Neue Trinkgeld-Studie

Digitale „Trinkgeldtaste“ verändert die Regeln – Wo Deutsche noch extra zahlen. Eine aktuelle Studie der Hochschule Fresenius zeigt einen tiefgreifenden Wandel in der deutschen Trinkgeldkultur. Während das „Stimmt so“ im Restaurant weiterhin Standard ist, erodieren traditionelle Trinkgeld-Normen in Bereichen wie Taxi und Handwerk.

Amerikanische Trinkgeld Sitten

Trinkgeld-Studie

Gleichzeitig verändert die digitale „Trinkgeldtaste“ am Kartenterminal den psychologischen Vertrag zwischen Kunde und Dienstleister grundlegend. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Ergebnisse der Trinkgeld-Studie 2025 zusammen und erklärt, wo Deutsche heute noch Trinkgeld geben – und wo nicht mehr.

Die Trinkgeld-Schere 2025: Restaurant ja, Handwerk nein

Die repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio (n=750) im Auftrag der Hochschule Fresenius macht eine deutliche Schere sichtbar:

  • Restaurant mit Service: Unangefochtener Spitzenreiter. 82 % der Deutschen halten Trinkgeld hier für üblich.
  • Lieferdienste (Essen, Pakete): Immer noch weit verbreitet. 66 % geben hier regelmäßig Trinkgeld.
  • Taxi: Die Norm bröckelt. Nur noch jeder Zweite (ca. 50 %) empfindet Trinkgeld hier als selbstverständlich.
  • Handwerker: Trinkgeld wird zur Ausnahme. Nur noch 35 % der Befragten zahlen hier einen Extra-Obolus.
  • Pflegebereich: Am seltensten. Lediglich 26 % geben im Pflegekontext Trinkgeld.

„Was früher selbstverständlich schien, ist es heute oft nicht mehr“, erklärt Prof. Dr. Sascha Hoffmann von der Hochschule Fresenius. „Unsere aktuellen Erhebungen zeigen, dass klassische Trinkgeld-Normen erodieren: Beim Taxifahren greift nur noch jeder Zweite zum Portemonnaie, beim Handwerker sogar nur noch jeder Dritte.“

Die digitale „Trinkgeldtaste“: Erleichterung oder psychologischer Druck?

Ein zentraler Fokus der Studie liegt auf den Auswirkungen der Digitalisierung. Die Trinkgeldabfrage am Kartenterminal – oft als „Trinkgeldtaste“ bezeichnet – wird von 43 % der Kartenzahler außerhalb von Restaurants noch gar nicht wahrgenommen. Dennoch stellt sie eine qualitative Veränderung der Interaktion dar.

„Im klassischen Bargeldverkehr bin ich frei. Das Terminal aber fragt mich aktiv: ‚Willst du etwas geben oder nicht?‘ Das ist ein deutlicher qualitativer Unterschied“, so Co-Autor Dr. Frederic Hilkenmeier im Gourmet Report.

Die Bewertung dieser digitalen Aufforderung hängt stark vom Kontext ab

  • Im Restaurant wird sie oft als hilfreiche Eselsbrücke gegen das Vergessen empfunden.
  • In schnellen To-Go-Situationen (z.B. Bäckerei, Café zum Mitnehmen) kann die gleiche Abfrage dagegen als unangemessen oder sogar nötigend wirken, da hier wenig bis kein Service stattfindet.

Die Studie unterstreicht, dass in Deutschland zwar der Grundsatz der Freiwilligkeit gilt, die digitale Abfrage jedoch einen subtilen psychologischen Druck erzeugen kann, der beim bargeldlosen „Stimmt so“ nicht vorhanden war.

Die Trinkgeld-Schere: Wo noch gegeben wird – und wo nicht mehr (Quelle: Hochschule Fresenius / Appinio, n=750)

Fazit: Ein Kulturwandel mit zwei Gesichtern

Die Fresenius-Studie zum Trinkgeldverhalten 2025 zeichnet das Bild eines gesellschaftlichen Umbruchs:

  1. Erosion traditioneller Normen: Die ungeschriebenen Gesetze des Trinkgelds gelten nicht mehr universell. Die Erwartungshaltung verschiebt sich deutlich von handwerklich-pflegerischen Dienstleistungen hin zu klassischen Gastronomie- und Lieferservices.
  2. Digitalisierung als Game-Changer: Die Trinkgeldtaste am Terminal etabliert eine neue, direktere Form der Aufforderung. Ob sie als Service oder Belästigung empfunden wird, ist stark kontextabhängig.

Dieser Wandel wirft Fragen auf: Sollte Trinkgeld in Deutschland neu definiert werden? Führt die Digitalisierung zu mehr Transparenz oder zu sozialem Unbehagen? Die Studie liefert eine fundierte Basis für die weitere Debatte über Fairness, Service und soziale Anerkennung in der Dienstleistungsgesellschaft.


Der Beitrag „Stimmt so! Relevanz und Einflussfaktoren von Trinkgeld“ erscheint in der Ausgabe 12/2025 der Zeitschrift WiSt – Wirtschaftswissenschaftliches Studium. Die beiden Statistiken basieren auf einer neuen, repräsentativen Umfrage, die im Oktober 2025 durch das Marktforschungsinstitut Appinio im Auftrag der Autoren mit 750 Teilnehmer:innen durchgeführt wurde.

Fachzeitschrift WiSt – Wirtschaftswissenschaftliches Studium.

Die Hochschule Fresenius

Die Hochschule Fresenius ist eine der renommiertesten privaten Hochschulen Deutschlands. Mit einer Bildungstradition von 175 Jahren bietet sie mehr als 150 Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Aus- und Weiterbildungen in fünf Fachbereichen an. In den Fachbereichen Chemie & Biologie, Design, Gesundheit & Soziales, Wirtschaft & Medien und in der Fernlehre sind rund 19.000 Studierende eingeschrieben. Die Hochschule legt großen Wert auf die enge Verzahnung von Lehre, Forschung und Praxis. Dafür werden zeitgemäße Studiengänge zusammen mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt. Informationen: https://www.hs-fresenius.de/

0 Antworten auf „Neue Trinkgeld-Studie“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.