Vom 1. bis 31. Oktober 2026 verwandelt sich das Saarland erneut in eine einzige große Genusslandschaft. Die Geschmackswochen der Genuss Region Saarland gehen in die nächste Runde und bieten Urlaubern wie Einheimischen mehr als 100 Veranstaltungen – von Hofführungen über Weinproben bis hin zu Genusswanderungen und exklusiven Menüs.
Saarland Geschmackswochen
Ein Monat voller Geschmack und Regionalität
Das Konzept ist so einfach wie wirkungsvoll: Einen Monat lang zeigen Produzenten, Gastronomen und Gastgeber gebündelt, was die saarländische Küche zu bieten hat. Die Bandbreite reicht von kulinarischen Stadtspaziergängen über Kochkurse bis hin zu Märkten und Genusswerkstätten. Besucher erhalten die Möglichkeit, Produzenten über die Schulter zu schauen, ihre Produkte zu verkosten und die Region zu erkunden, in der der Geschmack des Saarlands wächst und gedeiht.
Die Geschmackswochen finden 2026 bereits zum zweiten Mal statt. Im Vorjahr feierte die Genuss Region Saarland mit der Premiere ihr 15-jähriges Bestehen – ein Format, das offenbar eingeschlagen hat. Die Tourismus Zentrale Saarland hat das Veranstaltungsformat seither konsequent ausgebaut.
Die Bliesgau Ölmühle: Leindotteröl als kulinarisches Erbe der Kelten
Ein Produzent, der die Philosophie der Geschmackswochen wie kaum ein anderer verkörpert, ist die Bliesgau Ölmühle in Bliesransbach. Die Betreiber Patric Bies und Jörg Hector haben sich auf die Herstellung heimischer, seltener Speiseöle spezialisiert – mit dem Leindotteröl als Herzstück.
Die Geschichte des Leindotters reicht weit zurück: Die Pflanze wurde in Mitteleuropa bereits in der Bronzezeit sowie in der keltischen Epoche angebaut und zum Kochen, für Lampen und als Heilmittel verwendet. Bei archäologischen Ausgrabungen in gallo-römischen Siedlungen fanden sich Belege, dass der Leindotter einst die beliebteste Ölpflanze der Kelten war. Mit dem Aufkommen von Faserpflanzen wie Hanf und Leinen geriet er jedoch nahezu in Vergessenheit.
In Deutschland war die Verfütterung des bei der Pressung anfallenden Leindotterpresskuchens zudem über Jahrzehnte verboten – eine kuriose Folge kaiserlicher Handelspolitik: Als in einer Schiffsladung Leindotter aus Osteuropa Schädlinge entdeckt wurden, erließ der Kaiser ein Import- und Verfütterungsverbot, das die Weimarer Republik und später auch die Europäische Union überlebte. Erst 2009, mit dem EU-Beitritt osteuropäischer Staaten, wurde das Verbot aufgehoben.
Ein Öl, das nach Gemüse schmeckt
Trotz des ähnlichen Namens stammen Leindotteröl und Leinöl von völlig unterschiedlichen Pflanzenfamilien. Während Leinöl aus Flachs gewonnen wird, ist die Leindotterpflanze als Kreuzblütengewächs verwandt mit Raps und Senf . Das macht sich auch im Geschmack bemerkbar: Leindotteröl schmeckt deutlich milder, mit einem charakteristischen Aroma, das an Erbsen und Spargel erinnert .
Patric Bies beschreibt die Besonderheit des Saarlands als Anbaugebiet so: „Neben Sonne und Wasser beeinflusst vor allem das ,Terroir‘ des Bliesgaus – mit seinen Muschelkalklandschaften und oberem Buntsandstein – die Qualität unserer Speiseöle. Die Landschaft gibt ihnen ihren einzigartigen Charakter.“
Das UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau mit seinen Muschelkalkböden bietet ideale Bedingungen für den Anbau von Ölpflanzen. Heute gehört die Bliesgau Ölmühle zu den größten Leindotteröl-Produzenten in Deutschland . Inzwischen arbeiten Bies und Hector mit zwölf Landwirten zusammen, viele davon im Ökolandbau .
Von der Renaissance einer fast vergessenen Pflanze
Die Wiederentdeckung des Leindotters ist eine Geschichte, die exemplarisch für die Geschmackswochen steht. Seit rund 20 Jahren setzen sich Bies und Hector für die Renaissance dieser alten Kulturpflanze ein. Der Leindotter ist nicht nur Öllieferant, sondern auch ideale Stützpflanze für Linsen – eine Symbiose, die im Saarland eine lange Tradition hat .
„Die Pflanze war vom Aussterben bedroht und hatte in Deutschland keinen Markt. Wir haben sie wiederentdeckt und bei uns heimisch gemacht“, so Bies . Die Motivation der beiden Ölmüller: der heimischen Landwirtschaft Impulse geben und diese mit höchster Qualität und kulinarischem Genuss verbinden .
Das Leindotteröl überzeugt nicht nur geschmacklich, sondern auch durch seine ernährungsphysiologischen Werte. Mit einem Anteil an Omega-3-Fettsäuren von bis zu 48 Prozent liegt es deutlich über dem von Oliven- oder Rapsöl . Nur Leinöl hat einen noch höheren Gehalt, ist dafür aber nur vier bis sechs Wochen haltbar. Leindotteröl kann bei kühler Lagerung bis zu einem dreiviertel Jahr aufbewahrt werden.
Von Hofführungen bis Genussmeile: Das Programm
Die Geschmackswochen 2026 bieten eine Vielzahl von Veranstaltungsformaten. Ein Beispiel: Das Hofgut Dösterhof in Wadern lädt an zwei Terminen (16. und 23. Oktober) zu einer Hofführung mit anschließendem regionalen Herbstmenü. Für 28,90 Euro gibt es ein Drei-Gänge-Menü mit Waldpilzcremesüppchen, Cordon Bleu vom Hofschwein oder vegetarischer Hokkaido-Lasagne und Panna Cotta mit Eierlikör .
Weitere Programmpunkte umfassen kulinarische Stadtspaziergänge durch Saarlouis, Neunkirchen und Saarbrücken, Pilzwanderungen, Weinproben, Kochkurse mit Spitzenköchen sowie Märkte wie der Mondscheinmarkt in Blieskastel. Die Genussmeile in der Saarbrücker Bahnhofsstraße, die 2025 zum Tag der Deutschen Einheit stattfand, gehört ebenfalls zum etablierten Repertoire .
Fazit: Ein Format mit Zukunft
Die Geschmackswochen sind mehr als eine Veranstaltungsreihe – sie sind ein Schaufenster für eine Region, die ihre kulinarische Identität selbstbewusst präsentiert. Dass Produzenten wie die Bliesgau Ölmühle mit einem Produkt wie Leindotteröl internationale Maßstäbe setzen, zeigt: Das Saarland tischt nicht nur auf, es tischt auf mit Geschichte, Handwerk und einem Gespür für das, was in Vergessenheit geraten war.
Informationen und Programm: www.genuss.saarland
