrale Erkenntnis: Zwar besuchen mehr Gäste Restaurants, Kneipen und Co., die Ausgaben pro Besuch sind jedoch deutlich gesunken. Die Branche erlebt damit einen leichten, aber ambivalenten Jahresauftakt.
Mehrwertsteuersenkung lockt Gäste in die Gastronomie – doch sie geben weniger aus
Transaktionen steigen, Rechnungsbeträge sinken: Die Gäste sind sparsamer
Die Analyse der anonymisierten SumUp-Zahlungsdaten vom 1. bis 15. Januar 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum offenbart eine klare Tendenz:
- Transaktionen (Anzahl der Besuche/Einkäufe): +12,46 %
- Durchschnittlicher Rechnungsbetrag: -12,84 %
„Der Jahresauftakt bestätigt einen zentralen Branchentrend: Gäste sparen sich nicht den Besuch, sind aber preissensibel“, fasst SumUp die Situation für Gourmet Report zusammen. Die Menschen nutzen die steuerliche Entlastung offenbar, um häufiger auszugehen, passen aber ihr Bestellverhalten an und geben pro Besuch weniger Geld aus. Statt großer Einzelrechnungen dominieren kleinere Beträge.
Regionale Unterschiede: Besonders starkes Sparen in ostdeutschen Bundesländern
Die Sparsamkeit zieht sich wie ein roter Faden durch ganz Deutschland, fällt regional aber unterschiedlich stark aus. Besonders achtsam sind Gäste in diesen Bundesländern:
- Saarland: -24 %
- Thüringen: -24 %
- Sachsen-Anhalt: -22 %
Gleichzeitig gewinnt die Kartenzahlung weiter massiv an Bedeutung, mit einer auffälligen Ost-West-Dynamik. Die stärksten Zuwächse bei Kartenzahlungen verzeichnen:
- Thüringen: +58 %
- Mecklenburg-Vorpommern: +38 %
- Sachsen-Anhalt: +31 %
- Brandenburg: +22 %
Im Westen fielen die Steigerungen moderater aus, einzig das Saarland sticht mit einem Plus von 22 % ebenfalls hervor.
Digitales Trinkgeld: Beliebtheit boomt trotz kleinerer Rechnungen
Ein bemerkenswerter positiver Trend ist die anhaltende Beliebtheit der digitalen Trinkgeldfunktion. Obwohl die eigenen Ausgaben sinken, honorieren Gäste weiterhin den Service:
- Die Nutzung der digitalen Trinkgeld-Option stieg um 40 %.
- Der Trinkgeldanteil am Rechnungsbetrag blieb nahezu stabil.
Dies deutet auf eine anhaltend positive Grundstimmung und Wertschätzung gegenüber dem Servicepersonal hin.
Food Trucks als Gewinner der Entwicklung
Ein besonders positives Bild zeigt sich bei Food Trucks. Sie profitieren überdurchschnittlich von der aktuellen Entwicklung:
- Transaktionen: +17 %
- Durchschnittliche Einnahmen via Karte: +7 %
- Nutzung der Trinkgeldfunktion: +60 % (Spitzenwert in der Gastronomie)
Die mobilen Gastronomen scheinen mit ihrem oft preisbewussten und flexiblen Angebot den Nerv der Zeit zu treffen.
Fazit: Gastronomie muss sich auf verändertes Konsumverhalten einstellen
Die SumUp-Analyse zum Start der Mehrwertsteuersenkung zeichnet ein klares Bild: Die Maßnahme stimuliert die Frequentierung der Gastronomie, führt aber nicht zu höheren Pro-Kopf-Ausgaben. Gäste nutzen die Ersparnis für häufigere, aber kostengünstigere Besuche. Für Gastronomen bedeutet dies, dass sie durch attraktive Preispunkte, flexible Angebote und eine unkomplizierte Bezahl- und Trinkgeldmöglichkeit punkten können. Die stark gestiegene Akzeptanz der Kartenzahlung, besonders in Ostdeutschland, und der Boom des digitalen Trinkgeldes unterstreichen die fortschreitende Digitalisierung der Branche.
Methodik: Die SumUp-Auswertung basiert auf anonymisierten Transaktionsdaten von SumUp-Händlern in ausgewählten gastronomischen Kategorien vom 1. bis 15. Januar 2026. Vergleichszeitraum ist der 1. bis 15. Januar 2025.

Besucherbewertung: 5 Sterne