Der Kern der Studie: Ältere Japanerinnen und Japaner, die mindestens einmal pro Woche Käse essen, erkrankten in drei Jahren etwas seltener an Demenz als Personen, die keinen Käse essen.
© Käse aus der Schweiz
Studie: Käse gegen Demenz
Was hat die Studie untersucht?
Die Studie stammt aus der großen japanischen JAGES-Kohorte und umfasst über 7900 zu Hause lebende Personen ab 65 Jahren ohne vorherige Pflegebedürftigkeit. Ziel war zu prüfen, ob regelmäßiger Käsekonsum mit einem geringeren Demenzrisiko über drei Jahre hinweg verbunden ist.
Erfasst wurde, wer mindestens einmal pro Woche Käse isst (Käse-Esser) und wer selten oder nie Käse zu sich nimmt (Nicht-Konsumenten). Die Forschenden verknüpften die Ernährungsdaten mit den offiziellen Pflegestufen-Registern Japans, in denen neue Demenzfälle standardisiert dokumentiert werden.
Wie wurde ausgewertet?
Um Störfaktoren zu kontrollieren, nutzte das Team ein Propensity-Score-Matching: Käse-Esser und Nicht-Esser wurden so gepaart, dass sie sich bei Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, Gesundheitszustand, Alltagskompetenz und Gedächtnisbeschwerden möglichst ähnlich waren. Am Ende umfasste die Analyse 3957 Käse-Konsumenten und 3957 Nicht-Konsumenten mit gut ausbalancierten Ausgangsmerkmalen.
Für das Demenzrisiko kamen Cox-Modelle zum Einsatz, mit denen sich das relative Risiko über den Zeitraum von drei Jahren schätzen lässt. In weiteren Modellen wurden zusätzlich allgemeine Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt, um den Einfluss von Käse noch spezifischer herauszuarbeiten.
Die wichtigsten Ergebnisse
Während der dreijährigen Nachbeobachtung entwickelten 3,4% der Käse-Esser und 4,5% der Nicht-Esser eine Demenz. Das entspricht einer absoluten Risikodifferenz von gut einem Prozentpunkt zugunsten der Käse-Gruppe.
Statistisch zeigte sich ein um rund 24% reduziertes relatives Risiko für Demenz bei regelmäßigem Käsekonsum (Hazard Ratio 0,76; 95-%-Konfidenzintervall 0,60–0,95; p = 0,015). Die Autorinnen und Autoren sprechen deshalb von einem „modest association“, also einem eher kleinen, aber signifikanten Zusammenhang.
Mögliche biologische Erklärungen
Käse liefert eine Kombination aus Nährstoffen und bioaktiven Substanzen, die theoretisch neuroprotektiv wirken können. Dazu gehören unter anderem Vitamin K2, bioaktive Peptide sowie probiotische Mikroorganismen, die entzündungshemmende und gefäßschützende Effekte haben könnten.
Außerdem spielt Käse im Rahmen gemischter Ernährungsmuster (ähnlich mediterraner Kost) eine Rolle, die bereits in anderen Studien mit besserer kognitiver Funktion in Verbindung gebracht wurden. Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass der genaue Mechanismus noch nicht geklärt ist und weitere Forschung nötig bleibt.
Grenzen und Einordnung
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, keine Interventionsstudie – Ursachen lassen sich also nicht beweisen, nur Zusammenhänge. Trotz sorgfältiger Anpassung können nicht gemessene Einflussfaktoren (z.B. feinere Ernährungsdetails, genetische Risikoprofile oder Lebensstilfaktoren wie geistige Aktivität) eine Rolle spielen.
Zudem ist der absolute Effekt relativ klein, und die Ergebnisse stammen aus einer japanischen Population mit traditionell eher niedrigem Milchkonsum. Ob sich die Befunde 1:1 auf westliche Länder mit höherem Käse- und Milchkonsum übertragen lassen, bleibt offen.
Studie: https://www.mdpi.com/2072-6643/17/21/3363
Fazit
Die Autoren fassen zusammen, dass ein regelmäßiger, moderater Käsekonsum (mindestens einmal pro Woche) mit einer leicht niedrigeren Demenzrate bei älteren Erwachsenen in Japan verbunden war. Sie betonen zugleich, dass Käse kein „Wundermittel“ sei, sondern als Baustein in einem insgesamt gesunden Lebensstil gesehen werden müsse. Wie sie sinngemäß schreiben, liefern die Daten „epidemiologische Hinweise auf eine mögliche präventive Rolle in Bevölkerungen mit generell geringer Milchkonsumtion“.

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