Kartoffeln und Diabetes: Neue Studie zeigt, worauf es wirklich ankommt

Eine große Langzeitstudie mit über 200.000 Teilnehmenden bringt Klarheit in eine lange geführte Debatte: Kartoffeln sind nicht gleich Kartoffeln. Während Pommes frites das Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich erhöhen, sind gekochte oder gebackene Kartoffeln unbedenklich.

Pommes

Kartoffeln und Diabetes

Die Studie im Überblick: Drei Mega-Kohorten unter der Lupe

Forschende der renommierten Harvard T.H. Chan School of Public Health haben Daten aus drei der weltweit größten Ernährungsstudien ausgewertet: die Nurses‘ Health Study (NHS) , die Nurses‘ Health Study II (NHSII) und die Health Professionals Follow-up Study (HPFS) . Insgesamt flossen die Daten von 205.107 Männern und Frauen in die Analyse ein, die über Jahrzehnte – teils von 1984 bis 2021 – regelmäßig zu ihrem Essverhalten befragt wurden.

Die beteiligten Wissenschaftler: Dr. Mingyang Song und sein Team vom Department of Nutrition an der Harvard Medical School untersuchten gemeinsam mit Kolleg:innen der Harvard T.H. Chan School of Public Health den Zusammenhang zwischen Kartoffelkonsum und der Entwicklung von Typ-2-Diabetes. Die Ergebnisse wurden im August 2025 im renommierten British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht.

Die wichtigsten Ergebnisse: Pommes sind das Problem

Während der gesamten Studienzeit von über 5,1 Millionen Personenjahren erkrankten 22.299 Teilnehmende an Typ-2-Diabetes. Die Auswertung brachte folgende Kern-Erkenntnisse:

KartoffelartRisiko pro 3 Portionen/WocheBesonderheit
Alle Kartoffeln zusammen+5% erhöhtes RisikoStatistisch signifikant
Pommes frites+20% erhöhtes RisikoDeutlichster Effekt
Gekochte/gebackene Kartoffeln+1% (nicht signifikant)Kein statistisch nachweisbares Risiko
ChipsNicht in HauptanalyseSeparater Faktor

Besonders interessant: Der Effekt hing stark davon ab, wodurch die Kartoffeln ersetzt wurden.

Der Austausch-Effekt: Vollkorn senkt das Risiko

Die Forschenden führten sogenannte Substitutionsanalysen durch. Sie berechneten, was passiert, wenn man drei Portionen Kartoffeln pro Woche durch andere Lebensmittel ersetzt:

  • Austausch gegen Vollkornprodukte: Das Risiko sank um 8% (bei allen Kartoffeln) bzw. 19% (bei Pommes).
  • Austausch gegen weißen Reis: Das Risiko stieg sogar an.
  • Meta-Analyse bestätigt: In einer zusätzlichen Auswertung von 13 internationalen Kohorten mit über 587.000 Teilnehmenden zeigte sich das gleiche Bild: Vollkorn senkt das Risiko um 7-17%, je nach Kartoffelart.

Was bedeutet das für den Alltag?

Dr. Mingyang Song, Hauptautor der Studie, erklärt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es nicht ausreicht, nur auf ein Lebensmittel zu schauen. Entscheidend ist das Gesamtgefüge der Ernährung. Wer Pommes isst, aber dafür auf andere ungesunde Kohlenhydrate verzichtet, könnte immer noch profitieren – der beste Effekt aber ist der Austausch gegen Vollkorn.“

Die Studienautor:innen betonen, dass die Zubereitungsart eine Schlüsselrolle spielt. Beim Frittieren entstehen nicht nur schädliche Transfette, sondern der hohe glykämische Index der Kartoffel wird durch den Fettgehalt noch verstärkt. Zudem gehen wasserlösliche Vitamine verloren.

Die Wissenschaftler:innen im Überblick

Die Studie entstand unter der Leitung von:

  • Dr. Mingyang Song, Harvard T.H. Chan School of Public Health, Abteilung für Klinische Epidemiologie und Ernährung
  • Prof. Walter C. Willett, emeritierter Professor für Epidemiologie und Ernährung, einer der weltweit führenden Ernährungsforscher
  • Dr. Yan Zheng und Dr. Longgang Zhao als weitere Schlüsselautor:innen der Datenanalyse

Beteiligte Institutionen:

  • Harvard T.H. Chan School of Public Health (Boston, USA)
  • Brigham and Women‘s Hospital (Boston, USA)
  • Harvard Medical School (Boston, USA)

Kritische Einordnung: Was die Studie nicht sagt

Die Forschenden weisen selbst auf Limitationen hin:

  1. Die Daten basieren auf Selbstauskünften per Fragebogen – Erinnerungsfehler sind möglich.
  2. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Kausalität beweisen kann, sondern nur Zusammenhänge aufzeigt.
  3. Die Teilnehmenden waren fast ausschließlich Gesundheitsfachpersonen (Krankenschwestern, Ärzte), was die Übertragbarkeit auf die Allgemeinbevölkerung einschränken könnte.
  4. Der Kartoffel-Chips-Konsum konnte nicht separat ausgewertet werden, da im Fragebogen „Kartoffel- oder Mais-Chips“ zusammengefasst waren.

Fazit für die Praxis

Die Studie entkräftet die pauschale Warnung vor Kartoffeln. Entscheidend sind:

  • Die Zubereitungsart: Gekocht oder gebacken ist unbedenklich.
  • Die Menge: Bei Pommes gilt: Je weniger, desto besser.
  • Die Begleitung: Vollkornprodukte sind die bessere Kohlenhydratquelle als weisser Reis.
  • Das Gesamtpaket: Wer sich insgesamt ausgewogen ernährt, muss auf gelegentliche Portionen Pommes nicht verzichten.

Originalpublikation:
Song M, Zheng Y, Zhao L, et al. Total and specific potato intake and risk of type 2 diabetes: results from three US cohort studies and a substitution meta-analysis of prospective cohorts. BMJ 2025;390:e082121
DOI: 10.1136/bmj-2024-082121

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