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Veröffentlicht am von Gourmet Report
Veganuary ohne Fleisch, Dry January ohne Alkohol
Was pflanzliche Küche, alkoholfreie Begleitung und 7 % MwSt. für Betriebe wirklich bedeuten. Ein Gastkommentar von Uwe Steiniger,Toques d’Or-Maître, Coach & Autor.
Uwe Steiniger
Veganuary ohne Fleisch, Dry January ohne Alkohol
Der Januar gilt in der Gastronomie traditionell als schwieriger Monat. Die Feiertage sind vorbei, die Ausgehfreude gedämpft, die Budgets der Gäste vorsichtig. Mit Veganuary und Dry Januaryhat sich dieser Monat jedoch gewandelt – und ist 2026 mehr denn je zu einer strategischen Chance geworden. Vorausgesetzt, man versteht ihn nicht als Verzichtsprogramm, sondern als Einladung zu Können, Kreativität und Haltung.
Veganuary ist kein Verzicht – er ist ein Qualitätscheck
Seit seiner Einführung 2014 hat sich der Veganuary von einer Nischenkampagne zu einem globalen Phänomen entwickelt. Millionen Menschen entscheiden sich jedes Jahr im Januar bewusst für eine rein pflanzliche Ernährung – aus gesundheitlichen, ethischen oder ökologischen Gründen.
Für die Gastronomie liegt die eigentliche Herausforderung jedoch nicht im „Veganen“, sondern im Wie. Wer Veganuary mit dem bloßen Weglassen von Fleisch beantwortet, wird weder überzeugen noch gewinnen. Pflanzliche Küche funktioniert nur dann, wenn sie handwerklich durchdacht, geschmacklich tief und eigenständig ist. Gäste wollen keine moralische Belehrung, sondern ein Erlebnis.
Veganuary ist deshalb weniger ein Trendmonat als ein Stresstest für kulinarische Kompetenz.
Als Küchenmeister weiß ich: Genuss entsteht nicht durch Etiketten, sondern durch Sorgfalt, Würze, Textur und Idee. Ein gutes veganes Gericht braucht dieselbe Aufmerksamkeit wie jedes andere – manchmal sogar mehr.
Der Fehler vieler Betriebe liegt darin, pflanzliche Küche als Pflichtübung zu betrachten. Dabei ist sie eine große Chance, neue Zielgruppen anzusprechen, Stammgäste zu überraschen und das eigene Profil zu schärfen. Genuss ist dabei das stärkste Argument – nicht Ideologie.
Dry January: Weniger Promille, nicht weniger Potenzial
Parallel zum Veganuary verzichten viele Gäste im Januar bewusst auf Alkohol. Auch hier wird in der Branche oft vorschnell von Umsatzeinbußen gesprochen. Tatsächlich sinkt der Alkoholkonsum, nicht jedoch die Bereitschaft, Geld für Qualität auszugeben.
Der Markt für hochwertige alkoholfreie Getränke hat sich rasant entwickelt: kreative Mocktails, entalkoholisierte Weine, alkoholfreie Aperitifs, Kräuter- und Wermut-basierte Begleitungen. Wer alkoholfrei noch immer mit Verzicht gleichsetzt, verkennt die Realität des Mindful Drinking.
Dry January ist kein Umsatzkiller – er ist ein Innovationsmotor.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt wieder der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 % auf Speisen. Diese Entlastung löst nicht alle strukturellen Probleme der Branche, schafft aber Spielräume. Gerade die Kombination aus hochwertiger Küche und durchdachter, alkoholfreier Begleitung wird dadurch wirtschaftlich attraktiver.
Das ist kein Freibrief zum Sparen, sondern eine Einladung zur Profilbildung.
Mein Fazit als LebeMensch
Veganuary und Dry January stehen nicht für Askese, sondern für Bewusstsein. Für eine neue Balance zwischen Gesundheit, Genuss und Verantwortung. Die Gäste von heute wollen wissen, was ihnen guttut – ohne auf Lebensfreude zu verzichten.
Die Gastronomie 2026 gewinnt nicht durch Extreme. Sie gewinnt durch Können, Klarheit und Haltung.
Wer den Januar klug nutzt, kocht nicht gegen den Trend – sondern mit ihm.